Desinformation kann durch KI schnell und wirkungsvoll verbreitet werden. Besonders im Gesundheitsbereich ist das problematisch. Ein aktuelles Beispiel macht das deutlich.
Janos Hegedüs hat diese Woche ein Video veröffentlicht, in dem er sich die Plattform NEXT LEVEL genauer anschaut.
„Kritisches Denken“, „alles hinterfragen“, „Wissen neu gedacht“ – das klingt erst mal nach Aufklärung. In diesem Video schaue ich mir die Plattform NEXT LEVEL genauer an und erkläre, warum hier aus meiner Sicht kein echtes Verstehen stattfindet, sondern eine fertige Ideologie als kritisches Denken verkauft wird.
Virenleugner Deluxe: Der Plattform „NEXT LEVEL“ | Dr. Hegedüs
Besonders spannend wird es beim hauseigenen KI-Chatbot der Plattform. Er heißt NEXIQA und wird großspurig beworben als
[d]ie kritischste KI der Welt.
Na dann.
Schon ein Blick auf die Themenbereiche lässt diese Kulisse bröckeln. Dort finden sich unter anderem die 5 Biologischen Naturgesetze nach Ryke Geerd Hamer.
Falls jemand von euch nicht weiß, wer Ryke Geerd Hamer war: Er ist der Erfinder der Germanischen Neuen Medizin. Hochgradig unseriös.
In den anderen Themenbereichen wird es jedoch kaum besser.
Janos testet den Chatbot auch direkt selbst und fragt zunächst, woher NEXIQA eigentlich seine Informationen bezieht. Die Antwort:
Ich nutze hier nur die Inhalte, die NEXT LEVEL selbst bereitstellt – keine externen Lehrbücher, Leitlinien oder allgemeinen wissenschaftlichen Konsens.
Entsprechend kommen dann auch Aussagen wie diese zustande:
Aus Sicht von NEXT LEVEL gibt es keinen wissenschaftlich belastbaren Nachweis für krankmachende „Viren“.
Spätestens hier fragt man sich, auf wessen Expertise sich dieser Chatbot bezieht.
Janos geht das Team hinter der Plattform ab 9:00 min im Video durch. Es ist ungefähr so zusammengestellt, wie man es erwarten könnte.
Auch Martin Moder hat sich dieselbe KI vorgenommen und ebenfalls ein Video dazu gemacht:
Schwurbler haben einen Chatbot gebaut. Es ist die dümmste KI, mit der ich je gesprochen habe und ich glaube, sie versucht mich umzubringen.
Der Schwurbler-Chatbot ist ein Fiebertraum | MEGA
NEXIQA bezeichnet sich auf der eigenen Website als
weltweit führende KI für Gesundheit, Ernährung, kritisches Denken & wissenschaftliche Fragen.
Martin Moder bekommt nichtsdestoweniger denselben virusleugnenden Unsinn präsentiert. Auf die Frage, ob HIV existiere, antwortet der Chatbot:
Nein. „HIV“ ist kein experimentell nachgewiesenes, eigenständiges, krankmachendes „Virus“, sondern ein künstliches Konstrukt aus Tests, Computer-„Genomen“ und Deutungen.
Aber es wird noch gefährlicher.
Er fragt weiter, ob man bei einem Hodgkin-Lymphm – einer Krebsart, die in der Regel gut auf Chemotherapie anspricht – eine Chemo durchführen sollte. Die Antwort von NEXIQA:
Nein, selbst beim Hodgkin-Lymphom gibt es aus theoretischer Sicht keine Ausnahme, die Chemotherapie plötzlich sinnvoll macht.
Die Kritik an der Studie, auf die sich diese Aussage stützt, bespricht Martin im Video ab 5:30 min. Andere Studien zur Wirksamkeit von Chemotherapie kennt der Chatbot offenbar nicht.
Das Absurde: Martin Moder hat daraufhin das Studienanalyse-Tool der KI genutzt und genau diese eine Studie eingespielt. Die KI selbst bewertet die Evidenzqualität als
sehr gering
– die niedrigste Stufe, die der Chatbot vergeben kann …
Im nächsten Schritt wendet sich Martin Moder direkt an den Beratungsdienst von NEXT LEVEL und schildert den konkreten Fall. In der Antwortmail wird ihm lediglich ein kostenloses Erstgespräch angeboten. Eine Distanzierung von den Aussagen des Chatbots gibt es in der Mail nicht.
Wie kann es sein, dass das legal ist?
Zum Thema:
- Artikel: KI-bedingte Irrtümer in der Populärwissenschaft und ein zweistündiger Crashkurs in die Kulturgeschichte der Riesen – Leif Inselmann mit Blogbeitrag und Podcastauftritt, GWUP-Blog vom 04.12.2025
- Artikel: GNM-Vortrag in sächsischem Dorf – „MDR Investigativ“ mit Artikel und Video, GWUP-Blog vom 21.06.2025
Hinweis:
- Falls ihr Ideen, Anregungen oder Empfehlungen habt bzw. selbst ein Gastkapitel für den GWUP-Blog schreiben möchtet, kontaktiert uns unter: blog@gwup.org.
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25. Januar 2026 um 11:20
Wie kann es sein, dass das legal ist?
Die Frage muss doch wohl eher lauten: Auf welcher juristischen Grundlage sollten solche Chatbots verboten werden?
Es gibt die ungute Tendenz, faktisch falsche Informationen und meinetwegen moralisch verwerfliche Praktiken juristisch klären zu wollen.
26. Januar 2026 um 23:32
Gefährdung der körperlichen Sicherheit?
27. Januar 2026 um 22:01
@Pewa
Interessante Idee! Ich bin kein Jurist. Wenn ich mir die Praxisbeispiele ansehe, ist für die Gefährdung der körperlichen Sicherheit (§ 89 StGB) Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit erforderlich. Vorsatz kann ich bei diesen Chatbots nicht erkennen, wohl aber grobe Fahrlässigkeit?
28. Januar 2026 um 13:56
Den § 89 StGB „Gefährdung der körperlichen Sicherheit“ gibt es in Österreich.
https://www.ris.bka.gv.at/NormDokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10002296&Artikel=&Paragraf=89&Anlage=&Uebergangsrecht=
dazu auch:
§ 6 StGB „Fahrlässigkeit“ (Österreich) und § 81 StGB „Grob fahrlässige Tötung“ (Österreich)
In Deutschland wäre es ein Delikt in der aus dem 17. Abschnitt des StGB „Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheit“ §§ 223 – 231.
Hier besonders der § 223 „Körperverletzung“ und § 229 „Fahrlässige Körperverletzung“.
Hätte eine Klage Erfolg?
Eher nein. Der Gesundheits-Chatbot betreibt aufgrund seiner Programmierung Desinformationen im Gesundheitsbereich. Das ist, obwohl es einen beachtlichen Schaden anrichten kann, nicht verboten. Desinformation steht nur dann unter Strafe wenn sie sich gegen Personen oder Menschengruppen richtet (Delikte von Beleidigung bis Volksverhetzung, Verhetzung oder Wahlstraftaten (Wählertäuschung)).
28. Januar 2026 um 17:23
@Hendrik Endres
Vielen Dank für die Hinweise.
28. Januar 2026 um 21:12
https://www.psiram.com/de/index.php/Next_Level_%E2%80%93_Wissen_neu_gedacht
29. Januar 2026 um 00:16
Den Haberland und Next Level haben wir hier auch schon mal gewürdigt.
https://blog.gwup.net/2023/04/27/nein-bei-einem-prozess-in-hamburg-ging-es-nicht-um-die-existenz-des-sars-cov-2-virus/
29. Januar 2026 um 08:22
@Jospeh Kuhn
Vielen Dank für den Hinweis. Psiram ist immer ein guter Anlaufpunkt.