gwup | die skeptiker

… denken kritisch seit 1987.

Gastbeitrag: Es gibt nur zwei biologische Geschlechter

| 11 Kommentare

ein Gastbeitrag von Michael Toppel

Dieser Beitrag erschein zuerst auf dem Blog des Autors und wird hier als Gastbeitrag zweitveröffentlicht.


Es gibt nur zwei biologische Geschlechter

Bild von einem Instagram-Post von Mario Lindner.

Oben ist der Text, den Mario Lindner eingefügt hat:
"Doch zum Glück gibt es auch Personen, die sich auf Social Media konstruktiv für Fakten einsetzen!"

Darunter der Screenshot einer Kommentatorin namens Annika, die folgenden Text schreibt:
"Allen die hier kommentieren, dass es nur zwei Geschlechter gibt: nein. Da muss ich als Medizinerin widersprechen. Es gibt Babys mit xy (männlicher Chromisomensatz), die äußerlich ein Mädchen sind bei der Geburt und genauso gibt es genetisch weibliche Babys mit penisähnlichen Genitalien. Zusätzlich gibt es noch jede Menge anderslautende Chromosomensätze als xx und xy. Beusielsweise xo, xx usw.
Erst informieren statt blamieren umd das rate ich vor allem den FPÖ-politikern im Nationalrat, die viel Geld für ihr Amt kassieren. Da ist es wohl nicht zu viel verlangt, ordentlich zu recherchieren. Schließlich handelt es sich nach Schätzungen um bis zu 1,7% der Bevölkerung."
Screenshot von Michael Toppel | instagram.com/mariolindner82

Der Abgeordnete zum österreichischen Nationalrat Mario Lindner (SPÖ) konnte es nicht lassen und musste auf seine falsche Aussage, dass es mehr als zwei biologische Geschlechter gebe, noch einen draufsetzen. Er zitiert dabei das Posting einer Medizinerin, die Altbekanntes und bereits dreimal Durchgekautes über Variationen in der biologischen Entwicklung von Menschen anführt. 

Ja, der menschliche Organismus ist ein komplexes System, und ja, ein einzelner menschlicher Organismus kann sich daher auf vielfältige Weise von anderen unterscheiden. Aber die Komplexität in der Geschlechtlichkeit eines individuellen Organismus ist nicht dasselbe wie die Komplexität der Geschlechter des Menschen. Schon gar nicht bezogen auf das Genom, wie es die Medizinerin Annika anspricht, da Gene nicht der Bauplan des Körpers sind, sondern nur die Bibliothek aller für den Bau zur Verfügung stehenden Pläne. Das heißt: Das Genom ist eine Sache – welche Baupläne hervorgeholt werden, um den Körper zu bauen, eine andere.

Es ist in den letzten Jahren nun wirklich oft genug wiederholt worden, dass das Geschlecht von den sogenannten Gameten abhängt, von denen es beim Menschen nun einmal genau zwei gibt. Das Geschlecht eines Menschen legt sich demnach in der sechsten Schwangerschaftswoche fest, wenn sich die Keimzellen des Fötus während der Aus- bzw. Zurückbildung der Wolffschen und Müllerschen Gänge ausdifferenzieren. Das ist keine willkürliche Festlegung, weil es anhand von Gameten definiert wird, die über das gesamte Tierreich hinweg Geschlecht definieren und nicht nur beim Menschen. Jeder Mensch hat damit ein eindeutig feststellbares Geschlecht. Nur kann dieses Geschlecht nicht immer so einfach bestimmt werden.

Ja – wie gesagt – ein individueller menschlicher Organismus ist ein komplexes System, und es gibt viele Variationen, von denen uns Politiker*innen, Journalist*innen und Aktivist*innen mit derselben Geisteshaltung wie Mario Lindner immer wieder erzählen. Diese Form der Wissenschaftskommunikation ist aber an sich problematisch und erinnert an das Vorgehen der Klimawandelleugner. Man kann sich auch in Klimafragen ellenlang darüber unterhalten, dass die Messmethoden fehleranfällig, die Modelle ungenau, die Theorien lückenhaft oder die Stakeholder von individuellen Interessen geleitet sind. Aber das ändert nichts daran, dass, wenn man sich alle Daten in ihrer Gesamtheit anschaut, ein klares Bild entsteht: Es gibt den Klimawandel, und es gibt nur zwei biologische Geschlechter. Auch dann, wenn der Gentest nicht immer zu 100 % treffsicher ist, wenn das äußere Erscheinungsbild ein anderes als erwartet ist und wenn der Ansatz anderer Genitalien vorgefunden wird. 

Aber Wissenschaft sei doch zielgerichtet, und je nach Ziel gebe es andere Begriffe, Grundannahmen, Abstraktionen, Anpassungen und Methoden. Wäre es dann nicht willkürlich, eine Definition aus einem zielgerichteten Kontext der anderen vorzuziehen? Stimmt – aber nein. Denn wissenschaftliche Theorien leben auch unter dem Gesichtspunkt der Modellbildung nicht im theoretischen Vakuum. Man kann tatsächlich das Geschlecht je nach Fragestellung sinnvoll über Gene, Hormone, Physiologie oder gar nur einzelne Parameter wie die Körpergröße präzise definieren. Das muss man in gewissen Untersuchungen sogar so machen, um klare, belastbare Daten zu bekommen. Aber solche modellhaften Fragmente biologischer Erklärung stehen nicht allein; sie werden durch ein Theoriegebäude eingebettet und interpretiert. 

Aber wäre es dann nicht trotzdem besser, wenn es so viel Variation gibt, das Geschlecht eher als Spektrum zu sehen? Nein. Der Grund dafür ist simpel. Geschlecht als Spektrum zu sehen heißt nicht, etwas Neues über Geschlecht herauszufinden, sondern den Geschlechtsbegriff aufzugeben und durch ein Spektrum zu ersetzen. Das kann man machen, aber dadurch wird weder das Sprechen über zwei Geschlechter falsch, noch entbindet das den Spektrumbegriff davon, wissenschaftlichen Standards zu genügen. Der neue spektrale Begriff muss sich als fruchtbar erweisen – und das wird er in der Evolutionsbiologie wohl nicht tun.

Was ist überhaupt ein Spektrum? Spektren werden gerne eingeführt, wenn die bisher verwendeten Begriffe vage sind oder das Phänomen viele komplexe Faktoren berücksichtigen muss. Mit dieser Einsicht können wir gleich mit einem der gängigen rhetorischen Tricks in der Transdebatte aufräumen. Spektren sind nicht die komplexere Theorie; das Einführen eines Spektrums ist immer eine Vereinfachung. Immer dann, wenn ein Phänomen sehr komplex ist und die einzelnen Faktoren unüberschaubar werden, führt man ein Spektrum ein, um diese Faktoren zu kontrollieren.

Ein Beispiel sind neurologische Phänomene wie Autismus. Das Gehirn ist ein komplexes System. Das, was wir extern als Autismus wahrnehmen, muss im Gehirn erst noch erforscht werden. Man verwendet daher diverse Methoden, um Daten zu sammeln, gewichtet diese und ordnet einen Probanden auf dem Autismus-Spektrum ein. Im Falle des Geschlechts ist es genau andersherum. Nicht das äußere Phänomen scheint uns klar und die Mechanismen im Körper unklar, sondern der Mechanismus im Körper ist vergleichsweise einfach: Es ist das Gewebe, das die Gameten produziert. Die äußeren Manifestationen sind hingegen komplex. Geschlecht ist also gerade kein Spektrum.

Und was ist mit Vagheit? Ist Geschlecht nicht, eben weil es komplexe Manifestationen hat, vage? Kann sein. Vielleicht irre ich mich auch, und das mit den Keimzellen beim Menschen ist nicht so eindeutig, wie ich eben behauptet habe. Ich komme ja nicht aus der Biologie, sondern aus der Logik. Aber das ist egal, weil nach den Erkenntnissen der Logik vage Begriffe kein Spektrum erzeugen.

Betrachten wir das Adjektiv „groß“. Ob jemand groß ist, ist klar vage. Wenn jemand 1,90 Meter misst, dann ist er groß; wenn jemand 1,60 Meter misst, dann ist er nicht groß, also klein. Aber es gibt klar Menschen, bei denen wir uns nicht sicher sind, ob wir sie groß oder klein nennen wollen. In der Logik gibt es drei Lösungsvorschläge, um damit umzugehen. Spoiler: Keiner löst das Problem. Diese sind mehrwertige Logik, Fuzzy-Logik und Superevaluationismus.

Mehrwertige Logiken sind Ansätze, bei denen es mehr Möglichkeiten für Sätze gibt als nur, dass sie entweder wahr oder falsch sind. Diesen Ansatz kann man gleich wieder vergessen, weil er, angewendet auf Vagheit, selbstwidersprüchlich ist. Der Widerspruch entsteht so:

„Groß“ und „klein“ sind vage, daher braucht es einen dritten Begriff, z. B. „mittelgroß“, für die Grenzfälle. „Julian ist groß“ ist dann wahr, wenn er groß ist, falsch, wenn er klein ist, und hat einen dritten Wahrheitswert, wenn er ein Grenzfall ist. Aber dann kann ich ja klar sagen, wann Julian mittelgroß ist; nämlich wenn „Julian ist groß“ den dritten Wahrheitswert hat. Wenn man aber klar sagen kann, dass Julian mittelgroß ist, dann ist „groß“ nicht vage. Es hat dann ja eine klare Grenze zu „mittelgroß“. Also ist „groß“ nicht vage, was ein Widerspruch zur Annahme ist, dass „groß“ vage war. Damit sind alle Ansätze mit mehrwertiger Logik unsinnig. Dasselbe gilt für das dritte Geschlecht als Grenzfall von männlich und weiblich.

Also weiter mit Fuzzy-Logik. Fuzzy-Logik einzusetzen heißt im Wesentlichen zu sagen, dass sich hinter „groß“ eigentlich eine Relation von „größer“ verbirgt. Denn so werden Fuzzy-Logiken aufgebaut. Aber hinter Vagheit verbirgt sich gar keine Relation. Das klärt ein Beispiel: „Julian ist größer als Martin“ ist eine Relation, die vage oder nicht vage sein kann – es kommt darauf an, wie nahe Julians Größe an Martins herankommt. Daher löst „größer“ die Vagheit nicht auf. „Martin ist groß“ und „Julian ist groß“ können beide klar wahr sein, ohne in Relation gesetzt werden zu müssen. Daher ist Vagheit auch ohne Relation kein Problem. Vagheit und Vergleich sind nicht dasselbe, und hinter „groß“ versteckt sich nicht die Relation „größer“. Analoges gilt für „weiblicher“ und „männlicher“.

Mit dem Superevaluationismus müssen wir uns hier nicht beschäftigen, denn dieser Ansatz liefert gar nicht das, was Mario Lindner und seine Geistesgenoss*innen wollen. Superevaluationismus gesteht nämlich die Existenz von Grenzfällen zu, würde aber im Falle von Geschlecht dennoch klar machen, dass es nur zwei Geschlechter gibt. Das liegt daran, dass dieser Ansatz alle möglichen (willkürlichen) Zweiteilungen berücksichtigt, ohne einer den Vorzug zu geben – aber damit natürlich immer zweiteilt. 

Habe ich vorher nicht gesagt, dass jemand 1,90 m groß sein kann? Und habe ich damit nicht ein Spektrum eingeführt? Die Messung über die Einheit Meter definiert ja ein Spektrum. Stimmt, tut sie. Aber das hilft Mario Lindner und seinen Geistesgenoss*innen nicht. Man kann immer für wissenschaftliche Zwecke einen formal exakten Begriff entlang einer Messmethode einführen. Nur, wie ich vorhin gesagt habe, ersetzt das nicht den alten Begriff durch einen neuen, sondern setzt nur einen zweiten Begriff parallel zum ersten.

Das wird klar, wenn man sich „Größe“ in der Biologie ansieht. Die Aussage „Große Männchen haben einen evolutionsbiologischen Vorteil“ kann eine wahre und wichtige Aussage in der Evolutionsbiologie sein. Sie kann aber nicht einfach durch eine Aussage über die Körpergröße in Metern umgeformt werden, eben weil „groß“ vage ist. Man kann sie schon ersetzen – etwa mit einer Wahrscheinlichkeitsverteilung der Fortpflanzung in Abhängigkeit von der Körpergröße in Metern –, aber das macht die ursprüngliche Aussage nicht weniger wahr. Sie ersetzt sie nur durch eine andere. Hier können wir keine Analogie zu den Geschlechtern ziehen wie in den anderen drei Fällen, denn im Falle des Geschlechts hat noch nicht einmal jemand eine solche „Geschlechtseinheit“ definiert.  Dahinter verbirgt sich die Frage, was denn auf der x-Achse des Geschlechterspektrums steht – eine Frage, die noch kein Transaktivist je beantworten konnte. 

Mario Lindner hat sich über die Medizinerin Annika und ihren konstruktiven Beitrag gefreut. Ich hoffe, er freut sich auch über meinen konstruktiven Beitrag, auch wenn ich trotz aller Konstruktivität anderer Meinung bin als er. 

11 Kommentare

  1. „differenziert und ideologiefrei offen“

    jetzt auch noch die Kabarett-GWUP

  2. Danke. ich komm zwar nicht aus der logik, aber das es nur zwei geschlechter gibt ist halt einfach logisch.

  3. Dankeschön für den Kommentar.

    Da passt auch folgender Netzdund wunderbar rein.

    Response to (Wright’s) „Why There Are Exactly Two Sexes“

    Authors and Affiliations
    Institute for Technology Assessment and Systems Analysis, Karlsruhe Institute of Technology, Karlstraße 11, 76133, Karlsruhe, Germany
    Dana Mahr

    https://link.springer.com/article/10.1007/s10508-026-03418-0

    Und hier Colin Wrights Artikel

    Why There Are Exactly Two Sexes
    https://link.springer.com/article/10.1007/s10508-025-03348-3

  4. Ich bin ja selbst lesbisch und ich kriege auch immer Hate ab von der sog. „queren Community“ wenn ich mich weigere diese ganzen neuen Mode-Begriffe zu benützen , manche biologischen Tatsachen sind eben nicht zu ändern . Ich stimme Michael voll zu .

  5. @Larissa

    Es gibt einige wenige Lebewesen, z.B. Schleimpilze, die tatsächlich mehr als zwei (biologische) Geschlechter haben.

    https://www.welt.de/wissenschaft/article202048290/Der-Blob-Dieses-unheimliche-Wesen-hat-720-Geschlechter.html

    Alle höheren Organismen jedoch sind ausschließlich zweigeschlechtlich, auch wenn identitätspolitische Aktivisten der Öffentlichkeit seit Jahren anderes weismachen wollen. Beliebte falsche Beispiele aus dieser Blase sind Clownfisch, Schnecke oder Intersexpersonen.

  6. @RPGNo1
    Kreuzungstypen (mating types) sind keine eigentlichen Geschlechter. Und selbst wenn man sie als Geschlechter verstehen würde, gäbe es keine weiblichen und männlichen Kreuzungstypen, da es keine Anisogamie der Gameten gibt.

  7. Anscheinend haben hier gerade eine Menge Leute mit den Kommentaren ihren Spaß. Ich freue mich, falls jemand etwas Sachliches beizutragen hat.

  8. @thomas

    Danke für den Hinweis.

  9. @Martin

    Nein, ich schreibe keine Kommentare mit L. Ich schreibe unter Klarnamen. Falls Sie nichts Sachliches beizutragen haben, möchte ich Sie höflich bitten, Ihre Energie woanders einzusetzen.

  10. @L

    Canceln bedeutet, dass jemand nicht frei sei Meinung ausdrücken kann. Moderieren bedeutet zu entscheiden, sich wiederholende Kommentare oder unbegründete Behauptungen nicht zu veröffentlichen.

  11. Irgendwie bin ich die Diskussion leid.
    Jeder logisch denkende Mensch weiß, dass Menschen mit zwei Armen auf die Welt kommen, weil das vom Bauplan so vorgesehen ist. Dass es Menschen mit 0 bis fünf Armen auch gibt, ist nicht ein Zeichen davon, dass das so vorgesehen war und eine Evolutionsstufe darstellt. Es entwertet die Existenz des Menschen auch nicht, macht sie aber für diverse Aufgaben unbrauchbar.
    Wenn wir die echten Inter- und Hypergeschlechtern, also Klinefelter, Turner, Joacobs und Poly-X absieht, die sich fortpflanzen können, so wird das bei hormoneller Fehlentwicklung schon schwieriger.

    Ich bin vor einiger Zeit mal dem Versuch erlegen, mich auf Bluesky auf eine Diskussion mit einem Schwulen einzulassen, der zumindest den Anstand hatte höflich zu sein. Ausgangspunkt war glaube ich das Hissen der Regenbogenfahne vor dem Bundestag und der Äußerung von Klöckner.
    Leider lief es immer wieder darauf raus, dass er jede Form der Unterscheidung zwischen Homosexualität und Transidentität als Spaltung betrachtete. Es scheint sich im Leid der Diskriminierung in KZs und den Folgejahren eine Art Solidarität für die Anliegen der anderen entwickelt zu haben. Und leider wurde jeder Versuch dazwischen zu unterschieden als Diskriminierung (ja, die ist es im eigentlichen Wortsinn auch) und Entwertung verstanden und der Nazivergleich kam sofort und wiederholt. So musste ich diese Diskussion aufgeben, da sie leider nicht von gegenseitigem Verständnis geprägt war.

    Die meisten Onlinediskussionen sind deshalb so starr, weil es Menschen gibt, die im akuten Fall und für die ihre Haltung mitunter identitätsentscheidend ist. Ja, darunter auch Menschen, zu denen ich mich gelegentlich auch zähle, die ihr Leben auf Logik aufbauen.
    Warum gelegentlich? Naja, wie ich mehrfach betont habe ist das Beharren auf die Wahrheit nicht immer das beste Mittel zum individuellen Ziel. In Einzelfällen muss man sich hinsetzen und auf Einzelfälle eingehen. Einem Wahnhaften wird es nichts bringen, wenn man ihn für verrückt erklärt und die weißen Mäuse eines Entzugsdelirs verschwinden nicht immer, nur weil es die Logik diktiert. (Offengestanden, beim Entzugsdelir kann es sich um sog. Pseudohalluzinationen handeln, aber das geht etwas zu tief in die Details.) Ich will damit sagen, dass eine Konfrontation mit der Wahrheit nicht zum besten Ergebnis führt. Das weiß ich spätestens, seit ich mit 18 meine 3 Jahre jüngere Schwester mit beginnender Anorexie angeschrien habe, sie solle doch endlich was essen.
    Denn hinter dem Ganzen steckt ja ein Grund, eine Ursache, die unweigerlich oder auch manchmal durchaus mit dem passenden Einfluss zu Entscheidungen und Lernprozessen geführt hat, woraufhin die Person nun dort ist, wo sie ist.
    Es gibt mehrere Gründe, weshalb Menschen so stark an dieser Inter- und Transgeschlechtlichkeit hängen.
    Die im Einzeln noch aufzuzählen ist schwierig, ich denke aber das Buch von Dr. Az Hakeem – „De-Trans: when transition is not the solution“ führt zumindest für den englischen Raum einige Möglichkeiten auf. Das reicht von Missbrauch über unterdrückte Homosexualität bis hin zu dem, was er als Goth Mark V beschreibt, also ein rebellischer, punkartiger Lebensstil der Nichtidentifikation mit der Vorgeneration.
    Er stützt sich dabei jedoch lediglich auf seine eigenen Erfahrungen als Therapeut und nicht auf Studien.
    Womit wir wieder bei einem Thema wären, die sogenannte „Affirming care“. Eine Therapierichtung, maßgeblich mitdiskutiert durch WPATH, die von Amerika ausgehende Transsexuellenbewegung, die ERHEBLICHEN Einfluss auf die Therapierichtlinien in Kanada und Amerika und auch in den vereinten Königreichen hatte. Hier geht es weniger um das Diskutieren, Hinterfragen und Lösungsfinden, sondern um die rasche Gabe von Pubertätsblockern und Zugang zu Geschlechtsanpassungsoperation.
    Diese Richtlinien, die auch hierzulande schon ihre Kreise ziehen schaffen eine Umgebung, die offensichtlich Widersprüche nicht toleriert und Diskussionen im Keim ersticken will. Ich erinnere noch einmal an meine Diskussion auf Bluesky, bei der SOFORT die Verschleppung und Segregation von Homosexuellen und die (Zwangs-)Konversionstherapien ins Felde geführt wurden.
    Selbst für Feministen gibt es schon die Bezeichnung als TURF.

    Es geht doch am Ende darum: Den Menschen mit Genderdysphorie muss sinnvoll und langfristig geholfen werden, die Aufklärung von Missbrauch und seelischem Schaden muss voran getrieben werden. Gleichzeitig muss klar sein, dass wir hierbei nicht von einer Umstrukturierung der logischen Norm sprechen und die weißen Mäuse sind immer noch nicht für alle real geworden. Aber genauso wenig, wie ich akzeptieren muss, dass diese Mäuse real sind, so kann ich auch nicht behaupten, dass der Patient sie nicht sieht. Und das geht durchaus beides und sogar gleichzeitig, solange wir bei uns bleiben und unsere Wahrnehmung nicht auf andere übertragen.

    Ich kann zum Abschluss noch einen Podcast empfehlen, der inzwischen zwar beendet ist, aber die beiden haben noch jeweils Folgeprojekte ins Leben gerufen. Sasha Ayad, „adolescent therapist“ in den USA und Stella O’Malley Psychothererapeutin in Irland unterhielten sich zum Teil mit Gästen bei „Gender – A wider lense“ in über 200 Episoden über die Probleme von Betroffenen und Angehörigen.
    Dieser Podcast lässt die Frage nach der Wahrheit offen und er lässt auch unbeantwortet, welche Transsexuellentherapie nun die eine richtige ist. Aber er beschäftigt sich sehr mit der Affirmation, also dem vorschnellen Bestätigen einer möglichen Transidentität und möchte den Ursachen und Problemen auf den Grund gehen.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.