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Medjugorje: Die Marien-Statue leuchtet wie von Ebay

Der Fall der leuchtenden Marien-Statue in Medjugorje wird immer kurioser.

Seltsamerweise handelt es sich bei der kleinen Gipsfigur nicht um eine Darstellung der “Gospa” von Medjugorje, sondern um eine Lourdes-Madonna:

After all, the statue of Our Lady of Lourdes was brought me by Italian pilgrims exactly thirty years ago. They brought it from Lourdes. And, behold, it was Italian pilgrims who first noticed the light on the statue of Our Lady”,

erklärt dazu die “Seherin” Vicka, in deren ehemaligem Kinderzimmer sich das Wunder abspielt.

Die kroatische Tageszeitung 24sata präsentierte daraufhin flugs eine bei Ebay ersteigerte Lourdes-Statue, die zwar etwas anders aussieht, aber das identische grüne Leuchten in der Dunkelheit erzeugt.

Hier kann man den Effekt in Großaufnahme sehen.

Das Online-Portal Medjugorje Today konterte heute mit dem Artikel

Glowing Ebay Statue Different from Vicka’s”,

was rein äußerlich stimmt, aber das vermeintliche “Phänomen” ist auffallend gleich.

Zu allem Überfluss berichtet 24sata von einer weiteren leuchtenden Lourdes-Marienstatue, die aus dem kroatischen Wallfahrtsort Marija Bistrica gemeldet wird.

Parallel dazu hat ein Zauberkünstler heute dieses Video bei Youtube eingestellt:


Direktlink zum Video auf Youtube

Es zeigt, wie eine Statue zwanglos ihre Farbe wechselt – der Trick wird allerdings nicht erklärt.

Aktualisierung: Und hier geht’s zur Auflösung des Medjugorje-”Wunders”.

Zum Weiterlesen:

  • Leuchtende Madonnen – solved, GWUP-Blog am 29. September 2013
  • Marien-Statue leuchtet: neues “Wunder” in Medjugorje? GWUP-Blog am 25. September 2013
  • Wunder als Beweis für die Existenz Gottes, Man glaubt es nicht am 21. September 2013

Focus-Titel “Heilung oder Humbug?” jetzt online

Die Focus-Titelgeschichte “Sanfte Medizin: Heilung oder Humbug?” (38/2013), über die wir hier berichtet hatten, ist jetzt online:

Auch andernorts sind wieder interessante Beiträge zum Thema erschienen:

  • My double-life as a homeopath, Edzard-Ernst-Blog am 25. September 2013
  • Wie man eine Homöopathie-Studie veröffentlicht (2), Ratio-Blog am 26. September 2013
  • “Homöopathiefreie Apotheke”: Neue Webseite gestartet, GWUP-News am 25. September 2013
  • Homöopathie bei Krebs: Psorinum – Studie von Chatterjee (2011), Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie am 24. September 2013

Der letzt genannte Artikel von Norbert Aust befasst sich mit der Homöopathie in Indien:

Dort ist sie fest in das Gesundheitssystem integriert. Daher wird dort auch heftig geforscht und es werden neue Therapien entwickelt.”

Allerdings nicht unbedingt erfolgreich.

Über einen aktuellen Fall berichtet die Times of India:

A doctor practicing homeopathy was booked by police for alleged negligence after a 24 year-old woman lost her hand due to his alleged wrong treatment.”

Das Magazin Frontline beschreibt in einer aktuellen Titelgeschichte die Gesamtproblematik der “Superstition Industry” auf dem Subkontinent.

Und apropos Focus: Gerade hat die Online-Redaktion einen ausführlichen Artikel zum Thema “Impfen” veröffentlicht:

Glaubenskrieg um Immunvorsorge”

Zum Weiterlesen:

  • Doctor booked for ‘faulty’ treatment, The Times of India am 17. September 2013
  • Homöopathische Märchen, GWUP-Blog am 21. September 2013
  • Die Ängste der Impfgegner: Impfreaktionen, Autismus, Herpes Zoster, Focus-Online am 27. September 2013

Schales Himalajasalz und die Folgen der entstörten Barcodes

Schon zu Beginn des Hypes um “Himalaja-Salz” vor etwa zehn Jahren hatten wir im Skeptiker (1/2002) darauf hingewiesen, dass nichts dran ist an dem rosafarbenen Wunderzeugs.

In der aktuellen test-Oktoberausgabe erneuert auch die Stiftung Warentest ihre Kritik, die sie erstmals in Heft 10/2002 formulierte:

Während Kunden für die Exoten bis zu 6,65 Euro pro 100 Gramm auf den Tisch legen müssen, kostet normales Speisesalz bei gleicher Menge nur vier Cent […]

Chemisch unterscheiden sich die 36 untersuchten Salze wenig voneinander. Sie bestehen zu 93 bis 99,9 Prozent aus Kochsalz. Der Rest sind überwiegend schwer lösliche Verbindungen der Elemente Kalzium und Magnesium. Manche Anbieter werben mit besonders vielen Elementen.

Im Sal de Ibiza fanden die Tester allerdings nur einen Bruchteil der angepriesenen “80 Mineralien und Spurenelemente”, auch im Kristallsalz vom Himalaja konnten demnach keine 84 Verbindungen nachgewiesen werden.”

Auch zur “Angst vor dem Barcode” hat die Stiftung Warentest sich dieser Tage geäußert. Und wartet mit einer interessanten Neuigkeit auf:

Nachdem derStandard.at reportiert hatte, dass die österreichische Firma Sonnentor “Produktverpackungen mit entstörten Barcodes” anbietet, hagelte es Leserbriefe sowie jede Menge Hohn, Spott und Kritik – unter anderem von den Science Busters und von GWUP-Vorstand Dr. Florian Aigner (wir berichteten hier).

Das hatte Folgen”,

schreibt jetzt die Stiftung Warentest:

 Seit Ende Juni druckt Sonnentor wieder den normalen Strichcode auf seine Produkte.”

Das ist zwar nicht ganz richtig, weil die Umstellung wohl einige Zeit dauern wird, aber …

… innerhalb des nächsten Jahres sollten alle Produktetiketten ohne entstörten EAN-Code ausgeliefert werden”,

lesen wir auf der Unternehmenswebseite.

Was sagt man dazu?

Rabenhorst sollte sich sich ein Beispiel daran nehmen.

Zum Weiterlesen:

  • Stiftung Warentest: Exotische Salze sind nicht besser als Haushaltssalz, Spiegel-Online am 26. September 2013
  • Speisesalz: Das Märchen vom Wundersalz, test.de am 26. September 2013
  • “Himalajasalz” bei Psiram
  • Verpackungen: Die Angst vor dem Barcode, test.de am 23. September 2013
  • Auf dem Eso-Strich, GWUP-Blog am 19. Juni 2013
  • Die Strichcode-Verschwörung: Bar jeder Vernunft, GWUP-Blog am 17. Mai 2013
  • Striche des Todes, die wilde Hilde und der Akkumulator, GWUP-Blog am 30. Mai 2013

Video für “Chemtrailioten”

Der “Bücheronkel” hat wieder ein nettes Video zum Chemtrail-Wahn veröffentlicht:


Direktlink zum Video auf Youtube

Sein Fazit:

Kant sagte: Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Von zwanghaft-dämlicher Wolkenknipserei hat er nichts gesagt.”

Auch beim Skeptical Inquirer ist ein Artikel über diese “dümmste aller Verschwörungstheorien” erschienen.

Der Wissenschaftsautor Kyle Hill beschreibt darin die reale Unmöglichkeit einer Chemtrail-Verschwörung:

If the chemtrail conspiracy were true, millions of pilots would be needed to crop dust the American population.

A typical crop duster might use seven ounces of agent diluted in seven gallons of water to cover one acre of land. Chemtrail “people dusters” would use a similar concentration to cover the entire United States, just to be safe. For 2.38 billion acres of land, the pilots would then need—for just one week of spraying—120 billion gallons of these cryptic chemicals.

That’s around the same volume as is transported in all the world’s oil tankers in one year.

And such an incredible amount of agent would need an incredible number of planes. Considering that a large air freighter like a Boeing 747 can carry around 250,000 pounds of cargo, at the very least, the government would need to schedule four million 747 flights to spread their chemicals each week — eighteen times more flights per day than in the entire USA.”

Und Florian Freistetter von Astrodicticum simplex stellt das kritische “Chemtrailhandbuch” vor, über das wir hier berichtet haben.

Zum Weiterlesen:

  • A Million Poisoning Planes, Skeptical Inquirer am 14. August 2013
  • Reichsbürger und Chemtrails, GWUP-Blog am 1. September 2013
  • Kontroverse Bücher (2): Verschwörung am Himmel – Das Chemtrailhandbuch, Astrodicticum simplex am 28. August 2013
  • Unglaubliches Phänomen: Ein skeptisches Chemtrail-Buch, GWUP-Blog am 30. Mai 2013

“Seziert”: Mark Benecke schreibt Otto-Prokop-Biografie

Den meisten Skeptikern werden die zwei Bücher

bekannt sein. Wahrscheinlich sind nicht wenige GWUP-Mitglieder auf ihrem Weg zum methodologischen Skeptizismus davon beeinflusst worden.

Zu einer Zeit, da es kritische Literatur zu parawissenschaftlichen Themen praktisch noch nicht gab, beschäftigte sich der Ostberliner Rechtsmediziner Otto Prokop bereits intensiv mit antiwissenschaftlichen Tendenzen.

Mit der Marburger Rechtsmedizinerin und GWUP-Gründungspräsidentin Irmgard Oepen brachte er 1987 das Buch “Außenseitermethoden in der Medizin” heraus.

Prokop starb 2009 im Alter von 87 Jahren.

Der langjähriger Leiter der Charité-Rechtsmedizin war eine interessante Persönlichkeit. Der gebürtige Österreicher habilitierte in Bonn im Fach Gerichtliche Medizin und ging von dort mit dem Segen seiner Kollegen in den Osten – zu einer Zeit, in der viele Ost-Mediziner in den Westen flohen.

Prokop blieb seinem Institut auch nach dem Mauerbau treu. Er hatte nur ein Privileg: Mit seinem österreichischen Pass konnte er reisen.

Doch tiefer gehende Nachforschungen über Otto Prokop gestalten sich schwierig.

Das bekam auch Dr. Mark Benecke vom GWUP-Wissenschaftsrat zu spüren:

Selbst gestandene Institutsdirektoren, bekannte Buchautoren aus unserem Fach und viele andere sonst mutige Menschen gaben mir schriftlich, dass sie sich zu Professor Prokop nicht äußern werden oder eigentlich auch gar nichts über ihn wüssten.”

Nichtsdestotrotz hat Benecke ein Buch über ihn geschrieben:

Seziert – Das Leben von Otto Prokop”

Es erscheint am 1. Oktober im Verlag Das Neue Berlin.

In der Einleitung erklärt Benecke:

So gut es zwischen einem jungen Biologen und einem strahlkräftigen Professor der alten Schule geht, war ich mit Professor Prokop befreundet.

Ich stieß auf ihn, weil ich in den 90er Jahren mit viel zu großer Anzugsjacke in Rostock bei der Tagung der Gesellschaft für Rechtsmedizin einen Vortrag über Insekten auf Leichen und kurz darauf einen über angebliche Selbstentzündung von Menschen gehalten hatte.

„Sie müssen Prokop kennenlernen“, sagten mir mehrere rechtsmedizinische Kollegen aus Ostdeutschland, „denn Sie denken wie er!“

Doch wie dachte ich? Und wie dachte er? Eines Tages sprach ich Professor Prokop an und erfuhr es.”

Und natürlich “sind auch sehr viele skeptische Themen drin”, teilt uns Mark Benecke zu der Neuerscheinung mit.

Zum Weiterlesen:

Vortragsvideo: Tierheilpraktiker – Alles für die Katz

Über Heilpraktiker haben wir hier schon heiß diskutiert.

Allerdings gibt es – analog zur Tierhomöopathie – auch “Tierheilpraktiker”.

Darüber hat GWUP-Mitglied Denise Anton bei den Rhein-Ruhr-Skeptikern einen Vortrag gehalten:

Haustier, Heiler, Humbug”

Und darum ging’s:

Jeder Mensch ist Tierheilpraktiker. Auch Sie und ich. Zumindest dürfen wir uns so nennen, denn der Tierheilpraktiker ist kein geschützter Titel.

Schon beim Heilpraktiker für Menschen ist die Situation mitunter übel, ebenso beim Heilpraktiker für Psychotherapie.

Doch während für den Humanbereich der Gesetzgeber vorschreibt, dass der Ausübende keine Vorstrafen und einen Hauptschulabschluss haben sowie den Nachweis führen muss, keine Gefahr für die Volksgesundheit zu sein, gibt es keine Regelungen für den animalischen Bereich – ein Umstand, den der Verband der Tierheilpraktiker e.V. gerne auszublenden versucht, wenn er von einer “Ausbildung” fabuliert spricht.

Aber hey, kann nicht jeder mit seinen Tieren machen, was er will? Und was kann schon groß bei der Behandlung von Katzen und Hunden schief gehen? Brauchen nicht auch unsere Haustiere Quacksalberei eine sanfte Medizin?

Im Mittelpunkt des Vortrags steht die Frage: Wer darf was mit meinem Tier? Vorgestellt werden typische Diagnose- und Behandlungsmethoden von selbsternannten Tierheilpraktikern, außerdem wird deren wissenschaftlicher Überprüfung diskutiert.”

Die Veranstaltung findet sich jetzt auch im Youtube-Kanal der Rhein-Ruhr-Skeptiker:


Direktlink zum Video auf Youtube

Zum Weiterlesen:

Marien-Statue leuchtet: neues “Wunder” in Medjugorje?

Der angebliche “Erscheinungsort” Medjugorje hat ein weiteres Wunder.

Das deutschsprachige Informationszentrum Medjugorje berichtet:

Im Elternhaus der Seherin Vicka leuchtet seit Montag Abend, 23.09.2013, eine Muttergottes Statue.

Der Bruder der Seherin bemerkte das Leuchten im ehemaligen Zimmer von Vicka, in dem sie ihr Suehneleiden vor vielen Jahren durchlitt. Die grosse Gipsstatue strahlt von innen heraus. Im abgedunkelten Zimmer ist klar erkennbar, dass die Intensitaet des Leuchtens sich veraendert und dass ein grosser Friede von ihr ausgeht, berichten Anwesende.

Zeitweise wird das Zimmer mit dem Licht ausgefuellt, dann wiederum ist der Raum dunkel und nur die leuchtende Statue ist zu erkennen. Seit dem reisst der Pilgerstrom nicht ab. In dieses, seit Jahren frei zugaengliche Zimmer, kommen immer wieder Pilger um in besonderen Anliegen zu beten, zB. fuer Kranke.”

Auch ein Video gibt es davon:


Direktlink zum Video auf Youtube

Auffällig ist, dass die Marienstatue nur im Dunkeln “strahlt” und bei normalem Tageslicht nichts davon zu sehen ist:


Direktlink zum Video auf Youtube

Im Kommentarbereich des Atheist Media Blogs finden sich interessante Überlegungen dazu:

  • Es gibt Fluoreszenz-Sprühfarbe zu kaufen, etwa hier oder hier.
  • Gips gehört zu den fluoreszierenden Mineralien, die “unter dem Einfluss von natürlichem Licht die gespeicherte Energie wieder als Licht-Fluoreszenz abgeben”.
  • Denkbar sei auch ein Biofilm-Befall: “Bakterien produzieren während der Umsetzung von Nährstoffen auch schon mal einen solchen Effekt.”

Die “Seherin” Vicka war erst Ende August von der Webseite Christliches Forum für ihr primadonnenhaftes Auftreten heftig kritisiert worden,

… als ob sie Lady Di höchstselbst wäre”:


Direktlink zum Video auf Youtube

Das “eigentliche und einzige Wunder” von Medjugorje sei, dass …

… ihr überhaupt noch jemand ernsthaft zuhört”.

Aktualisierung: Und hier geht’s zur Auflösung des Medjugorje-”Wunders”.

Zum Weiterlesen:

  • Leuchtende Madonnen – solved, GWUP-Blog am 29. September 2013
  • Medjugorje: Die Marien-Statue leuchtet wie von Ebay, GWUP-Blog am 28. September 2013
  • 30 Jahre Medjugorje Teil I: Die Vorgeschichte
  • 30 Jahre Medjugorje Teil II: Die Seher
  • 30 Jahre Medjugorje Teil III: Die Franziskaner
  • 30 Jahre Medjugorje Teil IV: Die Botschaften
  • 30 Jahre Medjugorje Teil V: Das Fazit
  • Kardinal Schönborn, Medjugorje und die Sonnenwunder, GWUP-Blog am 9. Dezember 2009
  • Die “guten Früchte” von Medjugorje, GWUP-Blog am 2. Januar 2010
  • Wie übernatürlich ist Medjugorje? GWUP-Blog am 10. Januar 2010
  • Nichts Negatives in Medjugorje? GWUP-Blog am 7. September 2012
  • Wunder als Beweis für die Existenz Gottes, Man glaubt es nicht am 21. September 2013

“Science Busters” erklären die Physik des Oktoberfests

Seit dem vergangenen Wochenende ist das Münchner Oktoberfest in vollem Gang.

Der “dankbare Araber” wurde noch nicht gesichtet – dafür begegnen uns auch auf der Wiesn an allen Ecken und Enden naturwissenschaftliche Gesetzmäßigkeiten.

Die Science Busters haben eine ganze Show zu diesem Thema gemacht:

O´zapft is – Die Physik des Oktoberfests”

Es geht dabei um Fragen wie

  • Wie schaut eine Nahtoderfahrung für ein Grillhendl aus?
  • Kann man mit Schnupftabak eine Unwetterwarnung auslösen?
  • Und wo gibt’s im Weltall Freibier?

Ein Mitschnitt aus dem Wiener Rabenhof-Theater:


Direktlink zum Video auf Youtube


Direktlink zum Video auf Youtube

Live-haftig waren die Science Busters natürlich auch schon auf dem Oktoberfest, und zwar fürs Bayerische Fernsehen:


Direktlink zum Video auf Youtube

Zum Weiterlesen:

  • Esoterik-Kritik als massentaugliches Edutainment: Interview mit den “Science Busters”, Skeptiker 4/2010
  • Dankbarer Araber: Terror-Fake zur Wiesn, GWUP-Blog am 28. September 2009
  • Oktoberfest-Mythos: der “dankbare Araber”, GWUP-Blog am 17. September 2010
  • Alle Jahre wieder: die Wiesn-Mär vom Araber, GWUP-Blog am 24. September 2011
  • Österreichischer Kabarettpreis für die “Science Busters”, GWUP-Blog am 23. August 2013
  • Rettet die Science Busters! Offener Brief an den ORF, GWUP-Blog am 14. Juli 2013

Alien-Kieselalgen: It Came from Outer Space?

Bild brachte es heute balkendick auf der Titelseite:

Leben im All entdeckt!

Aber auch Focus und andere Online-Portale berichten über die Entdeckung von Mikroorganismen in der Erdatmosphäre:


Direktlink zum Video auf Youtube

Was ist dran an dieser “Wissenschafts-Sensation” und dem “ersten Beweis für fremdes Leben im All” (Blick)?

Bei Licht betrachtet wenig.

Der Sachverhalt an sich ist völlig unspektakulär und hat nichts mit Alien-Raumschiffen und “Besuchern” zu tun:

Man hat einen Ballon in die Stratosphäre (ungefähr 22 bis 27 Kilometer über dem Erdboden) geschickt und dort Luftproben genommen. Darin wollen Wainwright und seine Kollegen Kieselalgen entdeckt haben. Diese Lebewesen sollen ihrer Meinung nach aus dem Weltall stammen”,

erklärt Dr. Florian Freistetter bei Astrodicticum simplex.

Genau gesagt ist der Molekularbiologe Milton Wainwright von der Universität Sheffield zu “95 Prozent” sicher, dass die Kieselalgen nicht von der Erde kommen.

Das kann sein – aber die Belege dafür gehen anscheinend gegen Null.

Sowohl Freistetter als auch der US-Astronom Phil Plait vom Science-Blog Bad Astronomy haben gestern und heute Beiträge dazu publiziert.

Das Fazit von Astrodicticum simplex:

Wainwright und seine Kollegen haben also in der Stratosphäre etwas gefunden, was Kieselalgen sein könnten. Kieselalgen, die genau so aussehen wie die, die man überall auf der Erde findet.

Die Behauptung, dass es keinen Mechanismus gibt, der diese Objekte vom Erdboden in die Stratosphäre bringen kann, wurde nicht ausreichend belegt. Die Schlussfolgerung, es müsse sich um außerirdisches Leben handeln, ist unzulässig.

Hinzu kommt die wenig vertrauenserweckende Tatsache, dass die gleichen Forscher auch in der Vergangenheit schon ähnlich sensationelle Behauptungen mit zweifelhaften Belegen in genau der gleichen zweifelhaften Zeitschrift veröffentlicht haben.”

Zum Weiterlesen:

  • Leben im All entdeckt? Nein! Astrodicticum simplex am 21. September 2013
  • Has Alien Life Been Found In Earth’s Atmosphere? I’m Gonna Go With “No”, Bad Astronomy am 20. September 2013
  • Evidence of Extraterrestrial Life found in Earth’s Atmosphere — Challenged! The Daily Galaxy am 21. September 2013 

Homöopathische Märchen

Natürlich fallen uns zum Stichwort “Homöopathie und Märchen” eine Reihe von Themen ein.

Den Kurs “Homöopathie und Märchen für Frauen” des Evangelischen Bildungszentrums Hesselberg könnte man dagegen für einen Faschingsscherz halten, findet die Veranstaltung doch am 11.11.2013 statt.

Und schon gar, wenn man die Beschreibung liest:

Märchen auch homöopathisch aufbereitet –öffnen einen Blick auf die weibliche Seele und aktivieren in uns wohnende Kräfte.”

Es ist aber keiner.

Nun ist einerseits die Evangelische Kirche auch jenseits des unsäglichen Herrn Fliege für ihre Esoterik-Affinität wohlbekannt.

Und es entbehrt zumindest nicht einer gewissen Folgerichtigkeit, “Homöopathie” und “Märchen” einfach im Doppelpack anzubieten, um erst gar nicht den Eindruck entstehen zu lassen, man hätte es – Gott bewahre! – mit einem seriösen Kursangebot zu tun.

Andererseits sind die Programmverantwortlichen vom EBZ Hesselberg nicht die Einzigen, die “Homöopathie” und “Märchen” zu einem veritablen Schwafelunfug potenzieren:

Für die Homöopathie haben Märchen eine große Aussagekraft”,

schreibt vollkommen ironiefrei eine Berliner Heilpraktikerin auf ihrer Webseite.

Nun ja, das wissen wir – und wird immer dann offenkundig, wenn Homöopathen anfangen, von “Studien” zu salbadern und damit meistens Anekdoten meinen.

Aber das ist gar nicht das Ding, sondern es geht um “homöopathische Märcheninterpretationen”, zum Beispiel von “Dornröschen”, der nur Conium maculatum helfen könne, wie eine homöopathische Ärztin akribisch herausgearbeitet hat.

Schön wär’s, wenn Homöopathen sich ausschließlich solchen fiktiven Persönlichkeiten zuwenden und von echten Patienten die Finger lassen würden.

Immerhin aber sind viele Medien offenbar nicht mehr bereit, die homöopathischen Märchen endlos weiterzuerzählen.

Nach dem klasse Beitrag bei Greifswald TV und der aktuellen Focus-Titelgeschichte schlägt sogar – man mag es kaum glauben – Baby und Familie moderate Töne an.

Baby und Familie ist ein Ableger der berüchtigten Apotheken Umschau und liegt kostenlos beim Apotheker aus.

Der September-Titel heißt “Was kann sanfte Medizin?” und umreißt die Studienlage zur Homöopathie so:

Die Wirksamkeit von homöopathischen Zubereitungen ist sehr umstritten. Bislang gibt es wenige gute Studien. Prof. Dr. med. Stefan Willich und Prof. Dr. med. Claudia Witt vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charite in Berlin fassen den aktuellen Forschungsstand in einem Informationsblatt so zusammen:

Bislang sei nicht eindeutig belegt, dass sich homöopathische Arzneimittel von Placebo unterscheiden.”

Im Text selbst wird zwar das Märchen von der “Information, vergleichbar mit einem Datenträger” wiedergekäut.

Dafür gibt’s einige kritische Worte zum “heutigen Umgang mit Homöopathie”:

Jedes Wehwehchen mit einer homöopathischen Arznei zu behandeln, sei unnötig. Einerseits erwecke man dadurch bei Kindern den Eindruck, jede Befindlichkeitsstörung und jedes Symptömchen mit einer Arznei kurieren zu müssen, andererseits werden falsche Abhängigkeiten bei Eltern und Patienten erzeugt.”

Allein diese Passage führt die Mär von der “sanften Medizin” (angeblich vollkommen harmlos und daher gerade für Kinder geeignet) treffend ad absurdum.

Und deshalb spendieren wir allen homöopathischen Märchenerzählern einen guten Rat:

Wenn (wie wir der Zeitschrift Homöopathische Einblicke zum Thema “Märchen und Homöopathie” entnehmen) das Homöopathikum Silicea als “schüchternes Arzneimittel” mal wieder ängstlich fragt:

Soll ich wirklich ins Leben gehen? Soll ich es wagen? Soll ich mich trauen angesichts der Untiefen, die die menschliche Existenz kennzeichnen?”

Dann antworten Sie ihm einfach “nein”.

Und schreiben Sie was Wirksames auf.

 Zum Weiterlesen:

  • Die Homöoapthie-CD hat einen Sprung, GWUP-Blog am 19. Juli 2011
  • Homöopathie ist Irrtum, Psiram am 7. April 2013
  • Hat Recht, wer heilt? GWUP-Blog am 2. August 2013
  • Homöopathie und Co.: “Bei mir wirkt es aber …”, GWUP-Blog am 18. Februar 2012
  • Was hat die GWUP gegen Homöopathie? Teil I, GWUP-Blog am 1. Februar 2011
  • “Die Homöopathie-Lüge” – ein Interview (Teil 1), GWUP-Blog am 23. Dezember 2012
  • Warum Homöopathie zu wirken scheint, GWUP-Blog am 9. Oktober 2011
  • Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem der Fliege kroch, Psiram am 28. September 2012
  • Praktikum in der Eso-Apotheke, Teil 1: Schwanger werden mit Fledermauskot, Cloudpharming am 3. August 2013
  • What is (and what isn’t) clinical evidence, and why is the distinction important? Edzard-Ernst-Blog am 5. November 2012
  • An alle “Homöopathie-Gläubigen”, Nachdenken … bitte am 23. November 2012




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