ein Gastbeitrag von Philippe Leick
Aus der Mottenkiste pseudowissenschaftlicher Gadgets wieder aufgetaucht: Spritspar-Dongles
Steigende Kraftstoffpreise waren in der Automobilnation Deutschland schon immer große „Aufreger“ – als Begleiterscheinungen sind uns aufgeregte Schlagzeilen und aktionistische politische Forderungen ebenso sicher wie scheinbar einfache, von der Automobil- oder Mineralöl-Industrie unterdrückte technische Wunderlösungen …
So berichteten zuerst Heise1 und das Handelsblatt2 [am 16. März 2026] von aktuell zirkulierendem E-Mail-Spam, in dem versucht wird, kleine Dongles für die On-Board-Diagnostics-(OBD2)-Schnittstelle an den Mann zu bringen. Wenig später griffen auch Spiegel Online3, chip4 und Skeptix5 die Geschichte auf.
Die kleinen Dongles sollen die Motorsteuerung neu kalibrieren bzw. auf den speziellen Fahrstil des Fahrers anpassen und so bis zu 55% Kraftstoff gegenüber der „bewusst konservativ“ gewählten Applikation der Hersteller einsparen. Die Masche ist natürlich alles andere als neu, nutzlose Gadgets ähnlicher Art zirkulieren ebenso wie Aufkleber zum elektromagnetischen Entstören des Autos bereits seit Jahrzehnten. Nur musste vor den Zeiten der OBD2-Schnittstelle der Zigarettenanzünder für die Spannungsversorgung herhalten.

Unter den zahlreichen Varianten des „magischen Auto-Tunings“6 7 8 handelt es sich im Grunde um die einfachste, denn die Kosten der Dongles sind überschaubar und der Einbau erfordert nicht einmal ein Öffnen der Motorhaube. Anders als bei den ähnlich „beliebten“ Magneten, die an den Kraftstoffleitungen angebracht werden und angeblich die langkettigen Kraftstoffmoleküle so orientieren, dass der Sauerstoff besonders gut an sie herankommt, gibt es keine oberflächlich plausible physikalische Erklärung. Stattdessen soll der Dongle auf der Ebene der Motorsteuerung wirken – vollkommen unbestritten ist natürlich, dass die Betriebsstrategie des Motors für dessen Effizienz, aber auch für Geräusche, Verschleiß und Abgasemissionen entscheidend ist.
Vor einigen Jahren hat die Zeitschrift c’t9 sich einige dieser „Schlangenöl-Stecker“ näher angeschaut und dabei keinerlei echte Funktion festgestellt – die Elektronik innerhalb der Dongles dient ausschließlich dazu, einige LEDs blinken zu lassen, die dem Fahrer vorgaukeln, der Dongle würde seine Arbeit verrichten.

Etwas grundsätzlicher kann die Frage aufgeworfen werden, ob denn signifikante Einsparungen überhaupt möglich sind. Das Beschleunigen eines tonnenschweren Metallkastens und die Überwindung des Luftwiderstandes benötigen viel Energie und der Effizienz von Verbrennungsmotoren sind durch den 2. Hauptsatz der Thermodynamik Grenzen gesetzt, das theoretische Maximum liegt für einen Benziner bei ca. 60% und für einen Diesel um 67%. In der Praxis sorgen vor allem Reibung und Wärmeverluste, aber auch die erforderliche Schonung der Bauteile sowie Grenzwerte für die Abgasemissionen dafür, dass die reale Effizienz nur ungefähr halb so hoch ist. Mit der angepriesenen Einsparungen von bis zu 55% würde das Auto die theoretische Bestmarke knacken!
Das alleine wäre schon ein sehr gewichtiger Grund für massive Skepsis, hinzu kommt aber noch, dass es keine Wirkung ohne Nebenwirkung gibt. Denn tatsächlich ist jeder Betriebspunkt im Motorkennfeld ein Kompromiss zwischen verschiedenen Anforderungen: Dem Fahrgefühl und dem Motorgeräusch, dem Kraftstoffverbrauch und der Zusammensetzung des Abgases bzw. den Bedürfnissen des Katalysators. Daher gibt es fast immer denkbare Maßnahmen, um den Kraftstoffverbrauch zu senken, wobei die mögliche Größenordnung eher bei 10% als bei 55% liegt. Doch diese Maßnahmen haben ihren Preis, höhere Effizienz geht oft mit höherer Belastung der Komponenten, einem lauteren Verbrennungsgeräusch und vor allem deutlich erhöhten Emissionen von Stickoxiden einher. Für die gutgläubigen Kunden ist es daher Glück, dass die Stecker nicht in der Lage sind, mit der Betriebsstrategie des Motors zu pfuschen: Das würde nämlich die Betriebserlaubnis erlöschen lassen bzw. wie bei legalem Tuning eine Genehmigung vom Kraftfahrtbundesamt voraussetzen.
Warum schwören manche Kunden dennoch auf die Stecker und berichten von tatsächlich geringerem Kraftstoffverbrauch? So gut wie sicher liegt das am Placebo-Effekt, wie der ADAC10 ausführt. Womöglich passt man in Erwartung des optimierten Motors vorsorglich das eigene Fahrverhalten an. Dies illustriert eine Anekdote aus der Forschungsabteilung, in der ich früher gearbeitet habe und die mir glaubwürdig kolportiert wurde. Dort kam es öfters vor, dass vermeintliche Wunderlösungen bewertet werden mussten, worauf die Fachleute, denen klar war, dass nichts herauskommen würde, verständlicherweise wenig Lust hatten. Bei einer dieser Gelegenheiten wollte man keine teuren Versuche am Motorprüfstand spendieren und überredete daher den Sekretär des Abteilungsleiters, sich das Gerät ins private Auto einbauen zu lassen und fortan Fahrtenbuch zu führen. Als es zur Auswertung kam, staunte man nicht schlecht, denn der Verbrauch war deutlich geringer. Das Rätsel konnte aber im Gespräch schnell gelöst werden: Der technisch wenig versierte Sekretär hatte derart Respekt vor dem „High-Tech-Teil“, das man ihm eingebaut hatte, dass er sich nicht mehr traute, richtig Gas zu geben!
Zum Schluss lohnt es sich an dieser Stelle, die wirksamen Ratschläge aus dem ADAC-Video zu wiederholen: Vorausschauende Fahrweise, guter Zustand des Fahrzeugs, ausreichend Luftdruck in den Reifen (ruhig etwas mehr als angegeben), kein unnötiges Gewicht im Kofferraum mitführen und schon gar keine momentan nicht benötigten Gepäck- oder Fahrradträger spazieren fahren. Dem ist nur noch hinzuzufügen, dass kurze Strecken auch zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt werden können und auch öffentliche Verkehrsmittel oft eine gute Alternative sind.
Literatur:
- D. Knop: Spammer setzen auf hohe Spritpreise als Köder, heise online 16.03.2026, https://www.heise.de/news/Spam-Warnung-Betrueger-koedern-mit-angeblichen-Spritspar-Dongles-11211698.html ↩︎
- Handelsblatt vom 16.03.2026: https://www.handelsblatt.com/dpa/dongle-spart-kraftstoff-spam-mails-preisen-spritspar-stecker-fuers-auto-an/100208846.html ↩︎
- Spiegel online vom 17.03.2026: https://www.spiegel.de/mobilitaet/auto/adac-und-fachleute-warnen-vor-spritspar-dongles-aus-spam-emails-a-81f2364b-562a-40bf-aaa8-c4707521a696 ↩︎
- Chip.de vom 19.03.2026: Klingt gut, bringt wenig: Die Wahrheit über das Spritspar-Gerät, https://www.chip.de/news/auto-fahrrad/55-prozent-kraftstoff-sparen-welcher-hokuspokus-hinter-diesem-geraet-steckt_f9b24748-776c-4256-bdbe-5dc8244177b0.html ↩︎
- B. Harder: Mit Kettenbriefen und Quantengadgets gegen die hohen Benzinpreise?, https://skeptix.org/2026/03/21/mit-kettenbriefen-und-quantengadgets-gegen-die-hohen-benzinpreise/ ↩︎
- P. Leick: Kraftstoffsparmythen – Skepkon 2014, https://www.youtube.com/watch?v=p88v5KpqBQA ↩︎
- B. Harder: SkepKon-Rückblick: Benzin sparen durch „magisches“ Zubehör fürs Auto?https://blog.gwup.net/2014/06/08/skepkon-ruckblick-benzin-sparen-durch-magisches-zubehor-furs-auto/ ↩︎
- P. Leick: Kraftstoffsparen durch “magisches Zubehör” fürs Auto, Skeptiker 3/2014 ↩︎
- C. Windeck: c’t Magazin vom 01.07.2022, Benzin sparen: Abzocke mit blinkenden Kraftstoffsparsteckern, https://www.heise.de/hintergrund/Benzin-sparen-Abzocke-mit-blinkenden-Kraftstoffsparsteckern-7153652.html ↩︎
- https://www.youtube.com/watch?v=2zVuXaw1KXQ ↩︎

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