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„Erschreckend“: Drei Skeptiker auf der Esoterik-Messe

Ein Gastbeitrag von Ute Parsch

Zweimal im Jahr locken in München die Esoteriktage ihr Publikum in den Löwenbräukeller.

Es wird gechannelt, geistgeheilt und rückversetzt, was das Zeug hält. Natürlich gibt das Programm auch dem Skeptiker die Chance, sich über Vorträge und angebotene Produkte ein Bild von den aktuellen Trends in der geistigen Welt zu machen.

Und man hat hier die Gelegenheit, im direkten Anbieterkontakt nach den Nachweisen und Überprüfungsmethoden für die Angebote zu fragen.

Beides wollten wir tun und stürzten uns deshalb zu dritt ins Getümmel – Mitglieder des Münchner GWUP-Stammtisches: Dr. Peter Hank, Olaf Wagenknecht und Ute Parsch.

Im Vergleich zu den letzten Esoteriktagen im Mai erscheint es uns ruhiger. Trotz des recht kalten Wetters geht es an keinem der Stände und bei keinem der von uns besuchten Vorträge beengt zu.

Der Skeptiker freut sich natürlich, wenn der Besuch einer solchen Veranstaltung den Eindruck erweckt, mit Esoterik könne man kein wirklich großes Publikum mehr anlocken. Allein: Der Eindruck täuscht.

Den meisten Anwendern von alternativmedizinischen Verfahren ist wohl gar nicht bewusst, dass ihre Methode hier bei der Esoterikmesse bestens aufgehoben wäre. Homöopathie, anthroposophische Medizin, Bach-Blüten etc. tragen das entsprechende Gedankengut zwar in die Mitte der Bevölkerung, wollen aber keineswegs unter “Esoterik” firmieren.

Ein einziges Buch zur homöopathischen Behandlung von Kindern entdecke ich nach langem Suchen auf einem Büchertisch, ansonsten ist die “Alternativ”-Medizin nicht vertreten.

Dafür treffen wir sowohl bei Vorträgen als auch an den Verkaufsständen etliche alte Bekannte wieder, die auch im Mai schon da waren. Das Angebot scheint sich also größtenteils zu wiederholen.

Gleich mehrere Vorträge wecken unser Interesse, unter anderem „Quantenphysikalische Heilung“, „Kontakt zu Verstorbenen“ und „Kornkreise – Höhepunkte der heurigen Saison“. Beim letztgenannten amüsieren wir uns sehr darüber, dass der Kornkreis von Raisting natürlich als „echt“, also von Außerirdischen gefertigt, eingestuft wird.

„Quantenphysikalische Heilung“ ist mit zwei skeptischen, aber fortbildungsbereiten Physikern der Münchner GWUP-Regionalgruppe natürlich ein „Must have“.

Leider hat Frau Schubert, Geistheilerin und Seminartleiterin im „Centrum der Kraft“, irgendwie die Quanten daheim vergessen, denn sie kommen an keiner Stelle in den Erzählungen – “Vortrag” wäre zu viel gesagt – der Dame vor.

Wir können also leider nicht wiedergeben, wie die Quanten es in den Vortragstitel geschafft haben. Wir würden diese Frage gerne am Vortragsende stellen, doch gibt es keine Fragestunde – es scheint sie auch niemand zu vermissen (außer uns drei Skeptikern).

Statt wenigstens in der Phantasie der Kursleiterin existierende Bezüge zur Quantenphysik hören wir weitgehend Unzusammenhängendes über das „geistige Heilen“: Chakren und Heilungslevel werden genannt, doch nichts wird definiert, nichts beschrieben.

Mehrmals weist die Rednerin auf ihre Internetseite hin, über die man Workshops und Seminare bei ihr buchen kann.

Nachdem aber schon ihr Kurzvortrag ohne Konzept eine Geduldsprobe darstellt, reizt uns das Angebot nicht allzu sehr. Nach der Werbung kommen ihre Ausführungen aber endlich an den Punkt, auf den alle geduldig gewartet haben: die im Programm versprochene Direktheilung einzelner Personen, live vor Publikum. (Uns hätten ja die Quanten genauso interessiert, aber man muss nehmen, was man kriegt.)

Schnell meldet sich eine Freiwillige in der Reihe vor uns.

Sie soll auf einer Skala von 0 bis 9 einordnen, wie stark ihre Beschwerden sind – eine konkrete Beschreibung ihrer Gesundheitsprobleme ist offenbar nicht erforderlich.

Die Patientin wird auch nicht nach vorne gebeten oder am Platz näher untersucht. Das ganze Diagnoseverfahren besteht aus der ersten Wortmeldung der Besucherin mit dem Hinweis auf ihre Schmerzen und dem Erfragen des Leidensdrucks seitens der “Heilerin”, den ihr Opfer mit „etwa 7“ angibt.

Postwendend beginnt die Kursleiterin mit der sogenannten Heilung – sie nennt schlicht die Nummern einiger Chakren, Level und Blütenschwingungen. Das Ganze klingt wie eine Telefonnummer und dauert auch ungefähr so lange wie das Aufsagen einer solchen.

Danach die Rückfrage, ob es der Patientin jetzt besser gehe. Und prompt stuft diese ihre Beschwerden nur noch mit „5“ ein.

Der Vorgang wiederholt sich mit anderen Zahlen bei den Blütenschwingungen, die Patientin antwortet brav mit „etwa 4“. Damit ist die Behandlung beendet, mehr sei in der großen Gruppe nicht möglich, die Patientin solle später noch einmal zum Messestand kommen.

Beeindruckend ist vor allem das Tempo des Vorgehens: Sowohl Vortragende als auch Patientin bleiben die ganze Zeit – weniger als fünf Minuten – am Platz, es werden nur ein paar Nummern aneinander gereiht und dann sofort nach dem Erfolg gefragt.

Wer also zum Heilpraktiker geht, weil er/sie sich beim Arzt wie am Fließband abgefertigt fühlt, der sollte erst recht die Finger von Heilern lassen. Dort wird der Patient offenbar noch erheblich schneller durchs kosmische Schwingungsprogramm geschleust.

Schlimmer als die Oberflächlichkeit der „Behandlung“ empfinden wir die Vorstellung, die hinter der angeblich so ganzheitlichen Heilung steht. Denn nach und nach offenbart die Kursleiterin höchst bedenkliche Interpretationen von Erkrankungen oder chronischen Leiden.

Diese seien samt und sonders Teil und Ausdruck unseres karmischen Weges, mithin gewissermaßen notwendig für die Seele auf ihrem Entwicklungsweg. Das gezeichnete Bild gipfelt in der Aussage, dass eine masochistisch veranlagte Seele sich bei der Inkarnation zielstrebig dominante Partner wähle, die sodann den für diese Seele notwendigen Leidensdruck erzeugten.

Ganz unverblümt heißt es, dass ein misshandeltes Kind sich aufgrund seiner karmischen Bedürfnisse beim Eintritt in die hiesige Welt seine aggressiven Eltern selbst ausgesucht habe.

Während uns dreien ob dieser menschenverachtenden Aussage die Luft weg bleibt, stößt sich im – vorwiegend weiblichen – Publikum sonst keiner daran. Es erhebt sich keinerlei Protest, ja nicht einmal ein Raunen geht durch den Saal.

Wie man das Geistheilungsgeschwurbel nach so einer Ansage noch für harmlos halten kann, ist uns rätselhaft.

Macht doch die offenbarte Geisteshaltung ein misshandeltes Kind ein zweites Mal zum Opfer: Das Leid geschah, weil seine Seele dies selbst so wollte oder brauchte; das Kind ist also selber schuld.

Dem Opfer wird die Unschuld genommen. Und im Esoterikclub, der zwanghaft alles als kosmische Bestimmung deutet, stört sich niemand daran.

Erschreckend.

Dagegen wirkt die nächste Vortragende deutlich sympathischer. Ein gemütlicher Schweizer Akzent und ein gewisser Sinn für Humor befördern diesen Eindruck. Sie will ihr Publikum auch unterhalten, das merkt man Martina Camenzind an.

Sie bezeichnet sich selbst als erfahrenes Medium, geübt darin, die jederzeit und überall anwesende Energie von Verstorbenen zu fühlen.

Auch bei ihr besteht der Vortrag fast ausschließlich aus einer praktischen Demonstration ihrer Fähigkeiten. Leider müssen wir uns mit den Toten zufrieden geben, die sich bei dieser öffentlichen Veranstaltung freiwillig einfinden und sich ins Bewusstsein von Frau Camenzind drängeln.

Wirklich überzeugen kann die Vortragende uns nicht von ihren medialen Fähigkeiten.

Die meisten ihrer Wiedergaben dessen, was die Toten ihr angeblich mitteilen, verharren in Allgemeinplätzen oder äußern sich in höchst naheliegenden Vermutungen.

Und es sind vermutlich nur wir drei Skeptiker, die bemerken, wie oft im Verlauf eines solchen „Gesprächs mit einem Toten“ die zunächst gemachten Aussagen relativiert und geändert und der Erwartungshaltung des Publikums angepasst werden.

Da wird zum Beispiel aus dem mit unter 20 verstorbenen Motorrad-Fan, der gerne Kontakt mit seiner Mutter aufnehmen möchte, eben schnell mal der jung verstorbene Bruder, der nie Motorrad gefahren ist.

Positiv rechnen wir der Vortragenden aber an, dass mit ihr scheinbar nur jene Toten sprechen, die glücklich machende Botschaften überbringen möchten. Da wird etwa versichert, dass das langsame Sterben nicht so schrecklich gewesen sei, wie die Hinterbliebenen es sich vielleicht ausmalen.

Die Botschaft: Man solle sich mit solchen Gedanken nicht länger quälen.

Im Weiteren sagen die Toten sogar „Danke“ zum Beispiel für aufopfernde Pflege und versichern, wie viel  ihnen diese Zuneigung zu Lebzeiten bedeutet habe, auch wenn sie es nicht mehr hätten zeigen können. Da versichert die verstorbene Mutter ihrer Tochter, dass sie noch immer über ihr Kind wache und bei ihr sei und sie sich nicht allein fühlen müsse.

Auch wenn wir Skeptiker dies alles für eine höchst befremdliche Art der Trauerarbeit halten, so haben wir doch den Eindruck, dass von manchem der Anwesenden die „Botschaft“ als Hilfe wahrgenommen wird.

Die Vorstellung des “Mediums” stünde demnach möglicherweise vor derselben Ethikfrage wie das vom Arzt gegebene Placebo, das als wirksame Therapie verkauft wird.

Bei allen gehörten Vorträgen gibt es übrigens keine Möglichkeit, kritische Fragen – oder überhaupt Fragen – zu stellen. Das Publikum scheint dies auch nicht zu wollen. Wie fremd Anbietern und Publikum das gezielte Hinterfragen von Aussagen ist, merken wir aber erst wirklich, als wir selber damit anfangen.

Zum Beispiel fällt uns im Vorbeischlendern ein Satz Stimmgabeln auf, die in einem Kästchen fein säuberlich nach Himmelskörpern geordnet sind. Da gibt es Stimmgabeln für Venus, Sonne, Mond oder Neptun.

Die Dame am Stand reagiert zunächst souverän auf unsere Frage, was denn eine Stimmgabel mit Neptun zu tun habe?

Es gehe um dieselben Schwingungen, erklärt sie uns. Als wir mit der Gretchenfrage „Was schwingt denn da?“ kontern, kommt sie recht schnell ins Schwimmen, redet über die Entfernung der Erde zum Neptun. Als uns das nicht überzeugt, weil die Entfernung sich ja laufend ändert, bietet sie uns die Farbe des Planeten als Erklärung an: Jeder Farbe entspreche ja eine andere Schwingung.

Wir deuten an, dass das jetzt aber eine völlig andere Erklärung sei als ihr erster Versuch – und sagen offen, dass dies bei uns den Eindruck erweckt, dass sie es einfach nicht so richtig weiß.

Darauf reagiert sie dann schon etwas einsilbig und meint, da müssten wir halt die Astrologen fragen, die können uns das erklären.

Die Dame wirkt recht verständnislos, als uns das auch nicht überzeugt. Es mutet fast wie eine Kapitulation an, als sie meint, es seien halt einfach Namen für die Stimmgabeln, damit man diese unterscheiden könne.

Wir verzichten auf den Hinweis, dass Musiker seit Jahrhunderten Stimmgabeln unterscheiden können, ohne dabei auf Planetennamen zurückgreifen zu müssen.

Stattdessen fragen wir, ob es denn Wirksamkeitsbelege für die Therapie mit diesen Stimmgabeln gäbe, Studien etwa. Der Gesichtsausdruck zeigt uns, dass wir definitiv die ersten sind, die solche exotischen Fragen stellen.

Er zeigt uns aber auch, dass das Gespräch hier beendet ist.

Klar gebe es Studien, von der Chefin selbst in jahrelanger Forschungsarbeit durchgeführt, und die könne man auch einsehen, nur gerade jetzt nicht, da die Chefin gerade einen Patienten habe.

Wir belassen es dabei und gehen weiter, in der Hoffnung, woanders bessere Antworten zu bekommen, doch laufen unsere nächsten Beratungsgespräche nicht anders.

An einem Stand spricht uns die Verkäuferin eines neuen Gerätes an, das eine entfernte Ähnlichkeit mit einem Akkuschrauber aufweist. Nur dass vorne kein Schraubsatz aufgesteckt wird, sondern ein etwa zwei Zentimeter großer Kristall, der aus dem Gerät wie mit einer Taschenlampe  in verschiedenen Farben beleuchtet wird.

Die Verkäuferin erklärt uns, dass das Großartige an diesem Gerät sei, dass hier die Methoden der Lichttherapie, der Kristalltherapie und der Farbtherapie miteinander kombiniert würden. Zu dem Gerät gibt es eine Broschüre, die erklärt, bei welchen Beschwerden man welchen der fünf Kristallaufsätze und welche der einstellbaren Farben anzuwenden habe.

Das Gerät beleuchtet dann für einige Minuten in der passenden Einstellung die Problemzone.

Wir stellen die einfache Frage, wie man denn herausgefunden hat, welche Farbe bei welchen Leiden hilfreich sei? Das wisse man von Heilpraktikern, die direkt an der Entwicklung des Gerätes beteiligt waren.

Und woher wissen es die Heilpraktiker? An dieser Stelle muss die Verkäuferin passen. Anders als bei den Stimmgabeln werden wir jedoch an diesem Stand gleich an den Chef weiter gereicht.

Allerdings kann auch er uns keine Erklärung dafür geben, warum das Gerät nun genau die mitgelieferten Kristalle (und keine anderen) und die voreingestellten Farben (und keine anderen) verwendet oder wie man herausgefunden hat, bei welchen Beschwerden man welche Einstellung vorzunehmen hat.

Er wirkt ehrlich überrascht und wieder ist deutlich, dass wir die Ersten sind, die ihm diese Frage stellen. Vermutlich nicht nur auf dieser Messe.

Unsere letzte Frage macht ihn dann sogar noch nachdenklicher: Warum man denn nicht zusätzlich eine Schwingungstherapie integriert habe? Das Gerät könnte dann doch in den passenden Frequenzen schwingen.

Als wir den Stand verlassen, blickt der Mann offenkundig irritiert auf das Gerät in seiner Hand. Und wir fragen uns, ob wir im Mai 2015 die Version 2.0 hinterfragen dürfen, das schwingende Heilkristall-Lichttherapiegerät.

Unser Fazit bleibt auch nach weiteren Gesprächen dasselbe: Den Verkäufern fällt selbst auf naheliegende Kundenfragen keine Antwort ein. Weder haben sie für sich selbst eine befriedigende Erklärung, noch für ihre Kunden.

Wir fühlen uns daran erinnert, was Dieter Nuhr so treffend formuliert hat:

Ich habe nichts dagegen, beschissen zu werden. Aber wenn man mich bescheißt, sollte man sich wenigstens etwas Mühe geben.”

Als Verbraucher muss man immer damit rechnen, dass Hersteller und Händler versuchen, einem Zeugs zu verkaufen, das nicht hält, was es verspricht, oder das man eigentlich gar nicht will oder braucht – und in jedem Falle wird es einem zu teuer verkauft.

Aber im Alltag muss sich der Verkäufer wenigstens Mühe geben, seine Kunden davon zu überzeugen, sich reinlegen zu lassen. Bei der Esoterikmesse nicht.

Dass die Verkäufer es hier offensichtlich gar nicht nötig haben, Erklärungen – egal wie hanebüchen – parat zu haben, ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die Kunden erst gar nicht danach fragen.

Niemand stellt hier Fragen. Zu groß ist der Wunsch, die überirdischen Versprechungen mögen zutreffend sein.

Das Geschäft mit der Hoffnung, der Verzweiflung und der Angst ist ein Selbstläufer.

Zum Weiterlesen:

  • Buchneuerscheinung: “Vier Frauen und ein Scharlatan”, GWUP-Blog am 12. Oktober 2014
  • Feinstofflich quantenschwingende Angebote, Humanistischer Pressedienst am 10. Oktober 2014
  • “Auf der Suche nach Heilern” nicht fündig geworden, GWUP-Blog am 3. Oktober 2014
  • Die “energetische Paranoia” der Esoteriker, Ratgeber-News-Blog am 25. September 2014
  • Esoterikaussteiger berichten: Bono, ein Krankenpfleger auf Sinnsuche, Chiemgau Gemseneier am 1. Oktober 2014
  • Heilloses Geistertreiben, Gesundheits-Check am 1. Oktober 2014
  • Wunderheiler und ihre dubiosen Geschäfte, GWUP-Blog am 1. September 2014
  • Buch: Wie Esoterik die Köpfe leert und die Kassen füllt, GWUP-Blog am 15. April 2013
  • “Die Esoterik will die Probleme der Welt mit Engelsspray lösen”, derStandard am 24. April 2012
  • Esoterik: Wenn das kritische Denken aussetzt, GWUP-Blog am 17. Mai 2013
  • Esoterischer Selbstversuch: “Erleuchtung gefällig?”, GWUP-Blog am 13. April 2013
  • Wie Esoterik funktioniert, Astrodicticum simplex am 6. April 2011
  • “Lebensfreude”-Messe in Hamburg, Psiram am 29. November 2014
  • Das Esoterik-Ebook, Die heitere (L)Esostunde am 21. November 2014

„Die Pharma-Lüge“ ist das Wissensbuch des Jahres

Die Wahl zu den “Wissensbüchern des Jahres” ist entschieden – und wie schon im Vorjahr sind prominente Skeptiker ganz vorne mit dabei.

In der Kategorie “Zündstoff” belegt Ben Goldacre mit “Die Pharma-Lüge” den ersten Platz.

In der Begründung der Fachjury heißt es:

Der Autor setzt sich kritisch mit der Macht der Pharmaindustrie auseinander und beleuchtet das gigantische Ausmaß an Korruption und Manipulation in der medizinischen Forschung. Den Schaden tragen wir doppelt: als Patienten und als Zahler für das Gesundheitssystem.

Um solche Missstände zu beheben, ist Aufklärung dringend nötig. Das Buch hat sowohl bei der Fachjury als auch bei den Lesern einen Nerv getroffen.”

Zugleich widerlegt Goldacre mit “Die Pharma-Lüge” die Unterstellung, Skeptiker seien Pharma-hörig und würden sich nur an der “Alternativ”-Medizin abarbeiten.

Zuletzt hatte Goldacre “Die Wissenschaftslüge: Wie uns Pseudo-Wissenschaftler das Leben schwer machen” veröffentlicht.

In der Kategorie “Perspektiven” gewinnt das Jugendbuch “Evolution oder das Rätsel von allem, was lebt“:

Jan Paul Schutten und Floor Rieder ist ein bezauberndes und lehrreiches Buch über die Entstehung des Lebens gelungen und geht sogar bis zum Urknall zurück.

Geeignet ist es für junge Leser ab 8 Jahren, aber auch Erwachsene werden an diesem Buch ihre wahre Freude haben. Ein Buch, das die Gesamtjury überzeugt hat.”

Und eine prima Ergänzung zu dem Projekt “Evokids – Evolution in der Grundschule”.

Favorit der Bild der Wissenschaft-Leser ist “Die Neuentdeckung des Himmels” von Florian Freistetter:

Die Bedeutung der Menschheit wird durch die vielen neuen Erkenntnisse immer weiter relativiert, aber unser Horizont erweitert sich dabei ungemein.

Ebenso wie er sich durch die Lektüre dieses Buches erweitert.

Es bietet einen tollen Einstieg in das Thema der Suche nach fremden Welten mit einem historischen Rückblick, der auf das Wesentliche konzentriert ist. Lehrreich und interessant erzählt, nicht zu viel und nicht zu wenig.”

Alle Gewinner der sechs Kategorien finden sich hier.

Zum Weiterlesen:

  • Wissensbuch des Jahres 2014: jetzt abstimmen, GWUP-Blog am 14. August 2014
  • Wissensbücher des Jahres 2013: Science Busters und die “Homöopathie-Lüge”, GWUP-Blog am 26. November 2013
  • Neu: “Die Pharma-Lüge”, GWUP-Blog am 6. August 2013
  • Skeptiker als Pharma-Söldner? GWUP-Blog am 21. April 2013
  • Forschung unter Verdacht, Süddeutsche am 29. November 2014
  • Kate Moss, die Skeptiker und falsche Umfragen, GWUP-Blog am 13. Januar 2010
  • Rezension zu “Die Neuentdeckung des Himmels”, spektrum.de am 10. Mai 2014
  • Rezension zu “Die Pharma-Lüge”, spektrum.de am 8. Oktober 2013
  • Vorabdruck “Die Pharma-Lüge” in der Wirtschaftswoche vom 12. August 2013
  • Die 6 Wissensbücher des Jahres, wissenschaft.de am 17. November 2014
  • Why – and how – I wrote “Bad Pharma”, badscience am 8. Oktober 2013

Pressespiegel: „Zuckermagier“ und „Vollidioten“ versuchen, Ebola zu heilen

Auch andere Medien als unser Skeptiker-Blog gehen hart mit den “Zuckermagiern und Globulisten” ins Gericht, welche die von Ebola betroffenen Gebiete in Westafrika fürs Eigenmarketing zu okkupieren versuchen.

Von “ein paar Vollidioten” schreibt die Online-Ausgabe des Vice-Magazins:

Es kommt einem schon ein bisschen die Kotze hoch, wenn man bedenkt, dass vier erfahrene Ärzte die Ressourcen eines von bitterer Armut geplagten Landes strapazieren, während dieses gerade gegen eine gefährliche Epidemie kämpft. Die Ärzte hätten schließlich genau so gut richtige Hilfe leisten können [...]

Die Vorstellung von einer Gruppe Ärzte, die mit Koffern voll verdünntem Schlangengift durch Westafrika tingelt, hat schon gewisse humoristische Qualitäten; eine Epidemie heimlich als Homöopathie-Werbeaktion zu missbrauchen, indem man vorgaukelt medizinische Hilfe zu schicken, ist hingegen einfach nur daneben.”

Die FAZ zitiert unter anderem den amerikanischen Onkologen David Gorski von Science-Based Medicine:

Warum sollte die Medizin beim Kampf gegen eine echte Krankheit, die durch ein echtes Virus hervorgerufen wird, an vitalistischem Zauber interessiert sein?“, fragt der Professor der Wayne State University in Detroit (Michigan).

„Die echte Medizin schafft es, vielleicht jeden zweiten Patienten zu retten. Wie wir wissen, führt eine unbehandelte Ebola-Erkrankung bei neun von zehn Infizierten zum Tod. Jeder Ebola-Patient, der auf Homöopathie hereinfällt, erhöht seine Chance, zu sterben, also von 50 auf 90 Prozent. Das ist ein gewaltiger Unterschied“, sagt Gorski.

Die Nachricht, dass die liberianischen Behörden einem Team von Homöopathen, unter ihnen auch der Kalifornier Richard Hiltner und die Deutsche Ortrud Lindemann, untersagten, Infizierte mit Arsen und Schlangengift zu behandeln, dürfte den Mediziner freuen.

Wie ein Sprecher des Gesundheitsamts in Monrovia der Daily Mail sagte, war erst nach Ankunft der Ärzte im Ganta Hospital aufgefallen, dass sie Patienten mit Globuli behandeln wollten.”

Der Blogger merdeister beschäftigt sich insbesondere mit der nicht vorhandenen Qualifikation der Ebola-Quacks:

Vier Magier fahren, ihre Zauberkästen im Gepäck, nach Liberia und wundern sich, dass die örtlichen Behörden keine Lust haben, sich von diesen Vertretern ideologischer Medizin verarschen zu lassen. Wieso nr will man sich dort nicht helfen lassen, von vier Menschen, die ihr Berufsleben damit verbracht haben, sich zu disqualifizieren?

Prof. Edzard Ernst dokumentiert in seinem Blog schlicht die Original-Aussagen der deutschen Oberhomöopathin Cornelia Bajic zur “Ebola-Mission” ihrer Kolleginnen und Kollegen:

As most of it is fairly self-explanatory, I abstain from any comments of my own.”

Recht hat er.

Zum Weiterlesen:

  • “Ebola-Mission” von Homöopathen in Liberia vorerst gescheitert, GWUP-Blog am 24. November 2014
  • Ein paar Vollidioten sind nach Libera geflogen, um Ebola-Patienten mit Homöopathie zu heilen, Vice am 28. November 2014
  • Homöopathen gegen Ebola: “Je tödlicher die Krankheit, desto mehr Quacksalberei”, FAZ am 28. November 2014
  • Homöopathische Hybris und Ebola, dieausrufer am 28. November 2014
  • Homeopathy for Ebola: an update directly from the “horse’s mouth”, Edzard-Ernst-Blog am 28. November 2014
  • Homöopathie taugt nicht mal als Ausrede, blooDNAcid am 25. November 2014

Das „Goldene Brett 2014“ jetzt als Video online

Das Video von der Preisgala zum “Goldenen Brett” 2014 ist jetzt online:


Direktlink zum Video auf Youtube

Mit Dank an den Sponsor “Deutscher Konsumentenbund”, den Kabarettisten Florian Scheuba und an das Orga-Team der Gesellschaft für kritisches Denken/GWUP Wien.

Zum Weiterlesen:

  • Die Eso-Oscars 2014: And the Winner is …, GWUP-Blog am 26. November 2014
  • Das “Goldene Brett” 2013 für Rüdiger Dahlke und die Homöopathen ohne Grenzen, GWUP-Blog am 29. November 2013 (Video)
  • Das Goldene Brett 2012: And the Winner is …, GWUP-Blog am 20. Oktober 2012 (Video)
  • Das Goldene Brett 2011: die glanzvolle Verleihung, GWUP-Blog am 3. Juni 2011 (Video)

Die Eso-Oscars 2014: And the Winner is …

… Xavier Naidoo.

Der “Verschwörungstheoretiker und Anhänger der Reichsbürger-Bewegung” (Psiram) wurde am Mittwochabend in Wien mit dem “Goldenen Brett vorm Kopf” 2014 bedacht.

Dieser satirische Preis der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (organisiert und veranstaltet von der GWUP Wien/Gesellschaft für kritisches Denken) ist Zeitgenossen vorbehalten, die sich “durch die öffentliche Verbreitung abstruser Ideen oder anderem abergläubischem Unsinn hervorgetan haben”.

Neben Naidoo waren Barbara Steffens (NRW-Gesundheitsministerin mit Vorliebe für Alternativmedizin) und der Schweizer Impfgegner-Verein „Netzwerk Impfentscheid“ nominiert.

In ihrer Laudatio auf den “politischen Irrläufer, der für neue rechte Überzeugungen steht” (Spiegel), hob Alexa Marie Waschkau von Hoaxilla hervor, dass man im Netz …

… “Interviews und Aussagen [findet], die nicht so ganz in das friedliche und von Nächstenliebe geprägte Weltbild passen, das man von einem bekennenden Christen erwarten würde [...]

Das wäre alles noch irgendwie als Exzentrismus eines Künstlers abzutun, wenn Xavier Naidoo nicht auch noch ganz öffentlich mit den Reichsbürgern und damit mit eindeutigen Vertretern von rechtem Gedankengut und antisemitischen Tendenzen zu sympathisieren beginnen würde.

So geschah es jüngst, dass er in Berlin bei zwei Veranstaltungen dieser Gruppen spontan auf die Bühne stieg und Liebe und Frieden predigte – Liebe und Frieden in der Naidooschen Nomenklatur wohlgemerkt.

Naidoo, wie im Übrigen auch die anderen Reichsbürger, greift die Unzufriedenheit der Bürger mit der Leistung der Regierung auf und schürt vor dem Hintergrund – zugegebenerweise höchst bedenklichen Vorgängen wie der NSA Affäre – Antiamerikanismus und Abspaltungstendenzen.

Die Verschwörungstheorien, die auf diesem Nährboden wachsen, sind zahlreich. Man kommt schnell vom Hölzchen aufs Stöckchen und von der BRD GmbH zu Chemtrails und der jüdischen Weltverschwörung.

Naidoo scheut sich nicht, im öffentlich-rechtlichen Fernsehen von Deutschland als einem unfreien Land zu sprechen. Das wirkt nicht zuletzt vor dem Hintergrund absurd, dass er ja selbst so gern die Meinungsfreiheit nutzt, um seine fragwürdigen Schwurbeleien zu verzapfen.

Ein Brett vor dem Kopf bleibt auch dann eines, wenn man es mit friedlichen Einhörnern und rosaroten Wölkchen bepinselt.

Herr Naidoo trägt das seine mit Stolz vor sich her und hat daher auch das hier zu verleihende Goldene redlich verdient.”

Der Mikrobiologe und Science-Slam-Europameister Martin Moder porträtierte “die Ministerin für Homöopathie” und “Eso-Barbara” Steffens als Politikerin, die persönliche Überzeugungen über gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse stelle.

Michael Freissmuth, Vorstand des Instituts für Pharmakologie & Physiologie an der MedUni Wien, zieh das “Netzwerk Impfentscheid” der gefährlichen Desinformation und illustrierte zahlreiche Falschbehauptungen der Schweizer Impfgegner.

Als Master of Ceremony führte TV-Journalist Martin Thür durch den Abend in der Urania, der von einer Live-Schaltung zu James Randi in die USA gekrönt wurde.

Der Preis fürs „Lebenswerk“ – laudiert von Niko Alm – ging an den Kopp-Verlag, der …

… unzählige Bücher mit esoterischen und unsinnigen Behauptungen unters Volk bringt [...]

Zwar verspricht Verleger Jochen Kopp seinen Lesern „Bücher, die Ihnen die Augen öffnen“.

Die Skeptiker sind hingegen überzeugt, dass diese Bücher den Blick auf die Welt komplett blockieren: Wer seine Nase in ein solches Buch steckt, bekommt schon ganz automatisch ein Brett vor den Kopf gesetzt.”

Hier geht’s zum Video.

Zum Weiterlesen:

  • Xavier Naidoo spricht bei den „Reichsbürgern“ in Berlin, GWUP-Blog am 4. Oktober 2014
  • Dabei sein – beim Karneval für Reichsbürger und Chemmies, GWUP-Blog am 2. Oktober 2014
  • Xavier Naidoo, Reichsbürger und Verschwörungen, GWUP-Blog am 24. August 2014
  • Xavier Naidoo beim Aufmarsch der “Reichsbürger”, Störungsmelder-Blog am 4. Oktober 2014
  • Die “Reichsbürger”: Skurril und gefährlich, Störungsmelder-Blog am 16. Oktober 2014
  • Noch ein Sohn Mannheims spricht, Böss in Berlin am 6. Oktober 2014
  • Jesus bei den “Reichsbürgern”, Spiegel-Online am 7. Oktober 2014
  • Missionar auf Abwegen, Focus am 11. Oktober 2014
  • Oh, wie bös ist das System, Zeit-Online am 14. Oktober 2014
  • Die Souveränität der Bundesrepublik Deutschland, Jura-Portal am 16. April 2012
  • Herr Naidoo, bitte aufpassen: 5 Thesen der “Reichsbürger” im Faktencheck, puls am 17. Oktober 2014
  • Talente unter Tränen, taz am 21. Oktober 2014
  • Kopp-Verlag: Das Geschäft mit der Angst, Spiegel-Online am 22. Mai 2014
  • Der Kopp-Verlag: Brücke nach rechts, Kontext am 23. April 2014
  • Ich weiß Dinge, die ihr niemals glauben würdet, Welt-Online am 26. November 2014
  • Die Feigheit des Kleinbürgers, Berliner Zeitung am 23. November 2014
  • Why Do People Believe in Conspiracy Theories? Scientific American am 18. November 2014
  • Ein offener Brief an Xavier Naidoo, alle Reichsbürger und jedes Individuum, das von einer “BRD GmbH” spricht, Indub.io am 23. August 2014
  • BRD GmbH? Hoaxilla Nr. 174 vom 2. November 2014
  • Kommissarische Reichsregierungen, Hoaxilla Nr. 175 vom 10. November 2014

Der Live-Stream vom “Goldenen Brett” 2014 aus Wien

In knapp 24 Stunden (Mittwoch, 26. November) wissen wir, wer sich das “Goldene Brett” 2014 vor den Kopf nageln kann.

Für alle, die nicht bei der Preisgala in Wien dabei sein können, gibt es ab 20 Uhr einen Live-Stream über die Homepage goldenesbrett.guru.

In München treffen sich die Skeptiker zum Public Viewing im “Stragula”, die Rhein-Ruhr-Skeptiker laden ins SZ-Bochum ein.

Für radioeins stellt Dr. Mark Benecke vom GWUP-Wissenschaftsrat nochmal die drei Kandidaten vor. Hier geht’s zum Podcast.

Zum Weiterlesen:

  • Für das “Goldene Brett” 2014 nominiert: Impfgegner, Xavier Naidoo, Barbara Steffens, GWUP-Blog am 16. November 2014
  • Vergoldete Verschwörungstheorien: Xavier Naidoo für Satirepreis nominiert, Rolling Stone am 24. November 2014
  • Xavier Naidoo bekommt “Brett vorm Kopf” vielleicht vergoldet, kurier.at am 17. November 2014

„Ebola-Mission“ von Homöopathen in Liberia vorerst gescheitert

Alles andere als eine klare Verurteilung wäre ein Skandal”,

schrieb Dr. Christian Weymayr (“Die Homöopathie-Lüge”) Anfang November auf seiner Facebook-Seite an die Adresse des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ).

Weymayr hatte den DZVhÄ um eine Stellungnahme zu Verlautbarungen verschiedener Globuli-Aktivisten ersucht, die mit ihren wirkungslosen Zuckerkügelchen Ebola heilen wollen.

Dem Blogger merdeister (dieausrufer) schwante zu diesem Zeitpunkt bereits Übles:

Ich denke, bisher halten sich die deutschsprachigen Homöopathen zurück, weil alles andere der PR-GAU wäre. Nicht jedoch, weil sie eine prinzipielle Behandlungsmöglichkeit anzweifeln würden.”

Und so scheint es tatsächlich zu sein.

Die deutschen Homöopathie-Lobbyisten sehen im Herumdilettieren an viruskranken Menschen keineswegs einen Skandal, sondern schwärmen vielmehr von einem “Einsatz homöopathischer Ärzte in Liberia”:

Unsere Erfahrung aus der Behandlung anderer Epidemien in der Geschichte der Medizin lässt den Schluss zu, dass eine homöopathische Behandlung die Sterblichkeitsrate der Ebola-Patienten signifikant verringern könnte.”

So steht es heute auf der Homepage des DZVhÄ zu lesen.

Der trotzige Jubel-Artikel soll indes primär eine veritable Schlappe für die Homöopathen camouflieren:

Die Behörden in Liberia haben ein Team homöopathischer Ärzte daran gehindert, Ebola-Patienten zu behandeln”,

meldet Spiegel-Online.

Demnach wurde der Afrika-Trip einer Delegation der “Liga Medicorum Homoeopathica Internationalis” (LMHI) “maßgeblich von deutschen Homöopathen organisiert und finanziert”.

Als Teamleiterin fungierte die deutsche Ärztin und Impfgegnerin Ortrud Lindemann, die in Barcelona praktiziert und sich eines entlarvenden Vokabulars befleißigt, welches Homöopathie unzweideutig als Religion konstituiert:

Wir sind gesegnet mit 110 Mitteln in drei bis vierfacher Potenz”, schrieb Ortrud Lindemann, eine der entsandten Ärztinnen, in einer E-Mail am 19. Oktober aus Liberias Hauptstadt Monrovia [...] Wir sind dazu bestimmt, dem Volk Liberias zu helfen im Kampf gegen Ebola mit homöopathischen Mitteln.”

Das muss man nicht weiter kommentieren.

Oder allenfalls mit dem Quackometer fragen:

Have Homeopaths Reached Peak Stupid?”

Die Daily Mail hatte schon vor fünf Tagen ausführlich über den homöopathischen Griff ins Klobuli berichtet und neben Ortrud Lindemann auch die indische Ärztin und Homöopathin Medha Durge interviewt:

She confirmed that they had used homeopathic treatments on patients, despite the instructions from health officials in the capital Monrovia not to do so.”

Dazu kann man eigentlich nur nochmal Dr. Florian Aigner vom GWUP-Vorstand zitieren:

Wenn Sie unbedingt das Wirkprinzip der Homöopathie in Krisengebieten testen wollen, dann können Sie ja vorerst mal selbst versuchen, homöopathisch verdünntes Meerwasser gegen die Auswirkung von Tsunamis zu verwenden, homöopathisch verdünnte Erde, um sich vor Muren zu schützen, und hochpotenziertes Blei gegen Gewehrkugeln von Plünderern – das hätte alles genau dieselbe Logik wie die Präparate, die tatsächlich verkauft werden.

Aber bitte: Belästigen Sie damit keine notleidenden Menschen, die tatsächlich Hilfe brauchen.”

Zum Weiterlesen:

  • “Ebola-Mission von Homöopathen 2014″ bei Psiram
  • The invasion of well-meaning quacks into West Africa continues apace, Respectful Insolence am 20. November 2014
  • “Homeopathy CAN cure Ebola”: Doctors attack ‘armchair intellectuals’ at World Health Organisation who refuse to let them treat deadly virus with snake venom remedy, Daily Mail am 19. November 2014
  • The Daily Mail is wrong: Homeopathy can’t cure Ebola, The Spectator am 20. November 2014
  • Homöopathie: Liberia verhindert Tests an Ebola-Patienten, Spiegel-Online am 24. November 2014
  • Genfer Homöopath von Liberia abgewiesen, NZZ am 23. November 2014
  • Homöopathen wollen mit Kügelchen Ebola stoppen, stern.de am 31. Oktober 2014
  • Einfach logisch: Homöopathie und Ebola, dieausrufer am 2. November 2014
  • Gefährlich: Führt der Ebola-Ausbruch zu mehr Wissenschaft und Vernunft? GWUP-Blog am 20. Oktober 2014
  • Ebola und die Quacksalber, dieausrufer am 19. Oktober 2014
  • Ebola in Afrika – gibt’s da nicht was vom Homöopathen? GWUP-Blog am 9. August 2014
  • Homöopathie: Über Miasmen, Größenwahn und Unvermögen, die HoG und Ebola, Bullshit! am 26. September 2014
  • Ebola? Da haben wir etwas für Sie …, Psiram am 9. August 2014
  • Der grenzenlose Irrglaube der “Homöopathen ohne Grenzen”, GWUP-Blog am 4. Dezember 2013
  • Homöopathie ist Religion, GWUP-Blog am 25. April 2011
  • Have Homeopaths Reached Peak Stupid? Quackometer am 21. November 2014
  • Leben Krebspatienten mit homöopathischer Zusatzbehandlung länger? Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie am 24. November 2014

Bundespresseball: Bühne frei für Mr. Neutrino

Vielleicht hat da jemand einfach nur was falsch verstanden.

Als der Medienjournalist Stefan Niggemeier dieser Tage seine Kolleginnen und Kollegen aufforderte,

… nicht so häufig den Funken [zu] liefern, aus dem die Paranoiker dann ihre lodernden Feuer entfachen [...] und sich nicht mit den einfachen Antworten, die in ein vorgegebenes Schema passen, zufriedenzugeben”,

meinte er damit gewiss nicht, Pseudos und Obskuranten eine Bühne zu geben.

Und trotzdem meint die Bundespressekonferenz (ein Verein der in Berlin tätigen Parlamentskorrespondenten), den Bundespresseball 2014 morgen Abend im Flughafen Tempelhof von dem Unternehmen Neutrino Inc. sponsern lassen zu müssen.

Auf der Sponsorenliste der Gala-Veranstaltung firmiert Neutrino Inc. mit dem Slogan “The Energy of the Future”.

Laut Eigendarstellung unterstützt die Firma …

… Wissenschaftler bei einem der visionärsten Energie-Projekte unserer Zeit: Der Nutzbarmachung elektrisch neutraler Elementarteilchen, sogenannter Neutrinos, als nachhaltige Energiequelle.”

Diese vollmundige Behauptung ist Psiram immerhin einen Wiki-Eintrag sowie drei aktuelle Blog-Posts wert, aus denen hervorgeht, dass …

… eine technische Nutzung von Neutrinostrahlung unbekannt und physikalisch nicht plausibel”

sei und der “Neutrino Inc.”-Geschäftsführer auf eine beachtliche Betrugskarriere zurückblicken könne, was ihn indes nicht daran hindert, morgen …

… im Blitzlichtgewitter die Hände der Reichen und Mächtigen beim Bundespresseball auf dem Berliner Tempelhofgelände”

zu schütteln.

Aber vielleicht interessiert es ja den einen oder anderen der 2000 Gäste von Deutschlands “gesellschaftlichem Ereignis Nummer eins”, darunter

… besonders viele Ministerpräsidenten, Bundestagsabgeordnete, Chefredakteure, Intendanten und Vorstandsmitglieder aus der Wirtschaft”.

Zum Weiterlesen:

  • Phantastische Neutrino-Beleuchtung beim Bundespresseball, Psiram am 21. November 2014
  • Kühlschränke für Eskimos und Strom aus Neutrinos? Psiram am 20. November 2014
  • Der geheimnisvolle Mr. Neutrino, Psiram am 19. November 2014
  • Der Bundespresseball, freie Neutrino-Energie und der “Mehrwert” der journalistischen Recherche, Astrodicticum simplex am 20. November 2014
  • Neutrinos vom zentralen schwarzen Loch der Milchstraße nachgewiesen? Astrodicticum simplex am 18. November 2014
  • Medienkritik, Paranoia und “Alternativ-Journalismus”, GWUP-Blog am 2. November 2014
  • Wie käuflich ist der Bundespresseball? Ruhrbarone am 21. November 2014
  • Der geheimnisvolle Sponsor des Bundespresseballs, Tagesspiegel am 21. November 2014

Esoterische Weiterbildungen: “Teurer Hokuspokus”

Gerade bei 3sat gelaufen:

Teurer Hokuspokus

Kinesiologie, Schamanen-Coaching: Unternehmen geben jährlich mehrere Millionen Euro für esoterische Weiterbildungen aus. Doch deren Wirkung ist fraglich.”

Hier geht’s zum Video (6:46 min).

Zum Weiterlesen:

Für das „Goldene Brett“ 2014 nominiert: Impfgegner, Xavier Naidoo, Barbara Steffens

Die Kandidaten für “Das Goldene Brett” 2014 stehen fest.

Aus mehr als 250 Nominierungen sind der Schweizer Verein „Netzwerk Impfentscheid“, die Gesundheitsministerin des Landes Nordrhein-Westfalen Barbara Steffens und der Sänger Xavier Naidoo ausgewählt worden.

Einer von ihnen wird am 26. November in Wien das “Goldene Brett vorm Kopf” verliehen bekommen – eine äußerst schwierige Entscheidung, die die Jury da vor sich hat.

Zur Begründung heißt es:

  • Verein „Netzwerk Impfentscheid“:

Impfungen haben vermutlich mehr Menschenleben gerettet, als jede andere Präventionsmaßnahme der modernen Medizin. Trotzdem gibt es eine hartnäckige, lautstarke Impfgegner-Community, die sich zum Ziel gesetzt hat, diese Erfolgsgeschichte zu beenden.

Die wissenschaftliche Faktenlage lässt keinen Zweifel daran, dass Impfen wichtig und nützlich ist, doch Vereine wie „Netzwerk Impfentscheid“ verbreiten die Vorstellung, dass Impfen nutzlos und sogar schädlich sei.

Insbesondere jungen Eltern wird oft eingeredet, dass sie ihre Kinder nicht impfen sollen – eine Falschinformation, die tragische Folgen haben kann.”

  • Barbara Steffens

Die Gesundheitsministerin des Landes Nordrhein-Westfalen ist eine deklarierte Anhängerin von Alternativmedizin – damit ist sie nicht alleine. Besonders problematisch ist allerdings, dass sie als Politikerin die Alternativmedizin auch an Universitäten verankern will.

Außerdem ist sie der Meinung, dass Alternativmedizin nicht nach den üblichen wissenschaftlichen Wirksamkeitskriterien beurteilt werden kann – eine Sichtweise, die jeden rationalen Diskurs über Alternativmedizin unmöglich macht.”

  • Xavier Naidoo

Der Sänger Xavier Naidoo hat sich zum Vertreter abstruser Verschwörungstheorien entwickelt. Er sorgte mit seiner Nähe zur rechtsgerichteten „Reichsbürgerbewegung“ für Aufsehen, die die Existenz der Bundesrepublik Deutschland leugnet.

Naidoo begab sich damit in ein Netz aus Verschwörungstheorien, die von den Anschlägen vom elften September bis zur Finanzkrise reichen. Seine große Popularität als Musiker führt insbesondere junge Menschen in eine abstruse Gedankenwelt aus unhaltbaren Behauptungen, in denen Hass und Angst mehr zählen als Fakten.

Eine rationale Diskussion über tatsächliche politische Missstände wird dadurch unmöglich. Xavier Naidoo wird zur Einstiegsdroge der Irrationalität, die mit pathetischer Musik beginnt und bei Chemtrails und Weltverschwörungs-Paranoia endet.”

Die Preisgala findet am 26. November in der Wiener Urania statt. Als Laudatoren konnten bereits Hoaxmistress Alexa von Hoaxilla, der Vorstand des Instituts für Pharmakologie der MedUni Wien Michael Freissmuth sowie der europäische Science-Slam-Champion Martin Moder gewonnen werden.

Initiator dieser satirischen Negativauszeichnung sind die Wiener Skeptiker, die Gesellschaft für krititisches Denken (GkD).

Zum Weiterlesen:

  • Xavier Naidoo spricht bei den „Reichsbürgern“ in Berlin, GWUP-Blog am 4. Oktober 2014
  • Dabei sein – beim Karneval für Reichsbürger und Chemmies, GWUP-Blog am 2. Oktober 2014
  • Xavier Naidoo, Reichsbürger und Verschwörungen, GWUP-Blog am 24. August 2014
  • Reichsburgerwochen X: seufz – die Top 10 der beklopptestens Argumente des Reichsbürgers, aargks/pro Logik am 17. Januar 2014
  • 13 Globuli: Ministerin Steffens räumt ab beim Eso-Check, GWUP-Blog am 6. August 2013
  • Warum Barbara Steffens ihr Ministerium beschämt, ruhrbarone am 11. März 2013
  • Sollte eine Gesundheitsministerin auf dem Boden der Wissenschaft stehen? Die Wissenschaftsjournalisten am 5. Februar 2013
  • Kopfschüttelnde Ministerialbeamte, Der Nesselsetzer am 14. März 2013
  • NRW: Gesundheitsministerin Steffens will mehr Homöopathie, ruhrbarone am 29. Januar 2012
  • Aliana und die Impfpflicht, GWUP-Blog am 12. November 2014
  • Impfgegner, zuhören: “Meine Mama bringt mich um”, GWUP-Blog am 5. Oktober 2014
  • Fatales Natürlichkeitsdenken der Impfgegner, GWUP-Blog am 11. Mai 2014
  • Kinderarzt zu Impfgegnern: “Get Out of My Office”, GWUP-Blog am 5. Februar 2014
  • Mit Witz und Betroffenheit gegen aggressive Impfgegner, GWUP-Blog am 11. August 2014
  • Diskussion mit Impfgegnern: Religiöser Eifer und die Verteidigung der Vernunft, GWUP-Blog am 24. Juni 2014
  • Die Argumente der Impfgegner, GWUP-Blog am 22. Oktober 2009
  • 20 häufige Impfgegner-Argumente: Was ist dran? GWUP-Blog am 18. Juli 2013
  • Afrikaner sterben an Ebola, Schweizer Impfkritiker spotten, NZZ am 29. Oktober 2014
  • Faktencheck Ebola und die Verschwörung der “Systempresse”, GWUP-Blog am 12. November 2014




NEU: Skeptiker 4/2014

SKEPTIKER 4/2014