Eine alte Vorstellung hat in der Esoterik wieder eine Hochphase, wie Hugo Stamm im Sektenblog auf Watson schreibt:
Die Theorie der Telegonie besagt, Kinder würden genetisch von den früheren Sexualpartnern geprägt. Vor allem vom ersten. Konkret: Töchter und Söhne würden den genetischen Abdruck des ersten Liebhabers ihrer Mutter aufweisen. Mit anderen Worten: Kinder erhalten nicht nur genetische Einflüsse vom leiblichen Vater, sondern auch von Männern aus früheren Liebschaften.
Als Beispiel nennt Stamm in seinem Beitrag die esoterische Beraterin Ivi Kappler:
In ihrem Video mit dem Titel «Genetische Fingerabdrücke und Einflüsse früherer Sexualpartner» fragt sie, weshalb sich manche Väter schwertun, ihre Kinder zu akzeptieren, und viele Frauen postnatale Depressionen entwickeln. Ihre Antwort: Sie würden spüren, dass fremde Gene eine Rolle spielten und das Baby nur teilweise ihr Fleisch und Blut sei.
In der Esoterikszene wird diese Angst erst konstruiert und anschließend damit Geld verdient:
Inzwischen gibt es Seminare, Coachings und esoterische Beratung zum Thema Telegonie. Das Geschäft mit der Angst wird kommerzialisiert und kennt keine Grenzen.
Wenig überraschend finden sich auch Verbindungen in die rechte und völkische Szene. Die Anastasia-Bewegung darf dabei nicht fehlen. Hier entlang zum kompletten Artikel.
Vor einigen Monaten erschien auch im GWUP-Blog ein ausführlicher Gastbeitrag eines anonymisierten Verfassers. Anlässlich der Verleihung des Goldenen Bretts 2025 beschäftigte er sich mit den historischen Hintergründen und der modernen Wiederkehr telegonischer Mythen:
Der Verfasser kommt darin zu folgendem Fazit:
Die moderne „Telegonie-Löschung“ ist kein isoliertes Kuriosum, sondern Teil eines Marktes, in dem pseudowissenschaftliche Narrative, ideologische Konzepte und kommerzielle Interessen ineinandergreifen. Dass die Skeptiker bei der Preisverleihung zum Goldenen Brett in Wien 2025 ein solches Angebot nominierten, zeigt eindeutig: Der alte Irrweg der Telegonie lebt aktuell in neuer, digitaler und kommerzieller Form weiter – und verdient weiterhin kritische Aufmerksamkeit.
Auch auf der SkepKon 2026 war Telegonie Thema eines Vortrags der Biologin Klara Müller. Der Vortrag wird zu gegebener Zeit auf unserem YouTube-Kanal veröffentlicht.
Zum Thema:
- Artikel: Gastbeitrag: Die Wiederkehr eines widerlegten Konzepts: Was hinter der modernen „Telegonie-Löschung“ steckt, GWUP-Blog am 02.12.2025
Hinweis:
Falls ihr Ideen, Anregungen oder Empfehlungen habt bzw. selbst ein Gastkapitel für den GWUP-Blog schreiben möchtet, kontaktiert uns unter: blog@gwup.org.


13. September 2026 um 15:26
Ähnlicher Unsinn kreiste in meiner Kindheit/Jugend (weiit im vorigen Jahrtausend) in der Bubble der Hundezüchter. Ich glaube, mich zu erinnern, daß dieser Quatsch dann mal zu den Akten gelegt wurde.