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Gastbeitrag: Bericht zur Konferenz „FAKE 2025“: Über Des-Emotion, digitale Diskussionskultur und kritisches Denken.

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ein Gastbeitrag von Folker Bredow


Bericht zur Konferenz „FAKE 2025“: Über Des-Emotion, digitale Diskussionskultur und kritisches Denken.

Unter den Schlagworten „Fakten, Austausch, Kompetenz, Engagement“ kamen am 29. November rund 70 Interessierte und Engagierte aus unterschiedlichen Verbänden und Initiativen im Deutschen Hygienemuseum in Dresden zusammen, um sich über Herausforderungen und Vorgehensweisen im Umgang mit Falschnachrichten und Verschwörungserzählungen auszutauschen. Die GWUP sowie der Verein selbst-kritisch-vegan stellten zwei der insgesamt zehn Stände auf der Veranstaltung.

Der Vormittag stand im Zeichen spannender Kurzvorträge, welche die Bandbreite der Ansätze und Konzepte gegen Desinformation widerspiegelten. Philine Schlick von der Initiative SPREUWEIZEN hob die Bedeutung von Emotionen bei der Rezeption von Mitteilungen hervor und regte an, den Blick von Desinformation auf „Des-Emotionen“ zu weiten und sich der Gefahr von Humor als Trojanisches Pferd bewusst zu sein, durch das demokratiegefährdende Ideologien widerstandslos Einzug in unsere Gedankenwelt erhalten können. Über die Erfahrungen und mögliche Strategien im Umgang mit Rechtsextremismus im Netz berichtete Marie-Theres Ueberlein von der Aktion Zivilcourage e.V. und rief zu besserer Prävention und konsequenter Gegenrede auf. Ellen Forke von artably nahm die Barrieren für Menschen mit Behinderung beim Zugang und beim Verständnis von Informationen in den Blick. Um Medienkompetenz inklusiv zu denken, solle man sich stets die Frage stellen, was die Betroffenen konkret brauchen.

Mit den Strukturen digitaler Netzwerke beschäftigten sich zwei weitere Vorträge: Dr. Franziska Martini vom Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft Jena stellte Forschungsergebnisse zu Community Notes auf X als Konzept für crowdbasiertes Fact-Checkings vor – mit dem gemischten Zwischenfazit, dass diese Tools noch zu wenig präsent sind, um als effektive Maßnahme gegen Desinformation angesehen zu werden. Carsten Knoll vertrat die Initiative Konstruktive digitale Diskussionskultur und stellte einen technischen Ansatz vor, der die Authentizität und Rückverfolgbarkeit von Beiträgen garantiert, sodass Aussagen weder unbemerkt verfälscht noch aus dem Zusammenhang gerissen werden können.

Die Vermittlung von kritischem und wissenschaftlichem Denken war Thema der Vorträge von André Sebastiani und Stefanie Weig von der GWUP. In Vertretung für den erkrankten Sebastian Schnelle stellten sie das Format „Skeptics in the Pub“ als niederschwellige, kurzweilige und gesellige, und dennoch auf hohes Niveau bedachte Möglichkeit vor, Pseudowissenschaften und Falschbehauptungen zu begegnen. Anschließend gab André Sebastiani einen Überblick über die Herausforderungen bei der Vermittlung kritischen Denkens an Schulen. Da kritisches Denken in der Anwendung stets kontextabhängig sei, sollen Lehrkräfte durch ein neues Fortbildungsprogramm, das auf dem Buch „Die 10 Gebote des gesunden Menschenverstands“ von Nikil Mukerji basiert, befähigt werden, diese Kernkompetenz des 21ten Jahrhunderts in allen Fächern an Schülerinnen und Schüler zu vermitteln.

Derart inspiriert gingen die Teilnehmenden während des Mittagessens in den angeregten Austausch. Die anschließenden Workshops boten die Möglichkeit der konzentrierten Beschäftigung mit unterschiedlichen Schwerpunkten: von der differenzierten Begriffsklärung über die Vorstellung konkreter Workshop-Konzepte und Herangehensweisen bis hin zu gesamtgesellschaftlichen Fragestellungen und Diskussionen. Angesichts dessen dürften sich viele der Anwesenden gewünscht haben, die Fähigkeit der Fernwahrnehmung zu besitzen, um mehreren Workshops gleichzeitig beiwohnen zu können. Darüber hinaus bot die technisch und organisatorisch exzellent ausgeführte Konferenz ausreichend Raum und Zeit zum Netzwerken und Diskutieren. Das anschließende informelle Social Event in einem Dresdner Lokal komplettierte den Tag mit weiteren gesellschaftspolitischen und philosophischen Gesprächen.

Der Verein „Break the Fake“ hat mit der FAKEʻ25 eine hervorragende Veranstaltung auf die Beine gestellt, die hoffentlich ihre Fortsetzung findet. Das Potenzial ist da, dass sich die FAKE-Konferenz zu einer bundesweiten Institution für den Austausch von Erfahrungen und für die gemeinsame Entwicklung von Ansätzen und Strategien im Kampf gegen Desinformation entwickeln kann.

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