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Die heute-show über Chemtrails und das Buch einer Aussteigerin

Zwei sehr unterschiedliche Ansätze von Aufklärung:

Die heute-show hat sich unter den “Global March Against Chemtrails and Geoengeneerings” in Berlin gemischt und lässt die Chemmies sich selbst als desorientierte Blödmannsgehilfen entlarven:


Direktlink zum Video auf Youtube

(Auch die Titanic hat die Chemtrail-Demo satirisch begleitet, während Dr. Mark Benecke und DIE PARTEI zur Gegendemo “Hunde raus aus Deutschland” aufriefen).

Die Ex-Chemtrail-Anhängerin Stephanie Wittschier, über die wir hier berichteten, hat zwischenzeitlich das Buch

Die Welt der Verschwörungsideologien – Die Erlebnisse einer Aussteigerin”

veröffentlicht.

Da eine Webseite dazu noch im Aufbau ist, kann man das Buch derzeit nur über eBay beziehen.

Wittschier betreibt auch die Facebook-Gruppe “Nothing but the Truth. Aktiv gegen Chemmies und andere VT’ler”.

Ob allerdings der Untertitel des Buches “Welcome to the Madness” sowie der Titel der neuen heute-show-Serie “Deutschland, Deine Irren” glücklich gewählt sind, darüber kann man diskutieren.

Bei der gerade zu Ende gegangenen “Skepkon” in Frankfurt machte der Arzt und Blogger Dr. Jan Oude-Aost (diaphanoskopie) noch einmal deutlich, dass …

… Menschen, die irrationalen Glaubenssystemen anhängen, keine psychische Störung haben müssen. Im Gegenteil gibt es physiologische psychologische Mechanismen, die selbst sehr außergewöhnliche Ansichten erklären können, und auch die Vehemenz, mit der an diesen festgehalten wird.”

Dazu wird es demnächst auch einen Skeptiker-Artikel geben.

Zum Weiterlesen:

  • Umweltbundesamt wird von Chemtrail-Trollen zugespamt, GWUP-Blog am 12. Mai 2015
  • Chemtrails und goldene Aluhüte: Eine Verschwörungstheoretikerin steigt aus, GWUP-Blog am 4. Mai 2015
  • Der „Mord“ an Ben Wettervogel und die Chemtrail-Verschwörung, GWUP-Blog am 11. Februar 2015
  • Chemtrails: Luxustod von unseren Steuergeldern, GWUP-Blog am 1. März 2014
  • Was CIA, Chemtrails und die Lügenpresse verbindet, derwesten am 4. Januar 2015
  • Blick nach Vorn – Skepkon 2015, diaphanoskopie am 17. Mai 2015
  • Autoskeptizismus – Skepkon 2015, diaphanoskopie am 17. Mai 2015

Es gibt keinen „Designer-Gott“: Evolutionsvortrag in Nürnberg

Morgen Abend (Dienstag, 19. Mai) startet in Nürnberg die Vortragsreihe “Außer Sinnen 2015 – Paranormales und Skepsis”.

Zum Auftakt referiert der Evolutionsbiologe Prof. Ulrich Kutschera das Thema

Design-Fehler in der Natur. Alfred Russel Wallace und die Gott-lose Evolution”

Aus der Ankündigung:

Da bei oberflächlicher Betrachtung der Natur die Pflanzen und Tiere geordnet und geplant erscheinen, haben christliche Theologen im 18. Jahrhundert die Existenz eines „Designer-Gottes” postuliert.

Ausgehend von Leben und Werk von Alfred Russel Wallace (1823-1913), dem Mit-Entdecker des „Darwin-Wallace-Prinzips der natürlichen Selektion” wird dargelegt, dass es in der Natur weder eine übergeordnete Intelligenz, noch einen Plan gibt. Lebewesen sind die Produkte einer nach Zufall und Notwendigkeit verlaufenden richtungslosen Evolution.

Das „Wallace-Prinzip der Eigeninitiative und Freidenker-Mentalität” wird vorgestellt und das populäre „Intelligent Design-Konzept” als christlich-religiöser Wunderglaube enttarnt.”

Die Veranstaltung beginnt um 19.30 Uhr im Fabersaal am Gewerbemuseumsplatz. Der Eintritt kostet 7 Euro, zur Voranmeldung geht es hier.

Die weiteren Termine von “Außer Sinnen 2015″:

Zum Weiterlesen:

  • Über die fehlerhafte Natur, hpd am 1. November 2013
  • Ulrich Kutschera: Design-Fehler in der Natur – Alfred Russel Wallace und die Gott-lose Evolution, LIT-Verlag, Münster 2013
  • Kreationismus, eine Alternative zur Evolutionstheorie, derStandard am 28. April 2015
  • Evolutionsforschung ist mehr als Knochenarbeit, GWUP-Blog am 5. März 2015
  • Evokids: Evolution schon in der Grundschule lehren, GWUP-Blog am 26. Juni 2014

Nahrungsergänzungsmittel im Video und das Programm der Skepkon 2015 in Frankfurt

Appetizer für die “Skepkon”, die am Donnerstag in Frankfurt beginnt:

Vergangene Woche war Claudia Courts beim Kölner “Skeptics in the Pub” zu Gast.


Direktlink zum Video auf Youtube

Am Freitag (15. Mai) eröffnet sie um 14.30 Uhr das Hauptprogramm der GWUP-Konferenz mit dem Thema

Teure Beauty-Produkte und ihre Versprechen aus pharmazeutischer Sicht”

Danach (15.15 Uhr) berichtet Dr. David Bardens von dem spektakulären “Masern-Prozess”, den er im März gegen den Viren-Leugner Stefan Lanka gewann.

Die weiteren Nachmittagsvorträge bestreiten:

  • 17.15 – 17.50   Marc Fabian Buck: Das esoterische Erziehungskonzept der Dotoressa Maria Montessori

Am Samstag (16. Mai) beginnt das Programm um 9.30 Uhr:

  • 9.30 – 10.05   Lydia Benecke: Teufelswerk oder Hexenjagd? Satanistenmorde und ritueller Missbrauch vs. echtes Leben in der “Schwarzen Szene”
  • 10.15 – 10.50   Dr. Stephanie Dreyfürst: Galileos Finger und Einsteins Pantoffeln. Ein kulturwissenschaftlicher Blick auf die quasi-religiöse Verehrung von Gelehrten
  •  15.00 – 15.35   Dr. Holm Hümmler: Freak Management – Esoterik in der Unternehmensberatung
  •  16.15 – 16.50   Dr. Jan Oude-Aost: “Die sind doch alle verrückt!” – Esoterik, Glaube und psychische Gesundheit
  •  17.00 – 17.35   Anna Beniermann: Einstellungen zur Evolutionstheorie und Gläubigkeit

Die Skepkon findet im IG Farben-Haus, Campus Westend, der Goethe-Universität statt.

Zur Konferenz-Homepage geht es hier, Tageskarten können noch vor Ort erworben werden.

Zum Weiterlesen:

  • Geister, Gurus, Aliens: Auftakt zur Skepkon 2015 am Donnerstag in Frankfurt, GWUP-Blog am 11. Mai 2015
  • Kate Moss, die Skeptiker und falsche Umfragen, GWUP-Blog am 13. Januar 2010
  • Kosmetikstudien: „Es reicht nicht, dass man die Haut befühlt”, Spiegel-Online am 16. April 2015
  • Reinhold Messners Füße, Zeit-Online am 2. April 2015
  • Bringen Feuchtigkeitscremes in Wahrheit gar nichts? Welt-Online am 12. Mai 2015
  • Jetzt kostenlos: Hoaxilla-TV mit Lydia Benecke über Psychopathie, GWUP-Blog am 25. Februar 2015
  • Satanistenmorde bei Hoaxilla, GWUP-Blog am 5. Mai 2014
  • „Fassungslos, wie ignorant man sein kann“: Masern-Prozess-Sieger Dr. David Bardens im Interview, GWUP-Blog am 2. April 2015
  • Masern-Prozess: Bardens gewinnt, Lanka muss zahlen, GWUP-Blog am 12. März 2015
  • Very fishy: Bachblüten-Kosmetik und DNA-Forschung, GWUP-Blog am 11. Oktober 2009

Reichsbürger: Der gewaltsame Umsturz endete als kleine Biergartenrevolution

Das war wohl nix mit dem Sturm auf den Reichstag:

Sobald Code 45 auf der App erscheint, bricht die Revolution los”,

hatten ein paar Wahnwichtel im Vorfeld der Gedenkfeiern zum 8. Mai in Berlin halluziniert:

Zeit die Sache zu beenden die die Medien und Bundesregierung 70 Jahre vorgegaukelt haben … nicht nur Eier mitnehmen lasst euch auch selber was einfallen jeder wie er will. Zeit das wir das Regime verhaften wenn es die Polizei nicht tut müssen wir es machen. Morgen wird das die größte Revolution die über die ganze Welt geht … sie gucken alle auf Deutschland … die Geschichte wird neu geschrieben.”

Am Ende gab’s dann bloß eine “Biergartenrevolution” mit Resthirnwegsaufen.

Der Vice-Redakteur Stefan Lauer schreibt dazu:

35 000 „Patrioten” treffen sich am 9. Mai in Berlin und stürmen den Reichstag. Die „Regierung” der BRD-GmbH wird abgesetzt und die extra angereiste Reichsregierung übernimmt die Geschäfte.

So haben sich die Organisatoren dieses „Reichstagssturmes” den vergangenen Samstag vorgestellt. (Im Ernst.)

Funktioniert hat überraschenderweise nichts davon. Von den 35 000 Menschen, die sich auf Facebook für die Veranstaltung angemeldet hatten, erschienen nach Schätzungen der Polizei 350 [...]

Wie so oft bei solchen Demos gestaltete sich das Ganze eher als Selbstgespräch, nur unterbrochen vom Klang der Rollkoffer verwirrter Touristen, die den Eingang zum Bahnhof suchten.”

Das klingt recht launig, aber …

… die Initiatoren ließen keinen Zweifel daran, dass ihr Ziel ein gewaltsamer Umsturz ist”,

berichtet auch Telepolis.

Knistert da irgendwo Alufolie?

Jedenfalls schickt einer dieser Kognitionsdissonanten sich an, für den nächsten Reichstagssturm ehemalige Bundeswehrsoldaten anzuwerben:

Ich habe gesehen wir brauchen gegen die große Macht was effektiveres als das was mich in Berlin erwartet hat.”

Wir teilen übrigens die Auffassung, dass Verschwörungsideologien keineswegs harmlose Hirngespinste sind.

Zum Weiterlesen:

  • Hooligans, Neonazis und die Reichsregierung: Der Sturm auf den Reichstag fiel aus, Vice am 11. Mai 2015
  • Reichsbürger scheitern beim Sturm auf den Reichstag, Telepolis am 10. Mai 2015
  • Deutschland ist keine GmbH und nicht besetzt – und Gregor Gysi hat nichts dergleichen behauptet, GWUP-Blog am 3. Mai 2015
  • Was “Reichsbürger” im Original so von sich geben, GWUP-Blog am 11. Oktober 2014
  • Neue Info-Broschüre über “Reichsbürger”, GWUP-Blog am 13. Dezember 2014
  • Dabei sein – beim Karneval für Reichsdeutsche und Chemmies, GWUP-Blog am 2. Oktober 2014
  • Reichsbürger und Chemtrails, GWUP-Blog am 1. September 2013
  • Wie gefährlich sind Verschwörungstheorien? Gedankenwerkstatt am 15. April 2015

Umweltbundesamt wird von Chemtrail-Trollen zugespamt

Das Umweltbundesamt (UBA) hat heute einen Facebook-Post “in eigener Sache” veröffentlicht:

Seit vergangener Woche wird unser Profil hier auf Facebook mit hunderten Beiträgen und Kommentaren zu so genannten „Chemtrails“ missbraucht. Im Internet finden sich dazu sogar Aufrufe, uns ganz gezielt mit Anfragen und Spam zu attackieren.

Sind das Trolle? Was sollen diese Chemtrails genau sein? Eine neue Verschwörungstheorie?

Jedem seine Meinung, aber nicht seine eigenen Fakten: Es gibt keinerlei wissenschaftliche Belege für die Bildung so genannter Chemtrails. Weder uns noch dem Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR), dem Deutschen Wetterdienst, der Deutschen Flugsicherung GmbH, der US-Luftwaffe und der World Health Organization (WHO) liegen Erkenntnisse zu den beschriebenen Thesen und Behauptungen vor.

Die zitierten Quellen „paranews“, „ufos-aliens“ oder „allmystery“ wirken wenig glaubwürdig und die Fotos etwaiger Chemtrails geben alle keinen Anlass, dahinter etwas anderes als gewöhnliche Kondensstreifen oder Wolken zu vermuten.

Alles, was es jetzt noch zu derartigen Schilderungen zu sagen gibt, haben wir in dieser Broschüre zusammengefasst.

Als steuerfinanzierte Behörde wäre es unangemessen, sich weiterhin mit dieser Art Fiktion zu befassen. Wir werden daher für die aufgestellten Theorien und Thesen zu „Chemtrails“ keine weiteren Ressourcen aufwenden.

Das wäre gegenüber allen Bürgerinnen und Bürgern mit ernsthaftem Interesse am Umweltschutz und sachlichen Dialog unangemessen, nicht fair und auch nicht vermittelbar.”

Wie die Schweizer Behörden mit “Chemtrail-Truthern” umgehen, hat Vice recherchiert:

Hast du schon mal einem gottesfürchtigen Menschen erklärt, dass es keine Beweise für eine höhere Macht gebe und ihn damit von seinem Glauben abgebracht?

Die Problematik kennt auch Frau Reichlin, Informationsbeauftragte des Bundesamts für Umwelt (BAFU): „Wenn jemand an die Existenz von Chemtrails glaubt und dann auch noch daran, dass wir das vielleicht vertuschen, dementsprechend sind unsere Antworten für solche Leute selten befriedigend.”

Klar, ein Dementi von offizieller Seite ist für Chemmies und Co. der “Beweis” schlechthin.

Aber Informationspolitik darf sich eben nicht an den unbelehrbaren Wirrläufern orientieren, sondern am Ideal einer Augenhöhe-Gesellschaft.

Deshalb: Prima, UBA und BAFU!

Zum Weiterlesen:

  • Wie die Schweizer Behörden mit Chemtrail-Truthern umgehen, vice am 12. Mai 2015
  • Chemtrails und goldene Aluhüte: Eine Verschwörungstheoretikerin steigt aus, GWUP-Blog am 4. Mai 2015
  • Flieger, grüß mir die Chemtrails, mimikama am 29. April 2015
  • Der „Mord“ an Ben Wettervogel und die Chemtrail-Verschwörung, GWUP-Blog am 11. Februar 2015
  • Chemtrails: Luxustod von unseren Steuergeldern, GWUP-Blog am 1. März 2014
  • Reichsbürger und Chemtrails, GWUP-Blog am 1. September 2013
  • A Million Poisoning Planes, Skeptical Inquirer am 14. August 2013
  • Unglaubliches Phänomen: Ein skeptisches Chemtrail-Buch, GWUP-Blog am 30. Mai 2013
  • Sebastian Bartoschek: Verschwörungstheorien – eine empirische Grundlagenarbeit (Rezension), Natur des Glaubens am 9. Mai 2015
  • Die Entwicklung eines Kondensstreifens, Astrodicticum simplex am 3. Juni 2012

„Game of 72“, das Kinder zum Verschwinden auffordert, ist nur ein Internet-Gerücht

Das Online-Portal heute.at warnt vor einem “Challenge im Netz” namens “Game of 72″:

Immer mehr Teenager verschwinden für mehrere Tage spurlos, nachdem sie via Privatnachricht zum Spielen von “Game of 72″ aufgefordert wurden. Im Spiel geht es darum, solange wie möglich als vermisst zu gelten. Die Nerven vieler Eltern liegen deshalb seit Tagen blank und auch die Polizei warnt vor diesem gefährlichen Trend.”

Diese Story wabert bereits seit Ende April durchs Netz, Zeitungen in England, Australien und Kanada haben darüber berichtet.

Bezeichnend ist ein Artikel bei CTV News:

Vancouver police warn of ‘Game of 72′ dare, but report no local cases.”

Das kann die Polizei auch gar nicht, denn es gibt keine Fälle von “Game of 72″-Spielern.

Das Ganze ist bloß ein Internet-Gerücht, dessen Ursprung in Frankreich zu suchen ist.

Dort war ein Mädchen drei Tage lang verschwunden. Nachdem “Emma” wohlbehalten zurückkehrte, weigerte sich die 13-Jährige, sowohl den Grund für ihr Verschwinden als auch ihren Aufenthaltsort preiszugeben.

Mit Andeutungen über ein mysteriöses Facebook-Spiel habe sie wohl Eltern und Polizei verwirren wollen, schreibt die französische Zeitung The Local:

So far, police say, the only evidence is dozens of panicked Facebook posts being shared by parents, warning each other about the game, and Emma’s testimony, to suggest the challenge exists.”

Verschiedene Medienanfragen bei den Behörden kreierten dann in der Folge ein globales Internet-Mem.

In Kanada etwa erklärt die Polizei:

We never issued a warning about the game as has been reported. We responded to questions about it from media and unfortunately they turned it into a warning from police.”

Das ist anscheinend alles.

Die Washington Post hat “Game of 72″ mittlerweile zum Internet-Fake der Woche ernannt.

Zum Weiterlesen:

  • “Game of 72″: Facebook-Teenies tagelang vermisst, heute.at am 12. Mai 2015
  • Parents warned of latest dangerous teen fad, The New Daily am 10. Mai 2015
  • Parents left terrified by cruel new ‘game’ on Facebook that sees children dare each other to vanish for 72 hours without telling relatives, Daily Mail am 29. April 2015
  • New Facebook craze panics French parents, The Local am 29. April 2015
  • This Disturbing Teen Trend Is Terrifying Parents — But Don’t Get Too Worried Just Yet, Mic am 7. Mai 2015
  • What was fake on the Internet this week: Game of 72, beard poop and Jade Helm 15, Washington Post am 8. Mai 2015
  • The Knock-out-Game: Realität oder neue Großstadtsage? GWUP-Blog am 5. Dezember 2013

Impfen bei Lesch und in den Medien: “Wir merken nicht, dass Impfungen uns schützen“

Gestern Nacht bei Frag den Lesch:

Löchriger Impfstoff: Risiko Infektionskrankheiten”


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Dazu gibt’s bei Chrismon ein interessantes Interview mit der Psychologin Cornelia Betsch:

Was hindert die Leute, sich impfen zu lassen?”

Ein Auszug:

Im Bundestag wird ein Gesetz beraten, das die Impfbereitschaft steigern soll. Warum werden Debatten da­rüber so emotional geführt?

Einerseits geht es vielleicht darum, die eigene Freiheit zu verteidigen. Zum anderen betrifft die Impffrage am häufigsten Eltern – und die wollen natürlich nur das Beste für ihr Kind.

Berichte von Impfgeschädigten rufen mehr persönliche Betroffenheit hervor als Zahlen über Krankheitsfälle, sie beeinflussen uns viel stärker. Uns interessiert eher, was potenziell passieren könnte, nicht wie wahrscheinlich das ist.

Am Ende erscheinen kleine Risiken viel größer, als sie wirklich sind.”

Im Internet finden sich auch Berichte von Maserntoten.

Krankheiten akzeptieren wir eher als Schicksal. Sollten nach dem Impfen aber Nebenwirkungen auftreten, haben wir sie selbst verursacht.

Meist ist das, was im Internet berichtet wird, zwar kein anerkannter Impfschaden. Wenn aber zwei Ereignisse gleichzeitig auftreten, suchen wir als Eltern automatisch nach Zusammenhängen. Umgekehrt merken wir nicht, dass die Impfung uns gegen Viren in der U-Bahn schützt.

Und wir haben auch keine Vorstellung mehr davon, wie furchtbar zum Beispiel Polio sein kann.”

Und zum Thema “Korrelation und Kausalität” können wir nur immer wieder auf entsprechende Erklärtexte verweisen, zum Beispiel hier und hier.

Zum Weiterlesen:

  • Was hindert die Leute, sich impfen zu lassen? Chrismon 5/2015
  • Studie: Kein Autismus durch Impfungen, aber in Italien lässt sich damit gut Geld verdienen, GWUP-Blog am 22. April 2015
  • Impfgegner: Wenn sich Einfalt gegen das Gemeinwohl wendet, GWUP-Blog am 18. April 2015
  • Neues Buch: “Anders heilen? Wo die Alternativmedizin irrt”, GWUP-Blog am 4. Mai 2015
  • Vorsicht ansteckend! The European am 28. April 2015
  • Prinzip “Stille Post” oder warum Diskussionen mit Impfgegnern sinnlos sind, Telepolis am 22. April 2015
  • Korrelation und Kausalität, Crashkurs Statistik am 24. September 2014
  • Die “Impf-Lüge” als Video – und wieder die Autismus-Mär, GWUP-Blog am 3. Juni 2014

Die Roswell-Dias zeigen eine Mumie – und Unterwasser-Skelette sind auch bloß ein Hoax

Schon im Vorfeld gab es Mutmaßungen über einen “sorgfältig vorbereiteten Betrug” – und als die “Roswell-Dias” dann präsentiert wurden, gemahnte die aufgenommene Szenerie eher an ein Heimatmuseum als an eine Militärbasis oder ein streng geheimes Forschungslabor.

Discovery schrieb:

It doesn’t look alien so much as a skeletal human with a large head, which is characteristic of a child’s body. And that’s likely what it is: a child’s mummified body.”

The Black Vault machte auf einen Affenkopf im Hintergrund und auf ein unleserliches Hinweisschild an der Glasvitrine des angeblichen Außerirdischen aufmerksam:


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Und eben dieses Schild will eine Gruppe von kritischen Ufo-Forschern, die sich selbst “The Roswell Slides Research Group” nennt, jetzt entziffert haben. Die Inschrift laute:

MUMMIFIED BODY OF TWO YEAR OLD BOY

At the time of burial the body was clothed in a xxx-xxx cotton shirt. Burial wrappings consisted of these small cotton blankets. Last line: Xxxxxed by the X.I. Xxxxxx, San Francisco, California.”

Die Reaktion der “Roswell Slides”-Promoter auf diese Enthüllung ist geteilt.

Einer von ihnen (Anthony Bragalia) entschuldigt sich bereits öffentlich:

No matter, it is a serious case of mistaken identity, the consequences of which I fully accept.”

Die anderen jedoch sehen in der Entzifferung des Hinweisschilds selbst einen Schwindel.

Das ufologische Kaspertheater erinnert ein wenig an diesen aktuellen Hoax:


Direktlink zum Video auf Youtube

Zwei Skelette in Gartenstühlen, die ein Schnorchler vor Tagen auf dem Grund des Colorado Rivers entdeckt hat, entpuppten sich als Jux-Installation eines Ehepaars aus Phoenix.

Kommentar der Doubtful News:

The lesson here? Never underestimate the ability for people to pull of a fun prank.”

Zum Weiterlesen:

  • Sensationsfund oder Quatsch? Dias vom Roswell-Alien werden heute Nacht präsentiert, GWUP-Blog am 5. Mai 2015
  • “Roswell Slides” BUSTED! – “MUMMIFIED BODY OF TWO YEAR OLD BOY”, Bad Ufos am 8. Mai 2015
  • „Roswell-Dias“: Hinweisschild wurde entziffert und löst Kontoverse aus, Short News am 10. Mai 2015
  • Probable Hoax or Easily Explainable/Misidentified, The Black Vault am 6. Mai 2015
  • Roswell Alien’ Photo Likely a Baby Mummy, discovery am 9. Mai 2015
  • Couple behind fake skeletons on chairs in Colorado River, AP am 11. Mai 2015
  • Das Rätsel um die Alien-Mumie von Atacama scheint gelöst, GWUP-Blog am 12. Mai 2013

Geister, Gurus, Aliens: Auftakt zur Skepkon 2015 am Donnerstag in Frankfurt

Geister, Gurus, Aliens, Wahrsager und mysteriöse Kriminalfälle gibt’s zum Auftakt der GWUP-Konferenz “Skepkon 2015″, die am Donnerstag in Frankfurt beginnt.

Am Feiertag Christi Himmelfahrt (14. Mai) steht die Skepkon allen Interessierten ohne Anmeldung offen.

Der Eintritt kostet nur 5 Euro, die Themen sind spannend, witzig und unterhaltsam. Ab 14 Uhr vermitteln fünf Referentinnen und Referenten anschaulich und praxisbezogen skeptisches Denken und faszinierende Wissenschaft:

  • Lorenz Meyer spricht darüber, wie er ein “Guru” wurde und der Welt “Sheng Fui” brachte (14.15 – 15 Uhr).
  • Die Biologin Bettina Wurche erklärt “die nicht ganz extraterrestrischen Lebewesen im Star Trek-Universum” (15.15 – 16 Uhr).
  • Der Experimentalmagier Wolfgang Hund “entlarvt den Hellseher”, unter tatkräftiger Mithilfe des Publikums (17.30 – 18.15 Uhr).

Im Abendprogramm (20.15 Uhr) erzählt die preisgekrönte englische Bloggerin Hayley Stevens, wie sie vom “believer in all sorts of paranormal ideas” zum “paranormal investigator” wurde, und gibt den Besuchern einen “Skeptic’s Guide to Ghost Hunting” an die Hand.

Nach ihrer Präsentation spricht “Ghosthunting”-Koautor Sebastian Bartoschek mit Stevens über Geisterjagd und die Ghosthunter-Szene.

Die Eröffnungsveranstaltung der Skepkon findet am 14. Mai von 14 – 21.30 Uhr im IG Farben-Haus, Campus Westend der Goethe-Universität, statt.

Das Hauptprogramm der Konferenz ist online, ein Twitter-Kanal bereits eingerichtet.

Zum Weiterlesen:

  • Where have all the ghosts gone? The Guardian am 10. Mai 2015
  • Enfield Haunting: Guy Playfair not a Fair-playing Guy, CFI am 7. Mai 2015
  • The Enfield Haunting: A Contemporary Ghost Researcher Reflects, Hayley is a Ghost am 21. April 2015
  • SF-Fans, Aliens und Science-Blogs, Meeertext am 19. Mai 2013
  • Skepkon 2014 in München: Vorträge und Videos, GWUP-Blog am 23. August 2014

Eine „Spurensuche“ nach dem Turiner Grabtuch in Deutschland

Das Turiner Grabtuch ist derzeit nicht nur im Dom von Turin zu sehen – sondern auch in Deutschland.

SINDONE

 Eine originalgetreue Nachbildung des Sindone ist Herzstück der Wanderausstellung “Wer ist der Mann auf dem Tuch?”, die derzeit in Altötting Station macht. Weitere Termine stehen bereits für Dresden, Freiburg, München, Hamburg und Stuttgart fest.

Begleitet wird die “Spurensuche” von einem frommen Wunsch der Kuratorin Bettina von Trott zu Solz (ab 0:40):

Das Entscheidende ist, dass jeder Gast sich sein eigenes Urteil bilden soll. Nichts ist vorgegeben.”


Direktlink zum Video auf Youtube

Tatsächlich?

In Wahrheit ist die Grabtuch-Schau grotesk einseitig, gibt jeder noch so abseitigen These für die “Echtheit” Raum und verschweigt nahezu alle Fakten, die auf eine Fälschung aus dem Mittelalter hindeuten.

Turin_shroud_negative-positive

Ein paar Beispiele:

Als Wissenschaftler das Körperbild untersuchten, fanden sie keine Spuren von irgendwelcher Farbe”,

will der Begleittext den Besuchern weismachen.

Bei den Flecken auf dem Tuch handele es sich um …

… menschliches Blut der Blutgruppe AB. Auch DNS ist noch vorhanden.”

Mit dem achten (Lügen-) Gebot nehmen die katholischen Veranstalter es anscheinend nicht so genau.

Der US-Chemiker Walter McCrone hat nachgewiesen, dass es sich bei den rötlichen Flecken auf dem Turiner Grabtuch um Tempera-Farben (Ocker/Eisenoxid und Zinnoberrot) handelt, die im Mittelalter aus tierischen Substanzen wie Knochen etc. gewonnen wurden und deshalb Elemente von Blut enthalten.

Umgekehrt konnte ein wesentlicher Bestandteil von menschlichem Blut nicht auf dem Stoff identifiziert werden: Kalium, das in der dreifachen Konzentration wie Eisen im Blut vorkommt.

Und die DNA?

Nachdem im Laufe der Jahrhunderte unzählige Menschen mit dem Tuch in Berührung gekommen sind, wäre es eher eine Überraschung, kein menschliches Erbgut darauf zu finden.

Natürlich versucht die Ausstellung auch, die Radiokarbon-Analyse von 1988 zu diskreditieren, die das Leinen eindeutig auf den Zeitraum 1260 bis 1390 n. Chr. datiert.

Zum einen referiert das Begleitmaterial die Arbeiten des Chemikers Ray Rogers. Diese beruhen auf dem chemischen Zerfall des Vanillins, das aus dem im Flachs enthaltenen Lignin entsteht.

Rogers geht davon aus, dass die C14-Datierung falsch ist, da die Probe dafür von einer neueren Flickstelle am Rand des Tuches stamme und das Tuch in Wahrheit zirka 2000 Jahre alt sei.

Keine Erwähnung findet indes die Tatsache, dass Rogers seine Vanillin-Methode selbst erfunden hat und keine unabhängige Validierung dafür vorliegt – ausführlich nachzulesen im Skeptiker 4/2005.

Zum anderen lässt “Wer ist der Mann auf dem Tuch?” den Italiener Giulio Fanti hochleben, der mittels Infrarotspektroskopie das Grabtuch in der Antike (“300 v. Chr. +/- 400 Jahre”) verortet.

Allerdings taugt weder Infrarotspektroskopie zum Altersnachweis von Textilien, noch ist überhaupt klar, woher Fanti seine Proben (“einige Fäden des Turiner Grabtuchs”) bekommen haben will – selbst kirchliche Stellen erklärten 2013, dass Fantis Arbeit “ohne ernsthafte Bedeutung” sei.

Davon erfährt man in der Ausstellung des Malteserordens zum Turiner Grabtuch nichts.

Auch nicht, dass Archäologen unlängst ein 2000 Jahre altes authentisches Grabtuch in Jerusalem fanden, das sich “gravierend von der Machart des Turiner Grabtuchs unterscheidet”:

Das lege nahe, dass das Turiner Grabtuch nicht aus der Zeit von Jesus stammt.”

Und schon gar nichts von den neuesten Untersuchungen und Erkentnissen, die keinen begründeten Zweifel daran lassen, dass das Turiner Grabtuch des Werk eines Künstlers aus dem Mittelalter ist.

Der Geschichtswissenschaftler Charles Freeman zeichnete im vergangenen Jahr die Historie des Leinens nach, verglich die Darstellung des Christusabbilds mit dem Frömmigkeitsempfinden und den künstlerischen Ausdrucksformen des 14. Jahrhunderts und brachte schließlich sogar die beiden deutschen Textilstädte Ulm und Augsburg als potenziellen Herkunftsort ins Spiel.

sg

Der forensische Anthropologe Matteo Borrini (Liverpool) und der Chemiker Luigi Garlaschelli (Pavia) demonstrierten mit einer Versuchsperson und Blutkanülen an verschiedenen Körperstellen, dass die Blutspurenanalyse eines gegeißelten und gekreuzigten Menschen völlig andere Muster ergibt, als sie auf dem Turiner Grabtuch zu sehen sind:

Based on Bloodstain Pattern Analysis, their experiments with a dummy to see which way the blood would have run from Crucifixion wounds and how they would have stained a burial cloth – showed remarkably different staining from that on the Shroud.”

Im Ausstellungskatalog zu “Wer ist der Mann auf dem Tuch?” heißt es dagegen:

Die Aufnahmen unter den verschiedenen Filtern zeigen, dass das Blut wirklich aus den Wunden ausgetreten ist und nicht mit dem Pinsel aufgetragen wurde.”

Unsinn – sagen nicht nur Borrini/Garlaschelli, sondern auch der Kölner Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke.

Bei radioeins erklärte er:

Die Blutabriebspuren sehen aus wie aufgemalt. So sehen keine Blutabriebspuren einer liegenden Person aus.”

Der US-Skeptiker Joe Nickell liefert noch einmal eine aktuelle Zusammenfassung der Grabtuchforschung:

Such evidence against any secular object would be considered clear proof of inauthenticity.”

Beim Turiner Grabtuch geht es jedoch um einen religiösen Glauben, der durch nichts zu erschüttern ist.

Die folgenden Artikel geben den Sachstand ausführlich wieder:

  • Das Turiner Grabtuch – Die ganze Geschichte, GWUP-Blog am 10. April 2010
  • Die Mär von der falschen Datierung, GWUP-Blog am 1. Mai 2010
  • Die ewige Mär vom “Negativ”, GWUP-Blog am 2. April 2010
  • Kein Tuch mit sieben Siegeln, GWUP-Blog am 6. Oktober 2009
  • Spuren auf dem Turiner Grabtuch, GWUP-Blog am 7. April 2010
  • GWUP-Infos: Das Turiner Grabtuch – Frage und Antworten
  • GWUP-Infos: Turiner Grabtuch – Die Sache mit den Pollen
  • GWUP-Infos: Sieben Mythen über das Turiner Grabtuch

Zum Weiterlesen:

  • The Origins of the Shroud of Turin, History Today 11/2014
  • New Garlaschelli and Borrini Study, Shroud of Turin Blog am 11. April 2015
  • Italian police ‘reveal’ what Jesus looked like as a young boy, The Independent am 8. Mai 2015
  • Fake Turin Shroud Deceives National Geographic Author, CSI am 23. April 2015
  • Zweifel am Alter des Turiner Grabtuchs: Neuartige Datierungsmethode wirft Fragen auf, Skeptiker 4/2005
  • Das Turiner Grabtuch: Ein Bildnis des Glaubens, Westdeutsche Zeitung am 24. April 2015
  • Das jährliche Oster-Wunschdenken: Nebelkerzen um das Turiner Grabtuch, GWUP-Blog am 29. März 2013
  • Auf Tuchfühlung mit Jesus, Süddeutsche am 18. April 2015
  • Turiner Grabtuch: Selig sind die, die nicht sehen und doch glauben, Welt-Online am 19. April 2015
  • Hoaxilla #96 – „Das Turiner Grabtuch“ vom 19. August 2012
  • Das Turiner Grabtuch bei Psiram
  • 2.000 Jahre altes Grabtuch in Jerusalem gefunden, pressetext vom 18. Dezember 2009




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