gwup | die skeptiker

… denken kritisch seit 1987.

Keine Pinguininvasion, kein T-Rex-Klon und wieder kein King Kong: der GWUP-Prognosencheck 2025

| 3 Kommentare

Es ist wieder Zeit für den jährlichen Prognosencheck der GWUP.

Eine donutförmige Wolke als mögliches UFO, Außerirdische als Kriegspartei in einem 3. Weltkrieg, ein geklonter Tyrannosaurus Rex, ein Angler, der Nessie aus dem See zieht – viele Jahresprognosen für 2025 erinnern eher an Fantasy-Drehbücher als an seriöse Vorhersagen. Auch die Ankündigung, ein Riesengorilla wie King Kong werde auf einer einsamen Insel entdeckt, die die kanadische Wahrsagerin Nikki Pezaro seit Jahren wiederholt, tauchte erneut auf. Weil diese Vorhersage mit jedem Jahr absurder wirkt, steht sie 2025 endlich auch auf Platz 1 der „Hitliste des Absurden“ im großen GWUP-Prognosencheck. Pezaro prognostizierte ebenfalls Pinguin-Invasionen in mehreren Städten.

Die „Hitliste des Absurden“, die unser Prognosencheck-Team zusammengestellt hat:

Dieses Jahr ist der Check so umfangreich wie nie zuvor: 2099 Prognosen aus 52 Quellen wurden ausgewertet. Kurzfassung der Ergebnisse:

Ein Viertel der Vorhersagen war zu vage, um geprüft zu werden, mehr als die Hälfte war klar falsch, belastbare Volltreffer blieben die Ausnahme.

Über alle bewertbaren Prognosen ergab sich mit 253 Treffern bei 2.099 Vorhersagen eine Trefferquote von 12,1 % – unter einem großzügigen Trefferbegriff.

Wie dieser Wert einzuschätzen ist:

Die erstmalige Bestimmung einer „Saunders Number“ für den Prognosencheck 2025 zeigt überdies, dass der Anteil echter Treffer mit 12,1 % im niedrigen zweistelligen Prozentbereich liegt und damit in derselben Größenordnung wie der Wert, der im Rahmen des Great Australian Psychic Prediction Project (GAPPP) ermittelt wurde. Das liegt deutlich unterhalb dessen, was man als Evidenz für paranormale Prognosefähigkeiten ansehen könnte. Insgesamt stützt der Prognosencheck damit wieder einmal die skeptische Schlussfolgerung: Die untersuchten Verfahren liefern keine treffsicheren Vorhersagen, die über informierte Vermutungen, Zufall und statistisch zu erwartende Treffer hinausgehen.

Statt die Prognosen auf ihr Eintreten zu prüfen, kann man auch den Spieß umdrehen: Welche großen Ereignisse geschahen in diesem Jahr und wurden diese vorhergesagt? Folgende Top 10 hat das Team ermittelt:

  1. UN-Kommission erkennt Völkermord in Gaza an.
  2. Iranische Raketenangriffe au US-Stützpunkte
  3. US-B-2-Angriffe auf iranische Atomanlagen
  4. Israelische Angriffe auf iranische Atomanlagen
  5. Indische Raketenangriffe im Konflikt mit Pakistan
  6. IGH-Gutachten zu Staatenpflichten beim Klimaschutz
  7. 2024 als wärmstes Jahr seit Messbeginn bestätigt
  8. Tod von Papst Franziskus
  9. Wahl von Papst Leo XIV.
  10. Offizielle Hungersnot in Gaza-Stadt

Und wie schnitten diesbezüglich die Prognosen ab?

Wirklich spezifische Treffer gibt es nur bei den Israel/USA-Angriffen auf Iran, die sich aber aufgrund längerfristiger diplomatischer Spannungen angekündigt hatten. Bei den Papst-Ereignissen lässt sich ähnliches anführen. Der Großteil der historisch zentralen Ereignisse wurde entweder überhaupt nicht oder nur vage thematisch abgedeckt.

Fazit:

Damit verfehlt die Prognostiker-Szene genau das, was man sich von „hellseherischen“ Fähigkeiten eigentlich erhoffen würde: die frühzeitige Ankündigung selten auftretender, historisch einschneidender Ereignisse. Stattdessen zeigt sich ein Muster diffuser Warnungen, generischer Konfliktprophezeiungen und nachträglicher Umdeutung. Aus wissenschaftlich-skeptischer Sicht spricht dies deutlich gegen die Annahme, dass es in diesem Feld bislang unentdeckte „Trefferquoten“ gibt, die über informierte Vermutungen und Zufall hinausgehen.

Warum Hellseherei aus wissenschaftlicher Perspektive sehr unplausibel ist:

Aus wissenschaftlich-skeptischer Sicht wirft die Praxis von Hellsehern, Astrologen und esoterischen Prognostikern ein grundlegendes Problem auf: Die moderne Naturwissenschaft kennt keinen Mechanismus, durch den Informationen in der Zeit rückwärts übertragen werden könnten. Signale breiten sich – soweit wir wissen – immer von der Vergangenheit in die Zukunft aus. In der Theorie sind zwar Schlupflöcher denkbar, doch empirische Belege dafür fehlen. Echte Hellseherei würde genau einen solchen Mechanismus voraussetzen. Damit eine Person heute Wissen über ein Ereignis haben kann, das erst morgen oder nächstes Jahr stattfindet, müsste die Information darüber aus der Zukunft zu ihr gelangen. Sie könnte logisch erst dann „entstehen“, wenn das Ereignis tatsächlich eingetreten ist. Ursache (das Ereignis) und Wirkung (die Kenntnis des Ereignisses) würden somit die Plätze tauschen: Die Wirkung wäre schon da, bevor die Ursache überhaupt existiert. Das widerspricht dem Kausalitätsverständnis, auf dem die moderne Naturwissenschaft beruht.

Zum Thema:

  • Artikel: King Kong und Außerirdische – Wahrsager liegen erneut falsch, Die Zeit vom 09.12.2025
  • Artikel: Ein paar Zufälle und viele Absurditäten: der Prognosen-Check 2024 der GWUP, GWUP-Blog vom 10.12.2024
  • Artikel: Nostradamus 1503 und der GWUP-Prognosen-Check 2023, GWUP-Blog vom 14.12.2023
  • Artikel: Prognosen 2022: Die Queen ist tot, die Hellseher hatten recht, GWUP-Blog vom 15.12.2022
  • Artikel: Sind Hellseher Schwindler? GWUP-Blog vom 2. Dezember 2012
  • Artikel: Sind Hellseher anerkannt? GWUP-Blog vom 2. Oktober 2012
  • Artikel: Sind Hellseher seriös? GWUP-Blog vom 1. Oktober 2012
  • Artikel: Sind Hellseher sympathisch? GWUP-Blog vom 30. September 2012

Hinweis:

  • Falls ihr Ideen, Anregungen oder Empfehlungen habt bzw. selbst ein Gastkapitel für den GWUP-Blog schreiben möchtet, kontaktiert uns unter: blog@gwup.org
  • Wenn ihr noch nicht im Skeptischen Netzwerk angemeldet seid, möchten wir euch herzlich dazu einladen. Dort finden GWUP-Mitglieder und Interessierte eine Plattform für Diskussionen und Austausch rund um skeptische Themen:

3 Kommentare

  1. Könnte es sein, dass Vorhersagen von Wahrsagern deswegen so beliebt sind – wie beliebt sind sie wirklich in der Bevölkerung? – weil sie so außergewöhnliche Vorhersagen machen? Und dass es gar nicht darum geht, ob sie sich erfüllen, sondern eher wie ein schlechter Horrorfilm wirken und jene dafür bezahlen, die sich gerne gruseln.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.