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SWR-Podcast: Homöopathie ist nicht Naturheilkunde

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Schönes Grußwort vom SWR an den Heilpraktiker-Kongress „Naturheilkunde begreifen“ in Baden-Baden:

Homöopathie ist definitiv Esoterik

Das sagt der SWR-Wissenschaftsredakteur Frank Wittig in einem kompakten Fünf-Minuten-Podcast.

Kaum anzunehmen, dass die Kongressteilnehmer begreifen, dass sie maximal eine Placebo- oder „Suggestiv“-Therapie anbieten – sofern sie nicht auf echte Naturmedizin zurückgreifen, die „auf dem westlichen Denken beruht und eine wissenschaftliche Basis hat“.

Auch mit dem Glauben, dass die Krankenkassen bei ihren Erstattungen „rational und wissenschaftlich“ vorgehen, räumt Wittig auf:

Das Ganze ist ein Markt, und die wollen gerne Kunden haben.

Die Wirtschaftswoche weist darauf hin, dass

… in Ländern wie Frankreich und Österreich Homöopathiemittel bereits von den Kassenleistungen ausgeschlossen sind. Hierzulande profitieren noch einige mittelständische Hersteller, vor allem aus dem Südwesten Deutschlands, von der Erstattung – darunter die Deutsche Homöopathie-Union (DHU), Heel, Hevert, Weleda oder Wala.

Wohl deshalb „rebellierte das grüne Milieu im Südwesten in den vergangenen Wochen“ gegen die Pläne von Karl Lauterbach, die Homöopathie als Kassenleistung zu streichen, berichtet tagesschau.de.

Auch die Diskussion um die Zusatzweiterbildung Homöopathie läuft in Baden-Württemberg weiterhin heiß. Eine Entscheidung soll im Juli fallen.

Zum Weiterlesen:

  • Naturheilunde: Zwischen Wissenschaft und Scharlatanerie, SWR am 6. April 2024
  • ,,Naturheilkunde: Zwischen Wissenschaft und Scharlatanerie“ – Podcast auf SWR Aktuell, GWUP-News am 6. April 2024
  • Was kostet Homöopathie die gesetzlichen Kassen und wer profitiert davon? wiwo am 5. April 2024
  • Homöopathie: Bei keiner Krankheit mehr Wirkung als ein Placebo, br am 3. April 2024
  • Lauterbachs Homöopathie-Pläne wohl auf der Kippe, tagesschau.de am 5. April 2024
  • Kassenerstattung für Homöopathie vor dem Aus! Oder …? INH am 27. März 2024
  • Diskussion um Zusatzweiterbildung Homöopathie in Baden-Württemberg geht in die nächste Runde, aerzteblatt.de am 3. April 2024
  • Homöopathie ist keine Naturheilkunde – Irreführende Werbung sorgt für falsche Vorstellungen, medical tribune am 19. Juni 2021

13 Kommentare

  1. So ganz kann sich Frank Wittig von der Homöopathie doch nicht distanzieren – er räumt ihr immerhin eine Art Existenzberechtigung als Plazebo ein, wie auch der Akupunktur. Das wäre nur zu akzeptieren, wenn diese Verfahren den Patienten klar als Scheinbehandlung angeboten werden.

    Doch welcher Therapeut macht das schon? Die meisten glauben doch selbst an die Wirksamkeit gemäß der spirituellen Basis, bewegen sich also außerhalb der Naturwissenschaft.

    Muss Wittig er hier vielleicht Rücksicht auf seinen zutiefst esoterisch veranlagten Arbeitgeber nehmen? Immerhin sind Heilpraktikerinnen und Naturheilkundler häufige Gäste in den Sendungen des SWR.

  2. In Österreich wird die Homöopathie von Teilen der Ärzteschaft und auch der ärztlichen Selbstverwaltungsorgane massiv befördert – und gleichzeitig hat der Vorstand der Allgemeinen Versicherung allen Regionaldirektionen die Erstattungen für Homöopathie definitiv untersagt (wobei interessant ist, dass rund 80 Prozent der früher fakultativen Homöopathieerstattungen im Bundesland Vorarlberg anfielen).

    Dabei berief sich die AV ausdrücklich auf den EASAC (den Beirat der Vereinigung der Europäischen Wissenschaftsgemeinschaften) und sein Statement aus dem Jahre 2017, das dringend anriet, Homöopathie aus den öffentlichen Gesundheitssystemen zu entfernen und dies auch dezidiert begründete.

    So war auch der endgültige Anstoß für ein Ende der Erstattungen beim englischen NHS (damals noch in der EU) das EASAC-Statement. Es war der letzte „Stupser“, nachdem sich schon 2009 der Wissenschaftsausschuss des Unterhauses klar negativ zur Homöopathie positioniert hatte.

    Auch in Frankreich und Spanien berief man sich in Sachen Homöopathie auf das EASAC-Statement aus 2017. In Frankreich verbrämte man das zwar durch umfangreiche eigene Untersuchungen – im Grunde wurde die gesamte Studienlage zur Homöopathie durch die oberste Gesundheitsbehörde re-evaluiert – , aber selbst die Gutachten der Akademien der Wissenschaften der Medizin und der Pharmazie nahmen Bezug auf das EASAC-Papier.

    Und hierzulande? Wir kennen kein einziges offizielles Statement oder einen ernstzunehmenden Diskussionsbeitrag außerhalb unserer eigenen, der das EASAC-Paper auch nur erwähnt hätte. Statt dessen wird allerorten eine Art Geisterdebatte mit „Argumenten“ weit neben dem Kern des Themas geführt.

    Was doch bemerkenswert ist. Denn der EASAC ist immerhin das offizielle wissenschaftliche Beratungsgremium der EU und ihrer Mitglieder, das die Grundlagen für wissenschaftliche valide Entscheidungen liefern soll. Der EASAC spricht auch ausdrücklich mit für die deutsche Leopoldina.

    Statt dessen wird zur Homöopathie so gut wie nirgendwo mit den relevanten Gesichtspunkten argumentiert, sondern mit sach- und themenfremden „Points of interest“ und aus diesen dann die (gewünschten) Schlüsse gezogen. Beliebtheit, geringe Kosten usw. usw. …

    Die ganze Debatte hierzulande wird offensichtlich vom „ignoratio elenchi“ bestimmt, dem „Trugschluss der irrelevanten Schlussfolgerung“:

    Dabei wird die Diskussion vom ursprünglichen Thema oder dem Kernthema abgelenkt. Man präsentiert Belege oder Informationen, die für sich genommen zwar eine gewisse Schlüssigkeit zeigen, sich aber nicht auf den konkret zu diskutierenden bzw. zu entscheidenden Punkt beziehen. Dies nimmt oft Formen regelrechter Irreführung durch die Einführung eines randständigen (Kostenfrage) oder gar irrelevanten (Beliebtheit) Arguments an.

    Werden die Mechanismen des ignoratio elenchi dauerhaft und breit eingesetzt, bis sie nahezu die ganze Debatte bestimmten (ähem …), dann ist das ein Zeichen dafür, dass in der ganzen Sache etwas oberfaul ist. Genau deshalb versuchen wir ja immer wieder, u.a. mit unserem aktuellen Brief an Minister Lauterbach, den Fokus weg von der Geisterdebatte hin zu den relevanten Argumenten zu lenken.

    Was in Sachen Homöopathie und Co. der gesellschaftlichen und politischen Debattenkultur hierzulande ein ziemlich verheerendes Zeugnis ausstellt. Die vollig fehlende Bezugnahme auf das doch auch politisch relevante EASAC-Statement ist nur ein Indiz, das hiervon beredt Zeugnis ablegt.

    Es ist immerhin inzwischen eine Erleicherung, wenn man in den Medien hier und da unterstützende Stimmten gibt.

    Und zur Vermeidung von Missverständnissen wollen wir nicht versäumen, das eigentliche Kernargument hier noch einmal in einer pointierten Formulierung von Dr. Natalie Grams vorzubringen:

    „Diskutieren wir gerade wirklich ernsthaft, ob es sinnvoll ist, dass Krankenkassen für Zucker erstatten?“

    PS Wir sind überzeugt davon, dass mit der Delegiertenversammlung der LÄK Baden-Württemberg das unwürdige Schauspiel, das Minister Lucha der LÄK aufgezwungen hat (unter dem Deckmantel der Verträglichkeitsprüfung nach § 16 der EU-Dienstleistungsrichtlinie) bald ein Ende finden wird – zu Lasten der Homöopathie.

    Übrigens war die kürzliche Schlussdiskussion von Seiten der Vorsitzenden des DZVhÄ ein wunderbares Beispiel, wie man ignoratio elenchi betreiben kann, ohne den Begriff vermutlich überhaupt zu kennen.

  3. @DocNemo

    Frank Wittig weiß das mit dem Placebo, schätze ich mal, ziemlich genau. Beim SWR aber so einen kritischen Podcast zu platzieren, das hat in der Tat vermutlich seinen Preis.

    Wie das INH schon oft schrieb: Unter KEINEN UMSTÄNDEN rechtfertigt der Placeboeffekt eine Scheintherapie, dagegen steht die ärztliche Ethik.

    Nur ein „Offenes Placebo“ wäre ethisch vertretbar (selbst das bei der Homöopathie nur mit Einschränkungen), aber das macht ja keiner – und wie sollten das diejenigen Therapeuten auch tun, die selbst von der realen Wirksamkeit ihrer Methoden überzeugt sind?

    Rechtlich ist es übrigens so:

    Wenn ein ärztlicher Behandler (von den Laienheilern reden wir mal gar nicht) eine Scheintherapie in der Überzeugung anwendet, sie sei gar keine, sondern habe reale spezifische Effekte, dann ist das ein Tatsachenirrtum, der zu einem Behandlungsfehler führt – immer. Unabhängig vom tatsächlichen Schaden. Was außerdem eine Verletzung ärztlicher Berufspflichten nahelegt, jedenfalls wenn dies wiederholt geschieht.

    Das sollten die Kammern sich mal klarmachen.

    Auch das ist ein wichtiger Aspekt bei der Frage, warum man Scheintherapien nicht einfach hinnehmen darf.

  4. @Bernd Harder:

    Breaking News? Die Bild ist ja extrem aktuell. Das INH zur Securvita-Studie schon im November 2020:

    https://netzwerk-homoeopathie.info/neue-securvita-studie-in-sachen-homoeopathie-spektakulaer-oder-business-as-usual/

    Kurze Zusammenfassung: Klassische Müll“studie“.

  5. Ich denke, das Problem bei der wiederentdeckten Sympathie von „BILD“ zur Homöopathie ist nicht so sehr die Berufung auf den Unsinn, den die Securvita vor vier Jahren propagiert hat.

    Der Artikel in der BILD singt hauptsächlich das Loblied des homöopathischen Arztes als des „ganzheitlichen Kümmerers“, der durch seine Art des Umgangs mit seinen PatientInnen (in Verbindung mit der Verordnung von Globuli) Erfolge sondergleichen erziele.

    Über diese Sichtweise allerdings sind wir lange hinweg. Der BILD fällt nicht mal auf, dass sie damit jeden bemühten Arzt und jede vrantwortungsvolle Ärztin diskreditiert und den homöopathischen Arzt schlicht überhöht. Und zwar ohne in Rechnung zu stellen, dass ausgerchnet die Scheintherapie Homöopathie bei der Honorierung solcher Bemühungen massiv gegenüber dem „normalen“ Arzt privilegiert ist.

    Der Schluss aus dem von BILD so herausgestellten Sachverhalt ist also nicht ein Kotau vor der Homöopathie, sondern die Forderung, sprechende und zuhörende Medizin im normalen Medizinbetrieb mit allen Mitteln zu fördern. Und das wird auch eingefordert,

    Und muss man wieder daran erinnern, dass die Effekte des „homöopathischen Gesprächs“ allenfalls akzidentiell (also zufällig) sind, u.a. weil das Gespräch gar nicht zum Ziel hat, eine „Psychotherapie light“ zu sein, sondern nach der Lehre lediglich der Mittelfindung dient? Das macht die Argumentation pro Homöopathie mit der „ganzheitlichen Zuwendung“ endgültig zum Zerrbild einer seriösen medizinischen Bemühung.

    Das dürfte die BILD alles durchaus wissen. Zumal sie sich zur Verstärkung ihrer Anbiederung an die homöopathische Szene des vor kurzem von der Helmholtz-Gesellschaft wiederveröffentlichten, fünf Jahre alten Artikels zur Homöopathie bedient, dessen letzter – von BILD zitierter – Satz lautet:

    „Man kann es auch entspannter sehen: Mit der Homöopathie erhalten die Patienten einen ausgeklügelten Placebo-Effekt auf Rezept.“

    Nein, liebe Helmholtzer, kann man nicht. Damit macht ihr eure ganze vorherige fundierte Kritik an der Homöopathie wieder zunichte. Was man mit den Händen aufgebaut hat …

    Auf Twitter hat (nicht nur) das INH Helmholtz vor einigen Tagen dafür kritisiert, dass sie glauben, diesen einen Satz auch noch für die Wiederveröffentlichung hervorheben zu müssen. Sie hätten ihn besser streichen sollen.

    Dieser Vorgang mit der BILD, die damit nach anfänglichen Beifall zu Lauterbachs Streichungsplänen wieder ihr Mäntelchen nach dem Wind dreht, zeigt überdeutlich, wie die Homöopathie mit einem Nebel von Scheinargumenten umhüllt wird, der den Blick auf die Fakten nachhaltig verstellt. Und Nutznießer dessen ist ganz gewiss nicht der „kleine Mann“, als dessen Anwalt sich die BILD so gern geriert.

  6. @Udo Endruscheit

    Ich bin kein BILD-Leser. Ich halte allerdings noch eine andere – zugegeben menschenverachtendere – Lesart für möglich. In einer alternden Gesellschaft führt die Verwendung der Homöopathie zu sinkenden Kassenleistungen. Die Behandlung beim Heilpraktiker wird von den Klienten selbst bezahlt. Die Homöopathie ist vermutlich billiger ist als eine medikamentöse Behandlung und die Leistungsdauer (!) wird verkürzt.

  7. Homöopathie und andere fragwürdige Mittelchen werden auch in verschiedenen Jugendbüchern als sinnvolle Alternative zu den „Chemiekeulen“ immer wieder beiläufig erwähnt…

  8. Ein Negatives Beispiel ist leider das Buch „Überleben ohne Arzt“ von Rüdiger Nehberg.

  9. @Carsten Ramsel

    Die „Wirtschaftlichkeitsfrage“ kann man in der Tat im beschriebenen erweiterten Sinne als Zynismus ansehen, sie wird aber allen Ernstes allerorten als Argument pro Homöopathie herumgereicht.

    Die krankt nur daran, dass nach soliden Untersuchungen die Grundannahme falsch ist:

    https://netzwerk-homoeopathie.info/zur-neuen-homoeopathie-kostenstudie-nichts-ist-immer-zu-teuer/

  10. Österreichs berühmtester Homöopath bekommt einen Preis!

    https://www.meinbezirk.at/doebling/c-gesundheit/preis-fuer-homoeopathie-forschung-vergeben_a6645099

    Viel zu viele wollens nicht wissen!

  11. @ Ursula

    „Damit diese auch wirksam sind, muss einheitlich daran geforscht werden.“

    Ach ja, sobald ich an etwas forsche, wird es wirksam?!? Hmhm.

    „Guidelines zur Integration von Homöopathie in konventionelle Forschungsstandards“

    Is klar, es ist ja Konvention, Placebo gegen Placebo zu testen, oder das Placebo in der Verum- Gruppe.Hmhm.

    „Denn vor allem in der Homöopathie seien wissenschaftliche Studie für die Forschenden eine große Herausforderung.“

    Richtig erkannt: eine große Herausforderung! Deswegen taucht bei den Preisträgern so manch ein „Forscher“ auf, der/ die sich durch nachgebesserte Studien schon einen Namen gemacht hat. Hmhm

    Und zu guter Letzt die Pointe:

    „Grund dafür sei, dass homöopathische Arzneimittel nach individuellen Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten ausgewählt werden.“

    Aber freilich! Die konventionelle Medizin hat ja immer nur ein und dasselbe Mittel gegen eine Krankheit/ Symptom. Alle Hypertoniker zB. werden mit genau dem gleichen Präparat versorgt, nix individuell, sondern „one fits all“, gleiches Zytostatikum für alle Karzinom- Patienten, gleiches Analgetikum für alle Schmerzpatienten usw.

    Aber die Homöopathen, die machen’s richtig! Ganz individuell: Pat. A: Zucker, Pat.B: Zucker, Pat.C …

    Ooooops

  12. @Ursula

    „Österreichs berühmtester Homöopath bekommt einen Preis!“

    Und auch noch hochverdient! Schliesslich hat man ihn u.a. der Datenmanipulation für schuldig befunden:

    https://edzardernst.com/2024/04/homeopathys-most-prominent-researcher-prof-michael-frass-has-been-found-guilty-of-data-falsification-fabrication-and-manipulation/

    Für Homöopathen quasi ein Ritterschlag!

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