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Amardeo Sarma im Podcast „Sein und Streit“: Über die Skeptikerbewegung und das „Scientific Temper“

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In einer aktuellen Folge des Deutschlandfunk-Kultur-Podcasts Sein und Streit ist Amardeo Sarma zu Gast. Das Thema: „Skeptikerbewegung: Aufklärung für alle“.

Gleich zu Beginn erwähnt Moderatorin Catherine Newmark Amardeos neues Buch „Scientific Temper“, das in wenigen Wochen beim Alibri-Verlag erscheinen wird. Sie spricht mit ihm über seinen persönlichen Hintergrund und darüber, wie er zur Skeptikerbewegung gekommen ist.

Dabei stellt Newmark fest, dass es einen Unterschied gibt zwischen dem klassischen philosophischen Skeptizismus und der modernen Skeptikerbeweung. Letztere sei praktischer aufgestellt mit einem Fokus auf Naturwissenschaftlichem. Amardeo betont aber:

Es sind nicht nur naturwissenschaftliche Themen, sondern alle wissenschaftlichen Themen, die sich auch in gewisser Weise auf die reale Welt beziehen, wozu auch die Geschichtswissenschaften gehören. Da ist es auch möglich, sehr viele Mythen aufzubauen, die man überall sieht wie in Indien gerade jetzt auch, wo man versucht, eine eigene Geschichte zu erfinden, die es gar nicht gegeben hat. […] Es gibt auch neben der Naturwissenschaft viele andere Bereiche, wo wir aktiv sein können.

Auf die Frage nach historischen Vorläufern im Kampf gegen Pseudomedizin antwortet Amardeo:

Die ersten Organisationen, die in diese Richtung gebildet worden sind, waren in den Niederlanden eine Vereinigung gegen Quacksalberei, und in Deutschland hieß es Gesellschaft gegen Kurpfuschertum. Und in gewisser Weise sehen wir uns im medizinischen Bereich in der Erbe dieses Denkens.

Newmark fragt nach, warum es überhaupt noch skeptische Organisationen braucht. „Sind diese Fragen nicht schon geklärt?“

Das ist mit einer der Gründe, warum wir damals die GWUP und andere Organisationen gegründet haben. Weil in diesen Bereichen sehr häufig viele in den Universitäten sich nicht dazu äußern aus verschiedensten Gründen […] Jedenfalls gab es da eine große Hemmung […] und deswegen haben wir gesagt, dass es zumindest notwendig ist, dass die reale Sicht dieser Dinge in einer populären Darstellung verfügbar ist, damit Menschen selbst in der Lage sind, zu entscheiden.

Amardeo stellt heraus, dass es nicht darum geht, Andersdenkende zu diffamieren:

Und das ist eines der ganz wichtigen Dinge für mich […]: Wir müssen unsere, ich sag‘ mal vorsichtig „die Kontrahenten“, die da anders denken, nicht als Feinde sehen […], sondern sie versuchen zu nehmen, wie sie sind, und nur in der Sache aufzuklären. Und da gibt es leider zu häufig einige, die dann über die Stränge schlagen […] Wir wollen im Prinzip nur rausfinden: Stimmt es oder stimmt es nicht?

Was meint Amardeo eigentlich mit dem Begriff Scientific Temper, dem Titel seines neuen Buches?

Was wir meinen mit diesem „Scientific Temper“, da kann man vielleicht so jemanden wie Carl Sagan zitieren, der ja eine große Gallionsfigur innerhalb der Skeptikerbewegung ist, d. h., Wissenschaft ist mehr als nur ein Wissenskörper. Es ist eine Art zu denken, eine Art, das Universum zu untersuchen, und dann kommt noch ein feines Verständnis hinzu, dass man sich selber irren kann. […] Ich freue mich inzwischen, wenn ich mich selbst korrigieren kann. Wenn ich merke, ich lag wo falsch, fällt es mir nicht schwer zu sagen: „Ich habe mich geirrt.“ Und das fällt leider vielen immer noch sehr schwer, weil sie an ihren altgewohnten Dogmen gerne hängen.

Gegen Ende noch ein Appell:

„Do your Homework!“ Selbst wenn es um ein Thema wie die Homöopathie geht, erkundigt euch erst genau, worum es da geht, sonst läuft ihr ins Messer. […] Und da, glaube ich, ist auch ein Problem: Viele schießen einfach, weil es ihrer jeweiligen Ideologie oder ihrem Wunschdenken entspricht […] und informieren sich nicht vorher ausreichend. Das ist ganz klar ein absolutes Muss: Erst informieren und dann darüber sprechen.

Zum Thema:

  • Artikel: Amardeo Sarma beim hpd: „Wissenschaftsfreiheit: Lehren aus Harvard für Deutschland“, GWUP-Blog vom 10.06.2025

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