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Münsteraner Kreis kritisiert Homöopathie an Kinderklinik der LMU München

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Von der „Exzellenz-Universität“ LMU München sind wir ja einiges gewohnt.

Immerhin hat das Dekanat der Medizinischen Fakultät die Schamanen-Tanzveranstaltung „Weltkongress der Ganzheitsmedizin“ mittlerweile vor die Tür gesetzt – aber in Sachen Homöopathie gibt sich die renommierte Alma mater nach wie vor wissenschaftsfeindlich.

Nach einem besonderen Klopper Anfang dieses Jahres und entsprechenden Hinweisen äußerte sich ein LMU-Sprecher zwar leidlich zerknirscht – nichtsdestotrotz tut sich vor allem das Dr. von Haunersche Kinderspital der Ludwig-Maximilians-Universität immer wieder als kritikresistent-homöopathiefreundlich hervor.

Damit haben sich bereits der Science-Blog Gesundheits-Check, das BR-Magazin „Kontrovers“, Dr. Norbert Aust und das INH befasst.

Jetzt hat sich auch der „Münsteraner Kreis“ dazu zu Wort gemeldet und auf die janusköpfige Haltung der LMU zur Homöopathie aufmerksam gemacht:

Das Klinikum der Ludwig Maximilian Universität in München distanziert sich von der Homöopathie und hält dennoch in Patientenversorgung und Forschung an ihr fest […]

Der Münsteraner Kreis ist der Ansicht, dass die LMU ihrer Reputation als internationale wissenschaftliche Forschungsinstitution nur gerecht werden kann, wenn sie sich vom Einsatz der Homöopathie in der Patientenversorgung trennt.

Ebenso muss in der Lehre über die häufig fehlende wissenschaftliche Fundierung der sogenannten komplementärmedizinischen Verfahren aufgeklärt werden statt diese weiter durch Anhänger der Methoden in Forschung, Klinik und Lehre adeln zu lassen.“

Laut der Ärztezeitung von heute wollte sich die LMU zu den Vorwürfen der Münsteraner zunächst nicht äußern.

Zum Weiterlesen:

  • Geh weida – bleib do! Münsteraner Kreis am 14. Juni 2018
  • Münchener Uniklinik wegen Homöopathie in der Kritik, Ärztezeitung am 20. Juni 2018
  • Heute bei „Kontrovers“: Homöopathie an der Münchner Uni, GWUP-Blog am 16. November 2016
  • Stellungnahme des INH zur Globuli-Werbeveranstaltung der „Exzellenz-Uni“ LMU Münche, GWUP-Blog am 13. November 2016
  • Homöopathie in der Behandlung von Frühgeborenen, Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie am 15. Mai 2014
  • Umsatz von Globuli rückläufig und LMU München distanziert sich von Homöopathie, GWUP-Blog am 14. Februar 2018
  • Werbetext statt Studienbericht? Homöopathie beim Prader-Willi-Syndrom, Gesundheits-Check am 26. Mai 2018
  • Ringvorlesung Homöopathie: Von Wissenschaft und Glauben, Gesundheits-Check am 21. Juli 2017
  • Forschung und Lehre auf Spitzenniveau: Ringvorlesung Homöopathie, eine neue Runde, Gesundheits-Check am 12. November 2016
  • Aber bei Kindern und Tieren hilfts doch auch – die können sich die Wirkung doch nicht einbilden! INH am 5. März 2016

17 Kommentare

  1. Die Zusammenstellung von Norbert Aust auf „Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie“ vom Mai 2014 zeigt, dass es keinen wissenschaftlichen Output gibt. Es wird nicht geforscht, zumindest nicht in einer Art und Weise, die diesem Begriff gerecht wird. Aber die Homöopathen können einmal mehr auf eine universitäre Verankerung verweisen.

    Die Carstens-Stiftung korrumpiert mit ihrem Geld die Universitäten. Und die lassen sich korrumpieren.

  2. @Joseph Kuhn:
    Mein übliches Argument in diesem Fall: Die Carstens Stiftung hat ca. 30 Millionen Euro in 25 Jahren verbraten, und nicht eine einzige, nicht eine reproduzierbare homöopathische Arzneimttelprüfung einer Hochpotenz dokumentiert. Besser können die Ihr Scheitern kaum dokumentieren.

  3. @ Ich:

    Ihre Bewertung geht davon aus, dass es das Ziel der Stiftung war, an der Uni München ernsthafte Forschung zu machen. Ich weiß natürlich nicht, was vor 25 Jahren beabsichtigt gewesen ist. Aber mit Blick auf die Verankerung der Homöopathie an einer namhaften Uni und die damit verbundene Reputationsgewinne war das Investment sehr erfolgreich.

  4. „Aber mit Blick auf die Verankerung der Homöopathie an einer namhaften Uni und die damit verbundene Reputationsgewinne war das Investment sehr erfolgreich.“

    Diesem Argument kann man nichts entgegensetzen.

  5. Morgen (Freitag) um 18.05 Uhr wird wohl auf Bayern2 ein Radiobeitrag dazu kommen.

  6. Das schlägt dem Fass den Boden aus.

    Die IHK bietet für einen kostenpflichtigen Kurs (1150 € netto) inklusive Zertifikat an, um PTA in Homöopathie „fortzubilden“. Und als Krönung des ganzen sollen die Kursteilnehmer auch noch indoktriniert werden, wie sie Kritik an der Homöopathie kontern können. Stichwort: „Homöopathie steht nie alleine, sondern ist in der ganzheitlichen Apotheke ein Baustein.“ (Carsten Semsch, Geschäftsführer des Veranstalters Semedi.)

    https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/pta-live/kurs-fuer-kritikfaehige-homoeopathie-experten-pta-fortbildung/

  7. PS zu obigem Kommentar: Die IHK wagt es tatsächlich, für eine Prüfung zur Volksverdummung 120 € Prüfungsgebühr einzufordern.

  8. @RPGNo1:

    Genau, dort lernt man auch, wie man „mit eventuell auftretender Kritik in der Beratung umgehen“ soll:

    https://twitter.com/nataliegrams1/status/1009900348084031489

  9. Ich habe ja für die schwulenheilenden Homöopathen ein paar Vorschläge für die Grundsubstanzen, die sie in ihren Glaubuli anwenden können (nebenbei ist das der bislang schönste Synkretismus zweier Glaubensrichtungen, den ich bislang erlebt habe – christlicher Fundamentalismus und Milchzuckeranbetung):
    1. Gleitgel
    2. Durex – extra reißfest
    3. Amylnitrit
    4. Sperma
    – können diese Helden gerne im heroischen opfermutigen Einsatz selbst einsammeln…

  10. Pingback: Verkehrte Welt: Wissenschaft als dogmatische Glaubensgemeinschaft, Homöopathie als neugierige Forschung? – Gesundheits-Check

  11. Who the fuck is Ellis:

    „Statements wie die von Ellis Huber sind Beispiele dafür, wie der confirmation bias erstens auch kluge Leute überwältigt, und zweitens eine verkehrte Welt entstehen lässt. Da wird die Wissenschaft zur „dogmatischen Glaubensgemeinschaft“, die „nicht mehr neugierig forscht“, während die Homöopathie, deren fehlende Neugier doch gerade Anlass der Debatte war, dem als Hort der wahren Wissenschaft gegenübergestellt wird.“

    http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2018/06/26/verkehrte-welt-wissenschaft-als-dogmatische-glaubensgemeinschaft-homoeopathie-als-neugierige-forschung/

  12. „Who the fuck is Ellis“:

    Ellis Huber hat, wenn ich mich recht erinnere, in den 1990ern als Politiker und Ärztefunktionär wohl durchaus mit einigem Recht das Gesundheitssystem aufgemischt. Inzwischen ist er allerdings Vorstandsvorsitzender des „Berufsverband Deutscher Präventologen“, der es zu einem vergleichsweise zurückhaltend-kritischem Psiram-Eintrag gebracht hat.

    Außerdem Geschäftsführer einer „St. Leonhards Akademie“, wo man unter anderem gerne in belebtem Wasser planscht. Er bewegt sich heute in einem Bereich, wo ich meine Zweifel habe, ob man dort zugleich klug und redlich sein kann. Insofern wundert mich jetzt nix von dem, was er zur Homöopathie zu sagen hat.

  13. Es ist möglich, dass Herr Huber einen Irrweg eingeschlagen hat, den auch schon andere eigentlich kluge Leute gegangen sind, wie z.B.:
    – Linus Pauling, zweifacher Nobelpreisegewinner, als Miterfinder der orthomolekularen Medizin
    – Fred Hoyle, Astronom, Verteidiger der Panspermie-Hypothese

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