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Endlich „den Unsinn“ beenden: Medien begrüßen Lauterbachs „guten Schritt“ gegen Globuli

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„Zaubermethode“, „Aberglaube“, „nichts anderes als sehr, sehr teures Wasser“ – selbst bild.de zürnt wider die Homöopathie und ermutigt Karl Lauterbach, endlich den „Unsinn“ zu beenden, „dass Krankenkassen Humbug-Kügelchen bezahlen“.

Ein Interview mit INH-Beirätin Jutta Hübner gibt’s beim NDR:

Wir müssen den Leuten ganz klar sagen, wir nehmen ihnen nichts weg, was ihnen wirklich hilft. Wir schlagen vor, dass sie etwas nicht benutzen, was sie abhängig von einer falschen Glaubensüberzeugung macht […] Ich fände es schön, wenn wir mehr Kommunikation bezahlen würden.

Auch der SWR und viele andere Medien feiern Lauterbachs „guten“ respektive „überfälligen“ Schritt“.

Und Comedians melden sich natürlich auch zu Wort:

„Nix drin“ heißt auf Homöopathisch D20. Und zwar weil es zwanzigmal so viel kostet wie als wenn was drin wäre.

Ob’s diesmal wirklich ernst wird?

Update

Ein Interview mit Dr. Nikil Mukerji vom GWUP-Wissenschaftsrat gibt es hier, Zitate von Dr. Christian Weymayr (ebenfalls GWUP-Wissenschaftsrat) hier. Beim hpd kommentiert Udo Endruscheit.

Zum Weiterlesen:

  • Welche Rolle spielt Homöopathie in Deutschland? tagesschau.de am 15. Januar 2024
  • „Kostenübernahme ist eine Art Ritterschlag“, tagesschau.de am 15. Januar 2024
  • Zucker auf Kassenkosten? hpd am 15. Januar 2024
  • Erneuter Lauterbach-Vorstoß: Homöopathie raus aus der Erstattung durch die Kassen, GWUP-Blog am 11. Januar 2024
  • Lauterbachs homöopathischer Sparbeitrag: Symbolpolitik mit Substanz, gesundheits-check am 13. Januar 2024
  • Endlich: Homöopathie keine Kassenleistung mehr, swr am 12. Januar 2024
  • Lauterbach will Homöopathie als Kassenleistung streichen – na endlich! welt.de am 12. Januar 2024
  • Ihr Kampf gegen die Kügelchen, merkur am 14. Januar 2024
  • Lauterbach gegen Homöopathie: Ein überfälliger Schritt, t-online am 12. Januar 2024
  • Lauternach und die Homöopathie, diekolumnisten am 13. Januar 2024
  • Warum weniger Homöopathie richtig ist – aber nur ein erster Schritt, stern.de am 11. Januar 2024
  • Homöopathie, Ganzheitlichkeit und die sprechende Medizin, GWUP-Blog am 20. April 2013

16 Kommentare

  1. Ist die Zustimmungsreaktion, die Presse und Medien erfasst hat, nicht phänomenal?

    Die INH-Sprecherriege war tagelang mit Medienanfragen und Interviewwünschen eingedeckt, so was gabs noch nie – allenfalls zu legendären Zeiten von Dr. Natalie Grams.

    Es gibt manche Frage am Rande zur Lauterbach-Initiative, immer noch – wie wir feststellen durften – grobes bis feingekörntes Missverstehen der Problematik und zu wenig Wissen über die evidente Widersprüchlichkeit der Homöopathie.

    Aber ganz offensichtlich ist inzwischen der Boden bereitet für die grundsätzliche Schräglage:

    Homöopathie ist ein Nichts, Nichts ist immer zu teuer und sollte daher nicht aus Solidartöpfen auch noch bezahlt werden.

    Und erst recht keine Rückendeckung dafür bekommen, dass sie sich „als Wissenschaft geriert“, wie Nikil Mukerji es im heutigen Interview mit der „Tagesschau“ formuliert.

    https://www.tagesschau.de/faktenfinder/kontext/interview-homoeopathie-100.html

    In diesem Zusammenhang ist bemerkenswert, dass Medien auch erstmals in größerem Umfang die Behauptung hinterfragen, es gebe doch Studien, die … ja. Und dabei sogar in Details gehen.

    https://www.dw.com/de/warum-hom%C3%B6opathie-nicht-wirkt-und-trotzdem-hilft/a-67949351

    Es dürfte hinreichend bekannt sein, dass das INH noch weiter gesteckte Ziele hat. Aber ein Mäkeln an Lauterbachs derzeitigen Absichten ist unangebracht.

    Auch England, Frankreich und Spanien haben zunächst mit dem Ende der Kassenerstattung begonnen und damit den Anstoß für weiteres gegeben. Es besteht Aussicht, dass dies auch hierzulande, dem Mutterland der Homöopathie, geschieht.

    Ein kurzes Wort noch zu den Kommentaren der einschlägig interessierten Szene: Die bewegen sich vielfach am Rande der Realsatire. Das merkt man jetzt so richtig im Kontrast zum allgemeinen Tenor.

    https://www.deutschlandfunk.de/apotheker-erwarten-kostensteigerungen-durch-streichung-von-homoeopathie-als-kassenleistung-100.html

  2. Jetzt mit drei Updates bei „Zum Weiterlesen“.

  3. @Bernd Harder

    Merci!

  4. Bei aller Freude über die gute Aufnahme des Themas in den Medien bleibt aber noch das Problem, dass die privaten Krankenkassen (die ja auch eine Solidargemeinschaft bilden) den Humbug z.T. weiterhin bezahlen werden, wie sie ja oft auch HPs, osteopathische Behandlungen, etc erstatten.

    Auch die freiwilligen Zusatzversicherungen werden künftig daran festhalten, was falsche Signale setzt.

  5. @ Bernd Harder:

    Aus dem Link zu Publikum.net:

    „Wer als Gesundheitsminister glaubhaft die Scharlatanerie abschaffen will (…) entzieht der „Homöopathie“ den (…) Arzneimittelstatus“

    Das wäre eine saubere Lösung.

  6. In den Kommentaren vieler Zeitungen wird geschrieben, es handele sich um eine Nebelkerze, da nur wenig mit der Abschaffung der Homöopathie eingespart werden kann.

    Ganz so, als würde es darum gehen, wo gerade am meisten gespart werden kann…

  7. Vielfach hier angesprochen:

    Ja, selbstverständlich ist die klare Position des INH die Streichung des Binnenkonsens und damit der Wegfall der Arzneimitteleigenschaft von Homöopathika, Anthroposophika und, ja, auch Phytotherapeutika (letztere scheinen gar nicht dazuzugehören, dürfen aber ebensowenig privilegiert werden, eine Analyse dazu gibts bei „Susannchen braucht keine Globuli“:

    https://susannchen.info/pflanzenheilkunde-wie-ist-sie-einzuordnen/

    Wir halten an dieser Kernforderung fest. Werden aber nicht kritisieren, dass Minister Lauterbach nun erst einmal den sichtbaren lockeren Faden der Satzungsleistungen aufnimmt. Wie unser Sprecher Udo Endruscheit in seinem hpd-Kommentar ausführt, ließe sich das selbst unter der betehenden Rechtslage durchsetzen.

    Änderungen des AMG wohl kaum, dazu braucht es Beschlussmehrheiten von Bundestag und Bundesrat. Dass sich Herr Lauterbach da nicht den Kopf einrennen und damit das Thema erstmal für lange Zeit pulverisieren will, das ist wohl leicht nachvollziehbar.

    Gerade die Kritiker sollten das zarte Pflänzchen, das im Ministerbüro gerade sprießt, weder vertrocknen lassen noch ertränken. Wie er das jetzt umsetzt, ist seine Sache. Er wäre schon sehr naiv, wenn er mit solchen klaren Statements öffentlich aufträte, ohne ein Machbarkeitspapier in der Schublade zu haben.

    Noch mehr Probleme gefällig, die es noch zu lösen gilt?

    Die (sehr gute) Honorierung der ärztlich-homöopathischen Therapeuten, die durch den „Selektivvertrag Homöopathie“ mit der Marketingabteilung des Zentralvereins homöopathischer Ärzte geregelt ist.

    Also rein privatrechtlich, ohne Eingriffsmöglichkeit des Gesetzgebers. Hier müsste man die Krankenkassen in die Verantwortung nehmen und sie davon überzeugen, die Verträge zu kündigen. Was wir für gar nicht so ausgeschlossen halten.

    Dann die Homöopathika als Regelleistung, in gar zwei Varianten. Einmal für Kinder und Heranwachsende bis 18 unter bestimmten Voraussetzungen, zum anderen für einige Präparate homöopathischer Art, die als „Therapiestandard“ für schwere Erkrankungen gelten (raubt einem fast den Atem, steht aber so in der Arzneimittelverschreibungsverordnung).

    Von zwei großen Kassen gibt es für diese wenig bekannte (und wohl wenig in Anspruch genommene) Variante gar Patientenmerkblätter.

    Eigentlich gibts noch etwas, das aber eher aus grundsätzlichen Erwägungen auch bereinigt werden sollten: Homöopathika als „traditionelle Arzneimittel“, ebenfalls ein Topic der Arzneimittel-Verschreibungsverordnung. Eine besondere Form, für die es den Binnenkonsens gar nicht braucht.

    Nur um zu zeigen, was das alles für ein Stacheldrahtverhau ist. Unmöglich, das alles auf einmal anzupacken! Wir denken, Minister Lauterbach zieht den derzeit richtigen, weil erfolgversprechenden Faden: den der Satzungsleistungen

    Und bei Zusatzversicherungen sind wir auch skeptisch. Wieso nun doch wieder die Homöopathie adeln mit dem Anschein, sie biete etwas Reales? Allein dadurch, dass man nun doch wieder Geld dafür bezahlt?

    Der einzige Vorteil wäre, dass die Beitragszahler der GKV den Unsinn dann nicht gemeinschaftlich finanzieren müssten.

    Achja, das ist längst noch nicht alles im Stacheldrahtverhau der homöopathischen Regelungen. Wer wusste z.B., dass es Zollerleichterungen für Pflanzen und Pflanzenteile gibt, die zum Zweck der Herstellung von Homöopathika importiert werden?

    Man glaubt es kaum …

  8. Übrigens wird Lauterbachs Vorstoß doch nicht zu einer – Zitat – „gefährlichen Mogelpackung“, weil er am Rande die Möglichkeit einer Zusatzversicherung erwähnt hat.

    Solche Übertreibungen scheinen mir kontraproduktiv zu sein.

  9. @ Christine:

    Das merkt doch jedes Kind, dass genau diese Kommentare selbst fette Nebelkerzen sind, die sich hinter der angeblichen geringen Einsparung verstecken, obwohl Herr Lauterbach in seiner Pressekonferenz klipp und klar gesagt hat, es gehe ihm nicht primär (er hat wohl nicht mal „primär“ gesagt) um die finanziellen Auswirkungen. Sondern um die Absurdität wirkungsloser Mittel im Gesundheitssystem.

    Die demontieren sich doch mit ihren danebenliegenden Kommentaren aus dem Mimimi-Land nur selber.

  10. Die Homöopathen haben mal wieder gekniffen (01:27):

    NDR Info Live – Homöopathie: Heilmittel oder Humbug?

    https://www.youtube.com/watch?v=SkPz4-eHuck

  11. @ Bernd Harder:

    Jutta Hübner ist für die Homöopathen auch keine einfache Sparringspartnerin. Sie tritt emphatisch und bodenständig auf, jede „schulmedizinische“ Arroganz geht ihr ab.

    Sehr schön ihre Unterscheidung zwischen Homöopathie und Naturheilkunde: Wenn so verdünnt wird, dass nichts mehr drin ist, ist auch keine Natur mehr drin.

    Vielleicht hätten die Homöopathen dagegen ja Argumente vorbringen können – wenn ihre Teilnahme an der Diskussion nicht homöopatischer Natur gewesen wäre.

  12. Vielleicht hätten die Homöopathen dagegen ja Argumente vorbringen können – wenn ihre Teilnahme
    an der Diskussion nicht homöopatischer Natur gewesen wäre.

    Die Homöopathen haben doch an der Diskussion teilgenommen. Und zwar in einer der Potenzierung C30, so dass sie von den „allopathischen“ Aufnahmegeräten nicht mehr registriert werden konnten.

    Es muss halt noch mehr, viel mehr homöopathische Grundlagenforschung betrieben werden. Dann werden sehr bald (ganz sicher!) auch potenzierte Teilnehmer wahr genommen. ;)

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