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Helden und schwarze Löcher: LHC-Katastrophe bei RTL

Bitte keine schwarzen Löcher. Bitte keine schwarzen Löcher. Bitte keine schwarzen Löcher …”,

kommentierte Dr. Florian Freistetter bei Astrodicticum simplex, als Anfang 2012 der Independent-Film “Reality XL” produziert wurde.

Letztendlich sollten sich die Bedenken als weitgehend gegenstandslos erweisen, denn “Reality XL” handelt zwar von einer LHC-Katastrophe am CERN, gilt aber als “geistreich” und “fesselnd” – und “der Zuschauer kommt tatsächlich ins Grübeln über letzte Fragen”, merkte Focus-Online an.

Das ist bei “Helden” anscheinend anders:

Ohne Vorwarnung schlägt am helllichten Tag ein Nachrichtensatellit in den Berliner Reichstag ein und hinterlässt ein Bild der Verwüstung. Flugzeuge stürzen vom Himmel, die Kommunikation bricht zusammen.

Die Ursache des Desasters liegt im Genfer Kernforschungszentrum, wo führende Wissenschaftler im weltgrößten Teilchenbeschleuniger den Urknall simulieren wollen und dabei ein Schwarzes Loch geschaffen haben.”

Also doch schwarze Löcher. Und Weltuntergang. Und Trallala.

Der eigenproduzierte Fernsehfilm, der am Donnerstag (3. Oktober) um 20.15 Uhr bei RTL läuft, plündert sämtliche Katastrophenszenarien, die sich um den großen Teilchenbeschleuniger des europäischen Kernforschungszentrums ranken.

Auch wenn Kritiker schon im Vorfeld vom “schlechtesten Film aller RTL-Zeiten” schreiben, könnte dem einen oder anderen das Desaster-Spektaktel vielleicht doch aufs Gemüt schlagen.

Deshalb verweisen wir nochmal auf unseren Blogpost “Der nächste Weltuntergang: Schwarze Löcher am CERN” mit zahlreichen Links.

Zum Weiterlesen:

  • Der LHC ist nicht gefährlich. Wirklich! Astrodicticum simplex am 18. August 2009
  • Der nächste Weltuntergang: Schwarze Löcher am CERN, GWUP-Blog am 6. September 2013
  • Zwei spannende Weltraumthriller im Oktober, Zauber der Sterne am 2. Oktober 2013
  • Meine Prognose: Ein Nobelpreis für das CERN (und Peter Higgs), Astrodicticum simplex am 2. Oktober 2013
  • RTL-Weltuntergangsfilm “Helden”: Die Acht-Millionen-Euro-Katastrophe, Spiegel-Online am 2. Oktober 2013
  • Kollidiert der Asteroid 2013 TV135 im Jahr 2032 mit der Erde? Astrodicticum simplex am 22. Oktober 2013

Aliens und Hirngespinste bei “Abenteuer Forschung” im ZDF

Klingt nach einer interessanten Sendung:

Heute Abend (Dienstag, 1. Oktober) um 23.25 Uhr berichtet “Abenteuer Forschung” über “Hirngespinste”:

Fünf Sinne hat der Mensch, um sich und seine Welt wahrzunehmen. Fünf Tore zur Wirklichkeit, über die wir Eindrücke und Reize aus der Umwelt aufnehmen.

Doch lassen sich unsere Sinne manchmal auch täuschen, oder können sie vielleicht sogar mehr, als wir denken? Wenn Trugbilder und Hormone uns falsche Realitäten vorgaukeln, was können wir unserem Gehirn überhaupt noch glauben? “

Es geht in der Folge mit Prof. Harald Lesch um die Themen:

  • Gibt es einen sechsten Sinn?
  • Das Spiel der Zauberer
  • Verändert der Mond seine Größe?
  • Ein Zwilling wird zum Riesen
  • Warum uns Aliens entführen können

“Hirngespinste – Wenn uns die Sinne trügen” wird am 8. und 10. Oktober wiederholt.

Zum Weiterlesen:

  • Warum Uri Geller nicht auf Ziegen starrte, GWUP-Blog am 3. März 2010
  • Studenten, die auf Trickser starren, GWUP-Blog am 4. März 2010
  • Aliens beim House-Arzt, GWUP-Blog am 13. März 2010
  • Surreales Treffen mit Aliens, GWUP-Blog am 27. Januar 2013
  • Entführt von Außerirdischen? Hoaxilla-Podcast Nr. 72 vom 15. Januar 2012
  • Zwischen Traum und Realität – Entführt von Außerirdischen, Astrodicticum Simplex am 27. August 2009
  • Entführung durch Außerirdische, GWUP-Infos
  • Andreas Hergovich: Die Wirkung von Zaubertricks auf Para-Gläubige und Skeptiker. In: Skeptiker 1/2003
  • Warum erscheint der Mond am Horizont größer? Astrodicticum simplex am 11. September 2013
  • Großer Mond, kleiner Mond: die Mondtäuschung, Astrodicticum simplex am 16. Juni 2009
  • Zehn Jahre “Turm der Sinne”, GWUP-Blog am 3. März 2013
  • Paranormal? Wenn unsere Sinne verrückt spielen, GWUP-Blog am 20. August 2013
  • Halluzinationen: Ein Interview mit Oliver Sacks, Skeptiker 3/2013
  • Turm der Sinne”-Symposium: In unserem Kopf geht es anders zu, als es uns scheint, GWUP-Blog am 14. September 2013
  • Wie wahrscheinlich ist die Existenz von Aliens? Astrodicticum simplex am 28. September 2013

Wer wird Millionär? Interview zu den Psi-Tests 2013

Das Internetradio detektor.fm mit Sitz in Leipzig hat Dr. Martin Mahner zu den diesjährigen Psi-Tests interviewt:

Gesucht sind Menschen, die über paranormale Fähigkeiten verfügen. Diese werden dann unter streng wissenschaftlichen Bedingungen getestet.

Wir haben mit Martin Mahner von der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften über die deutschen Bewerber geredet, welche Fähigkeiten diese angeblich besitzen und ob er sich vorstellen kann, dass jemand das Preisgeld von einer Million Euro gewinnen kann.”

Und hier geht’s zum Podcast.

 Zum Weiterlesen:

  • Skeptiker bieten eine Million Euro für ein Wunder, Main-Post am 9. September 2013
  • Muten mit Ruten: Die Psi-Tests 2013, GWUP-Blog am 16. August 2013
  • Psi-Tests 2013 bei Hoaxilla, GWUP-Blog am 19. August 2013
  • Interview zu den Psi-Tests: “Vorher und nachher klappt’s immer”, GWUP-Blog am 2. September 2013
  • Psi-Tests 2013 in der taz, GWUP-Blog am 14. August 2013
  • Psi-Tests in WDR 5, GWUP-Blog am 15. August 2013
  • Fakers and Innocents: The One Million Dollar Challenge and Those who Try for It, Skeptical Inquirer Vol.29.4, July/August 2005

WTC 7 und die “Truther”

Knapp drei Wochen nach dem 11. September beschäftigt sich der “Conspiracy Guy” Robert Blaskiewicz vom US-Skeptikerverband Committee for Skeptical Inquiry’s noch einmal mit dem Einsturz von WTC 7.

Anlass ist die Kampagne einer neuen “Truther”-Gruppe namens ReThink911.

ReThink911 wurde erst Anfang September 2013 gegründet und versteht sich als “global public awareness campaign”.

Diese “Wahrheitssucher”, die von Architects & Engineers for 9/11 Truth gesponsert werden, wedeln unter anderem mit einer Pressemitteilung, in der es heißt:

After seeing video footage of Building 7′s collapse, 46 % of Americans are sure or suspect it was caused by controlled demolition.”

Aber von welchem Video-Material genau ist hier die Rede?

Gezeigt wurde den Befragten ein Zusammenschnitt verschiedener Aufnahmen, die den Einsturz von WTC 7 aus vier Perspektiven zeigen:


Direktlink zum Video auf Youtube

Beweisen will ReThink911 damit, dass …

… der gesamte Gebäudekomplex in einem Teil runterkommt”,

wie es analog dazu auch einer deutschen Webseite heißt.

Der Einsturz von WTC 7 lässt sich von einer klassischen kontrollierten Gebäudesprengung nicht unterscheiden”,

munkeln daher Verschwörungstheoretiker und bestehen darauf, dass …

… die ersten zwei Sekunden des Einsturzes von Gebäude 7 mit einer freien Fallbeschleunigung begannen [...]

Die gesamte Masse des Gebäudes fiel einheitlich und in nahezu perfekter Symmetrie durch etwas hindurch, was eigentlich den Weg des größten Widerstands hätte darstellen müssen – rund 40.000 Tonnen an Bauträgerstahl. Laut dem Baustatiker Kamal Obeid bedarf dies einer zeitlich präzisen und durchgeplanten Entfernung aller entscheidenden Stahlpfeiler, was durch Bürofeuer, einen schrittweisen organischen Prozess, ganz einfach nicht erreicht werden kann.

Nur eine sorgsam durchdachte Serie aus Explosionen (oder Bränden) könnte dazu führen, dass ein Stahlträgerhochhaus in sich selbst zusammenbricht.”

 Nun ja – alles eine Frage der Perspektive.

Robert Blaskiewicz hält den “Truthern” entgegen, dass ihre “video footage” irreführend und manipulativ ist, wie man an dieser Aufnahme vom WTC-7-Einsturz erkennen kann:


Direktlink zum Video auf Youtube

Hier sieht man deutlich, dass keineswegs “der gesamte Gebäudekomplex in einem Teil runterkommt”.

Sondern das erste Anzeichen des beginnenden Einsturzes von WTC 7 ist ein Absacken des Penthouses auf der Ostseite des Gebäudes, dem das Bersten der oberen Glasfassade auf der linken Seite, ein leichter Knick in der Dachhorizontale und der rasche Einsturz des Gesamtgebäudes folgen.

Blaskiewicz geht davon aus, dass der Zusammenbruch des östlichen Penthouses die darunterliegenden Stützstrukturen noch weiter beschädigte und schwächte und die Gesamtlast des WTC 7 sich so verschob, dass der Einsturz sich dann zunächst über die eng miteinander verbundenen Säulen des Gebäudekerns fortpflanzte.

Der Kern des Gebäudes war bereits auf dem Weg nach unten, bevor die äußeren Säulen mit der Fassade mitgerissen wurden:

So, what we have is a collapse in two stages: first, the structures beneath the penthouse followed by the collapse of the rest of the building.”

Die Kettenreaktion der durch das unkontrolliert brennende Feuer stark beeinträchtigten Träger und Haltebolzen hat der Physiker Dr. Holm Hümmler hier beschrieben.

Robert Blaskiewicz vergleicht die ganze Konstruktion mit einem Strohhalm: Nimmt man einen Strohhalm in die linke Hand und schlägt mit der flachen rechten Hand gegen das untere Ende, erweist er sich als recht widerstandsfähig und knickt nicht so schnell ein.

Bringt man dem Strohhalm aber nur einen leichten Riss oder Knick bei, ist er ohne weiteres zu zerknüllen:

This effect scales up: the first part of the collapse damaged the support columns of Building 7, and when those columns failed nothing stopped a rapid global collapse.”

Und deshalb wollen wir das Thema für dieses Jahr abschließen mit der Parodie “Luke’s Change”: War die Zerstörung des Todessterns ein Insider-Job?


Direktlink zum Video auf Youtube

Zum Weiterlesen:

  • 9/11 Trutherism Back in the News, Skeptical Inquirer am 23. September 2013
  • On Debunking 9/11 Debunking
  • 11. September: Bikini-Babes und andere Truther, GWUP-Blog am 10. September 2013
  • Warum stürzte WTC 7 ein? (Teil I, II und III)
  • Verschwörungstheorien oder strukturelle Analyse: der 11. September, znet am 2. Juni 2002
  • Verschwörungstheorien um 9/11: Wahrheit und Wahn, Süddeutsche am 26. August 2011

Leuchtende Madonnen – solved

Mit einiger Sicherheit können wir mit Ockhams Rasiermesser den Fall der leuchtenden Marien-Statue von Medjugorje zum Abschluss bringen – mit einem Dank an alle Kommentatoren der vorangegangenen Artikel!


Direktlink zum Video auf Youtube

Die “Seherin” Vicka hatte gegenüber Medjugorje Today erklärt, es handele sich bei der Gipsfigur um eine Darstellung der Madonna von Lourdes, die über italienische Pilger in ihren Besitz gelangt sei.

Tatsächlich gehören Marien-Statuen, die im Dunkeln leuchten, zu den Standard-Devotionalien des französischen Wallfahrtsorts.

Bei Ebay findet sich zum Beispiel eine

Large Vintage French Art Deco Statue Virgin Mary Lourdes, Phosphorescent”.

Spezialisierte Vertreiber von religiösen Andenken bieten eine “Lourdes-Madonna” an, die …

… auch noch im Dunkeln leuchtet (die Fassung ist fluoreszierend, d.h. die Fassung lädt sich bei Licht auf und gibt das Licht im Dunkeln wieder ab, wie man es auch bei alten Weckern kennt).”

Oder eine “Figur Wundertätige Jungfrau Fluo”:

Diese Statue von der Wundertätigen Jungfrau ist aus Fluo Kunststoff, bemalt und leuchtet im Dunkeln. Die Figur ist 25 cm hoch.”

Oder auch die “Madonna of the Streets”:

Great for any family alter – available in tan and glow-in-the-dark.

Zur Not kann man auch jede x-beliebige Statue mit Phosphor zum Leuchten bringen – wie das geht, erklärt wikihow:

How to Make Glow in the Dark Paint”

In einem aktuellen Interview wurde Vicka gefragt, ob sie mit der ihr täglich erscheinenden Gottesmutter über die leuchtende Statue in ihrem ehemaligen Kinderzimmer gesprochen habe.

Ihre Antwort:

I neither asked, nor did she mention. She would tell me if it was needed.”

Es wird wohl nicht notwendig sein.

Zum Weiterlesen:

  • Medjugorje: Die Marien-Statue leuchtet wie von Ebay, GWUP-Blog am 28. September 2013
  • Marien-Statue leuchtet: neues “Wunder” in Medjugorje? GWUP-Blog am 25. September 2013
  • 30 Jahre Medjugorje Teil I: Die Vorgeschichte
  • 30 Jahre Medjugorje Teil II: Die Seher
  • 30 Jahre Medjugorje Teil III: Die Franziskaner
  • 30 Jahre Medjugorje Teil IV: Die Botschaften
  • 30 Jahre Medjugorje Teil V: Das Fazit
  • Wunder als Beweis für die Existenz Gottes, Man glaubt es nicht am 21. September 2013
  • Marias leuchtender Schein, Sächsische Zeitung am 28. September 2013

Medjugorje: Die Marien-Statue leuchtet wie von Ebay

Der Fall der leuchtenden Marien-Statue in Medjugorje wird immer kurioser.

Seltsamerweise handelt es sich bei der kleinen Gipsfigur nicht um eine Darstellung der “Gospa” von Medjugorje, sondern um eine Lourdes-Madonna:

After all, the statue of Our Lady of Lourdes was brought me by Italian pilgrims exactly thirty years ago. They brought it from Lourdes. And, behold, it was Italian pilgrims who first noticed the light on the statue of Our Lady”,

erklärt dazu die “Seherin” Vicka, in deren ehemaligem Kinderzimmer sich das Wunder abspielt.

Die kroatische Tageszeitung 24sata präsentierte daraufhin flugs eine bei Ebay ersteigerte Lourdes-Statue, die zwar etwas anders aussieht, aber das identische grüne Leuchten in der Dunkelheit erzeugt.

Hier kann man den Effekt in Großaufnahme sehen.

Das Online-Portal Medjugorje Today konterte heute mit dem Artikel

Glowing Ebay Statue Different from Vicka’s”,

was rein äußerlich stimmt, aber das vermeintliche “Phänomen” ist auffallend gleich.

Zu allem Überfluss berichtet 24sata von einer weiteren leuchtenden Lourdes-Marienstatue, die aus dem kroatischen Wallfahrtsort Marija Bistrica gemeldet wird.

Parallel dazu hat ein Zauberkünstler heute dieses Video bei Youtube eingestellt:


Direktlink zum Video auf Youtube

Es zeigt, wie eine Statue zwanglos ihre Farbe wechselt – der Trick wird allerdings nicht erklärt.

Aktualisierung: Und hier geht’s zur Auflösung des Medjugorje-”Wunders”.

Zum Weiterlesen:

  • Leuchtende Madonnen – solved, GWUP-Blog am 29. September 2013
  • Marien-Statue leuchtet: neues “Wunder” in Medjugorje? GWUP-Blog am 25. September 2013
  • Wunder als Beweis für die Existenz Gottes, Man glaubt es nicht am 21. September 2013

Focus-Titel “Heilung oder Humbug?” jetzt online

Die Focus-Titelgeschichte “Sanfte Medizin: Heilung oder Humbug?” (38/2013), über die wir hier berichtet hatten, ist jetzt online:

Auch andernorts sind wieder interessante Beiträge zum Thema erschienen:

  • My double-life as a homeopath, Edzard-Ernst-Blog am 25. September 2013
  • Wie man eine Homöopathie-Studie veröffentlicht (2), Ratio-Blog am 26. September 2013
  • “Homöopathiefreie Apotheke”: Neue Webseite gestartet, GWUP-News am 25. September 2013
  • Homöopathie bei Krebs: Psorinum – Studie von Chatterjee (2011), Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie am 24. September 2013

Der letzt genannte Artikel von Norbert Aust befasst sich mit der Homöopathie in Indien:

Dort ist sie fest in das Gesundheitssystem integriert. Daher wird dort auch heftig geforscht und es werden neue Therapien entwickelt.”

Allerdings nicht unbedingt erfolgreich.

Über einen aktuellen Fall berichtet die Times of India:

A doctor practicing homeopathy was booked by police for alleged negligence after a 24 year-old woman lost her hand due to his alleged wrong treatment.”

Das Magazin Frontline beschreibt in einer aktuellen Titelgeschichte die Gesamtproblematik der “Superstition Industry” auf dem Subkontinent.

Und apropos Focus: Gerade hat die Online-Redaktion einen ausführlichen Artikel zum Thema “Impfen” veröffentlicht:

Glaubenskrieg um Immunvorsorge”

Zum Weiterlesen:

  • Doctor booked for ‘faulty’ treatment, The Times of India am 17. September 2013
  • Homöopathische Märchen, GWUP-Blog am 21. September 2013
  • Die Ängste der Impfgegner: Impfreaktionen, Autismus, Herpes Zoster, Focus-Online am 27. September 2013

Schales Himalajasalz und die Folgen der entstörten Barcodes

Schon zu Beginn des Hypes um “Himalaja-Salz” vor etwa zehn Jahren hatten wir im Skeptiker (1/2002) darauf hingewiesen, dass nichts dran ist an dem rosafarbenen Wunderzeugs.

In der aktuellen test-Oktoberausgabe erneuert auch die Stiftung Warentest ihre Kritik, die sie erstmals in Heft 10/2002 formulierte:

Während Kunden für die Exoten bis zu 6,65 Euro pro 100 Gramm auf den Tisch legen müssen, kostet normales Speisesalz bei gleicher Menge nur vier Cent […]

Chemisch unterscheiden sich die 36 untersuchten Salze wenig voneinander. Sie bestehen zu 93 bis 99,9 Prozent aus Kochsalz. Der Rest sind überwiegend schwer lösliche Verbindungen der Elemente Kalzium und Magnesium. Manche Anbieter werben mit besonders vielen Elementen.

Im Sal de Ibiza fanden die Tester allerdings nur einen Bruchteil der angepriesenen “80 Mineralien und Spurenelemente”, auch im Kristallsalz vom Himalaja konnten demnach keine 84 Verbindungen nachgewiesen werden.”

Auch zur “Angst vor dem Barcode” hat die Stiftung Warentest sich dieser Tage geäußert. Und wartet mit einer interessanten Neuigkeit auf:

Nachdem derStandard.at reportiert hatte, dass die österreichische Firma Sonnentor “Produktverpackungen mit entstörten Barcodes” anbietet, hagelte es Leserbriefe sowie jede Menge Hohn, Spott und Kritik – unter anderem von den Science Busters und von GWUP-Vorstand Dr. Florian Aigner (wir berichteten hier).

Das hatte Folgen”,

schreibt jetzt die Stiftung Warentest:

 Seit Ende Juni druckt Sonnentor wieder den normalen Strichcode auf seine Produkte.”

Das ist zwar nicht ganz richtig, weil die Umstellung wohl einige Zeit dauern wird, aber …

… innerhalb des nächsten Jahres sollten alle Produktetiketten ohne entstörten EAN-Code ausgeliefert werden”,

lesen wir auf der Unternehmenswebseite.

Was sagt man dazu?

Rabenhorst sollte sich sich ein Beispiel daran nehmen.

Zum Weiterlesen:

  • Stiftung Warentest: Exotische Salze sind nicht besser als Haushaltssalz, Spiegel-Online am 26. September 2013
  • Speisesalz: Das Märchen vom Wundersalz, test.de am 26. September 2013
  • “Himalajasalz” bei Psiram
  • Verpackungen: Die Angst vor dem Barcode, test.de am 23. September 2013
  • Auf dem Eso-Strich, GWUP-Blog am 19. Juni 2013
  • Die Strichcode-Verschwörung: Bar jeder Vernunft, GWUP-Blog am 17. Mai 2013
  • Striche des Todes, die wilde Hilde und der Akkumulator, GWUP-Blog am 30. Mai 2013

Video für “Chemtrailioten”

Der “Bücheronkel” hat wieder ein nettes Video zum Chemtrail-Wahn veröffentlicht:


Direktlink zum Video auf Youtube

Sein Fazit:

Kant sagte: Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Von zwanghaft-dämlicher Wolkenknipserei hat er nichts gesagt.”

Auch beim Skeptical Inquirer ist ein Artikel über diese “dümmste aller Verschwörungstheorien” erschienen.

Der Wissenschaftsautor Kyle Hill beschreibt darin die reale Unmöglichkeit einer Chemtrail-Verschwörung:

If the chemtrail conspiracy were true, millions of pilots would be needed to crop dust the American population.

A typical crop duster might use seven ounces of agent diluted in seven gallons of water to cover one acre of land. Chemtrail “people dusters” would use a similar concentration to cover the entire United States, just to be safe. For 2.38 billion acres of land, the pilots would then need—for just one week of spraying—120 billion gallons of these cryptic chemicals.

That’s around the same volume as is transported in all the world’s oil tankers in one year.

And such an incredible amount of agent would need an incredible number of planes. Considering that a large air freighter like a Boeing 747 can carry around 250,000 pounds of cargo, at the very least, the government would need to schedule four million 747 flights to spread their chemicals each week — eighteen times more flights per day than in the entire USA.”

Und Florian Freistetter von Astrodicticum simplex stellt das kritische “Chemtrailhandbuch” vor, über das wir hier berichtet haben.

Zum Weiterlesen:

  • A Million Poisoning Planes, Skeptical Inquirer am 14. August 2013
  • Reichsbürger und Chemtrails, GWUP-Blog am 1. September 2013
  • Kontroverse Bücher (2): Verschwörung am Himmel – Das Chemtrailhandbuch, Astrodicticum simplex am 28. August 2013
  • Unglaubliches Phänomen: Ein skeptisches Chemtrail-Buch, GWUP-Blog am 30. Mai 2013

“Seziert”: Mark Benecke schreibt Otto-Prokop-Biografie

Den meisten Skeptikern werden die zwei Bücher

bekannt sein. Wahrscheinlich sind nicht wenige GWUP-Mitglieder auf ihrem Weg zum methodologischen Skeptizismus davon beeinflusst worden.

Zu einer Zeit, da es kritische Literatur zu parawissenschaftlichen Themen praktisch noch nicht gab, beschäftigte sich der Ostberliner Rechtsmediziner Otto Prokop bereits intensiv mit antiwissenschaftlichen Tendenzen.

Mit der Marburger Rechtsmedizinerin und GWUP-Gründungspräsidentin Irmgard Oepen brachte er 1987 das Buch “Außenseitermethoden in der Medizin” heraus.

Prokop starb 2009 im Alter von 87 Jahren.

Der langjähriger Leiter der Charité-Rechtsmedizin war eine interessante Persönlichkeit. Der gebürtige Österreicher habilitierte in Bonn im Fach Gerichtliche Medizin und ging von dort mit dem Segen seiner Kollegen in den Osten – zu einer Zeit, in der viele Ost-Mediziner in den Westen flohen.

Prokop blieb seinem Institut auch nach dem Mauerbau treu. Er hatte nur ein Privileg: Mit seinem österreichischen Pass konnte er reisen.

Doch tiefer gehende Nachforschungen über Otto Prokop gestalten sich schwierig.

Das bekam auch Dr. Mark Benecke vom GWUP-Wissenschaftsrat zu spüren:

Selbst gestandene Institutsdirektoren, bekannte Buchautoren aus unserem Fach und viele andere sonst mutige Menschen gaben mir schriftlich, dass sie sich zu Professor Prokop nicht äußern werden oder eigentlich auch gar nichts über ihn wüssten.”

Nichtsdestotrotz hat Benecke ein Buch über ihn geschrieben:

Seziert – Das Leben von Otto Prokop”

Es erscheint am 1. Oktober im Verlag Das Neue Berlin.

In der Einleitung erklärt Benecke:

So gut es zwischen einem jungen Biologen und einem strahlkräftigen Professor der alten Schule geht, war ich mit Professor Prokop befreundet.

Ich stieß auf ihn, weil ich in den 90er Jahren mit viel zu großer Anzugsjacke in Rostock bei der Tagung der Gesellschaft für Rechtsmedizin einen Vortrag über Insekten auf Leichen und kurz darauf einen über angebliche Selbstentzündung von Menschen gehalten hatte.

„Sie müssen Prokop kennenlernen“, sagten mir mehrere rechtsmedizinische Kollegen aus Ostdeutschland, „denn Sie denken wie er!“

Doch wie dachte ich? Und wie dachte er? Eines Tages sprach ich Professor Prokop an und erfuhr es.”

Und natürlich “sind auch sehr viele skeptische Themen drin”, teilt uns Mark Benecke zu der Neuerscheinung mit.

Zum Weiterlesen:




NEU: Skeptiker 1/2014

SKEPTIKER 1/2014

SkepKon 2014 in München

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