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Professor Hermann ist tot

Die GWUP trauert um Wissenschaftsratsmitglied Prof. Martin Hermann.

Wie der Praxishomepage zu entnehmen ist, starb der Mediziner in der Nacht zum 15. Mai völlig unerwartet an einem Herzinfarkt.

Menschlich wie fachlich ist dies ein unersetzlicher Verlust.

Noch bei den letzten beiden “Spirituellen Sonntagen” in Essen hatte Martin Hermann referiert, etwa zum Thema “Wer heilt hat recht, oder?“:


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Vor sechs Wochen diskutierte er über “Spirituelle Dienstleister – Wer sind die Wucherer?”:


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Einen ausführlichen Nachruf lesen Sie im nächsten Skeptiker.

Der GWUP-Wissenschaftsrat hat heute diese Erklärung veröffentlicht:

Der Wissenschaftsrat trauert um sein Mitglied Professor Dr. Martin Hermann, der in der Nacht zum 15.5.2014 unerwartet verstorben ist.

Martin Hermann war Facharzt für Allgemeinmedizin mit einer Praxis in Wuppertal und Honorarprofessor am Institut für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Essen. In seiner Freizeit engagierte er sich in der Regionalgruppe Rhein/Ruhr der GWUP und als Mitglied des Wissenschaftsrats. Ferner begleitete er die PSI-Tests der GWUP und wurde dort als konstruktiver Berater hoch geschätzt.

Martin Hermanns besonderes Interesse galt den Naturheilverfahren und der kritischen Auseinandersetzung damit. Seinen Standpunkt dazu hat er zahlreichen Zuhörern und Zuhörerinnen in diverses Vorträgen bei den Rhein-Ruhr Skeptikern hochkompetent und mit großem Engagement verdeutlicht.

Seine jüngsten Aktivitäten bestanden in der Übersetzung eines Artikels zur Homöopathie von E. Ernst für den Skeptiker sowie einem Beitrag für einen alternativmedizinkritischen Sammelband, in dem er überzeugend darlegte, dass, wer heilt, oft auch Unrecht hat.

Neuer “Reichsbürger”-Wahn: Die Vier-Cent-Briefe

Über die “Reichsbürger” und ihre seltsamen Ansichten, etwa zu Ufos oder Chemtrails, haben wir schon öfter berichtet.

Auch über den angeblich fehlenden Friedensvertrag, weswegen hierzulande immer noch Kriegszustand sei.

Und da Blödheit wohl grenzenlos ist, haben die Reichis jetzt einen neuen Dreh gefunden, mit dem sie beweisen wollen, dass “wir Deutsche Kriegsgefangene sind”:

69 Jahre nach Kriegsende ist Deutchland noch besetzt und hat keinen Friedensvertrag.Frau Merkel interessiert das nicht, sie ist ja nur die chefin der Gmbh Bundesrepublik Deutschland.”

Offiziell “abgesegnet” werde dieses Orthografie-befreite Statement “durch die Deutsche Post”.

Wie das?

Ganz einfach (zuvor sollte man allerdings genügend Abstand zwischen Kopf und Tischplatte bringen):

Auf einer Facebook-Seite zeigen die Jungs einen Brief, der lediglich mit vier Cent frankiert ist und der dennoch ordnungsgemäß befördert und dem Empfänger zugestellt worden ist.

Im Kaiserreich kostete dereinst ein Brief fünf Pfennig Porto, ergo … gelten die Gesetze aus dem Kaiserreich noch immer und es existiert gar keine Bundesrepublik Deutschland.

Dass das Ganze dem völligen Hirnfraß nahe kommt, darauf haben auf der besagten Facebook-Seite schon der eine oder andere Postzusteller und bei der Offenen Facebook-Gruppe der GWUP auch andere Kommentatoren hingewiesen, zum Beispiel:

Also ich habe in den 90ern und auch zu Beginn des neuen Jahrtausends Postkarten in der BRD verschickt, auf denen entweder eine BRAVO Briefmarke drauf war, oder ich hab einfach Zacken draufgemalt. Die mit den BRAVO Briefmarken kamen zu über 90 Prozent an, die mit gemalten Zacken zu ca. 80 Prozent.”

Der “Reichsbürger”-Watchblog ironleafs hat die Pressestelle der Deutschen Post um eine Stellungnahme gebeten und zieht folgendes Fazit:

Der Beweis der Reichsdeppen ist also kein Beweis. Er beweist höchstens, dass den Postbediensteten das Erheben das Nachportos zu mühsam ist und, dass solche Briefe, da sie nur vereinzelt auftauchen, trotzdem befördert werden.

Sollten die Staatsleugner jetzt dazu übergehen, diese Methode massenhaft anzuwenden (was mangels Masse an Staatsleugnern eher unwahrscheinlich ist), wird die Masche ziemlich schnell nicht mehr funktionieren.”

Zum Weiterlesen:

  • Die Reichsdeppen und das Briefporto, ironleafs am 13. Mai 2014
  • Der Berliner Ufo-Akten-Prozess und die Reichsdeppen, GWUP-Blog am 9. November 2013
  • Reichsbürger und Chemtrails, GWUP-Blog am 1. September 2013
  • Die “Reichsbürger” und der fehlende Friedensvertrag, GWUP-Blog am 4. Januar 2014
  • Reichsdepp quält Bundeswahlausschuss, aargks/pro Logik am 14. März 2014
  • Reichsburgerwochen-Dessert: Keiner traut sich, aargks/pro Logik am 1. März 2014

Der trügerische Einzelfall

Primär an Journalisten richtet sich der Artikel “Die trügerische Kraft des Einzelfalls” beim Online-Portal medien-doktor.

Allerdings sollte der Beitrag auch für Homöopathen und “Alternativheiler” jedweder Couleur Pflichtlektüre sein, denn:

In der Darstellung medizinischer Therapien, Verfahren oder Medikamenten gibt es immer dann ein Problem, wenn ein solcher Einzelfall alleine (oder zwei oder drei) als Beleg für die Wirksamkeit der medizinischen Intervention genutzt wird.

Ganz nach dem Motto: „Seht her, dieser Person hat’s geholfen, also hilft es auch allen anderen.“

So haben auch schon die Heiler und Scharlatane auf den Jahrmärkten des Mittelalters argumentiert. So argumentieren heute noch alle die, die Wundertherapien gegen jede nur erdenkliche Krankheit anpreisen.”

Zum Weiterlesen:

  • Medizinjournalismus: Die trügerische Kraft des Einzelfalls, medien-doktor am 13. Mai 2014
  • Warum Homöopathie zu wirken scheint, GWUP-Blog am 9. Oktober 2011
  • Hat Recht, wer heilt? GWUP-Blog am 2. August 2013
  • Wenn es quakt wie eine Ente: Moderne Quacksalberei MMS, Pharmama am 29. April 2014

Angstschweiß wegen Deos? Die Alu-Debatte geht weiter

Das Thema Aluminium geht wieder durch die Medien.

Spiegel-Online und 3SAT berichteten, dass das Verbraucherministerium prüfe, wie gefährlich Aluminium in Kosmetika ist.

Ziemlich reißerisch ging RTL Explosiv die Sache an und rückte eine Brustkrebspatientin in den Fokus, die sich mittlerweile in einer Reha-Klinik befindet:

Die Möglichkeit, dass ihr Deogebrauch sie hierhin geführt haben könnte, macht sie wütend, denn sie wusste von der Gefahr lange nichts.”

Die Art der Darstellung ließ das “könnte” und “die Möglichkeit” indes schnell verblassen – stattdessen stellte der Sender einen kausalen Zusammenhang zwischen der Benutzung von Deos beziehungsweise Antitranspirantien mit Aluminium und Brustkrebs her.

Im Blog StimmtHaltNicht sind dazu zwei Beiträge erschienen:

So wie RTL es darstellt, teilen viele Fachleute die Auffassung, dass übermäßiger Deogebrauch krank machen kann. Welche Experten das neben Philippa Darbre sein sollen, wissen wir nicht.

Unseren Quellen zufolge ist diese Aussage nicht haltbar. Denn es mangelt schlicht an hochwertigen Untersuchungen zu dieser Fragestellung.

Über die Berechnung der Mengenangaben des aufgenommenen Aluminiums erfährt der Zuschauer so gut wie nichts, dabei wäre gerade das wirklich einmal hilfreich gewesen.”

Diese Berechnung hat StimmtHaltNicht dann selbst angestellt. Das Ergebnis und mögliche Konsequenzen daraus finden sich hier.

Zum Weiterlesen:

  •  Grenzwerte überschritten: Deos und Antitranspirantien enthalten zu viel Aluminium, StimmtHaltNicht am 7. Mai 2014
  • Experten: Aluminium in Deos macht Brustkrebs, StimmtHaltNicht am 28. April 2014
  • Kosmetik mit Aluminium: Regierung prüft Gefährlichkeit von Deos, Spiegel-Online am 1. Mai 2014
  • Gefahr aus der Dose, nano am 13. Mai 2014
  • Aluminium in Deos krebsauslösend? rtl.de am 4. Mai 2014
  • Angst essen Verstand auf oder „Die Akte Aluminium“, GWUP-Blog am 5. August 2013
  • Aluminium in Deos: Schweiß­hemmend und umstritten, test am 12. Juli 2013

Neues vom Dahlke

Der Klinikarzt Jan Oude-Aost hat einen Vortrag des “Goldenen Brett”-Preisträgers Rüdiger Dahlke in Dresden besucht – und war wenig amüsiert.

In seinem Blog diaphanoskopie schreibt Aost unter anderem:

Dahlke ist der Mensch-gewordene Placeboeffekt.

Er heißt, sieht aus und spricht wie ein ausgebildeter Mediziner, doch die Botschaft ist leer. Wenn die Sanftheit geht, bleibt Nichts übrig. Dahlkes warme Worte versprechen Halt. Wer dieses Versprechen einlösen will, bleibt jedoch allein zurück, in der vernebelten Wirklichkeit, die Dahlke hinterlassen hat.

Orientierungslos, im freien Fall, ganzheitliche Einsamkeit.

Was passiert, wenn Menschen Dahlkes zusammenfantasierten Ratschlägen folgen? Diese können, im Ausmaß ihrer Ignoranz, lebensgefährlich sein.

So solle man zum Beispiel laut Dahlke lieber Rauchen als Milchprodukte zu sich zu nehmen. Letztere seien viieehhl gefährlicher. Wer vollständig auf Milchprodukte verzichte, könne die “Verkalkung der Herzkranzgefäße rückgängig” (sic!) machen. Medikamente seien dann nicht mehr nötig.

Rest In Peace Food.”

Zum Weiterlesen:

  • Rüdiger Dahlke – Der sanfte Erlöser, diaphanoskopie am 7. Mai 2014
  • Das “Goldene Brett” 2013 für Rüdiger Dahlke und die Homöopathen ohne Grenzen, GWUP-Blog am 29. November 2013
  • Morbus Dahlke: Mein Schnupfen und ich, GWUP-Blog am 17. Januar 2011
  • Rüdiger Dahlke bei Psiram

Homöopathen machen Faxen

Über das Machwerk “Homöopathie für Skeptiker” der homöopathische Ärztin Irene Schlingensiepen haben wir hier schon berichtet.

Jetzt hat Schlingensiepen auch an der Berliner Urania für die Nonsens-Methode geworben – und dabei einen kuriosen Vergleich fabriziert.

Das mit den “geistartigen Kräften” der Homöopathie sei so ähnlich wie ein Fax, mit dem wir einem Tischler die Skizze für ein neues Möbelstück übermitteln.

Totaler Quatsch, wie der Feuerwächter-Blog in dem Beitrag “Der homöopathische Tischler” erklärt:

Könnte es sein, nur mal so rein hypothetisch gefragt, dass Fr. Dr. Schlingensiepen Homöopathie selbst nicht verstanden hat und daher nicht weiß, was sie tut?”

Da wäre sie nicht die Erste, argwöhnen wir mal.

Ganz abgesehen davon, dass wir im Gegensatz zur Homöopathie sehr genau wissen, dass Faxen funktioniert und wie es funktioniert und das Ganze rein gar nichts mit immateriellen Prozessen oder “unbekannten” Kräften zu tun hat.

Neben Schlingensiepen trat noch der berüchtigte “Internist, Intensivmediziner, Wissenschafter, Erfinder” (Psiram) Prof. Michael Frass bei der Veranstaltung auf.

Auch darüber schreibt heute der Feuerwächter:

Was Dr. Frass hier dem Publikum vorgesetzt hat, hat mit Wissenschaft nichts mehr zu tun und führt es in die Irre.”

Zum Weiterlesen:

“Der Buddler” bei Hoaxilla – und bei der SkepKon 2014

Der Buddler (“Archäologe, Skeptiker & Podcaster”) beschäftigt sich in seinem Blog angegraben mit archäologischen Rätseln und Mythen, die von Pseudowissenschaftlern à la Däniken gerne für ihre Zwecke verdreht und ausgeschlachtet werden, zum Beispiel “Vineta” oder “Die rätselhafte Osterinsel” oder “Die Beleuchung im alten Ägypten”.

Im aktuellen Hoaxilla-Podcast spricht Der Buddler zum Thema “Wie magisch war das Mittelalter?”

Außerdem referiert Der Buddler alias Mirko Gutjahr bei der SkepKon 2014 in München:

Pyramiden, Plejaden und Phantasten. Das Phänomen der „bosnischen Pyramiden“ und die Parawissenschaft in der Archäologie”

Sein Vortrag steht am Freitagnachmittag (30. Mai) auf dem Programm.

Es geht dabei um Folgendes:

Die ältesten und größten Pyramiden der Welt stehen in Bosnien.

Jedenfalls, wenn man dem Unternehmer und Anthropologen Semir (Sam) Osmanagić Glauben schenkt.

Nach Jahren intensiven Studiums vor allem der Mayapyramiden, die er mit Baumeistern von den Plejaden in Zusammenhang brachte, fand er 2005 ausgerechnet in seiner bosnischen Heimat in der Nähe des Ortes Visoko Strukturen, die ihn an Pyramiden erinnerten.

Die angeblich vor über 12.000 Jahre von den Illyrern erbauten fünf Pyramiden der Sonne, des Mondes, der Erde, des Drachen und der Liebe werden seitdem zusammen mit ebenso alten Tunneln und einem „Grabhügel“ von „Experten“ und jährlich Hunderten von Freiwilligen „ausgegraben“.

Dass seine Thesen, die unter anderem von einer „Maschine für freie Energie“ im Inneren der „Bauwerke“ sprechen, innerhalb der etablierten Wissenschaftskreise jedoch auf wenig Rückhalt stoßen, verwundert nicht.

Ähnlich wie bei Osmanagićs Vorbildern von Däniken, von Buttlar und Co. kommen bei dem vermeintlichen bosnischen Pyramidenkomplex eine Vielzahl von Beweggründen zusammen, die von falschen Konzepten von Wissenschaft über handfeste wirtschaftliche Interessen und persönlichem Geltungsdrang bis hin zu (zumindest im bosnischen Beispiel) sogar nationalistischem Wunschdenken reichen.

Um den Mythos aufrecht zu erhalten, schreckt man offensichtlich auch nicht vor Betrug, Verleumdung und der Zerstörung tatsächlicher historischer Relikte zurück.

Anhand der Gedankengebäude des „bosnischen Indiana Jones“ lassen sich die zugrundeliegenden Strukturen und Mechanismen pseudowissenschaftlichen Denkens in der Archäologie beispielhaft nachvollziehen und dessen immaterielles, aber auch ganz konkretes Gefahrenpotential aufzeigen.”

Zur Online-Anmeldung geht’s hier, und auch unser “Souvenirshop” für die 23. GWUP-Konferenz vom 29. – 31. Mai in München ist eröffnet.

Zum Weiterlesen:

„Hochschultage“ als Plattform für Kreationisten-Prediger

Es ist einfach z.K.

Gerade hat die TU Chemnitz einen Verein von Impfgegnern rausgeschmissen, der dort ein Symposium veranstalten wollte.

Jetzt öffnet die Uni Jena ihre Pforten für Kreationisten, die unter dem Deckmantel von “Hochschultagen” über “zentrale Lebens- und Glaubensfragen” predigen wollen.

Veranstalter sind die “Studenten für Christus”, die “Studentenmission Deutschland” und die Gruppierung “Entschieden für Christus”.

Alle drei verortet die Hochschulgruppe Jena der Giordano-Bruno-Stiftung im Umfeld der Evolutionsleugner mit entsprechenden Referenten während der nächsten drei Tage.

Sie hat daher einen Protestbrief an Universitätsrektor Klaus Dicke und Oberbürgermeister Albrecht Schröter verfasst, der hier oder bei Astrodicticum simplex eingesehen werden kann.

Gerade erst hat die Süddeutsche Zeitung über US-Kreationisten berichtet – und dabei erschreckende Denkweisen zu Tage gefördert:

Wir können das Geld für die Forschung sparen. Es steht alles in der Bibel.”

Zum Weiterlesen:

  • Kein Kreationismus an der Universität Jena! Astrodicticum simplex am 12. Mai 2014
  • Und Gott erschuf die Dinosaurier, Süddeutsche am 9. Mai 2014
  • Laborjournal: Kreationistische Rückzugsgefechte, GWUP-Blog am 5. April 2014
  • The Rap Guide to Evolution, GWUP-Blog am 23. März 2014
  • Vince Ebert zu Kreationismus und Wissenschaftsfeindlichkeit, GWUP-Blog am 6. April 2014
  • GWUP-Thema: Kreationismus
  • Argumente des Kreationismus und ihre Widerlegung, Gedankenwerkstatt am 21. März 2014
  • Der Unsinn der nichtreduzierbaren Komplexität, Astrodicticum simplex am 5. Dezember 2010
  • Vince Ebert: Evolution, GWUP-Blog am 22. Dezember 2013
  • 11er des Monats: Kreationismus, aargks/pro Logik am 11. Mai 2014

Sibylle Berg über Chlorbleiche und skeptische Argumente

Erinnert sich noch jemand an den Artikel “Esoteriker sind unsympathisch” von Sibylle Berg anno 2011?

Letzte Woche wollte ich die Spiegel-Online-Kolumnistin neuerlich zitieren, und zwar mit ein paar Sätzen aus ihrem Beitrag “Wir dürfen die Welt nicht unseren Feinden überlassen”:

Was tun wir also mit der Einsicht, dass Argumente fast niemanden erreichen, und dass Aggression jedes Problem nur zuspitzt?

Vielleicht denken Sie sich: Wenn ich die Gegner meiner Weltsicht nicht überzeugen kann, bleibe ich einfach zu Hause, poliere Porzellan und warte auf mein Ende.

Das Problem: So angenehm sich dieser Gedanke anfühlen mag, er führt nicht zu einer Verbesserung der Welt oder was auch immer Sie dafür halten – nicht einmal im Kleinen. Denn dieser Gedanke beraubt Sie der Chance, wenigstens die aufgeschlossenen zwei Prozent zu erreichen.

Es hilft also nichts, man muss sich empören, man muss gegen das halten, was man für falsch erachtet. Man muss versuchen, Argumente zu finden, die möglichst viele andere auf die vermeintlich gute Seite bringen [...]

Wer sich nicht mehr wehrt, wer nicht mehr für die Welt kämpft, in der er leben will, ist schon tot. Und das passiert früh genug.”

Ich finde, diese Passage passt ganz gut zu einer aktuellen Debatte innerhalb der “Skeptiker-Szene”.

Blogposts dazu finden sich unter anderem bei

Aber das nur nebenbei.

Heute schreibt die deutsch-schweizerische Schriftstellerin in ihrer Spiegel-Online-Kolumne über Jim Humble und seinen MMS-Schwachfug:

Ich habe diese Woche zum ersten Mal von Herrn Humble gelesen, der auf die vollkommen geniale Idee kam, Menschen Bleichmittel zum Trinken zu geben. Eine Weile mag er gegrübelt haben, mit welcher Begründung er den Eierköppen da draußen das Zeug schönreden könnte.

Der wahre Grund – ich kann euch alle nicht ausstehen und möchte euch irgendwie weg haben – schien ihm kein überzeugendes Verkaufsargument.

Also beschied der rüstige Greis: Dieses Mittel hilft gegen alles.

Im Zweifel auch und vor allem gegen das Leben.”

Nice.

Zum Weiterlesen:

  • Lösen Sie sich einfach auf, Spiegel-Online am 11. Mai 2014
  • Wir dürfen die Welt nicht unseren Feinden überlassen, Spiegel-Online am 3. Mai 2014
  • Esoteriker sind unsympathisch, GWUP-Blog am 23. April 2011
  • Gefährliches „Wundermittel“ MMS: Wenn Quacksalber für giftige Chlorbleiche werben, Spiegel-Online am 4. Mai 2014
  • “Warum foltert ihr Kinder?” Die MMS-Demo in Hannover, GWUP-Blog am 28. April 2014
  • Ein “Gesundheitskongress” als Panoptikum des Grauens, GWUP-Blog am 19. April 2014
  • Vergiftungsmittel MMS, Ratgeber-News-Blog am 27. April 2014
  • The Spirit of Bullshit, Julitschka am 26. April 2014
  • Wenn es quakt wie eine Ente: Moderne Quacksalberei MMS, Pharmama am 29. April 2014
  • Die EMA approbiert ein Wunder, sagen die Wunderheiler, Psiram am 2. Mai 2014

Fatales Natürlichkeitsdenken der Impfgegner

Dauerthema Impfen:

Während die amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) und das Fachjournal The Lancet Global Health den globalen Nutzen von Schutzimpfungen dokumentieren und sogar eine Impfung gegen Leishmaniose in den Bereich des Möglichen rückt, machen die Impfgegner weiter mobil und verbreiten über Promis (jetzt auch Alicia Silverstone) und sogar Ärzte ihren gefährlichen Unfug.

Jetzt haben sich auch der ORF und Die Zeit des Themas angenommen.

science.orf.at fragt einen Mediziner von der Uni Tübingen nach den Motiven der Impfverweigerer:

Ein Hauptgrund ist der, dass wir mit den Krankheiten nicht mehr konfrontiert werden. Wir sehen sie nicht in unserem Alltag. Wir merken nicht, dass unsere Nachbarn oder Familien daran erkranken oder eventuell daran sterben.

Ein weiterer Grund ist, dass wir eine gewisse Skepsis gegenüber der modernen Medizin haben und auf ein auf Natürlichkeitsdenken zurückgreifen. Das sehen wir ja in anderen Bereichen der Gesellschaft auch, dass wir glauben, eine natürliche Lebensweise sei die bessere.

Dieser Trend ist in den Gesellschaften vorhanden, nur man muss sich fragen: Stimmt das auch für Impfungen oder haben wir da nicht ein fatales Natürlichkeitsdenken?”

Zeit-Online zieht in dem Beitrag “Die falsche Angst” das Fazit:

Die Kontroverse verläuft nach ähnlichen Argumentationslinien wie jene um das Passivrauchen: Ein im Prinzip unvernünftiges Verhalten kann im schlimmsten Fall den Mitmenschen schaden. Doch für Viren lassen sich keine schützenden Trennwände errichten.”

Einen interessanten Aufsatz zum Thema “The Science of Why We Don’t Believe Science” gibt’s außerdem im Mother Jones-Nachrichtenportal.

Der Autor und WSC-Referent Chris Mooney rät:

If you want someone to accept new evidence, make sure to present it to them in a context that doesn’t trigger a defensive, emotional reaction.”

Zum Weiterlesen:

  • CDC: Vaccines save hundreds of thousands of lives, USA Today am 24. April 2014
  • The enduring benefits of vaccination, Washington Post am 2. Mai 2014
  • Reassessing the value of vaccines, The Lancet Global Health, May 2014
  • Alicia Silverstone’s clueless vaccine advice, salon.com am 23. April 2014
  • Ist Impfen ein Akt der Solidarität? science.orf.at am 2. Mai 2014
  • Die falsche Angst, Zeit-Online am 5. Mai 2014
  • Gibt es das Masernvirus? Der Prozess Bardens vs. Lanka, GWUP-Blog am 10. April 2014
  • “Für Impfen” bei Facebook, GWUP-Blog am 5. April 2014
  • Impfmündigkeit statt Impfmüdigkeit, hpd-online am 5. April 2014
  • Reich werden durch Impfen? GWUP-Blog am 31. März 2014
  • Kinderarzt zu Impfgegnern: “Get Out of My Office”, GWUP-Blog am 5. Februar 2014
  • The Science of Why We Don’t Believe Science, medium.com




NEU: Skeptiker 2/2014

SKEPTIKER 2/2014