Archiv-Seite 13

Emotos Versuche: Wasser predigen, Wodka trinken

Zuerst einmal gratulieren wir GWUP-Vorstand Dr. Florian Aigner zum Förderpreis für Volksbildung der Stadt Wien!

Aigner arbeitet als Wissenschaftsredakteur im Büro für Öffentlichkeitsarbeit der TU Wien.

In einer Pressemitteilung zu seiner Auszeichnung schreibt die Hochschule:

Florian Aigner engagiert sich auch dafür, die Grenzen zwischen echter Wissenschaft und unwissenschaftlichem Aberglauben aufzuzeigen.

Als Vorstandsmitglied der Gesellschaft zur Wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) engagiert er sich gegen antiwissenschaftlichen Aberglauben, gegen Irreführung durch wissenschaftlich unhaltbare Wunderversprechungen und gegen irrationale Angstmache.”

Davon handelt auch sein aktueller Artikel in dem Internet-Portal futurezone:

Der Mann, der dem Wasser Briefchen schreibt”

Es geht natürlich um den japanischen Politologen Dr. Emoto, dessen Wasser-”Versuche” absurder Komik näher kommen als fundierter Erkenntnis.

Ein Auszug:

Masaru Emoto hat herausgefunden, dass Wasser allerlei Information aufnehmen kann. Er testet das, indem er kleine Wassertröpfchen gefrieren lässt und dann beurteilt, ob sich hübsche oder weniger hübsche Wasserkristalle gebildet haben […]

Wasser kann nämlich auch lesen. Wenn man etwas Nettes auf einen Zettel schreibt und auf eine Wasserflasche klebt, dann entstehen aus diesem Wasser ganz wunderbar geordnete Eiskristalle. „Liebe“ gibt schöne Kristalle, „Hass“ sieht hässlich aus […]

Und durch diese Erkenntnis betrachte ich die Welt nun mit völlig anderen Augen: Der Mann hat recht!

Im Supermarkt habe ich zwei Flaschen mit völlig identisch aussehender Flüssigkeit gekauft – auf einer steht „Mineralwasser“, auf der anderen „Vodka“.

Hat die Aufschrift den Inhalt beeinflusst? Ich habe beide probiert, der Unterschied lässt sich nicht leugnen!”

Zum Weiterlesen:

  • Zwei Förderpreise der Stadt Wien gehen an die TU, Pressemitteilung der TU Wien vom 5. August 2014
  • Der Mann, der dem Wasser Briefchen schreibt, futurezone am 12. August 2014
  • Skeptiker 3/2011: Wundersames Wasser, GWUP-Blog am 28. August 2011
  • Kein Körnchen Wahrheit bei Masaru Emotos Versuchen, GWUP-Blog am 12. März 2014
  • Wissenschaftskommunikation: Und was ist mit den Blogs? GWUP-Blog am 19. Juni 2014

Denkfest 2014 im September in Zürich: Drei Tage Medizin, Evolution und Ethik

Das Zürcher Denkfest geht in die zweite Runde.

Nach dem großen Erfolg 2011 mit mehr als 400 Teilnehmern stehen vom 11.-14. September im Volkshaus Zürich drei Schwerpunktthemen auf dem Programm:

  • Medizin & Methode: Wie wissen wir, was wirkt und was nicht?
  • Evolution: Welche Fakten sind erhärtet und was wird noch erforscht?
  • Ethik fürs 21. Jahrhundert: Welche Regeln für unsere moderne Welt?

Mit dabei ist auch GWUP-Vorstand Dr. Julia Offe, die durch den Science Slam beim Conference Dinner führt und am Samstag (13.9.) darüber spricht, wie sich Pflanzen und Insekten einen evolutionären Wettkampf liefern.

Das Denkfest ist eine Veranstaltung der Freidenker-Vereinigung der Schweiz und wird von den Schweizer Skeptikern und der Giordano-Bruno-Stiftung Schweiz unterstützt.

Tageskarten gibt’s für 90 CHF, der Festivalpass kostet 220 CHF.

Zum Weiterlesen:

  • Zürcher Denkfest: Internationales Panel zu skeptischem Bloggen, GWUP-Blog am 9. September 2011
  • Das Denkfest kam, sah und siegte, skeptiker-blog am 12. September 2011

Skepsis macht Schule: Ein Wünschelruten-Test am Freisinger Gymnasium

Ein Beispiel, das Schule machen sollte:

Am Camerloher-Gymnasium in Freising hat GWUP-Mitglied Jürgen Plank als Kursleiter eines W-Seminars (wissenschaftliches Seminar) der Q 11 (Qualifizierungsstufe elfter Jahrgang) einen Wünschelruten-Test im Klassensaal initiiert.

Die 15 Seminar-Teilnehmer im Alter von 17 bis 18 Jahren beschäftigten sich über mehrere Wochen mit dem Themenfeld „Shaping Reality – Conspiracy Theories and Hoaxes”.

Ich selbst hatte das Vergnügen, eine Doppelstunde zu scheinbar übersinnlichen Phänomenen und außergewöhnlichen Behauptungen halten zu dürfen.

Höhepunkt war indes der Test eines Rutengängers nach dem Vorbild der PSI-Tests der Skeptiker.

Für den Jahresbericht der Schule hat die Kursteilnehmerin Tabea von Schilling folgenden Beitrag darüber geschrieben:

Unser W-Seminar „Shaping Reality – Media Hoaxes and Conspiracy Theories“ unter der Leitung von Herrn Plank untersuchte mediale Falschmeldungen sowie Verschwörungstheorien und fragwürdige Methoden, wie beispielsweise das Dowsing – zu Deutsch: Wünschelrutengehen.

Um die Wirksamkeit dieses umstrittenen Hobbys zu testen, ließ es sich tatsächlich einrichten, einen Dowser und Pendler zu uns ans Camerloher einzuladen und ihn – nach entsprechender Absprache – einer „selbstgemachten“, aber nach möglichst wissenschaftlichen Kriterien konzipierten Prüfung mit Stromkabeln und Wasserflaschen zu unterziehen.

Unser Wünschelrutengänger Herr W., der auch schon mit Pendeln viele Erfahrungen gesammelt hat, erklärte sich dankenswerterweise bereit, uns seine Fähigkeiten zu präsentieren, um möglicherweise als wahrer Wünschelrutencrack in die Weltgeschichte einzugehen.

Bei erfolgreichem Nachweis „paranormaler“ Fähigkeiten im Rahmen eines internationalen Tests in Amerika winkt dem Gewinner nämlich ein stattliches Sümmchen von einer Million US-Dollar.

Natürlich bedarf es für so einen Test viel Vorbereitung, eine exakt geplante Durchführung sowie jede Menge Teamwork. Schließlich sollte das Ergebnis, wie immer es auch ausfallen sollte, hieb- und stichfest sein.

Kursleiter Herr Plank entwarf einen ausgeklügelten Plan für die Vorbereitung bzw. die Durchführung und teilte jedem Mitglied unseres Seminars eine Aufgabe zu. Dem Team für die Vorbereitung beispielsweise oblag es, sowohl sechs Wasserflaschen unter Geschenktäschchen als auch Stromkabel der gleichen Menge unter einem Stoff zu verstecken, welche Herr W. dann mit seinen Instrumenten aufspüren und entlarven sollte.

Das V-Team sollte jedes Mal vor Rundenbeginn die einzige mit Wasser gefüllte Flasche unter einem der sechs Hütchen deponieren und eines der Kabel mit einer Stromquelle verbinden, was wiederum zum Leuchten der angeschlossenen Lampe führte.

Dabei ging das Team strikt nach dem sogenannten Double-Blind-Prinzip vor, welches besagt, dass weder die Testperson noch der Moderator der Prüfung von der wahren Wasser- beziehungsweise Stromquelle wissen dürfen, um versehentlich verräterische Gestik oder Mimik des Moderators zu verhindern.

Parallel dazu übernahmen zwei Schüler die Aufgabe, per Zufallsprinzip (Würfel bzw. „Bauchgefühl“) selbst einmal zu versuchen, ob sie die korrekte Lösung „erspüren“ können.

Und dann war es auch schon soweit: Nach der herzlichen Begrüßung des Dowsers durch die Schüler folgte erst einmal eine kleine Informationsrunde, in der Herr W. über sein Hobby berichtete. Einige seiner Bekannten konsultierten ihn beispielsweise bei Schlafstörungen, denen er nach seinen Angaben zum Beispiel durch Aufspüren einiger Steckdosen nahe des Schlafplatzes ein jähes Ende bereitete.

Des Weiteren gewährte er uns einen tiefen Einblick in sein vielseitiges Equipment, zu welchem auch zwei Instrumente gehörten, die er daraufhin in dem Test verwendete. Noch eine kleine Buchvorstellung zu diesem vielseitigen Thema – und dann ging es ans Eingemachte.

Vor dem eigentlichen Test ließen wir Herrn W. einmal probeweise herumgehen, wobei er das jeweils stromführende Kabel bzw. die gefüllte Flasche mitgeteilt bekam. Bei diesen behauptete er, etwas zu spüren, und seine Winkelruten (engl. dowsingrods oder divininggrods) und Pendel bestätigten dies auch durch heftige Ausschläge.

Eine Schülerin durfte sogar auch einmal probieren. Tatsächlich berührten sich die beiden Winkelruten bei der gefüllten Flasche sowie beim stromdurchflossenen Kabel. Damit war zumindest einmal klargestellt, dass der Versuchsaufbau funktionierte und Wünschelrutengehen bzw. Pendeln zu korrekten Aussagen führt, wenn das zu erreichende Ergebnis im Vorfeld bekannt ist.

Hochmotiviert und voller Spannung begaben sich die beiden Herren sowie das Durchführungsteam hinaus, um dem V-Team das Feld zu überlassen.

Dieses würfelte eine Zahl aus (um auf diese Weise das Prinzip der „Randomisierung“ einzuhalten), vermerkte diese und zapfte das jeweils nummerierte Kabel an, um es danach unter dem improvisierten Karton zu verstecken. Zu dem Wasser wollten wir erst am Schluss der Stunde kommen.

Nach dieser spannenden Aktion wurde das Klassenzimmer gewechselt, um dem Durchführungsteam sowie Herrn W. und dem Kursleiter freie Bahn zu gewähren.

Die Testperson wählte nach eingehendem Studium die verdächtige Flasche wie Kabel aus und verließ – nach Notierung der Nummern – mit dem Team und dem Lehrer den Raum.

So ging es weiter, indem V- wie D-Team abwechselnd den Raum belegten und nur durch jeweils neutrales Klopfen an der jeweiligen Tür das Signal gaben, dass die nächste von insgesamt sechs Testrunden beginnen konnte.

Gegen Ende der Stunde war der Strom-Test abgeschlossen, allerdings konnte es aus Zeitgründen bedauerlicherweise nur mehr zu einem einzigen Wasser-Test kommen. Danach schlug die Stunde des letzten Teams, der Jury, das die Ergebnisse des V- und D-Teams zusammenstellen musste.

Also versammelten sich Kurs, Lehrer und Dowser, um die Ergebnisse am Overhead-Projektor auszuwerten. Die Ergebnisse waren eindeutig, auch wenn so mancher wohl auf ein Wunder gehofft hatte.

Beim einzigen durchgeführten Wasser-Test hatte Herr W. falsch gelegen und beim Stromtest landete er bei seinen sechs Versuchen nur einen einzigen Treffer – das entspricht dem klassischen Zufallsprinzip.

Das Würfel-Team hatte ebenfalls einen Treffer vorzuweisen. Somit war der Fall entschieden: Auf Wünschelrutengehen ist offensichtlich kein Verlass.

Doch der anfangs so optimistische Herr W., der auch während der ganzen Testreihen absolute Zuversicht ausgeströmt hatte und nun entsprechend verdutzt war, hielt solidarisch an seiner Meinung fest und behauptete, von diesem Ergebnis nicht auf die Unwirksamkeit des Dowsings schließen zu können.

Faktoren wie Nervosität, fremde Umgebung sowie bestimmte Schwingungen könnten seiner Meinung nach die Durchführung des Tests beeinflusst haben.

Diese Argumentation wurde jedoch als wenig stichhaltig empfunden, da seine Instrumente bei den unverblindeten Tests vorher ja exakt so ausgeschlagen hatten, wie das erhofft worden war (für Interessierte: Verantwortlich für solche „Erfolge“ sind offensichtlich winzige, unbewusst ablaufende Muskelbewegungen aufgrund des Carpenter- bzw. ideomotorischen Effekts).

Trotzdem wird Herr W. jedenfalls nach wie vor seinem Hobby nachgehen und versuchen, seinen Mitmenschen damit zu helfen. Die Prüfung in Amerika abzulegen und somit einen hohen Geldbetrag zu gewinnen, kommt für ihn zwar nicht mehr in Frage – doch davon lässt sich der überzeugte Dowser nicht verunsichern.

Wir danken Herrn W. jedenfalls für seinen exklusiven Besuch und wünschen ihm weiterhin alles Gute mit seinen Detektoren!

Auch wenn Wünschelrutengeher und Pendler unter wissenschaftlich durchgeführten, also randomisierten und doppelt verblindeten Testbedingungen bisher noch immer gescheitert sind und die Million-US-Dollar (genauso übrigens wie die hier in Deutschland ausgesetzten 10.000 Euro) weiterhin auf einen Empfänger warten, der übersinnliche Fähigkeiten tatsächlich nachweisen kann, bleibt das „Prinzip Hoffnung“.

Oder, wie manche meinen: There can be miracles – when you believe!”

Zum Weiterlesen:

  • Skeptiker macht Schule: Teenager als Mythbuster, GWUP-Blog am 6. September 2009
  • Warum Wünschelrutengehen keine Wissenschaft ist, GWUP-Blog am 17. November 2013
  • Überraschung beim PSI-Test: Kandidat räumt “bittere Erfahrung” ein, GWUP-Blog am 28. Juli 2014
  • Warum die Wissenschaft viel besser ist als ihr Ruf, Focus-Online am 17. August 2014

„Panorama“: Heilpraktiker als Gerichtsgutachter

Interessanter Aufriss von “Panorama” gestern Abend offenbar dürfen Heilpraktiker sogar als Gerichtsgutachter dilettieren:

In ganz Deutschland gibt es keine verbindlichen Mindeststandards für die Erstellung von Gutachten. Zudem fehlen Regelungen, wer überhaupt ein familienrechtspsychologisches Gutachten verfassen darf. Da der Beruf des Gutachters nicht geschützt ist, darf sich jeder Gutachter nennen.

Und auf Grund der richterlichen Unabhängigkeit kann der Richter jeden zum Gutachter am Gericht ernennen [...]

Ein Gutachter sollte für das Gericht beurteilen, ob der Vater erziehungsfähig ist. Den Auftrag erhielt aber kein Fachpsychologe, sondern eine Heilpraktikerin. Der Vater verlor und ging in die zweite Instanz an das OLG Hamm.

Wieder durfte die Heilpraktikerin ein Gutachten schreiben und wieder verlor der Vater.”

Hier geht es zum Video.

Zum Weiterlesen:

  • Heilpraktiker als Psychotherapeuten, GWUP-Blog am 28. Juli 2013
  • Die absurde finanzielle Ungleichbehandlung von Ärzten und Heilpraktikern, GWUP-Blog am 18. Juli 2014
  • “Heilpraktiker” noch zeitgemäß? GWUP-Blog am 13. November 2012
  • Heilpraktiker Notwendig oder Nutzlos? dieausrufer am 1. September 2013
  • Der Heilpraktiker: Narrenfreiheit, Größenwahn und gefährliche Folgen, Ratgeber-News-Blog am 20. Januar 2014
  • Heilpraktiker für Psychotherapie: Partnerwahl per Vornamen? Ratgeber-News-Blog am 13. April 2010

Elvis lebt und Paul ist tot: Die neue Folge von Hoaxilla-TV

Bei dem Abo-Portal Massengeschmack-TV ist die zweite Hoaxilla-Folge online gegangen.

Thema sind

Verschwörungen in der Musikwelt”

Ist Paul McCartney tot? Lebt Elvis noch? Und welche satanischen Botschaften verbergen sich in bestimmten Liedern?

Mehr dazu in diesem Teaser:


Direktlink zum Video auf Youtube

Zum Weiterlesen:

  • “Hoaxilla-TV” startet, GWUP-Blog am 17. Juni 2014
  • Restebloggen mit Lena, Satan, Dawkins und Weltuntergang, GWUP-Blog am 24. Dezember 2013
  • Uwe Ochsenknecht vertont skeptisches Buch, GWUP-Blog am 2. August 2010

“Truther-Karaoke“: Eine szenische Darstellung von Verschwörungsgesumms

Apropos Verschwörungstheorien:

Wie gerufen zur Illustration dessen, was der Komiker Tommy Krappweis in seinem Facebook-Kommentar beklagt, kommt dieses Video von indub.io:

Dinge, die Verschwörungstheorie-Anhänger sagen: Trutherkaraoke”

Die Darsteller in dem 4-Minuten-Clip sprechen einfach Ergüsse von Verschwörungstheoretikern nach, die diese in sozialen Netzwerken hinterlassen haben:


Direktlink zum Video auf Youtube

Schön bizarr.

Zum Weiterlesen:

  • Comedian Tommy Krappweis nerven Verschwörungsfreaks bei Facebook, GWUP-Blog am 14. August 2014
  • Dinge, die Verschwörungstheorie-Anhänger sagen: Trutherkaraoke”, indub.io am 13. August 2014
  • Kritisches Video zu MMS und Neues von den Behörden, GWUP-Blog am 6. August 2014
  • Bikini-Babes und andere “Truther”, GWUP-Blog am 10. September 2013
  • Verschwörungsgeplauder XII, Astrodicticum simplex am 10. August 2014
  • Ebola-Epidemie? Best of Verschwörungstheorie, Psiram am 15. August 2014

Comedian Tommy Krappweis nerven Verschwörungsfreaks bei Facebook

Die leider längst verblichene Comedy-Show RTL Samstag Nacht als Skeptiker-Schmiede?

Die beiden Produzenten Jacky Dreksler und Hugo Egon Balder brachten Ende 2007 das sehr schöne Buch

Wunsch-Bullshit im Universum. Eine Kritik der Wunsch-Bestellungen im Universum von Rhonda Byrne, Pierre Franckh, Bärbel Mohr, Esther Hicks und Kurt Tepperwein”

heraus.

Dazu gab’s auch ein Interview im Skeptiker.

Wigald Boning widmet sich dem Erklär-Fernsehen und der Wissenschaftskommunikation.

Und von Ex-Samstag Nacht-Comedian Tommy Krappweis findet sich aktuell dieses bemerkenswerte Statement zum Thema “Verschwörungstheorien” auf seiner Facebook-Seite:

Was mich hier täglich mehr nervt und zunehmend verzweifeln lässt, ist die simple Tatsache, dass allen professionellen, oft hart und herzblutoid arbeitenden, oft in der Tat an Aufklärung interessierten Journalisten jegliche Kompetenz und jegliches Berufsethos abgesprochen wird, nur weil sie für ein etabliertes Magazin, einen etablierten Sender oder eine etablierte Zeitung arbeiten!

Warum bitte ist stattdessen der Fuzzi mit dem irren Blick, seinem Weltverschwörungsblog und dem latenten Hygieneproblem automatisch im Besitz der einzig wahren Wahrheit?

Warum glaubt die breite Masse zumindest hier auf Facebook sofort erstmal dem Stimmungsmacher und wendet sich z.B. der Tagesschau grundsätzlich ab?

Warum wird nicht wenigstens jeder Blogger genau so kritisiert, auseinandergenommen und grundsätzlich erst einmal mit zweifelnden Kommentaren übersäht, wie jede andere vergleichbare, oft deutlich nüchterner und ausgewogener vorgetragene Nachricht etablierter Organe?

Rhetorische Frage, rhetorische Antwort:

Der Grund scheint zu sein, dass diese oft schlagzeilenförmigen Antworten, diese absurden, niemals real organisierbaren Verschwörungsunterstellungen der westlichen Welt/des Kapitals/der Politiker aka ‘diedaoben’, einfacher, simpler zu verstehen sind, als die wahre Komplexität der multigraustufigen Realität!

Ja, die Menschen müssen ‘endlich aufwachen’  aber nicht um einen gemeinsamen Feind zu basteln oder gegen Chemtrails anzubloggen!

Bitte lasst uns dafür sorgen, dass die Menschen wenigstens hier auf Facebook aus dem romantisch-dümmlichen Traum aufwachen, dass es auf dieser vernetzten und komplexen Welt einen einzigen Schuldigen oder eine einzige Verschwörung Schuldiger gäbe.

Das würde viel helfen. Echt jetzt.”

Können wir nichts hinzufügen, außer vielleicht dieses Video.

Zum Weiterlesen:

  • Dreklser & Balder: “Das ist doch alles Bullshit!” GWUP-Blog am 7. Juni 2008
  • Die Offene Gruppe der GWUP bei Facebook schließt: Claudia Preis über Brokkolinonnen und Verschwörungstheorien, GWUP-Blog am 10. August 2014
  • Geistiger Amoklauf der “Truther”, Chemtrails und das Ende von HAARP, GWUP-Blog am 17. Mai 2014
  • Strichcodes und Co.: Die Gefahren absurder Hysterien, GWUP-Blog am 10. Juni 2014
  • Verschwörungstheorien: Das Geschäft mit der Angst, Spiegel-Online am 22. Mai 2014
  • Wie sich Verschwörungstheorien auf Facebook verbreiten, Technology Review am 15. Mai 2014
  • Ebola-Epidemie? Best of Verschwörungstheorie, Psiram am 15. August 2014
  • Truther-Karaoke“: Eine szenische Darstellung von Verschwörungsgesumms, GWUP-Blog am 14. August 2014

Neu im Kino: „Lucy“ und der Zehn-Prozent-Mythos

Heute startet in den deutschen Kinos der Actionthriller “Lucy” mit Scarlett Johansson:


Direktlink zum Video auf Youtube

Es geht um eine junge Frau, die nach Applizierung einer experimentellen Droge zu einer Art Superheldin mutiert auch geistig:

Wissenschaftler sagen: Menschen nutzen nur 10 Prozent ihrer Hirnleistung. Würden wir nur irgendwie die restlichen 90 Prozent nutzbar machen können – die Möglichkeiten wären unbegrenzt”,

heißt es im Werbeslogan.

Da ist er also wieder, der altbekannte “Zehn-Prozent-Mythos”, auf den sich schon die Scientologen berufen haben (Skeptiker 1/2002).

“Lucy” (beziehungsweise die knusprige Hauptdarstellerin) mag ganz nett anzuschauen sein die Story ist natürlich pseudowissenschaftlicher Blödfug.

Darauf weisen ausnahmensweise sogar die großen Publikumsmedien hin, etwa Die Welt oder das Newsportal 20 Minuten oder N24.

Was ist mit der Aussage “Nur zehn Prozent des Gehirns werden genutzt” überhaupt gemeint, fragte Christoph Drösser schon 1997 in der Zeit.

Denn es bieten sich mehrere Interpretationen an:

Erstens: Zu jedem gegebenen Zeitpunkt ist nur jede zehnte Gehirnzelle aktiv.

Da kann man nur sagen: Gut, daß es nicht alle sind, denn das wäre gleichbedeutend mit einem epileptischen Anfall. Zweitens: Neunzig Prozent der Hirnzellen liegen nutzlos im Schädel herum und haben keine Funktion.

Auch das ist Unsinn.

Soweit die Wissenschaft es beurteilen kann, sind alle gesunden Zellen in irgendeiner Weise an den Prozessen im Gehirn beteiligt. Ein Indiz dafür ist, daß beim Ausfall einer Hirnfunktion, beim Verlust eines Auges zum Beispiel, die zuständigen Neuronen zugrunde gehen.

Eine dritte Interpretation: Wir nutzen nur einen Bruchteil unseres Erinnerungsvermögens, könnten uns also eigentlich viel mehr Dinge merken

Aber das Gehirn hat keine “Speicherzellen” wie ein Computer. Erinnerungen sind Muster, an denen viele Zellen beteiligt sind, und die Zahl dieser Muster ist unbegrenzt.

Niemand weiß, wieviel Information man dem Gedächtnis maximal eintrichtern kann.”

Moderne Untersuchungsmethoden wie die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) zeigen, dass sämtliche Hirnregionen aktiv sind – wenn auch nicht alle zur gleichen Zeit, genauso wenig wie wir sämtliche Muskeln unseres Körpers gleichzeitig anspannen können.

Richtig sei, dass …

… nur etwa zehn Prozent der 100 Milliarden Neuronen mit Denkprozessen beschäftigt sind“,

erklärt der Direktor des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung in Frankfurt, Professor Wolf Singer.

Doch die restlichen Nervenzellen liegen mitnichten brach, sondern steuern beispielsweise die vegetativen Funktionen.

Die Vorstellung, mehr Hirnaktivität sei gleichbedeutend mit „besserem“ oder überlegenem Denken, ist also Quatsch.

Zum Weiterlesen:

  • Was in Scarlett Johanssons neuem Film nicht stimmt, Welt-Online am 7. August 2014
  • Luc Bessons “Lucy” ist gut, aber Unsinn, 20 Minuten am 13. August 2014
  • Schluss mit dem 10-Prozent-Mythos! N24 am 21. Juli 2014
  • „Stimmt‘s“: Der Mensch nutzt nur zehn Prozent seiner Gehirnkapazität, Zeit-Online am 26. September 1997
  • Welcome to Your Brain: Der 10-Prozent-Mythos, Cicero am 9. März 2010
  • Mythos einer 10-Prozent-Nutzung des Gehirns bei Psiram
  • The Ten-Percent Myth, Skeptical Inquirer Volume 23.2, March/April 1999
  • Mythen der Alltagspsychologie II, Skeptiker 1/2014

Wissensbuch des Jahres 2014: jetzt abstimmen

Im vergangenen Jahr haben die Science Busters mit “Gedankenlesen durch Schneckenstreicheln” und Dr. Christian Weymayr mit “Die Homöopathie-Lüge” bei der Wahl zu den “Wissensbüchern des Jahres” reüssiert.

Auch 2014 sind bei dem Leserwettbewerb von bild der wissenschaft interessante Titel am Start, darunter die Werke von guten Bekannten.

Abstimmen kann man noch bis zum 20. August, und zwar hier.

Zum Weiterlesen:

  • Lebenslänglich hinter Gittern als Wissensbuch des Jahres nominiert, Alibri-News am 31. Juli 2014
  • Letzter Aufruf: Die Wahl zum “Wissensbuch des Jahres 2014“, Astrodicticum simplex am 12. August 2014
  • Rezension zu “Die Neuentdeckung des Himmels”, spektrum.de am 10. Mai 2014
  • Rezension zu “Die Pharma-Lüge”, spektrum.de am 8. Oktober 2013
  • Vorabdruck “Die Pharma-Lüge” in der Wirtschaftswoche vom 12. August 2013
  • Neu: “Die Pharma-Lüge”, GWUP-Blog am 6. August 2013
  • Wissensbücher des Jahres: Science Busters und die “Homöopathie-Lüge”, GWUP-Blog am 26. November 2013

Petition „Globuli ins Süßwarenregal“ und andere Beschwerdeformen

Drei kurze Updates in Sachen Homöopathie:

Der Text eignet sich auch als Vorlage, hier oder da oder anderswo selbst aktiv zu werden.

  • Aktiv geworden ist bereits der TV-Journalist Julian Aé, und zwar mit einer Beschwerde gegen die Internet-Werbung für das homöopathische Mittelchen Zappelin (“Wenn Zappelphilipp Hilfe braucht”).

Das Schreiben richtet sich an das Regierungspräsidium Stuttgart (zuständig für die Einhaltung des Heilmittelwerbegesetzes) und an den deutschen Konsumentenbund.

Darüber hinaus hat Aé einen Info-Text über “Zappelin” für die Webseite ADHS-Zentrum verfasst.

  • Nicht vollumfänglich ernst gemeint, aber in der Sache treffend und aus Gründen der Aufklärung unterstützenswert ist die Online-Petition “Homöopathische Mittel ins Süßwarenregal”.

Initiator ist der Guru und Meister der Sheng-Fui-Bewegung Lorenz Meyer.

Ein Auszug:

Eine Umgruppierung der Zuckerkügelchen ins Süßwarenregal mit entsprechender Kennzeichnung und Nährwertdeklaration sorgt für Transparenz beim Verbraucher und bekämpft wirksam Zivilisationserkrankungen wie Adipositas und Karies.”

Je mehr öffentliche Aufmerksamkeit auf den Wirrsinn der Homöopathie gelenkt wird, desto besser.

Zum Weiterlesen:

  • Offene Mail an eine homöopathische Apotheke, Ratgeber-News-Blog am 12. August 2014
  • Schwachfug aus der Apotheke, GWUP-Blog am 15. Dezember 2013
  • Kommt eine Frau in die Apotheke, Frischer Wind am 17. Juni 2014
  • Zauberzucker aus der Apotheke, GWUP-Blog am 23. November 2012
  • Globuli raus aus Apotheken, GWUP-Blog am 18. Juni 2014
  • FSMoPathische Arzneimittelprüfung: Aufruf an Laien! FSMoSophica am 11. August 2014




NEU: Skeptiker 3/2014

SKEPTIKER 3/2014