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Esoterisches Ärzte-Bashing, Mythen und die Erwiderungen 2

Fortsetzung von Teil 1

“Pharma-Büttel”, “Dogmatiker”, “Wissenschaftsgläubige” …

Keine Wortwahl ist Pseudomedizinern und Esoterikern zu abgegriffen, um Kritiker zu bekritteln.

Die amerikanische Ärztin Harriet Hall (The SkepDoc, Science-Based Medicine) hat “44 Doctor-Bashing Arguments” zusammengestellt und jeweils eine kurze Replik dazu verfasst.

Hier eine freie Übertragung der Erwiderungen:

Die Schulmedizin tötet zahllose Patienten.

Kritiker der evidenzbasierten Medizin zitieren hingebungsvoll Artikel über Nebenwirkungen, Behandlungsfehler, Krankenhauskeime, iatrogene Komplikationen, Pharmaskandale etc. Natürlich ist umgekehrt keine Rede davon, wie viele Menschen durch EbM gerettet werden.

Therapien und Arzneimittel, die wirken, haben auch Nebenwirkungen. Die eigentliche Frage gilt daher dem Nutzen-Risiko-Verhältnis. Und diese ist eindeutig zu beantworten: Es gibt keinen Beleg dafür, dass Pseudomedizin wirkt oder gar Leben rettet – wohl aber kann der Patient Schaden nehmen, wenn im Vertrauen auf Pseudomedizin eine wirksame Behandlung verzögert oder versäumt wird.

Krass formuliert: Eine Chemotherapie kann tödlich ausgehen. Eine “unkonventionelle” Krebsbehandlung endet immer tödlich für den Patienten.”

Pharmaindustrie und Ärzten geht es nur ums Geld.

Dass Unternehmen mit ihren Produkten Geld verdienen, ist nichts Verwerfliches. Auch der Markt mit den Globuli ist ein Markt und die Hersteller verschenken ihre Kügelchen nicht. Die “Alternativmedizin” ist ein profitabler und gut organisierter Teil der Arzneimittelbranche, der Werbespots schaltet, bezahlte Lobbyisten beschäftigt und mit vergleichsweise geringem Aufwand große Gewinne erzielt.

Ärzte wiederum müssen nach einer langen und teuren Ausbildung eine Praxis mit mehreren Angestellten wirtschaftlich betreiben und sind von unkalkulierbaren gesundheitspolitischen Entscheidungen betroffen, die jederzeit gravierende Einschnitte mit sich bringen können – was etwa für Heilpraktiker nicht gilt. Homöopathen bekommen ein- bis eineinhalbstündige Gespräche sogar von manchen Kassen vergütet. Davon können Ärzte nur träumen.

Und was ein niedergelassener Arzt zum Beispiel an dem angeblichen “Milliardengeschäft” Impfungen verdient, kann man hier nachlesen.”

Die Skeptiker und Kritiker sind völlig vernagelt und unterdrücken Alternativen.

Wenn Homöopathie oder andere Pseudoverfahren tatsächlich wirken würden, dann wären die Pharmafirmen die ersten, die darauf anspringen. Immerhin könnten sie sich damit die langwierige und vor allem immens teure pharmakologische Forschung sparen und billigen Zucker teuer verkaufen. Und wäre es nicht viel klüger, neue Impfstoffe zu unterdrücken und stattdessen an den Krankheiten zu verdienen?

“Alternativmedizin” ist definitiv das falsche Verschwörungsopfer. Das Bessere ist stets der Feind des Guten, und auch Skeptiker und ihnen nahe stehende Menschen werden krank. Warum also sollten die Skeptiker so kurzsichtig oder verbohrt sein, eine wirksame, effektive und kostengünstige Heilmethode zu verwerfen – wenn denn die Homöopathie und andere Methoden diese Eigenschaften tatsächlich hätten?

Skeptiker lehnen Pseudomedizin deswegen ab, weil diese nicht funktioniert. Alle diesbezüglichen Ansätze und Behauptungen haben sich als nicht stichhaltig herausgestellt.”

Die Schulmedizin behandelt nicht ganzheitlich.

Auch die evidenzbasierte Medizin sieht den Menschen als Einheit aus psychisch-sozialem und biologischem Wesen und behandelt somit „ganzheitlich“ – allerdings ohne daraus ein besonderes Etikett zu machen und als etwas Exklusives vor sich herzutragen. Teil der Standard-Anamnese ist auch die Familien- und Sozialgeschichte des Patienten, also Lebensstil, Arbeit, Stress, Bildung, Ernährung, sozioökonomischer Status und alles, was sich auf die Befindlichkeit auswirken könnte.

Wenn Alternativmediziner von „ganzheitlich“ sprechen, meinen sie eben nicht nur den Menschen als Einheit, sondern zugleich auch Methoden und Verfahren, für die es keinen Wirksamkeitsnachweis, ja nicht einmal ein plausibles Wirkprinzip gibt.”

Homöopathische Arneimittel sind so individuell für den Patienten ausgesucht, dass klinische Studien ungeeignet sind, um ihre Wirksamkeit zu beurteilen.

Pseudomediziner haben ein fast schizophren zu nennendes Verhältnis zu wissenschaftlichen Studien:

Scheinbar positive Daten werden begeistert aufgenommen, eindeutig negative aber mit dem Hinweis abgelehnt, es sei völlig egal, welches Ergebnis Studien hätten – man sehe doch jeden Tag, dass etwa Homöopathie funktioniere.

Das heißt: Keine Belege würden je genügen, um die Einstellung von Pseudomedizinern zu ändern.

Aber nicht nur aus diesem Grund ist die obige Behauptung bloß eine Ausrede. Studien lassen sich durchaus so gestalten, dass die individualisierte Therapie berücksichtigt wird.

Solche Untersuchungen sind sogar recht einfach, zum Beispiel:

Die individuell verschriebenen homöopathischen Präparate müssen bei der Hälfte der Patienten ohne deren Wissen und ohne Wissen der behandelnden Homöopathen mit gleich aussehenden unwirksamen Placebos vertauscht werden. Wäre die Behandlung damit trotzdem erfolgreich, entlarvte sich das Grundkonzept der Homöopathie als Phantasieprodukt, dessen praktische Wirksamkeit allein auf Placebo-Effekten beruht.

Genau diese und viele andere Versuche wurden gemacht – mit negativem Ausgang für die Homöopathie.”

Natürliche Heilmittel wie zum Beispiel Miracle Mineral Supplement oder Vitamine sind nicht patentierbar, deshalb hat Big Pharma kein Interesse daran und versucht, sie schlechtzumachen.

Das ist Unsinn. Die meisten neuen Medikamente basieren auf Naturstoffen. Sie kommen in der Natur vor, etwa in Pflanzen oder Tieren, sind mit Naturstoffen verwandt oder imitieren deren Wirkprinzip.

Ein Beispiel ist das Krebsmedikament Taxol, das natürlicherweise in der Pazifischen Eibe vorkommt. Oder der Wirkstoff Galantamin aus dem Kaukasischen Schneeglöckchen, der gegen Alzheimer-Demenz eingesetzt wird.

Naturstoffe sind in der Regel nicht patentierbar. Patente können nur für neue Ideen und Innovationen vergeben werden. Dies erreicht man aber schon durch geringfügige Veränderungen bei der synthetischen Herstellung beziehungsweise Nachbildung.”

Mein Arzt hat mich falsch behandelt, seitdem gehe ich zum Heilpraktiker oder Homöopathen.

Und wenn Sie sich eine Lebensmittelvergiftung zuziehen, hören Sie für immer auf zu essen? Natürlich gibt es auch schlechte Ärzte. Das ändert aber nichts daran, dass es sich bei der EbM um wissenschaftlich belegte und erprobte Verfahren handelt, die bei Ihnen möglicherweise falsch angewendet wurden oder für Sie nicht geeignet waren oder von denen Ihr Arzt noch nichts wusste oder die er für Ihre Erkrankung nicht in Erwägung gezogen hat.

Bei der “Alternativmedizin” haben wir es dagegen durchgängig mit unplausiblen, nicht belegten Phantasieverfahren zu tun, deren Grundlagen und Methodik schon falsch ist.

In der Homöopathie zum Beispiel ist viel von „sanft behandeln” die Rede. Aber vom völlig unsinnigen Prinzip, dass Ähnliches mit Ähnlichem geheilt werden soll, von Verdünnungen und Potenzen erfährt der Patient gar nichts.

Ärzte haben keine Zeit und hören nie zu und verschreiben das, was die Pharmaindustrie will.

„Rezeptblockmedizin“ gibt es wirklich in manchen Arztpraxen. Und in der Tat wird in unserem medizinischen Versorgungssystem viel zu wenig Wert auf eine ausführliche Anamnese mit ausführlichen Patientengesprächen gelegt – und die Pseudomedizin stilisiert sich mit dem Etikett „ganzheitlich“ bewusst als Alternative zu schlecht praktizierter Schulmedizin.

Die Frage bleibt aber: Ist es redlich, überwindbare Fehler der evidenzbasierten Medizin zu deren Wesen zu erklären und daraus die Überlegenheit der eigenen Methode abzuleiten? Die echte Medizin ist nicht perfekt. Ärzte machen Fehler. Pharmafirmen agieren grenzwertig. Das Gesundheitssystem ist verbesserungswürdig. Niemand bestreitet das.

Trotzdem warnt der englische Skeptiker Ben Goldacre: “Viele Menschen entwickeln eine kindische Haltung. Die Pharmaindustrie ist böse, also lasse ich mein Kind nicht impfen. Die Pharmaindustrie ist böse, deshalb nimm lieber Vitaminpillen oder geh zum Homöopathen. Nur weil Big Pharma böse ist, heißt das nicht, dass Zuckerpillen wirken.”

Über Galileo hat man früher auch gelacht.

Und über Bozo den Clown hat man auch gelacht – und ganz zu Recht.

In der Medizin sind zahllose abenteuerliche Ideen und Spekulationen genau dort gelandet, wo sie hingehörten, nämlich auf dem Kehrrichthaufen der Geschichte. Bei weitem nicht jede Ansicht, der heftig widersprochen wird, ist am Ende doch richtig.

Und wenn es so ist, dann setzt sie sich auch durch. Als zwei australische Mediziner Anfang der 1980er-Jahre erklärten, dass Magengeschwüre und Magenschleimhautentzündungen von einem Erreger verursacht werden, nahm das in der Fachwelt niemand ernst.

2005 erhielten sie für die Entdeckung des Magenbakteriums Helicobacter pylori den Nobelpreis, weil sie ihre Behauptung belegen konnten.”

Alternativmedizin spart Kosten.

Wasser ist auch billiger als Benzin – trotzdem kann man kein Auto damit betanken. Was nützt ein kostengünstiges Verfahren, das nicht funktioniert?

Außerdem ist die Behauptung, dass Alternativmedizin dem System Geld spart, sehr umstritten. Die wenigen Daten, die es zu den Kosteneffekten etwa der Homöopathie gibt, sind kaum untereinander vergleichbar und außerdem widersprüchlich.”

Nur 15 Prozent der Schulmedizin sind evidenzbasiert.

Oder vielleicht noch weniger? Oder vielleicht 40 Prozent, wie das GEO-Magazin schreibt?

Zum Anteil evidenzbasierter Leistungen im Gesundheitswesen gibt es unterschiedliche Angaben, die von zehn bis 100 Prozent reichen, je nach Design, Setting, Zielgrößen und Definition von Evidenz.

Außerdem ist es ein großer Unterschied, ob ein Verfahren zumindest plausibel und in der Anwendung bewährt und erfolgreich ist (wie z.B. verschiedene nicht getestete Verfahren in der Chirurgie) – oder völlig unplausibel, weil es Naturgesetzen widerspricht, wie etwa die Homöopathie.

Und selbst nur zehn Prozent Evidenz wären besser als die null Prozent Evidenz der Pseudomedizin.”

Zum Weiterlesen:

  • Defending Science-Based Medicine: 44 Doctor-Bashing Arguments … and Their Rebuttals, Skeptical Inquirer Volume 38.6, November/December 2014
  • Kontraproduktive Chemotherapie? Psiram am 7. August 2012
  • What’s the harm in alternative medicine?
  • Alternativmedizin“ und der Krebstod der „Wellness Warrior“, GWUP-Blog am 10. März 2015
  • Krebsforscher: Finger weg von „komplementären“ Verfahren, GWUP-Blog am 7. Januar 2015
  • Homöopathie: Das gute Geschäft mit den Kügelchen, Welt-Online am 10. Mai 2013
  • Geschäftsmodell Homöopathie: Kleine Kügelchen, großer Gewinn, Zeit-Online am 24. Juni 2010
  • Werden Sie Scharlatan! GWUP-Blog am 20. November 2011
  • Das Geschäft mit der Gesundheit, das Homöopathie-Manifest und die unhaltbaren Zustände des Kängurus, Gesundheits-Check am 21. Oktober 2012
  • Die absurde finanzielle Ungleichbehandlung von Ärzten und Heilpraktikern, GWUP-Blog am 18. Juli 2014
  • Kohle scheffeln durchs Impfen, kinderdok am 30. März 2014
  • Die Big-Haftpflicht-Verschwörung, Ratio-Blog am 28. Juli 2010
  • Komplementärmedizin: Und das soll helfen? ZeitWissen 4/2013
  • Die Homöopathie-Lüge: So gefährlich ist die Lehre von den weißen Kügelchen, Astrodicticum simplex am 13. November 2012
  • Homöopathie – das falsche Verschwörungsopfer, Evidenz-basierte Ansichten am 8. Januar 2011
  • Geschäftsgrundlage Unwissen, Kritisch gedacht am 18. Februar 2011
  • Ist Homöopathie wirkungslos? Natürlich, daran ändert auch Professor Robert Hahn nichts, GWUP-Blog am 10. April 2015
  • Nichts wirkt so gut wie Homöopathie, diaphanoskopie am 9. April 2015
  • Das Märchen vom “Kostendämpfer Homöopathie”, GWUP-Blog am 13. November 2012
  • Was ist Evidenz-basierte Medizin und was nicht? Münch. med. Wschr. 139
  • Wieviel Medizin ist evidenzbasiert? Psiram am 26. September 2011
  • The evidence for evidence-based medicine, veterinarywatch
  • How Much Modern Medicine is Evidence-Based, NeuroLogica am 19. November 2007

Ein Perpetuum Mobile ist auch 2015 immer noch unmöglich

Nein, die GWUP hat zu keinem Zeitpunkt “eingeräumt”, dass ein Perpetuum Mobile möglich sei, wie ein verhaltensorigineller Crank seit Jahren in wirren Pressemitteilungen behauptet (die Hintergründe kann man hier nachlesen).

In der aktuellen Newton-Folge erläutert GWUP-Vorstand Dr. Florian Aigner nochmal die Sache mit dem Energieerhaltungssatz und andere physikalische Gesetze:

Wie sieht die Energiegewinnung der Zukunft aus, welche Maschinen können billig und wirksam Energie erzeugen? Die Lösung wäre doch so einfach: Erfinden wir eine Maschine, die ohne Energiezufuhr funktioniert, die von selbst ewig läuft:

Ein Perpetuum Mobile also!

Jedes Jahr werden Dutzende Patente für eine “ewige Maschine” angemeldet. Ein Thema, das heute so aktuell ist, wie bereits vor Hunderten von Jahren.

Daniel Grumiller und Florian Aigner von der TU Wien erklären die physikalischen Gesetze, die die Idee eines Perpetuum Mobiles regelmäßig platzen lassen.”

Die Sendung vom 11. April ist noch die nächsten fünf Tage in der ORF TVThek zu sehen.

Zum Weiterlesen:

„Law & Order“-Politik gegen Impfverweigerer?

Sogar die aktuelle Folge von “Law & Order: SVU” befasst sich mit der Masernwelle in den USA und den Impfgegnern:


Direktlink zum Video auf Youtube

In “Granting Immunity” (Erstausstrahlung 8. April 2015) tritt ein Jenny McCarthy-Lookalike namens Trudy Malko (Missi Pyle) auf, das glaubt, Impfungen würden Autismus auslösen.

Im Wartezimmer eines Kinderarztes infiziert Trudys ungeimpfter Sohn das Baby einer Polizistin mit Masern. Daraufhin sagt der Bezirksstaatsanwalt der missionarischen Impfgegnerin den Kampf an:

You are openly flouting the law. This is reckless endangerment. And we will stop you.”

Am Ende kassiert Trudy drei Monate Knast.

In Deutschland will Gesundheitsminister Hermann Gröhe im Bundestag über Konsequenzen für Impfgegner beraten.

In Australien plant die Regierung, Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen, Sozialleistungen zu entziehen.

Derweil können wir einem Bericht der Freien Presse Chemnitz entnehmen, dass unsere Befürchtungen bezüglich des “Chemnitzer Impfsymposiums” an der Technischen Universität (TU) mehr als berechtigt waren.

Unfassbar, dass eine Hochschule übelster Anti-Impf-Propaganda eine Bühne gibt.

Zum Weiterlesen:

  • “Law & Order: SVU’” tears apart anti-vaxxers in episode with Jenny McCarthy lookalike, Washington Post am 9. April 2105
  • Law & Order: SVU tackles the anti-vaccination movement, Entertainment Weekly am 8. April 2015
  • Jenny McCarthy: anti-vaxxer, public menace, LA Times am 27. Januar 2015
  • A counterpoint to Jenny McCarthy’s autism narrative, Respectful Insolence am 13. Januar 2014
  • Jenny McCarthy‘s Body Count und das Anti-Impf-Gefasel nerviger Pseudo-Promis, GWUP-Blog am 6. Juli 2014
  • Medizin: Wenn C-Promis die “Experten” spielen, GWUP-Blog am 1. November 2013
  • Kopp-Unsinn: Geimpfte Kinder sind kranker als ungeimpfte, Psiram am 18. Januar 2013
  • Video: Impfungen, Autismus und der Fall Hannah Poling, GWUP-Blog am 8. Juni 2014
  • Impfpflicht pro und contra, Gesundheits-Check am 26. Februar 2015
  • “Pünktchen auf Anton”: Klasse Beitrag der heute-show über Impfverweigerer, GWUP-Blog am 11. April 2015
  • Warum ein brennendes Haus löschen? Warum Kinder von Bären fernhalten? Warum impfen? GWUP-Blog am 8. April 2015
  • The Google University Effect, NeuroLogica am 6. April 2015
  • Der Impfgegnerwahn des “Chemnitzer Impfsymposiums”, veranstaltet vom Sächsischen Homöopathie-Verein, Ratgeber-News-Blog am 11. April 2015
  • Abbott government withdraws childcare payments for anti-vaccination parents, The Syndney Morning Herald am 12. April 2015

Esoterisches Ärzte-Bashing, Mythen und die Erwiderungen 1

“Pharma-Büttel”, “Dogmatiker”, “Wissenschaftsgläubige” …

Keine Wortwahl ist Pseudomedizinern und Esoterikern zu abgegriffen, um Kritiker zu bekritteln.

Die amerikanische Ärztin Harriet Hall (The SkepDoc, Science-Based Medicine) hat “44 Doctor-Bashing Arguments” zusammengestellt und jeweils eine kurze Replik dazu verfasst.

Hier eine freie Übersetzung der ersten zehn Erwiderungen:

Die Wissenschaft weiß auch nicht alles.

Stimmt. Aber die Wissenschaft weiß, dass sie nicht alles weiß, und deshalb forscht sie immer weiter, anstatt Wissenslücken mit Märchen und Nonsenserklärungen zu füllen, wie es in der Esoterik und Pseudowissenschaft üblich ist.”

Es gibt auch andere Erkenntniswege als die Wissenschaft.

Sicher, zum Beispiel Intuition, Träume, Offenbarungen, Spekulationen, Nachdenken, Abstraktionen oder persönliche Erfahrungen. All das kann Menschen zu einem starken Glauben an etwas bringen. Aber bevor diese Überzeugungen nicht objektiv überprüft worden sind, kann man keinesfalls davon ausgehen, dass sie die Realität widerspiegeln.

Um zu verlässlicher Erkenntnis zu gelangen, brauchen wir die wissenschaftliche Methode. Wissenschaft ist nichts anderes als ein effektiver Weg, um neue Ideen zu finden und zu prüfen, ob diese Ideen und Erkenntnisse auch richtig sind. Wenn sich herausstellt, dass die Idee falsch war, dann muss man sie verwerfen.

Wissenschaft ist doch auch nur ein Glaube.

Man “glaubt” nicht an Wissenschaft – Wissenschaft ist ein methodischer Prozess, der ein begründetes und geordnetes Wissen hervorbringt.”

Was gestern noch als “gesichert” galt, ist morgen schon veraltet.

Das zeigt, dass Wissenschaft funktioniert. Wissenschaftliche Erkenntnisse sind stets nur vorläufig. Das ist kein Mangel, sondern eine große Stärke und eine Garantie für die beständige Erarbeitung von neuem Wissen.

Pseudomediziner wie Homöpathen und andere dagegen argumentieren immer noch weitgehend gleich wie die Gründerväter ihrer Zunft vor zweihundert Jahren, obwohl unser medizinisches und biologisches Wissen heute ein völlig anderes ist.”

Wissenschaft ist dogmatisch.

Wie kann Wissenschaft dogmatisch sein, wenn sich wissenschaftliche Erkenntnisse stetig ändern? Dogmatisch sind Esoteriker und Pseudomediziner, die unbeirrbar an längst überholten und vielfach widerlegten Behauptungen festhalten. Wissenschaft dagegen ist ständig in Bewegung und lebt von neuen Wegen und Ideen.”

Skeptiker verteidigen stur den Mainstream.

Eigene Aussagen müssen fundiert sein. Es ist rational und vernünftig, sich nach den bestgeprüften und bewährten Thesen zu richten – also nach solchen, die mit wissenschaftlichen Methoden überprüft worden sind. “Mainstream”-Medizin basiert unter anderem auf Leitlinien, auf systematisch entwickelten Feststellungen und Empfehlungen von Expertengremien.

Etwas Besseres haben “Alternativ”-Mediziner nicht anzubieten, im Gegenteil: Pseudomediziner, Impfgegner, Verschwörungsgläubige und Esoteriker haben nicht wirklich verstanden, wie kritisches Denken funktioniert – es würde nämlich bedeuten, auch die Gegenpositionen zur “Mainstream”-Medizin nicht einfach so zu übernehmen, sondern auf ihre Plausibilität zu überprüfen.”

Skeptiker sind voreingenommen gegenüber der Alternativmedizin.

Es gibt keine Alternativmedizin. Es gibt nur gute und schlechte Medizin, wirksame und unwirksame Verfahren. Deshalb sind Skeptiker tatsächlich voreingenommen – gegenüber unbelegten Behauptungen, die dem widersprechen, was wir sicher über unsere Welt und wie sie funktioniert wissen. Und gegenüber Quacksalbern, die Patienten falsche Hoffnungen mit unhaltbaren Versprechen machen.”
Skeptiker unterstützen einseitig die Pharma-Industrie.
Skeptiker ergreifen keineswegs einseitig Partei für “die Schulmedizin“, die auch in vielen Fällen Dinge macht, die wissenschaftlich nicht belegt sind. Wir plädieren vielmehr für eine wissenschaftlich fundierte Medizin.
Da die Pharmaindustrie indes beständig im Fokus der kritischen Aufmerksamkeit steht und zahlreiche Organisationen und Initiativen den Gesundheitsmarkt und dessen Akteure beleuchten, beschränken sich die Skeptiker vornehmlich auf ihren USP “Pseudowissenschaften und außergewöhnliche Behauptungen”.
Ärzte fürchten die Konkurrenz von Heilpraktikern und Alternativmedizinern.
Die meisten Ärzte sind völlig ausgelastet. Sie haben keine Angst vor Mitbewerbern, sondern sorgen sich um Patienten, die von CAM-Vertretern nicht selten zu unwirksamen und teuren Behandlungen überredet werden und dabei ihre Gesundheit riskieren.”
Ärzte behandeln nur Symptome, nicht aber die wahren Ursachen einer Erkrankung.
Unsinn. Ein Patient mit Lungenentzündung wird nicht bloß nach den Symptomen wie Fieber, Husten und Schmerzen behandelt, sondern der Arzt versucht auch, den verursachenden Keim zu detektieren und zu bekämpfen. Bei einem Knochenbruch verordnet ein Arzt nicht bloß Ruhigstellung und die Kühlung der Verletzung, sondern er schient und behandelt den Bruch.
Der Vorwurf, Ärzte würden sich nicht den “wahren Ursachen” zuwenden, rührt wohl daher, dass Pseudomediziner als Krankheitsursachen oft reine Phantasievorstellungen anführen, wie etwa eine verstimmte Lebenskraft oder einen gestörten Energiefluss.”

Zum Weiterlesen:

  • Defending Science-Based Medicine: 44 Doctor-Bashing Arguments … and Their Rebuttals, Skeptical Inquirer Volume 38.6, November/December 2014
  • Wissenschafter machen Fehler – Esoteriker nicht, NZZ Campus am 9. April 2014
  • False Hope Is Quack Docs’ Go-To Medicine, The Daily Beast am 13. März 2015
  • Wissenschaft – auch nur eine Religion unter vielen? Frischer Wind am 5. November 2010
  • Nochmal: Wissenschaft ist keine Glaubenssache, GeoGraffitico am 10. August 2010
  • Der große Unterschied zwischen Wissenschaft und Religion am Beispiel von Uli Hoeness, Nachdenken bitte am 22. April 2013
  • Ist Wissenschaft dogmatisch? Astrodicticum simplex am 9. November 2012
  • Die Wissenschaft ist dogmatisch, Der Hellseher am 3. April 2013
  • Erfahrungsfundamentalismus in der Homöopathie, GWUP-Blog am 29. November 2012
  • Skeptiker als Pharma-Söldner? GWUP-Blog am 21. April 2013
  • Homöopathie: Unmögliches muss man nicht erklären, GWUP-Blog am 4. Februar 2011
  • Homöopathie: Parallelwelt ohne Naturgesetze, GWUP-Blog am 2. Februar 2011
  • Ist Homöopathie wirkungslos? Natürlich, daran ändert auch Professor Robert Hahn nichts, GWUP-Blog am 10. April 2015
  • Fehler – die große Stärke der Wissenschaft und der Alptraum der Esoteriker, GWUP-Blog am 11. April 2015

Fehler – die große Stärke der Wissenschaft und der Alptraum der Esoteriker

Ein viel geteilter Artikel in den letzten Tagen war

Wissenschafter machen Fehler – Esoteriker nicht”

aus dem Science-Blog von NZZ Campus:

Wieso fürchten wir uns nicht mehr vor Vampiren? Weil wir erkannt haben, dass es bessere Erklärungen für Krankheiten wie Tuberkulose oder Tollwut gibt.

Wieso glauben wir nicht mehr, dass die Erde eine Scheibe ist? Weil das Modell einer flachen Erde schlicht nicht geeignet ist, um einen Satelliten ins All zu schicken.

Und wieso verbrennen wir keine Hexen mehr? Weil wir verstanden haben, dass der Hexenschuss nichts mit Magie zu tun hat.

Wir sollten uns also immer freuen, wenn wir in unseren Aussagen einen Fehler erkennen – weil wir dann die Möglichkeit erhalten, ihn zu korrigieren.”

Weitere Beiträge zu diesem Thema gibt es von GWUP-Mitglied Dr. Peter Hank, der bei Wissen bloggt erklärt, wie Naturwissenschaft funktioniert (Teil 1 und 2).

Dazu kann man auch einen Podcast vom “GWUP-Magazin” der Münchner Skeptiker bei Radio Lora nachhören:

Dr. Peter Hank und Andreas Parsch erklären, mit welchen Methoden die Naturwissenschaften arbeiten, wie man  Behauptungen überprüfen und wie man Wissenschaft von Pseudowissenschaft unterscheiden kann. Außerdem erläutern sie Strategien zum Schutz vor Selbstäuschung und Betrug. Dabei zeigen sie, wie wissenschaftliche Methoden zahlreiche Bereiche des menschlichen Lebens beeinflusst haben und noch immer beeinflussen.”

Zum Weiterlesen:

“Pünktchen auf Anton”: Klasse Beitrag der heute-show über Impfverweigerer

In den letzten Wochen haben wir über zahlreiche Kreativ-Videos in Sachen Impfgegner-Szene berichtet.

Jetzt hat auch die heute-show einen klasse Beitrag über “sexy Masern-fucker” gebracht:

Pünktchen auf Anton”


Direktlink zum Video auf Youtube

Auch Prenzlauer Berg wird erwähnt – dazu gibt es ein Satirevideo der “Prenzlschwäbin” (ohne Dialektkenntnisse allerdings schwer zu verstehen):

Aufm Kollwitzplatz isch emmr was los! Kommet ihr au zur Masernparty?”


Direktlink zum Video auf Youtube

Zum Weiterlesen:

  • Warum ein brennendes Haus löschen? Warum Kinder von Bären fernhalten? Warum impfen? GWUP-Blog am 8. April 2015
  • Juden, Impfgegner, Reptiloiden: klasse Anti-Impfgegner-Video bei „Armes Deutschland”, GWUP-Blog am 3. April 2015
  • “Was Geht Ab!?”, Ihr Impfgegner? GWUP-Blog am 2. April 2105
  • “Fassungslos, wie ignorant man sein kann”: Masern-Prozess-Sieger David Bardens im Interview, GWUP-Blog am 2. April 2015
  • Masern-Prozess: Bardens gewinnt, Lanka muss zahlen, GWUP-Blog am 12. März 2015
  • “Die Angst vor der Nadel”: Beda Stadler über Impfverschwörungen, GWUP-Blog am 29. März 2015
  • “Das wirre Weltbild der Impfgegner” und ihr Lobgejodel auf die Anti-Realität, GWUP-Blog am 20. März 2015
  • Was tun gegen Impfgegner? Jetzt sind Emotionen gefragt, GWUP-Blog am 18. Februar 2015
  • Impfgegner drehen durch: immun gegen jede Vernunft, GWUP-Blog am 1. März 2015
  • Reizthema Impfen: Der Hang zu abstrusen Heilslehren, profil am 24. Februar 2015
  • Masern in China, auf dem Mars und die Ausrottung der Deutschen, GWUP-Blog am 25. März 2015
  • Wegen Masern: 330 Kinder mussten zu Hause bleiben, Ärztezeitung am 10. April 2015

Ist Homöopathie wirkungslos? Natürlich, daran ändert auch Professor Robert Hahn nichts

Man weiß langsam nicht mehr, ob man die hilflosen Rechtfertigungen der Homöopathen lustig oder peinlich finden soll.

Gerade hat die Deutsche Homöopathie Union (DHU) mal wieder einen PR-Gag gezündet, der eigentlich unter der Überschrift “Is Quatsch, ne – weisste selbst” stehen müsste, da kommt auch schon der nächste Klopper.

In der österreichischen Zeitung Die ganze Woche gibt es ein Pro & Contra zum Thema

Ist Homöopathie wirkungslos?”

Der Faktenreferenz von Prof. Ulrich Berger vom GWUP-Wissenschaftsrat setzt Dr. Erfried Pichler, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für homöopathische Medizin (OGHM), einen kuriosen Mix aus Trotz und Interpretationssubjektivität entgegen.

Homöopathie ist unwirksam?

Das ist unmöglich, nachdem sie schon seit mehr als 200 Jahren angewendet wird.”

Tja, die Wirksamkeit von Medizin wird aber nicht durch Beliebtheit ermittelt – sondern durch klinische Prüfungen, epidemiologische Studien etc.

Die Medizingeschichte ist voll von Methoden, die äußerst beliebt waren und sich auch lange gehalten haben, die sich bei genauerer Prüfung aber doch als wirkungslos oder sogar schädlich herausgestellt haben.

Und immer und jederzeit sind weltweit die Erfolge da.”

“Erfolge”, die auf Placebo-Effekten und Selbsttäuschung und anderen Gründen beruhen, nicht aber auf “energetischen Informationen”, die in bis zur Unendlichkeit verdünnten Tinkturen gespeichert sein sollen.

Außerdem haben wir mittlerweile fast 4.000 Studien.”

Die man in zwei Sätzen zusammenfassen kann: “Natürlich gibt es immer wieder vereinzelt positive Resultate, das ist bei der üblichen statistischen Irrtumswahrscheinlichkeit von 5 Prozent normal. Aber in der Gesamtschau ergibt sich ein finsteres Bild für die Homöopathie.”

Aber halt, an dieser Stelle beschwört Pichler den neuen homöopathischen Weltgeist, nämlich Professor Robert Hahn aus Schweden, Intensivmediziner und Anästhesist:

Er hatte nie etwas mit Homöopathie zu tun. Aber weil so viel Gegenwind aufgetreten ist, wollte er selbst wissen, wie das ausschaut. Der Schluss seiner Metaanalyse ist, dass man 90 Prozent aller Studien zur Homöopathie ausschließen müsste, um sagen zu können, die Homöopathie sei nicht wirksam.”

Das ist das aktuelle Mantra der Schüttel-Büttel, das bei jeder Gelegenheit dumpf rezitiert wird.

Was hat es damit auf sich?

Ausführlich mit Hahn beschäftigt hat sich Dr. Norbert Aust bei Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie.

Kurz zusammengefasst:

Es scheint keineswegs so zu sein, dass Hahn “nie etwas mit Homöopathie zu tun” hatte:

Durch die einseitig und demagogisch verfälschende Zitierweise outet er sich als jemand, der der Homöopathie mehr als nur einfach aufgeschlossen gegenübersteht”,

schreibt Aust, der zudem auf diverse Hahnsche Veröffentlichungen “about spirituality” hinweist, zum Beispiel “Clear answers from the world of spirits” oder “Heavenly Road”.

Hahn hat auch keine Metaanalyse zur Homöopathie durchgeführt, sondern er kritisiert nur die vorliegenden Metaanalysen – und auch dies ohne eine Neubewertung vorzunehmen.

Er weist lediglich auf Fehlermöglichkeiten hin und fokussiert dabei insbesondere auf die Bewertungskriterien, was den Ausschluss von Studien aus den Metaanalysen zur Homöopathie angeht.

Aust weiter:

Hahn hat noch nicht einmal abgeschätzt, wie groß der Einfluss der erkannten Mängel auf die erzielten Ergebnisse gewesen sein könnte – nichts, aber auch gar nichts ist neu entstanden, was den Eindruck rechtfertigen würde, dass irgendwelche Erkenntnisse revidiert oder neu erreicht worden seien.”

Heißt: Zur Wirksamkeit der Homöopathie sagt Prof. Robert Hahn überhaupt nichts.

Und sein Unbehagen an den Ein- und Ausschlusskriterien etwa der Metaanalyse von Shang wird auch von Skeptikern geteilt und diskutiert.

Der entscheidende Punkt aber ist:

Hahns Statement, man müsste 90 Prozent aller Studien zur Homöopathie ausschließen, um sagen zu können, die Homöopathie sei nicht wirksam, haben die Homöopathen gar nicht richtig verstanden – oder sie verwenden es wider besseres Wissen und hoffen, dass niemand so genau nachliest.

Tatsächlich ist Hahn völlig klar, dass es zahlreiche minderwertige Studien gibt, die in einer Metaanalyse zur Wirksamkeit von Homöopathie nicht zu suchen haben.

Und diese Studien, die auch Hahn selbst ausschließen würde, sind in den “90 Prozent” bereits enthalten.

Konkret illustriert Aust das an der letzten großen Metaanalyse von Shang und Kollegen aus dem Jahr 2005:

Shang sortiert von 110 Studien 87 wegen mangelnder Qualität aus, also 79 Prozent, was Hahn nicht in Zweifel zieht.”

Oder andersrum:

Nahezu 80 Prozent der ausgeschlossenen Studien wurden auch nach Hahns Auffassung zu Recht ausgeschlossen. Somit schrumpft sein berühmtes Zitat bei Licht besehen von “90 Prozent” auf etwa zehn Prozent zusammen.

Aus diesen zehn Prozent ausgeschlossener (und für die Homöopathie positiver) Studien schließt Hahn, dass die Metaanalysen die gesamte Studienlage zur Homöopathie nicht korrekt wiedergeben.

Das bleibt ihm als Meinung unbenommen, ändert aber nicht das Geringste am Grundkonsens über die Unwirksamkeit von Homöopathie.

Weder macht Hahn Vorschläge für ein angemessenes Studiendesign, noch erbringt er Nachweise dafür, dass die ausgeschlossenen Studien wirklich ein unanfechtbares Ergebnis pro Homöopathie zeigen und die Gesamtsituation nachhaltig ändern würden.

Den letzte Schnaufer seiner argumentativen Luftnot tut OGHM-Chef Pichler dann mit dem klassischen Argumentum ad hominem:

Mich stimmt bedenklich, dass die Kritik zur Homöopathie hauptsächlich von Personen getragen wird, die keine Ärzte sind und die keine Erfahrung, weder theoretisch noch praktisch, mit Homöopathie haben. Und sie maßen sich an, über etwas zu urteilen, wovon sie keine Ahnung haben.“

Ob ein Argument richtig oder falsch ist, wird korrekterweise am Argument selbst festgemacht, nicht an der Person, die das Argument führt.

Außerdem hat der Herr Pichler wohl überlesen, dass Prof. Berger auch für die neue “Initiative für Wissenschaftliche Medizin” spricht, die von Hunderten Medizinern und Ärzten unterstützt wird.

Immerhin sind Pichlers Einlassungen nicht ganz so abenteuerlich wie die eines englischen Homöopathen, der einen Kritiker darauf hinwies, man müsse den verschüttelten Wasserflakon zehnmal auf eine mit Leder und Pferdehaar bezogene Oberfläche schlagen, damit das Wasser sich an ein Molekül der Urtinktur erinnert, wie Ben Goldacre in “Die Wissenschaftslüge” schildert.

Aber wesentlich gehaltvoller kommen die Schelmenstücke von DHU, OGHM und Co. auch nicht daher.

In diese Richtung weist auch der Dialog von Mr. MIR (FSMoSophica) mit einem “promovierenden Homöopathen”:

Seinem Schlusswort ist nichts hinzuzufügen:

Sie sind ein Esoteriker. Und ein Verschwörungstheoretiker. So wie fast alle Homöopathen, die ich bis jetzt getroffen habe. Außerdem können Sie sich nicht an die Spielregeln der Forschung halten. Oder Sie wollen es nicht.”

Zum Weiterlesen:

  • Ist Homöopathie wirkungslos? Die ganze Woche am 7. April 2015
  • Homöopathie: Ein Konzept ohne Wissenschaft, Freie Presse am 8. April 2015
  • Nichts wirkt so gut wie Homöopathie, diaphanoskopie am 9. April 2015
  • Gespräch mit einem promovierenden Homöopathen, FSMoSophica am 9. April 2015
  • Die Homöopathie-Hydra, Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie am 3. Mai 2014
  • Metaanalysen in der Homöopathie, Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie am 3. Februar 2014
  • SkepKon-Rückblick: Die fehlende interne Validität von Homöopathie-Studien, GWUP-Blog am 10. Juni 2014
  • Homöopathie: Ein Theologe kritisiert die Skeptiker, GWUP-Blog am 6. April 2014
  • Homöopathie: Warum diese ganze Schreiberei dagegen? Ratgeber-News-Blog am 14. März 2014
  • Anti-Homöopathie-Petition, Pils zu Starkbier und Vortrag von Dr. Norbert Aust in München, GWUP-Blog am 8. April 2015
  • Wissenschafter machen Fehler – Esoteriker nicht, NZZ Campus am 9. April 2015

Es bleibt dabei: DHU darf nicht mit Promi Ursula Karven werben

Die Deutsche Homöopathie Union (DHU) hat gerade viel Spaß mit garstigen Skeptiker-Kommentaren zu einem Werbe-Artikelchen bei netmoms – da gibt’s auch schon die nächste Schlappe.

Das Oberlandesgericht Karlsruhe hat die Berufung der DHU gegen ein Urteil des Karlsruher Landgerichts zurückgewiesen.

Somit bleibt es dem Unternehmen auch weiterhin untersagt, mit der Schauspielerin Ursula Karven für Schüßler-Salze zu werben (wir berichteten).

Die Wettbewerbszentrale hatte in Karvens Promo-Auftritten einen Verstoß gegen das Heilmittelwerbegesetz gesehen. Demnach dürfen OTC-Präparate nicht mit einer Empfehlung von „Personen, die aufgrund ihrer Bekanntheit zum Arzneimittelverbrauch anregen können“, beworben werden.

Bei Karven werde bewusst deren Prominenz dazu genutzt, den Absatz mit Schüßler-Salzen zu steigern, monierte die Wettbewerbszentrale.

Das Landgericht Karlsruhe urteilte genauso. Jetzt unterlag die DHU auch in zweiter Instanz.

Auch der Homöopathika-Hersteller Pflüger (Rheda-Wiedenbrück) hat einen Dämpfer bekommen. Das Landgericht Bielefeld verbot dem Unternehmen verschiedene Werbeaussagen zur Wirksamkeit des homöopathischen Mittelchens Ranocalcin.

Wie haben wir erst vor vier Wochen hier geschrieben:

Homöopathie ist gutes Marketing, wirkt aber trotzdem nicht.”

Zum Weiterlesen:

  • Anti-Homöopathie-Petition, Pils zu Starkbier und Vortrag von Dr. Norbert Aust in München, GWUP-Blog am 8. April 2015
  • Karven darf nicht für Schüssler werben, apotheke adhoc am 8. April 2015
  • Pflüger darf keine Sportler locken, apotheke adhoc am 8. April 2015
  • Gerichtsurteil: Schauspielerin Ursula Karven darf nicht für Schüßler-Salze werben, Ratgeber-News-Blog am 8. April 2015
  • Bach-Blüten vor Gericht: “Kein Wirksamkeitsnachweis”, GWUP-Blog am 7. Februar 2014
  • Von wegen “Potenz”: Kein besserer Sex mit Homöopathie, GWUP-Blog am 17. September 2013
  • Heels Schwindelpräparate, GWUP-Blog am 9. Juli 2013
  • Beauty is nothing without brains! Ein Schüßler-Update, Bullshit-Blog am 14. Mai 2013
  • Marion Kracht wirbt für Homöopathie – und Jenny McCarthy bleibt Impfgegnerin, GWUP-Blog am 12. Januar 2014
  • Gericht verbietet Schüßler-Werbung mit Ursula Karven, GWUP-Blog am 7. Mai 2013

Anti-Homöopathie-Petition, Pils zu Starkbier und Vortrag von Dr. Norbert Aust in München

Wenn die Homöopathie-Lobby Reklame macht, wird’s meistens unfreiwillig komisch (etwa hier und hier und hier).

So auch in einem aktuellen Artikel bei netmoms:

Diese 8 Sätze können Fans von Homöopathie nicht mehr hören!”

Dass “Homöopathie-Fans” von der Kritik an ihrem feinstofflichen Kuscheltuch genervt sind, mag ja sein – macht aber ihre Pseudo-Argumente nicht besser.

Und wissenschaftlich belegte Tatsachen über die Wirkungslosigkeit und den methodischen Unsinn der Homöopathie als “Vorurteile” zu bezeichnen – na ja.

Besonders süß:

Ja, die weißen Zuckerkügelchen allein haben keinerlei medizinische Wirkung. Sie sind jedoch die Träger für die eigentlichen homöopathischen Mittel. Bei der Potenzierung wird zudem zwar die Urtinktur verdünnt, aber nur, um deren Wirkkraft bei jedem Verdünnungsvorgang durch Schütteln um ein Vielfaches zu erhöhen.”

Wir sehen schon die Leserbriefe vor uns, in denen Net-Dads anfragen, ob das auch mit Pils funktioniert und man mit ein bisschen Schütteln Starkbier daraus machen kann?

Oder was in Babys Fläschchen passiert, wenn eine Net-Mom die Säuglingsnahrung schüttelt? Potenzieren sich dann die Vitamine zu einer Hypervitaminose oder einem lebensgefährlichen Vital-Schock?

Entsprechend knackig fallen denn auch die Kommentare zu dieser überaus misslungenen Werbung aus, zum Beispiel:

Der Artikel wiederholt lediglich die gleichen schwachsinnigen Behauptungen, die die Homöopathie-Jünger sonst auch immer hervorbringen. Etwas immer wieder zu wiederholen, macht es nicht wahr.”

Viel interessanter ist dagegen ein Beitrag im Hugo-Stamm-Blog:

Homöopathie als Glaubenssystem”

Stamm beschreibt den Homöopathie-Erfinder Samuel Hahnemann aus heutiger Sicht als “medizinischen Laien”, der …

… weniger Kenntnisse hatte als heute ein durchschnittlicher Primarschüler. Wie sollte er da ein brauchbares System erfunden haben, das bis heute seine Gültigkeit hat?

Hahnemann überschätzte sich massiv und war überzeugt, dass seine Methode das Ende der Forschung bedeuten würde. So schrieb er in seinem Buch Organon der Heilkunst:Die reine homöopathische Heilart ist der einzige richtige, der einzige durch Menschenkunst mögliche, geradeste Heilweg, so gewiss zwischen zwei gegebenen Punkten nur eine einzige gerade Linie möglich ist.”

Da bleibt kein Spielraum für Interpretationen, und Homöopathie entpuppt sich als ein Glaubenssystem.”

Und weil das so ist, weisen die GWUP-News auf eine Petition gegen die Erstattung von Homöopathie als Satzungsleistung von gesetzlichen Krankenkassen hin.

Sie kann bis Ende April hier gezeichnet werden.

Wer sich anschaulich über den Unsinn der Homöopathie informieren möchte, hat dazu am nächsten Dienstag (14. April) in München Gelegenheit.

Dort ist Dr. Norbert Aust mit seinem Vortrag “Homöopathie ent-täuscht?” zu Gast.

Die Veranstaltung der Münchner Skeptiker beginnt um 18.30 Uhr in der Volkssternwarte (Rosenheimer Straße 145h).

Zum Weiterlesen:

  • Homöopathie als Glaubenssystem, Hugo-Stamm-Blog am 4. April 2015
  • Neue Petition: Keine Erstattung von Homöopathika durch Krankenkassen, GWUP-News am 3. April 2015
  • Globuli: Kein Zucker auf Rezept! Ruhrbarone am 8. April 2015
  • Petition im Bundestag gegen Homöopathie-Erstattung, Psiram am 6. April 2015
  • Homeopathy’s Shaky Science Gets Boost From New Law, discovery am 8. April 2015
  • Die Krankenkassen und die Paramed… äh, Alternativmedizin (1) – Wo kommt das her und wie wird man das los? Psiram am 4. November 2014
  • Die Krankenkassen und die Paramed… äh, Alternativmedizin (2) – Dürfen die das? Psiram am 4. November 2014
  • SkepKon-Rückblick: Die fehlende interne Validität von Homöopathie-Studien, GWUP-Blog am 10. Juni 2014
  • SkepKon 2014: Homöopathie-Vortrag von Dr. Norbert Aust jetzt als Video, GWUP-Blog am 7. Juli 2014
  • Homöopathie ent-täuscht? – Vortagsankündigung und -angebot, Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie am 26. Juni 2014
  • In Sachen Homöopathie: Interview mit Dr. Norbert Aust im neuen “Skeptiker”, GWUP-Blog am 14. September 2014
  • Krankenkassenvoodoo und Voodookrankenkassen: eine kleine Auswertung, Wahrsagerchecks-Blog am 4. Februar 2014
  • Homöopathie – das gute Geschäft mit den Kügelchen, Welt-Online am 10. Mai 2013

Warum ein brennendes Haus löschen? Warum Kinder von Bären fernhalten? Warum impfen?

Immerhin, die Masernwelle und die unfassbare Ignoranz der Impfgegner stachelt die Kreativität von Medienschaffenden an.

Die aufsehenerregende “Message” des US-Comedian und Talk-Moderators Jimmy Kimmel an die Anti-Impf-Bewegung gibt es jetzt auch mit deutschen Untertiteln:


Direktlink zum Video auf Youtube

Und die Comedy-Group “Girl Pants Productions” hat für ihren Youtube-Kanal das schöne Video

How Anti-Vaxxers Sound to Normal People”

produziert:


Direktlink zum Video auf Youtube

Klar, es gibt keinen Beweis dafür, dass Salat nicht dick macht. Und warum Kinder nicht mal zu einer naturbelassenen Geburtstagsfeier inmitten wilder Bären einladen? Auch einen Hausbrand sollte man keinesfalls löschen, denn irgendwann geht das Feuer ja auch wieder ganz von selbst aus.

Zum Weiterlesen:

  • Die Masernwelle ebbt nicht ab, FAZ am 8. April 2015
  • Schluss mit lustig: US-Comedian legt sich mit Impfgegnern an, GWUP-Blog am 7. März 2015
  • Neurotizismus in Deutschland: Null Toleranz für Impfgegner, GWUP-Blog am 7. April 2015
  • Juden, Impfgegner, Reptiloiden: klasse Anti-Impfgegner-Video bei „Armes Deutschland”, GWUP-Blog am 3. April 2015
  • “Was Geht Ab!?”, Ihr Impfgegner? GWUP-Blog am 2. April 2105
  • Masern-Impfung: Das Schweigen der Hausarzt-Verbände, Ärztezeitung am 8. April 2015
  • What can parents do to prevent the further spread of the measles? Science Daily am 2. April 2015




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