„Er hat es wieder getan“: Stern- Titelgeschichte „Gefährliche Heilpraktiker“

Das Heilpraktikergesetz, das im Jahr 1939 in Kraft trat, gewährt schier grenzenlose diagnostische und therapeutische Freiheiten und schützt Patienten nicht vor lebensgefährlicher Scharlatanerie.

Eine Laxheit, die angesichts von Skandalen wie den Todesfällen im niederrheinischen Brüggen-Bracht nicht mehr zeitgemäß ist.”

Das ist das Fazit der aktuellen Stern-Titelgeschichte (Nr. 17 vom 20. April 2017).

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Stern-Redakteur Dr. med. Bernhard Albrecht suchte für den Artikel inkognito jenen Heilpraktiker auf, der sich wegen des Todes einer jungen Frau aus Kärnten vor Gericht verantworten muss. Der Mann hatte die Brustkrebspatientin vier Jahre lang mit selbst hergestellten homöopathischen Mitteln behandelt. Die Mutter eines schulpflichtigen Mädchens starb im Jahr 2013 an ihrer Erkrankung.

Albrechts Besuch bei dem Heilpraktiker (zusammen mit einer angeblichen Brustkrebspatientin) “endet mit einem Schock”:

Nachdem er die Brust der vermeintlichen Patientin ausgependelt hat, stellt er zwar den schriftlichen Krebsbefund nicht infrage (dass er nur fingiert ist, hatte er beim Auspendeln nicht festgestellt).

Er sagt jedoch: „Wir können das medikamentös lösen. Sie müssen mir nur versprechen, zur Kontrolle zu kommen.“ Wir bekommen ein Rezept – 14 naturheilkundliche Mittel, geschätzte Kosten laut B. etwa 300 Euro im Monat. Er hat es wieder getan.”

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Ebenso erschreckend:

Heilpraktikerverbände sprechen von „Einzelfällen“. Aber Gynäkologen, die der stern befragte, kennen alle solche Geschichten. Allein am Klinikum rechts der Isar tauche jeden Monat eine Frau auf, deren Brustkrebsbehandlung durch Alternativheiler verschleppt worden sei, sagt die Chefärztin Marion Kiechle.”

Auch die Fälle von Susanne Reichardt und Hans-Ulrich Leupold finden in dem Beitrag Erwähnung. Darüber hinaus geht es um den …

Darth Vader der Alternativmedizin, den Antisemiten und ehemaligen Arzt Ryke Geerd Hamer

und um die MMS-Sekte des Jim Humble.

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Als Kritikerin kommt unter anderem Anousch Mueller zu Wort.

Fatal:

Niemanden scheint zu interessieren, auf welch irrigen Annahmen die Therapien von B. beruhten […]

Nur selten müssen sich Heilpraktiker nach Todesfällen vor Gericht verantworten. „Es gibt eine hohe Dunkelziffer“, sagt die Medizinrechtlerin Maia Steinert. Wenige entschieden sich für einen Prozess. „Patienten schämen sich, wenn sie entdecken, dass sie betrogen wurden.

Sie denken, sie seien selbst schuld. Oder sie sterben im Glauben, das Richtige getan zu haben.“

Trotzdem seien bislang “nur kosmetische Änderungen am Heilpraktikergesetz geplant”.

Zum Weiterlesen:

  • Fauler Zauber, Stern Nr. 17 vom 20. April 2017
  • Video: Deutschland – Paradies für Kurpfuscher? GWUP-Blog am 5. April 2017
  • Interview mit Anousch Mueller: Sollten wir uns den Besuch beim Heilpraktiker künftig sparen? GWUP-Blog am 1. Juli 2016
  • Skeptiker-Interview mit Anousch Mueller, GWUP-Blog am 14. Juni 2016
  • Von der Gutgläubigkeit hin zu Faktendenken: Anousch Müller über ihr Buch „Unheilpraktiker“, GWUP-Blog am 15. Mai 2016
  • Jetzt online: Die Heilpraktiker- Debatte mit Dr. Natalie Grams im MDR-Fernsehen, GWUP-Blog am 9. Januar 2017
  • Heilpraktiker: Bundesminister Gröhe sucht sein Heil im leisen Rückzug, GWUP-Blog am 8. Dezember 2016
  • Karl Lauterbach kritisiert die typischen Heilpraktiker-Märchen, GWUP-Blog am 14. September 2016
  • Bundestag ignoriert Heilpraktiker-Skandal, DAZ.online am 6. Dezember 2016
  • Heilpraktiker sollen strenger überprüft werden. So ein bisschen jedenfalls, irgendwie, GWUP-Blog am 2. November 2016
  • Enthüllungsreportage: “Gefährliche Heiler” im Stern, GWUP-Blog am 2. Juli 2014
  • Das dubiose Geschäft der Wunderheiler, Stern-Online am 24. März 2015
  • “Die Unheiler” fordern weitere Todesopfer, GWUP-Blog am 18. Dezember 2015

36 Kommentare zu “„Er hat es wieder getan“: Stern- Titelgeschichte „Gefährliche Heilpraktiker“”


  1. 1 gnaddrig 20. April 2017 um 08:42

    Unfassbar, was Heilpraktikern so alles erlaubt ist und was sie sich alles so zutrauen. Angesichts solcher Geschichten frage ich mich wirklich, wieso sich niemand bemüßigt fühlt, dem einen Riegel vorzuschieben. Für Friseure gilt Meisterzwang, aber als Quacksalber kann sich fast jeder selbständig machen und an Patienten herumpfuschen. Das ist völliger Irrsinn, und es ist sträflicher Leichtsinn (oder sträflich sequentielle Wahrnehmung, jedenfalls unbegreiflich) dass der Gesetzgeber da keinen Handlungsbedarf sieht.

    Umso besser, wenn das immer wieder ausgeleuchtet und öffentlich gemacht wird. Steter Tropfen, hofft man, höhlt den Stein dann vielleicht doch irgendwann ein bisschen.

  2. 2 Natalie Grams 20. April 2017 um 09:53
  3. 3 Bernd Harder 20. April 2017 um 10:23
  4. 4 nihil jie 20. April 2017 um 10:30

    … und schaffen alternative Alternativen ;)

  5. 5 gnaddrig 20. April 2017 um 10:32

    Alternativlose Alternativen…

  6. 6 Udo Endruscheit 20. April 2017 um 11:14

    Prof. Otto Prokop (der Übervater der deutschen Rechtsmedizin, Gutachter in unzähligen Fällen seit den Zeiten des Reichsgerichts)sagte schon vor Jahrzehnten zum Thema:

    “Die ärztliche Sorgfalt besteht darin – wie es die ständige Rechtsprechung darstellt -, für einen Patienten stets das beste und zuverlässigste Medikament oder Verfahren anzuwenden.

    In einer höchstrichterlichen und wiederholt zitierten Gerichtsentscheidung heißt es, „dass ein Arzt sich nicht aus Eigensinn oder Hochmut über gültige Regeln der medizinischen Wissenschaft hinwegsetzen kann, ohne vom Fortschritt der Wissenschaft Kenntnis zu nehmen“.

    Diese Deduktion hat nicht allein für Ärzte Gültigkeit, sondern gleichfalls für Heilpraktiker, da es bekanntlich kein Spezialstrafgesetzbuch für Heilpraktiker oder für Ärzte gibt.

    Wenn aber darauf hingewiesen wird, für Ärzte gebe es einen höheren Grad der Voraussehbarkeit als für Heilpraktiker, also könne man letzteren nicht so schnell einen Schuldvorwurf machen wie etwa Ärzten, die den gleichen Fehler machen, so ergibt sich aus einer solchen Interpretation:

    Dass es der Staat, der Personen zu solchen Praktiken ohne besondere Auflagen zulässt, mit der Gesundheit seiner Bürger nicht ernst nimmt.”

    (Prokop/Dotzauer, 1979)

    Was sollte dem noch hinzuzufügen sein?

    Außer, dass es -trotz gegenteiliger Ansicht der Heilpraktikerzunft- mit den “besonderen Auflagen” (nach den Heilpraktikergesetz-Durchführungsverordnungen) nicht weit her ist.

  7. 7 Kritischer Geist 20. April 2017 um 13:17

    Bitte stellen Sie dem auch andere Zahlen gegenüber, z.B. wie viele Menschen jedes Jahr aufgrund falscher Diagnosen durch Schulmediziner einen Schaden erleiden.

  8. 8 Bernd Harder 20. April 2017 um 13:22

    @Kritischer Geist:

    Gerne zum wiederholten Mal:

    a) Whataboutism macht das Heilpraktiker-Unwesen nicht besser und Pseudomedizin nicht wirksamer.

    b) Dass es in der Medizin menschliches Versagen gibt, dass Ärzte Fehler machen etc.pp., ändert überhaupt nichts daran, dass es ein solides Grundlagenwissen über Molekularbiologie, Genetik, Biochemie, Physiologie, Anatomie, Pharmazeutik etc.pp. gibt. Dass manche Ärzte dieses zur Verfügung stehende Wissen situativ falsch anwenden, ist nicht das Problem *der* Medizin.

    Heilpraktiker dagegen haben weder eine Ausbildung noch können ihre Pseudo-Therapien einen Wirksamkeitsbeleg vorweisen.

  9. 9 RPGNo1 20. April 2017 um 15:52

    Ich habe den Artikel bisher nur quergelesen. Er ist keine Eloge, wie so oft in Magazinen, und berichtet einigermaßen kritisch über unseriöse Praktiken und Heilkundler, siehe Ryke Geerd Hamer. Leider sind mir gleich beim ersten Überfliegen zwei Klopfer aufgefallen.

    1) Das Cover. Dort steht groß “Worauf Patienten bei der Wahl ihres Alternativ-Mediziners” achten müssen. Alleine, dass groß von “Wahl” und “Alternativmediziner” gesprochen wird, erzeugte bei mir ein Stirnrunzeln.

    2) Auf Seite 41 wird ein seriöser Heilpraktiker näher beschrieben, der “sich aber immer seiner Grenzen bewusst” ist. Als Qualitätsmerkmal (Begriff ist von mir) wird ihm dann jedoch unterlegt, dass er “über 1000 Ausbildungsstunden in traditioneller chinesischer Medizin nachweisen kann”. Autsch!

    Erstes Fazit: Der Artikel ist aufgrund der Kritik durchaus interessant. Aber eine Person, die über “Alternativmedizin” wenig Bescheid weiß, wird leider immer noch in die Irre geführt werden.

  10. 10 xxx 20. April 2017 um 18:17

    Schade das niemand mal wirklich fundiert die andere Seite beleuchtet. Wieviele Menschen kommen durch die Schulmedizin zu Tode??? Wie viele durch Fehlbehandlungen von Ärzten? Wie viele durch falsche oder zu hoch dosierte Produkte der Pharmaindustrie. Ja es gibt schwarze Schafe unter den HPs – genau wie in jedem anderen Berufszweig auch.

  11. 11 Bernd Harder 20. April 2017 um 18:18

    @xxx:

    Copy and paste:

    a) Whataboutism macht das Heilpraktiker-Unwesen nicht besser und Pseudomedizin nicht wirksamer.

    b) Dass es in der Medizin menschliches Versagen gibt, dass Ärzte Fehler machen etc.pp., ändert überhaupt nichts daran, dass es ein solides Grundlagenwissen über Molekularbiologie, Genetik, Biochemie, Physiologie, Anatomie, Pharmazeutik etc.pp. gibt. Dass manche Ärzte dieses zur Verfügung stehende Wissen situativ falsch anwenden, ist nicht das Problem *der* Medizin.

    Heilpraktiker dagegen haben weder eine Ausbildung noch können ihre Pseudo-Therapien einen Wirksamkeitsbeleg vorweisen.

  12. 12 noch'n Flo 20. April 2017 um 19:01

    @ xxx:

    Du wirst Dich vielleicht wundern, aber DURCH die Medizin (es gibt keine “Schul”medizin!) kommen nur sehr wenige Menschen zu Tode. Ärztepfusch ist bei weitem nicht so verbreitet, wie man gemeinhin denkt. Und ebenso sind Todesfälle durch Medikamente auch verhältnismässig selten.

    Die meisten Todesfälle passieren TROTZ Medizin – aber genau deshalb wird ja auch immer weiter geforscht.

  13. 13 Clemens M. 20. April 2017 um 20:47

    @xx x Die Fehler der Heilpraktiker werden nicht dokumentiert, gelangen nur in Bruchstücken in die Öffentlichkeit ( oder z.B. Wenn ein Fernsehsender mal eine Testrunde in diesen Kreisen dreht und die teils hanebüchene Diagnosen veröffentlicht).

    Da Heilpraktiker eher seltener bei sehr ernsthaften Erkrankungen aufgesucht werden (so vernünftig sind dann doch die meisten Leute) sondern überwiegend mit leichteren, teils von alleine ausklingenden Erkrankungen konfrontiert sind, läge die Fehlerquote weit über denen der Evidenzmedizin praktizierenden Ärzte – alleine schon, weil diese über wesentlich bessere diagnostische Möglichkeiten verfügen.

  14. 14 Al Il 20. April 2017 um 21:21

    Ich habe den Artikel nicht gelesen – weder bin ich stern-Leserin, noch habe ich das Bedürfnis mich weiter zu dem Thema zu informieren (durch gwup, Müller, INH etc. Bin ich informiert genug) – aber ich finde es schön, dass der Artikel laut diesem Blogeintrag nicht die unerträgliche falsche Ausgewogenheit präsentiert wie sonst in Mainstreammedien (in diesem Fall als Gegenbegriff zu spezialisierten Medien, die wissenschaftlich orientiert sind).

    Und die Headline trifft es auf den Punkt.

  15. 15 gnaddrig 20. April 2017 um 21:23

    @ xxx: Wenn Sie bei diesem Thema tatsächlich “wirklich fundiert die andere Seite beleuchtet haben wollen und fragen, wieviele Menschen durch die Schulmedizin oder durch Fehlbehandlungen von Ärzten zu Tode kommen, müsste man ehrlicherweise auch angeben, wieviele Menschen durch sogenannte alternative Medizinen oder durch Fehlbehandlungen von Heilpraktikern zu Tode kommen.

    Am besten gewichtet – wieviele Patienten überhaupt, welche Erkrankungen, welcher Anteil wird gesund, welcher Anteil trägt Schäden davon oder verstirbt?

    Bei Erkältungen und so Sachen könnte es ungefähr unentschieden ausgehen, bei Krebs und anderen ernsthaften Erkrankungen werden Ärzte weit hinterm Horizont verschwunden sein, während die Heilpraktikerschaft noch den Rezeptblock sucht.

  16. 16 Ralf im Vollrausch 20. April 2017 um 22:40

    @xxx
    Die “Schulmedizin” hat keinen “Gott” oder “Mutter Natur” der ihr beisteht…anders ist es natürlich bei der “Alternativmedizin” ;-)
    Fehler können passieren…das Leben ist komplex und nicht einfach, wie uns Religionen oder Verschwörungstheorien weismachen wollen.
    Es gibt kein “Böse” oder “Gut” – alle medizinische Verfahren sind letztendlich eine Abwägung von Risiko, Nutzen und Kosten…so sieht’s aus!

  17. 17 crazyfrog 20. April 2017 um 23:44

    Kritik an Heilpraktikern: Apotheker pendelt offenbar weiter Krebsdiagnosen aus

    https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/04/20/apotheker-pendelt-offenbar-weiter-krebsdiagnosen-aus

  18. 18 Captain Übermorgan 21. April 2017 um 06:03

    @”Kritischer Geist” bzw. “xxx”:
    Zum Heilpraktiker gehen deren Anhänger – in der Regel – mit weniger lebensgefährlichen Wehwehchen.

    Als todkranker Mensch aber begibt man sich in die Hände echter Mediziner, weil reales Wissen, reale Kompetenz und ein hippokratischer Eid gegenüber dem Heilpraktiker klar im Vorteil sind. Also so was von.

    Und weil auch die Unheilbaren ins Krankenhaus gehen, sterben diese Unheilbaren auch im Krankenhaus. Weil auch die Medizin nicht zaubern kann.

    Übrigens, denken Sie mal zu Ende, warum es nur NotÄRZTE, aber keine Notheilpraktiker gibt und welche Konsequenzen das hat.

    Was mich immer wieder verwundert und verärgert, ist dieser arrogante Absolutheitsanspruch an die Medizin und überhaupt die Wissenschaft.
    Nein, die Medizin kann NICHT auf alles eine Antwort haben oder zaubern. Es ist aber die bestmögliche Antwort, die uns zur Verfügung steht.

  19. 19 noch'n Flo 21. April 2017 um 09:59

    @ Captain Übermorgan:

    “Übrigens, denken Sie mal zu Ende, warum es nur NotÄRZTE, aber keine Notheilpraktiker gibt und welche Konsequenzen das hat.”

    Doch, es gibt Notfallhomöopathen:

    http://www.youtube.com/watch?v=Bh6NagYGFLg
    http://www.youtube.com/watch?v=6vin8xljxQU

    Ach, das sind nur TV-Sketche und weit von der Realität entfernt? O contraire, mon ami, sowas gibt es tatsächlich:

    http://www.homoeopathischer-notdienst.de/
    http://www.homoeopathie-andelfingen.ch/praxis/24-stunden-notfall-service/
    http://www.doktor-loder.ch/Praxishomepage/Einsatz_files/Notfallhomo%CC%88opathie.pdf
    http://www.homöopathie-netzwerk.ch/index.php/aktuelles/fuer-notfaelle

    Und das sind nur ein paar Treffer auf der ersten Ergebnisseite, wenn man “Notfallhomöopathie” googelt …

  20. 20 Ich 21. April 2017 um 10:42

    Kleine Ergänzung zu noch’n Flo

    Hompöopathie beim Etrinken:
    “Erste Hilfe bei Ertrinken: Camphora
    Kompletter Atemstillstand, Atem und Puls nicht mehr zu finden, Gesicht blass grau, tiefblaue Lippen, eiskalter Körper ohne Reaktion, vergebliche Animation. ”

    Quelle:
    https://www.experto.de/gesundheit/homoeopathie/homoeopathie-auf-reisen-erste-hilfe-bei-ertrinken.html

    Irrsinn!!

  21. 21 noch'n Flo 21. April 2017 um 11:21

    Kann mir vielleicht irgendjemand mal wieder den Unterkiefer hochklappen?

  22. 22 gnaddrig 21. April 2017 um 12:39

    @ Ich: Da ist man natürlich auf kooperationswillige Patienten angewiesen. Wenn jemand nach der vergeblichen Animation die Kügelchen einfach nicht schluckt, ist dem auch nicht mehr zu helfen…

  23. 23 Catweazle 21. April 2017 um 13:31

    “Nachdem er die Brust der vermeintlichen Patientin ausgependelt hat..”

    Mir fällt dazu die Szene aus dem Film Spy Hard ein wo Ray Charles als Busfahrer glänzte. Warum zur Hölle dürfen solche Vollpfosten wie dieser Heilpraktiker frei herumlaufen und sogar noch “praktizieren”?

    Tritt man heutzutage einen Hund der einen versucht zu beißen kommt gleich der Staatsanwalt, aber diese Clowns dürfen andere Leute ausrauben und ermorden.

  24. 24 Captain Übermorgan 21. April 2017 um 13:55

    @noch’n Flo und
    @Ich

    Da hielt ich mich für soo gewieft in meiner Argumentation und dann das.

    Meine Erschütterung über Ihre Informationen überspiele ich besser mal mit hysterischem Gelächter …

    Nichtsdestotrotz danke ich Ihnen für die Hinweise.

  25. 25 crazyfrog 21. April 2017 um 17:08

    Kleiner Teil jetzt online, leider mit der Behauptung, dass es auch “seriöse” Heilprakriker gibt:

    http://www.stern.de/gesundheit/wie-unserioese-heilpraktiker-menschenleben-gefaehrden-7418788.html

  26. 26 Joseph Kuhn 21. April 2017 um 17:45

    @ crazyfrog:

    “leider mit der Behauptung, dass es auch “seriöse” Heilprakriker gibt”

    Die gibt es in der Tat (unter den sektoralen Heilpraktikern sind vermutlich gar nicht so wenige). Ich denke, man sollte die Kritik an den Heilpraktikern nicht unnötig überziehen, das erschwert die ausstehende politische Regulation nur zusätzlich.

    Leider gibt es keine repräsentativen Studien darüber, was die Leute tun und wie groß der Anteil der Quacksalber ist. Das eigentliche Problem besteht darin, dass die Quacksalber nicht konsequent aus dem Verkehr gezogen werden und dass der gesamte Rahmen des Heilpraktikerwesens trotz der bekannten Missstände politisch nicht angefasst wird.

    Vermeidbare Sterbefälle durch Quacksalberei sind ja genügend dokumentiert, aber die führen in der Politik meist nur zu einem Achselzucken.

    @ Noch’n Flo:

    “Du wirst Dich vielleicht wundern, aber DURCH die Medizin (…!) kommen nur sehr wenige Menschen zu Tode.”

    Dieses Problem sollte man nicht unterschätzen, siehe z.B. http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/aok-krankenhausreport-mehr-tote-durch-behandlungsfehler-als-durch-verkehrsunfaelle-12761937.html
    oder hier: https://www.welt.de/gesundheit/article155071210/Aerztefehler-sind-die-dritthaeufigste-Todesursache.html

    Nur würde sich daran nichts ändern, wenn die Leute alternativmedizinisch oder gar durch Heilpraktiker behandelt würden. Dann würden noch mehr sterben. Gegen vermeidbare Sterbefälle durch Behandlungsfehler etc. wird schon einiges getan, es kann mehr getan werden, aber die Alternativmedizin ist keine Alternative.

    Man sollte sich auch von der Esoterikfraktion nicht durch die Frage nach den Sterbefällen durch Behandlungsfehler in der Medizin provozieren lassen. Die Gegenüberstellung “Sterbefälle durch Heilpraktiker” und “Sterbefälle durch Ärzte” ist schlicht nicht sinnvoll, man vergleicht ja auch nicht die Zahl der Pilzvergiftungen durch Pilzgerichte und durch Erdbeerkuchen.

  27. 27 noch'n Flo 21. April 2017 um 19:19

    @ Joseph Kuhn:

    Man kann das Problem der ärztlichen Behandlungsfehler nicht allein auf die Spitäler konzentrieren. Dadurch, dass Patienten im Spital aus gutem Grund sind – nämlich, weil sie wirklich ernsthaft krank sind – passieren dort viel leichter Behandlungsfehler. Bei den niedergelassenen Ärzten sieht das schon ein wenig anders aus.

    Abgesehen davon gibt es in der Medizin ja auch noch Mechanismen, die zur zeitnahen Aufarbeitung von Behandlungsfehlern führen sollen, bspw. CIRS. Sowas kennt die Heilpraktiker-Branche ja nicht einmal ansatzweise.

  28. 28 diabetiker 23. April 2017 um 08:20

    @j. kuhn, da es keine irgendwie sinnvolle ausbildung von hps gibt,
    ist mir ihre erklärung daß es seriöse hps gibt nicht verständlich.
    es gibt “nur” unseriöse hps, der unterschied besteht aus denen die ihre kunden(denn hps haben keine patienten) egal durch welche unsinnigen methoden umbringen, und dem rest der nichts tut.
    nicht ohne grund gelten hps vor dem gesetz als medizinische laien,
    also man kann sehr gut ohne auskommen.
    ausdrücklich hp ist “kein” beruf sondern ein gewerbe, und für mich ein unseriöses.

  29. 29 Joseph Kuhn 23. April 2017 um 10:27

    @ Diabetiker:

    Wie gesagt, man müsste erst mal wissen, was die Leute tun. Wenn ein Physiotherapeut unabhängig von einem Arzt arbeiten will und dafür die Heilpraktikererlaubnis einholt, wird er dadurch nicht “unseriös”, ebenso wenn ein klinischer Psychologe erst mal die teure Ausbildung in einem Richtlinienverfahren weglässt und als sektoraler HP Psychotherapie arbeitet. Wenn man bei den Heilpraktikern etwas ändern will, braucht man wie bei allen politisch verbarrikadierten Themen gute Daten – die gibt es nicht.

  30. 30 crazyx 23. April 2017 um 18:30

    Habe den Artikel gerade mal gelesen. Ist gar nicht so schlecht geschrieben.
    Klar; den Zusatz, dass es “viele” seriöse HPs gebe, gibt’s natürlich. Aber immerhin mit dem Hinweis, dass es ein “Glücksspiel” sei, einen solchen zu finden. Das ist schon recht deutlich, finde ich.

    (Ok; als Beispiel für so einen “seriösen” HP dient ausgerechnet ein Herr mit “über 1000 Ausbildungsstunden in traditioneller chinesischer Medizin”.
    Was genau daran nun besser sein soll als 1000 Ausbildungsstunden in Chakrenmassage oder Schrumpfkopf-Prophylaxe, das müsste man den Autor vielleicht mal persönlich fragen.
    Immerhin ist das auf den ersten Blick der einzige gröbere Fehler in dem allgemein ganz ordentlichen Artikel.

  31. 31 Joseph Kuhn 23. April 2017 um 20:21
  32. 32 crazyx 24. April 2017 um 17:43

    Im gleichen Stern findet sich übrigens weiter hinten noch eine ganze Seite Vorbericht über den “march for science”.

  33. 33 Juergen Schwart 25. April 2017 um 13:04

    Was ich in diesem Bericht gelesen habe kann ich nur zu gut nachvollziehen.

    Weil meine Eltern Heipraktiker-gläubig waren und mich in den 60er Jahren permanent zu einem stadtbekannten Heilpraktiker schleppten, der angeblich viele Ausbildungen in China gemacht hatte, wurde bei mir eine angehende Kinderlähmung viel zu spät erkannt. Er hat mir nur immer wieder “Wasser” ins Kniegelenk gespritzt und ich möchte nicht wissen, wieviel Geld er meinen Eltern aus der Tasche gezogen hat.

    Dafür muss ich heute mit einem verkürzten Bein und in Folge einer deformierten Wirbelsäule durchs Leben gehen.

  34. 34 Markus 31. Mai 2017 um 12:20

    Viel erschreckender als der eigentliche Artikel sind die Geschichten in den Kommentaren. Erschreckend, dass es sowas gibt!

    Beste Grüße aus Essen!

  35. 35 crazyfrog 14. August 2017 um 13:34
  36. 36 RPGNo1 14. August 2017 um 14:24

    Klaus R. nutzt alle Schlupflöcher aus, die es gibt, um seine Tätigkeit fortzuführen, und niemand (mit Ausnahme des Gesundheitsministeriums von NRW) gedenkt, etwas gegen ihn zun unternehmen.
    Dies ist für mich ein weiterer Grund, dass Heilpraktiker(un)wesen zu verbieten. Und zwar so schnell wie möglich!

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