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Globuli-„Tatort“ am Sonntag: Sanfte Medizin, kranke Geschäfte

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Gut, diesmal war es bisschen teurer als zum Beispiel letztes Jahr die Homöopathie-Folge von „Die Kanzlei“ – aber für den „Tatort“ sind uns natürlich alle Mittel recht:

Am Sonntag (Das Erste, 20.15 Uhr) sehen wir, was wir dafür bekommen. Die Spiegel Online-Vorschau klingt schon mal vielversprechend:

Es geht …

… um Starheiler der Homöopathie, die von humanenergetischer Behandlung säuseln, aber ihr Unternehmen knallhart wie einen kapitalistischen Pharmakonzern führen.

Wer hätte das gedacht?

Wir natürlich, die darauf seit Jahren hinweisen, etwa hier und hier oder hier.

Ein paar Abstriche muss man bei dem Wien-„Tatort“ mit Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser natürlich machen:

Das Publikum kann sich am Ende einbilden, etwas gelernt zu haben, aber letztendlich bleibt das Thema Alternativmedizin doch ein wenig unterbelichtet. Nennen wir es Globuli-Effekt.

Immerhin. Deshalb haben wir auch keinen Cent bezahlt, auf dass die Produzenten damit ihr Honorar selbst in beliebiger Höhe potenzieren mögen.

Das Redaktionsnetzwerk Deutschland schreibt sogar von einem „herausragend guten Tatort“ – web.de findet’s hingegen eher „albern“.

Ein „Glaubenskrieg“ (rnd, goldenekamera.de, ARD) ist der Streit um die Globuli indes natürlich nicht. Die Beweislage ist völlig unzweideutig auf Seiten der Homöopathie-Kritiker.

Zum Weiterlesen:

  • Die Anti-Globuli-Guerilla, Spiegel-Online am 23. Oktober 2020
  • Tatort Wien: Die große Verkommenheit, Franfurter Rundschau am 23. Oktober 2020
  • So wird der neue Wien-Krimi, rtl am 23. Oktober 2020
  • Der Globuli-Mord, rnd am 23. Oktober 2020
  • Offener Brief des INH an die Wissenschaftsredaktion von rbb Fernsehen – zum Dossier „Wahrheit über … Homöopathie“, INH am 22. Oktober 2020

11 Kommentare

  1. Ich antworte auf den nicht existenten „Glaubenskrieg“ immer nur noch mit der Frage, ob die Gläubigen auch schon die Übernahme ihrer Kirchensteuer durch die GKV beantragt haben.

    Ich bin hart an der Grenze, diese dämlichen Parolen einfach nicht mehr ertragen zu können. Ihr werdet es mir nachsehen.

  2. Schöner Artikel im Postillon:

    https://www.der-postillon.com/2019/10/zuckerfreie-globuli.html#more

    Zitat:

    „In dem Glas befindet sich quasi nur noch reines Gedächtnis an den Wirkstoff“, so die Sprecherin. Die Dosierung gestalte sich daher bei zuckerfreien Globuli etwas komplizierter als sonst. „Am besten greift man einfach ins Glas und wirft sich eine Hand voll Globuli in den Mund. Das wird dann schon in etwa stimmen“

    Nach etwa 100 solcher Anwendungen ist das Glas leer und muss im medizinischen Müll entsorgt werden, da sich noch Restgedächtnis an den Glaswänden befinden kann.

  3. Dass die Globulihersteller ein bestens integrierter Teil der Pharmaindustrie sind, deren Verbände sich entsprechend öffentlich für die Homöopathie verwenden, ist seinerseits bestens dokumentiert:

    https://www.homöopedia.eu/index.php/Artikel:Branchenverbände_(Deutschland)

    https://www.homöopedia.eu/index.php/Artikel:Branchenverbände_(Österreich)

    Die Pharmamafia ist also gar nicht der Feind der Homöopathie, sondern ein mächtiger Verbünderter? Eine Art reicher Erbonkel? Scheint so.

    Nur die Schweizer Verbände sind da etwas integrer. Dafür ist der wichtigste „alternative“ Verband gar kein Verband, sondern nur der Tarnname für eine professionelle Lobbyfirma.

    https://www.homöopedia.eu/index.php/Artikel:Branchenverbände_(Schweiz)

  4. @Monika
    Des Kaisers neue Globuli.
    Genial!

  5. @Monika

    Ich hätte eigentlich gedacht, die gäbe es auch unverpackt, um Abfall zu verringern.

  6. 6 von 10 Punkten. Der Horror mit der Homöopathie – hier wird er mit Tempo, Gefühl und manchmal leider auch ein bisschen effekthascherisch in Szene gesetzt.

    https://www.spiegel.de/kultur/tv/tatort-heute-aus-wien-krank-im-schnellcheck-a-ed15b061-5604-464e-8bf9-0f23190063de

  7. Jetzt schon mein Lieblingszitat aus dem Tatort: „Sanfte Medizin ist ein hartes Geschäft.“

  8. Schön konstruierte Story, wenn auch etwas weit ausholend. Mal den Esos eine Verschwörung anzuhängen, hat mir besonders gut gefallen.

    Die anfänglichen Zeitsprünge im Erzählablauf wären gar nicht nötig gewesen, der Plot war gut genug, um ohne so’ne äußerliche Verwirrtechnik auszukommen.

    Die Schlussszene war aber total unpassend und daneben. Soll man wohl nicht merken, indem man die gleich zu Anfang als Cliffhanger einbaut, so dass man als Zuschauer froh ist, dass das überhaupt aufgelöst wird und man dann gerne über die Kohärenzschwäche hinwegsieht.

    Bis auf „Gesundheit ist Glaubenssache“ fand ich die jeweiligen Argumente in Sachen KAM und Homöopathie ungewohnt gut recherchiert und wiedergegeben.

  9. Einigen Anhängern der „alternativen“ Heilmethode scheint der Tatort nicht gefallen zu haben. Sie meckern über das angebliche Homöopathie-Bashing.

    https://www.spiegel.de/kultur/tv/tatort-vote-wie-gefiel-ihnen-homoeopathie-fall-a-95273aa0-f18d-45c8-bf59-f45961d37bec#kommentare

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