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Fußspray und Lebensenergie: Tachyonen in der Esoterik

Sogar “Tachyonen-Polo-Shirts” gab es mal – von unserem Eso-Universallieferanten Kurt Tepperwein.

Immer noch erhältlich ist ein Tachyonen-Fußspray. Und tachyonisierte Einlegesohlen (“Happy Souls”).

Und natürlich gibt es Tachyonen-Therapien, die einen …

… neuen Weg zu körperlicher Heilung und geistiger Entwicklung”

verheißen.

Ein überaus langlebiges Buch dazu heißt “Unbegrenzte Lebenskraft durch Tachyonen”.

Und wie fast immer bei solchem Hirndurchfall weiß man nicht, ob die Autorenangaben wirklich ernst gemeint oder reine Satire sind:

Schon in den ersten Lebensjahren fiel er durch seine phänomenale Intelligenz auf. Vom sechsten Lebensjahr an beschäftigte er sich intensiv mit Naturwissenschaften, vor allem Biologie und Atomphysik.

Mit zwölf Jahren wandte er sich den Bereichen Ernährung und ganzheitliche Gesundheit zu. In den folgenden sieben Jahren entwickelte er bahnbrechende neue Konzepte zum theoretischen Verständnis und zur praktischen Anwendung der Naturgesetze für Ernährung, Naturheilkunde und geistige Entwicklung.”

Seltsam, dass bei einer Internetsuche besagter Autor lediglich durch unbegrenzte Laberkraft in einem taz-Interview sowie einen Psiram-Eintrag hervorsticht.

Wo doch die Deutsche Presseagentur schon vor Jahren schrieb:

Einem Tachyon-Entdecker dürfte der Nobelpreis sicher sein.”

In der Tat.

Der Physiker Dr. Holm Hümmler hat sich im Skeptiker 4/2002 mit Tachyonen beschäftigt und auch bei der GWUP-Konferenz 2003.

Tachyonen (von griechisch: tachys = schnell) entspringen lediglich den Rechenblöcken theoretischer Physiker. Diese überlichtschnellen Elementarteilchen ergeben sich als hypothetische Lösungen, wenn …

… man versucht, verschiedene, eigentlich unverträgliche Theorien in ein gemeinsames Rechensystem zu zwingen”,

erklärt Hümmler.

Aber beobachtet, nachgewiesen oder gar eingesetzt wurden Tachyonen noch nie.

Tatsache ist natürlich: Theoretische Vorhersagen aufgrund prinzipieller Überlegungen werden in der Physik mitunter tatsächlich irgendwann bestätigt. Elementarteilchen wie zum Beispiel das Top-Quark oder das Tau-Neutrino waren noch vor wenigen Jahren ebenfalls rein hypothetische Konstrukte.

Der Unterschied zu Tachyonen ist aber:

Man war sich der Theorien so sicher, dass der Nachweis von Quarks und Neutrinos nach gezielter Suche und mit hohem experimentellem Einsatz zwar Beifall, aber wenig Aufsehen auslöste.“

Ganz anders bei den Tachyonen:

Die meisten theoretisch angenommenen Tachyonen hätten, sofern sie existierten, in den bisherigen Messungen allein schon durch ihren Einfluss auf andere Messungen entdeckt werden müssen. Darüber hinaus haben seit Einstein Generationen von Physikern gezielt nach Tachyonen mit den vorhergesagten oder anderen Eigenschaften gesucht – ohne Erfolg.“

Aus diesem Grund gelten sie als eine Art “Hypothesen-Sondermüll, der schwer zu entsorgen ist”.

Nichtsdestotrotz gehören Tachyonen ebenso wie Quanten oder Biophotonen zum Steckkasten der modernen Gebrauchsesoterik.

Bei Astrodicticum simplex berichtet Dr. Florian Freistetter über eine einschlägige Veranstaltung.

Sein Fazit:

Vielleicht gibt es die Tachyonen tatsächlich. Wir wissen noch zu wenig über die fundamentalen Eigenschaften des Universums, um die Existenz überlichtschneller Teilchen rigoros ausschließen zu können.

Aber eines weiß man heute schon mit Sicherheit: Sollten Tachyonen existieren, dann lassen sie sich weder in Kristallen einfangen, noch in Massageöl und auch nicht in all den anderen Produkten, die man in den Esoterikgeschäften für teures Geld angeboten bekommt.”

Zum Weiterlesen:

  • Tachyonen-Energie: Ein überlichtschneller Aberglaube, Astrodicticum simplex am 14. August 2014
  • Schnelles Geld mit schnellen Teilchen – oder ohne? Skeptiker 4/2002
  • Sind Geister einfach Kraftfelder? Telepolis am 15. Juni 2003
  • Schneller als das Licht: Tachyonen, Hier wohnen Drachen am 24. September 2011
  • Neutrinos, Higgs-Teilchen und Tachyonen, Quantenwelt am 14. Juni 2011
  • Mehr als Licht auf dem Tacho, Quantenwelt am 3. Oktober 2011
  • “Tachyonen” bei Quantenwelt
  • “Tachyonen” bei Psiram
  • Biophotonen bei der SkepKon 2014 (Vortrag und Video)

Video: Was ist eine Verschwörungstheorie?

Nach dem “Truther-Karaoke” hat Indub.io ein weiteres Video zum Thema Verschwörungstheorien produziert:


Direktlink zum Video auf Youtube

Zur Textversion geht’s hier.

Bester Satz:

Diskussionen mit Truthern sind in der Regel zwecklos.”

Zum Weiterlesen:

  • Was ist eine Verschwörungstheorie? Indub.io am 20. August 2014
  • Comedian Tommy Krappweis nerven Verschwörungsfreaks bei Facebook, GWUP-Blog am 14. August 2014
  • Winter: Verschwörer stellen uns kalt, GWUP-Blog am 1. Januar 2011
  • Neue MIZ mit Geistern und Verschwörungstheorien, GWUP-Blog am 7. Februar 2014
  • Haarsträubende Themen und schwarze Schwäne: Das Rätsel der “Illuminatendecke”, GWUP-Blog am 21. August 2014

Techno-Mystizismus: Warum der Sherlock-Holmes-Erfinder an Geister und Feen glaubte

Die seltsame Affinität des “Sherlock Holmes”-Erfinders Arthur Conan Doyle zum Spiritismus war schon mal Thema bei der GWUP-Konferenz 2011 in Wien und einer Hoaxilla-Folge.

Der Mann, der seinen viktorianischen Meisterdetektiv auch “übersinnlich” angehauchte Fälle wie “Der Vampir von Sussex” oder “Der Hund der Baskervilles” auf ganz rationale Erklärungen zurückführen ließ, dozierte im wahren Leben über “gänzlich Unsinniges”, propagierte Geisterglaube und Parapsychologie und ließ sich schließlich sogar von zwei Mädchen mit ihren Fotos von den “Cottingley-Feen” hinters Licht führen.

Zu “The Case of the Cottingley Fairies” gibt es sogar Unterrichtsmaterialien von der James Randi Educational Foundation.

Wie ist dieser merkwürdige Widerspruch zwischen Skeptizismus und Spintisiererei zu erklären?

In einem Interview mit dem Sherlock-Holmes-Magazin sagte Dr. Mark Benecke vom GWUP-Wissenschaftsrat letztes Jahr:

Die Frage ist, welche Methode verwende ich, um Schlüsse zu ziehen? Und darum finde ich es bei Doyle so toll, dass er die Grenzen eingehalten hat.

Also: “Woran glaube ich? Ich glaube an Elfen auf Fotos oder Feen. Ich glaube an spiritistische Sitzungen und Ektoplasma. Aber wenn ich Schlussfolgerungen ziehen, die ich darstellen will, zum Beispiel bei Sherlock Holmes, dann lasse ich das komplett raus, weil es da nicht reinpasst.”

Normalerweise sickert bei Autoren immer etwas aus ihrer eigenen Gedankenwelt ein. Zum Beispiel zeigt Stephenie Meyers „Twilight“ die Vampire als Mormonen. Kein Sex vor der Ehe und so weiter, im Grund sind das mormonische Vampire, weil die Autorin Mormonin ist.

Das ist bei Doyle nicht der Fall, und das ist eine großartige Leistung.”

Jetzt hat sich auch der Konstanzer Literaturhistoriker Bernd Stiegler des Falles “Arthur Conan Doyle” angenommen.

In einem neuen Buch arbeitet Stiegler heraus, dass …

… die auf den ersten Blick so gegensätzlichen Weltsichten des Sherlock Holmes’s Erfinders im Medium der Fotografie zueinander fanden.”

Der spätere Erfolgsschriftsteller hatte seine Karriere als Autor für die größte Fotografiezeitschrift Englands begonnen und war zeit seines Lebens von Fotoapparaten fasziniert:

Was er auf Fotografien sah, war er stets geneigt zu glauben”,

schreibt die FAZ in einer Rezension zu Stieglers akribischer Arbeit. Aufnahmen von Elfen, Verstorbenen und Geistern bezeugten für Conan Doyle deren Existenz.

Die Fotografie galt dem ehemaligen Arzt als objektives Aufzeichnungsmedium, ganz so, wie er auch seinen Helden Sherlock Holmes als “die vollkommenste Beobachtungsmaschine, die die Welt je gesehen hat“, beschrieb.

Der scheinbare Kontrast zwischen nüchterner Beweisführung auf empirischer Grundlage und seinen zahlreichen Publikationen zum Thema Spiritismus war für Arthur Conan Doyle also möglicherweise gar keiner.

Dass er mit dieser Einschätzung falsch lag und dadurch unter anderem auf die zwei kleinen Schwindlerinnen hereinfiel, die Elfenzeichnungen aus einem Kinderbuch an Pflanzen gepinnt und geknipst hatten, weist ihn als “typischen Geist seiner Zeit” aus, schlussfolgert Stiegler:

Hin und her gerissen zwischen Wissenschaftsglaube und einer Empfänglichkeit für das Übernatürliche. Beides findet sich gespiegelt im damals neuen Medium Fotografie.”

In seinem Buch “Die Elfen kommen” schrieb Arthur Conan Doyle 1922:

„Die Wissenschaft des viktorianischen Zeitalters hatte die Welt hart und steril und nackt wie eine Mondlandschaft zurückgelassen, aber diese Wissenschaft ist in Wahrheit nur ein kleines Licht in der Dunkelheit, und außerhalb des begrenzten eindeutigen Wissens erkennen wir, dass um uns herum riesige und phantastische Möglichkeiten ihre Schatten voraus werfen“.

Und tatsächlich, merkt der FAZ-Feuilletonist an:

Welcher Glaube wäre materialistischer als derjenige, das Drüben hinterlasse Wolken auf Silberpapier, aus Frauen fließe bei überirdischer Ansteuerung „Ektoplasma“, und die Toten dränge es danach, mit uns zu telefonieren?”

In gewisser Weise gleicht Sir Arthur Conan Doyle damit heutigen “Ghosthuntern”, deren persönlicher Geisterglaube mit einer unkritischen Technikgläubigkeit einhergeht.

“Techno-Mystizismus” gab es mithin schon Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts.

Und einer seiner größten Anhänger bescherte uns nicht nur einen zeitlosen Helden des Detektiv-Genres sondern auch das “Sherlock-Holmes-Syndrom”:

Leider ist Sherlock Holmes nur ein mässig gutes Vorbild für einen Skeptiker [...] Das Problem ist, was Sherlock Holmes als die einzige mögliche logische Schlussfolgerung darstellt, ist oft nur eine mögliche Erklärung unter vielen.

Wer nicht dies nicht hinterfragt, lässt sich leicht von dieser oberflächlichen “Logik” blenden (Ähnlichkeiten mit Verschwörungstheorien sind hier ebenfalls zu erkennen).”

Zum Weiterlesen:

  • Bernd Stiegler: Spuren, Elfen und andere Erscheinungen Conan Doyle und die Photographie. S.Fischer Verlag, Frankfurt 2014
  • Detektivgeschichten und Spiritismus, Deutschlandfunk am 19. August 2014
  • Geisterstunde mit Sherlock Holmes, FAZ am 16. August 2014
  • Sherlock Holmes und die Elfen, WDR 5 am 25. Juni 2014
  • Detektiv in der Dunkelkammer, Deutschlandradio Kultur am 30. Juni 2014
  • Buchrezension: Spuren, Elfen und andere Erscheinungen, WDR 3 am 4. Juli 2014
  • Hoaxilla #145 – „Sir Arthur Conan Doyle” vom 20. Januar 2014
  • Der Mann, der den Feen vertraute, Welt-Online am 17. Mai 2009
  • Die Geschichte der Feen von Cottingley, pressenet.info
  • Arthur Conan Doyle: Zwischen Feen und Sherlock Holmes, Focus-Online am 22. Mai 2009
  • Sir Arthur Conan Doyles Krieg der Geister, Telepolis am 29. Januar 2010
  • Das Sherlock Holmes Syndrom der Terror-Experten, zoon politikon am 23. Juli 2011
  • Interview mit Dr. Mark Benecke im Sherlock-Holmes-Magazin vom 15. Juli 2013
  • Fotogrüße aus dem Jenseits, einestages am 23. Dezember 2011
  • Geisterstimmen und Electronic Voice Phenomena, GWUP-Blog am 4. November 2009
  • Ghosthunting und Techno-Mystizismus, GWUP-Blog am 16. Oktober 2009
  • Technophilie und Geisterglaube, GWUP-Blog am 2. Februar 2014
  • Sir Arthur Conan Doyle and the Spirits, Skeptical Humanities am 19. August 2014

Waldorf in Hamburg: „Ist das nicht was für Dumme?“, fragen türkische Eltern

Zeit-Online schreibt heute ausführlich über den geplanten Waldorf-Schulversuch in Hamburg:

Passt Waldorf nach Wilhelmsburg?

Auch die GWUP findet darin Erwähnung:

Im Juni trat Kantner in Wilhelmsburg bei einer kritischen Podiumsdiskussion über den Schulversuch auf. Eingeladen hatte die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP), eine Gruppe, die sich der wissenschaftlichen Entlarvung von Aberglauben und Esoterik verschrieben hat; viele ihrer Mitglieder tragen Doktor- oder Professorentitel.

Die GWUP ist die lauteste Stimme gegen den Schulversuch: Sie startete eine Onlinepetition dagegen und schrieb einen offenen Brief an den Senat. In dem heißt es, die Lehre Steiners enthalte “ein Sammelsurium von antiaufklärerischen, pseudowissenschaftlichen und rassistischen Ideen”, das mit den Erfordernissen “einer modernen Gesellschaft in keiner Weise vereinbar” sei.

Die Stadt dürfe nicht Träger einer solchen Schule werden.”

Darüber hinaus haben die drei Autoren einen interessanten Aspekt recherchiert:

Selbst bei der vermeintlichen Kernzielgruppe des Schulversuchs “im Problemviertel [Wilhelmsburg], wo 90 Prozent der Schüler Migranten sind, viele kaum Deutsch sprechen”, stößt das Vorhaben auf Skepsis:

Sümeyye G. spricht gut Deutsch, für viele türkische Eltern ist sie deshalb eine wichtige Ansprechpartnerin für alles, was in der Schule passiert. Rund 20 Bekannte hätten sie schon gefragt, was es denn auf sich habe mit diesem Waldorf, erzählt sie. Viele seien misstrauisch.

“Waldorf ist doch für dumme Kinder?”, habe eine Mutter gefragt. Eine andere meldete ihr Kind in einer anderen Schule an. Sie fürchtete, es könnte an der Waldorfschule zu wenig lernen.

Es gibt gute Gründe für diese Befürchtung: Im Vertrag zwischen der Schule und dem Senat steht, dass die Zweitklässer von der Fährstraße künftig nicht am hamburgweiten Vergleichstest Kermit teilnehmen müssen. Sümeyye G. wusste bislang nichts von der Ausnahme.

Sie sagt: “Wenn man an seine Arbeit glaubt und dahinter steht, dann kann man sich auch vergleichen lassen.”

GWUP-Mitglied und Waldorf-Kritiker André Sebastiani hat sich in der Facebook-Gruppe “Wissenschaft und Skeptizismus” bereits zu dem Zeit-Artikel geäußert:

Meiner Meinung nach ist es nicht möglich, sich nur die anerkannten Elemente der Pädagogik herauszugreifen, weil jedem pädagogischen Konzept in der Waldorfschule anthroposophisches Gedankengut zu Grunde liegt [...]

Ich befürchte hier zum Beispiel, dass Kinder, die ohnehin Sprachförderbedarf mitbringen, durch die Waldorfmethode im Schriftspracherwerb Nachteile haben könnten, die später kaum noch zu korrigieren sind.

Die Waldorfmethode sieht vor, erst nach dem ersten Jahrsiebt, mit dem Zahnwechsel, mit dem Schriftspracherwerb zu beginnen, weil die Kinder sonst im Erwachsenenalter Krankheiten entwickeln könnten.

Auch die Methode selbst ist problematisch, aber das würde an dieser Stelle zu weit führen. Jedenfalls wäre möglichst frühe Förderung auf der Basis aktueller Erkenntnisse angesagt.”

Zum Weiterlesen:

  • Passt Waldorf nach Wilhelmsburg? Zeit-Online am 19. August 2014
  • “Gute Karriereaussichten” für Waldorfschüler wie das? GWUP-Blog am 6. August 2014
  • Waldorf in Wilhelmsburg und die Bankrotterklärung der Politik, GWUP-Blog am 15. Juni 2014
  • Versteinerte Erziehung, Skeptiker 4/2011 (aktualisierte Fassung online hier)
  • “Waldorf-Schule”, Hoaxilla-Podcast Nr. 107 vom 18. November 2012
  • “Pragmatischer Waldorf” – was soll das denn sein? GWUP-Blog am 10. Februar 2013
  • “Ein bisschen Waldorf geht nicht”, taz am 25. November 2013
  • Vortrag “Ver-Steinerte Erziehung” als Video, GWUP-Blog am 18. Februar 2014

Emotos Versuche: Wasser predigen, Wodka trinken

Zuerst einmal gratulieren wir GWUP-Vorstand Dr. Florian Aigner zum Förderpreis für Volksbildung der Stadt Wien!

Aigner arbeitet als Wissenschaftsredakteur im Büro für Öffentlichkeitsarbeit der TU Wien.

In einer Pressemitteilung zu seiner Auszeichnung schreibt die Hochschule:

Florian Aigner engagiert sich auch dafür, die Grenzen zwischen echter Wissenschaft und unwissenschaftlichem Aberglauben aufzuzeigen.

Als Vorstandsmitglied der Gesellschaft zur Wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) engagiert er sich gegen antiwissenschaftlichen Aberglauben, gegen Irreführung durch wissenschaftlich unhaltbare Wunderversprechungen und gegen irrationale Angstmache.”

Davon handelt auch sein aktueller Artikel in dem Internet-Portal futurezone:

Der Mann, der dem Wasser Briefchen schreibt”

Es geht natürlich um den japanischen Politologen Dr. Emoto, dessen Wasser-”Versuche” absurder Komik näher kommen als fundierter Erkenntnis.

Ein Auszug:

Masaru Emoto hat herausgefunden, dass Wasser allerlei Information aufnehmen kann. Er testet das, indem er kleine Wassertröpfchen gefrieren lässt und dann beurteilt, ob sich hübsche oder weniger hübsche Wasserkristalle gebildet haben […]

Wasser kann nämlich auch lesen. Wenn man etwas Nettes auf einen Zettel schreibt und auf eine Wasserflasche klebt, dann entstehen aus diesem Wasser ganz wunderbar geordnete Eiskristalle. „Liebe“ gibt schöne Kristalle, „Hass“ sieht hässlich aus […]

Und durch diese Erkenntnis betrachte ich die Welt nun mit völlig anderen Augen: Der Mann hat recht!

Im Supermarkt habe ich zwei Flaschen mit völlig identisch aussehender Flüssigkeit gekauft – auf einer steht „Mineralwasser“, auf der anderen „Vodka“.

Hat die Aufschrift den Inhalt beeinflusst? Ich habe beide probiert, der Unterschied lässt sich nicht leugnen!”

Zum Weiterlesen:

  • Zwei Förderpreise der Stadt Wien gehen an die TU, Pressemitteilung der TU Wien vom 5. August 2014
  • Der Mann, der dem Wasser Briefchen schreibt, futurezone am 12. August 2014
  • Skeptiker 3/2011: Wundersames Wasser, GWUP-Blog am 28. August 2011
  • Kein Körnchen Wahrheit bei Masaru Emotos Versuchen, GWUP-Blog am 12. März 2014
  • Wissenschaftskommunikation: Und was ist mit den Blogs? GWUP-Blog am 19. Juni 2014

Denkfest 2014 im September in Zürich: Drei Tage Medizin, Evolution und Ethik

Das Zürcher Denkfest geht in die zweite Runde.

Nach dem großen Erfolg 2011 mit mehr als 400 Teilnehmern stehen vom 11.-14. September im Volkshaus Zürich drei Schwerpunktthemen auf dem Programm:

  • Medizin & Methode: Wie wissen wir, was wirkt und was nicht?
  • Evolution: Welche Fakten sind erhärtet und was wird noch erforscht?
  • Ethik fürs 21. Jahrhundert: Welche Regeln für unsere moderne Welt?

Mit dabei ist auch GWUP-Vorstand Dr. Julia Offe, die durch den Science Slam beim Conference Dinner führt und am Samstag (13.9.) darüber spricht, wie sich Pflanzen und Insekten einen evolutionären Wettkampf liefern.

Das Denkfest ist eine Veranstaltung der Freidenker-Vereinigung der Schweiz und wird von den Schweizer Skeptikern und der Giordano-Bruno-Stiftung Schweiz unterstützt.

Tageskarten gibt’s für 90 CHF, der Festivalpass kostet 220 CHF.

Zum Weiterlesen:

  • Zürcher Denkfest: Internationales Panel zu skeptischem Bloggen, GWUP-Blog am 9. September 2011
  • Das Denkfest kam, sah und siegte, skeptiker-blog am 12. September 2011

Skepsis macht Schule: Ein Wünschelruten-Test am Freisinger Gymnasium

Ein Beispiel, das Schule machen sollte:

Am Camerloher-Gymnasium in Freising hat GWUP-Mitglied Jürgen Plank als Kursleiter eines W-Seminars (wissenschaftliches Seminar) der Q 11 (Qualifizierungsstufe elfter Jahrgang) einen Wünschelruten-Test im Klassensaal initiiert.

Die 15 Seminar-Teilnehmer im Alter von 17 bis 18 Jahren beschäftigten sich über mehrere Wochen mit dem Themenfeld „Shaping Reality – Conspiracy Theories and Hoaxes”.

Ich selbst hatte das Vergnügen, eine Doppelstunde zu scheinbar übersinnlichen Phänomenen und außergewöhnlichen Behauptungen halten zu dürfen.

Höhepunkt war indes der Test eines Rutengängers nach dem Vorbild der PSI-Tests der Skeptiker.

Für den Jahresbericht der Schule hat die Kursteilnehmerin Tabea von Schilling folgenden Beitrag darüber geschrieben:

Unser W-Seminar „Shaping Reality – Media Hoaxes and Conspiracy Theories“ unter der Leitung von Herrn Plank untersuchte mediale Falschmeldungen sowie Verschwörungstheorien und fragwürdige Methoden, wie beispielsweise das Dowsing – zu Deutsch: Wünschelrutengehen.

Um die Wirksamkeit dieses umstrittenen Hobbys zu testen, ließ es sich tatsächlich einrichten, einen Dowser und Pendler zu uns ans Camerloher einzuladen und ihn – nach entsprechender Absprache – einer „selbstgemachten“, aber nach möglichst wissenschaftlichen Kriterien konzipierten Prüfung mit Stromkabeln und Wasserflaschen zu unterziehen.

Unser Wünschelrutengänger Herr W., der auch schon mit Pendeln viele Erfahrungen gesammelt hat, erklärte sich dankenswerterweise bereit, uns seine Fähigkeiten zu präsentieren, um möglicherweise als wahrer Wünschelrutencrack in die Weltgeschichte einzugehen.

Bei erfolgreichem Nachweis „paranormaler“ Fähigkeiten im Rahmen eines internationalen Tests in Amerika winkt dem Gewinner nämlich ein stattliches Sümmchen von einer Million US-Dollar.

Natürlich bedarf es für so einen Test viel Vorbereitung, eine exakt geplante Durchführung sowie jede Menge Teamwork. Schließlich sollte das Ergebnis, wie immer es auch ausfallen sollte, hieb- und stichfest sein.

Kursleiter Herr Plank entwarf einen ausgeklügelten Plan für die Vorbereitung bzw. die Durchführung und teilte jedem Mitglied unseres Seminars eine Aufgabe zu. Dem Team für die Vorbereitung beispielsweise oblag es, sowohl sechs Wasserflaschen unter Geschenktäschchen als auch Stromkabel der gleichen Menge unter einem Stoff zu verstecken, welche Herr W. dann mit seinen Instrumenten aufspüren und entlarven sollte.

Das V-Team sollte jedes Mal vor Rundenbeginn die einzige mit Wasser gefüllte Flasche unter einem der sechs Hütchen deponieren und eines der Kabel mit einer Stromquelle verbinden, was wiederum zum Leuchten der angeschlossenen Lampe führte.

Dabei ging das Team strikt nach dem sogenannten Double-Blind-Prinzip vor, welches besagt, dass weder die Testperson noch der Moderator der Prüfung von der wahren Wasser- beziehungsweise Stromquelle wissen dürfen, um versehentlich verräterische Gestik oder Mimik des Moderators zu verhindern.

Parallel dazu übernahmen zwei Schüler die Aufgabe, per Zufallsprinzip (Würfel bzw. „Bauchgefühl“) selbst einmal zu versuchen, ob sie die korrekte Lösung „erspüren“ können.

Und dann war es auch schon soweit: Nach der herzlichen Begrüßung des Dowsers durch die Schüler folgte erst einmal eine kleine Informationsrunde, in der Herr W. über sein Hobby berichtete. Einige seiner Bekannten konsultierten ihn beispielsweise bei Schlafstörungen, denen er nach seinen Angaben zum Beispiel durch Aufspüren einiger Steckdosen nahe des Schlafplatzes ein jähes Ende bereitete.

Des Weiteren gewährte er uns einen tiefen Einblick in sein vielseitiges Equipment, zu welchem auch zwei Instrumente gehörten, die er daraufhin in dem Test verwendete. Noch eine kleine Buchvorstellung zu diesem vielseitigen Thema – und dann ging es ans Eingemachte.

Vor dem eigentlichen Test ließen wir Herrn W. einmal probeweise herumgehen, wobei er das jeweils stromführende Kabel bzw. die gefüllte Flasche mitgeteilt bekam. Bei diesen behauptete er, etwas zu spüren, und seine Winkelruten (engl. dowsingrods oder divininggrods) und Pendel bestätigten dies auch durch heftige Ausschläge.

Eine Schülerin durfte sogar auch einmal probieren. Tatsächlich berührten sich die beiden Winkelruten bei der gefüllten Flasche sowie beim stromdurchflossenen Kabel. Damit war zumindest einmal klargestellt, dass der Versuchsaufbau funktionierte und Wünschelrutengehen bzw. Pendeln zu korrekten Aussagen führt, wenn das zu erreichende Ergebnis im Vorfeld bekannt ist.

Hochmotiviert und voller Spannung begaben sich die beiden Herren sowie das Durchführungsteam hinaus, um dem V-Team das Feld zu überlassen.

Dieses würfelte eine Zahl aus (um auf diese Weise das Prinzip der „Randomisierung“ einzuhalten), vermerkte diese und zapfte das jeweils nummerierte Kabel an, um es danach unter dem improvisierten Karton zu verstecken. Zu dem Wasser wollten wir erst am Schluss der Stunde kommen.

Nach dieser spannenden Aktion wurde das Klassenzimmer gewechselt, um dem Durchführungsteam sowie Herrn W. und dem Kursleiter freie Bahn zu gewähren.

Die Testperson wählte nach eingehendem Studium die verdächtige Flasche wie Kabel aus und verließ – nach Notierung der Nummern – mit dem Team und dem Lehrer den Raum.

So ging es weiter, indem V- wie D-Team abwechselnd den Raum belegten und nur durch jeweils neutrales Klopfen an der jeweiligen Tür das Signal gaben, dass die nächste von insgesamt sechs Testrunden beginnen konnte.

Gegen Ende der Stunde war der Strom-Test abgeschlossen, allerdings konnte es aus Zeitgründen bedauerlicherweise nur mehr zu einem einzigen Wasser-Test kommen. Danach schlug die Stunde des letzten Teams, der Jury, das die Ergebnisse des V- und D-Teams zusammenstellen musste.

Also versammelten sich Kurs, Lehrer und Dowser, um die Ergebnisse am Overhead-Projektor auszuwerten. Die Ergebnisse waren eindeutig, auch wenn so mancher wohl auf ein Wunder gehofft hatte.

Beim einzigen durchgeführten Wasser-Test hatte Herr W. falsch gelegen und beim Stromtest landete er bei seinen sechs Versuchen nur einen einzigen Treffer – das entspricht dem klassischen Zufallsprinzip.

Das Würfel-Team hatte ebenfalls einen Treffer vorzuweisen. Somit war der Fall entschieden: Auf Wünschelrutengehen ist offensichtlich kein Verlass.

Doch der anfangs so optimistische Herr W., der auch während der ganzen Testreihen absolute Zuversicht ausgeströmt hatte und nun entsprechend verdutzt war, hielt solidarisch an seiner Meinung fest und behauptete, von diesem Ergebnis nicht auf die Unwirksamkeit des Dowsings schließen zu können.

Faktoren wie Nervosität, fremde Umgebung sowie bestimmte Schwingungen könnten seiner Meinung nach die Durchführung des Tests beeinflusst haben.

Diese Argumentation wurde jedoch als wenig stichhaltig empfunden, da seine Instrumente bei den unverblindeten Tests vorher ja exakt so ausgeschlagen hatten, wie das erhofft worden war (für Interessierte: Verantwortlich für solche „Erfolge“ sind offensichtlich winzige, unbewusst ablaufende Muskelbewegungen aufgrund des Carpenter- bzw. ideomotorischen Effekts).

Trotzdem wird Herr W. jedenfalls nach wie vor seinem Hobby nachgehen und versuchen, seinen Mitmenschen damit zu helfen. Die Prüfung in Amerika abzulegen und somit einen hohen Geldbetrag zu gewinnen, kommt für ihn zwar nicht mehr in Frage – doch davon lässt sich der überzeugte Dowser nicht verunsichern.

Wir danken Herrn W. jedenfalls für seinen exklusiven Besuch und wünschen ihm weiterhin alles Gute mit seinen Detektoren!

Auch wenn Wünschelrutengeher und Pendler unter wissenschaftlich durchgeführten, also randomisierten und doppelt verblindeten Testbedingungen bisher noch immer gescheitert sind und die Million-US-Dollar (genauso übrigens wie die hier in Deutschland ausgesetzten 10.000 Euro) weiterhin auf einen Empfänger warten, der übersinnliche Fähigkeiten tatsächlich nachweisen kann, bleibt das „Prinzip Hoffnung“.

Oder, wie manche meinen: There can be miracles – when you believe!”

Zum Weiterlesen:

  • Skeptiker macht Schule: Teenager als Mythbuster, GWUP-Blog am 6. September 2009
  • Warum Wünschelrutengehen keine Wissenschaft ist, GWUP-Blog am 17. November 2013
  • Überraschung beim PSI-Test: Kandidat räumt “bittere Erfahrung” ein, GWUP-Blog am 28. Juli 2014
  • Warum die Wissenschaft viel besser ist als ihr Ruf, Focus-Online am 17. August 2014

„Panorama“: Heilpraktiker als Gerichtsgutachter

Interessanter Aufriss von “Panorama” gestern Abend offenbar dürfen Heilpraktiker sogar als Gerichtsgutachter dilettieren:

In ganz Deutschland gibt es keine verbindlichen Mindeststandards für die Erstellung von Gutachten. Zudem fehlen Regelungen, wer überhaupt ein familienrechtspsychologisches Gutachten verfassen darf. Da der Beruf des Gutachters nicht geschützt ist, darf sich jeder Gutachter nennen.

Und auf Grund der richterlichen Unabhängigkeit kann der Richter jeden zum Gutachter am Gericht ernennen [...]

Ein Gutachter sollte für das Gericht beurteilen, ob der Vater erziehungsfähig ist. Den Auftrag erhielt aber kein Fachpsychologe, sondern eine Heilpraktikerin. Der Vater verlor und ging in die zweite Instanz an das OLG Hamm.

Wieder durfte die Heilpraktikerin ein Gutachten schreiben und wieder verlor der Vater.”

Hier geht es zum Video.

Zum Weiterlesen:

  • Heilpraktiker als Psychotherapeuten, GWUP-Blog am 28. Juli 2013
  • Die absurde finanzielle Ungleichbehandlung von Ärzten und Heilpraktikern, GWUP-Blog am 18. Juli 2014
  • “Heilpraktiker” noch zeitgemäß? GWUP-Blog am 13. November 2012
  • Heilpraktiker Notwendig oder Nutzlos? dieausrufer am 1. September 2013
  • Der Heilpraktiker: Narrenfreiheit, Größenwahn und gefährliche Folgen, Ratgeber-News-Blog am 20. Januar 2014
  • Heilpraktiker für Psychotherapie: Partnerwahl per Vornamen? Ratgeber-News-Blog am 13. April 2010

Elvis lebt und Paul ist tot: Die neue Folge von Hoaxilla-TV

Bei dem Abo-Portal Massengeschmack-TV ist die zweite Hoaxilla-Folge online gegangen.

Thema sind

Verschwörungen in der Musikwelt”

Ist Paul McCartney tot? Lebt Elvis noch? Und welche satanischen Botschaften verbergen sich in bestimmten Liedern?

Mehr dazu in diesem Teaser:


Direktlink zum Video auf Youtube

Zum Weiterlesen:

  • “Hoaxilla-TV” startet, GWUP-Blog am 17. Juni 2014
  • Restebloggen mit Lena, Satan, Dawkins und Weltuntergang, GWUP-Blog am 24. Dezember 2013
  • Uwe Ochsenknecht vertont skeptisches Buch, GWUP-Blog am 2. August 2010

“Truther-Karaoke“: Eine szenische Darstellung von Verschwörungsgesumms

Apropos Verschwörungstheorien:

Wie gerufen zur Illustration dessen, was der Komiker Tommy Krappweis in seinem Facebook-Kommentar beklagt, kommt dieses Video von indub.io:

Dinge, die Verschwörungstheorie-Anhänger sagen: Trutherkaraoke”

Die Darsteller in dem 4-Minuten-Clip sprechen einfach Ergüsse von Verschwörungstheoretikern nach, die diese in sozialen Netzwerken hinterlassen haben:


Direktlink zum Video auf Youtube

Schön bizarr.

Zum Weiterlesen:

  • Comedian Tommy Krappweis nerven Verschwörungsfreaks bei Facebook, GWUP-Blog am 14. August 2014
  • Dinge, die Verschwörungstheorie-Anhänger sagen: Trutherkaraoke”, indub.io am 13. August 2014
  • Kritisches Video zu MMS und Neues von den Behörden, GWUP-Blog am 6. August 2014
  • Bikini-Babes und andere “Truther”, GWUP-Blog am 10. September 2013
  • Verschwörungsgeplauder XII, Astrodicticum simplex am 10. August 2014
  • Ebola-Epidemie? Best of Verschwörungstheorie, Psiram am 15. August 2014




NEU: Skeptiker 4/2014

SKEPTIKER 4/2014