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Science-Slam-Finale 2013 und eine Fake-Wundermaschine

Und da wir gerade bei den Jahresrückblicken sind:

Der Physiker Reinhard Remfort hat am 6. Dezember in Münster das Science-Slam-Finale 2013 gewonnen:


Direktlink zum Video auf Youtube

Für diese Veranstaltungsreihe engagiert sich besonders GWUP-Vorstandsmitglied Dr. Julia Offe.

Die komplette Final-Show (zirka 2,5 Stunden) mit allen Kandidaten gibt’s hier in der WDR-Mediathek zu sehen.

Ein anderer vorgeblicher “Science Slam” in diesem Jahr verlief indes nicht ganz so harmonisch.

Der Mineralölkonzern Shell hatte das populäre Format schlichtweg gekapert und für firmeneigene PR instrumentalisiert. Am 11. Dezember sollten einige Jung-Akademiker in Berlin ihre Ideen für einen

… noch verantwortungsvolleren Umgang mit Erdöl“

öffentlichkeitswirksam präsentieren.

Dieser “Shell Science Slam” war jedoch eine reine Imagekampagne für das Unternehmen, was Kritiker „Greenwashing“ nennen:

Ein Unternehmen, das schmutzige Dinge tut, gibt sich mit ökologisch korrekten Schaufensterprojekten ein sympathischeres Image.”

Einer der Slammer baute auf der Bühne im Tempodrom eine “Wundermaschine” auf, die irgendwie das Kohlendioxid aus Autoabgasen in harmlose Kohlensäure für Mineralwasser umwandelt. Oder so.

Statt dessen verspritzte die Apparatur bei der Vorführung 60 Liter einer schwarzen, ölartigen Flüssigkeit:


Direktlink zum Video auf Youtube

Der angebliche Nachwuchswissenschaftler entpuppte sich als Umweltaktivist von Peng! Collective und seine Aktion als “Slam Shell!”:

In Nigeria gelangen täglich rund 350.000 Liter Erdöl in die Erde, die Lebensgrundlage der Menschen dort wird zerstört. Shell schmiert Warlords und korrupte Regierungen, um dort weiter Öl fördern zu können Das Unternehmen ist der weltweit größte Produzent von klimaschädlichem CO2 und toxischen Stoffen. Währenddessen versucht das Unternehmen in Europa mit Kampagnen wie dem “Eco Marathon” von ihren massiven sozialökonomischen Schäden abzulenken.”

Sogar die Premium Times Nigera berichtete über die Berliner Aktion.

Aber zurück zu den echten Science Slams: Weiter geht’s am 21. Januar 2014 in Münster.

Zum Weiterlesen:

  • Der Öl-Konzern wollte Werbung – und bekam ein Desaster, Tagesspiegel am 14. Dezember 2013
  • Schmutzfontäne gegen Shell, Spiegel-Online am 12. Dezember 2013
  • Shell geht baden, taz am 12. Dezember 2013
  • Shell’s Berlin ‘Science Slam’ Event Reportedly Disrupted By Anti-Drilling Activists, Huffington Post am 14. Dezember 2013

Das “winzige große Rätsel” vom Amazonas ist gelöst

Es ist die Zeit der Jahresrückblicke, und da dürfen natürlich auch solche Listen nicht fehlen:

Eines der Top-Mysterien des zu Ende gehenden Jahres ist erst kurz vor Weihnachten geknackt worden.

Im September hatte unter anderem die Süddeutsche Zeitung über “seltsame Strukturen im Dschungel” berichtet:

Winziges großes Rätsel vom Amazonas”

Es ging um ein kleines Gespinst von Fäden, eine Art natürliches Mini-Stonehenge (großes Foto), und nicht nur in Peru konnte niemand den Forschern sagen, worum es sich handelt und welches Tier der Baumeister war:

The whole internet can’t identify this mystery cocoon”,

schrieb der New Scientist.

Jetzt haben Entomologen eine bislang unbekannte Spinnenart als Schöpfer der winzigen Strukturen identifiziert:

But its precise identity is still a mystery that scientists are scrambling to solve.”

Seit gestern gibt’s auch ein Video von “The Mystery Silkhenge Spider”:


Direktlink zum Video auf Youtube

Ein ausführlicher Artikel ist parallel dazu bei wired erschienen.

Zum Weiterlesen:

  • Winziges großes Rätsel vom Amazonas, Süddeutsche am 11. September 2013
  • Des Rätsels Lösung, spektrum.de am 20. Dezember 2013
  • We Went to the Amazon to Find Out What Makes These Weird Web-Tower Things, wired.com am 20. Dezember 2013
  • New Clues and Some Wild Guesses About Those Strange Spider Towers in the Amazon, wired.com am 24. Dezember 2013
  • Wissenschaft 2013, Spiegel-Online am 25. Dezember 2013

Wahrsagen im “Nachtcafé”

Leider habe ich gerade erfahren, dass mir eine “erschütternde Zukunft” bevorsteht.

Per E-Mail, von einer gewissen “Mona Luisa”.

Jetzt überlege ich ernsthaft, ob ich Monas “ausgestreckte Hand” nicht vielleicht doch besser ergreifen soll, denn was sie mir zu sagen hat, könnte …

… Ihr Leben ein für allemal verändern. Sie können sich sicher sein, dass sie Sie dank ihrer Gaben sicher auf dem Weg zum Glück begleiten wird. Ihr Leben wird schon bald in neuem Glanz erstrahlen. Schon morgen könnte Ihnen alles leichter von der Hand gehen, ganz so als wären Sie von Ihren Fesseln befreit.”

Und irgendwo hat Moni Loser, der “gefeierte Lichtstern des Hellsehens”, ja auch recht, denn wenigstens brauche ich heute nicht lange und qualvoll zu überlegen, was ich bloggen könnte.

Eigentlich sollte man davon ausgehen, dass auf solche Massenmails nur Leute reinfallen, die sich ihren Hut mit dem Kran aufsetzen.

Dem scheint aber nicht so zu sein, denn das “Nachtcafé” (SWR-Fernsehen) widmet eine ganze Sendung dem Thema “Der Blick in die Zukunft”.

Am Freitag (27. Dezember, 22 Uhr) geht es um “Hilfe oder Humbug?”:

Wenn Weihnachten vorüber ist, dauert es noch wenige Tage bis das Jahr zu Ende ist und ein neues beginnt. Wer wüsste nicht gerne, was das nächste Jahr bringt, dann könnten sie schon jetzt die Weichen für beruflichen Erfolg oder privates Glück stellen.

Doch nicht jede Vorhersage ist eine Hilfe: Während die einen ihren Erfolg auf geglückte Prophezeiungen zurückführen, die ihnen ein anscheinend hellseherisches Medium machte, haben andere ihr Schicksal herausgefordert, sprichwörtlich alles auf eine Karte gesetzt und zahlen bitterlich mit einem verkorksten Leben – die vermeintliche Hilfe entpuppte sich als Humbug.

Segen oder Fluch, das Geschäft boomt: Horoskope in Zeitschriften, Kartenlegen im Fernsehen oder Wahrsager, die einem aus der Hand lesen – wer hat nicht gerne Orientierung bei schwierigen Entscheidungen im Leben und Gewissheit über die eigene Zukunft?

Können Menschen in die Zukunft schauen? Wie sehr dürfen wir auf Hellseherei vertrauen? Welche Möglichkeiten gibt es, und was bringt uns das neue Jahr?”

Auf der Pro-Seite sitzt das typische Kuriositäten-Kabinett, von Winfried Noé bis zu Mike Shiva, der so peinlich ist, dass man ihm fast nur noch satirisch gerecht werden kann:

Kalkofe – Astro TV Abgezockt – MyVideo

Kalkofe – AstroTV –Arschkarte, Telefonkarte– – MyVideo

Aber immerhin sind auch die Skeptiker gut vertreten, mit der Skeptics in the Pub-Referentin Ursula Caberta und dem Skeptiker-Autor Bernd Kramer.

Und so sicher wie die Jahreshoroskope 2014 werden Noé, Shiva und Co. mit den “seriösen” und “unseriösen” Vertretern ihrer Zunft ankommen.

Das übliche Gelaber eben, so gehaltvoll wie “Mona Luisas” Voraussagen.

Update: Zum Video geht es hier.

Zum Weiterlesen:

  • Bernd Kramer: Erleuchtung gefällig? Ein esoterischer Selbstversuch. Ch. Links Verlag, Berlin 2013
  • Sind Hellseher seriös? GWUP-Blog am 1. Oktober 2012
  • Wollust und Triebleben: Der Astrologe Winfried Noe ist nur noch peinlich, GWUP-Blog am 10. April 2011
  • Aberglaubenwoche in 3sat mit Eso-Peinlichkeiten und der “Mondverschwörung”, GWUP-Blog am 28. Oktober 2013
  • Esoterischer Selbstversuch: “Erleuchtung gefällig?”, GWUP-Blog am 13. April 2013
  • Bernd Kramer: “Ganz viel Energie”, Skeptiker 3/2013
  • Astro-TV: Auf dem Straßenstrich der Astrologie, GWUP-Blog am 23. Dezember 2009
  • Kein Stern für “Astro TV”, GWUP-Blog am 22. November 2013
  • Hellsehen mit Twitter und Co., GWUP-Blog am 21. November 2013
  • Hellseher-Pleiten und Junk-Science im Jahr 2013, GWUP-Blog am 12. Dezember 2013
  • “Mein Horoskop stimmt immer!” Ja und? GWUP-Blog am 4. Mai 2013
  • Die acht Astrologen von der Astrowoche, Wahrsagerchecks-Blog am 22. Dezember 2012
  • Winfried Noé: Astrologe diskriminiert ein Viertel der Frauen, Wahrsagerchecks-Blog am 10. April 2011
  • Brain Scans and Psychics, Skepticblog am 23. Dezember 2013

Restebloggen mit Lena, Satan, Dawkins und Weltuntergang

So etwas richtig “Weihnachtliches” habe ich jetzt gerade nicht parat. Dennoch schließe ich mich natürlich gerne dem Festtagswunsch der GWUP-Facebook-Seite an:

Wir wünschen allen Fans und Kritikern frohe Weihnachten und ein paar besinnliche Feiertage.”

Ein passendes Video gibt’s dieses Jahr auch nicht – oder vielleicht doch, und zwar aus der Abteilung “Restebloggen”:

Kaum zu glauben, aber ein paar Fundamentalchristen wollen in Lena Meyer-Landruts ESC-Song “Satellite” tatsächlich “versteckte satanische Botschaften” entdeckt haben – beim rückwärts abspielen.

Die Backward-Version findet sich auch bei youtube und klingt in der Tat horrormäßig teuflisch:


Direktlink zum Video auf Youtube

Was ist da zu hören?

Ein Vorschlag vom GWUP-Twitter-Account:

Erleucht mei Nudel im Morgen, yeah!”

Und da wir schon beim Restbloggen sind, hier noch einige weitere Kurznachrichten:

  • Bei Telepolis wird die GWUP heute als “ehrenwerte und verdienstvolle Vereinigung” hervorgehoben, und zwar in dem Artikel:

Stern von Bethlehem als außerirdisches Raumschiff.”

Das freut uns, vielen Dank.

Die “Science Busters” gehen ebenfalls der Himmelserscheinung vor 2000 Jahren auf den Grund, und zwar in ihrem Podcast bei FM4.

Auch unser Kommentator Ralf Bülow schreibt über den Stern von Bethlehem, und zwar bei Focus-Online:

Rätsel gelöst: Der Stern von Bethlehem war ein Meteor.”

  • Apropos Meteor: So ziemlich genau vor einem Jahr ist bekanntlich die Welt untergegangen, und keiner hat’s gemerkt.

Dazu gab es hier im Blog einen Artikel, der wegen eines Zeitschaltfehlers einige Tage zu spät veröffentlicht wurde und deshalb wirklich “untergegangen” ist:

Weltuntergang 2012: Letzte Briefe, die wir gestern fast abgeschickt hätten.”

Vielleicht mag es ja jetzt noch jemand nachlesen.

Aktuell blickt Dr. Florian Freistetter bei Astrodicticum simplex auf den 21. Dezember 2012 zurück und fragt sich:

Was wurde eigentlich aus Dieter Broers und den anderen Weltuntergangspropheten?”

Und weiter in der Gegenwart:

Heute gibt es auf der Homepage den Artikel

Warum das Übernatürliche keinen Platz in der Welt hat”

zu lesen.

Ein Willkommens-Video von Dawkins ist auch online:


Direktlink zum Video auf Youtube

  • Die Schweizer Skeptiker beschäftigen sich in ihrem neuen Podcast (SkeptisCH Nr. 29 vom 22. Dezember 2013) mit der Frage:

Hat Jesus existiert?”

Und abschließend noch ein Geschenktipp zu Weihnachten (hihi):

Gerade ist eine DVD-Gesamtausgabe mit allen TV-Shows der “Science Busters” erschienen: 32 Folgen auf acht DVDs zum Preis von 39,99 €:

Denn: Science rulez!!!”

Ein gutes Motto auch für 2014.

Zum Weiterlesen:

  • Rückwärtsbotschaften und böser Einfluss, Metal Hammer am 27. März 2009
  • Rock’n'Roll im Rückwärtsgang, einestages am 19. März 2009
  • Dr. Pop, wer hat die Rückwärtsbotschaft erfunden? 78s am 24. August 2010

Vince Ebert: Evolution

Vince Ebert ist laut Eigenaussage …

… neben Angela Merkel und Oskar Lafontaine der dritte deutsche Physiker, der sein Geld im Bereich Comedy und Kabarett verdient.”

Anders jedoch als Frau Merkel, die sich gerade Homöopathie-freundlich geäußert hat (zumindest könnte man es so deuten), ist Ebert immer noch Wissenschaftler genug, um den Unsinn der Schüttelei zu erkennen und anschaulich wiederzugeben:


Direktlink zum Video auf Youtube

Von Vince Ebert stammt auch das vielzitierte Bonmot:

Wenn ich behaupte Im Kühlschrank ist Bier, bin ich Theologe. Wenn ich nachschaue, bin ich Wissenschaftler. Wenn ich nachsehe, nichts finde und trotzdem behaupte, es ist Bier drin – dann bin ich Esoteriker!”

Sowohl bei Kritisch gedacht als auch im Skeptiker gab es schon interessante Interviews mit dem Kabarettisten.

Und bei arprin kann man ein Kapitel aus seinem Buch “Denken Sie selbst” zum Thema Wissenschaftsfeindlichkeit nachlesen.

Im Oktober ist Eberts neues Buch “Bleiben Sie neugierig” erschienen. Derzeit ist der Diplom-Physiker mit seinem Programm “Evolution” auf Tournee:


Direktlink zum Video auf Youtube

Evolution wird in bestimmten Kreisen ebenso vehement abgelehnt wie umgekehrt Homöopathie verteidigt wird.

Es ist also durchaus wieder ein Reizthema, das Ebert diesmal abendfüllend beackert.

Und das tut er ziemlich kompromisslos.

Es ist nicht so sehr echtes Kabarett, was der 45-Jährige auf der Bühne zeigt, sondern eine Art Doppelstunde biologische/kosmologische/kulturelle Evolutionslehre – aber mit einem sehr sympathischen und lustigen Dozenten.

“Lach- und Sachgeschichten” schreibt treffend die Siegener Zeitung:

Selten fällt Lernen so leicht und macht so viel Spaß.”

Und eher en passant stellt Ebert dabei klar, dass die Wissenschaft auch “Mythen und Illusionen” entzaubert, zum Beispiel die Astrologie:

“Meine Hebamme hat 110 Kilo gewogen – was kümmert mich da mein Aszendent?”,

umschreibt er die Tatsache, dass die Anziehungskraft der Geburtshelferin (also deren gravitative Wirkung) das Baby weitaus stärker beeinflussen müsste als die Anziehungskräfte der weit entfernten Gestirne.

Sollten die Astrologen also nicht besser die Hebamme anstatt der Planeten in ihre Horoskope einbeziehen?

Nicht zuletzt die inhärente Egozentrik der Esoterik stößt Ebert sauer auf. Der prächtige Sternenhimmel spanne sich sicher nicht deswegen über uns, damit Astrologie-Gläubige einen “coolen Aszendenten” ihr Eigen nennen und sich als “etwas Besonderes” im Universum fühlen könnten.

Auch Religionen kann der Wissenschaftskabarettist wenig abgewinnen, die aus dem Urknall hervorgegangene “sichtbare Welt” sei staunenswert und wunderbar genug:

Da kann der Typ mit den sechs Tagen einpacken.”

Von solchen Spitzen abgesehen, hält Ebert sich mit expliziter Kritik an religiösen oder kreationistischen Vorstellungen zurück. Statt dessen erklärt er, wie es wirklich ist.

Und das ist wohl genau der richtige Weg, denn:

Wer überzeugen will, konzentriert sich auf seine eigenen Argumente und verschweigt die seines Gegners”,

schreibt auch Sebastian Hermann in seinem Buch “Starrköpfe überzeugen”.

Nur unmittelbar zu Beginn des zweiten Teils streift Ebert den Komplex “Evolutionsleugner”.

Er berichtet von einem Pausengespräch mit einem Vertreter des “Intelligent Design” und stellt kurz dar, was von den ID-Standardargumenten (“Ist es wahrscheinlich, dass das Auge ohne ‘Intelligenz’ entstand?”, “Evolution ist nur eine Theorie”) zu halten ist.

Und vermutlich können auch Schöpfungsgläubige ihm nicht wirklich böse sein, da der Physiker im Folgenden an einigen Beispielen erklärt, dass

… Logik und Rationalität evolutionär bedingt nicht gerade zu unseren Kernkompetenzen gehören.”

Sehr gelungen auch der Schlussteil der “Evolutions”-Show, bei dem Ebert die Romantik der Naturwissenschaften beschwört und von den sogenannten Cäsar-Molekülen über Sternenstaub zu seinem finalen Statement kommt:

Wir brauchen keinen Gott, um unsterblich zu sein – die drei Hauptsätze der Thermodynamik reichen vollkommen aus.”

Vince Eberts Bühnenprogramm “Evolution” läuft 2014 weiter.

Alle Stationen und Termine gibt es hier.

Zum Weiterlesen:

  • Vince Ebert: Bleiben Sie neugierig. Rowohlt-Verlag, Reinbek 2013
  • “Achten aufs Kleingedruckte”: Interview mit Vince Ebert im Skeptiker 1/2009
  • Vince Ebert in Wien, Kritisch gedacht am 11. März 2013
  • Vince Ebert zur Wissenschaftsfeindlichkeit, arprin am 16. Juli 2011
  • Wenn kein Bier im Kühlschrank ist, Astrodicticum simplex am 28. März 2009
  • “Ich muss alles hinterfragen”: Interview mit Vince Ebert, Zeit-Online am 7. April 2012
  • Was der Vatikan mit Schwarzen Löchern gemeinsam hat, spektrum.de am 25. September 2013
  • GWUP-Thema: Kreationismus
  • Intelligent Design – Eine Alternative zur naturalistischen Wissenschaft? Skeptiker 3/2003
  • Gott pfuscht auch, Zeit-Wissen am 14. August 2008
  • Mensch, was für eine Fehlkonstruktion, Zeit-Online am 24. Dezember 2013

Erfolg für “All Trials”: Pharmastudien müssen künftig veröffentlicht werden

Big Pharma, rück die Studien raus!”

Unter dieser Überschrift berichteten wir vor vier Wochen über eine Veranstaltung von “Skeptics in the Pub” in Köln.

Es ging um die internationale Kampagne “All Trials”, die mit dem Ziel gestartet wurde, die Gesetze und Praktiken betreffend Tests und Zulassung von Medikamenten weltweit zu verbessern.

Heute vermeldet die “All Trials”-Homepage einen großen Fortschritt:

Exciting news from Brussels — law that would mean researchers running a clinical trial in Europe have to register the trial before it begins and to publish summary results within a year of its end is a step closer.”

Heißt: Alle Tests müssen künftig vor Beginn registriert werden. Und die Ergebnisse klinischer Arzneimittelstudien müssen auch dann veröffentlicht werden, wenn sie negativ sind und für das jeweilige Pharmaunternehmen einen Misserfolg bedeuten.

So soll verhindert werden, dass Studien geschönt und Medikamente auf der Basis von unzureichenden Daten zugelassen werden.

Mehr dazu gibt’s auch bei Spiegel-Online.

Zum Weiterlesen:

  • Agreement reached in Europe on Clinical Trials Regulation, All Trials am 20. Dezember 2013
  • EU verlangt Veröffentlichung aller Pharmatest-Ergebnisse, Spiegel-Online am 20. Dezember 2013
  • Big Pharma, rück die Studien raus! GWUP-Blog am 16. November 2013
  • EU zwingt Pharmaindustrie zu mehr Transparenz, Zeit-Online am 21. Dezember 2013

Video: Whitstable-Poltergeist war nur ein TV-Hoax

Nach der “glowing creature” im Hafen von Bristol hat sich jetzt ein weiteres spektakuläres Internet-Video als TV-Hoax herausgestellt:


Direktlink zum Video auf Youtube

Die vermeintliche “paranormal activity” in einem Shop im englischen Whitstable wurde für die Doku-Show “The Happenings” inszeniert.

Die Episode “Haunted Town” lief vor drei Tagen bei Watch Channel:

Can master magicians Barry and Stuart make the locals of Whitstable believe ghosts are among them?”

An diese Form von viralem Marketing werden wir uns wohl gewöhnen müssen.

Zum Weiterlesen:

  • Haunted Whitstable shop exposed as TV hoax, Doubtful News am 18. Dezember 2013
  • Happy Halloween mit Carrie und dem Krieg der Welten, GWUP-Blog am 30. Oktober 2013
  • Mysteriöses leuchtendes Wesen im Hafen von Bristol, GWUP-Blog am 5. Dezember 2013
  • Schwarze Gestalten auf der Bayern-Tribüne, GWUP-Blog am 1. November 2013

“Neue Ufo-Forschung” oder Ghosthunting am Himmel?

Seit etwa einem Jahr ist bei youtube ein Video online, dass angeblich “Ufos über dem AKW Neckarwestheim” zeigt:


Direktlink zum Video auf Youtube

Aufgenommen und eingestellt wurde das Filmchen von Gerhard Gröschel, der sich als Pionier einer “neuen Ufo-Forschung” sieht und im Januar das “Institut für technische Ufo-Forschung” gegründet hat.

Der innovative Ansatz soll darin bestehen, dass Gröschel durch gezielte Suche einen echten Videobeweis erbringen will, anstatt zufällige Sichtungen im Nachhinein zu untersuchen.

Zu diesem Zweck hat der gelernte Elektroniker spezielle Kamerasysteme entwickelt, die Magnetfelder und Gravitation messen und sich dann automatisch einschalten, wenn die Sensoren ungewöhnlich hohe Werte registrieren.

Gröschel geht nämlich davon aus, dass Ufos “außerirdisch willentlich gesteuerte” Fluggeräte sind, die ein künstliches Gravitationsfeld erzeugen (dazu wiederum wären theoretisch extreme Magnetfelder notwendig).

Dieser Zusammenhang ist allerdings völlig spekulativ und erinnert an den Techno-Mystizismus der “Ghosthunter”-Gruppen: Ohne zu wissen, was “Geister” (hier: Ufos) überhaupt sind und welche Eigenschaften sie haben, setzt man hoch empfindliche und fehleranfällige Geräte auf sie an.

Gröschel ist indes davon überzeugt, mit seinen Überwachungsanlagen unter anderem bei Neckarwestheim aussagekräfte Fotos gemacht zu haben, mit den dazu passenden Messdaten. Ausführlicher erklärt er dies in einem eBook mit dem Titel “Ufos über AKW Neckarwestheim”.

Der kritische Ufo-Untersucher Dennis Kirstein kommt im journal für ufo-forschung jedoch zu einem vernichtenden Urteil:

Der Bildband ist gefüllt mit einfachsten Lichtreflexen auf oder vor der Linse, die mittels Bildbearbeitung bis zur Unkenntlichkeit vergrößert wurden. Ich möchte das salopp formuliert einfach nur Pixelpampe nennen.

Dank den Vorträgen professioneller Bildbearbeiter auf früheren Fachtagungen wissen wir heute, wie wenig an Information bei solchen Hochvergrößerungen tatsächlich noch übrig bleibt. Kommen dann noch, wie von Gerhard Gröschel verwendet, weitere Bearbeitungsfilter zum Einsatz, und wird ein minderwertiges Speicherformat ausgewählt (bspw. JPEG), geht der Großteil der Bildinformationen unwiederbringlich verloren.

Die in diesem eBook präsentierten Aufnahmen sind daher leider völlig wertlos.”

Für die aktuelle Skeptiker-Ausgabe (4/2013) haben die beiden GWUP-Mitglieder Bernd Cunow (Diplom-Ingenieur Elektrotechnik) und Dr. Philippe Leick (Physiker) Gerhard Gröschel besucht.

In ihrem Artikel über “Das Institut für technische Ufo-Forschung” halten sie als Ergebnis fest, dass …

… der theoretische Unterbau dürftig ist und eine wirkliche Verifizierung der Ausgangsannahmen ebenso fehlt wie eine Methodenvalidierung.”

Nichtsdestotrotz ist Gröschel hoch anzurechnen, dass er sich einer skeptischen Analyse gestellt hat.

Auf der Webseite ufo-information.de findet sich seit heute ein 33-seitiger Bericht über Gröschels Institut und seine “neue Ufo-Forschung”.

Autor ist wiederum Dennis Kirstein, der auch ein ausführliches Gespräch mit Bernd Cunow und Philippe Leick geführt hat (Seite 12-23).

Sein eigenes Fazit:

Ich bin kein Freund davon, allzu persönlich zu werden, nichtsdestotrotz ist der Glaube an UFOs die entscheidende Motivation, die sich hinter den Aktivitäten von Herrn Gröschel verbirgt, und diese Tatsache spiegelt sich ganz offensichtlich auch in der Bewertung der Messdaten und der visuell festgehaltenen Objekte und Leuchterscheinungen wider.

Das System ist sicherlich nicht in allen Belangen schlecht und könnte durch Behebung der in diesem Artikel genannten Mängel eine Unterstützung für UFO-Forscher darstellen. Dazu müsste aber nicht nur für die Technik weitaus mehr Geld in die Hand genommen werden, sondern eine lückenlose Transparenz aller Messdaten und Dokumentationen der eingesetzten Technik und Software vorliegen.

Derzeit wirkt das System wie der Versuch eines versierten Elektronikbastlers, der zwanghaft außerirdische Fluggeräte in fragwürdigen Messdaten und Pixeln erkennen möchte.”

Zum Weiterlesen:

  • Auf Ufo-Jagd: Das Institut für technische Ufo-Forschung, ufo-information.de am 19. Dezember 2013
  • Das Institut für technische Ufo-Forschung, Skeptiker 4/2013
  • Gerhard Gröschel: UFOs über dem AKW Neckarwestheim – Neue Ufoforschung in Deutschland, Rezension bei jufof am 16. November 2013
  • GWUP-Thema: Ufos
  • Ghosthunting und Techno-Mystizismus, GWUP-Blog am 16. Oktober 2009

PSI-Tests bei Stefan Raab

Cool:

In der “TV Total”-Sendung heute Abend (18. Dezember) hat Stefan Raab während seines Stand-up-Parts über die MDR-Sendung “Die Wunderhändler” gesprochen und dabei auch unsere PSI-Tests gezeigt (wenn auch ohne die GWUP namentlich zu nennen).

Besonders ein Proband, der behauptete, mit seinem Pendel biologische von konventionellen Lebensmitteln unterscheiden zu können, hatte es Raab angetan.

Und wie stets brachte der Moderator und Entertainer es auf den Punkt:

Der verarscht nicht nur andere, sondern auch sich selbst.”

Dass der Bio-Pendler im Doppelblind-Versuch keinen einzigen Treffer verbuchen konnte, kommentierte Raab mit:

Da trifft Eintracht Braunschweig ja öfter!”

Der 13-minütige Opener ist hier zu sehen, ab Minute 9 geht es um die GWUP-Tests.

Zum Weiterlesen:

  • PSI-Tests 2012: Bio-Eier, Pendel und Wünschelrute, GWUP-Blog am am 26. August 2012
  • “Die Wunderhändler” mit den PSI-Tests der GWUP, GWUP-Blog am 20. November 2013

Homöopathie und die Medien

Ein Gastbeitrag von Ute Parsch

Kennt noch jemand „Tamiflu“?

Ja? Warum?

Weil doch jeder noch weiß, was für ein Lauffeuer damals durch die Presse ging, als durch Studienergebnisse in Frage gestellt wurde, dass Tamiflu so umfangreich bei Grippe hilft, wie zuerst angenommen:

Der Tamiflu-Skandal – Über die Wirksamkeit des Wirkungslosen“

titelte damals die SZ.

Gut, damals kam noch eine erhebliche finanzielle Dimension hinzu, da Tamiflu ja auch für Grippeepidemien vorrätig gehalten wird.

Dennoch: Die Ursache des Skandals war, dass die Öffentlichkeit nur unzureichend über vorliegende Studienergebnisse informiert worden war, und das später aufflog.

Gewiss sind vom Thema dieses Beitrags – Homöopathika bei weiblicher Unfruchtbarkeit – weniger Menschen betroffen, die finanzielle Bedeutung ist kleiner.

Aber dass es niemanden von den Medien interessiert, dass auf diesem Gebiet bei weitem zu optimistische Einschätzungen wiedergegeben werden (um es mal vorsichtig zu formulieren) – das ist schon enttäuschend.

Wenn es um Homöopathie geht, funktioniert die öffentliche Meinungsbildung offenbar anders.

Vor einigen Wochen veröffentlichten Dr. Norbert Aust und ich eine umfangreiche Analyse der Studienlage zur Anwendung von Homöopathie bei unerfülltem Kinderwunsch sowie zur Darstellung dieser Thematik auf der Homepage der Carstens-Stiftung.

Die Carstens-Stiftung empfiehlt die homöopathische Therapie bei unerfülltem Kinderwunsch, ganz gleich welche Fruchtbarkeitsstörung vorliegt, als genauso aussichtsreich wie eine konventionelle Therapie. Nach eingehender Beschäftigung mit dem Studienmaterial waren Dr. Aust und ich zu der Ansicht gekommen, dass die Studienergebnisse in keiner Weise diese Schlussfolgerung rechtfertigen.

Unser Artikel führt eine ganze Reihe von Einwänden auf, unter anderem auch die erheblich vorsichtigere Einschätzung der Autoren der Studien selbst, zum Beispiel:

Es ist durchaus auch denkbar, dass ein Placeboeffekt vorliegt.”

Demnächst werden wir diese allgemeine Analyse noch um die ausführliche Vorstellung einer der zugrundeliegenden Arbeiten ergänzen. Auch hier hält die Autorin der Studie im Ergebnis fest:

Ob der Erfolg dieser Behandlung tatsächlich über einen Placeboeffekt hinausgeht, vergleichbar mit psychotherapeutischen Bemühungen ist oder sogar darüber hinausgeht, lässt sich anhand der vorliegenden Daten nicht klären.“

Außerdem wurde die Studie keineswegs für allgemeine Fruchtbarkeitsstörungen durchgeführt; die Autorin hielt sie nur für Frauen mit hormonellen und ideopathischen (= unspezifischen) Problemen anwendbar. In einer anderen Arbeit schreibt die Autorin über diese Gruppe von Patientinnen:

Auch durch Psychotherapie können gute Erfolge erzielt werden, diese wird jedoch von den meisten Frauen nicht akzeptiert.“

Eine allgemeine Empfehlung der Homöopathie auch bei gänzlich anderen Ursachen des unerfüllten Kinderwunsches erschien uns deshalb problematisch.

Anlass der ganzen Analyse war, dass mir bei einer Diskussion die Webseite der Carstens-Stiftung als angeblicher Beleg für die Wirksamkeit der Homöopathie verlinkt worden war. Das zeigt, in welchem Umfang sich diese viel zu positive Darstellung verbreitet, und lässt zugleich vermuten, dass es viele betroffene Frauen gibt, die dadurch zur falschen, zumindest für sie unpassenden Therapie greifen.

Gerade deshalb haben Dr. Aust und ich unseren ersten Artikel mit einem Offenen Brief an die Carstens-Stiftung abgeschlossen und diesen auch als Information an die Presse weitergegeben. Wir haben Tageszeitungen in Deutschland, der Schweiz und in Österreich kontaktiert, zusätzlich auch Spiegel, Stern, Focus, Zeit.

Die Bilanz dieser Aktion: Kein einziger Artikel erschien, um die Information an betroffene Frauen weiterzugeben.

Warum ist das so, dass die Presse sich dermaßen schwertut mit Homöopathiekritik? (Und ich stelle diese Frage auch im Hinblick auf die aktuelle Problematik in Traunstein.)

Fast schon könnte man eine Verschwörung vermuten, in der Art von „Die Medien äußern sich nicht negativ zur Homöopathie, weil sie die Lobby-Verbände und die öffentliche Meinung fürchten.“

Schließlich nahm das ZDF 2007 Joachim Bublaths Wissenschaftssendung zum Thema „Die modernen Wunderheiler“ nach Protesten von Heilpraktikern aus der Mediathek, anstatt dem renommierten Journalisten den Rücken zu stärken (heute gibt es die Sendung in drei Teilen bei youtube).

An eine allgemeine Verschwörung kann und mag ich als Skeptiker jedoch nicht so recht glauben.

Bei den Medien führt das vitale Interesse, die Leser-/Zuschauergunst nicht zu verlieren, ganz von selbst zu massiven Auswirkungen auf die Behandlung der Themen, ohne dass es dazu größerer Absprachen “hinter den Kulissen” bedarf.

Und Homöopathie gilt nun einmal als “beliebt” in der allgemeinen Bevölkerung.

Umgekehrt nämlich hatte der BR im April nicht die geringsten Probleme mit der Protestflut gegen die einseitige Berichterstattung zugunsten der Homöopathie. Mehr als ein paar schnippische und ausweichende Antworten waren die Analysen und Stellungnahmen von Homöopathie-Kritikern der verantwortlichen BR-Redaktion nicht wert. Der Beitrag ist natürlich auch weiterhin online.

Meinem Eindruck nach ist das Problem, mit dem Homöopathiekritik konfrontiert ist, ein Grundsätzliches:

Die von den Kritikern vorgebrachten Sachargumente prallen bei der Gegenseite auf entgegengehaltene moralische Werte.

Die Homöopathie hat sich in der öffentlichen Meinung erfolgreich hinter gesellschaftlichen Werten wie Pluralismus und Meinungsfreiheit sowie hinter dem unbestimmten Rechtsbegriff der “Ausgewogenheit” verschanzt.

Hinzu kommen allgemeine Vorbehalte gegenüber Wissenschaft und Fortschrift sowie ein Ideal vom vertrauenswürdigen, weil verständnisvollen und sich ausführlich Zeit nehmenden Heiler, das sich in der Homöopathie zu verwirklichen scheint.

Und weil diese Vorstellungen auch im unvoreingenommenen Berichterstatter mitschwingen, die Sachargumente jedoch nur mit größerem Aufwand versteh- und vermittelbar sind, überlegt sich offenbar auch ein Journalist lieber zweimal, ob er sich auf dieses Minenfeld begibt.

Das gilt wohl besonders, wenn – wie in unserem Fall – die Kritik von Privatpersonen geäußert wird. Zwei wissenschaftlich ausgebildete Privatpersonen zwar, aber dennoch kein Institut, kein Verband oder eine vergleichbare offiziellen Einrichtung im Hintergrund.

Dem einzelnen Journalisten wird es schwerfallen, wirklich beurteilen zu können, ob hier bloß zwei Querulanten am Werk sind. Und im Zweifelsfall lässt er die Finger von der Berichterstattung.

Vertreter der Homöopathie wiederum haben keinerlei Problem damit, die vorgebrachten Einwände einfach auszusitzen.

Machen wir es ihnen vielleicht immer noch zu leicht, nicht reagieren zu müssen?

Zum Weiterlesen:

  • Kinderwunsch, Homöopathie und die Carstens-Stiftung, Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie am 23. November 2013
  • Homöopathie bei unerfülltem Kinderwunsch, GWUP-Blog am 24. November 2013
  • Homöopathie im BR: Peinlichkeit kennt keine Grenzen, GWUP-Blog am 24. April 2013
  • Tamiflu und die Vogelgrippe-Hysterie, Skeptiker 3/2008
  • Neues von der Homöo-Akademie Traunstein, GWUP-Blog am 12. Dezember 2013
  • Hogwarts an der Spree: Steinbeis-Hochschule Berlin, Feuerwächter am 15. Dezember 2013
  • “Sei doch mal offen” für Anfänger: Ignoriere Deine Kritikfähigkeit, Chiemgau Gemseneier am 15. Dezember 2013
  • Homöo-Akademie in Traunstein, Psiram am 11. Dezember 2013




NEU: Skeptiker 2/2014

SKEPTIKER 2/2014