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Waldorf-Vortrag bei Skeptics in the Pub in Köln

Neue Location, spannendes Thema:

Skeptics in the Pub Köln treffen sich am Dienstag (2. September) um 19.30 Uhr im Herbrand’s.

Gastreferent ist GWUP-Mitglied und Waldorf-Kritiker André Sebastiani.

Er spricht über das “Risiko Waldorfpädagogik”:

Steiner-Esoterik statt Reformschule”

Aus der Ankündigung:

In Deutschland gibt es über 230 Waldorfschulen und stetig kommen neue hinzu. Sie stehen in dem guten Ruf, einen ganzheitlichen Ansatz zu verfolgen, weniger Druck auf die Schülerinnen und Schüler auszuüben und den musisch-künstlerischen Bereich zu betonen.

Kritiker bemängeln dagegen die Vielzahl esoterischer Konzepte und die fehlende Distanz zum Gründer-Guru Rudolf Steiner und dessen rassistischem Menschenbild. Auch die mangelhafte Lehrerausbildung, die systematische Überforderung der Waldorf-Klassenleiter und deren Machtfülle rechtfertigen eine skeptische Betrachtung der vermeintlichen “Reformschule”.

Ein Thema wird sicher auch der gerade begonnene Schulversuch in Hamburg sein.

Zum Weiterlesen:

  • Lernen im “Dreischritt”, GWUP-Blog am 27. August 2014
  • Waldorf in Hamburg: „Ist das nicht was für Dumme?“, fragen türkische Eltern, GWUP-Blog am 19. August 2014
  • “Gute Karriereaussichten” für Waldorfschüler – wie das? GWUP-Blog am 6. August 2014
  • Masern an der Waldorfschule: RKI zeichnet den Fall nach, GWUP-Blog am 22. August 2014
  • Waldorf in Wilhelmsburg und die Bankrotterklärung der Politik, GWUP-Blog am 15. Juni 2014
  • Versteinerte Erziehung, Skeptiker 4/2011 (aktualisierte Fassung online hier)
  • “Waldorf-Schule”, Hoaxilla-Podcast Nr. 107 vom 18. November 2012
  • Vortrag “Ver-Steinerte Erziehung” als Video, GWUP-Blog am 18. Februar 2014

Wetter-Mythen und Düstere Legenden neu von Hoaxilla

Die dritte Folge von Hoaxilla TV ist heute online gegangen:


Direktlink zum Video auf Youtube

Es geht um “Wettermythen” wie etwa Bauernregeln und mit dabei ist ein prominenter Gast, nämlich Jörg Kachelmann.

Parallel dazu gibt’s den Hoaxilla-Vortrag “Monster, Pendel, Bloody Mary” bei Außer Sinnen 2014 in Nürnberg jetzt als Video:


Direktlink zum Video auf Youtube

Außerdem als Video verfügbar:

Zum Weiterlesen:

  • Elvis lebt und Paul ist tot: Die neue Folge von Hoaxilla-TV, GWUP-Blog am 14. August 2014
  • “Hoaxilla-TV” startet, GWUP-Blog am 17. Juni 2014
  • Reichsbürger und Chemtrails, GWUP-Blog am 1. September 2013
  • “Geisterjagd”-Vortrag bei “Außer Sinnen” jetzt als Video, GWUP-Blog am 22. August 2014
  • Hoaxilla #124 – „Bloody Mary” vom 28. April 2013
  • Das Böse im Spiegel, Skeptiker 1/2005
  • SkepKon-Vortrag “Düstere Legenden” jetzt als Video, GWUP-Blog am 4. August 2013

Scientology wants YOU!

Wir haben uns ja immer schon gefragt, wie die Honks von Scientology wahrhaft glauben können, dass John Travolta im gammligen Faschingsnarr-Outfit irgendjemanden für diesen komischen Psycho-Club einnehmen kann.

Oder dass auch nur ein Mensch auf der Welt die wirren Lobreden von Tom “Kindskopf” Cruise auf die SciFi-Sekte ernst nimmt.

So langsam scheint das auch den Scientology-Bossen zu dämmern.

Die New Yorker Zeitung Daily News meldet, dass der Geldschneider-Konzern im durchsichtigen Tarnhemd der “Religionsgemeinschaft” für eine Image-Kampagne junge Allerweltsgesichter sucht:

“Using Tom Cruise and John Travolta and other famous faces hasn’t resulted in new members. So now they are ditching that approach and focusing on people that look normal.”

250 Dollar Tagesgage gibt’s dafür, während Travolta, Cruise und Co. wohl im hauseigenen “Celebrity Center” ihr Altenteil genießen dürfen.

Schnöde, nicht mal mehr für Werbespots zu taugen.

Andererseits gibt das wiederum Hoffnung, und zwar auf endlich mal wieder gute Filme mit den beiden Sektenkaspern.

Und auf ein baldiges Ende von Scientology.

Zum Weiterlesen:

  • Scientology sägt Tom Cruise und John Travolta ab, Focus-Online am 27. August 2014
  • Church of Scientology’s commercials will seek fresh faces instead of celebs like Tom Cruise and John Travolta, New York Daily News am 27. August 2014
  • TOP 30 – Prominente Scientology Mitglieder in Hollywood und weltweit, Scientology-Blogger am 1. Januar 2014
  • “King of Queens”-Star steigt bei Scientology aus, GWUP-Blog am 12. Juli 2013
  • Will Smith verkaspert sich in Scientology-Werbefilm, GWUP-Blog am 1. Juni 2013
  • Stars und Scientology, GWUP-Blog am 27. Januar 2013
  • Scientology: Jetzt redet der Urenkel von Ronald L. Hubbard, GWUP-Blog am 8. Oktober 2012
  • Sucker Punch gegen Scientology, GWUP-Blog am 11. Februar 2012

Ein echtes Video vom isländischen Wurmmonster

Der Lagarfljótwurm ist das isländische Pendant zu Nessie also eine Art Seeschlange in einem Binnengewässer.

Eine “Truth Commission” hat jetzt ein Video des angeblichen Monsters als “echt” anerkannt und dafür sogar ein Preisgeld ausbezahlt:


Direktlink zum Video auf Youtube

Und dabei spielt sicherlich überhaupt keine Rolle, dass die “Truth Commission” sich aus Mitgliedern des Rates der Stadt Fljótsdalshérað (die an dem Monstersee Lagarfljót liegt) und des örtlichen Tourismusverbands zusammensetzt.

Allerdings meldet nicht nur grenzenwissenschaft-aktuell “berechtigte Zweifel am Video” an.

Auch der CSI-Falluntersucher Benjamin Radford hat sich schon vor zwei Jahren die Aufnahmen genau angesehen.

Dabei fand er seltsam, dass die vermeintliche “Schlange” (üblicherweise ein ektothermes Lebewesen, das auf Wärmezufuhr von außen angewiesen ist) sich ausgerechnet in Eiswasser verlustiert.

Außerdem kommt das “Wesen” gar nicht von der Stelle und wird nur vom umströmenden Wasser bewegt.

Radford schloss daraus, dass es sich bei dem Lagarfljótsormurinn (“isländisches Wurmmonster”) mitnichten um einen Kryptiden handelt, sondern um ein Fischernetz oder ein Kleidungsstück, das an einem Ast oder Felsen hängen geblieben ist.

Die Monster-Touristen wird das sicher nicht abhalten.

Zum Weiterlesen:

  • Truth Commission: Lake Monster Does Exist, Iceland Review am 25. August 2014
  • Lagarfljótsormurinn: Kommission hält Seeschlangen-Video für echt, grenzwissenschaft-aktuell am 27. August 2014
  • Icelandic River Monster Mystery Solved, Discovery News am 13. Februar 2012
  • Ungeheuer wertvoll, Süddeutsche am 16. April 2013
  • Chupacabra: Mysteriöser Vampirköter oder Legende? GWUP-Blog am 2. März 2013

Bild-Zeitung über die irre Welt von „Star-Hellseher“ Kreibich

Er gehört zu unseren alten Freunden und ist immer wieder für eine Parodie gut:


Direktlink zum Video auf Youtube

Jetzt nimmt sich auch Bild den selbst ernannten “Star-Hellseher” Daniel Kreibich vor, bezeichnet ihn sogar als “Esoterik-Scharlatan”.

Das wenige schmeichelhafte Kreibich-Kurzporträt steht neben dem Beitrag

Das sind die größten Scharlatane im TV”

Letztendlich geht es in den paar Zeilen aber nur um den Sender AstroTV.

Da wären uns schon noch ein paar andere Scharlatane eingefallen.

Zum Weiterlesen:

  • Die größten Eso-Scharlatane im TV, Ratgeber-News-Blog am 26. August 2014
  • Das sind die größten Scharlatane im TV, Bild-Online am 26. August 2014
  • Die irre Welt des Esoterik-Scharlatans Daniel Kreibich, Bild-Online am 26. August 2014
  • AstroTV: Das schnelle Geschäft mit der Esoterik, hr-online am 6. Juni 2013
  • Gratis-Verarsche für Erstanrufer, GWUP-Blog am 3. Oktober 2012
  • Hellseher reloaded? Warum eine TV-Parodie kein Ritterschlag ist, GWUP-Blog am 23. September 2012
  • Astro-Hotlines: Bei Anruf Kündigung, GWUP-Blog am 2. März 2010
  • Kein Stern für Astro-TV, GWUP-Blog am 22. November 2013
  • Astro-TV: Auf dem Straßenstrich der Astrologie, GWUP-Blog am 23. Dezember 2009

Lernen im „Dreischritt“: Weiß Hamburgs Landesschulrat Rosenboom nicht, was Eso-Schlagworte bedeuten?

Ein Gastbeitrag von André Sebastiani

In Hamburg-Wilhelmsburg ist die umstrittene „staatliche Waldorfschule“ gestartet.

An der Ganztagsschule Fährstraße werden im Rahmen eines Schulversuchs „Elemente der Waldorfpädagogik“ eingeführt.

Der GWUP-Wissenschaftsrat protestierte mit einem offenen Brief gegen das Vorhaben.

Eine Online-Petition sammelte zudem zahlreiche kritische Stimmen, die in der Waldorfpädagogik

… eine gefährliche Ideologie, die anti-aufklärerisches, anti-wissenschaftliches und im schlimmsten Fall sogar rassistisches Gedankengut vermittelt”

sehen.

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe ward indes nicht müde zu erklären:

Wir wollen nicht die Lehre Steiners in die Schulen entsenden, sondern waldorfpädagogische Elemente verwenden, die mit den Bildungsplänen vereinbar sind.”

Landesschulrat Norbert Rosenboom sagte bei der Übergabe der Petitions-Unterschriften, dass er mit der Anthroposophie nichts am Hut habe und man auch nicht daran denke, anthroposophische oder andere esoterisch geartete Unterrichtsmethoden oder -inhalte zu dulden.

Gestern (26. August) wurde mit der Einschulungsfeier der neuen ersten Klassen der Waldorf-Schulversuch offiziell begonnen.

Der Deutschlandfunk war vor Ort und ließ auch GWUP-Vorstand Dr. Julia Offe zu Wort kommen.

Schließlich durften die Journalisten die Klassenräume besichtigen.

Ein Tafelbild lässt stutzen:

Ein Junge liegt im Gras unter einem Birnbaum voller Früchte, beschützt durch einen schwebenden weißen Engel.“

(Erz)-Engel, Elementarwesen und Dämonen gehören zum Personal eben der Geisterwelt, die der hellsichtige Gründerguru der Waldorfpädagogik Rudolf Steiner zwar beschreibt, die aber laut Schulbehörde keinesfalls in die Ganztagsschule Fährstraße einziehen sollen.

Auch Landesschulrat Rosenboom äußerst sich im Deutschlandfunk:

Und ich muss zugeben: Waldorf hat eine Sprache, die ist einfach besser als unsere technokratische. Also, wenn die über eine kindliche Entwicklung sprechen oder einen Drei-Tages-Schritt des Lernens, dann kann ich mir sofort vorstellen:

Das sind drei Tage. Oder drei Stadien. Da haben wir hochgeklärte Begriffe, die nichts aussagen.”

Der Deutschlandfunk überliefert nicht, ob Rosenboom mit der unterlegenen technokratischen Sprache auch Menschen außerhalb seiner Schulbehörde meint. Häufig ist es allerdings so, dass es sich um ausgemachten Unsinn handelt, wenn man versucht, komplexe Sachverhalte auf wenige Schlagworte zu verkürzen.

In diesem Fall konnte sich Herr Rosenboom nicht einmal das richtige Schlagwort merken.

Was er als „Drei-Tages-Schritt des Lernens“ bezeichnet, kann nichts anderes sein als das anthroposophische Konzept des „Dreischritts“.

Das bedeutet:

Der Lehrer soll im Unterricht bewusst Fragen offen lassen (erster Schritt), weil das „Ich“ und der „astralische Leib“ des Kindes im Schlaf die körperliche Hülle verlassen und diese Fragen außerhalb des „physischen Leibes“ im Schlaf verhandelt werden (zweiter Schritt).

Im dritten Schritt – am Tag danach – holt der Lehrer die Antworten aus dem “Unterbewussten” und bringt sie in das Wachbewusstsein.

Dazu schrieb der Anthroposophen-Gründer-Guru Rudolf Steiner:

Das Kind geht aus der Schule, schläft; sein Ich und sein astralischer Leib sind im Schlafe AUSSERHALB DES PHYSISCHEN LEIBES und des Ätherleibes.

Dasjenige, was Sie da [im Unterricht] mit dem Kinde vollbracht haben auf dem Umweg durch den physischen Leib, auch den Ätherleib meinetwillen, das setzt sich fort im astralischen Leib und im Ich.

Diese beiden letzteren sind aber während des Schlafes IN EINER GANZ ANDEREN UMGEBUNG. Sie machen etwas durch, was sie nur während des Schlafes durchmachen, und dasjenige, was Sie dem Kinde beigebracht haben, macht die Sache mit; macht sie mit eben in denjenigen Wirkungen, die in dem astralischen Leib und dem Ich geblieben sind.

Sie müssen daran denken, daß Sie dasjenige, was Sie dem Kinde auf dem Umweg über das Physische beibringen, hineinleiten in den astralischen Leib, in das Ich; und daß Sie dadurch eine Wirkung ausüben auf die Art und Weise, wie das Kind VOM EINSCHLAFEN BIS ZUM AUFWACHEN LEBT, und daß Ihnen am nächsten Tag das Kind dasjenige mitbringt, was es da zwischen Einschlafen und dem Aufwachen DURCHGEMACHT HAT.”

Zu diesem esoterischen Konzept passt am ehesten die wissenschaftliche Erkenntnis, dass Informationen am besten durch mehrmalige Wiederholung in bestimmten zeitlichen Abständen ins Langzeitgedächtnis gelangen. Dazu muss man die Informationen allerdings zunächst auch aufgenommen haben.

Für Landeschulrat Rosenboom mag das alles viel zu „technokratisch“ sein.

Er macht lieber beide Augen ganz fest zu, wenn Anthroposophen ihm ihre esoterisch-weltanschaulich geprägte Pädagogik nebst Engels-Tafelbildern in Pastelltönen unterjubeln.

Dabei erkennt er esoterische Konzepte sogar dann nicht, wenn er sie selbst im Mund führt.

Zum Weiterlesen:

  • Regelschule mit ein bisschen Waldorfpädagogik, Deutschlandfunk am 26. August 2014
  • Waldorf in Hamburg: „Ist das nicht was für Dumme?“, fragen türkische Eltern, GWUP-Blog am 19. August 2014
  • Waldorf-Petition im Hamburger Senat überreicht, GWUP-Blog am 22. November 2013
  • Petition gegen eine geplante staatliche Waldorfschule, GWUP-Blog am 13. Dezember 2012
  • “Gute Karriereaussichten” für Waldorfschüler – wie das? GWUP-Blog am 6. August 2014
  • Waldorf in Wilhelmsburg und die Bankrotterklärung der Politik, GWUP-Blog am 15. Juni 2014
  • Versteinerte Erziehung, Skeptiker 4/2011 (aktualisierte Fassung online hier)
  • “Waldorf-Schule”, Hoaxilla-Podcast Nr. 107 vom 18. November 2012
  • “Pragmatischer Waldorf” – was soll das denn sein? GWUP-Blog am 10. Februar 2013
  • “Ein bisschen Waldorf geht nicht”, taz am 25. November 2013
  • Vortrag “Ver-Steinerte Erziehung” als Video, GWUP-Blog am 18. Februar 2014
  • Masern an der Waldorfschule: RKI zeichnet den Fall nach, GWUP-Blog am 22. August 2014

Die Illuminaten in Ingolstadt

Schöne aktuelle Ergänzung zu unserem jüngsten “Illuminaten”-Artikel:

Bayern 2 berichtet über die Illuminaten als

Eine bayerische Geheimgesellschaft”

Zum Podcast (zirka 22 Minuten) geht es hier.

Mit dabei ist Ingolstadts “illuminatischer Stadtführer” Michael Klarner, den wir auch schon mal für den Skeptiker (4/2011) interviewt haben.

Ein Auszug aus dem damaligen Gespräch:

Frage: Sie schlüpfen bei den Erlebnis-Führungen in die Rolle des Illuminaten-Gründers Adam Weishaupt. Wie würden Sie ihn aus heutiger Sicht charakterisieren?

Klarner: Weishaupt war ein engagierter, strebsamer und wissbegieriger Mensch. Hoch gebildet und im Geiste der Aufklärung erzogen.

Ich glaube schon, dass er stets aus hehrer Motivation heraus gehandelt hat und tatsächlich von dem obersten Ziel getrieben war, möglichst viele Menschen zum Guten zu führen. Gleichzeitig hatte er einen unbedingten Führungsanspruch und war in den Augen mancher seiner Anhänger ein Despot.

Letztlich ist er in der Umsetzung seiner Ideen gescheitert, hat sich auf Irrwege begeben und schließlich das Gespür für das rechte Maß, für ein objektives „Gut“ und „Schlecht“ verloren.

Er selbst sah sich und seine Ideen bis zum Ende seines Lebens bitterlich missverstanden und verleumdet.”

Welche Erfolgsaussichten hatte denn das historische Projekt „Illuminatenorden“ realistischerweise?

 Die ursprüngliche Idee Adam Weishaupts, die „Besserung des Menschen durch Erziehung“ mit dem Ziel, ihn zu einem „vollkommenerem Leben zu führen, ist ein hehrer und, nebenbei bemerkt, auch heute noch aktueller Ansatz.

Gescheitert ist der Orden letztlich an nicht zu Ende gedachten Zielen und Strukturen, an mitunter fragwürdigen Methoden, einem zu raschen Wachstum und einem Gründer, der eine absolute Unterordnung seiner Anhänger verlangte.

Demokratische Strukturen fehlten – was in dem Orden, der sich eigentlich der Aufklärung verschrieben hatte, zu einem unheilbaren Mangel im eigenen Aufbau führte.”

Wie schätzen Sie den Lerneffekt Ihrer “Erlebnisführung durch Ingolstadt rund um die bairischen Illuminaten” ein, auch zum Beispiel auf erwartungsfrohe Verschwörungstheoretiker?

Viele Besucher sind dankbar, dass wir mit der Führung Bilder in ihnen erweckt haben. Hierüber sind wiederum wir froh, denn wir glauben, dass sich durch diese visuelle Verankerung der Inhalt leichter einprägt.

Schön ist es natürlich, wenn der eine oder andere Teilnehmer die Führung zum Anlass nimmt, sich fundierter mit einzelnen Aspekten zu befassen. Allerdings gibt es auch Besucher, die enttäuscht sind, dass wir den Illuminaten die Maske der Verschwörung so gnadenlos herunterreißen und sich darunter die deutlich weniger spektakuläre Realität offenbart.

Oder besser gesagt: die „anders spektakuläre“ Realität.”

Versuchen Konspirologen denn anschließend mit Ihnen zu diskutieren?

 Natürlich gibt es auch immer jene, die in unserer Veranstaltung den Versuch sehen, mit historischen Fakten von der „wirklichen Wahrheit“ abzulenken. Und die uns als von den Illuminaten gesandte Verschleierungsaktion betrachten. Diese Reaktionen gehören aber wohl dazu, wenn man sich mit so einem Thema beschäftigt.

Nett sind aber immer jene, die mit Verweis auf die „Wahrheit, die im Internet steht“, versuchen, uns zu überzeugen, dass es die Illuminaten wirklich noch gibt und wir doch nochmal genauer recherchieren sollten. Im Internet natürlich.

Sie kennen aus der Literatur den Begriff der verschwörungstheoretischen Versuchung. Sind Sie selbst davon auch schon mal berührt worden, während der Recherchen vielleicht?

Natürlich wäre es reizvoll, selbst Verschwörungstheorien in Umlauf zu bringen – es ist ja so einfach.

Bisher konnten wir dieser Versuchung allerdings wiederstehen und beschränken uns auf interne Verschwörungstheorien.

Etwa jene, wonach die Illuminaten versucht haben, unsere Veranstaltung zu verhindern, denn wichtige Requisiten und Kostümteile von zwei Zulieferern sind unabhängig voneinander bei der ersten Zustellung verschwunden und erst Wochen nach der Premiere wieder aufgetaucht. Tatsächlich aber handelte es sich um logistische Probleme zweier Paketdienste.

Wir konnten sie in beiden Fällen durch eine Zweitbestellung lösen.

Im Vereinsregister der Stadt Ingolstadt findet sich heute noch ein „Illuminatenorden“. Sind Sie sicher, dass es den Geheimbund nicht mehr gibt?

 Nach der Zerschlagung der Strukturen und dem letzten Verbot von 1785 ist es sehr wahrscheinlich, dass sich der Orden aufgelöst hat.

Zumal viele der Anhänger erst recht spät von den eigentlichen Zielen Weishaupts und der beabsichtigten Unterwanderung des Staates erfahren haben. Viele der damaligen Anhänger haben sich in der Folge, zum Teil auch öffentlich, von den Illuminaten losgesagt. Natürlich gab es im Laufe der Geschichte immer wieder Wiedergründungen, die sich vom Namen oder den Inhalten her auf die Traditionen des Ordens berufen haben.

Solche Illuminaten 2.0 mag es auch durchaus noch geben.”

Die beiden letzten Termine der Illuminaten-Stadtführung in diesem Jahr sind der 14. September und der 12. Oktober.

Zum Weiterlesen:

  • Die Illuminaten: Eine bayerische Geheimgesellschaft, Bayern 2 am 25. August 2014
  • Das Rätsel der “Illuminatendecke”, GWUP-Blog am 21. August 2014
  • Eine Ingolstädter Erfindung: Der legendäre Geheimbund der Illuminaten, Wir in Ingolstadt am 1. Dezember 2013
  • Illuminati in Ingolstadt: Alles nur Phantasie? GWUP-Blog am 27. August 2009

Xavier Naidoo, Reichsbürger und Verschwörungen

Zugegeben, zur Musik von Xavier Naidoo würden auch mir einige phantasievolle Invektiven einfallen.

Und vielleicht war es ein Fehler, dass SPON-Kolumnist Georg Dietz das Fass mit dem “Erweckungs-Säusler” und dessen “Schmuse-Schmarrn” und “Gottes-Gewimmer” überhaupt aufgemacht hat.

Denn das verstellt möglicherweise den Blick darauf, dass Dietz in der Sache völlig richtig liegt, wenn er den deutschen Soul-Sänger ideologisch bei den “Reichsbürgern” verortet.

Dietz’ Artikel

Xavier Naidoos rechte Thesen: Vom Popstar zum Populisten”

bei Spiegel-Online sorgt derzeit für Furore.

Vorausgegangen war ein Beitrag beim Online-Portal vice.com, der von einem Auftritt Naidoos im Umfeld der “neuen Montagsdemos” handelte (hier ein kurzes Video) und bei dem die Sätze fielen:

Hat Deutschland eine Verfassung? Ist Deutschland noch besetzt? Tut die NSA gar nichts Verbotenes, sondern darf er das eigentlich sogar, weil die Deutschen es ihr per Gesetz erlauben? Weil wir eigentlich gar kein richtiges Land sind. Weil wir immer noch besetzt sind.“

Der Vice-Autor wies darauf hin:

Natürlich ist das nicht das erste Mal, dass Naidoo mit seiner Reichsbürgerideologie auffällt.”

2011 hatte der Musiker im ARD-Morgenmagazin (Video) die Moderatoren mit der steilen These überrascht:

Wir sind nicht frei. Wir sind immer noch ein besetztes Land. Deutschland hat keinen Friedensvertrag und dementsprechend ist Deutschland auch kein echtes Land.“

Ein Jahr später verstieg Naidoo sich in einem Songtext zu wüsten Verschwörungstheorien über satanistischen Ritualmissbrauch und rief nach “starken Männern” und “Führern”.

Auch für ein Interview mit dem randständigen Internetsender Nexworld TV stand er gerne zur Verfügung. Ein Youtube-Video vom April 2014 lässt ihn als “berühmtesten Infokrieger Deutschlands” hochleben.

Naidoos aktueller Auftritt bei einer “Friedensdemo” in Mannheim polarisiert nun erneut heftig.

Die Huffington Post und andere versuchen den “verschwörungstheoretischen Unsinn” des Sängers mit Fakten zu widerlegen.

Fans und Reichsdeppen dreschen derweil im SPON-Kommentarbereich auf Georg Dietz ein, bezichtigen ihn der “Hetze” und bemühen sogar den Schwachfug mit dem 4-Cent-Briefporto.

Der Indub.io-Blog hat jetzt einen “Offenen Brief an Xavier Naidoo, alle Reichsbürger und jedes Individuum, das von einer „BRD GmbH” spricht”, veröffentlicht, der die Angelegenheit ganz gut zusammenfasst:

Wenn es diese angebliche Verschwörung, Deutschland zu unterdrücken, wirklich gibt, dann ist sie die erfolgloseste Verschwörung, die die Welt je gesehen hat.

Auch ohne den von Xavier Naido vermissten Friedensvertrag lebt Deutschland seit fast 70 Jahren in Frieden mit seinen Nachbarn. Anders ausgedrückt: Dafür, dass Deutschland angeblich von den Besatzungsmächten besetzt gehalten, unterdrückt und ausgenommen wird, geht es Deutschland verdammt gut.

Wenn so Besatzung aussieht, ist das die vermutlich beste Definition von “Luxusproblem”, die ich je gesehen habe.

Ist Xavier Naidoo ein echter Rechter? Oder schleimt er sich mit seinem Eso-Geschnurre bloß beim Massengeschmack ein, wie Die Welt argwöhnt?

Oder ist der vorbestrafte “Fundamentalist mit Engelszunge”, der

… es gerne hat, wenn man seinen Vornamen wie das englische Saviour (Heiland) ausspricht”,

nur ein unreflektierter Nachplapperer mit kindlich-naiver Sehnsucht nach heiler Welt und irgendeiner Art von Ordnung im Chaos des gegenwärtigen Zeitgeschehens?

Wie auch immer:

Den “Reichsbürgern” wird Naidoos gefälliger Soundtrack zu ihren kruden Behauptungen wenig nützen.

Der Watchblog Eisenfraß meldet, dass der berüchtigte Reichling “Ironleafs” wohl den Bettel hingeworfen hat.

Und auch um den “obersten Souverän des Königreichs Deutschland”, Peter Fitzek, soll es nicht gut stehen.

Aber das hat Naidoo sicher nicht gemeint, als er 2009 “Alles kann besser werden” sang.

Zum Weiterlesen:

  •  Ein offener Brief an Xavier Naidoo, alle Reichsbürger und jedes Individuum, das von einer „BRD GmbH” spricht, indub.io am 23. August 2014
  • Xavier Naidoos rechte Thesen: Vom Popstar zum Populisten, Spiegel-Online am 22. August 2014
  • Xavier Naidoo und die Montagsdemos haben sich endlich gefunden, vice.com am 21. August 2014
  • Esoterisches Eingeschleime beim Massengeschmack, Welt-Online am 15. November 2012
  • Die “Reichsbürger” und der fehlende Friedensvertrag, GWUP-Blog am 4. Januar 2014
  • Buchrezension: Satanismus und ritueller Missbrauch, GWUP-Blog am 5. Mai 2014
  • Satanistenmorde bei Hoaxilla, GWUP-Blog am 5. Mai 2014
  • Neuer „Reichsbürger”-Wahn: Die Vier-Cent-Briefe, GWUP-Blog am 14. Mai 2014
  • Nährboden für Verschwörungstheorien, Hugo-Stamm-Blog am 26. Juli 2014
  • Eisenblatt wirft hin! – Über das Rechtsverständnis der Volksbetrüger, Eisenfraß am 20. August 2014
  •  Peter Fitzek dankt ab, Eisenfraß am 14. August 2014

SkepKon 2014 in München: Vorträge und Videos

Die Postings und Videos zur SkepKon 2014 hier noch einmal im Überblick:

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  • Bleivergiftung? Fragen Sie doch mal Ihren Ayurveda-Experten (Jasmin Barman-Aksözen)

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  • Biophotonen: Licht des Lebens oder esoterisches Irrlicht? (Holm Hümmler)

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Alle Filme wurden von Andreas Weimann produziert.

Zum Twitter-Kanal der SkepKon 2014 geht’s hier, skeptische Statements von Teilnehmern werden hier präsentiert.

Zum Weiterlesen:

SkepKon-Vortrag „Unsichtbare Gorillas und tanzende Bären“ jetzt auch als Video

Der SkepKon-Vortrag “Von unsichtbaren Gorillas und tanzenden Bären Wahrnehmungsphänomene und ihre Tücken im Alltag” der beiden Psychologen Sebastian Bartoschek und Alexander Waschkau ist jetzt auch als Video verfügbar:


Direktlink zum Video auf Youtube

Weitere SkepKon-Clips von Filmemacher Andreas Weimann finden sich im Youtube-Kanal.

Zum Weiterlesen:

  • SkepKon-Rückblick: Gorillas, Bubble Porn und unsere Sinneswahrnehmung, GWUP-Blog am 22. August 2014




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