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Ebola in Afrika – gibt’s da nicht was vom Homöopathen?

Ein Nachklapp zu unserem Posting “Ebola und Aberglaube”:

Einige komplett hirnentkernte Homöopathen propagieren nunmehr ihr Zuckerzeug gegen die Ebola-Epidemie in Afrika, schreibt heute Psiram:

Ein wenig Ähnlichkeitsgesetz, ein paar Schlangen aus dem amerikanischen Hinterland, ganz viel Verdünnen und Schütteln, und dann stündlich ein Kügeli.

Man sieht sie förmlich vor sich, die entfesselten Homöopathen, wie sie an den Lagern der Schwerstkranken stehen, geschützt durch die mächtige Potenz der Klapperschlange, und wie sie den Siechenden die Kügelchen unter die blutende Zunge schieben, aber bitte nur eine stündlich, sonst wird’s zu viel des Guten [...]

Offensichtlich hat sich bis jetzt niemand im homöopathischen Lager bemüßigt gefühlt, solchen völlig verrückten Ideen mit einem einzigen Wort entgegenzutreten, geschweige denn diesen Saustall, der sich in dieser Gedankenwelt breit gemacht hat, auszumisten.”

Nein, Letzteres fällt etwa dem Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) nicht mal im Fiebertraum ein, wie wir uns schon öfter gewundert haben.

Anscheinend gibt es keine Verrücktheit auf der Welt, für die man nicht unwidersprochen homöopathische Weihen beanspruchen kann.

Auch ein deutscher “Arzt für Homöopathie” verbreitet allen Ernstes auf seiner Homepage:

Wenn sich ein gelernte homöopathischer Arzt nach Afrika auf den Weg macht, seine medizinische Ausrüstung mitnimmt, die er als homöopathischer Arzt benötigt, dann besteht durchaus die reale Möglichkeit, mit diesen Methoden der Homöopathie und Akupunktur den schwer Kranken zu helfen [...]

Als Arzt für Homöopathie behandelt man schließlich nicht den pathologischen Erreger, sondern das Abwehrsystem des Menschen.

Ob das bei Ebola erfolgreich möglich ist, wurde noch nicht berichtet. Vielleicht findet sich ein mutiger Arzt, der sich der Herausforderung stellt.”

In der Tat, vielleicht findet sich ja ein Homöopath, der gerne den Darwin Award gewinnen möchte – posthum.

Wir sind gespannt, eingedenk der Tatsache, dass Homöopathika auch zur Grippevorbeugung nichts taugen.

Apropos Afrika: Neues gibt’s auch von dem nigerianischen Skeptiker Leo Igwe, und zwar in dem Nachrichtenportal Mlive (Michigan) und bei diesseits.de.

Zum Weiterlesen:

  • Ebola? Da haben wir etwas für Sie …, Psiram am 9. August 2014
  • Ebola und Aberglaube, GWUP-Blog am 1. August 2014
  • Gefühllose Schaben und Typhus: Homöopathie zwischen Komödie und Tragödie, GWUP-Blog am 27. Mai 2013
  • Homöopathie zur Prophylaxe von Grippesymptomen – Rottey (1995), Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie am 3. August 2014
  • African witch trials still exist in the modern age, activist says, mlive.com am 24. Juli 2014
  • Afrikas Krieg gegen „Hexen“, diesseits.de am 6. August 2014
  • Hexenverfolgung in Afrika, Bayern 2 am 6. Mai 2013
  • Wo Aberglaube wirklich gefährlich ist: Skeptiker in Afrika, Astrodicticum simplex am 19. Mai 2012
  • Aids? Da haben wir auch was für Sie, Psiram am 11. August 2014

Ein Sommerloch ohne Panther, Bigfoots und Lottis?

Wo bleiben nur die Sommerlochtiere?

Nicht einmal unser Panther Gustav von der “Skeptischen Nerd Nite” bei der GWUP-Konferenz hat sich bislang blicken lassen.

Sogar Bild fällt heuer wenig mehr zum Thema ein als ein paar müde Geschichtchen über einen Königspyton unter der Motorhaube oder einen bissigen Riesenwels.

Ansonsten gibt’s bloß noch vage Spekulationen über eine neuerliche Schnappschildkröte in einem bayerischen Badesee sowie unsichtbare (aber real vorhandene) Wildkatzen.

Außerhalb Deutschlands sieht es nicht viel besser aus.

Ein “Bigfoot” in New Jersey ist nur ein aufrecht gehender Bär:


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Eine Fotografie des berüchtigten “Beast of Bodmin” in Cornwall zeigt wohl einen Fuchs.

Bleibt nur noch diese “geheimnisvolle exotische Großkatze” in Norwalk/Connecticut:


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Ein Puma? Ein Löwe gar?

Irgendwie erinnert das Ganze eher an jenen “Löwen”, der letztes Jahr auf der B17 bei Augsburg unterwegs war.

Auch bei Facebook wird das Tier schlicht als Hund gehandelt.

Vom “tierischsten Sommerloch aller Zeiten”, wie die Bild-Zeitung schreibt, ist weit und breit überhaupt noch nix zu sehen.

Hoffentlich lässt uns Gustav dieses Jahr nicht im Stich.

Ansonsten bleibt vorerst nur “Planet der Affen: Revolution” im Kino.

Zum Weiterlesen:

  • “Sommerlochtiere” zwischen Urangst und Bambi-Syndrom, GWUP-Blog am 22. August 2013
  • Der Panther kommt näher! GWUP-Blog am 18. Juli 2013
  • Was hat Lotti, was Angela Merkel nicht hat? Welt-Online am 16. August 2013
  • Panther Gustav – der deutsche Yeti, GWUP-Blog am 7. November 2009

Ufo über dem Bodensee

Aus welchem Grund dieses Filmchen von einem “Ufo” überm Bodensee derzeit durch zahllose internationale Ufo-, Video- und Medienportale rauscht, können wir nicht recht nachvollziehen:


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Denn die Aufnahme ist bereits zwei Jahre alt und zeigt wohl einen Zeppelin aus dem nahen Friedrichshafen.


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Oder sind das etwa die Aliens, die “zwei renommierte russische Militärexperten” angeblich fürchten:

Sollte die Alienmeldungen stimmen, sei es sinnlos, gegen Terrorismus und Kriminalität zu kämpfen.”

Es gärt anscheinend mal wieder in Russland.

Schon 1989 öffnete die amtliche Nachrichten-Agentur TASS bereitwillig die Tür ins All, um ihren Lesern einen Fluchtweg aus den ermüdenden Problemen des Landes zu bauen:

In Woronesch sei ein Ufo gelandet!

Sogar eine Botschaft hinterließen die Außerirdischen:

Ihr habt noch zehn Jahre Zeit, euch zu besinnen und das Steuer herumzureißen. Wir haben große Angst um euch.”

Mittlerweile ist ein Vierteljahrhundert vergangen. Und weder Russland noch die übrige Welt scheinen wesentlich klüger geworden zu sein.

Zum Weiterlesen:

  • Aufregung um angebliche UFO-Sichtung über dem Bodensee, yahoo.de am 4. August 2014
  • Winziger Kopf, Der Spiegel am 16. Oktober 1989

„Gute Karriereaussichten“ für Waldorfschüler – wie das?

Eine Frage, die man sich Zusammenhang mit der Waldorf-Schule natürlich stellen könnte:

Wenn die Waldorf-Pädagogik größtenteils auf esoterischem Nonsens gründet – wie kommt es dann, dass die Steinerschen Lehranstalten trotzdem lebenstaugliche Abiturienten und im Weiteren sogar den einen oder anderen Nobelpreisträger hervorbringen?

An einer Antwort versucht sich heute die Frankfurter Allgemeine sinnigerweise im Ressort “Beruf & Chance”.

Denn der Artikel beginnt mit der Feststellung, dass sich die Zahl der Waldorf-Schulen in den USA seit der Jahrtausendwende etwa verdoppelt hat auf 160:

Aus dem Silicon Valley heißt es, dass gerade gutverdienende Eltern aus dem Computerbusiness ihre Kinder mit Vorliebe auf die Waldorfschule geben.”

Hierzulande sei Ähnliches zu beobachten:

An den Schulen ist zu hören, wahrhaft anthroposophische Eltern gerieten in die Minderheit. Stattdessen: Bildungsbürgerliche Familien, distinktionsuchende Mittelschicht und Reiche, die ihren Kindern das staatliche Schulsystem ersparen wollen.”

Das Intelligenzblatt aus Frankfurt kommt zu dem Schluss, es gebe Grund anzunehmen, dass …

… die Karriereaussichten für Waldorfabsolventen gut sind – nicht, weil die Waldorfschule besser ist, sondern deswegen, weil sie anders ist.”

Eine Erklärung oder gar eine fundierte Analyse bleibt indes auch der FAZ-Redakteur schuldig.

Zu lesen gibt es lediglich eine Zusammenfassung der älteren Untersuchung von Dirk Randoll, Professor für empirische Sozialforschung an der privaten anthroposophischen Alanus-Hochschule in Alfter bei Bonn:

Dabei kam – wenig überraschend – heraus, dass sie [Absolventen von Waldorfschulen] doppelt so oft künstlerische und soziale Berufe ergreifen, hingegen weniger Juristen und Kaufleute hervorbringen. Ingenieure waren etwas öfter vertreten. Die Schüler hatten aber Mängel in Fremdsprachen und politischer Bildung.”

Die Aussagekraft dieser Befragung zieht der Wiener Bildungsforscher Prof. Stefan T. Hopmann allerdings massiv in Zweifel:

Diese Ergebnisse sagten gar nichts aus. Denn es fehle eine Vergleichsgruppe. Waldorfschüler kämen überdurchschnittlich oft aus gut situierten, bildungsbürgerlichen Familien, sagt Stefan Hopmann. Mit Gymnasiasten aus entsprechenden Milieus müsste man ihre Karrierewege daher vergleichen, um eine Aussage über den Schulerfolg treffen zu können.”

Hopmanns Kernaussage geht in dem Beitrag fast ein wenig unter:

Der Einfluss der Schule auf den späteren Lebenserfolg sei ohnehin relativ gering.”

Und das ist möglicherweise der entscheidende Punkt.

Schon die österreichische Tageszeitung Die Presse schrieb vor drei Jahren:

Das bildungsorientierte Milieu, aus dem die meisten Waldorfschüler stammen, hebt das Niveau.

„Es ist eine Schule, in der sich ein bildungsorientiertes Milieu reproduziert“, sagt der Mainzer Bildungsexperte Heiner Ullrich, der die Waldorfschulen zu einem seiner Spezialgebiete machte. Waldorfeltern würden Bildung einen hohen Stellenwert beimessen, die Kinder auch außerhalb des Unterrichts fördern. Außerdem setzt nicht zuletzt das Schulgeld eine gewisse Kaufkraft voraus.

„,Man könnte sagen, mit diesem Hintergrund ist es keine Kunst, so gut zu sein“, so Ullrich.

Wie sich Waldorfschulen entwickeln würden, wenn es keine ausgesuchte Schülerklientel gäbe, bleibt vorerst unbeantwortet. Schlicht und einfach, weil es diesen Fall nicht gibt.”

GWUP-Mitglied und Waldorf-Kritiker André Sebastiani stimmt dem grundsätzlich zu:

Ich glaube, dass der Einfluss der Schule auf das Leistungsniveau von Schülern stark überschätzt wird”,

erklärt Sebastiani, der Lehrer an einer staatlichen Schule in Bremen ist.

Im Gespräch mit dem GWUP-Blog nennt er noch weitere Gründe:

Eltern von Waldorfschülern haben überdurchschnittlich häufig Abitur oder einen Hochschul-/Universitätsabschluss. Diese bildungsbürgerlichen Eltern kompensieren die Defizite der Waldorfschule ganz einfach.

Die Waldorfmethode für den Schriftspracherwerb zum Beispiel sieht vor, erst zum Ende des ersten oder am Beginn des zweiten Schuljahres mit dem Schriftspracherwerb zu beginnen. Steiner selbst hat geschrieben, es sei nicht nötig, dass ein Kind mit acht Jahren lesen könne. Er hielt es sogar für schädlich, während der ersten sieben Lebensjahre mit dem Schriftspracherwerb zu beginnen.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist das Gift für schwache Schüler.

Bei leistungsstarken Kindern ist der Unterschied zwischen den pädagogischen Methoden verschiedener Schulformen aber marginal. Sie lassen sich jedoch bei sehr leistungsschwachen Schülern deutlich nachweisen.

Hinzu kommt: Kinder, die an Waldorfschulen nicht zurechtkommen, wechseln häufig die Schule. Die Aussteigerquote liegt nach empirischen Daten, die die Anthroposophen selbst erhoben haben, zwischen 35 und 50 Prozent.

Aus diesen Gründen erleben Waldorflehrer ihre Methode des Schriftspracherwerbs als wirksam. Probleme beim Lesen- und Schreibenlernen werden entweder von den bildungsnahen Elternhäusern kompensiert – oder aber Schüler mit Lernschwierigkeiten verlassen die Waldorfschule und verschwinden damit aus der Wahrnehmung ihres Klassenlehrers.

Und nicht zuletzt wird an keiner anderen Schulform mehr Nachhilfe genommen. Vor allem im letzten Jahr wird der Abiturstoff stumpf eingebläut.”

Insofern ist der FAZ-Artikel mit Passagen wie “Sie [die Waldorfschule] wird als Gegenmodell beliebt zu einem Bildungssystem, das Kinder wie Lernmaschinen behandelt” oder “Gerade in Amerika sind für die jungen Leute die Schrauben extrem eng angezogen, sie lernen riesige Mengen an den Schulen auswendig” wohl mit Vorsicht zu genießen.

Schlimmer aber:

Genau deshalb ist der geplante Schulversuch mitten in einem sozialen Brennpunkt Hamburgs so fatal. Denn dort wird die Mehrzahl der Eltern nicht kompensieren können, was die Waldorf-Pädagogik anrichtet.

Übrigens spricht André Sebastiani am 2. September bei “Skeptics in the Pub” in Köln über “Das Risiko Waldorfpädagogik: Steiner-Esoterik statt Reformschule”.

Zum Weiterlesen:

  • Strickzeug statt Smartphone, FAZ am 6. August 2014
  • Nobelpreis für Waldorf? GWUP-Blog am 22. März 2014
  • Waldorf in Wilhelmsburg und die Bankrotterklärung der Politik, GWUP-Blog am 15. Juni 2014
  • Versteinerte Erziehung, Skeptiker 4/2011 (aktualisierte Fassung online hier)
  • “Waldorf-Schule”, Hoaxilla-Podcast Nr. 107 vom 18. November 2012
  • “Pragmatischer Waldorf” – was soll das denn sein? GWUP-Blog am 10. Februar 2013
  • “Ein bisschen Waldorf geht nicht”, taz am 25. November 2013
  • Vortrag “Ver-Steinerte Erziehung” als Video, GWUP-Blog am 18. Februar 2014
  • Waldorfschüler lesen besser? GWUP-Blog am 12. Juni 2012
  • Die bessere Schule oder esoterischer Irrglaube? Deutschlandradio Kultur am 23. Februar 2011
  • Gerüstet für die Realität? Leben nach der Waldorfschule, diepresse.com am 27. Februar 2011

“Psiram” goes Facebook

Auch Psiram hat jetzt eine Facebook-Präsenz.

Im Eröffnungsposting heißt es:

Nun ist es soweit. Psiram ist bei Facebook.

Seit der Gründung vor sieben Jahren (damals als EsoWatch) hatten wir dies bisher erfolgreich vermieden. Aber die Stimmen unserer Jungspunde wurden immer lauter. Sie behaupten, dass man ohne Facebook nur ein halber Skeptiker sei.

Einige von uns stecken seit Jahren sehr viel Arbeit in das Psiram-Wiki, viele weitere stellen bei Bedarf ihr Spezialwissen zur Verfügung. Diese Arbeit soll so vielen Menschen zugute kommen wie möglich. Deshalb gibt es hier ab sofort immer das Neueste von Psiram frei Haus.

Wir möchten hier mehr informieren als diskutieren. Für Diskussionen über schwierige Themen ist die Kommentarstruktur von FB einfach nicht so gut geeignet. Alle, die sich intensiver austauschen möchten, laden wir herzlich in unser Forum ein. Die Anmeldung geht schnell und unkompliziert.

In diesem Sinne wünschen wir allen unseren Lesern viel Spaß und die eine oder andere Erkenntnis zur Schonung des Geldbeutels und Schärfung der virtuellen Machete im esoterischen Dschungel des Netzes.”

Zum Weiterlesen:

  • Psiram-Interview: “Den Wahnsinn im Zaum halten”, PULS am 14. Februar 2014
  • Psiram-/Esowatch-Interview, GWUP-Blog am 1. November 2012
  • “Keine Position ist meist die falsche”, Interview mit Esowatch von Sebastian Bartoschek, Skeptiker 2/2012

Kritisches Video zu MMS und Neues von den Behörden

Der indub.io-Blog hat ein kritisches Video “Was ist MMS?” produziert:


Direktlink zum Video auf Youtube

Was gibt’s sonst noch Neues zum Thema?

Die Hamburger Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz geht gegen einen Tierarzt vor, der MMS in der Veterinärmedizin lobpreist.

Nicht überraschend gibt der Herr Doktor sich unbelehrbar und lässt sich von der Szene sowie diversen Verschwörungs-Webseiten feiern.

Bizarr.

Die Berliner tageszeitung meldete dieser Tage:

Die Hamburger Gesundheitsbehörde hatten schon im Juni vor den „erheblich gesundheitsgefährdenden“ Wirkungen von MMS gewarnt. Auf taz-Anfrage bestätigte sie, dass gegen eine Heilpraktikerin ein Verfahren laufe, die MMS an Patienten verkauft habe. Details könne man derzeit nicht mitteilen.”

Zum Weiterlesen:

  • Was ist MMS? indub.io am 6. August 2014
  • 10 populäre Fragen und Aussagen von MMS-Befürwortern und meine unpopulären Antworten, indub.io am 9. August 2014
  • MMS-Scharlatanerie in Deutschland, taz am 28. Juli 2014
  • MMS-Wahn geht weiter, GWUP-Blog am 8. Juli 2014
  • “Frankfurter Ring” sagt ein MMS-Seminar ab, spinnt aber ansonsten munter weiter, GWUP-Blog am 28. Juni 2014
  • Miracle Mineral Supplement: Die chlorreichen Lügen, DocCheck News am 26. Mai 2014
  • Gefährliches „Wundermittel“ MMS: Wenn Quacksalber für giftige Chlorbleiche werben, Spiegel-Online am 4. Mai 2014
  • “Warum foltert ihr Kinder?” Die MMS-Demo in Hannover, GWUP-Blog am 28. April 2014
  • Vergiftungsmittel MMS, Ratgeber-News-Blog am 27. April 2014
  • The Spirit of Bullshit, Julitschka am 26. April 2014
  • Wenn es quakt wie eine Ente: Moderne Quacksalberei MMS, Pharmama am 29. April 2014
  • Die EMA approbiert ein Wunder, sagen die Wunderheiler, Psiram am 2. Mai 2014
  • Jim Humbles tödliche Geschäfte, Psiram am 6. Juni 2014
  • Hoaxilla #91 – „Bleiche als Medizin?“ vom 10. Juni 2012
  • Chlorbleiche trinken ist ungesund, Mutterwitz am 13. September 2010
  • MMS und Jim Humble – die Fakten, gesundheit.ch

Die Vitamine D6 und D12

Heute zwei Fundstücke aus der Blogosphäre:

  • “Die Unterstützung der Homöopathie und ähnlicher Therapierichtungen durch die Krankenkassen” ist ein Dauerthema für die GWUP und andere kritische Blogs.

Im Januar hatte zum Beispiel der Ratgeber-News-Blog einen Briefwechsel zwischen einem Stammleser und der BKK VBU veröffentlicht, aus dem hervorgeht, dass die gesetzliche Krankenkasse es begrüßt, dass …

… die besonderen Therapierichtungen als Ergänzung zur Schulmedizin immer stärker nachgefragt werden”.

Jetzt hat der Blogger “Mr. MIR” von FSMoSophica bei seiner Kasse nachgefragt, wie sie es denn mit “esoterischen, garantiert wirkungslosen Behandlungsmethoden” halte.

Der leicht kafkaesk anmutende Dialog ist hier dokumentiert.

Wir werden auf das Thema “Facebook-Gruppe” in den nächsten Tagen nochmal ausführlich zurückkommen.

Was die “Offenheit”, Lernfähigkeit und das Diskussionsverhalten von Esoterik-, Verschwörungs- und “Alternativ”-Fans angeht, sei indes nur mal auf dieses aktuelle Posting der Pharmama verwiesen:

  • B und D …”

Es geht um Vitamine, Schüßler-Salze, homöopathische Hochpotenzen – aber man muss es selbst gelesen haben, um es zu glauben.

Zum Weiterlesen:

  • Nachweislich wirkungslose Medikamente und Krankenkassen, FSMoSophica am 2. August 2014
  • Die Unterstützung der Homöopathie und ähnlicher Therapierichtungen durch die Krankenkassen, Skeptiker 3/2001
  • Kann mir jemand eine esoterikfreie Krankenkasse empfehlen? BlooDNAcid am 14. Dezember 2011
  • Die absurde finanzielle Ungleichbehandlung von Ärzten und Heilpraktikern, GWUP-Blog am 18. Juli 2014
  • Zum Beispiel TK: Was die Kassen so alles unterstützen, GWUP-Blog am 2. Februar 2014
  • B und D, Pharmama am 2. August 2014
  • Homöopathie zur Prophylaxe von Grippesymptomen – Rottey (1995), Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie am 3. August 2014

Ebola und Aberglaube

Dass der Aberglaube der “größte Feind” im Kampf gegen das Ebola-Virus in Westafrika ist, haben bereits zahlreiche Medien berichtet, darunter die Ärztezeitung, die Süddeutsche und die Neue Zürcher Zeitung:

Vielen Westafrikanern gilt die bislang nur in Ost- und Zentralafrika bekannte Krankheit als Fluch oder Hexerei, andere leugnen, dass es sie überhaupt gibt. Vor allem jene, die von Aberglauben und Voodoo-Riten geprägt sind, misstrauen den westlichen Ärzten, machen sie sogar selbst für den Ausbruch der Epidemie verantwortlich.”

Liberia erwägt derzeit, ganze Dörfer und Gemeinden unter Quarantäne zu stellen – notfalls mit Gewalt.

Für die Ruhrbarone hat Sebastian Bartoschek den ehrenamtlichen Kulturattaché der Republik Liberia, Tobias Huch, um einen Gastbeitrag gebeten.

Ein Auszug:

Eine entscheidende Ursache, warum die Seuche bei so massivem Auftreten wie in der jetzigen Ausbruchswelle fast unmöglich in den Griff zu bekommen ist, liegt im Urglauben der vor allem ländlichen Liberianer. Man vertraut auf alte schamanische Traditionen – und nicht der westlichen Schulmedizin, der man traditionell ohnehin misstraut.

Die Isolierstationen, die eine kompromisslose Trennung der Kranken von ihren gesunden Angehörigen erzwingen, von die Menschen als furchteinflößend und grausam empfunden. Seit Urzeiten ist es Brauch, Kranke nicht auszustoßen, sondern sich im im Krankheitsfall in den engsten Familienkreis zurückzuziehen und den „Dorfzauberer”, eine Art Medizinmann, zur Hilfe zu rufen.

Die Betroffenen halten sich in ihrer Verzweiflung an ihrem Naturglauben fest und ignorieren wissenschaftliche Erkenntnisse des Infektionsmedizin; so entfloh eine mit Ebola infizierte Frau beispielsweise vor fünf aus ihrer Quarantäne, bestieg ein in Liberia typisches Sammeltaxi (besetzt mit 4-9 weiteren Passagieren!) und fuhr mit diversen Zwischenstopps in ihr Dorf, um bei ihrer Familie zu sein.

Fast 40 weitere Personen kamen so mit der hochinfektiösen Patientin in Berührung, was einer Ausbreitung der Seuche Vorschub leistete; schließlich musste ihre gesamte Großfamilie gewaltsam isoliert werden.

Das Beispiel ist kein Einzelfall. Die meisten Menschen wissen nicht mit dem Virus umzugehen. Die Zeitungen der Hauptstadt, wie etwa der Daily Observer, informieren zwar umfangreich und detailliert, wie man sich zu verhalten hat – aber die meisten Liberianer können nicht lesen.

Mittlerweile, wenn auch spät, ist man endlich dazu übergegangen, die Bevölkerung in der Provinz mittels Radioübertragung zu informieren; Entwicklungshelfer und internationale Ärzteteams gehen von Dorf zu Dorf und leisten Aufklärungsarbeit. Aber trotz dieser Maßnahmen ist das Misstrauen hoch, die Menschen vertrauen eher ihren jahrtausendealten naturreligiösen Erklärungen.

Erst kürzlich wurde eine Gruppe von „Ärzte ohne Grenzen“ aus einem Dorf voller Ebola-Infizierter gewaltsam verjagt, weil die Dorfbewohner der Überzeugung waren, die Helfer würden den Tod bringen.”

Bei der Gelegenheit wünschen wir den pittoresken “Schamanen”, die uns im Herbst an der LMU München mit flauschigen Tanzeinlagen von den Segnungen der “Heilsysteme ursprünglicher Kulturen” überzeugen wollen, recht viel Spaß und frohes Jauchzen!

Und natürlich dürfen auch homöopathische Quacksalber, die Ebolaviren mit Globuli zum Lachen bringen, nicht fehlen.

Weitaus mehr Aufmerksamkeit als solche Narreteien hat der afrikanische Skeptiker und Menschenrechtsaktivist Leo Igwe verdient, der seit vielen Jahren für Bildungschancen und kritisches Denken in seiner Heimat kämpft.

Skeptiker-Redaktionsleiterin Inge Hüsgen und diesseits-Redakteur Arik Platzek haben Igwe für die beiden Zeitschriften Skeptiker und diesseits interviewt.

Ein Teil des Gesprächs “Menschenrechte und skeptisches Denken in Afrika” findet sich online hier.

Zum Weiterlesen:

  • Ebola in Liberia: Drohender Genozid durch Aberglaube, Ruhrbarone am 1. August 2014
  • Der Aberglaube als größter Feind, Ärztezeitung am 11. Juli 2014
  • Tödlicher Aberglaube, Süddeutsche am 1. Juli 2014
  • Magie und Vooddo-Riten leisten der Seuche Vorschub, Welt-Online am 4. Juli 2014
  • Aberglaube und ein tödliches Virus, Neue Zürcher Zeitung am 27. Juli 2014
  • Radikaler Kampf gegen Ebola – notfalls mit Gewalt, Welt-Online am 31. Juli 2014
  • Ebola outbreak out of control and misinformation helps it spread, Doubtful News am 1. August 2014
  • Homeopaths vs. Ebola virus hemorrhagic fever, Respectful Insolence am 1. August 2014
  • „Homöopathen ohne Grenzen”: Lehrheft mit 19 Mitteln zur Akutversorgung bei Notfällen für Kenia, Ratgeber-News-Blog am 30. Juli 2014
  • Tödliche Hexenjagden – und der Kampf der Skeptiker, GWUP-Blog am 4. April 2013
  • GWUP-Infos: Menschenrechte und skeptisches Denken in Afrika

Vortragsvideo: Denkfehler, Irrtümer und Fehlschlüsse

Die Rhein-Ruhr-Skeptiker haben den Vortrag “Denkfehler und Irrtümer” von Peter Ofenbäck online gestellt:


Direktlink zum Video auf Youtube

Zum Weiterlesen:

  • Video-Vortrag “Elektrosmog”, GWUP-Blog am 12. April 2014
  • Vortragsvideo: Traditionelle Chinesische Medizin, GWUP-Blog am 1. März 2014
  • Video: Recht so? Erkenntnisse eines skeptischen Richters, GWUP-Blog am 24. Januar 2014
  • Skeptoskop #14 – “Peter Ofenbäck” vom 1. Februar 2013

Kornkreis als Live-Mandala

Der Kornkreis bei Raisting am Ammersee macht weltweit Schlagzeilen.

Die Nachrichtenagentur Reuters, die Augsburger Allgemeine, SAT 1 Bayern und viele andere Medien haben sogar Videos dazu produziert:


Direktlink zum Video auf Youtube

Bemerkenswert ist ein Artikel im Münchner Merkur, der deutlich macht, dass der Kornkreis für die große Mehrzahl der Pilger kaum mehr als ein sonniges Live-Mandala ist:

Gemütlich hat es sich die Gruppe auf ihrer weißen Decke gemacht [...] Die Zeit vergessen, entspannen, dem Alltag entfliehen – der Kornkreis in Raisting macht’s möglich.

Wie diese Gruppe pilgern viele in das Weizenfeld der Familie Huttner. Aber warum?

„Weil es friedlich ist“, sagt Brandt. „Man sitzt hier mitten in der Natur, kommt raus, genießt den Moment. Das ist wichtig in der heutigen Zeit.“

Eine Antwort auf die Frage, wie der Kreis entstanden ist, hat auch sie nicht. „Das ist mir egal. Es ist unwichtig. Fest steht: Er ist Mittel zum Zweck. Ein Ort, an dem Menschen glücklich sind.“

Dementsprechend kommentiert auch Karin Seibold in der Print-Ausgabe (Nr. 137 vom 30. Juli) der Augsburger Allgemeinen:

Da sitzen sie, im Schneidersitz, und fabulieren über Außeriridsche, zauberhafte Zeichen und das große Ganze. Da theoretisieren sie, über den Sinn des Lebens, Gott und das Universum.

Und irgendwo in der Nähe des Sees sitzen in diesen Tagen ein paar Leute neben ein paar Schnüren und Holzpflöcken und stoßen mit ganz irdischen Getränken auf ihren Erfolg an. Sie haben es geschafft, Aufmerksamkeit auf ihr Kunstwerk zu lenken, den Tourismus für ein paar Tage anzukurbeln und die Medien zu beschäftigen.

Im Grunde ist es eine Situation, in der jeder gewinnt: Die einen an meditativer Stimmung, die anderen an Spaß, wieder andere damit, dass sie Würstl und Apfelsaftschorle am Rand des Schauplatzes verkaufen.”

Ein “paar Leute mit Schnüren und Holzpflöcken” als Schöpfer der Ährenzeichen – kann das alles sein?

Gewohnt nüchtern verweist heute Der Nesselsetzer auf dieses feine Erklär-Video:


Direktlink zum Video auf Youtube

Und im Skeptiker (1/2014) steht der Kornkreiskenner und -macher Harald Hoos GWUP-Mitglied Dr. Philippe Leick Rede und Antwort.

Der Verleger und Mediendienstleister war einst als “Kornkreiskünstler” aktiv und erzählt, wie’s geht:

Kornkreise zu machen ist im wahrsten Sinne des Wortes kein Hexenwerk – und kein Alienwerk.

Bei komplexen Strukturen ist präzise Planung erforderlich und später im Feld Disziplin innerhalb der Gruppe [...]

Fast alle bisher bekannten Kornkreisformationen sind in einer Nacht umsetzbar, teilweise mit erheblicher Manpower [...]

Eine spätere, gezielte Entdeckung “anzuschubsen” ist gar kein Problem. Oftmals sind die Kornkreismacher, die sich eben auch in der Szene tummeln, selbst die “Entdecker” [...]

Was die [angebebliche] Komplexität [von Kornkreisen] angeht, kann ich die Argumentation absolut nicht nachvollziehen. Alle bekannten Kornkreisgebilde basieren auf einfachen Konstruktionsmerkmalen und -schritten.

Was auf den ersten Blick sehr komplex und kunstvoll wirkt, muss nicht unbedingt auf einer sehr komplizierten Konstruktion beruhen.”

Einen anderen Standpunkt vertritt in derselben Ausgabe der Autor und Kornkreisforscher Andreas Müller.

Er widerspricht der Vorstellung, Kornkreise seien nur ein großer Schwindel, und geht davon aus, dass es etliche Kornkreise gibt, die ganz ohne menschliches Zutun entstanden sind – auf bisher ungeklärte Weise.

Allerdings sucht auch Müller nicht unbedingt nach außerirdischen “circle makers”, sondern vermutet primär noch unverstandene natürliche “Formbilde-Phänomene” hinter den spektakulären Bodenmustern.

Den Eso-Enthusiasten ist das letztendlich eh egal:

Viele Besucher des Kornkreises in Raisting wollen einfach den Moment genießen – und nicht so viele Fragen stellen.”

Zum Weiterlesen:

  • Richtige Antwort auf Kornkreise: Abmähen! Der Nesselsetzer am 31. Juli 2014
  • Der Kornkreis-Unfug, Der Nesselsetzer am 12. August 2012
  • Invasion im Weizenfeld, Süddeutsche am 26. Juli 2014
  • Irrer Hype! Mysteriöser Kornkreis zieht Tausende an, Focus-Online am 29. Juli 2014
  • Esoterik im Getreide, Spiegel-Online am 30. Juli 2014
  • Der mysteriöse Kornkreis an der Erdfunkstelle, Welt-Online am 29. Juli 2014
  • Besucher sind sich sicher: Höhere Wesen waren am Ammersee am Werk, Augsburger Allgemeine am 28. Juli 2014
  • Hoaxilla #31 – „Kornkreise“ vom 30. Januar 2011
  • “Es gibt ein echtes Phänomen” – Interview mit dem Kornkreisforscher Andreas Müller, Skeptiker 1/2014
  • “Kornkreise sind eine Art Ersatzreligion” – Interview mit dem Kornkreiskenner und -macher Harald Hoos, Skeptiker 1/2014
  • Kornkreise: Wie Esoteriker sich selbst täuschen, Astrodicticum simplex am 19. September 2010
  • Ufos und Kornkreise, Astrodicticum simplex am 25. August 2009
  • “Kreisrunde Zeichen”: Kornkreise, Experimente und Schwurbeleien, Astrodicticum simplex am 12. Juni 2010
  • “GWUP-Magazin” der Münchner Skeptiker zum Thema Kornkreise, GWUP-Blog am 28. Juli 2014 (mit vielen Links)




NEU: Skeptiker 3/2014

SKEPTIKER 3/2014