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Homöopathie, Scientabilität, Frollein Doktor und die Belege

Die Debatte um die “Scientabilität” der Homöopathie geht weiter – mit unterschiedlicher Dignität.

Auch die Medizin-Journalistin Annette Bopp hat sich in ihrem Blog FrolleinDoktor dazu geäußert – und demonstriert dabei die fatale Vorliebe der Homöopathie-Fans für einfache Denke und simple Korrelationen.

Auch wenn das “Frollein Doktor” die Überschrift zu ihrem Beitrag

Homöopathie nicht mehr “scientabel”???

nicht gleich schon mit drei Fragezeichen versehen hätte, die bereits auf den ersten Blick geballte Verständnislosigkeit signalisieren, wäre schnell ersichtlich geworden, dass sie das Scientabilitäts-Konzept nicht so ganz begriffen hat:

Weymayrs Begründung (Zitat aus der FAZ): “Randomisiert-kontrollierte Studien sind zwar das methodisch Beste, was klinische Prüfverfahren zu bieten haben. Sie sind indes fehleranfällig und als Methode nicht davor gefeit, Ergebnisse zu produzieren, die auch dort Wirksamkeit attestieren, wo vielleicht keine ist.”

Oho! Das sind ja ganz neue Töne! Bisher galt die randomisiert-kontrollierte Studie als der “Goldstandard” unter den Wirksamkeitsnachweisen, Evidenzklasse 1a! Und nun ist das alles plötzlich so “fehleranfällig”, dass man es nicht mehr als Nachweis gelten lassen kann?

Nur weil auch Homöopathika den Test bestanden haben? Sapperlott!”

schreibt sich “Frollein Doktor” erst mal in Rage, bevor sie ihren ganz eigenen Schluss daraus zieht:

Was für ein durchsichtiges Manöver: Zuerst fordert man Studien nach den Regeln der evidenz-basierten Medizin, vor allem eben randomisiert-kontrollierte Studien. Liegen diese vor, bestreitet man deren Aussagekraft und findet dies und das daran auszusetzen, was die Studienergebnisse insgesamt in Frage stellt.

Funktioniert auch das nicht mehr, streitet man dem Verfahren eben jegliche wissenschaftliche Grundlage ab. So einfach ist das.”

So “einfach” ist das vielleicht in der Rezeption von Homöopathie-Fans. Aber nicht in der Realität.

Und wenn das Ganze bloß ein “durchsichtiges Manöver” wäre, wie das “Frollein Doktor” argwöhnt, hätten wohl kaum renommierte Wissenschaftsredaktionen wie die der FAZ oder der Süddeutschen Zeitung dem Thema breiten Raum und ein Diskussionsforum gegeben.

Mit Diskussionen und Abwägungen hält sich das “Frollein Doktor” (übrigens eine Diplom-Biologin) indes gar nicht erst auf, sondern feuert sogleich ihre Philippika ab:

Bisher galt die randomisiert-kontrollierte Studie als der “Goldstandard” unter den Wirksamkeitsnachweisen, Evidenzklasse 1a! Und nun ist das alles plötzlich so “fehleranfällig”, dass man es nicht mehr als Nachweis gelten lassen kann?”

Schon Wikipedia (von echten Fachquellen gar nicht erst zu reden) hätte das “Fräulein Doktor” darüber in Kenntnis gesetzt, dass ein “Goldstandard” das “zurzeit allgemein anerkannte Handeln” bezeichnet und einen “Grundstock” bildet – und dass es “einiger Anstrengung bedarf, um ihn zu erschüttern”.

That’s all.

Von “perfekt” oder “vollkommen fehlerlos” steht da überhaupt nichts.

Auch Randomisierte kontrollierte Studien (RCT) als “Goldstandard” der Evidenzbasierten Medizin haben ihre Grenzen – darauf hat Dr. Christian Weymayr immer wieder hingewiesen, zum Beispiel im Skeptiker-Interview:

Die Methoden der Evidenzbasierten Medizin – also etwa RCTs – haben definitiv nicht die Macht, Naturgesetze zu bestätigen oder zu widerlegen. Niemand, der sich mit EbM beschäftigt, ist so vermessen zu behaupten, dass es auch nur eine einzige Studie gibt, die frei von Fehlern ist.

Selbst wenn keine Fehlerquellen zu erkennen sind, gibt es den Begriff des „Hidden Bias“, also der verborgenen Verzerrung. Und damit ist eine klinische Studie per se nicht aussagekräftig genug, um etwas so Aberwitziges wie Homöopathie belegen oder widerlegen zu können.”

Oder im Gespräch mit Nachdenken bitte:

Verfechter der EbM haben sich, vielleicht beflügelt durch ihre großartigen Erfolge, zu der Annahme hinreißen lassen, man könne mit ihrer Methodik alles untersuchen. Aber das ist unserer Ansicht nach falsch. Denn keine Studie liefert so hieb- und stichfeste Ergebnisse, dass sie zu einem Richter über die Validität von Naturgesetzen werden könnte.

Auch RCTs haben deshalb nur dann einen Sinn, wenn eine Wirkung zumindest plausibel ist und nicht den Naturgesetzen widerspricht.”

Und das ist genau der Punkt, den FrolleinDoktor ungewollt sogar selbst bestätigt:

Die Homöopathie hat nämlich mittlerweile einige Studien nach diesem “Goldstandard” vorgelegt.”

Exakt, “einige”.

Einige wenige, die bei der überwältigenden Mehrzahl der negativen Studien leicht als statistische Ausreißer zu identifizieren sind und augenfällig die Schwächen von statistischen Methoden offenlegen, denn:

Durch den statistischen Charakter der Studien kann zufällig ein falsch-positives Ergebnis entstehen. Wenn man z.B. ein Konfidenzintervall von 95 Prozent heranzieht, so werden 5 Prozent aller Studien nicht wirksamer Verfahren auch mit hervorragendem Studien-Design ein positives Ergebnis haben.

Hier kann dann u.a. der Publikations-Bias mit dazu führen, dass fälschlicherweise das Bild einer Wirksamkeit entsteht.”

Man könnte sogar sagen:

Wenn das Einzige, dass für die Homöopathie spricht, darin besteht, dass beispielswiese 5 Prozent der korrekt durchgeführten Studien einen Effekt gezeigt haben, und dieses Ergebnis als statistisches Artefakt problemlos erklärbar ist, ist das eben KEIN Beweis für die außerordentlichen Behauptungen der Homöopathie.”

Und deshalb fordert Weymayr keine “Forschungsverbote”, sondern ganz schlicht erst einmal den Nachweis der “Scientabilität”:

RCTs sind unverzichtbar, um Nutzen und Schaden medizinischer Maßnahmen zu ermitteln – aber sie sind bei Weitem nicht aussagekräftig und fehlerresistent genug, um die Naturgesetze aushebeln oder bestätigen zu können [...]

Bevor man klinische Studien macht, sollte man prüfen, ob das Medikament oder das Verfahren den bekannten Naturgesetzen widerspricht [...]

Experimente müssten aussagekräftig genug sein, um die gesicherten Erkenntnisse der Naturwissenschaften widerlegen zu können. Man könnte also fordern: Versuche müssten erst einmal beweisen, dass beim Verreiben und Verschütteln geistartige Kräfte freigesetzt werden.

Erst wenn die Scientabilität feststeht, können wir über klinische Studien zur Wirksamkeit des Verfahrens reden [...]

Die Fehlerrate der Methoden, mit denen man Naturgesetze untersucht und geprüft hat und immer noch prüft, ist viel geringer als die Fehlerrate von RCTs. Die Belege für die Richtigkeit der Naturgesetze sind viel zu stark, als dass man diese ernsthaft mit RCTs erschüttern könnte, eben auch weil wir wissen, dass diese RCTs fehleranfällig sind.”

Wie notwendig es in der Tat wäre, bei den irrationalen Grundlagen der Homöopathie anzusetzen (die bislang von den Homöopathen einfach stillschweigend vorausgesetzt werden), beweist wiederum unfreiwillig die Bloggerin FrolleinDoktor selbst, wenn sie schreibt:

Weymayr [...] zaubert flugs das Argument der “Scientabilität” aus dem Hut. Das Wort-Ungetüm steht für alles, was nicht wissenschaftsfähig ist oder sein kann. Und das gilt natürlich insbesondere für die Homöopathie.

Weil ihre Wirkung für Naturwissenschaftler nicht vorstellbar ist. Weil es ein “Gedächtnis” des Wassers nicht gibt. Oder nach naturwissenschaftlichen Grundsätzen nicht geben kann, besser: nicht geben darf.”

Ah ja.

Vom “nicht gibt” (stimmt) rutscht das “Frollein Doktor” auf ihrer schiefen “Argumentations”-Ebene rasant und ohne jedes Faktum zum “nicht geben darf” (Unsinn).

Warum also die Homöopathen eine ernsthafte Auseinandersetzung mit “naturwissenschaftlichen Grundsätzen” so beharrlich scheuen, können wir uns überaus lebhaft *vorstellen*.

Und der beste Beweis dafür ist eine so stark verdünnte, ängstliche und in sich widersprüchliche Suada à la FrolleinDoktor.

Selbstverständlich kann man das Konzept der “Scientabilität” in Frage stellen und kontrovers diskutieren – aber dazu sollte man sich zumindest damit beschäftigen.

Das tut heute sehr ausführlich Dr. Norbert Aust in seinem Blog Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie:

Fehlende Scientabilität der Homöopathie ein Eigentor?”

Aust kommt zu dem Schluss, dass …

… das Konzept der Scientabilität für den Kampf um eine objektive Bewertung der Homöopathie keinen Nutzen bringt, sondern eher das Gegenteil der Fall ist.”

Einen Kommentar von Dr. Christian Weymayr gibt es auch schon dazu.

Zum Weiterlesen:

  • Fehlende Scientabilität der Homöopathie – ein Eigentor? Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie am 15. Februar 2014
  • Homöopathie nicht mehr “scientabel”??? Frollein Doktor am 10. Januar 2014
  • Darüber lachen und vergessen? Homöopathie und Scientabilität, GWUP-Blog am 8. Januar 2014
  • Homöopathie, Scientabilität und “die Suche nach dem Nichts” in der Süddeutschen, GWUP-Blog am 11. Januar 2014
  • Sind Homöopathie-Studien irrelevant oder Was bedeutet “Scientabilität”? GWUP-Blog am 19. Juni 2013
  • Interview mit Dr. Christian Weymayr, Autor des Buches „Die Homöopathie-Lüge“, Nachdenken bitte am 11. Februar 2013
  • Gesamtschau der Studien zur Homöopathie, Detritus am 27. April 2013
  • Hat Wasser ein Gedächtnis? Zeit-Wissen am 27. November 2003
  • “Die Homöopathie-Lüge” – ein Interview (Teil 1), GWUP-Blog am 23. Dezember 2012
  • “Die Homöopathie-Lüge” – ein Interview (Teil 2), GWUP-Blog am 23. Dezember 2012
  • “Scientabilität”, Hoaxilla-Podcast Nr. 129 vom 30. Juni 2013
  • Herr Dr. Weymayr: Scientabilität – tut das weh? Ruhrbarone am 25. Juli 2013
  • Scientabilität – eine Gegenrede, Sebastian-Bartoschek-Blog am 12. Juni 2013
  • Scientabilität – Kritik einer Gegenrede, Nachdenken bitte am 19. Juni 2013
  • Das Gedächtnis des Wassers, Skeptiker 2/2008
  • Methoden müssen gegenstandsadäquat sein, Gesundheits-Check am 16. Januar 2014
  • Homöopathie und kein Ende – der Irrweg in die Zukunft, Ratgeber-News-Blog am 16. Januar 2014

The “Walking” Dead: Zombies als Erste-Hilfe-Trainer und Fitness-Coach

Man muss es gesehen haben, um es zu glauben.

Die Heart and Stroke Foundation in Kanada wirbt seit 2012 mit einem Zombie-Video für lebensrettende Sofortmaßen (CPR) bei Kreislaufstillstand:

CPR Makes You Undead!”

Und freut sich aktuell über mehr als eine Million Youtube-Klicks, berichtet das Portal Paranormal Popculture:


Direktlink zum Video auf Youtube

Andererseits lässt man es am besten gar nicht erst zum körperlichen Zusammenbruch kommen.

Nicht nur die iPhone-App “Zombies, Run!” hält fit – auch der 1. Deutsche Zombierun am 10. Mai bei Leipzig dürfte die Cardiofitness fördern:


Direktlink zum Video auf Youtube

Und nicht zuletzt ein “Zombie Run” auf den Philippinen spornt die Teilnehmer zu Höchstleistungen an:


Direktlink zum Video auf Youtube

Wahrscheinlich geht das alles auf “Das Anti-Zombie-Workout” von Men’s Health anno 2009 zurück.

Fast überflüssig zu erwähnen, dass es längst auch “Zen of Zombie” gibt:


Direktlink zum Video auf Youtube

Nur “The Walking Dead” hat zum Glück noch nichts mit Stöcken und aktivem Armschwung zu tun.

Zum Weiterlesen:

Autismus: Evans Großmutter widerspricht Jenny McCarthy

Vor zwei Tagen berichteten wir darüber, dass Jenny McCarthy keineswegs von ihrem Kreuzzug gegen die MMR-Impfung abweicht, wie eine Klatsch-Postille zum Jahreswechsel suggeriert hatte.

Allerdings bekommt das Ex-Playmate jetzt völlig unerwarteten Gegenwind – und zwar von der Großmutter (väterlicherseits) ihres Sohnes Evan.

Joyce Bulifant ist selbst eine bekannte Schauspielerin in den USA.

In einem Interview mit dem Autism News Beat erinnert sich Bulifant daran, dass Evan bereits vor der Impfung auffällige Symptome einer Entwicklungsstörung gezeigt habe.

Der Science-Blog Respectful Insolence fasst das Gespräch so zusammen:

What she’s said thus far, of course, is yet more evidence that, contrary to McCarthy’s account, Evan’s diagnosis of autism probably doesn’t correlate with his having received the MMR vaccine and he showed signs of autism at a very young age, his symptoms enough to concern his grandmother.”

Ob Jenny McCarthy durch diese Enthüllungen ihrer Ex-Schwiegermutter in die Defensive gerät, bleibt abzuwarten.

Zum Weiterlesen:

  • A counterpoint to Jenny McCarthy’s autism narrative, Respectful Insolence am 13. Januar 2014
  • Of seizures and celebrity: Evan’s grandmother speaks up, Autism News Beat am 12. Januar 2014
  • Marion Kracht wirbt für Homöopathie – und Jenny McCarthy bleibt Impfgegnerin, GWUP-Blog am 12. Februar 2014
  • Mit Witz und Betroffenheit gegen aggressive Impfgegner, GWUP-Blog am 11. August 2013
  • Wenn Playmates glauben …, Psiram am 26. August 2008
  • Medizin: Wenn C-Promis die “Experten” spielen, GWUP-Blog am 1. November 2013
  • SkepKon 2013: Pseudomedizin bei Autismus, GWUP-Blog am 18. Mai 2013

Die Top 10 der Fake Beasts

Letzte Woche haben wir über einen angeblich mutierten Fukushima-Riesenkraken am Strand von Santa Monica berichtet.

Parallel dazu hat der englische Kryptozoologe Karl Shuker in seinem Blog eine Top-Ten-Liste der besten Fake-Fotos in Sachen “unnatural creatures” veröffentlicht.

Darunter finden sich Photoshop-Montagen, aber auch einige Werke des japanischen “monster-maker” Dr. Takeshi Yamada.

Ein “Schwarzer Panther” (in Nordamerika) darf natürlich auch nicht fehlen.

Echt ist dagegen dieser große Krake, den japanische Fischer gerade aus dem Meer gezogen haben:


Direktlink zum Video auf Youtube

Zum Weiterlesen:

  • Exposing Online Fakes And Frauds of the Cryptozoological Kind, shukernature am 11. Januar 2014
  • Mutierter Fukushima-Krake in Kalifornien angespült? GWUP-Blog am 10. Januar 2014
  • Black panther hoax picture is getting around, Doubtful News am 26. November 2013
  • Panther pranksters in Epping Forest, Doubtful News am 15. Dezember 2013
  • “Sommerloch-Tiere” zwischen Urangst und Bambi-Syndrom, GWUP-Blog am 22. August 2013
  • Der Panther kommt näher! GWUP-Blog am 18. Juli 2013
  • Stimmt es, dass Riesenkraken Schiffe angreifen? GWUP-Blog am 8. Januar 2013
  • Gigant aus der Tiefsee: Japaner fangen Riesen-Tintenfisch, Spiegel-Video vom 14. Januar 2014
  • Strange creature filmed in Oregon woods, Unexplained Mysteries am 29. Dezember 2013
  • Riesenkalmare – Wahre Ungeheuer, Tagesspiegel am 17. Januar 2014

Wissenschaftsmarketing – nicht nur für Skeptiker

Drei interessante News in Sachen Öffentlichkeitsarbeit und Wissenschaftskommunikation:

Alle Infos dazu finden sich hier.

  • Die Schweizer Skeptiker resümieren in ihrem aktuellen Podcast die 10:23-Aktion vom vergangenen Herbst in Zürich.

In der Ankündigung heißt es:

Was aber ist von solchen Aktionen zu halten? Kann damit tatsächlich auf das, was wir als Probleme erachten, aufmerksam gemacht werden, oder wird das Ganze schlicht zur Polemik? Wir diskutieren mit Dr. Franziska Oehmer vom Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung in Zürich über Chancen und Risiken, Sinn und Unsinn unserer Aktion.”

Herausgeber ist das Deutsche Forschungszentrum für Wissenschafts- und Innovationskommunikation (innokomm):

Kinder-Uni, Science Slams oder Wissenschaftsjahre: Die „Eventisierung“ hat auch die Wissenschaft erfasst. Während es früher um Wissensvermittlung ging, liegt der Fokus heute auf Orientierung, Zielgruppengenauigkeit, Partizipation und Nachhaltigkeit.

Die Themenpalette des vorliegenden Bandes der Edition „Praxisratgeber Wissenschaftsmarketing“ reicht von Messen und Ausstellungen über Tagungen und Kongresse bis zu wissenschaftlichen Veranstaltungen. Ein Kapitel widmet sich der Initiative Public Understanding of Science.”

Das Buch kostet 16,90 € und kann hier bestellt werden.

Zum Weiterlesen:

  • SkeptisCH – Folge 30: Überlegungen zu unserer Homöopathie-Überdosis, skeptiker.ch am 12. Januar 2014
  • 10:23-Aktion in Zürich: “Klar, das kann ja nicht wirken …”, GWUP-Blog am 24. Oktober 2013
  • Michaela Kirchner u.a.: Events in der Wissenschaft. Innokomm, Berlin 2013

Marion Kracht wirbt für Homöopathie – und Jenny McCarthy bleibt Impfgegnerin

Promis, die fragwürdige persönliche Ansichten zu Medizin und Gesundheit missionarisch hinausposaunen, sind kein rein amerikanisches Problem.

In der Online-Zeitschrift des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) ist vor vier Wochen ein selten peinliches Interview mit der Schauspielerin Marion Kracht erschienen.

Sicher, die wenigsten wissen, dass die nette Anekdote von dem Arzt, der früher “so lange bezahlt [wurde], wie man gesund blieb”, nur ein Mythos ist.

Oder dass es Placebo-Effekte auch bei Kindern und Tieren gibt.

Oder dass Homöopathen keineswegs “ganzheitlich” behandeln, sondern lediglich auf die Symptome einer Erkrankung zielen.

Allerdings geben die meisten auch keine Interviews, bei denen sie im Brustton der Überzeugung Schwachfug erzählen.

Krachts Antworten lesen sich so, als würde sie einfach das “Homöopathie-Bullshit-Bingo” Feld für Feld abarbeiten.

Dass solche verbalen Fehlgriffe von Schauspielern, Sportlern, Models und Co. durchaus üble Folgen haben können, sehen wir zum Beispiel in den USA, wo Jenny McCarthy die MMR-Impfung massiv in Verruf gebracht hat.

Kaum zu glauben war daher eine Meldung, die Anfang Januar umging, und nach der das Ex-Playmate langsam von ihrem Trip herunter komme, da ihr Sohn möglicherweise gar nicht wirklich an Autismus leide.

Erwarungsgemäß stellte sich das Ganze schnell als Ente heraus.

Das Klatsch-Portal Radar Online hatte lediglich ein drei Jahre altes Time-Interview mit Jenny McCarthy verkürzt und sinnentstellt aufgewärmt.

Mittlerweile hat die Impfgegnerin den Artikel mit dem ihr eigenen Furor als “blatantly inaccurate and completely ridiculous” zurückgewiesen.

Somit bleibt Jenny McCarthy “a public health menace” – und ist noch stolz darauf.

Verweisen wir daher zum Abschluss auf dieses Video (via Astrodicticum simplex):


Direktlink zum Video auf Youtube

Zum Weiterlesen:

  • Jenny McCarthy: A health menace that needs to do penance, Doubtful News am 4. Januar 2014
  • Jenny McCarthy: Rumors that my son does not have autism are “blatantly inaccurate and completely ridiculous”, salon.com am 5. Januar 2014
  • Medizin: Wenn C-Promis die “Experten” spielen, GWUP-Blog am 1. November 2013
  • Mythen der Traditionellen Chinesischen Medizin, GWUP-Blog am 20. Juni 2012
  • Homöopathie bei Kindern und Tieren, GWUP-Blog am 5. März 2010
  • Homöopathie, “Ganzheitlichkeit” und die sprechende Medizin, GWUP-Blog am 20. April 2013
  • Mit Witz und Betroffenheit gegen aggressive Impfgegner, GWUP-Blog am 11. August 2013
  • Video: Impfungen und Autismus, Astrodicticum simplex am 5. November 2013

Positive und negative Aspekte von Verschwörungstheorien

Im Tagesspiegel ist an diesem Wochenende ein Interview erschienen, das an eine Diskussion anknüpft, die wir vor kurzem hier geführt haben.

Es geht um Verschwörungstheorien und dabei auch um die Frage, ob diese schaden können.

Dazu erklärt der Psychologe Dr. Viren Swami von der University of Westminster in London:

Sind Verschwörungstheorien gefährlich?

Manche Forscher sagen, dass sie sogar einen positiven Einfluss haben können, weil das ständige Hinterfragen einer offiziellen Version die Regierung zu mehr Transparenz zwingt. Aber Verschwörungstheorien können auch dazu dienen, sexistische oder rassistische Denkweisen zu rechtfertigen.

Und sie können das Verhalten von Menschen negativ beeinflussen. Zum Beispiel haben Menschen, die glauben, dass es sich bei Aids um eine Verschwörung handelt, eine geringere Wahrscheinlichkeit, sich beim Sex zu schützen.”

Gibt es Möglichkeiten, den Glauben an solche Theorien zu bekämpfen?

Wir haben dazu ein Experiment gemacht und Menschen Bilder von der Mondlandung gezeigt. Einige erhielten dazu die Verschwörungstheorie und andere die Verschwörungstheorie plus die Gegenbeweise. Das hat tatsächlich funktioniert: Menschen, die bereits an die Verschwörung glauben, überzeugen Sie damit nicht.

Aber wenn die Menschen unvoreingenommen sind, dann führen die Gegenbeweise dazu, dass sie eher nicht an die Verschwörung glauben.”

Im redaktionellen Beitrag zu dem Interview heißt es:

Verschwörungstheorien dienen vorrangig dazu, Wissenslücken zu schließen, die bei Ereignissen, die für den unbeteiligten Einzelnen nicht überschau- und überprüfbar sind, zwangsläufig entstehen.

Wer kann schon beurteilen, wer hinter dem Attentat auf John F. Kennedy steckt, ob die Mondlandung wirklich stattgefunden hat oder Elvis Presley 1977 infolge eines Herzversagens starb? Das Leben in einer hoch vernetzten Welt bringt mit sich, dass wir vieles durch die Medien erfahren, was sich unserem unmittelbaren Einfluss und Beurteilungsvermögen entzieht.

Fehlen entscheidende, plausible Informationen, suchen wir unwillkürlich nach ihnen – und wenn die Wirklichkeit sie nicht liefern kann, muss eben die Fantasie herhalten und sie gegebenenfalls ersetzen.”

Zum Weiterlesen:

  • Warum Menschen an Verschwörungstheorien glauben, Tagesspiegel am 11. Januar 2014
  • Interview: “Verschwörungstheorien können Menschen schaden”, Tagesspiegel am 10. Januar 2014
  • Das kann doch nicht wahr sein, Tagesspiegel am 29. November 2013
  • Ursprung der Verschwörungstheorie, derfreitag am 16. März 2013

Schumacher-Unfall: Nach den Astrologen jetzt die Geistheiler

Dass mediengeile Astrologen aus dem Skiunfall von Michael Schumacher ihren Honig saugen würde, war absehbar – der Wahrsagerchecks-Blog hat darüber berichtet.

Ungleich überraschender ist, dass auch ein zweifach promovierter Mediziner und ehemaliger Arzt für Chirotherapie und Sportmedizin das Unglück des Formel-1-Stars für sein esoterisches Eigenmarketing missbraucht.

Ein Blog-Leser hat uns auf diesen Artikel in der Zeitung Der neue Tag (Weiden in der Oberfalz) aufmerksam gemacht:

Hilfe für Schumacher mit Fernheilung.”

Die Vollversion steht nur in der gedruckten Ausgabe zu lesen.

Der Herr Dr. Dr. Krüll will also …

… mit Energetischer Fernheilung aus Marathonläufen heraus Energie auf Kranke übertragen und ihnen so bei der Genesung zur Seite stehen”,

kolportiert das Weidener Lokalblättchen allen Ernstes – und hält das erklärtermaßen auch noch für ein “medizinisch umstrittenes, aber durchaus interessantes Terrain”.

Im Weiteren erfährt der Leser, dass der Herr Doktor “ein Hotel und ein Restaurant” in der Gegend betreibt, weswegen er vermutlich als lokale Größe und potenzieller Anzeigenkunde gilt und deshalb auch mit der idiotischsten Luftnummer in die Zeitung kommt.

Immerhin rafft sich die Redaktion zu einem kurzen Kommentar über “Die Kraft der Gedanken” auf, der einen Hauch von Kritik an des Doktors Tun suggeriert, aber so verquast-freundlich daherkommt, dass man vollends ratlos zurückbleibt, was Krüll und den Neuen Tag eigentlich umtreibt?

Schlussendlich wissen wir wieder einmal nicht, was schlimmer ist: ein studierter Mediziner auf esoterischem Ego-Trip oder eine Tageszeitung, die auch den größten Humbug mit einem Dreispalter adelt.

Zum Weiterlesen:

  • Hilfe für Schumacher mit Fernheilung, oberpfalznetz am 11. Januar 2014
  • Wenn die Leichenfledderer aus dem Schatten springen: Schumi und die Sterne, Wahrsagerchecks-Blog am 31. Dezember 2013
  • Schumis Unfall und die Sterne, Wahrsagerchecks-Blog am 7. Januar 2014
  • Der Geistheilertest der GWUP-Regionalgruppe Wien, Skeptiker 2/2005
  • Harter Test für sanfte Heiler, ZEIT Wissenam 11. Januar 2006
  • Aurachirurgen und Geistheiler retten das Gesundheitssystem, dieausrufer am 2. September 2012

Homöopathie, Scientabilität und “die Suche nach dem Nichts” in der Süddeutschen

Drei Tage nach der FAZ greift auch die Süddeutsche Zeitung das Thema “Scientabilität” auf.

Der Artikel “Auf der Suche nach dem Nichts” beschreibt zunächst die Homöopathie erfreulich nüchtern:

Aus Sicht der empirischen Wissenschaft muss man nicht länger erforschen, ob die Homöopathie funktioniert. Die Sachlage ist mittlerweile eigentlich klar: Die Zuckerkügelchen haben mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine spezifische Wirkung auf den Organismus.

Das postulierte Wirkprinzip widerspricht den bekannten Naturgesetzen, eine andere Erklärung ist nicht in Sicht.”

Das von Dr. Christian Weymayr (“Die Homöopathie-Lüge”) vertretene “Scientabilitäts”-Konzept dagegen kann der SZ-Redakteur Christian Weber zwar nachvollziehen:

Man überprüft ja auch nicht, ob Schweine aus eigener Kraft zum Mond fliegen können – obwohl das streng wissenschaftstheoretisch nicht unbedingt auszuschließen wäre.”

Dennoch sieht er das Ganze eher kritisch:

Nachdem die Forschungsfreiheit in Deutschland aus gutem Grund Verfassungsrang hat, ist nicht zu erwarten, dass sich irgendein interessierter Forscher entsprechende Studien verbieten lassen wird [...]

Die Forderung, Homöopathie nicht mehr nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin zu überprüfen, ist ein Schuss, der leicht nach hinten losgehen könnte.

Nachdem die Schulmediziner jahrelang wissenschaftlich harte Belege von den Homöopathen gefordert haben, soll man die Diskussion ausgerechnet dann einstellen, wenn diese mit den ersten einigermaßen brauchbaren Studien aufwarten?

So kann man Verschwörungstheoretiker glücklich machen, die ohnehin schon glauben, dass Schulmediziner und Pharmaindustrie eine angeblich sanfte und ganzheitliche Medizin verhindern wollen.”

Das ist gewiss nicht von der Hand zu weisen.

Im aktuellen Skeptiker (4/2013) nimmt Weymayr indes genau zu dieser Frage Stellung:

Das Konzept bedeutet nicht, dass nicht-scientable Maßnahmen nicht erforscht werden sollten. Sie sollen erforscht werden, da auch sichere Erkenntnisse nicht für immer sicher bleiben müssen.

Allerdings muss die Aussagekraft der Untersuchung ausreichend sein, um die sicheren Erkenntnisse ernsthaft erschüttern zu können.

So wie eine Fotografie die Existenz von Einhörnern nicht belegen oder widerlegen kann, ein Fernrohr kein Leben auf den anderen Planeten unseres Sonnensystems entdecken oder ausschließen kann, und eine Stoppuhr keine Überschreitung der Lichtgeschwindigkeit messen kann, so wenig ist eine klinische Studie in der Lage, eine Wirkung homöopathischer Arzneien nachzuweisen oder zu widerlegen.”

Das trifft nicht zuletzt auch auf die Berner ADHS-Studie zu, die von Homöopathie-Anhängern immer wieder als methodisch einwandfrei und beweiskräftig angeführt wird, zuletzt etwa von Cornelia Bajic vom Deutschen Zentralverein homöopatischer Ärzte in einem Focus-Gespräch und sogar von der Pressestelle der Universität München:

Selbst die vermeintlich hochwertigen Arbeiten werden von Kritikern auseinandergenommen”,

schreibt die Süddeutsche dazu.

Stimmt.

Zum Beispiel von Dr. Norbert Aust in seinem Blog Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie.

Und in einem weiteren Punkt kann der SZ-Redakteur den Skeptikern vorbehaltlos zustimmen:

Sinnvoll ist [...] die Forderung, dass Universitäten nicht länger ihren guten Namen mit der Einrichtung dubioser komplementärmedizinischer Lehrstühle und Studiengänge beschädigen sollten. Leider ist derzeit eher das Gegenteil der Fall. An vielen medizinischen Fakultäten blüht die vermeintliche Alternativmedizin.”

Zum Weiterlesen:

Interview zu dem Interviewbuch mit Axel Stoll

Ich habe keine Ahnung, wer oder was Petty News ist (und aus der seltsamen Webseite geht das auch nicht weiter hervor) – aber jedenfalls haben “Petty News” ein Video-Interview mit Alexa und Alexander von Hoaxilla gemacht:


Direktlink zum Video auf Youtube

Es geht darin um Skeptizismus, primär aber um das Interviewbuch mit Axel Stoll, das die beiden zusammen mit Sebastian Bartoschek geschrieben haben.

Zum Weiterlesen:

  • Alexa Waschkau/Alexander Waschkau/Sebastian Bartoschek: “Muss man wissen”. JMB-Verlag, Hannover 2013
  • Buchpremiere: Axel Stoll – kranke braune Esoterik? GWUP-Blog am 3. Dezember 2013
  • Die “Reichsbürger” und der fehlende Friedensvertrag, GWUP-Blog am 4. Januar 2014




NEU: Skeptiker 1/2014

SKEPTIKER 1/2014

SkepKon 2014 in München

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