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Till Randolf Amelung: Kritische Fachtagung wird von Aktivisten als Junk-Science und Pseudo-Wissenschaft diffamiert

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Vom 11. – 14. September findet in Berlin die Konferenz YOUTH GENDER DISTRESS statt, veranstaltet von der Society for Evidence Based Gender Medicine (SEGM):

Our upcoming Berlin conference will bring together researchers, clinicians, and academics from more than 20 countries, representing a range of specialties and viewpoints. With over 40 speakers, the event will facilitate thoughtful discussion and debate on how to understand and support gender-dysphoric young people.

Was nach einem internationalen Fachtreffen klingt, sorgt bei der dgti (Deutsche Gesellschaft für Trans*- und Inter*geschlechtlichkeit) für scharfe Reaktionen. In einem Artikel bezeichnen sie die Arbeit der SEGM als

Transfeindliche Junk Science

und warnen in einer Pressemitteilung vor der Konferenz.

Till Randolf Amelung kommentiert diese Stellungnahme auf X:

Wie diese Art von Aktivismus funktioniert, zeigte sich bereits im Fall von Marie-Luise Vollbrecht. Das Thema wurde auf der diesjährigen SkepKon ausführlich aufgearbeitet und ist hier als Video abrufbar.

Wer sich ein eigenes Bild machen will, findet auf der Website der SEGM das komplette Programm sowie die Liste aller Referenten.

Zum Thema:

  • Artikel: Es geht los: Das erste Video der SkepKon 2025 ist online! – Panel-Diskussion „Hexenjagd 2.0“ mit Marie-Luise Vollbrecht, GWUP-Blog vom 11.08.2025
  • Artikel: Till Randolf Amelung und Andreas Edmüller: Der Trans-Komplex, GWUP-Blog vom 11.02.2025

Hinweis:

  • Falls ihr Ideen, Anregungen oder Empfehlungen habt bzw. selbst ein Gastkapitel für den GWUP-Blog schreiben möchtet, kontaktiert uns unter: blog@gwup.org.
  • Wenn ihr noch nicht im Skeptischen Netzwerk angemeldet seid, möchten wir euch herzlich dazu einladen. Dort finden GWUP-Mitglieder und Interessierte eine Plattform für Diskussionen und Austausch rund um skeptische Themen:

6 Kommentare

  1. Imp hat einen ganz frischen Talk mit Adenin zum Thema Intergeschlechtlickeit hochgeladen. Auch der Komplex Transgeschlechtlichkeit wird gestreift: https://www.youtube.com/watch?v=6R-Tn9KBMBw. Ist zwar fast 2,5 Stunden lang, aber ziemlich interessant.

    Der Umgang der dgti mit der Fachtagung ist wirklich nicht besonders souverän. In ihrem Artikel werfen sie der Dt. Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin sowie dem Dt. Zentrum für psychische Gesundheit vor, daß deren Mitglieder Rabatte bei Buchung erhalten. Blöderweise ist die Ankündigung der Tagung aus dem Terminkalender der DGKJ sang- und klanglos verschwunden, und auch sonst findet sich auf deren Webseite kein Hinweis dazu.
    Beim DZPG ist der Fall komplexer, da das Zentrum auf seiner Webseite auch für eine wenige Tage nach der Fachtagung ebenfalls in Berlin stattfindende Veranstaltung mit Befürwortern des genderaffirmativen Ansatzes bewirbt. Mithin möchte das DZPG seinen Mitgliedern einen sehr umfänglichen Blick zu einem höchst kontrovers diskutierten Thema bieten (inwieweit dies im Sinne von falscher Ausgewogenheit unsinnig ist, vermag ich nicht zu beurteilen, sehe aber das Problem) – und wird deshalb von der dgti abgewatscht. Unfassbar.

    Inhaltlich nur soviel zum Schreiben der dgti: Daß die SEGM vom Southern Poverty Law Center als „Haßgruppe“ eingestuft wird, kann relevant sein – oder auch nicht. Eine Einschätzung der Studienlage wird das SPLC wohl eher nicht vorgenommen haben??

    Der dgti fällt ansonsten nichts besseres ein, als ad hominem zu gehen und die wichtigsten Referenten der Trans-Feindlichkeit zu zeihen. In Bezug auf Banaschweski und Zepf lediglich deshalb, weil sie ein fundiertes Statement zur S2k-Leitlinie verfasst hatten …

    Mein Eindruck (und dies ist ausdrücklich nur ein Eindruck, da ich die Quellen nicht näher ausgewertet habe) ist, daß die dgti nicht nur Cherry-Picking betreibt, sondern selbst ihre Thesen stützende Quellen zitiert, die handwerklich nicht sonderlich gut gemacht sind.

    Letzter Punkt: Die dgti stellt implizit fest, daß es an guten Studien zum Thema fehlt. Dann jedoch stellt die dgti apodiktisch fest, daß die von Kritikern geforderten radomisierten kontrollierten Studien gar nicht möglich seien, weil eine Applikation von Placebos anstelle der Wirkstoffe unethisch sei. Bin ich der einzige, der den Eindruck hat, daß die dgti an hochwertigen Studien auch deshalb nicht interessiert ist, weil die Ergbnisse ihnen nicht gefallen könnten?
    Der dgti sei gesagt, daß es auch andere randomisierte Studien gibt, als die von ihr angesprochene verblindete Medikamentengabe. Zumal unstrittig ist, daß die besagten Pubertätsblocker und Hormone einen körperlichen Effekt haben. Wäre die dgti in der Lage, über den Tellerrand zu blicken, dnn würde sie feststellen, daß sehr viele Medikamente in Zulassungsstudien nicht gegen Placebo, sondern gegen eine Standardmedikation geprüft werden. Und wo es keine Standardmedikation gibt, da wird (im Rahmen randomisierter kontrollierter, jedoch nicht verblindeter!) Studien die Medikation gegen eine nichtmedikamentöse Intervention getestet. Dies erbringt im besten Falle auch eine hinreichende Evidenz.
    Ich könnte mir sehr gut vorstellen, daß dieses Vorgehen auch im Falle von Transgeschlechtlichkeit fruchtbringend wäre. Dazu müßte aber die dgti anerkennen, daß eine (ergebnisoffene) Psychotherapie jenseits bloßer Affirmation des Transitionswunsches statthaft wäre. Diese Erkenntnis würde der dgti aber eventuell das Geschäftsmodell beeinträchtigen.

    Kurzes Fazit: Wieweit die SEGM objektiv und wissenschaftlich ist, kann und mag ich nicht beurteilen. Die dgti hat wieder einmal bewiesen, daß sie es nicht ist, und daß sie auch nicht in der Lage ist, mit abweichenden Ansichten umzugehen.

  2. @borstel
    Daß die SEGM vom Southern Poverty Law Center als „Haßgruppe“ eingestuft wird, kann relevant sein – oder auch nicht. Eine Einschätzung der Studienlage wird das SPLC wohl eher nicht vorgenommen haben??

    Nein, das hat die SPLC nicht. Sie hat stattdessen die SEGM als angebliches Drehkreuz identifiziert, welches die anti-LGBTQ+-Bewegungen in den USA vernetze und pseudowissenschaftliche Behauptungen verbreite. Keiner der Verfasser dieses Reports aus 2023 hat jedoch einen Background in medizinischen oder naturwissenschaftlichen Fächern.

    Group dynamics and division of labor within the anti-LGBTQ+ pseudoscience network
    https://www.splcenter.org/resources/reports/defining-pseudoscience-network/

    Cravens, R.G.; McLamore, Quinnehtukqut; Leveille, Lee; Hodges, Emerson; Wunderlich, Sophie; Bates, Lydia (12 December 2023). „Group dynamics and division of labor within the anti-LGBTQ+ pseudoscience network“. Southern Poverty Law Center. Retrieved 21 December 2023.
    https://en.wikipedia.org/wiki/Society_for_Evidence-Based_Gender_Medicine

  3. @ RPGNo1
    Danke für die Ergänzung!

    Noch etwas, woran ich mich abarbeite:
    Die dgti schreibt: „Viele bewährte Behandlungen im Gesundheitswesen beinhalten klinisch notwendige und akzeptable Unsicherheit, beispielsweise werden Medikamente selten in ihrer Wirkung auf Frauen erforscht …“.
    Mal ganz abgesehen davon, daß recht verstandene Gendermedizin diesem Defizit abhelfen will: Die dgti behauptet aber auch, daß es gar keine biologische Binarität der Geschlechter gebe und definiert „Mann“ und „Frau“ dementsprechend gerade nicht anhand einer entsprechenden Ausprägung von Geschlechtsmerkmalen mit einem dazu passenden Chromosomensatz.
    Bin ich jetzt der einzige, der verwirrt ist? Oder ist es vielleicht doch so, daß die dgti einfach mal ihre eigene Definition von Geschlecht umwirft, wenn es ihr argumentativ in den Kram paßt? Und ist das womöglich sogar ein Gebot der Stunde, wenn es für die gute Sache ist?

  4. Eine Woche vor der Veranstaltung des SEGM in Berlin gibt es eine von der EPath in Hamburg.
    Sozusagen die andere Partei.
    Interessant ist, daß einiges über Komplikationen bei der chirurgischen Transition kommt.
    Wäre interessant, ob dann jemand das Verhältnis von Nutzen und Risiko in Frage stellt.
    Am besten sollten die Skripte (und auch Videos ) beider Veranstaltungen bald veröffentlicht werden und auch auf deutsch erscheinen.
    Sie könnten die Debatte um Sinn und Unsinn der Transaffirmativen Versorgung anheizen und gleichzeitig auf ein wissenschaftlich angemessenes Niveau bringen.
    Vor alllem sollten alle vorgestellten Studien geprüft werden. https://queernations.de/segm-und-epath-konferenzen-trans/?_gl=1*1ybv91i*_ga*MTMzMDk0MDkyMS4xNzQ5NDY0OTI2*_ga_W7KGMBTK20*czE3NTYxNTg5NzIkbzMyJGcwJHQxNzU2MTU4OTcyJGo2MCRsMCRoMA..
    Felix

  5. Mitlerweile gibt es Referate der SEGM Konferenz auf You Tube zu sehen…zB
    https://www.youtube.com/watch?v=vCRLcFHivmo

  6. Merk grad ich hab da was Altes erwischt.
    Stattdessen, SEGM Berlin 2025: https://www.youtube.com/watch?v=ZxVElK73Ejs

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