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Was tun gegen Impfgegner? Jetzt sind Emotionen gefragt

Man braucht nur die Facebook-Diskussion zum aktuellen Stiftung-Warentest-Artikel “Masern in Deutsch­land” zu verfolgen, um bestätigt zu finden, dass Impfgegner mit einer Art von religiösem Eifer agieren.

Was soll man dem entgegensetzen?

Diese Frage gewinnt mehr und mehr an Bedeutung, angesichts der Masern-Ausbrüche in Berlin und jetzt in Leipzig.

Argumente allein helfen jedenfalls kaum weiter, denn es sind eine ganze Reihe von Denkfehlern und Fehlschlüssen, die dem Appell an die Vernunft von Impfgegnern den Weg versperren:

Meinungen schlagen Argumente.”

Dem mancherorts geforderten “Dialog” sind damit wohl enge Grenzen gesetzt.

Aber was dann?

Helfen verstörende Bilder von Masernopfern und Eisernen Lungen mit Poliokranken, wie das Online-Portal Buzzfeed sie zeigt?

Vermutlich nicht, jedenfalls raten Experten von solchen Schock-Kampagnen ab.

Sollten Ärzte sich einfach weigern, die Kinder von Impfgegnern als Patienten anzunehmen, so wie Russell Saunders, über den wir hier berichtet haben?

Die Meinungen unserer Leserinnen und Leser dazu waren geteilt.

Besser wäre vielleicht ein spezielles Kommunikationstraining für Mediziner, wie es Dr. Paul Offit in Kalifornien anbietet, einer Hochburg der Impfgegner.

Würde ein Impfpflicht helfen, wie Kinder- und Jugendärzte in Deutschand sie fordern? In diesem Punkt sind sich auch die Skeptiker uneins.

In den USA werden dagegen bereits strafrechtliche Konsequenzen für Impfverweigerer diskutiert.

Das politische Online-Magazin NovoArgumente nennt die Debatte über Zwangsmaßnahmen aller Art “bedrückend”, weist aber zugleich darauf hin, dass eine “Impfpflicht” noch keinen “Impfzwang” bedeuten muss.

Bei einer Impfpflicht dürften zum Beispiel ungeimpfte Kinder keine öffentlichen Schulen oder Kindergärten besuchen und Erwachsene müssten bei der Hochschul-Immatrikulation eine Impfbescheinigung vorlegen.

Es geht nicht um Strafe, sondern um Druck”,

erklärt der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Dr. Wolfram Hartmann.

Auch der Pädiater Dr. Alfred Nassauer vom Robert-Koch-Institut (RKI) fordert eine neue Diskussion über die “Durchführung der Impfungen, da deren Schutz ja nicht nur dem Einzelnen, sondern auch der Gemeinschaft dient”.

Für “weitaus sinnvoller” als Zwangsmaßnahmen hält NovoArgumente indes Überlegungen, wie …

… das Vertrauen zwischen Eltern und Ärzten wiederhergestellt werden kann und wie man mehr Gemeinsinn im Sinne der Unterstützung eines funktionierenden Impfsystems entwickeln könnte.”

Führende Personen des Gesundheitssektors sollten stärker als bisher die Öffentlichkeit suchen und so dazu beitragen, den vorherrschenden Zynismus und das Misstrauen gegenüber Pharmakonzernen und Gesundheitsbürokratie abzubauen:

Das könnte auch helfen, den Verschwörungstheorien der Impfgegner entgegenzuwirken.”

Eltern, die positive Erfahrungen mit Impfungen gemacht haben, sollten bei der Aufklärungsarbeit gegen die Impfgegner mitwirken:

Möglicherweise kommt es erst dann zum Meinungsumschwung, wenn die Eltern selbst beginnen, sich zu Wort zu melden.”

Auch der amerikanische Skeptiker Benjamin Radford hatte sich 2013 in diese Richtung geäußert:

One article in Human Vaccination and Immunotherapy examined the issue and concluded that “Utilizing some of the storytelling strategies used by the anti-vaccine movement, in addition to evidence-based vaccine information, could potentially offer providers, public health officials, and pro-vaccine parents an opportunity to mount a much stronger defense against anti-vaccine messaging.”

Perhaps tearful stories and personal anecdotes from parents who failed to vaccinate their children (and who were injured or died as a result) might be an effective counter-measure.”

Diesen Gedanken greift Spiegel-Redakteurin Julia Koch in der aktuellen Print-Ausgabe (8/2015, S. 113) des Magazins auf:

Gegen den Aberglauben der Impfkritiker kann nur argumentieren, wer ihre Strategie übernimmt – und von anrührenden Einzelfällen erzählt.”

Aktuelle Beispiele sind Carl Krawitt, der die Schule seines leukämiekranken Sohnes Rhett auffordert, nicht geimpfte Kindern vom Unterricht auszuschließen, und Jennifer Hibben-White, deren fünf Wochen alter Sohn Griffin sich im Wartezimmer eines Kinderarztes mit Masern angesteckt hat.

Oder die Science-Bloggerin Tara C. Smith, die erklärt:

Why I vaccinate my kids.”

Über viele weitere Menschen und ihr persönliches Engagement gegen den Irrglauben der Impfgegner haben wir hier im Blog schon geschrieben, zum Beispiel

  • über die Facebook-Gruppe “Für Impfen”;
  • über die Facebook-Seite “Angelina – Der Kampf mit SSPE”;
  • über die vierjährigen Aliana, die infolge einer Masern-Infektion im Sterben liegt;
  • über den Vater eines autistischen Kindes, der Jenny McCarthy eine Ignorantin und Scharlatanin nennt;
  • über die Großmutter von Jenny McCarthys Sohn Evan, die öffentlich der Behauptung des Ex-Playmates widerspricht, eine Impfung habe bei Evan Autismus verursacht;
  • über die “Buffy”-Darstellerin Sarah Michelle Gellar, die sich für die Keuchhusten-Impfung einsetzt;
  • über die Kunstaktion “The Art of Saving a Life”;
  • über den Song “Meine Mama bringt mich um”
  • über den Song “Vaccinate Your Kids”;
  • über den Schriftsteller Roald Dahl und seine Geschichte “Death of Olivia”

und vieles mehr.

Weiter so!

Denn die Impfgegner spielen ihrerseits auf jeder Klaviatur und fahren sogar Kinderbücher mit Zombies und Aliens gegen das Impfen auf.

Zum Weiterlesen:

  • Crazy Keime, taz am 18. Februar 2015
  • Masern in Deutschland, Stiftung Warentest am 16. Februar 2015
  • Goodnight Measles: Bedtime Stories for Your Unvaccinated Child, Mother Jones am 13. Februar 2015
  • Why I wish my daughter had been vaccinated, The Guardian am 24. April 2013
  • Impfungen von Kindern und Jugendlichen auch gegen den Elternwillen? Robert-Koch-Institut
  • Was die Impfgegner stark macht, hpd-online am 11. November 2014
  • Esoterik und die Reaktion der Impfgegner, hpd-online am 13. November 2014
  • Impfungen funktionieren! Und Impfverweigerer sind gefährlich! Astrodicticum simplex am 22. Februar 2015
  • Throwing Science At Anti-Vaxxers Just Makes Them More Hardline, IFLscience am 24. Februar 2015

Quantenheilung? Bullshit

Spiegel-Online über die “Pseudowissenschaft Quantenmedizin”:

Eine [...] Firma bietet ein “Quantentherapiegerät” zur Behandlung von Sportverletzungen und Haarausfall an. Würde das alles wirklich funktionieren, müssten die Erfinder eigentlich den Medizin- und den Physiknobelpreis im Doppelpack bekommen.

Es funktioniert aber nicht. Jedenfalls nicht, wenn man die Maßstäbe der Wissenschaft anlegt.

Andererseits ist auch nicht alles gelogen, was Quantenheiler auf ihren Webseiten über Quantenphysik schreiben. Nur was ist es dann, wenn nicht Wahrheit oder Lüge? Es ist Bullshit.

Hier wird mit pseudowissenschaftlichem Geschwafel der Eindruck von fundierter Forschung erweckt.

Und damit steht Quantenmedizin stellvertretend für eine Reihe von Methoden und Techniken, die eines gemein haben: Sie werden mit dem autoritätsstiftenden Vokabular der modernen Physik beworben, um potentielle Kunden an der Nase herumzuführen.

Das Phänomen hat eine eigene Blödsinnskategorie verdient: Quantenbullshit.”

Zum Weiterlesen:

  • Pseudowissenschaft Quantenmedizin: Einstein für Esoteriker, Spiegel-Online am 17. Februar 2015
  • Tobias Hürter/Max Rauner: Schluss mit dem Bullshit! Auf der Suche nach dem verlorenen Verstand. Piper-Verlag, München 2014
  • Was hat “Quantenheilung” mit Quantenphysik zu tun? GWUP-Blog am 3. Mai 2013
  • Quantenphysik hat nichts mit Quantenheilung zu tun”, derStandard.at am 3. Mai 2013
  • Quantenphysik hat nichts mit Quantenheilung zu tun, naklar.at am 3. Mai 2013
  • Quantenheilung ist “maximal ein Placebo-Effekt”, GWUP-Blog am 14. Dezember 2012
  • Quantenphysiker widerspricht Esoterikern, GWUP-News am 9. Dezember 2012
  • Was hält Anton Zeilinger von Homöopathie? GWUP-Blog am 2. Februar 2012
  • Ich bin jetzt Quantenheilungs-Skeptiker, Hier wohnen Drachen am 5. Februar 2012
  • Ein Quantum Schwachsinn, GWUP-Blog am 10. April 2011
  • Quantenheilung bei Psiram
  • Quantenmedizin bei Psiram
  • Rolf Froböse entdeckt die Quantenmedizin, Kritisch gedacht am 28. Mai 2009
  • Homöopathen und ihre Quanten, GWUP-Blog am 25. Juli 2013
  • Relativer Quantenquark, hpd am 28. Januar 2015

Heilpraktiker: „Irrationalismus und voraufklärerisches Denken“

Es liest sich wie eine Zusammenfassung der – beendeten, nicht mehr wiederaufnahmefähigen – Kommentardiskussion zu unserem Blogposting “Heilpraktiker” noch zeitgemäß?”

Die Autorin Anousch Mueller schreibt in der Süddeutschen Zeitung einen Erfahrungsbericht über die Heilpraktiker-Ausbildung.

Einige Auszüge:

Dass viele Heilpraktiker ziemlich selbstbewusst ihre Befugnisse übertreten, erlebte ich vor einigen Jahren während einer Heilpraktiker-Ausbildung.

Immer wieder kam es zu grotesken Situationen, die mich bereits damals dem Heilpraktikerwesen entfremdeten. So wurden Studenten esoterisch indoktriniert und Verschwörungstheorien verbreitet.

Ganz massiv wurde in den Seminaren Impfangst geschürt.

Es wurde stets behauptet, Heilpraktiker verfügten über Wahrheiten, vor denen die meisten Menschen die Augen verschlössen. Daher sei es auch die Aufgabe von Heilpraktikern, aufklärerisch tätig zu sein.

Die Folgen dieses esoterischen Missionierungseifers sind inzwischen deutlich zu spüren. Gerade in der gut situierten Mittelschicht, wo viele auf alternativmedizinische Angebote schwören, kursieren die abenteuerlichsten Mythen [...]

Was jedoch die wenigsten wissen: Heilpraktiker ist nicht mal ein anerkannter Ausbildungsberuf wie Bäcker oder Kinderpfleger – und dies ist ein Erbe des Nationalsozialismus. Die einzige Legitimation ist das Heilpraktiker-Gesetz von 1939.

Es regelt nicht etwa Ausbildung und Ausübung des Heilpraktiker-Berufes, sondern untersagt lediglich die Ausübung der Heilkunde ohne staatliche Zulassung und listet entsprechende Straftatbestände auf.

Es existiert zwar eine Berufsordnung, die ist aber nicht rechtlich bindend. Ebenso fehlt eine Ausbildungsordnung, die Inhalt und Ziele der Ausbildung regeln würde. Heilpraktiker-Anwärter benötigen weder einen Eignungsnachweis noch ein absolviertes Praktikum.

Man kann Heilpraktiker werden, ohne je einem Ausbilder, geschweige denn einem Patienten persönlich begegnet zu sein. Eine solch laxe Praxis wäre in anderen Gesundheitsberufen undenkbar [...]

Die Prüfung hat den Ruf, durchaus verstrickte Fragen zu stellen. Und tatsächlich fallen regelmäßig bis zu 80 Prozent der Prüflinge durch.

Wer es geschafft hat, beweist trotzdem nur, dass er gut lernen kann, nicht aber, dass er das Zeug zum Heilbehandler hat, da die praktischen Fähigkeiten nicht kontrolliert werden.

Zudem entscheidet man ganz allein, wie man an das Prüfungswissen gelangt, ob per Selbststudium oder an einer Schule.

Die amtsärztliche Überprüfung gewährt immerhin schulmedizinische Grundkenntnisse. Wirklich dubios wird es, wenn es um die naturheilkundliche Qualifizierung geht. Diese wird von keiner staatlichen Stelle überprüft. Es gibt keine einheitliche Zertifizierungs-Regelung.

Ganz im Gegenteil gibt es unüberschaubar viele vermeintliche Diplome und Zertifikate für Behandlungsansätze wie Auratherapie, Bioresonanztherapie, Craniosakraltherapie, Eigenblutbehandlung, Familienaufstellung, Geistheilung, Homöopathie, Irisdiagnostik, Reinkarnationstherapie, Magnetfeldtherapie, Zelltherapie und circa hundert weitere, kaum belegte naturheilkundliche Therapien.

Von einer fundierten medizinischen Ausbildung kann bei Heilpraktikern keine Rede sein.”

Zum Weiterlesen:

  • Weißbrot gegen Krebs, Süddeutsche am 15. Februar 2015
  • Heilpraktiker sind wie Piloten, die nur wissen, wo sie nicht hinfliegen dürfen, GWUP-Blog am 19. September 2014
  • Heilpraktiker und deren Gesetze, FSMoSophica am 17. September 2014
  • Heilpraktiker als Gerichtsgutachter, GWUP-Blog am 15. August 2014
  • Heilpraktiker als Psychotherapeuten, GWUP-Blog am 28. Juli 2013
  • Die absurde finanzielle Ungleichbehandlung von Ärzten und Heilpraktikern, GWUP-Blog am 18. Juli 2014
  • “Heilpraktiker” noch zeitgemäß? GWUP-Blog am 13. November 2012
  • Heilpraktiker Notwendig oder nutzlos? dieausrufer am 1. September 2013
  • Der Heilpraktiker: Narrenfreiheit, Größenwahn und gefährliche Folgen, Ratgeber-News-Blog am 20. Januar 2014
  • Wie viele Heilpraktiker/innen gibt es eigentlich in Deutschland? Gesundheits-Check am 16. Februar 2015
  • Mehr oder weniger anonym, gnaddrig ad libitum am 16. Februar 2015

Jetzt als Video: The Making of „AstroTV Hack“

Unbeeindruckt von einer Abmahndrohung haben die Macher des Videos “AstroTV Hack” haben jetzt eine Art “Making-of”-Version ins Netz gestellt, die fünf Minuten länger ist als das Original:


Direktlink zum Video auf Youtube

Gezeigt wird der gesamte Eso-Bullshit, den der eingeschleuste Schauspieler bis zur “Ei auf den Kopf”-Szene von sich gegeben hat – hierbei wurde PENG! im Vorfeld von GWUP-Mitgliedern beraten.

Dazu erklärt eine Off-Sprecherin die Hintergründe und Absicht der Aktion “Zum Teufel mit AstroTV”.

Zum Weiterlesen:

  • Ein Ei drüber: „Peng! Collektive“ sprengt Live-Sendung von AstroTV, GWUP-Blog am 13. Februar 2015
  • Was für Eierköppe: AstroTV will PENG-Video aus dem Netz haben, GWUP-Blog am 15. Februar 2015
  • AstroTV heult rum und will PENG! zensieren, Anonymous News Germany am 15. Februar 2015
  • Wir haben mit dem falschen Clown gesprochen, der AstroTV sabotiert hat, Vice am 13. Februar 2015
  • Hellseher, die die Zukunft nicht sehen, Kurier am 15. Februar 2015
  • Esoterik-Kritik mit Schwierigkeiten: Der “Astro TV Hack” des PENG-Kollektivs, Astrodicticum simplex am 16. Februar 2015
  • Aktivisten nerven AstroTV jetzt auch am Telefon, Stern-Online am 16. Februar 2015

Was für Eierköppe! AstroTV will PENG-Video aus dem Netz haben

Jetzt wird’s lustig:

Für die Spaßbremsen von “AstroTV” gilt Meinungsfreiheit natürlich nur, wenn sie das eigene obskure Sendekonzept schützt.

Das Video von der PENG-Aktion “Zum Teufel zum AstroTV” soll dagegen aus dem Netz verschwinden, fordert ein Anwalt des Eso-Senders von der Kommunikationsguerilla.

Es geht um “Hausfriedensbruch” und “Sachbeschädigung”, außerdem sei die Verbreitung des Videomaterials “unzulässig”.

Die geforderte Unterlassungserklärung hat PENG nicht unterschrieben – allerdings ist der Hauptbeteiligte, der Clown Piotr, nachgerade “verzweifelt wegen der Abmahnung durch AstroTV und sucht Hilfe bei einer einschlägigen Lebensberatungs-Hotline”:


Direktlink zum Video auf Youtube

Da weisen wir doch gleich nochmal auf die Online-Petition gegen AstroTV hin – und natürlich auch auf den Streisand-Effekt.

Update vom 15. Februar: “Jetzt als Video: The Making of AstroTV Hack”.

Zum Weiterlesen:

  • Video soll aus dem Netz: AstroTV mahnt Peng und eine Zeitung ab, Metronaut am 14. Februar 2015
  • Ein Ei drüber: „Peng! Collektive“ sprengt Live-Sendung von AstroTV, GWUP-Blog am 13. Februar 2015
  • Wir haben mit dem falschen Clown gesprochen, der AstroTV sabotiert hat, Vice am 13. Februar 2015
  • Protestgruppe kapert AstroTV, T-Online am 14. Februar 2015
  • Aktivist kapert Astro-TV-Sendung und fordert Lizenzentzug, Stern-Online am 14. Februar 2015
  • Protestgruppe „Peng!“ sprengt Astro-TV-Sendung, Bild-Online am 15. Februar 2015
  • Berliner Aktionskünstler sprengen AstroTV-Livesendung, Berliner Zeitung am 12. Februar 2015
  • Aktivistengruppe verarscht AstroTV, SWR3 am 13. Februar 2015
  • PENG bei Facebook
  • PENG bei Twitter

Schützenduell: Skeptische Pfeile gegen „Archer“ Lars Andersen

Seit Superhelden wie “Arrow”, “Hawkeye” (The Avengers) und Katniss Everdeeen scheint Bogenschießen schwer angesagt zu sein.

Ein Youtube-Video des dänischen Bogenschützen Lars Andersen ist mehr als 26 Millionen Mal geklickt und in Deutschland von Spiegel-Online, Stern-Online und N24 promotet worden.

Der Wiener Kurier adelte Andersen zum womöglich “besten Bogenschützen aller Zeiten”:


Direktlink zum Video auf Youtube

Ist er das wirklich?

Verschiedene amerikanische Skeptiker-Portale, darunter Snopes und Skeptic, haben sich mit seiner Vorführung beschäftigt.

Sie kommen zu dem Ergebnis, dass der Film wohl nicht digital bearbeitet worden ist, Andersen aber eine Menge Tricks anwendet, um sich spektakulär in Szene zu setzen.

Wer diese Fachdiskussion im Detail nachvollziehen möchte, sei auf das “Response to Lars Andersen”-Video der Bogenschützenausbilderin Anna Maltese verwiesen:


Direktlink zum Video auf Youtube

Zum Weiterlesen:

  • Pulling a Fast One: Video Critique of a Viral Speed Archery Video, Skeptic am 7. Februar 2015
  • Katniss, Legolas and Lars Andersen, snopes am 25. Januar 2015
  • Danish “Archer” Demonstrates Gullibility of Audience, geekdad am 25. Januar 2015

Neues von der Anti-Impf-Front: „Öko-Mütter rotten Berlin aus“

Schöne Kolumne in der Berliner Zeitung:

Aber nicht nur alte Menschen wie ich, auch viele Kleinkinder sind jetzt gefährdet, weil die konsumkritischen, naturbetonten Berliner Mütter offenbar dazu neigen, Impfungen als Hokuspokus der Pharmaindustrie abzutun.

Berlin, so erfuhr ich, ist eine Hochburg der Impfgegner. Die bewusste Berliner Mutter sagt: „Ich ernähre doch meinen Ludger Baptiste nicht laktosefrei, makrobiotisch und vegan, um ihm dann so eine fiese Chemiekeule zu verpassen.“

Die bewusste Berliner Mutter sagt: „Ich habe Ludger Baptiste mithilfe meines Homöopathie-Coaches und der Wildkräuter-Mediatorin so erzogen, dass er die Masern nicht als seinen Feind betrachtet.“

Um die Sache hier mal knallhart auf den Punkt zu bringen:

Diese Öko-Mütter sind dabei, mit ihren epidemischen Gören die ganze Stadt auszurotten. Selbst wenn Ludger Baptiste die Masern nicht als seinen Feind betrachtet, kann er mich doch trotzdem anstecken.”

Die Schweizer Skeptiker haben die “Top 9 Denkfehler und Fehlschlüsse von Imfgegnern” zusammengestellt.

In der Huffington Post klagt die Mutter eines an Masern erkrankten Säuglings die Impfgegner an:

Ich gebe Ihnen die Schuld.”

In Großbritannien präsentierte der Comedian Mitch Benn diesen Song in der “Now Show”von BBC Radio 4:


Direktlink zum Video auf Youtube

Und dann läuft derzeit noch die Aktion “Impfungen von Impfgegnern”:

Es werden massenhaft Impfstoffe im Namen von Impfgegnern gespendet und Unicef erstellt dann automatisch Urkunden, auf denen die Namen von Menschen erwähnt werden, denen man das gern widmen würde.

Damit kann man was Gutes tun und gleichzeitig Impfgegner ärgern, indem man in ihrem Namen Impfdosen spendet.

Ihr könnt Impfstoffe und andere Hilfsmittel hier spenden (30 Dosen Masernimpfstoff kosten rund 7 €).”

Zum Weiterlesen:

  • Die Top 9 Denkfehler und Fehlschlüsse von Impfgegnern, Schweizer Skeptiker am 12. Februar 2015
  • Noch jemand ohne Anti-Masern-Chemiekeule? Berliner Zeitung am 13. Februar 2015
  • „Amy Farrah Fowler“ will keine Impfgegnerin mehr sein, GWUP-Blog am 11. Februar 2015
  • Masern in Berlin, Impfgegner und die traurigste Geschichte, die Roald Dahl je geschrieben hat, GWUP-Blog am 5. Februar 2015
  • Impfgegner-Propaganda in Gießen abgesagt, TU Chemnitz hofiert Impfgegner weiterhin, GWUP-Blog am 9. Februar 2015
  • Masernausbruch in Berlin: Nichts Neues, leider, Gesundheits-Check am 12. Februar 2015
  • Battling Infectious Diseases in the 20th Century: The Impact of Vaccines, Wall Street Journal am 11. Februar 2015
  • Wer nicht gegen Masern impft, riskiert auch die Gesundheit anderer, Wired am 14. Februar 2015
  • Impfen oder nicht: “Es ist eine ethische Frage”, derStandard am 14. Februar 2015
  • Die größten Mythen über das Impfen, handelsblatt am 9. Auust 2013
  • Von der Kindersarg-Lobby, diepresse am 15. Juli 2014
  • Masern: Weil ihr Baby sterben könnte, schreibt eine Mutter Impfgegnern diesen Brief, Huffington Post am 11. Februar 2015

Astrologie ist „Unterhaltung“, glauben auch nur die Programmchefs

Was ist eigentlich aus dem Offenen Brief der Schweizer Skeptiker an die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRF) geworden?

Zur Erinnerung:

Unsere Kollegen in der Schweiz hatten die Astrologie-Sendungen im quasi öffentlich-rechtlichen Rundfunk kritisiert und dabei vor allem die Ungleichgewichtung von Wissenschaftsbeiträgen und esoterischem Mumpitz herausgestellt.

Sogar der renommierten Neuen Zürcher Zeitung war dieses Anliegen ein Gastbeitrag von Skeptiker-Präsident Marko Kovic wert.

SRF-Direktor Rudolf Matter hat zwischenzeitlich geantwortet.

Seine Replik bringt das übliche Unverständnis von Medienschaffenden gegenüber Esoterik-Kritik zum Ausdruck und fokussiert auf den angeblichen “Unterhaltungscharakter” der Sterndeuterei.

Auch darauf haben die Schweizer Skeptiker wiederum mit einer Stellungnahme reagiert, in der es heißt:

Dann wäre einer der Lösungsvorschläge, welche wir in dem offenen Brief machen, leicht umsetzbar: ein Hinweis zu Beginn und am Ende jeder ausgestrahlten Astrologie-Sendung, wo eben dies explizit betont wird.

Eine der betroffenen Astrologinnen bei den SRF-Astrologie-Sendungen, Monika Kissling, erhebt nämlich recht deutlich den Anspruch, Astrologie sei mehr als nur Unterhaltung.

Wenn die Astrologie-Sendungen nicht explizit als Fiktion markiert sind, besteht die Gefahr, dass die Hörerinnen und Hörer den Eindruck erhalten, Astrologie bei Radio SRF sei mehr als realitätsferne Unterhaltung.”

Maßlos übertrieben?

Durchaus nicht.

Man mag es kaum glauben, aber auch im 21. Jahrhundert ist einer unüberschaubaren Anzahl von Zeitgenossen der Unterschied zwischen Astronomie und Astrologie nicht klar.

Das hat gerade erst Dr. Florian Freistetter beim Wiener Ball der Wissenschaften erlebt, und selbst Geo-Redakteure brauchen offenbar zwei Anläufe, um die richtige Kategorisierung zu finden.

Anscheinend nähern wir uns amerikanischen Verhältnissen, wo nahezu die Hälfe der Bevölkerung Astrologie für “wissenschaftlich” hält.

Möglicherweise sitzen auch dort ein paar blauäuige Programmchefs zu viel in den großen Medienanstalten.

Zum Weiterlesen:

  • Antwort auf den offenen Brief zu Astrologie bei SRF, Skeptiker Schweiz am 21. Januar 2015
  • More and More Americans Think Astrology Is Science, motherjones am 11. Februar 2015
  • Astrologen raus aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk! GWUP-Blog am 7. Januar 2015
  • Hurra, es ist ein Krebs! Das Windsor-Baby, die Medien und die Astrologie, Christian Buggischs Blog am 24. Juli 2013
  • Madame Etoile und die Lila Flieder Töne der Astrologen, GWUP-Blog am 25. Januar 2013
  • Geo hat da etwas velwechsert, Wahrsagerchecks-Blog am 1. Februar 2015

Tanz der Vampire in New York

Dr. Mark Benecke ist gerade unterwegs nach New York, wo morgen Abend der “New York Vampire Ball” stattfindet.

Das ist keine Faschingsfete, sondern eine echte Vampirparty, an der unter anderem “Father Sebastiaan”, das Oberhaupt der New Yorker Vampirclans, teilnimmt.

Über “Father Sebastiaan” und die Vampirszene hat Vice gerade eine schöne Doku gedreht:

Das echte True Blood”?

Auch Benecke hat ein neues Buch über”echte” Vampire am Start, und zwar den dritten Band von “Vampire unter uns!”

Inhalt ist eine große Studie von Ines Fischer, die das Internet-Portal Nexus Noctis betreibt,

… eine der aktivsten und ältesten deutschsprachigen Internetpräsenzen der Vampyrgesellschaft, ein privates Refugium für Vampyre und Schwarze Schwäne.”

Im Verlagstext heißt es:

Vampire gibt es. Neben dem edlen Grafen ist da der maßlose Vamp aus der Nachbarschaft sowie der Nervtöter, der uns Zeit, Geld und Energie stiehlt.

Manche glauben an Nachzehrer, die ihr Leichentuch im Grab auffressen, und Rollenspieler kleiden sich wahlweise vampirromantisch, saugen gedanklich gerne Blut oder träumen davon, überwältigt zu werden, um ihre Langeweile zu überwinden.

In diesem Buch zeigt Ines Fischer, Betreiberin der international größten aktiven Internetgemeinschaft, die sich mit vampyrischen Motiven im echten Leben echter Personen beschäftigt, dass es auch Menschen — oder Wesen? — gibt, die Blutdurst verspüren, sich dabei samtig fein im Schatten bewegen, aber keiner Fliege eine Borste krümmen.

Die Mitglieder der weltweit größten Vamprygesellschaft berichten in dieser wissenschaftlichen Studie über ihre Gedanken, Vorlieben, Stärken und Schwächen.

Dabei zeigt sich unter anderem, dass und warum Sonnenlicht nicht immer lästig ist, Treue aus unerwarteten Gründen etwas Gutes sein kann und dass Menschen auch ohne abgeschaute Vorbilder eine Gruppen- und Einzelidentität leben, deren biografische Wurzeln überraschend klar zutage treten.”

Am 6. April gibt es dazu eine Lesung von Ines Fischer und Mark Benecke in Mannheim.

Heute Morgen hat Benecke bei radioeins etwas zu der Studie erzählt.

Zum Weiterlesen:

  • Mark Benecke & Ines Fischer: Vampire unter uns! Band III. Edition Roter Drache, Rudolstadt 2014
  • Hoaxilla #50 – ‘Vampire unter uns!’ vom 10. Juli 2011
  • Vampire sind unter uns, Welt-Online am 29. Dezember 2010
  • Vampire ohne Biss: Interview mit Lydia und Mark Benecke, Skeptiker 3/2010
  • “Vampire haben meine Sympathie”, taz am 19. Mai 2009
  • Interviews mit Vampiren, GWUP-Blog am 21. August 2010
  • Vampire mit und ohne Biss, GWUP-Blog am 8. Dezember 2009
  • Dracula – Biss nach München, GWUP-Blog am 6. Januar 2010
  • Bernd Harder: Sie sind mitten unter uns. Die Wahrheit über Zombies, Vampire und Werwölfe. Herder-Verlag, Freiburg 2012

Ein Ei drüber: „Peng! Collektive“ sprengt Live-Sendung von AstroTV

Grandios:

Das Peng! Collektive hat eine Live-Sendung von “AstroTV” gesprengt, ein Ei auf dem Kopf des Moderators zerdeppert und die Abschaltung des Senders gefordert:


Direktlink zum Video auf Youtube

Zu der Aktion heißt es auf der Webseite “Zum Teufel mit AstroTV”:

Zunächst mag man denken, „Ach, diese Esoterik-Spinner tun doch niemandem weh“. Das dachten auch wir.

Doch so harmlos, wie gedacht, ist die Sache nicht!

AstroTV gehört zu einem millionenschweren Firmen-Netzwerk der Adviqo AG, in dessen Hintergrund der Risikokapitalgeber Wellington Partners mit einem Anteil von 55,48 Prozent steht.

Die Firmen leben vor allem davon, dass Menschen von ihren Heilsversprechen abhängig gemacht und dann finanziell ausgenutzt werden.

Dabei bauen sie auf Naivität: “Egal ob Fragen zu Liebe, Partnerschaft, Beruf oder Finanzen, allen Anruferinnen und Anrufern wird sofort mit einer schnellen Antwort geholfen.“, wird auf ihrer Webseite suggeriert.

Konkret bedeutet das: Tarot-Karten legen, Pendeln, Kontakt zu Engeln aufnehmen oder auch Wahrsagungen durch ein Medium.

Sogenannte LebensberaterInnen suggieren mit diesen fragwürdigen Methoden auf Basis esoterischer Weltbilder schnelle Hilfe für jedes Problem und bieten vermeintlich einfache Antworten für Menschen, die sich in Krisensituationen befinden.

Die Auswirkungen sind jedoch denen einer Suchterkrankung sehr ähnlich.

Der erste Anruf ist kostenlos, um den Einstieg zu erleichtern. Ein “Zufallsgenerator” entscheidet, ob man in die Sendung durchgestellt oder zu BeraterInnnen verwiesen wird. Alle folgenden Anrufe sind dann kostenpflichtig.

Für diese Art von Lebensberatung am Telefon wird bis zu 5 Euro pro Minute verlangt. Auch gibt es diese Beratung per Chat und E-Mail.

Das ist weder Entertainment noch Lebensberatung. Das ist Glücksspiel!

Während die Telefonabzocker nicht davor zurück schrecken, Menschen in den finanziellen und emotionalen Ruin zu treiben, macht das Unternehmen einen Jahresumsatz von rund 100 Mio USD (ca. 90 Mio Euro).

All das mit der lizensierten Unterstützung der Medienanstalt Berlin-Brandenburg.”

Die Kommunikations-Guerilla-Gruppe „Peng! Collective“ will mit kreativen Aktionen provozieren und auf Missstände in Politik und Gesellschaft aufmerksam machen.

Unterstützt wurde die Aktion “Zum Teufel mit AstroTV” von Skeptikern der Hamburger GWUP-Regionalgruppe.

Update vom 15. Februar: “AstroTV will PENG-Video aus dem Netz haben”.

Zum Weiterlesen:

  • Berliner Aktionskünstler sprengen AstroTV-Livesendung, Berliner Zeitung am 12. Februar 2015
  • Ei auf dem Kopf, hpd am 13. Februar 2015
  • Clown und Astro-Heiler Piotre Wasabi hackt Esoterik-Sender AstroTV, Blogrebellen am 13. Februar 2015
  • Astro-TV: Das Geschäft mit dem Glück, Astrodicticum simplex am 22. November 2013
  • Das Geschäft mit der Astrologie: Die Seelenverkäufer, FAZ am 24. Juli 2007
  • Eso-Lifestyle: „Skrupellose und verachtenswerte Veranstaltung”, GWUP-Blog am 1. September 2013
  • Kein Stern für AstroTV, GWUP-Blog am 22. November 2013
  • Astro-TV: Auf dem Straßenstrich der Astrologie, GWUP-Blog am 23. Dezember 2009
  • Wir haben mit dem falschen Clown gesprochen, der AstroTV sabotiert hat, Vice am 13. Februar 2015




NEU: Skeptiker 1/2015

SKEPTIKER 1/2015

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