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„Die Schmerz-Influencer“: Science Cops über Liebscher und Bracht

| 11 Kommentare

Die Science Cops über die „Schmerz-Influencer“ Liebscher & Bracht:

Das Duo hat ein erfolgreiches und beliebtes Gesundheitsimperium geschaffen. Könnten wir uns also alle die Rückenschmerzen durch die Arbeit vorm PC sparen und auch sonst so ziemlich jeden Schmerz durch eine Behandlung nach der Liebscher-und-Bracht-Methode loswerden?

Die Science Cops sind schwer beeindruckt von den Versprechen – aber erleben bei den Ermittlungen einige Überraschungen.

Zwei Videos zu Petra Bracht gibt es von Janos Hegedüs:

Und eine Studie in der Zeitschrift für Orthopädie und Unfallchirurgie:

Keine Evidenz für die biomechanischen und pathophysiologischen Erklärungsmodelle muskuloskelettaler Erkrankungen nach Liebscher & Bracht

Der „Faktencheck Gesundheitswerbung“ (ein Projekt der Verbraucherzentralen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz) hat Liebscher & Bracht gerade erfolgreich abgemahnt:

Die abgemahnten Werbeaussagen verstießen gegen die Nahrungsergänzungsmittel- und die EU-Lebensmittelinformationsverordnung sowie das Heilmittelwerbegesetz.

Die Liebscher & Bracht Schmerzfrei GmbH mit Sitz in Bad Homburg unterzeichnete eine Unterlassungserklärung und darf die Werbung so nicht wiederholen. Angriffspunkte waren neben unzulässigen Gesundheitsversprechen bei Nahrungsergänzungsmitteln auch unveröffentlichte Kundenbewertungen im Shop – hier fand man bis zu unserem Einschreiten nur positive Bewertungen.

Außerdem haben wir den Claim „Schmerzspezialist Nr. 1“ abgemahnt.

Zum Weiterlesen:

  • Der Fall Liebscher & Bracht: Schmerzfrei mit Roland? quarks.de am 27. März 2022
  • Abgemahnt: Liebscher & Bracht nicht mehr „Schmerzspezialist Nr. 1“, faktencheck-gesundheitswerbung am 31. März 2022
  • Liebscher und Bracht: Was steckt hinter dem Hype? Grams‘ Sprechstunde am 1. April 2021
  • „Schmerztherapie nach Liebscher und Bracht“ bei Psiram
  • Evidenzbasierte Physiotherapie: Die Liebscher und Bracht Therapie – Eine Kritik
  • Liebscher & Bracht: Das große Versprechen von der Heilung ohne Operation, medwatch am 26. Mai 2021
  • Keine Evidenz für die biomechanischen und pathophysiologischen Erklärungsmodelle muskuloskelettaler Erkrankungen nach Liebscher & Bracht, Z Orthop Unfall 2022; 160(01): 13-18

11 Kommentare

  1. Die Äl-Änd-Biee-Methode ist so eine Art Exklusiv-Osteopathie, genau wie diese vermischt sie Hokuspokus und groteske Grundannahmen mit Elementen anerkannter manueller Therapie und dreht das durch einen Marketing-Wolf.

    Eine mit kurativem Anspruch daherkommende medizinische Therapie auf Privatexklusivgeniebasis gegen ordentlich Cash steht nun mal unter Generalverdacht.

    Wie dem auch sei, die letzten fünf Minuten bei den Science-Cops genügen jedenfalls, um L&B mittels ihrer eigenen Aussagen in die Pseudo-Ecke zu rücken.

    Es hat mit Seriösität jedenfalls wenig bis nichts zu tun, wenn Liebscher & Bracht die aus dem gesamten pseudomedizinischen Spektrum hinlänglich bekannten und berüchtigten Plattitüden von sich geben wie „Herbei, o ihr Gläubigen! Und ihr Ungläubigen, ihr seid zu verbohrt und zu doof, um unsere Genialität zu verstehen!“.

    Ohne mich. Und ich habe wahrhaftig genug Rückenschmerzen.

    Der weltweite Standard für muskelskelettale Schmerzzustände des unteren Rückens („low back pain“) ohne spezifische Diagnose ist laut NICE-Guideline 2018 (weltweiter Standard) eindeutig eine multimodale Therapie mit dem Schwerpunkt auf Bewegung.

    Dafür brauche ich aber nicht Liebscher & Bracht. Und ich schlafe, wie ich will!

  2. Liebscher und Bracht haben einen eigenen Psiram-Artikel. Das genügt für meine Einschätzung, was man von der „Seriösität“ dieser Leute halten kann: Nichts.

    Schmerztherapie nach Liebscher und Bracht
    Erfinder sind das Ehepaar Roland Liebscher-Bracht und Petra Bracht aus Bad Homburg. Petra Bracht (geb. 1956) ist Ärztin für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren und Orthomolekularmedizinerin, Roland Liebscher-Bracht (geb. 1956) ist Maschinenbauingenieur [sic!] und Erfinder einer „ChiYoga-Bewegungs- und Schmerztherapie“ sowie Inhaber mehrerer Kampfsportschulen.

    https://www.psiram.com/de/index.php/Schmerztherapie_nach_Liebscher_und_Bracht

  3. Nunja, ehrlich, ich mag Schwurbler nicht und ja ich lese auch Psiram und da hat es wirklich viele Psychos. ABER aus eigener Erfahrung mit Rückenschmerzen muss ich sagen, dass bei Herrn Liebscher-Bracht doch viele gute Videos dabei sind mit guten Übungen und diese scheinen nicht nur mir, aus eigener Erfahrung, gut zu helfen, sondern auch vielen anderen, denke nicht das alle Youtube Kommentare fake sind. Ja Nahrungsergänzung mag wieder ein anderes Thema sein aber die Übungen sind schon gut!

  4. @Michael:

    Daran hege ich persönlich keinen Zweifel, dass die eine oder andere Übung sinnvoll sein mag.

    Bei Rückenschmerzen sind Übungen/Bewegung/Krafttraining m.E. so ziemlich das Einzige, was überhaupt hilft – ist aber halt aufwändig, und das wollen wohl viele nicht.

    Ebenso rein persönlich habe ich aber nie verstanden, warum man dazu Kieser-Training oder Liebscher & Bracht oder ähnliches braucht.

    Mein Physiotherapeut hat mir das gute, alte, klassische Kreuzheben im Fitness-Studio gezeigt – sehr, sehr anstregend, technisch anspruchsvoll – aber absolut unübertroffen. Ich wüsste nicht, warum man etwas anderes machen sollte?

  5. @Michael

    Es gibt viele sinnvolle Übungen zur Stärkung der Rückmuskulatur und zur Reduzierung und Vermeidung von Rückenschmerzen.

    Dazu reicht manchmal ein ergonomisch geformter Bürostuhl mit federnder Rücklehne, den man für Übungen verwenden kann, wie jeder Arbeitsmediziner, Physiotherapeut oder ausgebildete Fitnesstrainer anrät.

    Da braucht es nicht die pseudomedizinisch verbrämte Handelmarke Liebscher und Bracht, die nur zum Füllen der Geldbeutel und zur Bestätigung der Egos dieser Leute dient.

  6. @ Bernd Harder
    „Bei Rückenschmerzen sind Übungen/Bewegung/Krafttraining m.E. so ziemlich das Einzige, was überhaupt hilft.“

    Tägliche Bewegung ist extrem wichtig!

    Wer es nicht selbst ausprobiert hat, wird es nicht glauben:

    Sämtliche (teilweise sehr starke) Schmerzen sind bei mir, weil ich nun täglich spazieren gehe und so ca. 7.000 Schritte mache, verschwunden. Flottes Tempo beim Gehen bringt noch mehr, aber selbst normales Spazierengehen beseitigt wie von Zauberhand die Schmerzen. Diese 7.000 Schritte sind bequem in 40 Minuten zu schaffen (die man auch stückeln kann, wie zum Beispiel 2 x 20 Minuten).

    Ich glaubte das auch lange Zeit nicht, bis ich es einfach mal probierte. Schon am dritten Tag fühlte ich mich schmerzfrei. Niemand muss mir das glauben – ich weiß, dass es so ist. Schulterschmerzen weg. Rückenschmerzen weg. Schmerzen in den Beinen/Waden – weg. Schmerzen am Hals an der Schlagader weg. Schmerzen in der Brust und Herzgegend – alles weg!

    Danke an Prof. Dr. Thomas Kurscheid, der mich dazu motivieren konnte (was andere Ärzte bisher nicht schafften).

  7. @Michael.

    Dass die Übungen helfen können, da sie sich mit durchaus anerkannten Methoden überschneiden, ist kein Wunder.

    Darin liegt aber auch diese Gefahr, dass hier ein bisschen Wahrheit einem anscheinend große Glaubwürdigkeit verschafft. Das große Problem sehe ich darin, dass dieser Mann kein Physiotherapeut ist, dies aber suggeriert wird.

    Dazu kommt diese Formel von Heilsversprechen. Hier hat das Marketing ganze Arbeit geleistet und jetzt maßt sich ein Maschinenbauer dazu an, Menschen mit Osteoporose komplett schmerzfrei machen zu können.

    Das finde ich arg bedenklich.

  8. @ Michael,
    wie Alexandra Ziesché schon schrieb:

    „Dass die Übungen helfen können, da sie sich mit durchaus anerkannten Methoden überschneiden, ist kein Wunder.“

    Das Problem sind aber die massiven Desinformationen, die -wie bei den vielen anderen alternativmedizinischen Verfahren- eine Therapieverschleppung zur Folge haben können und sogar Nocebos und Vermeidungsverhalten generieren:

    https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/html/10.1055/a-1716-2274

  9. @ Lutz Homann –

    bedanke mich für das Ausbuddeln des Papers!

  10. Unser geplantes Online-Seminar „Schmerzfrei und gesund“ ist abgesagt. Nach der Einladung gab es Kritik am Referenten, die wir sehr ernst nehmen. Bei der Seminar-Vorbereitung gab es intern leider einen Abstimmungsfehler, der nicht hätte passieren dürfen. Wir entschuldigen uns.

    https://twitter.com/gwup/status/1531564741281423360

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