Archiv-Seite 14

Meerjungfrauen im Pool von Südafrikas Staatspräsident

Über die bizarre Vorliebe vieler Amerikaner für Meerjungfrauen haben wir schon mal berichtet.

Noch bizarrer ist eine Story, die aus Südafrika zu uns dringt:

Der Gründer der Protestbewegung “Economic Freedom Fighters” (EFF), Julius Malema, bezichtigt angeblich den südafrikanischen Staatspräsidenten Jacob Zuma der Hexerei – weil zwei echte lebende Meerjungfrauen in einem Löschteich auf Zumas Anwesen in Nkandla entdeckt (und fotografiert) worden sein sollen.

Das Foto ist hier zu sehen.

Der Blog Lifestyle Tabloids (Johannesburg/Südafrika) zitiert einen Präsidentensprecher, der den Vorfall bestätigt und eine Untersuchung ankündigt.

Allerdings ist Lifestyle Tabloids für Hoaxes und Fake-Geschichten berüchtigt.

In diesem Fall hat die mutmaßliche Satire wohl eine politische Dimension, denn der vorgebliche “fire pool” von Präsident Zumba ist in Wahrheit ein luxuriöser Swimming-Pool, was im Frühjahr dieses Jahres für Aufsehen in Südafrika gesorgt hatte.

Alles in allem scheint die

EFF Accuse Zuma of Witchcraft After Two Mermaids Where Found in Nkandla’s “Fire Pool”-

Meldung nur der groteske Höhepunkt einer viralen Foto-Kampagne in den sozialen Netzwerken zu sein.

Denn die Meerjungfrauen-Bilder haben auch in Indien und in Bulgarien für Schlagzeilen gesorgt:


Direktlink zum Video auf Youtube

Gibt es die Badenixen also wirklich, wie schon die Dokufiktion “Mermaids: The Body Found” von 2012 uns glauben machen wollte?

Nicht unbedingt.

Die Aufnahmen zeigen lediglich Modelle, die für den vierten Teil von “Fluch der Karibik” angefertigt worden waren.


Direktlink zum Video auf Youtube

Was das Ganze soll, bleibt unklar, denn der fünfte Teil von “Pirates of the Caribbean” ist gerade erst auf 2017 verschoben worden.

Zum Weiterlesen:

  • Meerjungfrauen küssen besser, GWUP-Blog am 7. Juli 2012
  • EFF Accuse Zuma of Witchcraft After Two Mermaids Where Found in Nkandla’s “Fire Pool”, Lifestyle Tabloids am 8. August 2014
  • Mermaid found at Porbandar and Karachi beach, oh really? India.com am 8. August 2014
  • Photos of mermaid went viral are actually from “Pirates of the Caribbean On Stranger Tides” movie, Xolxol.ph am 4. August 2014
  • River Fish, snopes.com am 6. August 2014

„Bibel-Code“ gefloppt, Voynich-Manuskript ein Hoax

Gestern Kryptozoologie, heute Kryptographie:

GWUP-Mitglied Klaus Schmeh stellt in seinem Science-Blog Klausis Krypto Kolumne eine neue Theorie zum geheimnisumwitterten Voynich-Manuskript vor, und zwar die des deutschen Voynich-Forschers Torsten Timm.

Demnach …

… erfand der Autor des Voynich-Manuskripts zunächst eine Reihe unterschiedlicher Zeichenfolgen, die er anschließend immer wieder abschrieb. Dabei ließ er jeweils kleine Änderungen einfließen.”

Und auch bei den Ruhrbaronen geht es um “das Buch, das niemand lesen kann”.

Der Linguist Jürgen Hermes schreibt in einem Gastbeitrag ebenfalls über Timms Arbeit “How the Voynich Manuscript was created” und bescheinigt ihr ein gewisses Potenzial, “die Entstehung des VMS-Textes zu erklären”.

Auch Timm geht davon aus, dass es sich beim Voynich-Manuskript um einen inhaltslosen Hoax handelt, beschreibt aber darüber hinaus eine Textgenerierungsmethode, deren Anwendung …

… ein Resultat ergibt, dass die sonderbaren distributionellen und statistischen Eigenschaften des VMS-Textes widerspiegelt.”

Außerdem heute in Klausis Krypto Kolumne:

Der Bibel-Code – Ein kryptologischer Jahrhundert-Flop”

Ein Auszug:

15 Jahre nach dem Höhepunkt des Bibel-Code-Hypes ist vor allem eines festzustellen: Kein Hahn kräht mehr danach.

Das Buch Der Bibel-Code 2, das Drosnin 2002 nachschob, war längst nicht so erfolgreich wie sein Vorgänger. Der darin angekündigte Weltuntergang blieb aus.

Das 2010 erschienene dritte Buch von Drosnin zum Thema wollte offensichtlich überhaupt niemand mehr lesen. Bei Amazon finden sich 0 (in Worten: null) Rezensionen dazu. Eine Übersetzung dieses Ladenhüters ins Deutsche wollte sich bisher anscheinend kein Verlag antun.

Weitere Bibel-Code-Bücher von anderen Autoren floppten ebenfalls.”

Zum Weiterlesen:

  • Neue Theorie: So könnte der Text des Voynich-Manuskripts entstanden sein, Klausis Krypto Kolumne am 1. August 2014
  • Das Voynich-Mauskript: das Werk eines Autokopisten? Ruhrbarone am 9. August 2014
  • GWUP-Infos: Das Voynich-Manuskript
  • Hoaxilla #69: „Voynich-Manuskript – Das Buch, das niemand lesen kann“ vom 11. Dezember 2011
  • Voynich-Manuskript: Geheimnis oder Geschwafel? GWUP-Blog am 16. April 2008
  • Entzaubert: “Bibelcode” mit Cosma Shiva Hagen, GWUP-Blog am 12. August 2008
  • Michael Shermer entschlüsselt den Bibel-Code, GWUP-Blog am 25. August 2008
  • GWUP-Infos: Bibelcode
  • Gibt es versteckte Botschaften in der Bibel? Telepolis am 28. Juli 2009
  • Hoaxilla #109 – „Bibelcode“ vom 16. Dezember 2012
  • Ein kryptologischer Jahrhundert-Flop: Der Bibel-Code, Klausis Krytpo Kolumne am 9. August 2014

Ebola in Afrika – gibt’s da nicht was vom Homöopathen?

Ein Nachklapp zu unserem Posting “Ebola und Aberglaube”:

Einige komplett hirnentkernte Homöopathen propagieren nunmehr ihr Zuckerzeug gegen die Ebola-Epidemie in Afrika, schreibt heute Psiram:

Ein wenig Ähnlichkeitsgesetz, ein paar Schlangen aus dem amerikanischen Hinterland, ganz viel Verdünnen und Schütteln, und dann stündlich ein Kügeli.

Man sieht sie förmlich vor sich, die entfesselten Homöopathen, wie sie an den Lagern der Schwerstkranken stehen, geschützt durch die mächtige Potenz der Klapperschlange, und wie sie den Siechenden die Kügelchen unter die blutende Zunge schieben, aber bitte nur eine stündlich, sonst wird’s zu viel des Guten [...]

Offensichtlich hat sich bis jetzt niemand im homöopathischen Lager bemüßigt gefühlt, solchen völlig verrückten Ideen mit einem einzigen Wort entgegenzutreten, geschweige denn diesen Saustall, der sich in dieser Gedankenwelt breit gemacht hat, auszumisten.”

Nein, Letzteres fällt etwa dem Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) nicht mal im Fiebertraum ein, wie wir uns schon öfter gewundert haben.

Anscheinend gibt es keine Verrücktheit auf der Welt, für die man nicht unwidersprochen homöopathische Weihen beanspruchen kann.

Auch ein deutscher “Arzt für Homöopathie” verbreitet allen Ernstes auf seiner Homepage:

Wenn sich ein gelernte homöopathischer Arzt nach Afrika auf den Weg macht, seine medizinische Ausrüstung mitnimmt, die er als homöopathischer Arzt benötigt, dann besteht durchaus die reale Möglichkeit, mit diesen Methoden der Homöopathie und Akupunktur den schwer Kranken zu helfen [...]

Als Arzt für Homöopathie behandelt man schließlich nicht den pathologischen Erreger, sondern das Abwehrsystem des Menschen.

Ob das bei Ebola erfolgreich möglich ist, wurde noch nicht berichtet. Vielleicht findet sich ein mutiger Arzt, der sich der Herausforderung stellt.”

In der Tat, vielleicht findet sich ja ein Homöopath, der gerne den Darwin Award gewinnen möchte – posthum.

Wir sind gespannt, eingedenk der Tatsache, dass Homöopathika auch zur Grippevorbeugung nichts taugen.

Apropos Afrika: Neues gibt’s auch von dem nigerianischen Skeptiker Leo Igwe, und zwar in dem Nachrichtenportal Mlive (Michigan) und bei diesseits.de.

Zum Weiterlesen:

  • Ebola? Da haben wir etwas für Sie …, Psiram am 9. August 2014
  • Ebola und Aberglaube, GWUP-Blog am 1. August 2014
  • Gefühllose Schaben und Typhus: Homöopathie zwischen Komödie und Tragödie, GWUP-Blog am 27. Mai 2013
  • Homöopathie zur Prophylaxe von Grippesymptomen – Rottey (1995), Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie am 3. August 2014
  • African witch trials still exist in the modern age, activist says, mlive.com am 24. Juli 2014
  • Afrikas Krieg gegen „Hexen“, diesseits.de am 6. August 2014
  • Hexenverfolgung in Afrika, Bayern 2 am 6. Mai 2013
  • Wo Aberglaube wirklich gefährlich ist: Skeptiker in Afrika, Astrodicticum simplex am 19. Mai 2012
  • Aids? Da haben wir auch was für Sie, Psiram am 11. August 2014

Ein Sommerloch ohne Panther, Bigfoots und Lottis?

Wo bleiben nur die Sommerlochtiere?

Nicht einmal unser Panther Gustav von der “Skeptischen Nerd Nite” bei der GWUP-Konferenz hat sich bislang blicken lassen.

Sogar Bild fällt heuer wenig mehr zum Thema ein als ein paar müde Geschichtchen über einen Königspyton unter der Motorhaube oder einen bissigen Riesenwels.

Ansonsten gibt’s bloß noch vage Spekulationen über eine neuerliche Schnappschildkröte in einem bayerischen Badesee sowie unsichtbare (aber real vorhandene) Wildkatzen.

Außerhalb Deutschlands sieht es nicht viel besser aus.

Ein “Bigfoot” in New Jersey ist nur ein aufrecht gehender Bär:


Direktlink zum Video auf Youtube

Eine Fotografie des berüchtigten “Beast of Bodmin” in Cornwall zeigt wohl einen Fuchs.

Bleibt nur noch diese “geheimnisvolle exotische Großkatze” in Norwalk/Connecticut:


Direktlink zum Video auf Youtube


Direktlink zum Video auf Youtube

Ein Puma? Ein Löwe gar?

Irgendwie erinnert das Ganze eher an jenen “Löwen”, der letztes Jahr auf der B17 bei Augsburg unterwegs war.

Auch bei Facebook wird das Tier schlicht als Hund gehandelt.

Vom “tierischsten Sommerloch aller Zeiten”, wie die Bild-Zeitung schreibt, ist weit und breit überhaupt noch nix zu sehen.

Hoffentlich lässt uns Gustav dieses Jahr nicht im Stich.

Ansonsten bleibt vorerst nur “Planet der Affen: Revolution” im Kino.

Zum Weiterlesen:

  • “Sommerlochtiere” zwischen Urangst und Bambi-Syndrom, GWUP-Blog am 22. August 2013
  • Der Panther kommt näher! GWUP-Blog am 18. Juli 2013
  • Was hat Lotti, was Angela Merkel nicht hat? Welt-Online am 16. August 2013
  • Panther Gustav – der deutsche Yeti, GWUP-Blog am 7. November 2009

Ufo über dem Bodensee

Aus welchem Grund dieses Filmchen von einem “Ufo” überm Bodensee derzeit durch zahllose internationale Ufo-, Video- und Medienportale rauscht, können wir nicht recht nachvollziehen:


Direktlink zum Video auf Youtube

Denn die Aufnahme ist bereits zwei Jahre alt und zeigt wohl einen Zeppelin aus dem nahen Friedrichshafen.


Direktlink zum Video auf Youtube

Oder sind das etwa die Aliens, die “zwei renommierte russische Militärexperten” angeblich fürchten:

Sollte die Alienmeldungen stimmen, sei es sinnlos, gegen Terrorismus und Kriminalität zu kämpfen.”

Es gärt anscheinend mal wieder in Russland.

Schon 1989 öffnete die amtliche Nachrichten-Agentur TASS bereitwillig die Tür ins All, um ihren Lesern einen Fluchtweg aus den ermüdenden Problemen des Landes zu bauen:

In Woronesch sei ein Ufo gelandet!

Sogar eine Botschaft hinterließen die Außerirdischen:

Ihr habt noch zehn Jahre Zeit, euch zu besinnen und das Steuer herumzureißen. Wir haben große Angst um euch.”

Mittlerweile ist ein Vierteljahrhundert vergangen. Und weder Russland noch die übrige Welt scheinen wesentlich klüger geworden zu sein.

Zum Weiterlesen:

  • Aufregung um angebliche UFO-Sichtung über dem Bodensee, yahoo.de am 4. August 2014
  • Winziger Kopf, Der Spiegel am 16. Oktober 1989

„Gute Karriereaussichten“ für Waldorfschüler – wie das?

Eine Frage, die man sich Zusammenhang mit der Waldorf-Schule natürlich stellen könnte:

Wenn die Waldorf-Pädagogik größtenteils auf esoterischem Nonsens gründet – wie kommt es dann, dass die Steinerschen Lehranstalten trotzdem lebenstaugliche Abiturienten und im Weiteren sogar den einen oder anderen Nobelpreisträger hervorbringen?

An einer Antwort versucht sich heute die Frankfurter Allgemeine sinnigerweise im Ressort “Beruf & Chance”.

Denn der Artikel beginnt mit der Feststellung, dass sich die Zahl der Waldorf-Schulen in den USA seit der Jahrtausendwende etwa verdoppelt hat auf 160:

Aus dem Silicon Valley heißt es, dass gerade gutverdienende Eltern aus dem Computerbusiness ihre Kinder mit Vorliebe auf die Waldorfschule geben.”

Hierzulande sei Ähnliches zu beobachten:

An den Schulen ist zu hören, wahrhaft anthroposophische Eltern gerieten in die Minderheit. Stattdessen: Bildungsbürgerliche Familien, distinktionsuchende Mittelschicht und Reiche, die ihren Kindern das staatliche Schulsystem ersparen wollen.”

Das Intelligenzblatt aus Frankfurt kommt zu dem Schluss, es gebe Grund anzunehmen, dass …

… die Karriereaussichten für Waldorfabsolventen gut sind – nicht, weil die Waldorfschule besser ist, sondern deswegen, weil sie anders ist.”

Eine Erklärung oder gar eine fundierte Analyse bleibt indes auch der FAZ-Redakteur schuldig.

Zu lesen gibt es lediglich eine Zusammenfassung der älteren Untersuchung von Dirk Randoll, Professor für empirische Sozialforschung an der privaten anthroposophischen Alanus-Hochschule in Alfter bei Bonn:

Dabei kam – wenig überraschend – heraus, dass sie [Absolventen von Waldorfschulen] doppelt so oft künstlerische und soziale Berufe ergreifen, hingegen weniger Juristen und Kaufleute hervorbringen. Ingenieure waren etwas öfter vertreten. Die Schüler hatten aber Mängel in Fremdsprachen und politischer Bildung.”

Die Aussagekraft dieser Befragung zieht der Wiener Bildungsforscher Prof. Stefan T. Hopmann allerdings massiv in Zweifel:

Diese Ergebnisse sagten gar nichts aus. Denn es fehle eine Vergleichsgruppe. Waldorfschüler kämen überdurchschnittlich oft aus gut situierten, bildungsbürgerlichen Familien, sagt Stefan Hopmann. Mit Gymnasiasten aus entsprechenden Milieus müsste man ihre Karrierewege daher vergleichen, um eine Aussage über den Schulerfolg treffen zu können.”

Hopmanns Kernaussage geht in dem Beitrag fast ein wenig unter:

Der Einfluss der Schule auf den späteren Lebenserfolg sei ohnehin relativ gering.”

Und das ist möglicherweise der entscheidende Punkt.

Schon die österreichische Tageszeitung Die Presse schrieb vor drei Jahren:

Das bildungsorientierte Milieu, aus dem die meisten Waldorfschüler stammen, hebt das Niveau.

„Es ist eine Schule, in der sich ein bildungsorientiertes Milieu reproduziert“, sagt der Mainzer Bildungsexperte Heiner Ullrich, der die Waldorfschulen zu einem seiner Spezialgebiete machte. Waldorfeltern würden Bildung einen hohen Stellenwert beimessen, die Kinder auch außerhalb des Unterrichts fördern. Außerdem setzt nicht zuletzt das Schulgeld eine gewisse Kaufkraft voraus.

„,Man könnte sagen, mit diesem Hintergrund ist es keine Kunst, so gut zu sein“, so Ullrich.

Wie sich Waldorfschulen entwickeln würden, wenn es keine ausgesuchte Schülerklientel gäbe, bleibt vorerst unbeantwortet. Schlicht und einfach, weil es diesen Fall nicht gibt.”

GWUP-Mitglied und Waldorf-Kritiker André Sebastiani stimmt dem grundsätzlich zu:

Ich glaube, dass der Einfluss der Schule auf das Leistungsniveau von Schülern stark überschätzt wird”,

erklärt Sebastiani, der Lehrer an einer staatlichen Schule in Bremen ist.

Im Gespräch mit dem GWUP-Blog nennt er noch weitere Gründe:

Eltern von Waldorfschülern haben überdurchschnittlich häufig Abitur oder einen Hochschul-/Universitätsabschluss. Diese bildungsbürgerlichen Eltern kompensieren die Defizite der Waldorfschule ganz einfach.

Die Waldorfmethode für den Schriftspracherwerb zum Beispiel sieht vor, erst zum Ende des ersten oder am Beginn des zweiten Schuljahres mit dem Schriftspracherwerb zu beginnen. Steiner selbst hat geschrieben, es sei nicht nötig, dass ein Kind mit acht Jahren lesen könne. Er hielt es sogar für schädlich, während der ersten sieben Lebensjahre mit dem Schriftspracherwerb zu beginnen.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist das Gift für schwache Schüler.

Bei leistungsstarken Kindern ist der Unterschied zwischen den pädagogischen Methoden verschiedener Schulformen aber marginal. Sie lassen sich jedoch bei sehr leistungsschwachen Schülern deutlich nachweisen.

Hinzu kommt: Kinder, die an Waldorfschulen nicht zurechtkommen, wechseln häufig die Schule. Die Aussteigerquote liegt nach empirischen Daten, die die Anthroposophen selbst erhoben haben, zwischen 35 und 50 Prozent.

Aus diesen Gründen erleben Waldorflehrer ihre Methode des Schriftspracherwerbs als wirksam. Probleme beim Lesen- und Schreibenlernen werden entweder von den bildungsnahen Elternhäusern kompensiert – oder aber Schüler mit Lernschwierigkeiten verlassen die Waldorfschule und verschwinden damit aus der Wahrnehmung ihres Klassenlehrers.

Und nicht zuletzt wird an keiner anderen Schulform mehr Nachhilfe genommen. Vor allem im letzten Jahr wird der Abiturstoff stumpf eingebläut.”

Insofern ist der FAZ-Artikel mit Passagen wie “Sie [die Waldorfschule] wird als Gegenmodell beliebt zu einem Bildungssystem, das Kinder wie Lernmaschinen behandelt” oder “Gerade in Amerika sind für die jungen Leute die Schrauben extrem eng angezogen, sie lernen riesige Mengen an den Schulen auswendig” wohl mit Vorsicht zu genießen.

Schlimmer aber:

Genau deshalb ist der geplante Schulversuch mitten in einem sozialen Brennpunkt Hamburgs so fatal. Denn dort wird die Mehrzahl der Eltern nicht kompensieren können, was die Waldorf-Pädagogik anrichtet.

Übrigens spricht André Sebastiani am 2. September bei “Skeptics in the Pub” in Köln über “Das Risiko Waldorfpädagogik: Steiner-Esoterik statt Reformschule”.

Zum Weiterlesen:

  • Strickzeug statt Smartphone, FAZ am 6. August 2014
  • Nobelpreis für Waldorf? GWUP-Blog am 22. März 2014
  • Waldorf in Wilhelmsburg und die Bankrotterklärung der Politik, GWUP-Blog am 15. Juni 2014
  • Versteinerte Erziehung, Skeptiker 4/2011 (aktualisierte Fassung online hier)
  • “Waldorf-Schule”, Hoaxilla-Podcast Nr. 107 vom 18. November 2012
  • “Pragmatischer Waldorf” – was soll das denn sein? GWUP-Blog am 10. Februar 2013
  • “Ein bisschen Waldorf geht nicht”, taz am 25. November 2013
  • Vortrag “Ver-Steinerte Erziehung” als Video, GWUP-Blog am 18. Februar 2014
  • Waldorfschüler lesen besser? GWUP-Blog am 12. Juni 2012
  • Die bessere Schule oder esoterischer Irrglaube? Deutschlandradio Kultur am 23. Februar 2011
  • Gerüstet für die Realität? Leben nach der Waldorfschule, diepresse.com am 27. Februar 2011

“Psiram” goes Facebook

Auch Psiram hat jetzt eine Facebook-Präsenz.

Im Eröffnungsposting heißt es:

Nun ist es soweit. Psiram ist bei Facebook.

Seit der Gründung vor sieben Jahren (damals als EsoWatch) hatten wir dies bisher erfolgreich vermieden. Aber die Stimmen unserer Jungspunde wurden immer lauter. Sie behaupten, dass man ohne Facebook nur ein halber Skeptiker sei.

Einige von uns stecken seit Jahren sehr viel Arbeit in das Psiram-Wiki, viele weitere stellen bei Bedarf ihr Spezialwissen zur Verfügung. Diese Arbeit soll so vielen Menschen zugute kommen wie möglich. Deshalb gibt es hier ab sofort immer das Neueste von Psiram frei Haus.

Wir möchten hier mehr informieren als diskutieren. Für Diskussionen über schwierige Themen ist die Kommentarstruktur von FB einfach nicht so gut geeignet. Alle, die sich intensiver austauschen möchten, laden wir herzlich in unser Forum ein. Die Anmeldung geht schnell und unkompliziert.

In diesem Sinne wünschen wir allen unseren Lesern viel Spaß und die eine oder andere Erkenntnis zur Schonung des Geldbeutels und Schärfung der virtuellen Machete im esoterischen Dschungel des Netzes.”

Zum Weiterlesen:

  • Psiram-Interview: “Den Wahnsinn im Zaum halten”, PULS am 14. Februar 2014
  • Psiram-/Esowatch-Interview, GWUP-Blog am 1. November 2012
  • “Keine Position ist meist die falsche”, Interview mit Esowatch von Sebastian Bartoschek, Skeptiker 2/2012

Kritisches Video zu MMS und Neues von den Behörden

Der indub.io-Blog hat ein kritisches Video “Was ist MMS?” produziert:


Direktlink zum Video auf Youtube

Was gibt’s sonst noch Neues zum Thema?

Die Hamburger Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz geht gegen einen Tierarzt vor, der MMS in der Veterinärmedizin lobpreist.

Nicht überraschend gibt der Herr Doktor sich unbelehrbar und lässt sich von der Szene sowie diversen Verschwörungs-Webseiten feiern.

Bizarr.

Die Berliner tageszeitung meldete dieser Tage:

Die Hamburger Gesundheitsbehörde hatten schon im Juni vor den „erheblich gesundheitsgefährdenden“ Wirkungen von MMS gewarnt. Auf taz-Anfrage bestätigte sie, dass gegen eine Heilpraktikerin ein Verfahren laufe, die MMS an Patienten verkauft habe. Details könne man derzeit nicht mitteilen.”

Zum Weiterlesen:

  • Was ist MMS? indub.io am 6. August 2014
  • 10 populäre Fragen und Aussagen von MMS-Befürwortern und meine unpopulären Antworten, indub.io am 9. August 2014
  • MMS-Scharlatanerie in Deutschland, taz am 28. Juli 2014
  • MMS-Wahn geht weiter, GWUP-Blog am 8. Juli 2014
  • “Frankfurter Ring” sagt ein MMS-Seminar ab, spinnt aber ansonsten munter weiter, GWUP-Blog am 28. Juni 2014
  • Miracle Mineral Supplement: Die chlorreichen Lügen, DocCheck News am 26. Mai 2014
  • Gefährliches „Wundermittel“ MMS: Wenn Quacksalber für giftige Chlorbleiche werben, Spiegel-Online am 4. Mai 2014
  • “Warum foltert ihr Kinder?” Die MMS-Demo in Hannover, GWUP-Blog am 28. April 2014
  • Vergiftungsmittel MMS, Ratgeber-News-Blog am 27. April 2014
  • The Spirit of Bullshit, Julitschka am 26. April 2014
  • Wenn es quakt wie eine Ente: Moderne Quacksalberei MMS, Pharmama am 29. April 2014
  • Die EMA approbiert ein Wunder, sagen die Wunderheiler, Psiram am 2. Mai 2014
  • Jim Humbles tödliche Geschäfte, Psiram am 6. Juni 2014
  • Hoaxilla #91 – „Bleiche als Medizin?“ vom 10. Juni 2012
  • Chlorbleiche trinken ist ungesund, Mutterwitz am 13. September 2010
  • MMS und Jim Humble – die Fakten, gesundheit.ch

Die Vitamine D6 und D12

Heute zwei Fundstücke aus der Blogosphäre:

  • “Die Unterstützung der Homöopathie und ähnlicher Therapierichtungen durch die Krankenkassen” ist ein Dauerthema für die GWUP und andere kritische Blogs.

Im Januar hatte zum Beispiel der Ratgeber-News-Blog einen Briefwechsel zwischen einem Stammleser und der BKK VBU veröffentlicht, aus dem hervorgeht, dass die gesetzliche Krankenkasse es begrüßt, dass …

… die besonderen Therapierichtungen als Ergänzung zur Schulmedizin immer stärker nachgefragt werden”.

Jetzt hat der Blogger “Mr. MIR” von FSMoSophica bei seiner Kasse nachgefragt, wie sie es denn mit “esoterischen, garantiert wirkungslosen Behandlungsmethoden” halte.

Der leicht kafkaesk anmutende Dialog ist hier dokumentiert.

Wir werden auf das Thema “Facebook-Gruppe” in den nächsten Tagen nochmal ausführlich zurückkommen.

Was die “Offenheit”, Lernfähigkeit und das Diskussionsverhalten von Esoterik-, Verschwörungs- und “Alternativ”-Fans angeht, sei indes nur mal auf dieses aktuelle Posting der Pharmama verwiesen:

  • B und D …”

Es geht um Vitamine, Schüßler-Salze, homöopathische Hochpotenzen – aber man muss es selbst gelesen haben, um es zu glauben.

Zum Weiterlesen:

  • Nachweislich wirkungslose Medikamente und Krankenkassen, FSMoSophica am 2. August 2014
  • Die Unterstützung der Homöopathie und ähnlicher Therapierichtungen durch die Krankenkassen, Skeptiker 3/2001
  • Kann mir jemand eine esoterikfreie Krankenkasse empfehlen? BlooDNAcid am 14. Dezember 2011
  • Die absurde finanzielle Ungleichbehandlung von Ärzten und Heilpraktikern, GWUP-Blog am 18. Juli 2014
  • Zum Beispiel TK: Was die Kassen so alles unterstützen, GWUP-Blog am 2. Februar 2014
  • B und D, Pharmama am 2. August 2014
  • Homöopathie zur Prophylaxe von Grippesymptomen – Rottey (1995), Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie am 3. August 2014

Ebola und Aberglaube

Dass der Aberglaube der “größte Feind” im Kampf gegen das Ebola-Virus in Westafrika ist, haben bereits zahlreiche Medien berichtet, darunter die Ärztezeitung, die Süddeutsche und die Neue Zürcher Zeitung:

Vielen Westafrikanern gilt die bislang nur in Ost- und Zentralafrika bekannte Krankheit als Fluch oder Hexerei, andere leugnen, dass es sie überhaupt gibt. Vor allem jene, die von Aberglauben und Voodoo-Riten geprägt sind, misstrauen den westlichen Ärzten, machen sie sogar selbst für den Ausbruch der Epidemie verantwortlich.”

Liberia erwägt derzeit, ganze Dörfer und Gemeinden unter Quarantäne zu stellen – notfalls mit Gewalt.

Für die Ruhrbarone hat Sebastian Bartoschek den ehrenamtlichen Kulturattaché der Republik Liberia, Tobias Huch, um einen Gastbeitrag gebeten.

Ein Auszug:

Eine entscheidende Ursache, warum die Seuche bei so massivem Auftreten wie in der jetzigen Ausbruchswelle fast unmöglich in den Griff zu bekommen ist, liegt im Urglauben der vor allem ländlichen Liberianer. Man vertraut auf alte schamanische Traditionen – und nicht der westlichen Schulmedizin, der man traditionell ohnehin misstraut.

Die Isolierstationen, die eine kompromisslose Trennung der Kranken von ihren gesunden Angehörigen erzwingen, von die Menschen als furchteinflößend und grausam empfunden. Seit Urzeiten ist es Brauch, Kranke nicht auszustoßen, sondern sich im im Krankheitsfall in den engsten Familienkreis zurückzuziehen und den „Dorfzauberer”, eine Art Medizinmann, zur Hilfe zu rufen.

Die Betroffenen halten sich in ihrer Verzweiflung an ihrem Naturglauben fest und ignorieren wissenschaftliche Erkenntnisse des Infektionsmedizin; so entfloh eine mit Ebola infizierte Frau beispielsweise vor fünf aus ihrer Quarantäne, bestieg ein in Liberia typisches Sammeltaxi (besetzt mit 4-9 weiteren Passagieren!) und fuhr mit diversen Zwischenstopps in ihr Dorf, um bei ihrer Familie zu sein.

Fast 40 weitere Personen kamen so mit der hochinfektiösen Patientin in Berührung, was einer Ausbreitung der Seuche Vorschub leistete; schließlich musste ihre gesamte Großfamilie gewaltsam isoliert werden.

Das Beispiel ist kein Einzelfall. Die meisten Menschen wissen nicht mit dem Virus umzugehen. Die Zeitungen der Hauptstadt, wie etwa der Daily Observer, informieren zwar umfangreich und detailliert, wie man sich zu verhalten hat – aber die meisten Liberianer können nicht lesen.

Mittlerweile, wenn auch spät, ist man endlich dazu übergegangen, die Bevölkerung in der Provinz mittels Radioübertragung zu informieren; Entwicklungshelfer und internationale Ärzteteams gehen von Dorf zu Dorf und leisten Aufklärungsarbeit. Aber trotz dieser Maßnahmen ist das Misstrauen hoch, die Menschen vertrauen eher ihren jahrtausendealten naturreligiösen Erklärungen.

Erst kürzlich wurde eine Gruppe von „Ärzte ohne Grenzen“ aus einem Dorf voller Ebola-Infizierter gewaltsam verjagt, weil die Dorfbewohner der Überzeugung waren, die Helfer würden den Tod bringen.”

Bei der Gelegenheit wünschen wir den pittoresken “Schamanen”, die uns im Herbst an der LMU München mit flauschigen Tanzeinlagen von den Segnungen der “Heilsysteme ursprünglicher Kulturen” überzeugen wollen, recht viel Spaß und frohes Jauchzen!

Und natürlich dürfen auch homöopathische Quacksalber, die Ebolaviren mit Globuli zum Lachen bringen, nicht fehlen.

Weitaus mehr Aufmerksamkeit als solche Narreteien hat der afrikanische Skeptiker und Menschenrechtsaktivist Leo Igwe verdient, der seit vielen Jahren für Bildungschancen und kritisches Denken in seiner Heimat kämpft.

Skeptiker-Redaktionsleiterin Inge Hüsgen und diesseits-Redakteur Arik Platzek haben Igwe für die beiden Zeitschriften Skeptiker und diesseits interviewt.

Ein Teil des Gesprächs “Menschenrechte und skeptisches Denken in Afrika” findet sich online hier.

Zum Weiterlesen:

  • Ebola in Liberia: Drohender Genozid durch Aberglaube, Ruhrbarone am 1. August 2014
  • Der Aberglaube als größter Feind, Ärztezeitung am 11. Juli 2014
  • Tödlicher Aberglaube, Süddeutsche am 1. Juli 2014
  • Magie und Vooddo-Riten leisten der Seuche Vorschub, Welt-Online am 4. Juli 2014
  • Aberglaube und ein tödliches Virus, Neue Zürcher Zeitung am 27. Juli 2014
  • Radikaler Kampf gegen Ebola – notfalls mit Gewalt, Welt-Online am 31. Juli 2014
  • Ebola outbreak out of control and misinformation helps it spread, Doubtful News am 1. August 2014
  • Homeopaths vs. Ebola virus hemorrhagic fever, Respectful Insolence am 1. August 2014
  • „Homöopathen ohne Grenzen”: Lehrheft mit 19 Mitteln zur Akutversorgung bei Notfällen für Kenia, Ratgeber-News-Blog am 30. Juli 2014
  • Tödliche Hexenjagden – und der Kampf der Skeptiker, GWUP-Blog am 4. April 2013
  • GWUP-Infos: Menschenrechte und skeptisches Denken in Afrika




NEU: Skeptiker 3/2014

SKEPTIKER 3/2014