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600.000 Euro später: Was von der bayerischen Homöopathie-Studie bleibt

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Im bayerischen Landtag haben CSU, Freie Wähler und Teile der Grünen eine Homöopathie-Studie in Auftrag gegeben. BR24 berichtet:

Über 600.000 Euro hat die Studie gekostet und sollte prüfen, ob homöopathische Arzneimittel dazu beitragen können, die Gabe von Antibiotika zu reduzieren.

Mit magerer Teilnehmerzahl:

Die Studie sollte an über 200 Probandinnen durchgeführt werden, die unter wiederkehrenden Harnwegsentzündungen litten. Trotz zahlreicher Werbemaßnahmen – wie Plakate, Flyer und Info-Screens – fanden sich am Ende nur 40 Probandinnen, die bereit waren, mitzumachen.

Über das Scheitern der Studie hat das GWUP-Blog damals hier und hier berichtet.

Auf Kritik von Seiten der SPD verteidigten Politiker von CSU und Freien Wählern die Durchführung der Studie. (Die Parteien, die vergangenes Jahr im bayerischen Landtag per Änderungsantrag 30.000 Euro Steuergelder für eine Homöopathie-Wanderausstellung locker machen und die Homöopathie in die Liste des immateriellen Kulturerbes aufnehmen wollten.)

Wie ein weiterer Artikel von BR24 zeigt, fiel bei der Verteidigung der Studie unter anderem das Stichwort

keine Denkverbote

bei der Suche nach Alternativen zum Antibiotikaeinsatz. Außerdem hieß es:

Das sei auch „ein Schlag ins Gesicht der Menschen, die auf Homöopathie schwören“.

Udo Endruscheit hat die ganze Sache nochmal für den hpd zusammengefasst:

Die mit großem politischem Nachdruck auf den Weg gebrachte bayerische Homöopathiestudie ist endgültig beendet. Während der Start des Projekts noch politisch selbstbewusst mit der (unhaltbaren) Perspektive verbunden war, einen Beitrag zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen zu leisten, fand sein Ende nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Screenshot von hpd.de

Welche Gefahr er jetzt sieht:

Das Scheitern der Studie könnte nun ausgerechnet dazu dienen, der Homöopathie ein rhetorisches (aber kein wissenschaftliches) Hintertürchen offenzuhalten: Es sei zwar kein Wirksamkeitsnachweis gelungen, eine Unwirksamkeit sei aber ebenfalls nicht bewiesen.

Warum?

Eine neue Studie kann diesen Wissensstand durch neue, belastbare (außergewöhnliche) Befunde grundsätzlich zwar verändern. Eine Studie, die keine belastbaren Befunde hervorbringt, kann ihn dagegen nicht auf null zurücksetzen. Sie fügt der vorhandenen Evidenz weder einen positiven noch einen ernst zu nehmenden negativen Einzelbefund hinzu. Sie bleibt für die gestellte Wirksamkeitsfrage schlicht ohne Aussage.

Das ist etwas anderes als ein wissenschaftliches „Open End“. Dieses würde voraussetzen, dass eine zuvor offene Frage aufgrund widersprüchlicher oder unzureichender Gesamtevidenz nicht entschieden werden kann. Hier wird dagegen das organisatorische Scheitern eines einzelnen Projekts benutzt, um eine durch den bisherigen Wissensstand nicht gestützte Möglichkeit künstlich offenzuhalten.

Außerdem ist selbst innerhalb der eigenen Homöopathie-Logik der Untersuchungsgegenstand der Studie unsinnig:

Die Studie sollte untersuchen, ob die Gabe eines homöopathischen Präparats nach einem akuten Harnwegsinfekt weiteren Infekten und damit dem Einsatz von Antibiotika vorbeugen kann. Gegenstand war also eine prophylaktische Wirkung.

Eine solche Anwendung lässt sich jedoch mit der klassischen Homöopathie Samuel Hahnemanns nicht vereinbaren. Nach ihrer eigenen Lehre erhält der Kranke kurativ aufgrund seiner individuellen Symptome das nach dem Ähnlichkeitsprinzip ausgewählte Mittel. Die Gabe eines Mittels an Gesunde dient dagegen der homöopathischen Arzneimittelprüfung: Das Mittel soll Symptome hervorrufen, die anschließend sein „Arzneimittelbild“ ergeben. Nach dieser Binnenlogik kann eine homöopathische Mittelgabe nie ohne Folgen bleiben.

Weiteres dazu im Artikel.

Zum Thema:

  • Artikel: „Keine Denkverbote“: CSU und FW verteidigen Homöopathie-Studie, BR24 am 16.08.2026
  • Artikel: Landtag: Homöopathie-Studie mit Nachwirkungen, BR24 am 09.08.2026
  • Artikel: Homöopathie: ein immaterielles Kulturerbe?, GWUP-Blog am 21.02.2025
  • Artikel: „Unsinnig und unethisch“: Edzard Ernst über die vergleichende bayerische Homöopathie-Studie, GWUP-Blog am 01.12.2024
  • Artikel: Das Aus: Die Homöopathie-Studie des bayerischen Landtags ist gescheitert – wegen zu weniger Probandinnen, GWUP-Blog am 19.11.2024

Hinweis:

Falls ihr Ideen, Anregungen oder Empfehlungen habt bzw. selbst ein Gastkapitel für den GWUP-Blog schreiben möchtet, kontaktiert uns unter: blog@gwup.org.

Ein Kommentar

  1. das einzig gute daran ist, dass wieder gezeigt wurde, dass Homöopathie nutzloser Quark ist.

    Freilich, das ganze hat wieder unnötig viel Geld verblasen.

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