Amardeo Sarma kommt zu Kortizes mit einem Vortrag im Rahmen der Reihe Vom Reiz des Übersinnlichen – Paranormales und Skepsis, die gemeinsam mit der Regionalgruppe Mittelfranken der GWUP organisiert wird.
Thema: Wissenschaft zwischen Fakten und Wünschen – Zwei gefährliche Fehlschlüsse
- Zeit: Dienstag, 5. Mai, 19:30 Uhr
- Ort: Nicolaus-Copernicus-Planetarium, Am Plärrer 41, Nürnberg
- Eintritt: 10 € (ermäßigt 6,5 €)
Wissenschaft liefert Erkenntnisse – aber keine Handlungsanweisungen. Der Vortrag beleuchtet zwei Denkfehler, die unser Verhältnis zur Wissenschaft verzerren: den naturalistischen Fehlschluss, bei dem aus Fakten direkt normative Forderungen abgeleitet werden (»Follow the Science«), und den idealistischen Fehlschluss, bei dem normative Wünsche die wissenschaftliche Erkenntnis selbst verzerren.
Zum Eventeintrag im Skeptischen Netzwerk!
Zum Thema:
- Buch: Amardeo Sarma: Scientific Temper. Eine Verteidigung wissenschaftlichen universellen Denkens, Alibri 2025, 20,00 €, 240 Seiten
- Eintrag: Naturalistic fallacy, logicallyfallacious.com
Hinweis:
Falls ihr Ideen, Anregungen oder Empfehlungen habt bzw. selbst ein Gastkapitel für den GWUP-Blog schreiben möchtet, kontaktiert uns unter: blog@gwup.org.



1. Mai 2026 um 08:25
„den naturalistischen Fehlschluss, bei dem aus Fakten direkt normative Forderungen abgeleitet werden (»Follow the Science«)“
So ein Quatsch. „Follow the Science“ heißt einfach, dass man es nicht so macht wie George W. Bush, der den Klimatologen James Hansen ins Weiße Haus eingeladen hat, sich von ihm die Fakten über Klimawandel hat erzählen lassen, und sie dann bei der Energiepolitik einfach ignoriert hat. Und nicht so wie Donald Trump, der solchen Leuten noch nicht mal zuhört. „Follow the Science“ bedeutet, dass man wissenschaftliche Fakten nicht leugnet, sondern sie bei politischen Entscheidungen als Entscheidungsgrundlage nimmt. Dass man prüft, was Maßnahmen gegen den Klimawandel kostet, und was es kostet, nichts zu tun. Und letzteres nicht auf die unehrliche Weise, nicht basierend auf der Meinung korrupter klimatologischer Außenseiter, sondern auf dem Stand der Wissenschaft.
Dieses Vorgehen sollte eigentlich selbstverständlich sein, aber seit Jahrzehnten basiert die Klimapolitik auf der Desinformationskampagne der marktfundamentalistischen Denkfabriken, finanziert von der fossilen Brennstoffindustrie und freudig aufgenommen von den einschlägigen Parteien (in Deutschland traditionsgemäß CDU/CSU und FDP, heutzutage hauptsächlich AfD und BSW im Dienste des Petrostaats Russland).
Das ist so, als ob die Gesundheitspolitik aufgrund von Lobbyarbeit der homöopathischen Pharmaindustrie die Tatsache ignorieren würde, dass Homöopathie nicht über den Placeboeffekt hinaus wirkt. Verrückt, oder? „Follow the Science“ heißt auch hier einfach: faktenbasierte statt fantasiebasierte Politik.
Der Strohmann, dass „Follow the Science“ mehr als das bedeutet, ist Teil dieser Desinformationskampagne, und ein Verein, der für Wissenschaft eintritt, sollte ihn nicht propagieren.
Sonst dürften wir auch die Erstattung von Globuli durch die Krankenkassen nicht ablehnen, mit der Begründung, dass aus der Unwirksamkeit der Homöopathie per naturalistischem Fehlschluss nicht logisch folgt, dass die Krankenkassen die Kosten dafür nicht erstatten dürfen.
1. Mai 2026 um 11:11
@Thomas
Ich würde mal vermuten, dass hier ein kleines Missverständnis vorliegt.
Der naturalistische oder Sein-Sollen-Fehlschluss besagt, dass aus dem Ist (wissenschaftlichen Aussagen) logisch notwendig kein Soll (normative Aussagen) folgt. Dabei handelt es sich um unterschiedliche Kategorien. Dies gilt sowohl für „Follow the Science“ als auch für die Homöopathie. Es ist Aufgabe einer Skeptikerbewegung auf diesen (häufig zu kurz gesprungenen) Fehlschluss hinzuweisen. Deswegen zu kurz gesprungen weil in Diskussionen, die von Ihnen skizzierte Abwägung („Dass man prüft, was Maßnahmen gegen den Klimawandel kostet, und was es kostet, nichts zu tun.“), fehlen kann.
Sowohl in der Klima- als auch in der Gesundheitspolitik fügen dann die Skeptiker und Sie eine zusätzliche (normative) Prämisse hinzu. „Faktenbasierte Politik ist besser als fantasiebasierte.“ Diese normative Prämisse folgt allerdings nicht aus dem Ist wissenschaftlicher Aussagen selbst, sondern bedarf in der politischen Diskussion mit Klimaleugnern und Homöopathen einer weiteren Begründung. Ohne das Buch, Scientific Temper. Eine Verteidigung wissenschaftlichen universellen Denkens, Alibri 2025, von Armadeo Sarma gelesen oder seinen Vortrag gehört zu haben, gehe ich bei einer wohlwollenden Interpretation davon aus, dass er auch nichts anderes sagen möchte.
2. Mai 2026 um 13:07
„den naturalistischen Fehlschluss, bei dem aus Fakten direkt normative Forderungen abgeleitet werden (»Follow the Science«)“ ist eine klare Aussage. Sie greift die Forderung „Follow the Science“ an und damit den Klimaschutz, der die Forderung auf seine Fahnen geschrieben hat. (Das passt dazu dass Amardeo ein Ökomodernist ist, also Teil einer Bewegung, die versucht, auf dem Zaun zwischen Klimaschützern und Klimaleugnern zu sitzen und die Realität des Klimawandels mit der Ideologie des freien Marktes zu verheiraten. Siehe https://en.wikipedia.org/wiki/Ecomodernism#Reception and criticism zu Einwänden dagegen.) Wenn er das nicht so meint und nicht will, dass man das so versteht, hätte er es anders formulieren sollen.
„Diese normative Prämisse folgt allerdings nicht aus dem Ist wissenschaftlicher Aussagen selbst, sondern bedarf in der politischen Diskussion mit Klimaleugnern und Homöopathen einer weiteren Begründung“ Im Ernst? Der Zweck einer „Diskussion mit Klimaleugnern und Homöopathen“ kann doch nicht sein, diese Leute zu überzeugen. Auf ihren Meinungen ist ein Schreibschutz drauf, sie sind nicht überzeugbar.
Der wirkliche Zweck solcher Diskussionen kann es nur sein, den Zuschauern klarzumachen, dass die Ansichten dieser Leute nicht in der Realität fußen, sondern in Wunschdenken, und damit der Verbreitung solcher Ideen Einhalt zu gebieten. Und wenn man selbst den Zuschauern extra erklären muss, dass es besser ist, politische Entscheidungen aufgrund wahrer Informationen zu fällen statt auf Lügen und Propaganda, dann sind diese Zuschauer offensichtlich bereits jenseits jeglicher Argumente.
2. Mai 2026 um 18:34
@Thomas
Die Beschreibung des Vortrags nennt den naturalistischen bzw. idealistischen Fehlschluss. Damit ist ausreichend gekennzeichnet, worum es gehen wird. Alles andere sind die üblichen Empörungen und damit ist genug der Aufmerksamkeit.
3. Mai 2026 um 08:27
„die üblichen Empörungen“ Leeres Gerede. Mit dem gleichen Recht kann man alles, was Skeptiker gegen Pseudowissenschaften sagen, als „die üblichen Empörungen“ abtun. Hier kann (oder will) jemand Argumente und Empörung nicht unterscheiden.
Mir ging es nur darum, dass hier ein Slogan zu Unrecht mit dem Etikett „naturalistischer Fehlschluss“ beklebt wird. Würde mich sehr wundern, wenn es dafür eine echte Begründung gäbe. Schauen wir mal.
3. Mai 2026 um 11:15
@Thomas
So wie ich Sie verstanden habe, zieht Amardeo Sarma aus denselben Fakten andere politische oder technische Konsequenzen als Sie. Dass mag Ihnen nicht gefallen, und Sie haben sich darüber hier ausführlich echauffiert, ist in einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft allerdings üblich. Wie gut, dass Amardeo darüber referiert, dass aus Fakten nicht notwendig Normen oder Handlungen folgen. Der Unterschied zur Pseudowissenschaft besteht darin, dass Skeptiker und Pseudowissenschaftler nicht auf derselben faktischen Grundlage argumentieren.
3. Mai 2026 um 17:58
Vielleicht kann ich helfen. Im Laufe der Vorbereitung auf die Skepkon 2026 habe ich versucht, den Knoten zu lösen: Skeptizismus contra Lobbyismus.
https://substack.com/@vollda/note/c-252686724?r=6solcu
4. Mai 2026 um 18:01
Ich habe das Buch von Sarma gelesen und muss mich daher nicht darauf beschränken, wohlwollend zu interpretieren. Sarma bezieht die Aussage „follow the science“ nicht ausschließlich oder primär auf die Klimapolitik, sondern er verwendet sie einfach als griffiges Synonym für den naturalistischen Fehlschluss. Und er schreibt folgendes:
„Dennoch sollten wir die Wissenschaft hier nicht außen vor lassen. Die Wissenschaft kann in solchen Fragen die Grundlage für die Politik liefern, aber die Politik muss ihre Entscheidungen auf der Basis von Interessen treffen (und dabei hoffentlich wissenschaftliche Erkenntnisse nicht ignorieren). Die Wissenschaft kommt erst dann wieder ins Spiel, wenn es darum geht, Aussagen darüber zu machen, ob ein (politisches) Ziel durch politische Maßnahmen erreicht werden kann oder nicht.“
(Scientific Temper, S. 168-169)
4. Mai 2026 um 21:57
Ich freue mich darauf, den morgigen Vortrag zu filmen; er sollte dann ein paar Wochen später auch auf YouTube verfügbar sein
6. Mai 2026 um 13:50
>So wie ich Sie verstanden habe, zieht Amardeo Sarma aus denselben Fakten andere politische oder technische Konsequenzen als Sie.
Nein, er behauptet anscheinend, es gebe Leute, die versuchen würden, aus Fakten Konsequenzen als mathematisch korrekte Herleitung zu ziehen, und sagt korrekterweise, dass das prinzipiell nicht geht. Womöglich zieht er deshalb keine Konsequenzen aus Fakten, ich weiß es nicht.
Ich halte das für am Thema vorbei. Das Hauptproblem ist, dass die Gegner von „Follow the Science“ Erkenntnisse der Wissenschaft leugnen und ignorieren, und nicht dass die Befürworter von „Follow the Science“ meinen würden, daraus logisch eine korrekte Politik herleiten zu können.
6. Mai 2026 um 18:14
@Thomas
Jetzt habe ich Sie besser verstanden. Er behauptet nicht nur, dass aus Fakten politische Konsequenzen gezogen werden, sondern dies beobachte ich als Skeptiker regelmäßig. Eine normative Prämisse wird meistens mitgedacht, aber nicht explizit gemacht. Amardeo Sarma zu den von Ihnen genannten Gegnern zu zählen, entbehrt jeglicher Grundlage. Ich verweise dankenswerterweise auf das Zitat von Malte.
10. Mai 2026 um 13:17
>Eine normative Prämisse wird meistens mitgedacht, aber nicht explizit gemacht
Ein Gedankenleser bei der GWUP. Unerwartet.
>Dennoch sollten wir die Wissenschaft hier nicht außen vor lassen. Die Wissenschaft kann in solchen Fragen die Grundlage für die Politik liefern, aber die Politik muss ihre Entscheidungen auf der Basis von Interessen treffen (und dabei hoffentlich wissenschaftliche Erkenntnisse nicht ignorieren)
Duh. Ist doch eh jedem klar. Ich sehe weiterhin keinen Beleg, dass jemand den Spruch tatsächlich so verwendet wie unterstellt. Wenn es nur ein „griffiges Synonym für den naturalistischen Fehlschluss“ sein soll, wäre es geschickt gewesen, ein Synonym zu verwenden, das nicht bereits eine andere Bedeutung in einem anderen Kontext hat. Um Missverständnisse zu vermeiden.