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Marion Kracht wirbt für Homöopathie – und Jenny McCarthy bleibt Impfgegnerin

Promis, die fragwürdige persönliche Ansichten zu Medizin und Gesundheit missionarisch hinausposaunen, sind kein rein amerikanisches Problem.

In der Online-Zeitschrift des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) ist vor vier Wochen ein selten peinliches Interview mit der Schauspielerin Marion Kracht erschienen.

Sicher, die wenigsten wissen, dass die nette Anekdote von dem Arzt, der früher “so lange bezahlt [wurde], wie man gesund blieb”, nur ein Mythos ist.

Oder dass es Placebo-Effekte auch bei Kindern und Tieren gibt.

Oder dass Homöopathen keineswegs “ganzheitlich” behandeln, sondern lediglich auf die Symptome einer Erkrankung zielen.

Allerdings geben die meisten auch keine Interviews, bei denen sie im Brustton der Überzeugung Schwachfug erzählen.

Krachts Antworten lesen sich so, als würde sie einfach das “Homöopathie-Bullshit-Bingo” Feld für Feld abarbeiten.

Dass solche verbalen Fehlgriffe von Schauspielern, Sportlern, Models und Co. durchaus üble Folgen haben können, sehen wir zum Beispiel in den USA, wo Jenny McCarthy die MMR-Impfung massiv in Verruf gebracht hat.

Kaum zu glauben war daher eine Meldung, die Anfang Januar umging, und nach der das Ex-Playmate langsam von ihrem Trip herunter komme, da ihr Sohn möglicherweise gar nicht wirklich an Autismus leide.

Erwarungsgemäß stellte sich das Ganze schnell als Ente heraus.

Das Klatsch-Portal Radar Online hatte lediglich ein drei Jahre altes Time-Interview mit Jenny McCarthy verkürzt und sinnentstellt aufgewärmt.

Mittlerweile hat die Impfgegnerin den Artikel mit dem ihr eigenen Furor als “blatantly inaccurate and completely ridiculous” zurückgewiesen.

Somit bleibt Jenny McCarthy “a public health menace” – und ist noch stolz darauf.

Verweisen wir daher zum Abschluss auf dieses Video (via Astrodicticum simplex):


Direktlink zum Video auf Youtube

Zum Weiterlesen:

  • Jenny McCarthy: A health menace that needs to do penance, Doubtful News am 4. Januar 2014
  • Jenny McCarthy: Rumors that my son does not have autism are “blatantly inaccurate and completely ridiculous”, salon.com am 5. Januar 2014
  • Medizin: Wenn C-Promis die “Experten” spielen, GWUP-Blog am 1. November 2013
  • Mythen der Traditionellen Chinesischen Medizin, GWUP-Blog am 20. Juni 2012
  • Homöopathie bei Kindern und Tieren, GWUP-Blog am 5. März 2010
  • Homöopathie, “Ganzheitlichkeit” und die sprechende Medizin, GWUP-Blog am 20. April 2013
  • Mit Witz und Betroffenheit gegen aggressive Impfgegner, GWUP-Blog am 11. August 2013
  • Video: Impfungen und Autismus, Astrodicticum simplex am 5. November 2013

Positive und negative Aspekte von Verschwörungstheorien

Im Tagesspiegel ist an diesem Wochenende ein Interview erschienen, das an eine Diskussion anknüpft, die wir vor kurzem hier geführt haben.

Es geht um Verschwörungstheorien und dabei auch um die Frage, ob diese schaden können.

Dazu erklärt der Psychologe Dr. Viren Swami von der University of Westminster in London:

Sind Verschwörungstheorien gefährlich?

Manche Forscher sagen, dass sie sogar einen positiven Einfluss haben können, weil das ständige Hinterfragen einer offiziellen Version die Regierung zu mehr Transparenz zwingt. Aber Verschwörungstheorien können auch dazu dienen, sexistische oder rassistische Denkweisen zu rechtfertigen.

Und sie können das Verhalten von Menschen negativ beeinflussen. Zum Beispiel haben Menschen, die glauben, dass es sich bei Aids um eine Verschwörung handelt, eine geringere Wahrscheinlichkeit, sich beim Sex zu schützen.”

Gibt es Möglichkeiten, den Glauben an solche Theorien zu bekämpfen?

Wir haben dazu ein Experiment gemacht und Menschen Bilder von der Mondlandung gezeigt. Einige erhielten dazu die Verschwörungstheorie und andere die Verschwörungstheorie plus die Gegenbeweise. Das hat tatsächlich funktioniert: Menschen, die bereits an die Verschwörung glauben, überzeugen Sie damit nicht.

Aber wenn die Menschen unvoreingenommen sind, dann führen die Gegenbeweise dazu, dass sie eher nicht an die Verschwörung glauben.”

Im redaktionellen Beitrag zu dem Interview heißt es:

Verschwörungstheorien dienen vorrangig dazu, Wissenslücken zu schließen, die bei Ereignissen, die für den unbeteiligten Einzelnen nicht überschau- und überprüfbar sind, zwangsläufig entstehen.

Wer kann schon beurteilen, wer hinter dem Attentat auf John F. Kennedy steckt, ob die Mondlandung wirklich stattgefunden hat oder Elvis Presley 1977 infolge eines Herzversagens starb? Das Leben in einer hoch vernetzten Welt bringt mit sich, dass wir vieles durch die Medien erfahren, was sich unserem unmittelbaren Einfluss und Beurteilungsvermögen entzieht.

Fehlen entscheidende, plausible Informationen, suchen wir unwillkürlich nach ihnen – und wenn die Wirklichkeit sie nicht liefern kann, muss eben die Fantasie herhalten und sie gegebenenfalls ersetzen.”

Zum Weiterlesen:

  • Warum Menschen an Verschwörungstheorien glauben, Tagesspiegel am 11. Januar 2014
  • Interview: “Verschwörungstheorien können Menschen schaden”, Tagesspiegel am 10. Januar 2014
  • Das kann doch nicht wahr sein, Tagesspiegel am 29. November 2013
  • Ursprung der Verschwörungstheorie, derfreitag am 16. März 2013

Schumacher-Unfall: Nach den Astrologen jetzt die Geistheiler

Dass mediengeile Astrologen aus dem Skiunfall von Michael Schumacher ihren Honig saugen würde, war absehbar – der Wahrsagerchecks-Blog hat darüber berichtet.

Ungleich überraschender ist, dass auch ein zweifach promovierter Mediziner und ehemaliger Arzt für Chirotherapie und Sportmedizin das Unglück des Formel-1-Stars für sein esoterisches Eigenmarketing missbraucht.

Ein Blog-Leser hat uns auf diesen Artikel in der Zeitung Der neue Tag (Weiden in der Oberfalz) aufmerksam gemacht:

Hilfe für Schumacher mit Fernheilung.”

Die Vollversion steht nur in der gedruckten Ausgabe zu lesen.

Der Herr Dr. Dr. Krüll will also …

… mit Energetischer Fernheilung aus Marathonläufen heraus Energie auf Kranke übertragen und ihnen so bei der Genesung zur Seite stehen”,

kolportiert das Weidener Lokalblättchen allen Ernstes – und hält das erklärtermaßen auch noch für ein “medizinisch umstrittenes, aber durchaus interessantes Terrain”.

Im Weiteren erfährt der Leser, dass der Herr Doktor “ein Hotel und ein Restaurant” in der Gegend betreibt, weswegen er vermutlich als lokale Größe und potenzieller Anzeigenkunde gilt und deshalb auch mit der idiotischsten Luftnummer in die Zeitung kommt.

Immerhin rafft sich die Redaktion zu einem kurzen Kommentar über “Die Kraft der Gedanken” auf, der einen Hauch von Kritik an des Doktors Tun suggeriert, aber so verquast-freundlich daherkommt, dass man vollends ratlos zurückbleibt, was Krüll und den Neuen Tag eigentlich umtreibt?

Schlussendlich wissen wir wieder einmal nicht, was schlimmer ist: ein studierter Mediziner auf esoterischem Ego-Trip oder eine Tageszeitung, die auch den größten Humbug mit einem Dreispalter adelt.

Zum Weiterlesen:

  • Hilfe für Schumacher mit Fernheilung, oberpfalznetz am 11. Januar 2014
  • Wenn die Leichenfledderer aus dem Schatten springen: Schumi und die Sterne, Wahrsagerchecks-Blog am 31. Dezember 2013
  • Schumis Unfall und die Sterne, Wahrsagerchecks-Blog am 7. Januar 2014
  • Der Geistheilertest der GWUP-Regionalgruppe Wien, Skeptiker 2/2005
  • Harter Test für sanfte Heiler, ZEIT Wissenam 11. Januar 2006
  • Aurachirurgen und Geistheiler retten das Gesundheitssystem, dieausrufer am 2. September 2012

Homöopathie, Scientabilität und “die Suche nach dem Nichts” in der Süddeutschen

Drei Tage nach der FAZ greift auch die Süddeutsche Zeitung das Thema “Scientabilität” auf.

Der Artikel “Auf der Suche nach dem Nichts” beschreibt zunächst die Homöopathie erfreulich nüchtern:

Aus Sicht der empirischen Wissenschaft muss man nicht länger erforschen, ob die Homöopathie funktioniert. Die Sachlage ist mittlerweile eigentlich klar: Die Zuckerkügelchen haben mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine spezifische Wirkung auf den Organismus.

Das postulierte Wirkprinzip widerspricht den bekannten Naturgesetzen, eine andere Erklärung ist nicht in Sicht.”

Das von Dr. Christian Weymayr (“Die Homöopathie-Lüge”) vertretene “Scientabilitäts”-Konzept dagegen kann der SZ-Redakteur Christian Weber zwar nachvollziehen:

Man überprüft ja auch nicht, ob Schweine aus eigener Kraft zum Mond fliegen können – obwohl das streng wissenschaftstheoretisch nicht unbedingt auszuschließen wäre.”

Dennoch sieht er das Ganze eher kritisch:

Nachdem die Forschungsfreiheit in Deutschland aus gutem Grund Verfassungsrang hat, ist nicht zu erwarten, dass sich irgendein interessierter Forscher entsprechende Studien verbieten lassen wird [...]

Die Forderung, Homöopathie nicht mehr nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin zu überprüfen, ist ein Schuss, der leicht nach hinten losgehen könnte.

Nachdem die Schulmediziner jahrelang wissenschaftlich harte Belege von den Homöopathen gefordert haben, soll man die Diskussion ausgerechnet dann einstellen, wenn diese mit den ersten einigermaßen brauchbaren Studien aufwarten?

So kann man Verschwörungstheoretiker glücklich machen, die ohnehin schon glauben, dass Schulmediziner und Pharmaindustrie eine angeblich sanfte und ganzheitliche Medizin verhindern wollen.”

Das ist gewiss nicht von der Hand zu weisen.

Im aktuellen Skeptiker (4/2013) nimmt Weymayr indes genau zu dieser Frage Stellung:

Das Konzept bedeutet nicht, dass nicht-scientable Maßnahmen nicht erforscht werden sollten. Sie sollen erforscht werden, da auch sichere Erkenntnisse nicht für immer sicher bleiben müssen.

Allerdings muss die Aussagekraft der Untersuchung ausreichend sein, um die sicheren Erkenntnisse ernsthaft erschüttern zu können.

So wie eine Fotografie die Existenz von Einhörnern nicht belegen oder widerlegen kann, ein Fernrohr kein Leben auf den anderen Planeten unseres Sonnensystems entdecken oder ausschließen kann, und eine Stoppuhr keine Überschreitung der Lichtgeschwindigkeit messen kann, so wenig ist eine klinische Studie in der Lage, eine Wirkung homöopathischer Arzneien nachzuweisen oder zu widerlegen.”

Das trifft nicht zuletzt auch auf die Berner ADHS-Studie zu, die von Homöopathie-Anhängern immer wieder als methodisch einwandfrei und beweiskräftig angeführt wird, zuletzt etwa von Cornelia Bajic vom Deutschen Zentralverein homöopatischer Ärzte in einem Focus-Gespräch und sogar von der Pressestelle der Universität München:

Selbst die vermeintlich hochwertigen Arbeiten werden von Kritikern auseinandergenommen”,

schreibt die Süddeutsche dazu.

Stimmt.

Zum Beispiel von Dr. Norbert Aust in seinem Blog Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie.

Und in einem weiteren Punkt kann der SZ-Redakteur den Skeptikern vorbehaltlos zustimmen:

Sinnvoll ist [...] die Forderung, dass Universitäten nicht länger ihren guten Namen mit der Einrichtung dubioser komplementärmedizinischer Lehrstühle und Studiengänge beschädigen sollten. Leider ist derzeit eher das Gegenteil der Fall. An vielen medizinischen Fakultäten blüht die vermeintliche Alternativmedizin.”

Zum Weiterlesen:

Interview zu dem Interviewbuch mit Axel Stoll

Ich habe keine Ahnung, wer oder was Petty News ist (und aus der seltsamen Webseite geht das auch nicht weiter hervor) – aber jedenfalls haben “Petty News” ein Video-Interview mit Alexa und Alexander von Hoaxilla gemacht:


Direktlink zum Video auf Youtube

Es geht darin um Skeptizismus, primär aber um das Interviewbuch mit Axel Stoll, das die beiden zusammen mit Sebastian Bartoschek geschrieben haben.

Zum Weiterlesen:

  • Alexa Waschkau/Alexander Waschkau/Sebastian Bartoschek: “Muss man wissen”. JMB-Verlag, Hannover 2013
  • Buchpremiere: Axel Stoll – kranke braune Esoterik? GWUP-Blog am 3. Dezember 2013
  • Die “Reichsbürger” und der fehlende Friedensvertrag, GWUP-Blog am 4. Januar 2014

Mutierter Fukushima-Krake in Kalifornien angespült?

Die Szenerie gleicht dem Aushangfoto eines alten Godzilla-Films aus den 1970er-Jahren:

Eine Menschenmenge steht um einen monströsen Riesenkraken herum, die am Strand angespült worden ist.

Doch angeblich ist das Foto echt, das sich derzeit im Internet verbreitet.

Es soll einen gigantischen Kadaver am Strand von Santa Monica/Kalifornien zeigen. Pikant: Das Tier sei aufgrund der Atom-Katastrophe von Fukushima ins Riesenhafte mutiert.

Sehr skurril”,

findet das n24.de, allerdings mit der Nachbemerkung:

Zu skurril!”

Stimmt.

Die beiden großen amerikanischen Mythen-Portale urbanlegends.about und snopes haben die Story gestern bereits als Hoax entlarvt.

Auch n24.de schreibt heute, dass das Ganze auf eine Jux-Meldung des satirischen Online-Portals The Lightly Braised Turnip zurück geht.

Apropos Godzilla: Das berühmte Filmmonster war ein “Kind der Atombombe”, der erste Godzilla-Film von 1954 eine Reaktion auf die Angst vor der atomaren Gefahr.

Vermutlich ist es kein Zufall, dass drei Jahre nach Fukushima ein neuer Godzilla-Film in die Kinos kommt:


Direktlink zum Video auf Youtube

Bundesstart ist der 15. Mai.

An diesem Abend wird es bei den Augsburger Skeptikern einen Vortrag “60 Jahre Godzilla” geben.

Zum Weiterlesen:

  • Second Giant Sea Creature Washes Ashore Along Santa Monica Coastline – Alarms Sound Over Radioactive Gigantism, The Lightly Braised Turnip am 10. Januar 2014
  • Giant Squid Found in California? urbanlegends.about am 9. Januar 2014
  • Gigantic Squid? snopes.com am 9. Januar 2014
  • Das Rätsel um den verstrahlten Riesen-Tintenfisch, Welt-Online am 10. Januar 2014
  • Riesiger Tintenfisch sorgt für Aufregung, n24.de am 10. Januar 2014
  • Stimmt es, dass Riesenkraken Schiffe angreifen? GWUP-Blog am 8. Januar 2013
  • Monster aus dem Meer, Die Zeit am 17. März 2011
  • Riesenkalmare – Wahre Ungeheuer, Tagesspiegel am 17. Januar 2014

“Tatortreiniger” vs. Schamane

Gleich zum Auftakt der neuen “Tatortreiniger”-Folgen gab’s gestern Abend was ganz Skurriles, nämlich einen “Auftrag aus dem Jenseits”:

Ein Obdachloser wird tot in einem leer stehenden Haus aufgefunden. Schotty bekommt den Auftrag, die Immobilie für den Verkauf zu säubern. Dabei stößt er auf eine in Tierfell gewandete Gestalt, die dort offensichtlich magische Riten vollzieht. Es stellt sich heraus, dass auch der Schamane mit der Reinigung des Ortes beauftragt worden ist, allerdings auf spirituelle Art und Weise.”

Zum Video geht es hier.

Zum Weiterlesen:

Erdbebenlichter: Case Closed oder neue Pseudo-Theorie?

Es könnte einer der ganz seltenen Fälle sein, da sich ein “Para-Phänomen” letztes Endes als real herausstellt.

Kanadische Forscher wollen nämlich herausgefunden haben, was “Erdbebenlichter” sind, schreiben ufo-information, grenzwissenschaft-aktuell und Spiegel-Online:

Immer wieder berichteten Menschen von Lichtphänomenen im direkten Zusammenhang mit Erdbeben. Manch UFO-Forscher schloss daraus ein Interesse außerirdischer Wesen an der Erdgeologie. Andere wiederum behaupten seit Jahren, dass diese Ufos bzw. Lichtphänomene die Erdbeben sogar auslösen würden. Eine gezielte Beeinflussung der Erdgeologie durch außerirdische Intelligenzen? [...]

Wissenschaftler sowie Laien haben bereits mit verschiedenen Theorien versucht, die Lichtphänomene zu erklären. Am populärsten sind jene Hypothesen, die etwa davon ausgehen, dass durch die tektonische Bewegung von quarzhaltigem Gestein ein sogenannter pizoelektrisches Feld erzeugt wird, aus dem sich u.a. Lichtblitze lösen können.

Andere vermuten im tektonischen Stress einen zeitweiligen Auslöser elektromagnetischer Energie, durch den Veränderungen in der magnetischen Ladung der Ionosphäre erzeugt werden und sich entsprechend manifestieren. [...]

Das Team um Robert Thériault vom Ministerium für natürliche Ressourcen der kanadischen Provinz Québec werteten 65 Fälle von Erdbebenlichtern seit dem Jahr 1600 aus, die besonders gut belegt sind. Für eine wichtige Voraussetzung des Phänomens halten die Forscher tiefe, steilstehende Verwerfungen. Diese gingen mit 97 Prozent der ausgewerteten Lichter einher. [...]

Die Vermutung der Wissenschaftler: Unter großer mechanischer Spannung baut sich elektrische Ladung auf und steigt entlang dieser steilen Brüche an die Oberfläche, wo sie Luftmoleküle auflädt. An Subduktionszonen, wo Kontinentalplatten untereinander abtauchen, passiere dies dagegen nicht, offenbar weil die Verwerfungen nicht steil genug seien.”

Die Originalarbeit ist zum Jahreswechsel in den Seismological Research Letters erschienen.

Als einer der Ko-Autoren zeichnet John S. Derr.

Derselbe John S. Derr, über den der US-Skeptiker und Publizist Robert Sheaffer schon 1992 in seinem Buch “Psychic Vibrations” schrieb, dass der Seismologe lediglich ein Fan des kanadischen Neurowissenschaftlers Michael Persinger sei und dessen Tectonic Strain Theory (TST) nachbete.

Persinger geht davon aus, dass Aktivitäten im geomagnetischen Feld der Erde der Schlüssel zu einer Vielzahl paranormaler Erfahrungen sind, darunter auch Ufo-Sichtungen und “postmortale Erscheinungen” wie Geister.

More than twenty years have passed since this claim was made, and yet the proof still eludes us”,

stellt Sheaffer in einem aktuellen Artikel für seinen Blog Bad UFOs fest.

Entsprechend skeptisch sieht Sheaffer auch die neue “Erdbebenlichter”-Theorie.

Seiner Auffassung nach ist die Existenz dieses Phänomens weiterhin unbelegt.

Ein angebliches Beweisfoto, das auch bei Spiegel-Online und andernorts veröffentlicht worden ist, hat Sheaffer sich genau angesehen:

I changed the contrast & brightness on that photo (no photoshopping). That bottom light is in front of the trees! Oops. Also we picked up two more small lights on the right. I don’t know what these little orbs are, but they sure as hell are not earthquake lights!”

Auch andere Aufnahmen von “Erdbebenlichtern” seien Fälschungen oder zeigten zum Beispiel irisierende Wolken:

I am not saying that it is impossible there could be such a thing as “earthquake lights.”

What I am saying is that I have not seen any convincing proof that such things exist. I am aware that there exist copious anecdotal accounts of earthquake lights. I am also aware that there exist copious anecdotal accounts of supposed extraterrestrial spacecraft, angels, Bigfoot, etc.

Until solid evidence is presented, I will regard all of the above alleged phenomena as highly dubious.”

Sicher kein weltbewegendes Thema, aber spannend genug, um mit Sharon Hill (Doubtful News) zu schließen:

I am so excited for more research in this area.”

Zum Weiterlesen:

  • Skeptics and Claims of “Earthquake Lights”, Bad UFOs am 7. Januar 2014
  • Prevalence of Earthquake Lights Associated with Rift Environments, Seismological Research Letters, January/February 2014
  • Erdbebenlichter: Forscher stellen neue Theorie vor, ufo-information.de am 6. Januar 2014
  • Geologen wollen einige Rätsel um Erdbebenlichter gelöst haben, grenzwissenschaft-aktuell am 4. Januar 2014
  • Mysteriöses Leuchten: Neue Theorie erklärt Erdbebenlichter, Spiegel-Online am 6. Januar 2014
  • Earthquake lights linked to rift zones, Nature am 2. Januar 2014
  • Scientists find records of rare ‘earthquake lights’, USA Today am 2. Januar 2014
  • New paper on earthquake lights show they are a reality, Doubtful News am 2. Januar 2014
  • Das Geheimnis der Erdbebenlichter, Geschichte der Geologie am 3. Januar 2014

Darüber lachen und vergessen? Homöopathie und Scientabilität

Die FAZ greift heute das “Forum”-Thema des aktuellen Skeptiker auf.

In dem Beitrag

Ein Ritterschlag für Quacksalber?”

referiert die Autorin Martina Lenzen-Schulte einen Artikel von Dr. Christian Weymayr in der Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen (ZEFQ Bd. 107, S. 606).

Weymayr stellt in der ZEFQ sein Konzept der “Scientabilität” vor, über das wir hier berichtet haben.

Dabei geht es um die Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, derzeit übliche Nachweismethoden der Evidenz-basierten Medizin auf die Homöopathie anzuwenden.

SkepKon-Referent Weymayr (Ko-Autor von “Die Homöopathie-Lüge”) warnt ausdrücklich davor, mit einer fehleranfälligen Methode wie placebokontrollierten Studien an das Nonsens-Verfahren heranzugehen:

Während die These, dass geistartige immaterielle Wirkkräfte nicht existieren und homöopathische Arzneien deshalb nicht wirken können, als maximal gesichert gelten darf”,

sei die Unsicherheit der klinischen Prüfmethoden bekannt:

Ich folgere daraus, dass klinische Studien zur Wirksamkeit homöopathischer Arzneien irrelevant sind und deshalb die mitunter heftig geführten Diskussionen über die Ergebnisse einzelner klinischer Studien und Reviews hinfällig sind.”

Weymayr schlägt stattdessen das Prinzip der “Scientabilität” vor, das die FAZ-Autorin so umschreibt:

Es besagt, dass medizinische Maßnahmen, also auch Medikamente, nur dann untersucht werden sollten, wenn sie sicheren Erkenntnissen nicht widersprechen. Weniger wissenschaftlich ausgedrückt würde das heißen, man solle nicht wissenschaftlichen Unsinn durch Methoden adeln, die ihrerseits nicht sicher davor gefeit sind, dem Unsinn Bedeutung zuzusprechen.”

Diese Debatte um “Scientabilität” ist keineswegs eine rein intellektuelle Gedankenspielerei, sondern zielt ins Herz der Homöopathie-Kontroverse.

Denn die homöopathischen Lobbyverbände haben die Bedeutung klinischer Studien für ihr Marketing längst erkannt und erklären öffentlich, dass Studien “einen essentiellen Beitrag zur politischen Akzeptanz der Homöopathie” leisten.

Auch der Skeptiker (4/2013) widmet sich dieser Diskussion.

Dr. Christian Weymayr, Prof. Jürgen Windeler (IQWiG), GWUP-Vorsitzender Amardeo Sarma und Dr. Martin Mahner vom Zentrum für Wissenschaft und kritisches Denken der GWUP legen jeweils ihre Auffassung dazu dar, ob paranormale medizinische Behauptungen weiter geprüft werden sollen und in welchem Umfang eine solche Prüfung sinnvoll ist:

Erlangen wir neue Erkenntnisse, indem wir jeder noch so unplausiblen Theorie einen aufwändigen Test widmen?”,

heißt es in der Einleitung.

Weymayr geht in seinem Aufsatz “Soll man Homöopathika an Patienten untersuchen? Nein.” auf verschiedene Einwände gegen sein “Scientabilitäts”-Konzept ein, zum Beispiel

Homöopathen würden argumentieren, die “Schulmedizin” fürchte die Homöopathie und würde deshalb klinische Studien unterbinden.”

Weymayrs Antwort:

Solche Argumente würden sicherlich kommen und sie würden vielen Menschen auch einleuchten. Dadurch würde ein Schaden entstehen, den ich jedoch für geringer halte als den latenten Vertrauensverlust in die Wissenschaft durch die seit Jahren anhaltende Diskussion über klinische Studien.”

Windeler begrüßt in weiten Teilen das “Scientabilitäts”-Konzept und legt ausführlich dar, wie sein vielzitiertes Bonmot zur Homöopathie beim World Skeptics Congress 2012 in Berlin (“Let us laugh at it, let us ignore it, do not study it”) genau zu verstehen ist:

Aus Sicht einer Evidenz-basierten Medizin bestehen gute Gründe, die Bücher über Verfahren dann zu schließen, wenn die Erkentnisse ausreichend klar sind:

Wenn Verfahren also erstens nicht mit den überall um uns herum als gültig erlebten Naturgesetzen kompatibel sind (was alleine ausreichen kann) und zweitens nicht ihre Wirksamkeit in Studien zeigen konnten (was ebenfalls alleine ausreichen kann), sollte die weitere Überprüfung eingestellt werden.”

Sarma stellt heraus, dass die in jeder Hinsicht unmöglichen Grundprinzipien der Homöopathie gar nicht erst getestet, sondern von den Proponenten stillschweigend vorausgesetzt werden:

Homöopathische Tests betreffen lediglich einzelne Mittel, deren Wirkung aufgrund der Grundprinzipien angenommen wird. Doch wenn diese Prämissen nicht stimmen, besitzen die Testergebnisse keinerlei Aussagekraft bezüglich der Validität der Homöopathie selbst.”

Damit pflichtet der GWUP-Vorsitzende Weymayr bei, der bereits in einem Skeptiker-Interview gefordert hatte:

 Die Kontroverse müsste bei den irrationalen Grundlagen der Homöopathie ansetzen.

Experimente müssten aussagekräftig genug sein, um die gesicherten Erkenntnisse der Naturwissenschaften widerlegen zu können. Man könnte also fordern: Versuche müssten erst einmal beweisen, dass beim Verreiben und Verschütteln geistartige Kräfte freigesetzt werden.

Erst wenn die Scientabilität feststeht, können wir über klinische Studien zur Wirksamkeit des Verfahrens reden.”

Auch Sarma schreibt in seinem aktuellen Beitrag:

Bevor wir uns daran machen, Homöopathika über RCTs zu prüfen, wäre es zunächst Aufgabe der Forschung, die Stichhaltigkeit der drei Grundprinzipien der Homöopathie durch direkte Prüfung zu belegen.”

Mahner kommt ebenfalls zu dem Schluss, die Homöopathie sei “testunwürdig”:

Die Homöopathie ist 200 Jahre alt und hatte genug Chancen, sich zu beweisen. Sie ist aber vielfach gescheitert und auch aus diesem Grund inzwischen als testunwürdig anzusehen.”

Zugleich weist er auf die offenkundige Hauptfunktion homöopathischer Studien hin – nämlich den damit verbundenen Werbeeffekt:

Freilich benötigen die Homöopathen die Tests nicht zum Nachweis der aus ihrer Sicht ohnehin wahren Theorie, sondern eher zu Propagandazwecken. Selbst Studien mit negativem Ergebnis sind dazu noch hilfreich, denn man kann so den Eidnruck erwecken, dass man im Wissenschaftsbetrieb mitspielt und ernst zu nehmen ist.”

Dem Einhalt zu gebieten, heißt freilich auch, die …

… methodischen Grenzen Evidenz-basierter Methoden offen anzusprechen”,

schließt die FAZ heute ihren Artikel zum Thema “Scientabilität”.

Das ist gewiss richtig.

Allerdings ist längst geklärt, dass die Grenzen Evidenz-basierter Methoden eben kein Schlupfloch für die Homöopathie lassen (im Sinne der homöopathischen Standard-Phrase “Wir brauchen mehr Forschung”), sondern positive Homöopathie-Studien lediglich auf Fehler der Methodik hinweisen, in etwa so …

… wie der Wassertest bei einem Fahrradschlauch: Wo Blasen aufsteigen, ist das Loch. Diese Fehler zu erkennen, könnte die EbM voranbringen”,

schreiben Weymayr/Heißmann in der “Homöopathie-Lüge”.

Das Einzelheft Skeptiker 4/2013 mit dem Forumsthema “Scientabilität” kann hier angefordert werden.

Und dazu passend:

Auch bei Spiegel-Online ging es heute um die Qualität der medizinischen Forschung:

  • Gerd Antes: “Wir stümpern, wo Wissen entstehen sollte.”
  • Wissenschaftselite beklagt zu viel Forschungsmüll

Zum Weiterlesen:

  • Ein Ritterschlag für Quacksalber? Frankfurter Allgemeine Zeitung am 8. Januar 2014
  • Sind Homöopathie-Studien irrelevant oder Was bedeutet “Scientabilität”? GWUP-Blog am 19. Juni 2013
  • Homöopthie: Brauchen wir “mehr Forschung”? GWUP-Blog am 8. August 2010
  • SkepKon 2013: “Die Homöopathie-Lüge” oder Wie wirksam ist ein Buch? GWUP-Blog am 18. Mai 2013
  • “Die Homöopathie-Lüge” – ein Interview (Teil 1), GWUP-Blog am 23. Dezember 2012
  • “Die Homöopathie-Lüge” – ein Interview (Teil 2), GWUP-Blog am 23. Dezember 2012
  • “Scientabilität”, Hoaxilla-Podcast Nr. 129 vom 30. Juni 2013
  • Herr Dr. Weymayr: Scientabilität – tut das weh? Ruhrbarone am 25. Juli 2013
  • Scientabilität – eine Gegenrede, Sebastian-Bartoschek-Blog am 12. Juni 2013
  • Scientabilität – Kritik einer Gegenrede, Nachdenken bitte am 19. Juni 2013
  • Homöopathische Arzneimittelprüfung: scheinbare Wissenschaft, Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie am 7. Januar 2014
  • Homöopathie, Scientabilität, Frollein Doktor und die Belege, GWUP-Blog am 15. Januar 2014

Der Blick des Drachen – eine Wahrnehmungstäuschung

Richtig unheimlich:

Allein geht man in der düster ausgeleuchteten Galerie eines kleinen Museums umher – und bei jedem Schritt scheinen die aus den Gemälden herausgeworfenen Blicke der dargestellten Personen einem zu folgen. Fast wie in den alten Edgar-Wallace-Filmen, wo Klaus Kinski seine Opfer durch ein ausgeschnittenes Loch in den Augen eines alten Porträts an der Wand beobachtet.

Mit diesem Phänomen hat sich vor zehn Jahren ein amerikanisch-niederländisches Psychologenteam beschäftigt.

Jetzt beschreibt Phil Plait von Bad Astronomy eine ähnliche “Brain Melting Illusion”:

The Dragon That Follows Your Gaze.”

Ausgangspunkt war dieses Video:


Direktlink zum Video auf Youtube

Mit einem eigenen Video erklärt Plait den Effekt:


Direktlink zum Video auf Youtube

Der Drache verweist übrigens auf den bedeutenden Wissenschaftsjournalisten und Skeptiker Martin Gardner, dessen Biografie gerade in der New York Times rezensiert worden ist.

Zum Weiterlesen:

  • Another Brain-Melting Illusion: The Dragon That Follows Your Gaze, Bad Astronomy am 29. Dezember 2013
  • Warum manche Portraits den Betrachter immer anschauen, Bild der Wissenschaft am 22. September 2004
  • The Brainteaser, New York Times am 3. Januar 2014
  • A Mind at Play: An Interview with Martin Gardner, Skeptical Inquirer Volume 22.2, March/April 1998
  • Martin Gardner Papers, CFI am 31. Dezember 2013




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