Auf Leifs Blog gibt es einen Gastbeitrag von Dr. Andrea Sinclair, und bei Alle Zeit der Welt ist der zweite Teil der dreiteiligen Untoten-Reihe erschienen.
Der Totenpapyrus des Chonsumes: Keine altägyptische Darstellung der Zellteilung
vom 22.08.2025
Leif konnte für seinen Blog Dr. Andrea Sinclair gewinnen, Expertin für ägyptische Ikonografie.
Es geht um folgenden Gegenstand:
Die Dauerausstellung altägyptischer Kunst im Kunsthistorischen Museum Wien beherbergt ein bemerkenswertes Exponat: Der Totenpapyrus des Chonsumes (Inv.-Nr. ÄS 3859), bestehend aus zwei Teilen von 207 und 223 cm und erstmals beschrieben durch H. von Demel (1944), zeigt eine lange Reihe komplexer religiöser Darstellungen, die auf den modernen Betrachter alles andere als selbsterklärend wirken.
Schriftsteller Reinhard Habeck legt eine Interpretation vor:
Das Dokument ist im Kunsthistorischen Museum in Wien ausgestellt und zeigt verblüffende Details biochemischer Vorgänge! Besonders deutlich bei einer Abbildung, die einer Zellkernteilung (Mitose) gleicht. Mit diesem biologischen Prozess wird das Wachstum und die Fortpflanzung aller Lebewesen gewährleistet. Mit der Zellteilung entstehen zwei Zellen aus einer alten, wobei das Erbgut der Tochterzellen identisch ist mit der Mutterzelle. Auf dem Papyrus ist genau das dargestellt: Zwei Frauen halten Gefäße in den Händen und versorgen die groß abgebildete Eizelle mit Flüssigkeit.
Andrea Sinclair schaut sich das genauer an und geht den Fragen nach:
1. Was zeigt die Szene wirklich?
2. Warum geben die Figuren Flüssigkeit bei?
3. Warum senden sich die zwei Sonnen gegenseitig Strahlen?
Eine Beantwortung dieser Fragen und die Entschlüsselung der tatsächlichen Bedeutung des Bildes können jedoch nur gelingen unter strenger Berücksichtigung des historischen Kontexts ‒ darunter den beistehenden Hieroglyphen, den Regeln altägyptischer Ikonographie sowie dem Vergleich mit ähnlichen Darstellungen.
So viel sei schon einmal verraten:
Im alten Ägypten dienten der Sarg und die Totenpapyri als magische Werkzeuge für die Regeneration eines Verstorbenen im Jenseits, damit seine Seele, sein Schatten, sein Körper und sein Geist jeweils versorgt werden und im Tod ein angenehmes Leben führen konnten. Im Grunde waren sie ein Fahrplan, um die Prüfungen des Todes und der Unterwelt zu überstehen, zu den himmlischen Göttern aufzusteigen und das Land der Toten, die fruchtbaren Felder von Iaru, zu erreichen ‒ eine Formel für die Navigation im Leben nach dem Tod. Die vielen Sprüche und kosmologischen Vignetten waren Teil dieser komplexen Maschinerie. Ihr Zweck war nicht, das menschliche Fortpflanzungssystem auf mikroskopischer Ebene zu verstehen. In diesen Bildern geht es nicht darum, neues Leben zu erschaffen, sondern um den täglichen kosmischen Zyklus der Sonne und das Versprechen der Regeneration nach dem Tod.
Hier entlang zum ausführlichen Beitrag:
Die Nacht der schmatzenden Toten: Deutschlands vergessene Vampire
vom 15.08.2025
Vor einigen Wochen war Leif schon mit Teil 1 seiner Untoten-Reihe bei Alle Zeit der Welt. Jetzt gibt’s den zweiten Teil.
Vergesst Dracula – Deutschlands eigene Vampirgestalten sind älter, gruseliger und… erstaunlich schmatzend. In dieser Episode erkunden wir heimische Untotenüberlieferungen: von „Nachzehrern“, die im Grab mit offenem Mund ihre eigenen Leichentücher kauen und anderen Vampiren des Mittelalters. Wieso legte man hierzulande Steine in Münder von Toten? Und was für ähnliche Vorstellungen über vampirische Wiedergänger gibt es in China, Indien und Zentralasien?
Ein Blick in deutsche Friedhöfe, die weltweite Angst vor den Untoten und eine Vampirgeschichte, die näher ist, als man denkt.
In Teil 3 wird es dann um Vampire vom 18. Jahrhundert bis nach Hollywood gehen.
Zum Thema:
- Artikel: Leif Inselmann im Blog und Podcast: Gilgamesch-Epos und sumerische Untote, GWUP-Blog vom 05.08.2025
- Artikel: Leif Inselmann zeigt: Was Tolkien vom Alten Orient übernahm., GWUP-Blog vom 02.07.2025
- Artikel: Moorleichen und Quellenfälschung: Leif Inselmann arbeitet den Fall Alfred Dieck auf., GWUP-Blog vom 15.06.2025
- Artikel: Narrative der Urgeschichte: Zwischen Mythos und Wissenschaft | Wunderkammer der Kulturgeschichte, GWUP-Blog vom 07.05.2025
- Artikel: Leif Inselmann über eine Oster-Kontroverse in der altorientalistischen Forschung: „Glaubten die Babylonier an Tod und Wiederauferstehung des Gottes Marduk?“, GWUP-Blog vom 22.04.2025
- Leifs Blog: Wunderkammer der Kulturgeschichte
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