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Sinan blickt auf die Hintergründe des Falls Jason Arday

| 10 Kommentare

In den vergangenen Wochen wurde in zahlreichen Medienformaten über den britischen Soziologen Jason Arday berichtet. 2023 war er zum jüngsten schwarzen Professor in der Geschichte der Uni Cambridge ernannt worden. Anfang August trat er nach Plagiatsvorwürfen von seiner Professor zurück; wenige Tage später wurde er tragischerweise tot aufgefunden.

Sinan schaut sich in seinem neuen Video die Hintergründe bzw. Umstände des Falls und die Medienberichterstattung dazu an:

Die unglaubliche Geschichte des Jason Arday | Wie konnte er Cambridge-Professor werden?

Inhalt:

  • Meldungen über den Tod Ardays in den verschiedenen Medienportalen [ab 0:00 min]
  • Plagiatsvorwürfe [ab 8:00 min]
  • Akademischer Lebenslauf und Weiteres zur Person [ab 24:00 min]
  • Nathan Cofnas‘ Aufdeckungen [ab 39:00 min]
  • Sinans Meinung [ab 47:00 min]

Zum Thema:

  • Artikel: Cambridge-Professor Arday tot aufgefunden, tagesschau am 15.08.2026

Hinweis:

Falls ihr Ideen, Anregungen oder Empfehlungen habt bzw. selbst ein Gastkapitel für den GWUP-Blog schreiben möchtet, kontaktiert uns unter: blog@gwup.org.

10 Kommentare

  1. Ich habe den Fall seit seiner Enthüllung in den britischen Medien verfolgt. Die Tatsachen, die in letzter Zeit herausgekommen sind, klingen eigentlich zu unglaublich, um wahr zu sein. Hätte ein Autor aus Hollywood einem der großen US-Medienkonzerne ein entsprechendes Drehbuch zur fiktiven Person „Jason Arday“ angeboten, so hätten ihm die Verantwortlichen prompt die Tür gewiesen. Da bin ich mir sehr sicher.

    Was ich inzwischen sehr bedenklich finde, ist jedoch folgendes. Nicht wenige Leute in GB, die sich politisch links einordnen oder identitätspolitisch aktiv sind, schreiben die Ereignisse der letzten Wochen samt dem bedauerlichem Freitod von Jason Arday ausschließlich der Hetze einer rechtsgerichteten rassistischen Presse zu. Sie fordern, diese Presse zu Verantwortung zu ziehen und stärker zu kontrollieren. Ein Medium kolportiert sogar, dass ein von Peter Thiel unterstütztes Netzwerk die Strippen gezogen hätte, um Arday zu Fall zu bringen.

    Ardays Lügen und Hochstapeleien jedoch, seine dokumentierten (!) Versuche, kritische Fragen von Journalisten und Wissenschaftlern mittels Polizei und Anwälten zu unterdrücken (wo er in einem Fall auch erfolgreich war), oder das komplette Versagen der britischen Hochschuladministrationen (besonders Cambridge) werden von diesen Leuten komplett ignoriert. Arday wird zum Märtyrer und Heiligen erklärt. Man kann eine Legendenbildung in Echtzeit miterleben. Die Wahrheit ist in diesem Fall einfach nur lästig.

    Der US-amerikanische Journalist Jesse Singal hat einen sehr treffenden Kommentar zu den aktuellen Geschehnissen verfasst.

    What I mean about not actually wanting to write about this [Jason Arday Case]: If I somehow controlled the internet, I would have enforced some sort of 72-hour cooldown period. Everyone go for a walk, hug your loved ones, reflect on life’s preciousness. No insta-takes in response to a man’s tragic death; no using a corpse that hasn’t yet been laid to rest to promote your own politics. But we live in 2026, so that wasn’t what happened. Instead, there was an instant explosion of outrage directed at racists, the media, and racist media. This explosion is so misguided, so driven by misunderstandings about what actually happened, and so censorious that it warrants a robust response.
    […]
    In a saner, fairer world, Jason Arday would have lived out a happy and healthy life somewhere else, gainfully employed, loved by friends and family. Maybe his chronic tendency toward fabulism would have elicited rolled eyes at the local pub, but it never should have caused more harm than that.

    Instead, thanks to a cascade of institutional dysfunction that will go down in history as uniquely bizarre and condescending—even by the considerable standards of higher ed misadministration—Jason Arday found himself in an environment where no one would say no to him, where no one would ask follow-up questions (at least out loud), and where people covered for him rather than holding him accountable. As a result, he did significant harm—to the scholars he plagiarized, the peers he wrongly beat out for a prestigious position, and (everyone keeps forgetting this) to the parents of nonverbal kids with autism, who are frequently victimized by false and suspicious claims of miracle cures like Arday’s.

    None of this means he deserved to die—of course he didn’t deserve to die. But it does mean that, if we want to prevent such scandals from recurring in the future, it is imperative to learn from this rather than to use Arday’s death as an excuse to rewrite history.

    https://thedispatch.com/article/jason-arday-cambridge-journalism-media/

  2. Es wurde ein offener Brief veröffentlicht, in dem zahlreiche Wissenschaftler gegen die Suspendierung von Nathan Cofnas durch die Universität Gent protestieren. Mir bekannte Unterzeichner sind u.a.: Sabine Hossenfelder, Steven Pinker, Nikil Mukerji, Ulrich Berger, Colin Wright, Axel Meyer

    https://johnarmstrongmaths.com/openletters/letter.php?campaign=cofnas

  3. @RPGNo1

    Falls Sie noch mehr Hintergrundwissen haben, freue ich mich, wenn Sie dies teilen.

    Der offene Brief im Wortlaut:
    Letter opposing punishment of Nathan Cofnas for whistleblowing
    Dear Professor Petra De Sutter,

    As academics, we are concerned that Ghent University’s disciplinary proceedings against Dr Cofnas appear to constitute retaliation, at least in part, for publicizing academic misconduct that occurred in British universities.

    An essential component of academic freedom is the ability to scrutinize the scholarship of other academics, regardless of their position or status. This must include the freedom to provide evidence of academic misconduct, such as plagiarism and fabrication. The pursuit of truth depends on rigorous self-policing by academics.

    We are also concerned that the University appears to be treating threats to academic freedom, whether from its own staff claiming distress or from external actors announcing boycotts, as grounds for disciplining the very individual targeted by those threats.

    Therefore we urge Ghent University to protect Dr Cofnas from being punished for exercising his academic freedom.

  4. @Carsten Ramsel

    Gerne, ich teile gleich noch etwas. Cornelius Courts hat einen ausführlichen Blogpost zum Fall Arday veröffentlicht.

    Aufstieg, Fall und Tod des modernen Baron von Münchenhausen – die Jason-Arday-Story und was sie offenlegt

    https://scienceblogs.de/bloodnacid/2026/08/24/aufstieg-fall-und-tod-des-modernen-baron-von-muenchenhausen-die-jason-arday-story-und-was-sie-offenlegt/

  5. @ Carsten Ramsel

    da ist jemand gestorben –

    ich würde mich in so einer Situation einfach mal zurückhalten, aber vielleicht bin ich „altmodisch“?

    https://www.tagesschau.de/ausland/europa/mahnwache-london-arday-100.html

    „(…)

    Uni-Kanzler spricht von „rassistischer Hetzjagd“

    Der Kanzler der Universität [Cambridge] sprach von einer „rassistischen Hetzjagd“ gegen den 41-Jährigen [Jason Arday] in den vergangenen Wochen. Plagiatsvorwürfe gegen jeden Wissenschaftler müssten gründlich untersucht werden, sagte Kanzler Lord Chris Smith of Finsbury der BBC. „Gleichzeitig muss man sich weigern, sich an einer rassistischen Hetzjagd gegen einen bestimmten Wissenschaftler zu beteiligen.“

  6. @Bertrand

    Dann folgen Sie doch bitte Ihrer eigenen Empfehlung und suchen Sie sich für Ihre moralische Empörung ein anderes Plätzchen.

  7. @Bertrand

    Der Kanzler (der übrigens Politiker und kein Wissenschaftler ist) sollte lieber in sich gehen und nicht mit dem Finger auf andere zeigen. Schließlich hat seine Uni den ganzen Schlamassel mit der durch nichts gerechtfertigten Berufung von Arday erst ausgelöst, lange Zeit alle kritischen Fragen zu Werdegang und Qualifikation abgeblockt und Arday dann fallengelassen, als die Abwiegelungen nichts mehr halfen.

    Zu diesem Thema passt auch gut folgender Kommentar.

    Auf der einen Seite erschüttert das tragische Schicksal Ardays, das an Shakespeares „The rest is silence“ gemahnt. Auf der anderen Seite bleibt ein fataler Eindruck jener Universität zurück, an der einst Isaac Newton, Charles Darwin, Alan Turing wirkten. Sie scheint geblendet worden zu sein. Offenbar gelang die Köpenickiade, weil Entscheidungsträger dieser Universität sich ihrer Verantwortung nicht mehr bewusst sind. Denn die dem Zeitgeist geschuldete Erwartung, es müsse Wissenschaft mit einer politischen Agenda verbunden werden, verhüllt den Blick auf die eigentlichen Aufgaben der Universität.

    https://www.diepresse.com/41193375/verstehen-nicht-agitieren-entspricht-der-universitaet

  8. Bei der causa Nathan Cofnas stellt sich zu Recht die Frage, ob er suspendiert/bestraft worden wäre, wenn er nichts in Bezug auf die Betrügereien des Ardays gemacht hätte.

    handelt es sich also um eine Art Rache unter den Deckmantel der verletzten Standards, oder hätte man ihn auch so gekickt?

  9. @RPGNo1: Langsam zeichnet sich das Bild ab, dass Arday völlig unqualifiziert für diese Art Position gewesen ist. selbst der h-Index ist ein Witz.
    und die Uni wollte halt ihr Maskottchen und hat ihre sonst so kritische Sicht abgelegt.

    wegen Cambridge – das in den USA bekommt jetzt die Baerbock ab, bei der ähnlich nicht ganz klar ist, ob und was sie für einen Abschluss hat.

  10. @Julius Senegal

    Baerbock ist ein ganz anderer Fall. Die Häme, die auf sie einprasselt (insbesondere aus der rechten politischen Ecke), ist nicht gerechtfertigt.

    Baerbock wird nicht auf eine klassische Forschungsprofessor berufen, sondern der Lehrauftrag, den sie übernimmt, ist praxisorientiert. Zitat: Die 45-jährige Baerbock werde den Titel „Professor of Professional Practice“ tragen – eine Bezeichnung für Dozenten, die nicht über die für Forschungsprofessuren übliche wissenschaftliche Ausbildung verfügen, aber umfangreiche berufliche Expertise haben, heißt es auf der Internetseite der Columbia Universität.

    https://www.tagesspiegel.de/politik/baerbock-wird-professorin-ohne-forscherkarriere-studierende-werden-bei-ihr-zu-kunftigen-fuhrungskraften-ausgebildet-15980426.html

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