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Video: „Homöopathie – Nutzen oder Scharlatanerie?“ in 3sat

Gestern Abend in 3sat: Die ORF-Doku

Homöopathie – Nutzen oder Scharlatanerie?”

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Wie oft wird diese Frage noch gestellt?

Das Alter-Käse-Argument “Aber bei Tieren …” hat gerade erst wieder die Zeit richtiggestellt.

Zum Weiterlesen:

Letzte Voting-Chance: Wem gebührt das Goldene Brett?

Martin Hirte ist bereits nominiert:

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Auch Evelyn Störzner, Barbara Steffens, Nena und die “Netzfrauen” aka Doro Schreier.

Wer fehlt? Noch zwei Tage lang – bis 22. September – können Vorschläge bei www.goldenesberettguru eingereicht werden.

Die Verleihung findet erstmals in Österreich und Deutschand statt: am 11. Oktober ab 20 Uhr parallel im Uebel&Gefährlich in Hamburg und in der Urania in Wien.

Ihr kennt eine Person oder Institution, die mit derartigen Absurditäten Leute für dumm verkauft, Ängste schürt, Kranken das Geld aus der Tasche zieht oder einfach nur sämtliche Naturgesetze ignoriert? Dann nominiert sie für das Goldene Brett 2016.”

Zum Weiterlesen:

  • Das Goldene Brett 2016: Jetzt Kandidaten nominieren, GWUP-Blog am 5. September 2016
  • Das Goldene Brett bei Facebook

Video: Krank durch Bluetooth, WLAN & Handy? Biologische Wirkungen des Elektrosmogs

Der Kölner “Skeptics in the Pub”-Vortrag von Prof. Günter Nimtz ist jetzt online:

Krank durch Bluetooth, WLAN & Handy? Biologische Wirkungen des Elektrosmogs”


Direktlink zum Video auf Youtube

Da am Menschen keine systematischen Experimente durchführbar sind, und publizierte Wirkungen des Elektrosmogs ethisch nicht reproduzierbar sind, wurden etliche Experimente an Tieren und Pflanzen durchgeführt. Diese biologischen Objekte haben dem Menschen ähnliche Aktionspotentiale und Gene.

Günter Nimtz berichtet über epidemiologische Daten von Menschen und über die reproduzierbaren expermentellen Ergebnisse in der Biologie durch überhöhten aktuellen nicht-ionisierenden Elektrosmog durch Bluetooth, WLAN und Handystrahlung allgemein, und erklärt die Wechselwirkung elektromagnetischer Strahlung mit den menschlichen Zellen und dem Gewebe.”

Zum Weiterlesen:

  • Skeptics in the Pub in Köln: „Krank durch Bluetooth, WLAN und Handy?“ GWUP-Blog am 3. September 2016
  • “Elektrosmog” bei Psiram

„Forschergeist“-Podcast: Julia Offe über Science Slams, Globuli und die GWUP

GWUP-Vorstandsmitglied Dr. Julia Offe im “Forschergeist”-Podcast:

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Wir sprechen in dieser Folge über Didaktiker, die nicht präsentieren können, über die Schwierigkeit, Wissenschaft witzig und gleichzeitig fundiert zu präsentieren, über Globuli und die GWUP, und warum gute Wissenschaftskommunikation dabei helfen kann, antiwissenschaftliche Scharlatane in Schach zu halten.”

Zum Weiterlesen:

“Herzensfremd”: Kommt es bei der Organtransplantation zu einer Art Seelenwanderung?

Ergänzend zu dem SkepKon-Vortrag

Zweifel am Hirntod: Wie Esoteriker Organspenden verhindern”

gibt es im aktuellen Skeptiker ein ausführliches Interview mit dem Palliativmediziner Dr. Benedikt Matenaer.

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Darin geht Matenaer auch auf dieses Thema ein:

Skeptiker: Immer wieder gibt es Berichte über eine Wesensveränderung bei Transplantierten, und auch bei den Argumenten der Gegner spielen solche Erzählungen eine bedeutende Rolle. Was ist aus medizinischer Sicht davon zu halten?

Matenaer: Das lässt sich ganz einfach und ganz menschlich erklären. Man stelle sich vor, ein Patient ist eine lange Zeit mit einem Kunstherzen versorgt und wartet sehnsüchtig auf ein Spenderherz. Er weiß, dass mit dem Kunstherzen nicht so lange Überlebenszeiten möglich sind.

Damit befindet er sich in einer viel kritischeren Situation als beispielsweise ein Dialysepatient und erlebt diese Zeit auch als bedrohlich.

Dann kommt schließlich die Nachricht, dass eine Transplantation möglich ist, und kurze Zeit nach dem Eingriff kann er sich wieder belasten, am Leben teilhaben und hat eine Perspektive für die nächsten Jahre. Ist es da nicht sogar sehr wahrscheinlich, dass sich, für das das soziale Umfeld erkennbar, Wertvorstellungen ändern, Dinge anders wahrgenommen oder neu wertgeschätzt werden?

Wer “dem Tod von der Schüppe gesprungen ist”, ist dankbar und beginnt, noch einmal ein Leben zu leben. Davon berichten viele Betroffene.


Direktlink zum Video auf Youtube

Verständlich, dass das Umfeld dies deutlich bemerkt. Manchmal sind es aber auch ganz banale Dinge wie Essensvorlieben, die sich zum Beispiel mit der Einnahme von Immunsuppressiva ändern können. Ähnliches berichten übrigens auch Tumorpatienten nach einer Chemotherapie.

Also, die Erklärung von Persönlichkeitsveränderungen nach einer Transplantation ist einfach, aber natürlich lange nicht so außergewöhnlich wie manche Behauptungen der Eso-Szene. Diese sind zum Teil derart abstrus, dass es einen graust.

Mein persönlicher Favorit ist die These, dass DNA bei der Transplantation vom Spender zum Empfänger gelangt, womit auch Charaktereigenschaften übertragen und dadurch Wesensveränderunge ausgelöst würden. Das ist klasse. Man fängt doch auch nicht an zu grunzen, wenn man viele Schnitzel isst.”

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Die Frage, ob nach einer Herztransplantation der Empfänger womöglich Persönlichkeitsmerkmale und Eigenschaften des Spenders annimmt, kam 1999 mit dem Buch “Herzensfremd” der Amerikanerin Claire Sylvia auf:

Darin beschreibt sie nicht nur, wie ihr Herz und Lunge eines verunglückten Motorradfahrers transplantiert wurden. Mehr noch, bald nach der Operation entdeckte die damals 48-Jährige an sich Wesenszüge und Vorlieben, die sie vorher von sich nicht kannte.

Obwohl die ehemalige Tänzerin bis dahin Fastfood verabscheut hatte, entwickelte sie auf einmal Appetit auf Chicken Nuggets und auch auf Bier.”

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Planet Wissen ging dem Phänomen nach und kam zu denselben Erkenntnissen wie Matenaer:

Die immunsuppressiven Medikamente – das sind die Mittel, die verhindern, dass körpereigene Zellen das fremde Gewebe angreifen – bewirken mitunter eine Veränderung des Geschmackssinns. Frühere Leibgerichte schmecken dann vielleicht nicht mehr so gut, andere Speisen werden auf einmal als köstlich empfunden. Wer dies dem Organspender zuschreibt, entwickelt Strategien, mit dem neu gewonnenen Leben umzugehen. Aber das hat nichts Mystisches, es ist erklärbar”,

zitierte das TV-Magazin Prof. Dr. Hans-Werner Künsebeck von der Deutschen Transplantationsgesellschaft.

Das hält indes Esoteriker nicht davon ab, unfassbaren Nonsens zu verbreiten, wie zum Beispiel:

Das transplantierte Organ bringt das Bild- und Informationsmaterial der Seele des Spenders in den Körper des Empfängers und in dessen Seele. Es wird ihm aufgezwungen, wodurch eine Fremdbestimmung stattfindet. Die eigenen Lebensprogramme des Organempfängers einschließlich seiner seelischen Belastungen werden von den Programmen des Spenders überlagert. Dadurch wird es dem Empfänger schwer wenn nicht gar unmöglich, seine eigenen Fehlprogramme zu erkennen und zu bereinigen – worin der eigentliche Sinn unseres Erdendaseins besteht.”

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“Organfantasien” nennt das die Diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester (DGKS) Maria Brodtrager in einem Referat für das Klinikum Graz und beschreibt als Alternative zu einem spekulativen “zellulären Gedächtnis” psychologische Vorgänge:

Organempfänger machen sich sehr viele Gedanken über die Spender. Oftmalig äußern die Patienten den Wunsch, mehr über den Spender zu erfahren, obwohl sie vorher schon darauf aufmerksam gemacht wurden, dass die Anonymität des Spenders gewahrt bleiben muss.

Einerseits besteht der Drang, sich beim Spender oder auch bei dessen Angehörigen zu bedanken, anderseits möchten die Patienten etwas über den Spender erfahren.

Wie alt ist er gewesen, wie ist er ums Leben gekommen und vor allem: Wie war er als Mensch? Ebenso beschäftigen sich die Organempfänger mit der Frage, dass jemand sterben musste, damit sie weiterleben können. Das kann schwere Schuldgefühle auslösen.”

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Dass “Organtransplantationen die menschliche Psyche verändern können”, wie “Alternativmedien” oft und gerne vermelden, ist mithin nicht falsch.

Dass es “bisher keine zufriedenstellende Erklärung für diese Erscheinungen” gebe, ist eine sensationsheischende Mystifizierung der seelischen Belastungen von Transplantationspatienten.

Ein neues Organ muss in das Körperschema integriert werden. Der psychoanalytische Sozialpsychologe Prof. Oliver Decker erklärt:

Dieser Prozess gelingt meist – aber er benötigt viel Zeit und verläuft niemals ohne Rückschläge.”

Zum Weiterlesen:

  • SkepKon-Video: Wie Esoteriker Organspenden verhindern, GWUP-Blog am 30. Mai 2016
  • Mit dem Herzen eines Fischers, Süddeutsche am 19. Mai 2010

Skeptiker-Interview mit der Comic-Bloggerin Nadja Hermann: „Erzähl mir nix!“

In der aktuellen Heilpraktiker-Debatte hat irgendjemand einen drei Jahre alten Spiegel-Online-Artikel über “Deutschlands schwierigste Abschlusstests” herausgekramt, zu denen auch die Heilpraktiker-Prüfung gehören soll.

Darüber gab es denn auch lebhafte Diskussionen, unter anderem bei Wissenschaft & Skeptizismus und Misharrrgh, der Facebook-Seite von Misha Anouk:

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Mittendrin tauchte auch ein Comic von erzaehlmirnix auf:

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 Wer aber verbirgt sich hinter den kleinen Strichmännchen?

Es ist die promovierte Verhaltenstherapeutin Dr. Nadja Hermann. Im neuen Skeptiker (3/2016) gibt es ein Interview mit der Comic-Bloggerin.

Ein Auszug:

Bei Diskussionen in den sozialen Medien mit Impfgegnern, Verschwörungstheoretikern oder Homöopathie-Fans posten Skeptiker häufig Comicstrips von Ihnen, die sehr treffend die argumentative Situation auf den Punkt bringen und im konkreten Zusammenhang wie gerufen kommen. Deckt sich das mit Ihrer eigenen Intention – Argumentationshilfen zu geben?

Nadja Hermann: Für mich ist es eigentlich eher Psychohygiene. Wenn ein unlogisches Argument sich für einen guten Comic eignet, ist mir erst mal egal, um welches Thema es geht. Meine kleinen Geschichten drehen sich ja auch um Rechtspopulismus, psychische Erkrankungen, Politik oder Veganismus.

Die konkrete Problematik ist nicht so wichtig, es kommt eher auf die Argumentationsstruktur an. Manchmal mache ich auch Witze auf meine Kosten, wenn ich eine Sache zwar gut finde, aber zugeben muss, dass ein Argument dafür einfach doof ist.”

Sie lassen sich mithin von guten Gegenargumenten überzeugen. Und Ihre Leser beziehungsweise Leute, die mit Ihren Comics konfrontiert werden?

Ich gehe nicht mit der Erwartung ran, irgendwen von einer bestimmten Haltung zu überzeugen. Es überrascht mich jedes Mal, wie oft dann doch Leute sagen, dass sie über ein Argument nachgedacht oder sogar ihre Meinung zu einem Thema geändert hätten.”

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Könnte das generell ein Mittel für den Umgang mit Glaubenskriegern und Verschwörungstheoretikern im Netz sein: Humor plus den Spiegel vorhalten?

Ich glaube nicht, dass es erfolgversprechend ist, mit Verschwörungstheoretikern in Kommentarspalten zu diskutieren. Erfahrungsgemäß kommt Humor in der direkten Interaktion auch nicht gut an, was völlig verständlich ist, weil die Leute ohnehin permanent das Gefühl haben, zu wenig ernst genommen zu werden. Genau das ist ja das Problem, das sie wahrnehmen. Insofern bestärkt jeder Versuch, dem mit Humor zu begegnen, sie nur in dieser Wahrnehmung.”

Im Kern geht es in Ihren Geschichten um die charakteristische Wortwahl und Rhetorik antiwissenschaftlicher Rechtfertigung – die könnte man aber den Leuten doch vorhalten.

 Wenn ich ernsthaft mit einem Verschwörungstheoretiker reden würde, würde ich wohl gar nicht argumentieren, sondern mehr nachfragen und Gedankengänge zu Ende führen lassen. Also nein, ich glaube, meine Comics wären keine gute Gesprächsvorlage, wenn man ernsthaft irgendwen überzeugen will. Dafür sind sie zu schnippisch. Eine Überzeugung kann man nur ändern, wenn man das selbst will, und je mehr man Demütigung oder Gesichtsverlust fürchten muss, desto geringer ist die Bereitschaft dazu.”

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Als Gesprächsvorlage würden Sie die Erzaehlmirnix-Strips also nicht empfehlen. Und als Posting bei Kommentarschlachten?

 Wie gesagt, ich schreibe meine Comics so gut wie nie mit einem Gläschen Rotwein und klassischer Musik im Hintergrund, während ich denke: „Oh, hoffentlich werden diese wohlformulierten Panels während einer gesitteten Debatte in positiver Atmosphäre gepostet, um so viele Leute wie möglich von meiner wahrsten aller Meinungen zu überzeugen.“

Ich denke, wenn jemand durch eines meiner Comics seine Meinung ändert, dann aus eigener Initiative, weil er vielleicht generell etwas mit den Zeichnungen und dem Stil anfangen kann und dann beim Lesen eines Comics, das eine Gegenposition zu seiner Überzeugung vertritt, bereit ist, darüber nachzudenken, ob er etwas mit diesem Argument anfangen kann.

Aber ich denke, das geschieht fast immer in Ruhe und weil die Person selbst gerade Lust hat, sich damit zu beschäftigen, und nicht im Rahmen einer Diskussion oder wenn jemand einen Comic mit der Anmerkung „Siehste! Denk mal drüber nach (Vollidiot!)“ postet.”

Erzaehlmirnix-Comics finden sich neben dem gleichnamigen Blog auch bei Facebook und Twitter.

Darüber hinaus bloggt Nadja Hermann zum Thema Fettlogik überwinden. Sie hat die Bücher “Erzähl mir nix” (Heyne, 2016) sowie “Fettlogik überwinden” (Ullstein, 2016) geschrieben.

Das vollständige Interview ist im Skeptiker 3/2016 erschienen. Den Skeptiker gibt es in unserem Online-Shop, das epaper sowie einzelne Artikel bei United Kiosk.

Kranke Kassen und Globuli: „Kunden, die Homöopathie nutzen, finden sie gut”

Passende Ergänzung zur Krankenkassen-Debatte:

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Die Viactiv ist einer der teuersten gesetzlichen Krankenkassen Deutschlands (zeitweise die teuerste) mit einem Beitragssatz von über 16%. Da sollte man annehmen, dass die Kasse vielleicht versucht, zu sparen, wo es geht (Nachtrag: macht sie ja vielleicht), um wieder attraktiver für Kunden zu werden, die vor allem auf den Preis schauen, was bei einem annähernd gleichen Angebot gesetzlicher Krankenkassen für viele Menschen das Hauptkriterium ihrer Wahl ist.

Doch Viactiv versucht es (auch) auf eine andere Weise. In ihrem Mitgliedermagazin preist sie auf zwei Seiten Homöopathie an [...]“

Zum Weiterlesen:

  • Wie die Viactiv-Krankenkasse ihren Mitgliedern Homöopathie schmackhaft macht (Nachtrag 17.9.), Plazeboalarm am 16. September 2016
  • Die Krankenkassen und die Paramed… äh, Alternativmedizin (1) – Wo kommt das her und wie wird man das los? Psiram am 4. November 2014
  • Die Krankenkassen und die Paramed… äh, Alternativmedizin (2) – Wo kommt das her und wie wird man das los? Psiram am 4. November 2014
  • Selbstversuch: Gibt es eine Krankenkasse ohne Nonsens-Zusatzleistungen? GWUP-Blog am 10. September 2016
  • Umfrage-Sensation: 87 Prozent der Homöopathie-Fans finden Homöopathie gut, GWUP-Blog am 14. September 2014
  • Wenn schon daneben, dann ganzheitlich, Gesundheits-Check am 16. September 2016

Skeptiker-Interview: Freie Energie? Alles ist relativ? Fragen Sie erst mal einen Physiker

 Mit einem Einstein-”Widerleger” fing es an.

Immer wieder wurde die Physikerin Dr. Sabine Hossenfelder vom Frankfurt Institute for Advanced Studies von Laien mit sehr speziellen Ansichten und Fragen zu ihrem Fachgebiet konfrontiert. Zwischen zwei Jobs rief sie den kostenpflichtigen Service „Talk To A Physicist“ ins Leben.

Im aktuellen Skeptiker (3/2016) gibt es ein Interview mit ihr.

Ein Auszug:

Beim Zentrum für Wissenschaft und kritisches Denken der GWUP gehen regelmäßig mathematisch-physikalische Gottesbeweise, Einstein-Widerlegungen, Perpetuum-Mobile-Bauanleitungen oder Freie-Energie-Geschäftsmodelle ein. Künftig werden wir die Autoren solcher Thesen an Ihren Service „Talk To A Physicist“ verweisen. Wie gehen Sie mit den Anrufern beziehungsweise Skypern und deren Anliegen um?

Hossenfelder: Das ist ganz unterschiedlich. Wir hören den Leuten einfach zu und versuchen herauszufinden, wo das Problem ist. In den meisten Fällen stellt sich heraus, dass unsere Klienten der Fachliteratur nicht folgen können, weil diese sehr mathelastig ist. Ohne Mathematik kann man Physik aber nicht verstehen – und selbst daran arbeiten schon gar nicht.

Wir erklären dann, was die relevanten mathematischen Konzepte sind, die man lernen muss, um über Einsteins Theorien oder Vakuumenergie oder statistische Mechanik überhaupt reden zu können. Wir geben Empfehlungen, wo man sich einlesen kann oder welche Online-Vorträge nützlich sind, damit die Leute ihre Ideen selbst verbessern können.”

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Es handelt sich also nicht bloß um Phantastereien, sondern um nachvollziehbare Ideen und sinnvolle Fragen dazu?

 Ja, es ist in der Regel nicht so, dass das einfach falsch ist, was die Anrufer sich da ausgedacht haben. Wenn das so einfach wäre, würden die meisten wohl selbst draufkommen. Häufig sind es Ideen, die in ähnlicher Form schon mal in der Physik diskutiert und dann – aus guten Gründen – verworfen wurden.

So, wie Literaturreferenzen und Lehrbücher heute aufgebaut sind, lernt man sehr wenig über die Gründe, warum manche Ideen eben nicht funktionieren, also entweder logisch inkonsistent sind oder Beobachtungen widersprechen. Das ist die Lücke, die wir füllen.”

Ein Lieblingsthema von physikbegeisterten Laien scheint die Relativitätstheorie zu sein.

Viele Leute wissen nicht, wie man eigentlich die Spezielle Relativitätstheorie testet. Daher ist ihnen auch nicht klar, wie schwierig es ist, an dieser Theorie etwas zu ändern, ohne in Konflikt mit Beobachtungen zu kommen.

Aus der Teilchenphysik zum Beispiel kennen wir sehr viele Hochpräzisionsmessungen, die Abweichungen von der Speziellen Relativitätstheorie ausschließen. Ähnliches gilt auch für die Quantenmechanik, Quantenfeldtheorie, Gravitation und so weiter. Man kann diese Theorien nicht einfach so ändern, dann passen sie hinten und vorne nicht mehr mit Beobachtungen zusammen.

Aber diese Zusammenhänge lernen Physiker erst im Laufe ihrer langjährigen Ausbildung – die unsere Klienten nicht haben.”

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 Gerade was Einstein und die Relativitätstheorie angeht: In diesem Bereich tummeln sich eine Menge Verschwörungstheoretiker, die uns Skeptiker davon überzeugen wollen, dass das alles kompletter Nonsens wäre. Haben Sie damit auch zu tun?

Verschwörungstheoretiker gibt es gelegentlich. Das sind die, die meinen, dass der wissenschaftliche „Mainstream“ ihre genialen Ideen zensiert. E-Mails dieser Art bekomme ich schon einige. Aber die Verfasser rufen nicht bei uns an, denn natürlich denken die, dass wir eigentlich ihnen Geld zahlen müssten, um etwas zu lernen. Ich glaube, solchen Leuten kann nur noch Psychotherapie helfen, nicht Physik.

Wer sich bei uns meldet, ist wirklich daran interessiert, seine Theorien zu verbessern und so weit zu entwickeln, dass sie für Wissenschaftler interessant werden könnten.”

Sabine Hossenfelder bloggt bei backreaction. Über ihre Erfahrungen mit “Talk To A Physicist” hat sie im Aeon-Magazin geschrieben.

Das vollständige Interview ist im Skeptiker 3/2016 erschienen. Den Skeptiker gibt es in unserem Online-Shop, das epaper sowie einzelne Artikel bei United Kiosk.

Zum Weiterlesen:

  • What I learned as a hired consultant to autodidact physicists, Aeon am 11. August 2016
  • Dumm wie Ein-Stein? GWUP-Blog am 29. Juli 2012
  • SkepKon-Video: “Freie Energie” mit Dr. Norbert Aust, GWUP-Blog am 7. August 2016

Buchtipp: „Die Fake-Jäger“

Der Deutschlandfunk berichtet über erste Versuche, das “Fact-Checking” zu automatisieren.

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Bis solche Techniken ausgereift sind, wird das Motto “Zuerst denken – dann klicken” der gleichnamigen Webseite (plus Facebook-Präsenz) nichts von seinem nüchternen Pragmatismus verlieren.

Die ZDDK-Masterminds Tom Wannenmacher und Andre Wolf haben jetzt das Buch

Die Fake-Jäger – Wie Gerüchte im Internet entstehen und wie man sich schützen kann”

über ihre Arbeit veröffentlicht:

Stimmt es, dass Facebook für jeden Share eines Bildes Geld für die Behandlung eines kranken Kindes zahlt? Oder dass die Organmafia Kinder in weiße Bullis zieht und entführt?

Sind die Kondensstreifen am Himmel in Wahrheit Chemtrails, also Chemikalien, die uns im Auftrag einer Regierung vergiften sollen? Und kann ich den neuen Facebook-AGB widersprechen, indem ich eine Bockwurst auf Facebook poste?

Solche und ähnliche Meldungen verbreiten sich in den sozialen Netzwerken oftmals wie Lauffeuer und werden tausendfach geteilt. Aber sind sie fake oder wirklich wahr?

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Der Verein Zuerst denken, dann klicken ist die internationale Koordinationsstelle zur Bekämpfung von Internetmissbrauch und zentrale Anlaufstelle für Internet-User, die verdächtige Internetinhalte melden möchten. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, Meldungen auf Facebook nachzugehen und Internet-Fakes aufzudecken. Selbst die Bundesregierung und die Polizei weisen auf ihren sozialen Netzwerken immer wieder auf ihre Artikel und Recherchen hin.

In ihrem Buch veröffentlichen die Betreiber Tom Wannenmacher und Andre Wolf ihre skurrilsten Fälle und zeigen, wie man selbst zum Fake-Jäger wird.”

Zum Weiterlesen:

  • Fakes erkennen, Fotos überprüfen, Quellen beurteilen: Tipps von Mimikama, GWUP-Blog am 18. August 2016
  • Zuerst denken, dann klicken: die Fake-Jäger, GeschichtenAgentin am 11. September 2016
  • Was tun gegen die Macht der gefälschten Nachrichten? Welt-Online am 7. September 2016
  • Mimikama-Gründer bringen Buch über Fakes auf Social Media, futurezone am 8. August 2016
  • Tom Wannemacher/Andre Wolf: Die Fake-Jäger – Wie Gerüchte im Internet entstehen und wie man sich schützen kann. Komplett-Media 2016, 18 Euro

„Grassierender Humbug“: Homöopathie im Laborjournal – und sogar im „Economist“

Das neue Laborjournal ist heute erschienen – mit einem feinen Rant gegen Homöopathie und das Heilpraktiker-Unwesen im Editorial.

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Ein Auszug:

Angesichts der Tatsache, dass das homöopathische Behandlungskonzept seit mehr als 200 Jahren jeden Nachweis seiner Wirksamkeit schuldig geblieben ist, war es allerhöchste Zeit, dass sich in Esoterik-Deutschland eine Stimme der Vernunft erhob.

Sie gehört dem der breiten Öffentlichkeit unbekannten Juristen und Verwaltungsdienstler Josef Hecken. Dieser ist seit dem 1. Juli 2012 Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), dem höchsten Organ im deutschen Gesundheitswesen.

Nun gibt es diesen famosen Bundesausschuss bereits seit 2004 und da fragt man sich schon, was dieser eigentlich die letzten zwölf Jahre gemacht hat, angesichts der steigenden Dominanz parawissenschaftlichen Unsinns im Angebotskatalog deutscher Krankenkassen.”

Sogar die britische Wochenzeitschrift The Economist verfolgt die Homöopathie-Debatte in Deutschland.

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Nobody denies that some people are sincerely convinced they benefit from homeopathy. This is thanks to the placebo effect – the more one believes, the bigger the effect.

But no respectable scientific study has ever shown anything beyond that.

That is why a group of German professors and doctors, including Mr Schmacke, met in Freiburg earlier this year to issue a declaration. Homeopathy is „a stubbornly surviving belief system“, they argue, which „cannot explain itself“ and relies on „self-deception“ by patients and therapists.”

Zum Weiterlesen:

  • Forschung in der Homöopathie: Pseudowissenschaft für Pseudomedizin, Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie am 13. September 2016
  • Hecken im DAZ-online-Interview: Homöopathie-Studien sollten unabhängig überprüft werden, GWUP-Blog am 9. September 2016
  • Die Krankenkassen und die Paramed… äh, Alternativmedizin (1) – Wo kommt das her und wie wird man das los? Psiram am 4. November 2014
  • Die Krankenkassen und die Paramed… äh, Alternativmedizin (2) – Wo kommt das her und wie wird man das los? Psiram am 4. November 2014
  • Homeopathy in Germany: Not a molecule of sense, The Economist am 10. September 2016
  • Wohin führt die aktuelle Homöopathie-Debatte? Gesundheits-Check am 12. September 2016




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