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Nach Jahren der Kritik: „The Oncologist“ zieht die Homöopathie-Studie von Michael Frass offiziell zurück!

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Endlich.

Fünf Jahre nach ihrer Veröffentlichung ist die vielkritisierte Studie von Michael Frass zur homöopathischen Komplementärmedizin von nicht-kleinzelligem Lungenkrebs nun offiziell zurückgezogen worden. Seit dem 24.11.2025 trägt die Website von The Oncologist den entsprechenden Hinweis.

In den vergangenen Wochen verdichteten sich die Anzeichen für diesen Schritt bereits.

Das INH skizziert den Weg bis zur Zurücknahme:

Nach der Veröffentlichung 2020 führte eine Arbeitsgruppe aus INH (Informationsnetzwerk Homöopathie) und IWM (Initiative für Wissenschaftliche Medizin) eine gründliche Kritik der Studie durch. Daraufhin prüfte die MedUni Wien gemeinsam mit der ÖAWI (Österreichischen Agentur für wissenschaftliche Integrität) die Arbeit und konnte die Kritikpunkte weiter untermauern.

Das herausgebende Journal The Oncologist zeigte sich weniger kooperativ, wie das INH schreibt:

Dass es dennoch zur Retraktion kam, ist kein Verdienst des Journals, sondern ausschließlich der Beharrlichkeit und Kompetenz von MedUni Wien, ÖAWI und der INH/IWM-Arbeitsgruppe. Diese Beteiligten hatten auch COPE (Committee on Publication Ethics), eingebunden, die eigene Integritätsstelle der medizinischen Fachjournale.

Die Bedeutung der Retraction für die homöopathische Szene:

Mit dem Rückzug der Studie entfällt die wichtigste klinische Publikation der homöopathischen Szene seit Jahrzehnten. Sie galt lange Zeit als „Leuchtturm“ der Homöopathie und wurde trotz der Kritik bis zuletzt in Vorträgen und Medien als ultimativer Wirksamkeitsnachweis präsentiert.

Die Faktenlage ist nun eindeutig:

  • Die Studie ist wissenschaftlich nicht haltbar.
  • Die behaupteten Effekte sind nicht belegt.
  • Die Publikation darf nicht länger zitiert werden.
  • Sie ist nicht Bestandteil wissenschaftlicher Evidenz.

Damit verliert die Homöopathie ihr wohl wichtigstes modernes klinisches Aushängeschild.

Auf der Website des INH gibt es eine Kategorie, die alle eigenen Beiträge zur Frass-Studie zusammenfasst. Die IWM stellt zudem eine Chronologie der Geschehnisse bereit.

Zum Thema:

  • Artikel: Zusammenfassung der Kritik an der Frass-Studie im Laborjournal, GWUP-Blog vom 09.05.2025
  • Artikel: Dass doch sein darf, was nicht sein kann. oder: Durchmarsch auf homöopathisch, Udo Endruscheit (skeptiker 4/2024)
  • Artikel: Video: Janos Hegedüs und Udo Endruscheit über den Globuli-Skandal im „Oncologist“, GWUP-Blog vom 28.11.2024
  • Artikel: Video: Janos Hegedüs und Norbert Aust über Krebs und Homöopathie im „Oncologist“, GWUP-Blogvom 15.11.2024
  • Artikel: Und wieder die homöopathische Lungenkrebsstudie: Ein paar „Korrekturen“ ändern nichts an der massiven Kritik daran, GWUP-Blog vom 27.09.2024
  • Artikel: Komplementärmedizin: Leitlinie für die Behandlung von Krebspatienten – „Je mehr Wallawalla, desto großzügiger“, GWUP-Blog vom 13.07.2024
  • Artikel: Gute Absicht, schlechte Medizin: Edzard Ernst über die Studie zu Homöopathie bei Lungenkrebs, GWUP-Blog vom 27.05.2024
  • Artikel: Homeopathy Research Hits New Low, Norbert Aust and Viktor Weisshäupl (Skeptical Inquirer Vol. 47, No. 3) Mai/June 2023
  • Artikel: Unzulässige Werbung für homöopathische Meditonsin-Tropfen: Urteil jetzt rechtskräftig, GWUP-Blogvom 05.05.2023
  • Artikel: Ein neuer Tiefpunkt in der Homöopathieforschung, Norbert Aust, Viktor Weisshäupl (skeptiker 4/2022, S. 177–184) 
  • Artikel: Homöopathie bei Krebspatienten: Fast zu schön, um wahr zu sein, profil vom 28.10.2022
  • Artikel: Eine weitere Vorzeigestudie der Homöopathen endet als Desaster, GWUP-Blog vom 26.10.2022
  • Artikel: A thorough analysis of Prof M. Frass’ recent homeopathy trial casts serious doubts on its reliability, Norbert Aust u. Viktor Weisshäupl (Gastbeitrag bei Edzard Ernst) vom 11.06.2021
  • Artikel: Die neue Vorzeige-Studie der Homöopathen: nachträgliche Anpassung der Ergebnisse?, GWUP-Blog vom 09.06.2021
  • Artikel: Homeopathy prolongs survival of lung cancer patients … Can it be true?, Edzard Ernst vom 07.10.2020

Hinweis:

  • Falls ihr Ideen, Anregungen oder Empfehlungen habt bzw. selbst ein Gastkapitel für den GWUP-Blog schreiben möchtet, kontaktiert uns unter: blog@gwup.org
  • Wenn ihr noch nicht im Skeptischen Netzwerk angemeldet seid, möchten wir euch herzlich dazu einladen. Dort finden GWUP-Mitglieder und Interessierte eine Plattform für Diskussionen und Austausch rund um skeptische Themen:

13 Kommentare

  1. Auch hier: Endlich ist der Mist vom Tisch, hatte ja nur Jahre gedauert.
    Finde es auch interessant, dass zwar manche der Autoren dagegen waren (logisch), aber ein Autor sogar völlig d’accord war – immerhin.

    Walachs Schrottpaper wurde letztens auch zurückgezogen.
    https://retractionwatch.com/2025/11/07/placebo-effect-harald-walach-journal-clinical-epidemiology-retraction/

    Anscheined vermögen Hömopathen keine ernsthafte Wissenschaft betreiben zu können, was nicht wundert – Placebo gegen Placebo ist auch irgendwie sinnlos.

  2. Sogar in den Spiegel hat es die Nachricht geschafft. Es darin auch auf die frühzeitige Kritik von INH und IWM aus dem Juni 2021 verwiesen.

    Fachzeitschrift zieht umstrittene Homöopathiestudie zurück

    Können Lungenkrebspatienten mit Homöopathie länger überleben? Genau das legte eine Studie nahe. Laut einer Untersuchung wurden wohl Daten gefälscht oder zumindest manipuliert. Chronologie eines Skandals.

    https://archive.is/nEXJY

  3. Das war eine enorm lange nervenzehrende und arbeitsaufwendige Aktion. Warum haben wir das gemacht und mit einigen Verbündeten so lange durchgezogen?

    Weil Frass die Dreistigkeit hatte, seine Studie nicht in einem der homöopathiüblichen Journale zu veröffentlichen, wo das nur die eigene Blase interessiert. Sondern es geschafft hat, ein (bislang) sehr renommiertes Journal (der Oncologist liegt auf Platz acht des Rankings aller Onkologie-Journale) für sich einzuspannen. Das geht gar nicht. Die Auswirkungen brauchen wir hier nicht noch mal zu beschreiben.

    Dass sich das Journal trotz der umfassend belegten Kritik so hartleibig zeigen würde, damit hatten wir anfangs nicht gerechnet. Vermutlich hat aber auch das Journal nicht damit gerechnet, dass wir vom INH und IWM zusammen mit Prof. Ernst, der MedUni Wien und der ÖAWI so lange dagegen halten würden. Noch kurz vor dem Retract gab es Manöver, die wohl ermöglichen sollten, dass Frass unter Gesichtswahrung aus der Sache rauskommen konnte. Aber auch das ist letztlich gescheitert und es kam zu einem klaren Retract.

    Nun wollen wir mal sehen, auf welche Weise die Homöopathen versuchen werden, die Sache kleinzureden oder umzudrehen. Wir sind gespannt.

    Der Artikel im SPIEGEL ist übrigens wirklich gut, er zeichnet die ganze Geschichte korrekt nach.

  4. Der Artikel im SPIEGEL ist übrigens wirklich gut, er zeichnet die ganze Geschichte korrekt nach.

    *Daumen hoch*

  5. Beim Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte steht dazu (bisher): Nichts.

    Jedenfalls nichts zur Retraktion: https://www.dzvhae.de/event/webinar-mit-univ-prof-dr-michael-frass-studien-zur-additiven-homoeopathischen-therapie-bei-krebs-2/

  6. Im Standard werden die Geschichte der Studie, die groben Fehler darin sowie Frass‘ Ausweichmanöver auf Rückfragen näher aufgeschlüsselt.

    https://www.derstandard.de/story/3000000298260/globuli-bei-lungenkrebs-wiener-studie-nun-offiziell-zurueckgezogen

  7. Noch eine gute Nachricht:

    Die Grünen (!) haben auf der heutigen (28.11.) Bundesdelegiertenkonferenz beschlossen, dass die Homöopathie nicht mehr von den Krankenkassen bezahlt werden soll.

    https://www.spiegel.de/politik/deutschland/gruene-vollziehen-kehrtwende-bei-der-homoeopathie-a-0e6aa2bf-7d52-4a58-b2b6-314fb807f519

  8. @Carsten Ramsel

    Eine gute Nachricht. Hier ist die Entscheidung nochmal ohne Bezahlschranke.

    https://www.zeit.de/politik/deutschland/2025-11/gruene-homoeopathie-krankenkasse-kostenerstattung-parteitag

  9. Grüne schwören Globuli-Kügelchen ab – und treten Özdemir vors Schienbein

    Der ehemalige Bundeslandwirtschafts- und -forschungsminister [Özdemir] will die Villa Reitzenstein in Stuttgart von Winfried Kretschmann übernehmen, dem ersten und bislang einzigen Ministerpräsidenten der Grünen. In den Umfragen liegt die Partei dort derzeit weit hinter der CDU, und auch hinter der AfD.

    Schwer genug also wird das, wenn es überhaupt klappt – jedenfalls kommt es auf jeden Prozentpunkt an. Die neue grüne Position könnte da tatsächlich zu Einbußen führen. Der Südwesten gilt als Hochburg der Antroposophen- und Naturheilkundler. Auch sind dort einige mittelständische Unternehmen aus dem Bereich ansässig, etwa die Deutsche Homöopathie-Union, Heel oder Wala-Heilmittel.

    https://www.stern.de/politik/deutschland/gruene-schwoeren-globuli-ab—und-treten-oezdemir-vors-schienbein-36909880.html

    Bei der Nachricht musste ich dann als Beuteschwabe doch schmunzeln. Denn Wala, Heel und Co. werden mit hoher Sicherheit lautstark gegen den Beschluss protestieren.

    Es wäre nun interessant zu erfahren, wie die Haltung des CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel und der CDU zu Homöopathie ist. Als Wirtschaftsfreunde werden sie bei den Klagen der Homöopthikaunternehmen sicherlich die Ohren spitzen. Was folgt dann? Machen sie den Söder und die Gerlach?

  10. Habt Ihr schon die „Stellungnahme“ von Frass
    https://www.dzvhae.de/stellungnahme-von-prof-frass-zur-oncologist-ruecknahme-seiner-studie/

    oder gar die der DZVhÄ gelesen?
    https://www.dzvhae.de/dzvhae-kommentar-zur-ruecknahme-der-frass-studie/

    Realsatire. Frass blubbert was davon, dass die Studie zurückgezogen wurde, weil die Ärzte überqualifiziert waren. Und die DZVhÄ schmeißt mit whataboutism rum.
    Inhaltlich also wieder alles homöopathisch.

  11. @ Julius Senegal:

    Die Stellungnahme des Zentralvereins finde ich eigentlich passend: Sie ordnet, wenn auch unfreiwillig, die Frass-Studie der Junk-Science-Flut zu.

    Die Stellungnahme von Frass ist kurios. Er sagt, das abstract könne weiter zitiert werden. Warum eigentlich nur das abstract? Aber auch das ist Unfug. Zurückgezogene Studien sollen natürlich nicht zitiert werden, schließlich hätten sie gar nicht erst publiziert werden sollen. Das ist auch die Haltung des International Committee of Medical Journal Editors.

  12. Wow, was für ein irrer Erfolg Dank der Skeptiker wie Norbert Aust und Edzard Ernst und co. Dafür lohnt es sich doch Mitglied in der GWUP zu sein.
    https://link.springer.com/article/10.1186/s41073-026-00191-5?
    Trials and tribulations of responsible people trying to uphold scientific standards
    Comment
    Open access
    Published: 16 February 2026
    Harald H. Sitte, Jutta Hübner, Norbert Aust, Viktor Weisshäupl & Edzard Ernst

    Zitat: Scientific misconduct threatens patient safety, progress, and trust in medicine. On October 3, 2020, Frass and colleagues published a randomized, placebo-controlled, double-blind trial in The Oncologist (published by Wiley at the time) claiming that add-on homeopathy significantly prolonged survival in advanced non-small-cell lung cancer. Since homeopathy contradicts established scientific principles, doubts about the trial’s validity quickly emerged.

    Concerns were first published in October 2020, followed in 2021 by a detailed analysis alleging scientific misconduct. This prompted the Medical University of Vienna, the affiliation of the study’s lead author, to request an investigation by the Austrian Agency for Research Integrity (OeAWI). After conducting an in-depth review, OeAWI concluded in September 2022 with a clear recommendation for retraction. However, The Oncologist issued only an ‘Expression of Concern’ at the time, despite five co-authors formally requesting the withdrawal of their authorship— a demand that remained unaddressed as of November 2025. Repeated inquiries to the journal and its publisher, Oxford University Press (OUP), yielded only vague assurances that the matter was “under review,” with multiple deadlines passing without resolution. Finally, by November 24, 2025, The Oncologist retracted the paper. However, the retraction notice fails to address the specific concerns raised about the study’s results and conclusions, nor does it provide a clear rationale for the retraction itself.“(…)

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