Leif Inselmann mit zwei neuen Veröffentlichungen: ein Blogartikel und ein Podcastauftritt.
Das Gilgamesch-Epos ist NICHT die älteste Erzählung der Menschheit!
vom 18.07.2025
Es mag trivial sein, aber es regt mich auf.
So beginnt Leif seinen Blogbeitrag. Um was geht’s?
Das Gilgamesch-Epos, jenes Langgedicht über die Heldentaten und Leiden des gleichnamigen Königs von Uruk, ist mit Sicherheit das bekannteste Literaturwerk aus dem antiken Mesopotamien.
Es wird oft behauptet,
das Gilgamesch-Epos sei die älteste schriftliche überlieferte Erzählung der Menschheit.
Stimmt aber nicht. Denn, so Leif,
stammt die früheste Fassung des Gilgamesch-Epos aus der altbabylonischen Zeit. Damit steht es jedoch keinesfalls am Anfang der mesopotamischen Literaturgeschichte. Vielmehr sind mythisch-literarische Texte in sumerischer Sprache bereits viele Jahrhunderte früher bezeugt.
So sieht es aus:
Das Gilgamesch-Epos ist nicht sumerisch (sondern nach der Zeit der Sumerer in akkadischer Sprache geschrieben) ‒ und es ist bei weitem nicht das älteste Literaturwerk der Menschheit: Ihm gehen etliche (größtenteils fragmentarische) Texte der späten frühdynastischen Zeit um viele Jahrhunderte voraus, ebenso die Meisterwerke der En-ḫedu-ana und wahrscheinlich ein großer Teil der gesamten, überwiegend altbabylonisch überlieferten sumerischen Literatur. Viele dieser Werke sind ebenfalls in einem hochliterarischen, ausgefeilten Stil verfasst und enthalten umfangreiche mythische Erzählungen. Wer das Gilgamesch-Epos als früheste überlieferte Erzählung der Welt bezeichnet, ignoriert fast ein Jahrtausend an schriftlich bezeugter Literaturgeschichte.
Wo sieht Leif den Hauptgrund für dieses falsche Bild?
Das antike Mesopotamien ist im breiten Allgemeinwissen kläglich unterrepräsentiert, bestenfalls beschränkt auf wenige Schlagwörter: Turm zu Babel, Babylon als politische Metapher, Gilgamesch-Epos, Sumerer als erste Zivilisation, Keilschrift und Zikkurats. Vor allem aber fehlt im Allgemeinwissen jede Vorstellung des historischen Rahmens: Dreitausend ist so gut wie sechstausend Jahre, wahlweise vor heute oder vor Christus, Babylonisch ist gleich Sumerisch und Gilgamesch der einzige bekannte Name. All das lässt sich unter der Datierung „uralt“ zusammenfassen (das ist sogar noch älter als „damals“), eine nähere Unterscheidung gibt es nicht. Schuld daran sind natürlich weniger die Leser, die es nicht besser wissen, als vielmehr ein gesamtgesellschaftlicher Mangel an guter Populärwissenschaft über den Alten Orient.
Für den ganzen lesenswerten Artikel hier entlang:
Die Ahnen der Vampire: Untote von den Sumerern bis Skyrim
vom 01.08.2025
Leif war außerdem wieder beim Podcast Alle Zeit der Welt eingeladen:
Woher kommt unser uralter Glaube an Untote? In Episode 1 werfen wir einen Blick auf die frühesten Spuren vampirischer Vorstellungen: Von Gräbern mit verstümmelten Skeletten im alten Sumer und steinzeitlichen Europa über untote Hexen und lebende Tote auf babylonischen Tontafeln bis zu den blutrünstigen Draugar der nordischen Heldensagen. Was verraten diese frühen Quellen über die Angst vor den Toten – und wie wurden aus ihnen die ersten Vorfahren unserer modernen Vampire?
Ein archäologischer und mythologischer Auftakt in die dunkle Geschichte der Untoten.
Teil 2 (Wiedergänger & Nachzehrer in Mittelalter und Früher Neuzeit) und Teil 3 (Vampire vom 18. Jh. bis Hollywood) folgen in den nächsten Wochen.
Zum Thema:
- Artikel: Leif Inselmann zeigt: Was Tolkien vom Alten Orient übernahm., GWUP-Blog vom 02.07.2025
- Artikel: Moorleichen und Quellenfälschung: Leif Inselmann arbeitet den Fall Alfred Dieck auf., GWUP-Blog vom 15.06.2025
- Artikel: Narrative der Urgeschichte: Zwischen Mythos und Wissenschaft | Wunderkammer der Kulturgeschichte, GWUP-Blog vom 07.05.2025
- Artikel: Leif Inselmann über eine Oster-Kontroverse in der altorientalistischen Forschung: „Glaubten die Babylonier an Tod und Wiederauferstehung des Gottes Marduk?“, GWUP-Blog vom 22.04.2025
- Leifs Blog: Wunderkammer der Kulturgeschichte
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