gwup | die skeptiker

… denken kritisch seit 1987.

Homöopathie und Prophylaxe: Das passt nicht zusammen

| 1 Kommentar

Der Fall um die schlussendlich zurückgezogene Homöopathie-Studie von Michael Frass hat uns über Jahre beschäftigt. Aber es gibt einen weiteren ähnlichen Vorgang, wie Udo Endruscheit auf seinem Blog Science and Sense schildert:

Diesmal geht es um eine Studie vom Dezember 2024, die

in einem seriösen pädiatrischen Journal, dem European Journal of Pediatrics – also genau dort, wo man sich wissenschaftliches Renommee erhofft

veröffentlicht wurde.

10 Monate später: retractet.

Wie Udo feststellt:

Methodisch war die Arbeit allerdings ein ziemliches Durcheinander.

Beim Committee für Skeptical Inquiry gibt es dazu eine ausführliche Aufarbeitung. Doch mindestens ebenso interessant ist der politische Hintergrund:

Die Studie stammt aus Indien, und im Hintergrund steht – wenig überraschend – die staatliche Behörde Ministry of AYUSH, die seit Jahren versucht, Homöopathie und andere traditionelle Verfahren politisch aufzuwerten.

Der zentrale Kritikpunkt, auf den Udo hinweist, betrifft jedoch etwas Grundsätzlicheres. Untersucht wurde Folgendes:

[G]ezählt wurde, wie viele Kinder in den jeweiligen Gruppen während der Beobachtungszeit (24 Monate) erkrankt waren. Für diesen Zeitraum wurden zwei Gruppen entweder homöopathisch oder konventionell ärztlich durchgängig grundversorgt.

Es geht also um Prophylaxe – darum, ob Homöopathie Krankheiten verhindern kann.

Und genau hier liegt das fundamentale Problem:

Nach klassischer Lehre wirkt ein homöopathisches Arzneimittel, indem es eine bereits „verstimmte Lebenskraft“ in eine regulierende Reaktion bringt. Ohne bestehende Verstimmung gibt es – innerhalb dieses Modells – nichts zu heilen.

Eine echte Prophylaxe – also das Verhindern einer Erkrankung bei Gesunden – ist in diesem System konzeptionell nicht vorgesehen.

Es gibt also nur zwei Wege:

Der Punkt ist nicht, dass Prophylaxestudien „schlecht“ seien.
Der Punkt ist, dass sie – wenn sie positive Effekte behaupten – entweder

  • der klassischen Homöopathie widersprechen
    oder
  • stillschweigend ein anderes Wirkmodell unterstellen.

Das Problem ist nicht schlechte Statistik. Es ist ein Kategorienfehler.

Udos Fazit:

[W]er zugleich an der traditionellen Lehre festhalten will, muss akzeptieren, dass Prävention in diesem Modell keinen Platz hat. Solange dieser Widerspruch nicht offen benannt wird, bleibt jede „Prophylaxe-Studie“ zur Homöopathie nicht nur wissenschaftlich problematisch, sondern systemisch selbstwidersprüchlich.

Mit anderen Worten:
Entweder gilt Hahnemann – oder es gilt die moderne Präventionslogik.
Beides zugleich geht nicht.

Zum Beitrag!

Zum Thema:

  • Artikel: Extraordinary Claims: The Homeopathy Paper That Duped a Mainstream Journal, Nick Tiller via Skeptical Inquirer vom 13.02.2026
  • Artikel: Nach Jahren der Kritik: „The Oncologist“ zieht die Homöopathie-Studie von Michael Frass offiziell zurück!, GWUP-Blog vom 26.11.2025
  • Artikel: Dass doch sein darf, was nicht sein kann. oder: Durchmarsch auf homöopathisch, Udo Endruscheit (skeptiker 4/2024)
  • Artikel: Eine weitere Vorzeigestudie der Homöopathen endet als Desaster, GWUP-Blog vom 26.10.2022

Hinweis:

  • Falls ihr Ideen, Anregungen oder Empfehlungen habt bzw. selbst ein Gastkapitel für den GWUP-Blog schreiben möchtet, kontaktiert uns unter: blog@gwup.org
  • Wenn ihr noch nicht im Skeptischen Netzwerk angemeldet seid, möchten wir euch herzlich dazu einladen. Dort finden GWUP-Mitglieder und Interessierte eine Plattform für Diskussionen und Austausch rund um skeptische Themen:

Ein Kommentar

  1. Mich wundert, dass sich überhaupt jemand „traut“, so eine Studie anzustrengen.
    Echte Homöopathen müssten doch wissen, dass „prophylaktische Homöopathie“ ein Oxymoron ist.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.