Wer wissenschaftlich arbeitet, wird früher oder später mit so etwas konfrontiert:
Manchmal landen E‑Mails im Postfach, die so viel Schleim versprühen, dass man sie eigentlich mit Gummihandschuhen öffnen müsste.
So Udo Endruscheit in einem seiner neueren Blogartikel.
Es geht um die sogenannten Predatory Journals:
Kein Peer Review, keine Redaktion, keine wissenschaftliche Kultur – nur der Versuch, mit leicht fauligem semantischem Schaum eine Fassade zu errichten, die für manche Empfänger tatsächlich überzeugend wirkt. Gerade dort, wo Englischkenntnisse begrenzt sind, wird dieser Ton leicht als professionell missverstanden. Und genau deshalb funktionieren solche Mails immer noch.
Weil Udo eben schon in seriösen Journalen publiziert hat und er bei PubMed indexiert ist, erhält auch er regelmäßig Anfragen solcher dubiosen Anbieter.
Sie suchen Artikel, die sie veröffentlichen können, und – wie Udo feststellt –
gegen Kohle publizieren sie alles.
Hinter solchen Einzelfällen im Posteingang liegt aber ein größeres Problem:
Das wissenschaftliche Publikationswesen hat in den letzten zwei Jahrzehnten eine Ökonomisierung erlebt, die an vielen Stellen die Grenze zwischen seriöser Infrastruktur und Geschäftsmodell aufweicht. Wo Publikationsdruck, Open‑Access‑Gebühren und Reputationsökonomien zusammentreffen, entstehen zwangsläufig Grauzonen – und in diesen Grauzonen wuchern die Predatory Journals wie Algen in warmem Wasser.
Sein Fazit zu den Journals:
Sie sind nicht das Problem, sondern ein Symptom. Ein Symptom dafür, dass wissenschaftliche Kommunikation längst nicht mehr nur ein epistemischer Prozess ist, sondern ein Markt. Und auf jedem Markt gibt es Händler, die mit glänzenden Versprechen und fragwürdigen Waren unterwegs sind.
Zum Volltext.
Zum Thema:
- Artikel: The threat by ‘Predatory Journals’: hard to over-estimate!, Edzard Ernst am 14.08.2023
Hinweis:
Falls ihr Ideen, Anregungen oder Empfehlungen habt bzw. selbst ein Gastkapitel für den GWUP-Blog schreiben möchtet, kontaktiert uns unter: blog@gwup.org.

23. Juli 2026 um 07:50
In Udo Endruscheits Blogartikel gibt es eine schöne Liste zur Dechiffrierung des Werbe-Spams dieser Journals, lesenswert!
23. Juli 2026 um 17:00
Vielen Dank, Udo. Die Werbung für ein Journal dürfte vermutlich ausreichen. Wenn es keine Spezialausgabe mit einem ganz bestimmten Forschungsschwerpunkt gibt, wird kein renommiertes Journal um die Einreichung eines Artikels bitten.