Für den Blog Wunderkammer der Kulturgeschichte hat Ulrich Magin eine dreiteilige Serie geschrieben, die sich kritisch mit drei Mythen rund um die Präastronautik befasst.
Glooskap: Ein amerikanischer Kulturheros zwischen altem und neuem Mythos
vom 29.08.2025
Im ersten Beitrag geht es um die mythische Figur Glooskap:
Beginnen wir mit Glooskap. Als Anno 1970 im ZDF eine Verfilmung der „Lederstrumpf-Erzählungen“ von James Fennimore Cooper lief, da verehrten die Indianer im Dorf der Huronen Glooskap. Für den Zuschauer war klar: Das muss irgendein Gott oder Götze sein.
Nicht so in der Literatur zur Prä-Astronautik. Hier steht Glooskap mehrheitlich für einen leiblichen Menschen, entweder einen außerirdischen Astronauten oder einen Tempelritter, der den Gral nach Amerika brachte, zumindest aber einen weißen Kulturbringer, ganz entsprechend dem rassistischen Narrativ, die Menschen Altamerikas hätten ohne europäische Hilfe nichts zustande bringen können.
Deswegen zitiert Ulrich Magin ausführlich aus der Urfassung des Mythos und kommt zu folgendem Fazit:
So also wurde die Geschichte von Glooskap erzählt, bevor man einen europäischen Seefahrer, Tempelritter, Astronauten oder weißen Kulturbringer aus ihm machte. Und nichts in diesen Erzählungen weist auf einen europäischen Seefahrer, Tempelritter, Astronauten oder weißen Kulturbringer hin.
Für den kompletten Beitrag hier entlang!
Bep-Kororoti: Vom Tapirjäger zum Prä-Astronauten
vom 04.09.2025
Der zweite Teil dreht sich um einen vermeintlichen Raumanzug aus Stroh:
In Aussaat und Kosmos berichtete Erich von Däniken vom Strohkostüm des indigenen Volkes der Kayapo, die so ihren Götzen Bep-Kororoti darstellten – und dass es einen Raumanzug darstelle. In seinem jüngst veröffentlichen Titel Und sie waren doch da! bestätigt er das noch einmal. Seine Quelle war ein Bericht in dem brasilianischen Boulevardblatt O Cruzeiro.
Durch Dänikens Deutung ging die Geschichte in die prä-astronautische Literatur ein. Sie wird erwähnt in U. Dopatkas Lexikon der Prä-Astronautik oder in einem Beitrag von R. Habeck in Dänikens Das Erbe der Götter. Bislang kam niemand auf die Idee, Dänikens Quelle zu überprüfen, einen Artikel von Joao Americo Peret in der brasilianischen Zeitung O Cruzeiro aus dem Jahr 1972.
Auch hier lohnt sich ein Blick in die Originalgeschichte:
Deutlich geht aus der Originalgeschichte hervor, dass Bep-Kororoti kein vom Himmel gekommener Astronaut war, sondern ein einfacher Mensch, der durch schamanische Magie die Elemente beherrschte.
Erneut zeigt sich, dass über Erich von Dänikens Thesen erst nach einer ganz genauen Prüfung seiner Quellen und Zitate diskutiert werden kann.
Hier der ganze Beitrag!
Die Schechina: Ein religiöser Begriff und seine Missverständnisse
vom 12.09.2025
Der dritte Beitrag widmet sich einem Begriff aus der jüdischen Mystik:
Es gibt, so sagt Peter Fiebag in einem Beitrag über die angebliche Manna-Maschine, eine außerirdische Brotbackmaschine, die Aliens dem Moses gaben, „den seltsamen jüdischen Begriff der ‚Schechina‘“. Seltsam ist der Begriff natürlich nur für Außenstehende, die sich nicht die Mühe machen, sich über das Judentum zu informieren. Ignorieren wir die Arroganz, die aus der Verächtlichmachung eines zentralen Begriffs der jüdischen Mystik spricht, und sehen uns die Fakten an, die Fiebag nicht kennen will.
Ulrich Magin stellt klar:
Die Schechina ist also kein Begriff, der in dem Sohar nur in der Beschreibung einer Kraft auftritt, die das Manna erzeugt: Schechina ist ein zentraler Begriff der Kabbala. Der ganze Sohar ist im Grunde der Versuch, die Schechina zu definieren und zu erklären. Der Sohar ist ein religiöses Buch, eine philosophische Abhandlung; prä-astronautisch deutbare Absätze sind eben gerade nicht darin, wie sich jeder gerne aufgrund der exzellenten Ausgabe von Müller überzeugen kann. Die Kabbala ist auch keine geheime, jahrtausendealte Tradition, sondern eine Sammlung von Bibelversauslegungen, vergleichbar mit dem Talmud.
„Schechina“ kann schwerlich ein Synonym für die Manna-Maschine sein, wenn die „Schechina“ längst vor Moses bei den Urvätern war. Es geht in den Texten, die die Schechina beschreiben, auch nicht um das Manna, sondern um die göttliche Gegenwart in der Welt. Diese manifestiert sich natürlich auch im Manna, und daher ist das Manna ein Produkt der Schechina. Doch ebenso ein Produkt der Schechina ist die Liebe zwischen Mann und Frau, und es kann definitiv festgestellt werden, dass dieses Phänomen auch unabhängig von einer aus dem Kosmos stammenden Brotbackmaschine vorzukommen pflegt.
Hier geht’s zum Beitrag!
Außerdem ist mittlerweile dritte und letzte Teil der Untoten-Reihe vom Podcast Alle Zeit der Welt mit Leif als Gast erschienen. Diesmal geht es um Vampire!
Zum Thema:
- Artikel: Zellteilung auf altägyptischem Totenpapyrus abgebildet? – Gastbeitrag bei Leif Inselmanns Blog & Teil 2 der Untoten-Reihe im Podcast „Alle Zeit der Welt“, GWUP-Blog vom 27.08.2025
- Artikel: Leif Inselmann im Blog und Podcast: Gilgamesch-Epos und sumerische Untote, GWUP-Blog vom 05.08.2025
- Artikel: Leif Inselmann zeigt: Was Tolkien vom Alten Orient übernahm., GWUP-Blog vom 02.07.2025
- Artikel: Moorleichen und Quellenfälschung: Leif Inselmann arbeitet den Fall Alfred Dieck auf., GWUP-Blog vom 15.06.2025
- Artikel: Narrative der Urgeschichte: Zwischen Mythos und Wissenschaft | Wunderkammer der Kulturgeschichte, GWUP-Blog vom 07.05.2025
- Artikel: Leif Inselmann über eine Oster-Kontroverse in der altorientalistischen Forschung: „Glaubten die Babylonier an Tod und Wiederauferstehung des Gottes Marduk?“, GWUP-Blog vom 22.04.2025
- Leifs Blog: Wunderkammer der Kulturgeschichte
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