Nach den zwei Panel-Videos (Hexenjagd 2.0 und Dialog oder Distanz) ist nun das erste Vortragsvideo der SkepKon 2025 online: „Der pathologisierte Andere: Trump und seine Wählerschaft“ von Prof. Dr. Claudia Franziska Brühwiler.
Trump regiert – und mit ihm der Wahnsinn? Die Verantwortungslosigkeit? Schon im Wahlkampf 2016 wurde Donald J. Trump zerstörerisches Potential attestiert. Nach einer – sieht man von seinem unpräsidialen Stil und Rhetorik wie auch den Ereignissen um den 6. Januar 2021 – relativ typisch-republikanischen Präsidentschaft, sehen sich nun viele Kritiker bestätigt. «Staatsstreich von innen», «administrativer Coup» lauten die noch nüchternsten Analysen. Ausgeblendet wird dabei, dass viele der Massnahmen nur rückgängig machen, was relativ kurzfristige Fortschritte waren. Fortschritte, die zumindest die Trump-Wählerschaft nicht als solche betrachteten, sondern vielmehr als Angriff auf ihre Lebensweise wahrnahmen. Sie alle, Wahnsinnige? Oder vom Wahnsinn verführte?
In ihrem Vortrag beleuchtet die Historikerin Claudia Brühwiler die Berichterstattung über Donald Trump und die anhaltende Pathologisierung konservativer Wähler in den USA. Sie zeigt auf, wie Trumps Politik oft als irrational dargestellt wird, obwohl sie in vielen Bereichen einer klaren Logik folgt. Dabei hinterfragt sie das Mediennarrativ und betont, dass Politik letztlich eine Frage von Werten und nicht nur von Fakten ist.
Der pathologisierte Andere: Trump und seine Wählerschaft | Prof. Dr. Claudia Franziska Brühwiler | GWUP
Inhalt:
- Einleitung [ab 0:00 min]
- Trump regiert – Matto regiert. [ab 2:10 min]
- Ist es aktuell so ‚wahnsinnig‘ wie nie zuvor? [ab 7:50 min]
- Die Pathologisierung der Konservativen und Republikaner in der US-Politik [ab 10:40 min]
- Rechtfertigungsbedürfnis, konservativ zu sein. [ab 15:30 min]
- JD Vance bei der 61. Münchener Sicherheitskonferenz [ab 20:50 min]
- Es ist erratisch … [ab 27:00 min]
- … aber nicht überall. [ab 31:20 min]
- Die große Frage: Was lassen die Gerichte am Ende stehen? [ab 35:30 min]
In 2 Wochen dürfen wir uns auf das nächste Video freuen.
Zum Thema:
- Artikel: Zweites SkepKon-Video: Panel „Dialog oder Distanz – Mit wem sollten Skeptiker sprechen?“ zu Varnans Auftritt bei Jasmin Kosubek, GWUP-Blog vom 25.08.2025
- Artikel: Es geht los: Das erste Video der SkepKon 2025 ist online! – Panel-Diskussion „Hexenjagd 2.0“ mit Marie-Luise Vollbrecht, GWUP-Blog vom 11.08.2025
Hinweis:
- Falls ihr Ideen, Anregungen oder Empfehlungen habt bzw. selbst ein Gastkapitel für den GWUP-Blog schreiben möchtet, kontaktiert uns unter: blog@gwup.org.
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9. September 2025 um 12:36
Unterm Strich ein ziemlich schwacher Vortrag. Eher am Rande der GWUP-Kernkompetenz und auch sehr einseitig. Brühwiler sagt, die Pathologisierung der Republikaner seitens der Demokraten habe eine lange Tradition und illustriert das mit zwei Buchtiteln. Es lassen sich aber mit Sicherheit auch haufenweise Bücher und Artikel finden, in denen die Demokraten auf ähnliche Weise angegriffen werden.
Ein rationaler und unaufgeregter Blick auf die Politik, selbst wenn es um Trump geht – schön und gut. Aber Brühwiler scheint die Trump-Regierung hier schlicht durch die rosarote Brille zu betrachten und klammert die massiven Angriffe auf Demokratie und Gewaltenteilung einfach aus.
9. September 2025 um 13:57
>> Brühwiler scheint die Trump-Regierung hier schlicht durch die rosarote Brille zu betrachten
Den Eindruck hatte ich auch. Selbst wenn man die kürzlichen martialischen Angriffe von Stephen Miller* ausklammert, die kaum mehr einen „nüchternen und unaufgeregeten Blick“ auf die GOP zulassen, läuft mir das alles zu sehr unter „schaut alles viel schlimmer aus als es ist“, bzw. „wird schon nicht so schlimm werden“.
Die Erfahrung der letzten Monate hat gezeigt, dass die Gefahr, dass es doch schlimm werden könnte, nicht vernachlässigt oder kleingeredet werden kann.
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über die Demokratische Partei:
„Es handelt sich um eine Organisation, die sich ausschließlich der Verteidigung von Schwerverbrechern, Bandenmitgliedern sowie illegalen ausländischen Mördern und Terroristen widmet. Die Demokratische Partei ist keine politische Partei. Sie ist eine inländische extremistische Organisation.“
9. September 2025 um 18:23
Ich habe mir die ersten 20 min angehört. Wie ist es, schlägt sie Trump für den Friedensnobelpreis vor? Sagt sie was zur 3. Amtszeit? War der Putschversuch vom 6.1. ein Spaziergang freundlicher Leute? Die Abschaffung der Klimaforschung eine lange gebotene Korrektur? Der durchgeknallte Impfspinner als Gesundheitsminister, die erratische Zoll“politik“, die alle internationalen Regeln bricht, die Instrumentalisierung von FBI und Justiz zur Erledigung der Opposition, alles kein Problem? Die beispiellose Korruption nur das Problem derer, die nicht genügend Geld haben? Für den Schweizer vielleicht interessant: die Beerdigung der Unabhängigkeit der Fed? Na, usw.
10. September 2025 um 08:55
Nehmen wir an Trump und seine ideologischen Einflüsterer seien Faschisten, welche die demokratische Ordnung umstoßen (wollen). Was macht sie dann zu Psychopathen?
Der Titel des Vortrags suggeriert doch, dass politische (und ich möchte ergänzen weltanschauliche) Abweichler als psychisch krank gebrandmarkt werden, obwohl sie politisch (nur) eine andere Meinung vertreten und meinetwegen antidemokratisch sind. Der letzte Satz ist diesem Vortrag ist zentral. Diese Menschen sind im pathopsychologischen Sinne nicht krank. Und selbst wenn Trump ein Narzisst, also psychisch krank, sei, ist er es nicht aufgrund seiner Politik sondern seines Geisteszustandes.
Ganz praktisch rettet die psychopathologische Zuschreibung weder die Demokratie in den USA noch die bei uns.
In Skeptikerkreisen beobachte ich das Gleiche, wenn es um Religiöse, Esoteriker und Verschwörungstheoretiker geht. Dabei kann ich mich an einen Vortrag einer früheren Skepkon erinnern, der zeigte, dass Verschwörungstheoretiker innerhalb ihres eigenen Weltbildes vollkommen rational handeln. Und auch hier lässt sich die Abwertung des Anderen durch die Zuweisung einer psychischen Erkrankung beobachten, weil der Andere nicht gemeinsame Überzeugungen teilt. Selbst wenn die anderen Überzeugungen gefährlich und gesellschaftsschädigend sind, werden sie nicht durch die Pathologisierung geheilt. Mir kommt es eher wie eine hilf- und erfolglose Coping-Strategie der vermeintlich Gesunden vor.
14. September 2025 um 15:32
Das Argument: „Trump wird als verrückt bezeichnet, aber bei anderen Präsidenten vor ihm ist das auch schon passiert“ ist lediglich eine Variante des Galileo-Gambits „ich werde unterdrückt mit meinen Theorien, aber Galileo wurde auch unterdrückt“. Selbstverständlich sagt der Vergleich nichts darüber aus, ob er tatsächlich verrückt ist.
Die Art und Weise, wie er fabuliert, wie er eine offensichtlich falsche Geschichte nach der anderen erzählt, ist nicht wirklich normal. Aber die Wahnvorstellungen, die er hat, von Birtherism über Klimawandelleugnung und verschiedenen Covidiotien bis zur Preissenkung von mehr als 100% sind einfach nur auf Ignoranz, Leichtgläubigkeit und Dummheit zurückzuführen. Und natürlich auf Lügen.
Was auch zum Thema gehört: er verwendet ja selbst die gleiche Rhetorik, indem er seinen Kritikern „Trump Derangement Syndrome“ unterstellt.
https://en.wikipedia.org/wiki/Trump_derangement_syndrome
15. September 2025 um 13:09
Bereits die Einleitung mit den New-Tickern ist so einseitig, dass ich Mühe hatte, Motivation zum Weiterschauen aufzubringen.
Ticker sollen (zumindest im nicht immer gegebenen Idealfall) zeitnah über außergewöhnliche Ereignisse und Entwicklungen informieren – auch, damit Leser ggf. unmittelbar darauf reagieren können.
Dies ist bei Trump unter Berücksichtigung der allgemeinen Werte und demokratischer Spielregeln natürlich der Fall. Und natürlich kann das objektive Chaos (z.B. bei den Zöllen) auch zeitnah für die Leser von großer Wichtigkeit sein und Gelegenheit bieten, schnell darauf reagieren. Allein in Sachen Aktien und Wirtschaft lassen sich dafür zahlreiche Zielgruppen finden. Auch für Reisende, die keine Lust auf Sightseeing zwischen undemokratisch initiierten Militäreinsätzen haben, könnte sich ein solcher Ticker bei der Urlaubsplanung als nützlich erweisen.
Einen Vergleich zu Scholz oder anderen Bundeskanzlern zu bemühen, ist zumindest dann ziemlich tollkühn, wenn man Trump nicht als lupenreinen Demokraten oder gar Retter der Demokratie betrachtet. Denn von den üblichen politischen Fehltritten abgesehen, sehe ich gerade nicht, dass je ein deutscher Bundeskanzler allgemeine Normen derart umgestoßen und die Demokratie in diesem radikalen Maße demontiert hat.
Unglücklich erscheint dieser Vergleich zusätzlich, weil hier einleitend der Konservatismus genannt wird, bevor der Vergleich aufgestellt wird. Klar, man kann den Konservatismus soweit ausdehnen, dass er auch undemokratische Extreme (wie Trump) einbezieht. Aber ich hege dann doch die Vermutung, dass an dieser Stelle sowohl Politikwissenschaftler als auch Konservative selbst einige überzeugende Gegenargumente vorzubringen hätten.
Zudem macht Frau Brühwiler sich und ihre Erfahrungswelt zum Maßstab. Sie muss zwanghaft auf den Ticker schauen und unweigerlich an das Buch denken. Ich muss nicht zwanghaft auf Ticker schauen, egal wie diese auch benannt werden. Ich hege Zweifel, dass dies daran liegt, dass ich das Buch nicht gelesen habe, sondern – wie wohl die meisten – ein individuelles Nutzerverhalten an den Tag lege. Was also soll uns das sagen?
Weiterhin betreibt sie mit schwammiger Kritik Framing. Ich kann anhand des Gezeigten nicht erkennen, dass die Petition der Grünen gegen allgemeine Normen der Demokratie und des Anstandes verstößt. Was hinter den Kulissen oder der Schweiz im Allgemeinen in dem Kontext noch passierte, weiß ich nicht und erfahre es auch nicht.
Dann geht es weiter zu einem Sozialdemokraten, der entweder Straßensprache pflegt oder diese der Aufmerksamkeit wegen vielleicht auch simuliert oder aber, sich hat in eine Dynamik hineinziehen lassen, die Trump in einem (in westlichen Nachkriegsdemokratien) bislang nie dagewesenen Maße befeuert.
Pathologiesierung bislang: Keine. Stattdessen: Die Petition wird als moral framing bezeichnet, was an sich auch schon moral framing (nur in die umgekehrte Richtung) ist. Gefolgt von economie framing, denn Opposition zu Trump schadet (vermeintlich) der Wirtschaft. Ein legitimer Standpunkt im demokratischen Spektrum, aber nicht mehr oder weniger legitim, als bestimmte Werte über das Wohl der heimischen Wirtschaft zu stellen.
Als wäre es eh schon irgendwie eine Brühe, geht es von den Grünen und Sozialdemokraten (Pateien) zu The Economist (Medium) und der ersten erkennbaren Pathologisierung – sofern man das überhaupt so nennen will. Natürlich ein vergleichsweise liberales Blatt, obwohl ähnliche Reaktionen (abgesehen vom rechten, sehr Trump-nahen Rand) quer durch die Medienlandschaft gehen. Auch diese Passage ist derart unterkomplex, dass sie zwangsläufig als einseitig wahrgenommen werden kann und offensichtlich auch schon wird.
Denn dass Akteure der Teaparty-Bewegung heute als vergleichsweise gemäßigt erscheinen, liegt zu einem nicht unerheblichen Maße daran, dass die Bullshit-Revolution ihre eigenen Kinder frisst oder zumindest mit großen Schritten überholt. Trump hat die Normen rund um das Sagbare mit seinen Extremen stark verschoben, weshalb Rubio & Co. heute zwangsläufig gemäßigter wirken. Das gehörte schon zur Strategie der Teaparty und war in vielen Ländern Vorbild für eine Neue Rechte – nachweislich auch für jene Strömungen, aus der die AfD hervorgegangen, bzw. aus diesen Strömungen heraus gekapert wurde. Die Wahlempfehlungen und Kritik an angeblich mangelnder deutscher Demokratie, die aus dem Trump-Umfeld kommen, sollten auch in diesem Kontext verstanden werden. Denn es gab schon lange vor Trump Kontakte zwischen der den europäischen und der US-Bewegung.
Wie auch immer, spätestens an diesem Punkt hat mich die Motivation verlassen, weiterzuschauen, weil sich die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass ich meine Zeit (auch für Bildung) deutlich sinnvoller investieren kann.
Allgemein:
Die Bemühungen von Skeptikern, Akademikern, Bildungsbürgern usw., Sachverhalte einzugrenzen, fragwürdigen Pathologisierungen entgegenzutreten und korrekte Definitionen zu finden und/oder zu nutzen, in allen Ehren. Denn das ist auf vielen Ebenen natürlich richtig und wichtig.
Aber auch bei Vorträgen vor „eigenem“ Publikum wäre es vielleicht sinnvoll, auch mal über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, wie der Volksmund Worte wie „verrückt“ oder „irre“ verwendet. Selten im Sinne einer kognitiven Beeinträchtigung oder einer psychischen Störung, sondern zumeist bei sehr deutlichen Normabweichungen, die so unerwartet oder unfassbar sind, dass diese (im psychiatrischen, bzw. historischen Kontext natürlich problematischen) Bezeichnungen verwendet werden. Quasi als Universalworte, mit denen sich die eigene Fassungslosigkeit über das schwer Vorstellbare schnell, effektiv und verständlich in Worte fassen lässt.
Und das halte zumindest ich persönlich für legitim. Denn wenn Trump eine Verschwörungserzählung befeuert, selbst plötzlich Teil davon wird und dann ein KI-Bild postet, das einen angeblichen Biden-Klon ins Zentrum der Kritik rücken soll, ist das, um mal ein weiteres Wort ins Spiel zu bringen, nach allen mir bekannten gesellschaftlichen und politischen Maßstäben außerordentlich unnormal. Wenn er selbst glaubt, man hätte binnen kurzer Zeit einen Uralt-Klon herstellen können, wäre das zumindest ebenso eine kognitive Verzerrung, wie die Einschätzung, man könnte ihm das im großen Stil glauben. Wenn er eiskalt lügt, um mit der zu erwartenden Aufregung von sich abzulenken, liegt auch das durch Form und Inhalt weit außerhalb der Norm und sollte es eine Mischung aus beidem sein, wäre das nicht besser, sondern nur noch „irrer“.
Kurzum, man kann natürlich trefflich diskutieren, ob und in wie weit dieser sprachlich weniger korrekte, in der Sache aber dann doch (auch im Sinne der Einordnung) gut verständliche Volksmund auch in, bzw. aus den Medien sprechen soll. Aber man möge vielleicht bedenken, dass es nicht wenige Menschen gibt, die das Wort Pathologisierung nicht korrekt einordnen können, entsprechend andere Worte verwenden und auch besser verstehen. Weshalb zumindest ich die Frage, ob man vielleicht zum allgemeinen Verständnis griffigere Bezeichnungen verwenden kann oder soll, nicht so ganz eindeutig beantworten könnte.