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Silvestergruß aus Traunstein: Homöopathisches Feuerwerk

traunstein

Mit diesem Schnappschuss vom Twitter-Account der GWUP wünschen wir allen unseren Leserinnen und Lesern ein gutes und erfolgreiches 2014!

Esoterik und Emotionen: Parawissenschaften 2013

Das österreichische News-Portal derStandard.at blickt heute auf den Themenschwerpunkt “Parawissenschaften” zurück, und zwar mit dem Interview

Sackgassen haben etwas Kuscheliges.”

Gesprächspartner der Redaktion sind die Psychologin Ulrike Schiesser (Bundesstelle für Sektenfragen) und der Medizinstudent Martin Moder, der in den Foren von derStandard als User aktiv ist, insbesondere zu parawissenschaftlichen Themen.

Ein Auszug:

derStandard: Welches menschliche Grundbedürfnis steckt hinter dem Glauben an Übersinnliches?

Schiesser: Menschen suchen häufig nach Sicherheit und Sinn in einer Welt, die aus vielen unüberschaubaren und zufälligen Ereignissen zu bestehen scheint. Wir versuchen alles in ein logisches System zu bringen, in dem wir uns besser zurechtfinden können. Wir suchen ständig nach Mustern im Chaos und bauen aus diesen Mustern ein sinnstiftendes Gebäude. Für manche ist die Existenz einer wohlwollenden Kraft, die Geborgenheit vermittelt, wichtig. Manche suchen nach Erklärungsmodellen die die Welt überschaubarer machen und die Illusion von Kontrolle vermitteln: “Weil die Sternzeichen nicht zusammenpassen, ist die Beziehung gescheitert.”

Moder: Menschen können ja allein aufgrund ihrer limitierten kognitiven Fähigkeit die Welt gar nicht in ihrer vollständigen Komplexität begreifen, es ist daher absolut unumgänglich, dass wir Vereinfachungen treffen. Aber sind es Vereinfachungen, aus denen sich sinnvolle Handlungsweisen ableiten, oder welche, die in einer logischen Sackgasse enden – wie es bei den Parawissenschaften oft der Fall ist?

Schiesser: Sackgassen haben auch etwas Kuscheliges. Wenn man die Komplexität mitdenken möchte, ist das anstrengend. Vereinfachungen stärken das Gefühl von Sicherheit und geben Orientierung. Es ist angenehm, Entscheidungshilfen für das Leben zu haben, klare Handlungsanweisungen: ,Ihr Baby hat Schmerzen, weil es seine Zähne bekommt? Hängen Sie ihm eine Bernsteinkette um, und es wird besser.’ Wir haben gerne einfache Lösungen für alle Probleme.”

Vor drei Tagen gab’s die Zusammenfassung

Parawissenschaften: Wenn die Emotionen überkochen.”

Ziemlich spaßig sind “Die besten Leser-Postings”:

Poesie, durchgestrichene Zebras und Donald Duck.”

Zum Beispiel:

Super, ich liebe die Para-Artikel. Das ist ein bisserl so wie Donald Duck lesen.”

Alle Artikel des Themenschwerpunkts 2013 (die in der Regel mit Unterstützung der österreichischen Skeptiker zustande kamen) finden sich hier.

Zum Weiterlesen:

  • Parawissenschaften: „Sackgassen haben etwas Kuscheliges“, derStandard.at am 30. Dezember 2013
  • Parawissenschaften: Wenn die Emotionen überkochen, derStandard.at am 27. Dezember 2013
  • Poesie, durchgestrichene Zebras und Donald Duck, derStandard.at am 28. Dezember 2013

Astronomische Summen: “Psychics” werden zur Plage

“Mona Luisa” lässt nicht locker.

Die “Große Dame der Wahrsagung” kündigt mir heute per E-Mail wieder “zwei große Neuigkeiten” an.

Leider werde ich wohl dumm sterben, denn der entsprechende Link führt ins Nichts.

Gut, dann müssen wir eben selbst zwei Neuigkeiten suchen:

  1. Das Video der “Nachtcafé”-Sendung “Der Blick in die Zukunft” ist jetzt online, und zwar hier.
  2. Michael Kunkel, der die “Prognosenrückschau 2013″ erstellt hat, ist schon wieder fleißig beim Sammeln.

In seinem Wahrsagerchecks-Blog analysiert Kunkel die astrologischen/übersinnlichen Vorhersagen für 2014 des Online-Magazins Loop, der ägyptischen Wahrsagerin Joy Ayyad, der Sternseherin Elizabeth Teissier und des Palmblattdeuters Thomas Ritter.

So schnell wird dem Mathematiker und GWUP-Mitglied die Arbeit wohl nicht ausgehen, wie auch ein Jahresrückblick über die Landesgrenzen hinaus zeigt.

Vor allem “Financial psychics” beziehungsweise die “financial intuitive consultancy industry” boomt, schreibt das Online-Portal Business Insider. Die Branche sei zwischen 2007 und 2012 jährlich um zwei Prozent gewachsen und setze in den USA mehr als zwei Milliarden Dollar um.

Auch bei den Stars und Sternchen gehört der Hellseher zu den “Must-Have Advisors”, ergänzt The Hollywood Reporter.

Echte paranormale Fähigkeiten haben die “Psychics” indes auch im zu Ende gehenden Jahr nicht unter Beweis gestellt, wie ihr Versagen bei zahlreichen Vermisstenfällen zeigte, zum Beispiel:

  • Family outraged by psychic’s claims (3news)
  • Volunteers search lake shoreline for missing teen (The Santa Clarita Valley Signal)
  • No body found in Isle of Wight park (Daily Press)
  • Missing Pennsylvania woman reappears 11 years later in Florida Keys (CNN)
  • Bones found in Harriman State Park ‘not human’; search for Eugene Palmer continues (lohud.com)

Dafür richteten die “Übersinnlichen” reales Unheil an:

Der Schauspieler Frankie Muniz erlitt im November einen (zweiten) leichten Schlaganfall, nachdem ein “Psychic” ihm prophezeit hatte, dass er mit 27 Jahren sterben würde.

Muniz konnte am 5. Dezember seinen 28. Geburtstag feiern – überaus “happy”, wie er in einem Interview sagte, aber zugleich mit einer …

… obvious nervous energy when talking about the prediction of his death.”

Natürlich können wir keinen Beweis führen, dass Munitz zweiter Schlaganfall durch die törichte “Prophezeizung” und den Nocebo-Effekt mit ausgelöst worden ist, im Sinne einer self-fulfilling prophecy.

Nichtsdestotrotz ist der Doubtful News uneingeschränkt beizupflichten, die über diesen Fall schrieb:

What’s the harm in dabbling with psychics? They can freak you out and give you unwarranted anxiety. It is unethical to tell someone they will die thanks to your unprovable nonsense “knowledge”.

Andere Kunden von “Psychics” haben sehr viel Geld an die Betrüger verloren, und zwar bis zu zwei Millionen Dollar:

  • Woman gave $2M to S. Florida ‘psychic’ who falsely accused Lohan of assault (SunSentinel)
  • Tarzana psychic, husband facing fraud charges after convincing man he had a ‘love curse’ (Los Angeles Daily News)
  • Victorians being fleeced in scams by pretend psychics (Herald Sun)
  • Florida woman jailed in ‘psychic scam,’ accused of bilking Sunnyvale woman (San Jose Mercury News)
  • San Bernardino County Psychic Charged With Embezzlement (CBS Los Angeles)

Auch in Russland steigen ganze Banden in das lukrative Geschäft mit dem Übersinnlichen ein:

  • In Moskau hat die Polizei einen “Psychic Ring” zerschlagen, der umgerechnet mehr als sechs Millionen Dollar mit vorgeblich paranormalen Dienstleistungen ergaunert hat.
  • Eine andere Gruppe von “Psychics” knöpfte einer 75-Jährigen ihre gesamten Ersparnisse (20 000 Dollar) ab – und wanderte dafür immerhin zehn Jahre in den Knast.

In den Vereinigten Staaten wurde die Justiz ebenfalls in Sachen “Psychics” aktiv:

Die Wahrsagerin Sylvia Mitchell wurde wegen Betrugs zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, ebenso wie die Hellseherin Rose Marks und Teile ihres Familien-Clans.

Und was sagt die “Psychic Access” (eine Art Standesorganisation der Obskuranten) zu diesen und vielen anderen Fällen?

Natürlich den üblichen Nonsens: dass nur “seriöse” Psychics den Kunden vor bösen Überraschungen schützen könnten.

Har har …

Unfassbarerweise argumentiert hier in Deutschland der WDR genauso, nämlich in einem aktuellen Artikel über das Jahreshoroskop 2014:

Es gibt unseriöse Anbieter, die [...] unangemessen hohe Rechnungen stellen. Wer unsicher ist, sollte sich an den Deutschen Astrologen-Verband wenden.”

Ja nee ist klar.

Und wer einen seriösen Hütchenspieler sucht, sollte einfach mal nett beim Deutschen Hütchenspieler-Verband anfragen.

Außerdem dürften hohe Rechnungen nun eher das geringere Problem mit der “Dienstleistung” Astrologie sein.

Hierzu sei nochmal an unsere Serie erinnert:

  • Sind Hellseher sympathisch? GWUP-Blog am 30. September 2012
  • Sind Hellseher seriös? GWUP-Blog am 1. Oktober 2012
  • Sind Hellseher anerkannt? GWUP-Blog am 2. Oktober 2012
  • Sind Hellseher Schwindler? GWUP-Blog am 2. Dezember 2012

Zum Weiterlesen:

  • “Mein Horoskop stimmt immer!” Ja und? GWUP-Blog am 4. Mai 2013
  • “Seriöse” und “unseriöse” Astrologie, GWUP-Blog am 3. Januar 2011
  • Hellseher-Pleiten und Junk Science im jahr 2013, GWUP-Blog am 12. Dezember 2013

Elfen und Autobahnen

Aus gutem Grund haben wir die Weihnachtsstory von der isländischen “Elfen-Lobby”, die angeblich den Bau einer Autobahn im Südwesten des Zwergstaates verhindert hat, hier nicht kolportiert – obwohl neben der Süddeutschen auch skeptische Portale wie Doubtful News und Skeptical Inquirer das Ganze aufgegriffen hatten.

Denn nur einen Tag nach der “Big Story” der Nachrichtenagentur AP verwiesen isländische Medien die Geschichte ins Reich der Fabel.

Auch ein Leser der GWUP-Facebook-Seite erklärte am Weihnachtstag:

In Island werden Orte, die irgendwie eine Geschichte haben, geschützt. Nun hat Island da nicht so ungeheuer viel. Deshalb zählen auch Orte, die mit lokalen Legenden und Märchen in Verbindung stehen, zu den schützenswerten Orten. Und genau deshalb auch solche Orte, von denen man in früheren Jahrhunderten mal erzählte , dass das dort Elfen etc. gelebt hätten. Mehr ist da nicht hinter.”

So sieht es zumindest aus.

Gestern hat die Süddeutsche Zeitung ihren Bericht “Elfen-Lobby stoppt Bauprojekt” korrigiert:

Daran ist vieles nicht ganz richtig: Das Bauprojekt wurde nicht gestoppt. Und schon gar nicht von der Elfen-Lobby.

Das haben etliche Isländer jetzt klargestellt. Nicht unbedingt, weil sie mit dem Bauprojekt oder mit dem Protest dagegen persönlich zu tun hätten. Sondern, weil sie sich völlig falsch dargestellt fühlen. Als bestaunenswerte Menschen nämlich, die an Elfen glauben.”

Auch im Wikipedia-Eintrag zur isländischen “Elfenbeauftragten” heißt es:

Es gehört zum isländischen Baugenehmigungsverfahren, zu prüfen, ob durch ein Bauvorhaben Kulturgut beschädigt wird. Zu den Kulturgütern zählen auch Geländeformationen wie große Steine oder Felsen, die von der lokalen Bevölkerung als „von Elfen bewohnt“ angesehen werden. Das kann der Fall sein, wenn zum Beispiel alte Märchen oder Erzählungen existieren.”

Also glaubt niemand in Island wirklich an Elfen?

Ganz so ist wohl doch nicht, denn der Wikipedia-Artikel geht noch weiter:

In solchen Fällen wird ein externes Gutachten von einer Person eingeholt, die allgemein als elfenkundig betrachtet wird.”

Zum Beispiel bei dem “Elfen-Medium” Erla Stefánsdóttir, die tatsächlich “Elfen-Beauftragte” beim Bauamt in der Hauptstadt Reykjavík ist, wie Christoph Drösser für seine “Stimmt’s?”-Rubrik schon 2007 in Erfahrung brachte.

Im konkreten Fall allerdings hat die “Elfen-Beauftragte” Erla Stefánsdóttir mit den Naturschützern “Freunde der Lava”, die sich für den Erhalt eines geschützten Lava-Felds engagieren, nichts zu tun.

Vielmehr sei die Elfen-Angelegenheit …

… als Teil eines breiten Engagements für die Geschichte und Kultur einer sehr einzigartigen Landschaft”

zu sehen.

Zum Weiterlesen:

  • Die Legende von der Elfen-Lobby, Süddeutsche am 26. Dezember 2013
  • How Stupid are the Icelandic People? Iceland Review Online am 23. Dezember 2013
  • Iceland’s ‘Elf Lobby’ Isn’t Real, According to Icelanders, The Wire am 23. Dezember 2013
  • Elfen-Lobby stoppt Bauprojekt, Süddeutsche am 23. Dezember 2013
  • Iceland allows elves a place at discussion table regarding land use, Doubtful News am 22. Dezember 2013
  • Iceland’s hidden elves delay road projects, AP am 22. Dezember 2013

Science-Slam-Finale 2013 und eine Fake-Wundermaschine

Und da wir gerade bei den Jahresrückblicken sind:

Der Physiker Reinhard Remfort hat am 6. Dezember in Münster das Science-Slam-Finale 2013 gewonnen:


Direktlink zum Video auf Youtube

Für diese Veranstaltungsreihe engagiert sich besonders GWUP-Vorstandsmitglied Dr. Julia Offe.

Die komplette Final-Show (zirka 2,5 Stunden) mit allen Kandidaten gibt’s hier in der WDR-Mediathek zu sehen.

Ein anderer vorgeblicher “Science Slam” in diesem Jahr verlief indes nicht ganz so harmonisch.

Der Mineralölkonzern Shell hatte das populäre Format schlichtweg gekapert und für firmeneigene PR instrumentalisiert. Am 11. Dezember sollten einige Jung-Akademiker in Berlin ihre Ideen für einen

… noch verantwortungsvolleren Umgang mit Erdöl“

öffentlichkeitswirksam präsentieren.

Dieser “Shell Science Slam” war jedoch eine reine Imagekampagne für das Unternehmen, was Kritiker „Greenwashing“ nennen:

Ein Unternehmen, das schmutzige Dinge tut, gibt sich mit ökologisch korrekten Schaufensterprojekten ein sympathischeres Image.”

Einer der Slammer baute auf der Bühne im Tempodrom eine “Wundermaschine” auf, die irgendwie das Kohlendioxid aus Autoabgasen in harmlose Kohlensäure für Mineralwasser umwandelt. Oder so.

Statt dessen verspritzte die Apparatur bei der Vorführung 60 Liter einer schwarzen, ölartigen Flüssigkeit:


Direktlink zum Video auf Youtube

Der angebliche Nachwuchswissenschaftler entpuppte sich als Umweltaktivist von Peng! Collective und seine Aktion als “Slam Shell!”:

In Nigeria gelangen täglich rund 350.000 Liter Erdöl in die Erde, die Lebensgrundlage der Menschen dort wird zerstört. Shell schmiert Warlords und korrupte Regierungen, um dort weiter Öl fördern zu können Das Unternehmen ist der weltweit größte Produzent von klimaschädlichem CO2 und toxischen Stoffen. Währenddessen versucht das Unternehmen in Europa mit Kampagnen wie dem “Eco Marathon” von ihren massiven sozialökonomischen Schäden abzulenken.”

Sogar die Premium Times Nigera berichtete über die Berliner Aktion.

Aber zurück zu den echten Science Slams: Weiter geht’s am 21. Januar 2014 in Münster.

Zum Weiterlesen:

  • Der Öl-Konzern wollte Werbung – und bekam ein Desaster, Tagesspiegel am 14. Dezember 2013
  • Schmutzfontäne gegen Shell, Spiegel-Online am 12. Dezember 2013
  • Shell geht baden, taz am 12. Dezember 2013
  • Shell’s Berlin ‘Science Slam’ Event Reportedly Disrupted By Anti-Drilling Activists, Huffington Post am 14. Dezember 2013

Das “winzige große Rätsel” vom Amazonas ist gelöst

Es ist die Zeit der Jahresrückblicke, und da dürfen natürlich auch solche Listen nicht fehlen:

Eines der Top-Mysterien des zu Ende gehenden Jahres ist erst kurz vor Weihnachten geknackt worden.

Im September hatte unter anderem die Süddeutsche Zeitung über “seltsame Strukturen im Dschungel” berichtet:

Winziges großes Rätsel vom Amazonas”

Es ging um ein kleines Gespinst von Fäden, eine Art natürliches Mini-Stonehenge (großes Foto), und nicht nur in Peru konnte niemand den Forschern sagen, worum es sich handelt und welches Tier der Baumeister war:

The whole internet can’t identify this mystery cocoon”,

schrieb der New Scientist.

Jetzt haben Entomologen eine bislang unbekannte Spinnenart als Schöpfer der winzigen Strukturen identifiziert:

But its precise identity is still a mystery that scientists are scrambling to solve.”

Seit gestern gibt’s auch ein Video von “The Mystery Silkhenge Spider”:


Direktlink zum Video auf Youtube

Ein ausführlicher Artikel ist parallel dazu bei wired erschienen.

Zum Weiterlesen:

  • Winziges großes Rätsel vom Amazonas, Süddeutsche am 11. September 2013
  • Des Rätsels Lösung, spektrum.de am 20. Dezember 2013
  • We Went to the Amazon to Find Out What Makes These Weird Web-Tower Things, wired.com am 20. Dezember 2013
  • New Clues and Some Wild Guesses About Those Strange Spider Towers in the Amazon, wired.com am 24. Dezember 2013
  • Wissenschaft 2013, Spiegel-Online am 25. Dezember 2013

Wahrsagen im “Nachtcafé”

Leider habe ich gerade erfahren, dass mir eine “erschütternde Zukunft” bevorsteht.

Per E-Mail, von einer gewissen “Mona Luisa”.

Jetzt überlege ich ernsthaft, ob ich Monas “ausgestreckte Hand” nicht vielleicht doch besser ergreifen soll, denn was sie mir zu sagen hat, könnte …

… Ihr Leben ein für allemal verändern. Sie können sich sicher sein, dass sie Sie dank ihrer Gaben sicher auf dem Weg zum Glück begleiten wird. Ihr Leben wird schon bald in neuem Glanz erstrahlen. Schon morgen könnte Ihnen alles leichter von der Hand gehen, ganz so als wären Sie von Ihren Fesseln befreit.”

Und irgendwo hat Moni Loser, der “gefeierte Lichtstern des Hellsehens”, ja auch recht, denn wenigstens brauche ich heute nicht lange und qualvoll zu überlegen, was ich bloggen könnte.

Eigentlich sollte man davon ausgehen, dass auf solche Massenmails nur Leute reinfallen, die sich ihren Hut mit dem Kran aufsetzen.

Dem scheint aber nicht so zu sein, denn das “Nachtcafé” (SWR-Fernsehen) widmet eine ganze Sendung dem Thema “Der Blick in die Zukunft”.

Am Freitag (27. Dezember, 22 Uhr) geht es um “Hilfe oder Humbug?”:

Wenn Weihnachten vorüber ist, dauert es noch wenige Tage bis das Jahr zu Ende ist und ein neues beginnt. Wer wüsste nicht gerne, was das nächste Jahr bringt, dann könnten sie schon jetzt die Weichen für beruflichen Erfolg oder privates Glück stellen.

Doch nicht jede Vorhersage ist eine Hilfe: Während die einen ihren Erfolg auf geglückte Prophezeiungen zurückführen, die ihnen ein anscheinend hellseherisches Medium machte, haben andere ihr Schicksal herausgefordert, sprichwörtlich alles auf eine Karte gesetzt und zahlen bitterlich mit einem verkorksten Leben – die vermeintliche Hilfe entpuppte sich als Humbug.

Segen oder Fluch, das Geschäft boomt: Horoskope in Zeitschriften, Kartenlegen im Fernsehen oder Wahrsager, die einem aus der Hand lesen – wer hat nicht gerne Orientierung bei schwierigen Entscheidungen im Leben und Gewissheit über die eigene Zukunft?

Können Menschen in die Zukunft schauen? Wie sehr dürfen wir auf Hellseherei vertrauen? Welche Möglichkeiten gibt es, und was bringt uns das neue Jahr?”

Auf der Pro-Seite sitzt das typische Kuriositäten-Kabinett, von Winfried Noé bis zu Mike Shiva, der so peinlich ist, dass man ihm fast nur noch satirisch gerecht werden kann:

Kalkofe – Astro TV Abgezockt – MyVideo

Kalkofe – AstroTV –Arschkarte, Telefonkarte– – MyVideo

Aber immerhin sind auch die Skeptiker gut vertreten, mit der Skeptics in the Pub-Referentin Ursula Caberta und dem Skeptiker-Autor Bernd Kramer.

Und so sicher wie die Jahreshoroskope 2014 werden Noé, Shiva und Co. mit den “seriösen” und “unseriösen” Vertretern ihrer Zunft ankommen.

Das übliche Gelaber eben, so gehaltvoll wie “Mona Luisas” Voraussagen.

Update: Zum Video geht es hier.

Zum Weiterlesen:

  • Bernd Kramer: Erleuchtung gefällig? Ein esoterischer Selbstversuch. Ch. Links Verlag, Berlin 2013
  • Sind Hellseher seriös? GWUP-Blog am 1. Oktober 2012
  • Wollust und Triebleben: Der Astrologe Winfried Noe ist nur noch peinlich, GWUP-Blog am 10. April 2011
  • Aberglaubenwoche in 3sat mit Eso-Peinlichkeiten und der “Mondverschwörung”, GWUP-Blog am 28. Oktober 2013
  • Esoterischer Selbstversuch: “Erleuchtung gefällig?”, GWUP-Blog am 13. April 2013
  • Bernd Kramer: “Ganz viel Energie”, Skeptiker 3/2013
  • Astro-TV: Auf dem Straßenstrich der Astrologie, GWUP-Blog am 23. Dezember 2009
  • Kein Stern für “Astro TV”, GWUP-Blog am 22. November 2013
  • Hellsehen mit Twitter und Co., GWUP-Blog am 21. November 2013
  • Hellseher-Pleiten und Junk-Science im Jahr 2013, GWUP-Blog am 12. Dezember 2013
  • “Mein Horoskop stimmt immer!” Ja und? GWUP-Blog am 4. Mai 2013
  • Die acht Astrologen von der Astrowoche, Wahrsagerchecks-Blog am 22. Dezember 2012
  • Winfried Noé: Astrologe diskriminiert ein Viertel der Frauen, Wahrsagerchecks-Blog am 10. April 2011
  • Brain Scans and Psychics, Skepticblog am 23. Dezember 2013

Restebloggen mit Lena, Satan, Dawkins und Weltuntergang

So etwas richtig “Weihnachtliches” habe ich jetzt gerade nicht parat. Dennoch schließe ich mich natürlich gerne dem Festtagswunsch der GWUP-Facebook-Seite an:

Wir wünschen allen Fans und Kritikern frohe Weihnachten und ein paar besinnliche Feiertage.”

Ein passendes Video gibt’s dieses Jahr auch nicht – oder vielleicht doch, und zwar aus der Abteilung “Restebloggen”:

Kaum zu glauben, aber ein paar Fundamentalchristen wollen in Lena Meyer-Landruts ESC-Song “Satellite” tatsächlich “versteckte satanische Botschaften” entdeckt haben – beim rückwärts abspielen.

Die Backward-Version findet sich auch bei youtube und klingt in der Tat horrormäßig teuflisch:


Direktlink zum Video auf Youtube

Was ist da zu hören?

Ein Vorschlag vom GWUP-Twitter-Account:

Erleucht mei Nudel im Morgen, yeah!”

Und da wir schon beim Restbloggen sind, hier noch einige weitere Kurznachrichten:

  • Bei Telepolis wird die GWUP heute als “ehrenwerte und verdienstvolle Vereinigung” hervorgehoben, und zwar in dem Artikel:

Stern von Bethlehem als außerirdisches Raumschiff.”

Das freut uns, vielen Dank.

Die “Science Busters” gehen ebenfalls der Himmelserscheinung vor 2000 Jahren auf den Grund, und zwar in ihrem Podcast bei FM4.

Auch unser Kommentator Ralf Bülow schreibt über den Stern von Bethlehem, und zwar bei Focus-Online:

Rätsel gelöst: Der Stern von Bethlehem war ein Meteor.”

  • Apropos Meteor: So ziemlich genau vor einem Jahr ist bekanntlich die Welt untergegangen, und keiner hat’s gemerkt.

Dazu gab es hier im Blog einen Artikel, der wegen eines Zeitschaltfehlers einige Tage zu spät veröffentlicht wurde und deshalb wirklich “untergegangen” ist:

Weltuntergang 2012: Letzte Briefe, die wir gestern fast abgeschickt hätten.”

Vielleicht mag es ja jetzt noch jemand nachlesen.

Aktuell blickt Dr. Florian Freistetter bei Astrodicticum simplex auf den 21. Dezember 2012 zurück und fragt sich:

Was wurde eigentlich aus Dieter Broers und den anderen Weltuntergangspropheten?”

Und weiter in der Gegenwart:

Heute gibt es auf der Homepage den Artikel

Warum das Übernatürliche keinen Platz in der Welt hat”

zu lesen.

Ein Willkommens-Video von Dawkins ist auch online:


Direktlink zum Video auf Youtube

  • Die Schweizer Skeptiker beschäftigen sich in ihrem neuen Podcast (SkeptisCH Nr. 29 vom 22. Dezember 2013) mit der Frage:

Hat Jesus existiert?”

Und abschließend noch ein Geschenktipp zu Weihnachten (hihi):

Gerade ist eine DVD-Gesamtausgabe mit allen TV-Shows der “Science Busters” erschienen: 32 Folgen auf acht DVDs zum Preis von 39,99 €:

Denn: Science rulez!!!”

Ein gutes Motto auch für 2014.

Zum Weiterlesen:

  • Rückwärtsbotschaften und böser Einfluss, Metal Hammer am 27. März 2009
  • Rock’n'Roll im Rückwärtsgang, einestages am 19. März 2009
  • Dr. Pop, wer hat die Rückwärtsbotschaft erfunden? 78s am 24. August 2010

Vince Ebert: Evolution

Vince Ebert ist laut Eigenaussage …

… neben Angela Merkel und Oskar Lafontaine der dritte deutsche Physiker, der sein Geld im Bereich Comedy und Kabarett verdient.”

Anders jedoch als Frau Merkel, die sich gerade Homöopathie-freundlich geäußert hat (zumindest könnte man es so deuten), ist Ebert immer noch Wissenschaftler genug, um den Unsinn der Schüttelei zu erkennen und anschaulich wiederzugeben:


Direktlink zum Video auf Youtube

Von Vince Ebert stammt auch das vielzitierte Bonmot:

Wenn ich behaupte Im Kühlschrank ist Bier, bin ich Theologe. Wenn ich nachschaue, bin ich Wissenschaftler. Wenn ich nachsehe, nichts finde und trotzdem behaupte, es ist Bier drin – dann bin ich Esoteriker!”

Sowohl bei Kritisch gedacht als auch im Skeptiker gab es schon interessante Interviews mit dem Kabarettisten.

Und bei arprin kann man ein Kapitel aus seinem Buch “Denken Sie selbst” zum Thema Wissenschaftsfeindlichkeit nachlesen.

Im Oktober ist Eberts neues Buch “Bleiben Sie neugierig” erschienen. Derzeit ist der Diplom-Physiker mit seinem Programm “Evolution” auf Tournee:


Direktlink zum Video auf Youtube

Evolution wird in bestimmten Kreisen ebenso vehement abgelehnt wie umgekehrt Homöopathie verteidigt wird.

Es ist also durchaus wieder ein Reizthema, das Ebert diesmal abendfüllend beackert.

Und das tut er ziemlich kompromisslos.

Es ist nicht so sehr echtes Kabarett, was der 45-Jährige auf der Bühne zeigt, sondern eine Art Doppelstunde biologische/kosmologische/kulturelle Evolutionslehre – aber mit einem sehr sympathischen und lustigen Dozenten.

“Lach- und Sachgeschichten” schreibt treffend die Siegener Zeitung:

Selten fällt Lernen so leicht und macht so viel Spaß.”

Und eher en passant stellt Ebert dabei klar, dass die Wissenschaft auch “Mythen und Illusionen” entzaubert, zum Beispiel die Astrologie:

“Meine Hebamme hat 110 Kilo gewogen – was kümmert mich da mein Aszendent?”,

umschreibt er die Tatsache, dass die Anziehungskraft der Geburtshelferin (also deren gravitative Wirkung) das Baby weitaus stärker beeinflussen müsste als die Anziehungskräfte der weit entfernten Gestirne.

Sollten die Astrologen also nicht besser die Hebamme anstatt der Planeten in ihre Horoskope einbeziehen?

Nicht zuletzt die inhärente Egozentrik der Esoterik stößt Ebert sauer auf. Der prächtige Sternenhimmel spanne sich sicher nicht deswegen über uns, damit Astrologie-Gläubige einen “coolen Aszendenten” ihr Eigen nennen und sich als “etwas Besonderes” im Universum fühlen könnten.

Auch Religionen kann der Wissenschaftskabarettist wenig abgewinnen, die aus dem Urknall hervorgegangene “sichtbare Welt” sei staunenswert und wunderbar genug:

Da kann der Typ mit den sechs Tagen einpacken.”

Von solchen Spitzen abgesehen, hält Ebert sich mit expliziter Kritik an religiösen oder kreationistischen Vorstellungen zurück. Statt dessen erklärt er, wie es wirklich ist.

Und das ist wohl genau der richtige Weg, denn:

Wer überzeugen will, konzentriert sich auf seine eigenen Argumente und verschweigt die seines Gegners”,

schreibt auch Sebastian Hermann in seinem Buch “Starrköpfe überzeugen”.

Nur unmittelbar zu Beginn des zweiten Teils streift Ebert den Komplex “Evolutionsleugner”.

Er berichtet von einem Pausengespräch mit einem Vertreter des “Intelligent Design” und stellt kurz dar, was von den ID-Standardargumenten (“Ist es wahrscheinlich, dass das Auge ohne ‘Intelligenz’ entstand?”, “Evolution ist nur eine Theorie”) zu halten ist.

Und vermutlich können auch Schöpfungsgläubige ihm nicht wirklich böse sein, da der Physiker im Folgenden an einigen Beispielen erklärt, dass

… Logik und Rationalität evolutionär bedingt nicht gerade zu unseren Kernkompetenzen gehören.”

Sehr gelungen auch der Schlussteil der “Evolutions”-Show, bei dem Ebert die Romantik der Naturwissenschaften beschwört und von den sogenannten Cäsar-Molekülen über Sternenstaub zu seinem finalen Statement kommt:

Wir brauchen keinen Gott, um unsterblich zu sein – die drei Hauptsätze der Thermodynamik reichen vollkommen aus.”

Vince Eberts Bühnenprogramm “Evolution” läuft 2014 weiter.

Alle Stationen und Termine gibt es hier.

Zum Weiterlesen:

  • Vince Ebert: Bleiben Sie neugierig. Rowohlt-Verlag, Reinbek 2013
  • “Achten aufs Kleingedruckte”: Interview mit Vince Ebert im Skeptiker 1/2009
  • Vince Ebert in Wien, Kritisch gedacht am 11. März 2013
  • Vince Ebert zur Wissenschaftsfeindlichkeit, arprin am 16. Juli 2011
  • Wenn kein Bier im Kühlschrank ist, Astrodicticum simplex am 28. März 2009
  • “Ich muss alles hinterfragen”: Interview mit Vince Ebert, Zeit-Online am 7. April 2012
  • Was der Vatikan mit Schwarzen Löchern gemeinsam hat, spektrum.de am 25. September 2013
  • GWUP-Thema: Kreationismus
  • Intelligent Design – Eine Alternative zur naturalistischen Wissenschaft? Skeptiker 3/2003
  • Gott pfuscht auch, Zeit-Wissen am 14. August 2008
  • Mensch, was für eine Fehlkonstruktion, Zeit-Online am 24. Dezember 2013

Erfolg für “All Trials”: Pharmastudien müssen künftig veröffentlicht werden

Big Pharma, rück die Studien raus!”

Unter dieser Überschrift berichteten wir vor vier Wochen über eine Veranstaltung von “Skeptics in the Pub” in Köln.

Es ging um die internationale Kampagne “All Trials”, die mit dem Ziel gestartet wurde, die Gesetze und Praktiken betreffend Tests und Zulassung von Medikamenten weltweit zu verbessern.

Heute vermeldet die “All Trials”-Homepage einen großen Fortschritt:

Exciting news from Brussels — law that would mean researchers running a clinical trial in Europe have to register the trial before it begins and to publish summary results within a year of its end is a step closer.”

Heißt: Alle Tests müssen künftig vor Beginn registriert werden. Und die Ergebnisse klinischer Arzneimittelstudien müssen auch dann veröffentlicht werden, wenn sie negativ sind und für das jeweilige Pharmaunternehmen einen Misserfolg bedeuten.

So soll verhindert werden, dass Studien geschönt und Medikamente auf der Basis von unzureichenden Daten zugelassen werden.

Mehr dazu gibt’s auch bei Spiegel-Online.

Zum Weiterlesen:

  • Agreement reached in Europe on Clinical Trials Regulation, All Trials am 20. Dezember 2013
  • EU verlangt Veröffentlichung aller Pharmatest-Ergebnisse, Spiegel-Online am 20. Dezember 2013
  • Big Pharma, rück die Studien raus! GWUP-Blog am 16. November 2013
  • EU zwingt Pharmaindustrie zu mehr Transparenz, Zeit-Online am 21. Dezember 2013




NEU: Skeptiker 1/2014

SKEPTIKER 1/2014

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