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Skeptiker-Interview mit der Comic-Bloggerin Nadja Hermann: „Erzähl mir nix!“

In der aktuellen Heilpraktiker-Debatte hat irgendjemand einen drei Jahre alten Spiegel-Online-Artikel über “Deutschlands schwierigste Abschlusstests” herausgekramt, zu denen auch die Heilpraktiker-Prüfung gehören soll.

Darüber gab es denn auch lebhafte Diskussionen, unter anderem bei Wissenschaft & Skeptizismus und Misharrrgh, der Facebook-Seite von Misha Anouk:

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Mittendrin tauchte auch ein Comic von erzaehlmirnix auf:

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 Wer aber verbirgt sich hinter den kleinen Strichmännchen?

Es ist die promovierte Verhaltenstherapeutin Dr. Nadja Hermann. Im neuen Skeptiker (3/2016) gibt es ein Interview mit der Comic-Bloggerin.

Ein Auszug:

Bei Diskussionen in den sozialen Medien mit Impfgegnern, Verschwörungstheoretikern oder Homöopathie-Fans posten Skeptiker häufig Comicstrips von Ihnen, die sehr treffend die argumentative Situation auf den Punkt bringen und im konkreten Zusammenhang wie gerufen kommen. Deckt sich das mit Ihrer eigenen Intention – Argumentationshilfen zu geben?

Nadja Hermann: Für mich ist es eigentlich eher Psychohygiene. Wenn ein unlogisches Argument sich für einen guten Comic eignet, ist mir erst mal egal, um welches Thema es geht. Meine kleinen Geschichten drehen sich ja auch um Rechtspopulismus, psychische Erkrankungen, Politik oder Veganismus.

Die konkrete Problematik ist nicht so wichtig, es kommt eher auf die Argumentationsstruktur an. Manchmal mache ich auch Witze auf meine Kosten, wenn ich eine Sache zwar gut finde, aber zugeben muss, dass ein Argument dafür einfach doof ist.”

Sie lassen sich mithin von guten Gegenargumenten überzeugen. Und Ihre Leser beziehungsweise Leute, die mit Ihren Comics konfrontiert werden?

Ich gehe nicht mit der Erwartung ran, irgendwen von einer bestimmten Haltung zu überzeugen. Es überrascht mich jedes Mal, wie oft dann doch Leute sagen, dass sie über ein Argument nachgedacht oder sogar ihre Meinung zu einem Thema geändert hätten.”

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Könnte das generell ein Mittel für den Umgang mit Glaubenskriegern und Verschwörungstheoretikern im Netz sein: Humor plus den Spiegel vorhalten?

Ich glaube nicht, dass es erfolgversprechend ist, mit Verschwörungstheoretikern in Kommentarspalten zu diskutieren. Erfahrungsgemäß kommt Humor in der direkten Interaktion auch nicht gut an, was völlig verständlich ist, weil die Leute ohnehin permanent das Gefühl haben, zu wenig ernst genommen zu werden. Genau das ist ja das Problem, das sie wahrnehmen. Insofern bestärkt jeder Versuch, dem mit Humor zu begegnen, sie nur in dieser Wahrnehmung.”

Im Kern geht es in Ihren Geschichten um die charakteristische Wortwahl und Rhetorik antiwissenschaftlicher Rechtfertigung – die könnte man aber den Leuten doch vorhalten.

 Wenn ich ernsthaft mit einem Verschwörungstheoretiker reden würde, würde ich wohl gar nicht argumentieren, sondern mehr nachfragen und Gedankengänge zu Ende führen lassen. Also nein, ich glaube, meine Comics wären keine gute Gesprächsvorlage, wenn man ernsthaft irgendwen überzeugen will. Dafür sind sie zu schnippisch. Eine Überzeugung kann man nur ändern, wenn man das selbst will, und je mehr man Demütigung oder Gesichtsverlust fürchten muss, desto geringer ist die Bereitschaft dazu.”

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Als Gesprächsvorlage würden Sie die Erzaehlmirnix-Strips also nicht empfehlen. Und als Posting bei Kommentarschlachten?

 Wie gesagt, ich schreibe meine Comics so gut wie nie mit einem Gläschen Rotwein und klassischer Musik im Hintergrund, während ich denke: „Oh, hoffentlich werden diese wohlformulierten Panels während einer gesitteten Debatte in positiver Atmosphäre gepostet, um so viele Leute wie möglich von meiner wahrsten aller Meinungen zu überzeugen.“

Ich denke, wenn jemand durch eines meiner Comics seine Meinung ändert, dann aus eigener Initiative, weil er vielleicht generell etwas mit den Zeichnungen und dem Stil anfangen kann und dann beim Lesen eines Comics, das eine Gegenposition zu seiner Überzeugung vertritt, bereit ist, darüber nachzudenken, ob er etwas mit diesem Argument anfangen kann.

Aber ich denke, das geschieht fast immer in Ruhe und weil die Person selbst gerade Lust hat, sich damit zu beschäftigen, und nicht im Rahmen einer Diskussion oder wenn jemand einen Comic mit der Anmerkung „Siehste! Denk mal drüber nach (Vollidiot!)“ postet.”

Erzaehlmirnix-Comics finden sich neben dem gleichnamigen Blog auch bei Facebook und Twitter.

Darüber hinaus bloggt Nadja Hermann zum Thema Fettlogik überwinden. Sie hat die Bücher “Erzähl mir nix” (Heyne, 2016) sowie “Fettlogik überwinden” (Ullstein, 2016) geschrieben.

Das vollständige Interview ist im Skeptiker 3/2016 erschienen. Den Skeptiker gibt es in unserem Online-Shop, das epaper sowie einzelne Artikel bei United Kiosk.

Kranke Kassen und Globuli: „Kunden, die Homöopathie nutzen, finden sie gut”

Passende Ergänzung zur Krankenkassen-Debatte:

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Die Viactiv ist einer der teuersten gesetzlichen Krankenkassen Deutschlands (zeitweise die teuerste) mit einem Beitragssatz von über 16%. Da sollte man annehmen, dass die Kasse vielleicht versucht, zu sparen, wo es geht (Nachtrag: macht sie ja vielleicht), um wieder attraktiver für Kunden zu werden, die vor allem auf den Preis schauen, was bei einem annähernd gleichen Angebot gesetzlicher Krankenkassen für viele Menschen das Hauptkriterium ihrer Wahl ist.

Doch Viactiv versucht es (auch) auf eine andere Weise. In ihrem Mitgliedermagazin preist sie auf zwei Seiten Homöopathie an [...]“

Zum Weiterlesen:

  • Wie die Viactiv-Krankenkasse ihren Mitgliedern Homöopathie schmackhaft macht (Nachtrag 17.9.), Plazeboalarm am 16. September 2016
  • Die Krankenkassen und die Paramed… äh, Alternativmedizin (1) – Wo kommt das her und wie wird man das los? Psiram am 4. November 2014
  • Die Krankenkassen und die Paramed… äh, Alternativmedizin (2) – Wo kommt das her und wie wird man das los? Psiram am 4. November 2014
  • Selbstversuch: Gibt es eine Krankenkasse ohne Nonsens-Zusatzleistungen? GWUP-Blog am 10. September 2016
  • Umfrage-Sensation: 87 Prozent der Homöopathie-Fans finden Homöopathie gut, GWUP-Blog am 14. September 2014
  • Wenn schon daneben, dann ganzheitlich, Gesundheits-Check am 16. September 2016

Skeptiker-Interview: Freie Energie? Alles ist relativ? Fragen Sie erst mal einen Physiker

 Mit einem Einstein-”Widerleger” fing es an.

Immer wieder wurde die Physikerin Dr. Sabine Hossenfelder vom Frankfurt Institute for Advanced Studies von Laien mit sehr speziellen Ansichten und Fragen zu ihrem Fachgebiet konfrontiert. Zwischen zwei Jobs rief sie den kostenpflichtigen Service „Talk To A Physicist“ ins Leben.

Im aktuellen Skeptiker (3/2016) gibt es ein Interview mit ihr.

Ein Auszug:

Beim Zentrum für Wissenschaft und kritisches Denken der GWUP gehen regelmäßig mathematisch-physikalische Gottesbeweise, Einstein-Widerlegungen, Perpetuum-Mobile-Bauanleitungen oder Freie-Energie-Geschäftsmodelle ein. Künftig werden wir die Autoren solcher Thesen an Ihren Service „Talk To A Physicist“ verweisen. Wie gehen Sie mit den Anrufern beziehungsweise Skypern und deren Anliegen um?

Hossenfelder: Das ist ganz unterschiedlich. Wir hören den Leuten einfach zu und versuchen herauszufinden, wo das Problem ist. In den meisten Fällen stellt sich heraus, dass unsere Klienten der Fachliteratur nicht folgen können, weil diese sehr mathelastig ist. Ohne Mathematik kann man Physik aber nicht verstehen – und selbst daran arbeiten schon gar nicht.

Wir erklären dann, was die relevanten mathematischen Konzepte sind, die man lernen muss, um über Einsteins Theorien oder Vakuumenergie oder statistische Mechanik überhaupt reden zu können. Wir geben Empfehlungen, wo man sich einlesen kann oder welche Online-Vorträge nützlich sind, damit die Leute ihre Ideen selbst verbessern können.”

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Es handelt sich also nicht bloß um Phantastereien, sondern um nachvollziehbare Ideen und sinnvolle Fragen dazu?

 Ja, es ist in der Regel nicht so, dass das einfach falsch ist, was die Anrufer sich da ausgedacht haben. Wenn das so einfach wäre, würden die meisten wohl selbst draufkommen. Häufig sind es Ideen, die in ähnlicher Form schon mal in der Physik diskutiert und dann – aus guten Gründen – verworfen wurden.

So, wie Literaturreferenzen und Lehrbücher heute aufgebaut sind, lernt man sehr wenig über die Gründe, warum manche Ideen eben nicht funktionieren, also entweder logisch inkonsistent sind oder Beobachtungen widersprechen. Das ist die Lücke, die wir füllen.”

Ein Lieblingsthema von physikbegeisterten Laien scheint die Relativitätstheorie zu sein.

Viele Leute wissen nicht, wie man eigentlich die Spezielle Relativitätstheorie testet. Daher ist ihnen auch nicht klar, wie schwierig es ist, an dieser Theorie etwas zu ändern, ohne in Konflikt mit Beobachtungen zu kommen.

Aus der Teilchenphysik zum Beispiel kennen wir sehr viele Hochpräzisionsmessungen, die Abweichungen von der Speziellen Relativitätstheorie ausschließen. Ähnliches gilt auch für die Quantenmechanik, Quantenfeldtheorie, Gravitation und so weiter. Man kann diese Theorien nicht einfach so ändern, dann passen sie hinten und vorne nicht mehr mit Beobachtungen zusammen.

Aber diese Zusammenhänge lernen Physiker erst im Laufe ihrer langjährigen Ausbildung – die unsere Klienten nicht haben.”

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 Gerade was Einstein und die Relativitätstheorie angeht: In diesem Bereich tummeln sich eine Menge Verschwörungstheoretiker, die uns Skeptiker davon überzeugen wollen, dass das alles kompletter Nonsens wäre. Haben Sie damit auch zu tun?

Verschwörungstheoretiker gibt es gelegentlich. Das sind die, die meinen, dass der wissenschaftliche „Mainstream“ ihre genialen Ideen zensiert. E-Mails dieser Art bekomme ich schon einige. Aber die Verfasser rufen nicht bei uns an, denn natürlich denken die, dass wir eigentlich ihnen Geld zahlen müssten, um etwas zu lernen. Ich glaube, solchen Leuten kann nur noch Psychotherapie helfen, nicht Physik.

Wer sich bei uns meldet, ist wirklich daran interessiert, seine Theorien zu verbessern und so weit zu entwickeln, dass sie für Wissenschaftler interessant werden könnten.”

Sabine Hossenfelder bloggt bei backreaction. Über ihre Erfahrungen mit “Talk To A Physicist” hat sie im Aeon-Magazin geschrieben.

Das vollständige Interview ist im Skeptiker 3/2016 erschienen. Den Skeptiker gibt es in unserem Online-Shop, das epaper sowie einzelne Artikel bei United Kiosk.

Zum Weiterlesen:

  • What I learned as a hired consultant to autodidact physicists, Aeon am 11. August 2016
  • Dumm wie Ein-Stein? GWUP-Blog am 29. Juli 2012
  • SkepKon-Video: “Freie Energie” mit Dr. Norbert Aust, GWUP-Blog am 7. August 2016

Buchtipp: „Die Fake-Jäger“

Der Deutschlandfunk berichtet über erste Versuche, das “Fact-Checking” zu automatisieren.

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Bis solche Techniken ausgereift sind, wird das Motto “Zuerst denken – dann klicken” der gleichnamigen Webseite (plus Facebook-Präsenz) nichts von seinem nüchternen Pragmatismus verlieren.

Die ZDDK-Masterminds Tom Wannenmacher und Andre Wolf haben jetzt das Buch

Die Fake-Jäger – Wie Gerüchte im Internet entstehen und wie man sich schützen kann”

über ihre Arbeit veröffentlicht:

Stimmt es, dass Facebook für jeden Share eines Bildes Geld für die Behandlung eines kranken Kindes zahlt? Oder dass die Organmafia Kinder in weiße Bullis zieht und entführt?

Sind die Kondensstreifen am Himmel in Wahrheit Chemtrails, also Chemikalien, die uns im Auftrag einer Regierung vergiften sollen? Und kann ich den neuen Facebook-AGB widersprechen, indem ich eine Bockwurst auf Facebook poste?

Solche und ähnliche Meldungen verbreiten sich in den sozialen Netzwerken oftmals wie Lauffeuer und werden tausendfach geteilt. Aber sind sie fake oder wirklich wahr?

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Der Verein Zuerst denken, dann klicken ist die internationale Koordinationsstelle zur Bekämpfung von Internetmissbrauch und zentrale Anlaufstelle für Internet-User, die verdächtige Internetinhalte melden möchten. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, Meldungen auf Facebook nachzugehen und Internet-Fakes aufzudecken. Selbst die Bundesregierung und die Polizei weisen auf ihren sozialen Netzwerken immer wieder auf ihre Artikel und Recherchen hin.

In ihrem Buch veröffentlichen die Betreiber Tom Wannenmacher und Andre Wolf ihre skurrilsten Fälle und zeigen, wie man selbst zum Fake-Jäger wird.”

Zum Weiterlesen:

  • Fakes erkennen, Fotos überprüfen, Quellen beurteilen: Tipps von Mimikama, GWUP-Blog am 18. August 2016
  • Zuerst denken, dann klicken: die Fake-Jäger, GeschichtenAgentin am 11. September 2016
  • Was tun gegen die Macht der gefälschten Nachrichten? Welt-Online am 7. September 2016
  • Mimikama-Gründer bringen Buch über Fakes auf Social Media, futurezone am 8. August 2016
  • Tom Wannemacher/Andre Wolf: Die Fake-Jäger – Wie Gerüchte im Internet entstehen und wie man sich schützen kann. Komplett-Media 2016, 18 Euro

„Grassierender Humbug“: Homöopathie im Laborjournal – und sogar im „Economist“

Das neue Laborjournal ist heute erschienen – mit einem feinen Rant gegen Homöopathie und das Heilpraktiker-Unwesen im Editorial.

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Ein Auszug:

Angesichts der Tatsache, dass das homöopathische Behandlungskonzept seit mehr als 200 Jahren jeden Nachweis seiner Wirksamkeit schuldig geblieben ist, war es allerhöchste Zeit, dass sich in Esoterik-Deutschland eine Stimme der Vernunft erhob.

Sie gehört dem der breiten Öffentlichkeit unbekannten Juristen und Verwaltungsdienstler Josef Hecken. Dieser ist seit dem 1. Juli 2012 Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), dem höchsten Organ im deutschen Gesundheitswesen.

Nun gibt es diesen famosen Bundesausschuss bereits seit 2004 und da fragt man sich schon, was dieser eigentlich die letzten zwölf Jahre gemacht hat, angesichts der steigenden Dominanz parawissenschaftlichen Unsinns im Angebotskatalog deutscher Krankenkassen.”

Sogar die britische Wochenzeitschrift The Economist verfolgt die Homöopathie-Debatte in Deutschland.

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Nobody denies that some people are sincerely convinced they benefit from homeopathy. This is thanks to the placebo effect – the more one believes, the bigger the effect.

But no respectable scientific study has ever shown anything beyond that.

That is why a group of German professors and doctors, including Mr Schmacke, met in Freiburg earlier this year to issue a declaration. Homeopathy is „a stubbornly surviving belief system“, they argue, which „cannot explain itself“ and relies on „self-deception“ by patients and therapists.”

Zum Weiterlesen:

  • Forschung in der Homöopathie: Pseudowissenschaft für Pseudomedizin, Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie am 13. September 2016
  • Hecken im DAZ-online-Interview: Homöopathie-Studien sollten unabhängig überprüft werden, GWUP-Blog am 9. September 2016
  • Die Krankenkassen und die Paramed… äh, Alternativmedizin (1) – Wo kommt das her und wie wird man das los? Psiram am 4. November 2014
  • Die Krankenkassen und die Paramed… äh, Alternativmedizin (2) – Wo kommt das her und wie wird man das los? Psiram am 4. November 2014
  • Homeopathy in Germany: Not a molecule of sense, The Economist am 10. September 2016
  • Wohin führt die aktuelle Homöopathie-Debatte? Gesundheits-Check am 12. September 2016

GWUP bei web.de: Blut und Tränen – weinende Ikonen

Web.de schreibt über blutende und weinende Statuen.

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Input gab’s auch von den Skeptikern:

Die katholische Kirche hält sich bei der Anerkennung der weinenden Madonnen als Wunder zurück, oder äußert sich nur sehr vage und meist eher spät.

“Dieses Deutungsvakuum können die Gläubigen so füllen, wie sie es für richtig halten und nicht die Schriftgelehrten”, erläutert Harder. “Und für die ‘einfachen’ Marienanhänger ohne theologische Ausbildung ist die Vorstellung völlig nachvollziehbar, ja sogar zwingend, dass ‘ihre’ Schutzpatronin in das Weltgeschehen sichtbar eingreift, als ‘Mutter’ Sorgen äußert beziehungsweise sogar sichtbare Zeichen von Traurigkeit über den Zustand der Welt zeigt.”

Dr. Martin Mahner, ebenfalls Experte beim Gwup, fügt hinzu: “Freilich würden weinende Madonnen, so sie echt wären, noch nicht die Existenz des Übernatürlichen beweisen, denn man könnte das nicht unterscheiden vom Wirken humorvoller Außerirdischer, die uns verarschen wollen. Es müsste also viel mehr passieren, bevor das tatsächlich so etwas wie ein Gottesbeweis wäre.”

Zum Weiterlesen:

  • Weinende Ikonen – warum Marienstatuen Blut und Tränen absondern, web.de am 14. September 2016
  • Bernd Harder: Wenn Heilige weinen, Telepolis am 25. Dezember 2005
  • Blutstränen und Spontane Selbstentzündung: Das neue Buch von Dr. Mark Benecke, GWUP-Blog am 10. September 2016

Buchtipp: „Wissenschaftlich erwiesen – Gütesiegel oder Etikettenschwindel?”

Klingt interessant, die Neuerscheinung

Wissenschaftlich erwiesen – Gütesiegel oder Etikettenschwindel?”

von sciencesofa-Autor Florian Fisch.

Der Inhalt:

1 – Die Wahrheit gefällig?
Während die einen darüber debattieren, ob es überhaupt so etwas wie eine Wahrheit gibt, beginnen andere wegen jeder kleinen Studie eine neue Diät. Das Halbwissen über den Gesundheitswert von Rotwein offenbart die menschlichen Schwächen bei Experten und Laien gleichermaßen.

2 – Gefährliche Zweifler
Der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki glaubte nicht, dass AIDS durch HIV ausgelöst wird. Er stoppte die staatliche Abgabe von Medikamenten an Schwangere Frauen und nahm damit die Neuansteckung 30.000 Neugeborener in Kauf.

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3 – Erzwungene Einigkeit
In Stalins Sowjetunion galt die Genetik als bürgerliche Abart der Wissenschaft und wurde verboten. Abweichende Wissenschaftler wurden verfolgt, die Sowjetunion musste Nahrungsmittel importieren und legte damit die Basis für ihren eigenen Untergang.

4 – INTERVIEW mit Karin Knorr-Cetina
“Wahrscheinlichkeiten sollten uns zum Handeln bewegen”
Naturwissenschaften sind wichtig und sollten in Schule und Medien ein höheres Gewicht erhalten, sagt die Wissenschaftssoziologin Karin Knorr-Cetina. Dabei darf nicht vergessen werden, wie alltäglich Fehler in der Naturwissenschaft sind und dass kein Resultat absolut sicher ist.

5 – Versteckter Glaube
Mit der Evolutionstheorie wurde vor über 150 Jahren der Grundstein für die moderne Biologie gelegt. Trotzdem glauben viele Menschen weiterhin an den Mythos der Erschaffung des Menschen in sechs Tagen. Unser Weltbild steht der freien Sicht auf die Fakten oft im Wege.

6 – Vom Reiz des Abweichens
Impfprogramme sind seit ihrer Erfindung umstritten. Trotz erdrückender Belege ihres Nutzens, finden und fanden sich immer wieder lautstarke Gegner: alternative Mediziner und die Gegner staatlicher Vorschriften.

7 – Wissenschaftliche Ameisen
Das Leben von Patienten hängt am guten Informationsstand der Ärzte. Die Wissenschaftler der Cochrane Collaboration arbeiten hart, um das vorhandene Wissen zusammenzutragen und neu zu beurteilen. Dabei stoßen sie oft auf Widerstand.

8 – INTERVIEW mit Gerd Antes
“Jeder duckt sich weg und zeigt auf den Nachbarn”
Die Wirksamkeit vieler medizinischer Interventionen ist nach wie vor nicht belegt, sagt der Methodenwissenschaftler Gerd Antes. Er und seine Mitstreiter der Cochrane Collaboration versuchen aus der Schwemme von Studien robuste Aussagen herauszufiltern.

9 – Aufklärer in Nöten
Journalisten sind Experten der ausgewogenen Berichterstattung. Wenn sie über Wissenschaft berichten, kommt ihnen genau diese Tugend oft in die Quere. Der wissenschaftliche Konsens entsteht nicht per Handheben.

10 – Globale Knacknuss
Die Verbrennung von Kohle, Öl und Erdgas heizt das Klima auf. Obwohl dies seit über 100 Jahren bekannt ist, wollen es viele bis heute nicht so recht glauben. Schuld an den auseinanderklaffenden Realitäten sind die Industrie, die Politik und die Bürger – auf der ganzen Welt.

11- INTERVIEW mit Stephan Lewandowsky
“Die Klimaleugner haben natürlich die bessere Nachricht
Verschwörungstheorien und das Leugnen wissenschaftlicher Tatsachen sind nah miteinander verwandt, sagt der experimentelle Psychologe Stephan Lewandowsky. Vor rund zehn Jahren erweiterte der Australier seine Forschung auf den Umgang mit Fehlinformationen zum Klimawandel und zu Impfungen.

Zum Weiterlesen:

  • Florian Fisch: Wissenschaftlich erwiesen – Gütesiegel oder Etikettenschwindel? Wiley-VCH 2016, 24,90 €
  • Verschwörungstheorien: Was Faktenleugner bewegt, Spiegel-Online am 29. März 2013
  • Wissenschaft muss uns wieder neu bezaubern, Merton-Magazin am 5. September 2016
  • Das Prinzip Skepsis: GWUP im “National Geographic”, GWUP-Blog am 1. März 2015

Karl Lauterbach kritisiert die typischen Heilpraktiker-Märchen

Schade eigentlich, dass das Spiegel-Interview mit dem SPD-Gesundheitspolitiker Prof. Karl Lauterbach (36/2016, S. 108) von den Agenturen nur bruchstückhaft wiedergegeben wurde.

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Denn das kurze Gespräch hat es in sich. Lauterbach erklärt:

Wir haben hier eine riesige Rechtslücke. Die über 40 000 Heilpraktiker in Deutschland dürfen alles einsetzen, was nicht nachgewiesenermaßen schädlich ist. Wir wissen nichts über das medizinische Wissen dieser Leute, nichts über ihre Methoden, nichts über die Komplikationen ihrer Therapien. Es ist alles eine riesige Blackbox.”

Und so geht es weiter:

Spiegel: Die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens von den Grünen unterstützt die Idee, dass Heilpraktiker in Zukunft ein Studium absolvieren sollen. Was halten Sie von dieser Idee?

Lauterbach: Nichts. Ich warne sogar vor der Pseudoaufwertung dieses Berufs. Warum sollte man ein Fach mit einem universitären Abschluss belohnen, dass sich nicht an die Regeln der Wissenschaft hält? Ich bin ja auch gegen einen Master in Astrologie oder Alchemie.”

Und den Heilpraktikerberuf einfach ganz verbieten?

Das wäre natürlich eine Möglichkeit. Ich glaube aber, dass das Verbot rechtlich schwer durchsetzbar wäre. Und man würde die Heilpraktiker zu Märtyrern machen, zu vermeintlichen Opfern der Pharmaindustrie.”

Was bleibt noch?

Ich bin dafür, dass jeder schwer kranke Patient, der sich von einem Heilpraktiker behandeln lassen will, zuvor von einem neutralen, schulmedizinischen Arzt beraten lassen muss. Dieser Arzt könnte nicht nur in Ruhe erklären, was die Schulmedizin zu bieten hat, sondern auch dem Patienten helfen, die typischen Märchen der Heilpraktiker zu durchschauen: das Märchen vom “Aushungern” des Krebses, von Wunderheilungen und der bösen Pharmaindustrie.

Apple-Mitbegründer Steve Jobs würde vielleicht noch leben, wenn er bei seinem eigentlich gut behandelbaren Krebs nicht zunächst auf alternative Methoden gesetzt hätte.”

Zum Weiterlesen:

  • Immer mehr Experten kritisieren die Heilpraktiker-”Ausbildung”, GWUP-Blog am 8. September 2016
  • Homöopathie und Co.: Keine Evidenz. kein Geld, DocCheck am 13. September 2016
  • Forschung in der Homöopathie: Pseudowissenschaft für Pseudomedizin, Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie am 13. September 2016
  • Steve Jobs und die Pseudomedizin, GWUP-Blog am 8. Oktober 2011
  • Steve Jobs und die Pseudomedizin Teil II, GWUP-Blog am 22. Oktober 2011
  • „Die Schulmedizin hat ihn aufgegeben“: Alternativmedizin als letzter Strohhalm? GWUP-Blog am 18. August 2016
  • Zehn Gründe, warum es keine „Krebs-Verschwörung“ gibt, GWUP-Blog am 8. Juli 2015
  • Tote nach Heilpraktiker-Therapie: Aufwachen! Zeit-Wissen am 31. August 2016
  • “Märchen von den Wunderheilungen”, Der Spiegel 36/2016

Jetzt online: „Die Ketzerin“ – brand eins über Natalie Grams

Der brand eins-Artikel über Dr. Natalie Grams ist jetzt online:

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Im Science-Blog Gesundheits-Check fasst Dr. Joseph Kuhn die aktuelle Homöopathie-Debatte zusammen.

Ein Auszug:

Interessant ist, wie jetzt das Konzert der Pro&Contra-Stimmen zur Homöopathie orchestriert wird.

Nachdem der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Herr Gassen, dem G-BA-Vorsitzenden zur Seite gesprungen ist, hatte sich der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie in ungewöhnlich klarer Positionierung auf die Seite der Homöopathen geschlagen.

Wer bis dahin noch daran geglaubt haben mag, dass die Homöopathie eine sanfte Alternative zur Pharmaindustrie sei, hätte nun Anlass, darüber noch einmal nachzudenken.”

Zum Weiterlesen:

  • Wohin führt die aktuelle Homöopathiedebatte? Gesundheits-Check am 12. September 2016
  • Die Ketzerin, brand eins 9/2016
  • Na sowas: Homöopathie ist ein „Geschäftsfeld der pharmazeutischen Industrie“, GWUP-Blog am 25. Mai 2016
  • Homöopathie: Pfuschfans jammern über die jüngste Kritik an der freien Ballaballawahl, GWUP-Blog am 30. August 2016

Blutstränen und Spontane Selbstentzündung: Das neue Buch von Dr. Mark Benecke

Dr. Mark Benecke stellt sein neues Buch vor, das in vier Wochen erscheint:


Direktlink zum Video auf Youtube

Es geht darin auch um “GWUP-Themen” wie Stigmata, Spontane menschliche Selbstentzündung und unverweste Heilige.

Zum Weiterlesen:

  • Mark Benecke: Mumien in Palermo – Als Kriminalbiologe an den dunkelsten Orten der Welt. Bastei Lübbe 2016
  • GWUP-Infos: Spontane menschliche Selbstentzündung – Ein Kriminalbiologe auf heißer Spur
  • Spontane Selbstentzündung: Wieder ein heißes Thema, GWUP-Blog am 23. Oktober 2012
  • Indien: Das „Burning Baby“ ist tot. Es war keine spontane Selbstentzündung, GWUP-Blog am 27. Februar 2016
  • “Spontane Selbstentzündung” durch Phosphormunition, GWUP-Blog am 22. Januar 2015
  • GWUP-Thema: Unverweste Heilige – “Keine Spur vom Triumph des Todes”
  • Die Unverwesten, GWUP-Blog am 26. Oktober 2010
  • Video: Ein Kriminalbiologe ermittelt – Die größte Mumiensammlung der Welt in Palermo, n-tv am 29. Dezember 2012
  • Rätsel um den „lebenden Leichnam“ eines 162 Jahre alten buddhistischen Mönches, GWUP-Blog am 19. Juni 2014
  • GWUP-Infos: Blut-Spuren – Der Fall Therese von Konnersreuth
  • Konnersreuth: Heilige oder Schwindlerin? GWUP-Blog am 8. Februar 2011




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