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„Wie Wissenschaft die Welt moralischer macht“ in Köln und Düsseldorf mit Michael Shermer

Michael Shermer, Gründer der Skeptics Society, ist auf Deutschlandbesuch.

In Köln (15. März) und Düsseldorf (16. März) spricht er über sein neues Buch

The Moral Arc”


Direktlink zum Video auf Youtube

Der Vortrag ist auf Englisch, wird aber simultan ins Deutsche übersetzt.

In der Ankündigung heißt es:

We are living in the most moral period of our species’ history. Ever since the Age of Reason and the Enlightenment thinkers consciously applied the methods of science to solve social and moral problems.

The experimental methods and analytical reasoning of science created the modern world of liberal democracies, civil rights and civil liberties, equal justice under the law, open political and economic borders, free minds and free markets, and prosperity.

More people in more places have greater rights, freedoms, liberties, literacy, education, and prosperity – the likes of which no human society in history has ever enjoyed.

In this provocative and compelling talk – that includes brief histories of freedom rights, women’s rights, gay rights, and animal rights, along with considerations of the nature of evil and moral regress – Shermer explains how abstract reasoning, rationality, empiricism, skepticism – scientific ways of thinking – have profoundly changed the way we perceive morality and, indeed, move us ever closer to a more just world.”

Der Eintritt kostet 7 € (Köln) und 5 € (Düsseldorf).

Zum Weiterlesen:

  • Michael Shermer: The Moral Arc: How Science and Reason Lead Humanity toward Truth, Justice, and Freedom. Henry Holt and Co., New York 2015
  • Book review: “The Moral Arc”, science as a force for good, by Michael Shermer, Washington Post am 23. Januar 2015
  • Smart Reads: Michael Shermer’s „The Moral Arc“, World Science Festival am 27. Januar 2015

Waldorf-Rechenkünste in Sachen Masern: ungenügend

Ein Gastbeitrag von André Sebastiani

Eigentlich war das Ziel der WHO, dass die Masern in Europa bis 2010 ausgerottet sein sollten.

Die Realität sieht leider anders aus.

Die Masernepidemie in Berlin hat einen neuen Höchststand erreicht und auch an der Waldorfschule Sankt Augustin im Rhein-Sieg-Kreis kam es zu einem Masernausbruch.

Betrachtet man die Masernausbrüche der letzten Jahre, so fällt auf, dass die Masern infolge geringer Impfquoten häufig an Waldorfschulen grassieren.

Beim jüngsten Fall in Sankt Augustin hatten 40 Prozent der Schülerinnen und Schüler keinen ausreichenden Impfschutz gegen Masern.

Demgegenüber lag im gesamten Rhein-Sieg-Kreis die Impfquote unter den Erstklässlern bei 90 Prozent.

Diese Zahlen sprechen eine deutliche Sprache, die die Pressesprecherin des Bundes der Freien Waldorfschulen, Celia Schönstedt, aber nicht wahrhaben möchte. Auf Twitter entspann sich eine Diskussion, die nicht nur über die Haltung zu Impfungen Bände spricht.

Frau Schönstedt mischte sich über den offiziellen Twitteraccount des Bundes der Freien Waldorfschulen in meine Diskussion mit einem Impfgegner ein und verlinkte ein impfkritisches Video.

In dem Video kommen die bekannten Impfkritiker Martin Hirte, Steffen Rabe und Georg Soldner zu Wort. Alle drei sind Autoren des „Wuppertaler Manifests“, eines impfkritischen Pamphlets.

Für Frau Schönstedt und den Bund der Freien Waldorfschulen geben die Aussagen im Video den Stand der Wissenschaft wieder, denn „es werden auch aktuelle Studien genannt in den Vorträgen“.

Wohl nur wer die Anthroposophie für eine Wissenschaft hält, kann auch zu solch einer irrigen Überzeugung kommen (zum Vergrößern anklicken):

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Ein paar Tage später entspann sich eine längere Diskussion mit Frau Schönstedt über den Twitteraccount @Waldorfschule.

Die Zeit hatte in einem Online-Kommentar behauptet, die geringe Impfquote an Waldorfschulen sei bloß ein Mythos, und ich schrieb dazu, dass schon ein wenig Recherche ausgereicht hätte, um diesen angeblichen “Mythos” belegt zu finden.

Das rief Frau Schönstedt auf den Plan:

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Mein Hinweis, dass sich aus der Relation der Masernfälle an Waldorfschulen zu der Gesamtzahl an Masernerkrankungen ein aussagekräftiges Bild ergibt, forderte Frau Schönstedt zu diesem Statement heraus:

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Das stimmt soweit.

Allerdings muss man wissen, dass die Schulform von an Masern erkrankten Kindern nicht erhoben wird. Das heißt, dass die Zahlen, die zum Beispiel bei Psiram genannt werden, aus Presseberichten oder -erklärungen stammen. Die Dunkelziffer dürfte also weit höher liegen.

Ich twitterte dies zusammen mit dem Hinweis, dass ja auch nur rund ein Prozent der Schüler auf Waldorfschulen gehen, woraufhin Frau Schönstedt umgehend antwortete:

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Wie man Zahlen einrechnet, die gar nicht erhoben werden, bleibt das Geheimnis von Frau Schönstedt. Rechnen und Statistik scheinen nicht unbedingt zu ihren Stärken zu zählen, scheint sie doch zu glauben, mit dem (richtigen) Hinweis auf die falsche Referenzgröße ein schlagendes Argument zu haben.

Rechnen wir also nach:

Laut Statistischem Bundesamt gab es 2013 rund 82 000 Waldorfschüler. Bei 80,8 Millionen Bundesbürgern im Jahr 2013 machten Waldorfschüler also nur rund 0,1 Prozent der Gesamtbevölkerung aus.

Wenn diese 0,1 Prozent der Gesamtbevölkerung aber 2013 (mindestens) 4,8 Prozent aller Masernerkrankungen in Deutschland erlitten, heißt das, dass Waldorfschüler ein (mindestens) 48 mal höheres Risiko tragen, an Masern zu erkranken.

Eine gewaltige Quote.

Waldorfschulen sind immer wieder die Keimzellen von epidemischen Masernausbrüchen. Diese Ausbrüche sind ein sichtbares Zeichen für den antiwissenschaftlichen und antiaufklärerischen Geist, der die Waldorfschulen umweht.

Selbst die Pressesprecherin hat kein Problem damit, gefährliche Halb- und Unwahrheiten über das Impfen über den Twitteraccount des Bundes der Freien Waldorfschulen zu verbreiten.

Das treffende Fazit eines an der Diskussion beteiligten Twitter-Users:

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Zum Weiterlesen:

  • Waldorfschulen als Brustätte für die Masern, GWUP-Blog am 11. Juli 2013
  • Masern an der Waldorfschule: RKI zeichnet den Fall nach, GWUP-Blog am 22. August 2014
  • Masernausbrüche an Waldorfschulen bei Psiram
  • Herr Steiner, die informierte Ministerin und die Masern, dieausrufer am 3. Februar 2013
  • Schöner sterben mit Steiner, derFreitag am 1. März 2015
  • Schluss mit lustig: US-Comedian legt sich mit Impfgegnern an, GWUP-Blog am 7. März 2015
  • Impfgegner drehen durch: immun gegen jede Vernunft, GWUP-Blog am 1. März 2015
  • Was tun gegen Impfgegner? Jetzt sind Emotionen gefragt, GWUP-Blog am 18. Februar 2015
  • Impft euch! taz am 8. März 2015
  • “Impfung gegen Masern verhindert viel Leid”, Focus-Online am 8. März 2015
  • Helmholtzplatz und Kreationismus, Böss in Berlin am 8. März 2015
  • Masern für den Prenzlauer Berg, The European am 8. März 2015
  • Wie Impf-Gegner die Masern reanimieren, defacto vom 8. März 2015
  • Bist du geimpft oder wohnst du in Prenzlauer Berg? Tagesspiegel am 3. März 2015
  • Die meisten Masern-Kranken sind Jugendliche oder Erwachsene, Spiegel-Online am 9. März 2015
  • Faktencheck Masern: Mythen der Impfgegner, Spiegel-Online am 3. März 2015
  • Fatales Natürlichkeitsdenken der Impfgegner, GWUP-Blog am 11. Mai 2014
  • Reizthema Impfen: Der Hang zu abstrusen Heilslehren, profil am 24. Februar 2015

Vortrag „Evolutionslehre in der Grundschule“ in München

Dittmar Graf, Professor für Biodidaktik an der Uni Gießen und Mitglied im GWUP-Wissenschaftsrat, ist Mit-Inititor des Projekts “Evokids”.

Ziel ist es, das Thema Evolution schon in den Lehrplänen für die Grundschule zu verankern.

Zu dem Projekt gehört auch das Kinderbuch “Urmel saust durch die Zeit”:


Direktlink zum Video auf Youtube

Am Freitag (13. März) ist Graf in München und referiert über “Evolutionslehre in der Grundschule”.

In der Ankündigung heißt es:

In der Grundschule hören die Schüler von der Erschaffung der Welt durch Gott. Von der Evolution erfahren sie noch nichts.

In den Lehrplänen für die bayerischen Grundschüler  kommen Urknall und Evolution nicht vor, dagegen wird die biblische Schöpfung 18 mal erwähnt.

Dass sich die überwiegende Mehrheit der Deutschen längst von den zentralen Dogmen des Christentums verabschiedet hat und immerhin jede(r) dritte Deutsche keiner  Religionsgesellschaft mehr angehört, wird einfach ignoriert.

Die Veranstalter meinen, Kinder sollten bereits in der Grundschule die Prinzipien der Evolution kennenlernen [...]

Es wird gerne behauptet, die Kinder können die Evolution noch nicht begreifen. Wenn man die unbeweisbare Transsubstantiation, Trinitätslehre, Jungfrauengeburt und leibliche Himmelfahrt begreiflich machen kann, soll dies mit der durch unzählige Fossilien beweisbaren, logischeren Evolutionslehre erst recht möglich sein.

Darüber hinaus sind gerade die Vorgänge und Prinzipien der Evolution für das Verständnis der Welt und unserer menschlichen Natur für das spätere Leben überaus wichtig.”

Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr im EineWeltHaus, der Eintritt ist frei.

Zum Weiterlesen:

  • Warum die Evolution schon Kindern erklärt werden sollte, Süddeutsche am 26. Juni 2014
  • Evokids: Evolution schon in der Grundschule lehren, GWUP-Blog am 26. Juni 2014
  • Urmel und die Evolution, GWUP-Blog am 26. Juli 2013
  • Wenn Schöpfung, dann auch Evolution, Süddeutsche am 26. Juni 2014
  • Evolution: Ein Lese-Lehrbuch, hpd-online am 26. Juni 2014
  • Interview mit Dittmar Graf: “Leitziel des Unterrichts muss der mündige Mensch sein“, diesseits.de am 7. Oktober 2013
  • The Rap Guide to Evolution, GWUP-Blog am 23. März 2014
  • Antidot gegen Kreationisten-Irrsinn, GWUP-Blog am 12. August 2010
  • SkepKon-Rückblick: Der „Kamikaze-Ichthyosaurier“ und die Kreationisten, GWUP-Blog am 2. Juni 2014
  • Vince Ebert: Evolution, GWUP-Blog am 22. Dezember 2013
  • Argumente des Kreationismus und ihre Widerlegung, Gedankenwerkstatt am 21. März 2014

Europäischer Skeptiker-Kongress im September in London

Der European Skeptics Congress findet vom 11. bis 13. September in London statt.

Zu den Referenten gehören Prof. Edzard Ernst, Richard Wiseman und Dr. Martin Mahner, Leiter des Zentrums für Wissenschaft und kritisches Denken der GWUP.

Einen “Call for Speakers” gibt es hier.

Die Kongressgebühr beträgt £135, anmelden kann man sich über die Homepage.

Zum Weiterlesen:

  • A Scientist in Wonderland: Interview with Edzard Ernst, CSI am 27. Februar 2015
  • Prinzip Skepsis: Interview mit Dr. Martin Mahner, National Geographic 3/2015

Aufatmen: Bundesregierung stellt Chemtrail-Programm ein

Das war’s also:

Die Bundesregierung hat heute angekündigt, das umstrittene Chemtrail-Programm zur Vergiftung der Bevölkerung nach 19 Jahren zum Monatsende einzustellen.

Grund seien gestiegene Kosten und mangelnde Effizienz der oft stundenlang am Himmel sichtbaren Chemikalienstreifen, so Bundespressesprecher Steffen Seibert.

“Die Regierung würde nicht so weit gehen, das Programm als Fehlschlag zu bezeichnen, aber die erwünschten Auswirkungen sind nicht in dem Maße eingetreten, das erwartet wurde”, erklärte Seibert.

So seien die deutschen Bürger selbst nach jahrelanger Chemtrail-Ausbringung noch einigermaßen fruchtbar, die Ackerböden nicht wie erhofft in fatalem Maß mit Barium belastet und die Temperaturen in Deutschland nicht gesunken.

Insgesamt seien giftige Chemikalien im Wert von rund 310 Milliarden Euro versprüht worden.”

Zum Weiterlesen:

  • Zu teuer und ineffizient: Regierung stellt umstrittenes Chemtrail-Programm ein, dpo am 9. März 2015
  • Nichts ist, wie es scheint. Alles ist geplant, Welt-Online am 9. März 2015
  • Der Mord an Ben Wettervogel und die Chemtrail-Verschwörung, GWUP-Blog am 11. Februar 2015
  • Chemtrails? Fehlanzeige, GWUP-Blog am 13. Januar 2015
  • Wetterexperte Kachelmann: “Chemtrails sind erweitertes Biowetter”, profil-online am 16. Dezember 2014
  • Chemtrails: Luxustod von unseren Steuergeldern, GWUP-Blog am 1. März 2014
  • Reichsbürger und Chemtrails, GWUP-Blog am 1. September 2013
  • A Million Poisoning Planes, Skeptical Inquirer am 14. August 2013
  • Unglaubliches Phänomen: Ein skeptisches Chemtrail-Buch, GWUP-Blog am 30. Mai 2013
  • Hoaxilla #54 – „Chemtrails“ vom 28. August 2011
  • Der Postillon schafft den Sprung ins Rampenlicht, GWUP-Blog am 22. Oktober 2012
  • Endlich: “Fool me not” – Die Pille gegen Leichtgläubigkeit, GWUP-Blog am 11. November 2013
  • Der erste homöopathische Klempner bei Postillon24, GWUP-Blog am 1. Juni 2014

Initiative für Wissenschaftliche Medizin: gegen Nonsens und Irreführung der Patienten

In Österreich hat sich eine

Initiative für Wissenschaftliche Medizin”

gegründet:

Als Ärzte und Ärztinnen, die sich sowohl der modernen Wissenschaft als auch den Anforderungen der Medizinethik verpflichtet fühlen, erwarten wir von unseren Ärztekammern,  dass auch sie diese Prinzipien einhalten.

Als Wissenschafter und Wissenschafterinnen lehnen wir jede Form der Scheinmedizin und Irreführung von Patienten ab und fordern, dass moderne Wissenschaft die Basis der in unserem Land ausgeübten Medizin sein muss [...]

Wir appellieren daher an die österreichischen Ärztekammern, der ihnen vom Gesetzgeber auferlegten Forderung nach Wissenschaftlichkeit in der ärztlichen Tätigkeit und Fortbildung zu entsprechen.

Wir fordern von ihnen einen Verzicht auf Kurse und Vergabe von Diplomen in irrationalen und oftmals esoterischen Diagnose- und Therapieverfahren, allen voran Homöopathie, Anthroposophische Medizin, Kinesiologie, Chinesische Diagnostik und Orthomolekulare Medizin, deren Wirksamkeit medizinisch-wissenschaftlich nicht nachweisbar ist.

Aktivitäten auf diesem Gebiet sollten privaten Initiativen von Ärzten und Patienten überlassen und nicht von den Ärztekammern aufgewertet werden.

Wir appellieren auch an das Gesundheitsministerium, die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben nach Wissenschaftlichkeit als Basis von medizinischer Tätigkeit in Österreich von den Ärztekammern einzufordern.”

Zu den Unterstützern gehören die GWUP-Wissenschaftsratsmitglieder Prof. Ulrich Berger, Prof. Edzard Ernst und Prof. Heinz Oberhummer, außerdem “Sciene Buster” Werner Gruber, Dr. Erich Eder, Dr. Theodor Much, Dr. Ernst Bonek und DDr. Wolfgang Maurer von den Wiener Skeptikern sowie zahlreiche weitere Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen.

Wer Unterstützer werden möchte, kann hier eine entsprechende Erklärung abgeben.

Über die neue Gruppierung schreibt heute profil:

Eines Tages platzte ihnen der Kragen.

Irritiert von den ausufernden Umtrieben faktenaverser Ärzte sowie davon, dass immer mehr Seminare in Pseudomedizin in universitäre Lehrpläne geschleust und Diplome für fragwürdige Heilmethoden verliehen werden, gründeten sie eine Gegenbewegung.

Theodor Much, Facharzt für Dermatologie, und Viktor Weisshäupl, Facharzt für Anästhesiologie, verfassten eine Resolution: „Initiative für Wissenschaftliche Medizin.“

Ende der Vorwoche schickten sie das Papier an das Gesundheitsministerium, die Ärztekammer und den Obersten Sanitätsrat, wobei sie ihre Beweggründe hervorstrichen: „Als Wissenschafter lehnen wir jede Form der Scheinmedizin und Irreführung von Patienten ab.“

Dann folgte der Appell an die Ärztekammern, der „Forderung nach Wissenschaftlichkeit in der ärztlichen Tätigkeit und Fortbildung zu entsprechen“. Man plädiere für einen „Verzicht auf Kurse und Vergabe von Diplomen in irrationalen und oftmals esoterischen Diagnose- und Therapieverfahren, allen voran Homöopathie, Antroposophische Medizin, Kinesiologie, Chinesische Diagnostik und Orthomolekulare Medizin“.

Sogleich unterzeichneten die Initiative rund 60 Wissenschafter, darunter viele Professoren und Primarärzte.”

Dieser Info-Text gehört zu dem lesenswerten Artikel “Pseudomedizin: Warum dürfen Ärzte Unsinn behaupten?”, der am Montag auch in der gedruckten profil-Ausgabe (11/2015) erscheint:

Grob faktenresistente Ärzte gehören sofort aus dem Verkehr gezogen.”

Zum Weiterlesen:

  • Pseudomedizin: Warum dürfen Ärzte Unsinn behaupten? profil am 7. März 2015
  • Reizthema Impfen: Der Hang zu abstrusen Heilslehren, profil am 24. Februar 2015
  • Initiative für wissenschaftliche Medizin, Kritisch gedacht am 8. März 2015
  • Kundenwünsche, Bedarfsorientierung und Wirksamkeit, Gesundheits-Check am 8. März 2015
  • A Scientist in Wonderland: Interview with Edzard Ernst, CSI am 27. Februar 2015

Schluss mit lustig: US-Comedian legt sich mit Impfgegnern an

Morgen Abend (Sonntag, 8. März, 18 Uhr) berichtet das Magazin defacto im hr-Fernsehen über die fünfjährige Aliana aus Bad Hersfeld, die an einer Spätfolge der Masern leidet und bald sterben wird.

Alianas Mutter hat auch im Stern (10/2015) eine Anklage gegen Impfgegner und Impfschluderer veröffentlicht:

Meine Tochter Aliana stirbt. Sie stirbt an den Folgen einer Krankheit, die es gar nicht mehr geben sollte: Masern.

Sie ist fünf. Sie könnte ihr ganzes Leben noch leben, wenn wir alle – Eltern, Ärzte, Gesetzgeber – an einem Strang gezogen hätten. Wenn jeder in Deutschland geimpft wäre [...]

Stattdessen gibt es den größten Ausbruch einer Masern-Epidemie seit mehr als zehn Jahren. Die ersten Kinder sind gestorben. Es wird auch diesmal Spätfolgen geben. Keines dieser Kinder hätte sich anstecken müssen, hätte sterben müssen, wenn Eltern und Ärzte sich nicht den Luxus geleistet hätten, bei den Impfungen zu schludern – oder sie bewusst abzulehnen.

Wer das tut, spielt nicht nur mit dem Leben seines eigenen Kindes, sondern mit dem Leben vieler. Aliana können wir nicht mehr retten. Aber so viele andere.”

SPON und Zeit befassten sich diese Woche mit den “abgezirkelten Nestern” der Impfgegner, die sich vorwiegend …

… in Vierteln wie dem Prenzlauer Berg [befinden], wo der Anteil der Grün-Wähler verlässlich über 30 Prozent liegt. Der eigentliche Kern der Impfkritik ist nicht wissenschaftlich, sondern nur ideologisch zu verstehen.

Der Neoobskurantismus der Gegenvirologen geht Hand in Hand mit Kapitalismuskritik, linkem Naturkitsch und einem ökologisch gefärbten Mutterkult, der alles verdächtigt, was nicht nach Baumwollwindeln, Kirschmolke und Pastinake riecht.”

In den USA hat sich der Comedian und Talk-Moderator Jimmy Kimmel mit den Impfgegnern angelegt:

Eltern haben oft mehr Angst vor Gluten als vor Pocken [...]

Falls Ihr mehr wisst als Ärzte – okay. Aber dann sucht sie auch bitte nicht bei anderen Problemen auf. Wenn Ihr zum Beispiel stürzt und ein Loch in Euren Kopf schlagt, wird Euch der Eintritt in die Notaufnahme verwehrt.

Näht es zuhause doch einfach selbst!”

Außerdem ließ er verschiedene Ärzte “pro Impfen” zu Wort kommen:

The thing with doctors is: They didn’t learn about the human body from their friend’s facebook pages.”


Direktlink zum Video auf Youtube

Danach war schnell Schluss mit lustig.

Eine Auswahl der originellsten Beschimpfungen verlas Kimmel in seiner nächsten Late-Night-Show “Jimmy Kimmel live”:


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Das Online-Magazin salon indes freut sich über den prominenten Impf-Befürworter:

Kimmel’s crusade has made for some fascinating television lately, and it’s pretty great to see a person with his platform — with the support of his network — go at it with such gusto.”

Zum Weiterlesen:

  • “Wir können sie nicht mehr retten”, Stern 10/2015 vom 26. Februar
  • Aliana und die Impfpflicht, GWUP-Blog am 12. November 2014
  • Impfgegner, die sich in Kinderreime flüchten, und Kinder mit SSPE, GWUP-Blog am 9. Januar 2015
  • Impfgegner drehen durch: immun gegen jede Vernunft, GWUP-Blog am 1. März 2015
  • Was tun gegen Impfgegner? Jetzt sind Emotionen gefragt, GWUP-Blog am 18. Februar 2015
  • “Zeit der Zweifler”: National Geographic zum Thema Wissenschaftsfeindlichkeit, GWUP-Blog am 1. März 2015
  • “Buffy” kämpft jetzt für die Keuchhusten-Impfung, GWUP-Bog am 16. Juni 2013
  • Warum ausgerechnet die Bildungsbürger in den Impfkrieg ziehen, Zeit-Online am 5. März 2015
  • Impfgegner, die neuen alten Asozialen, Statt Schamanen am 4. März 2015
  • Achtung, Impf-Mobber! Spiegel-Online am 3. März 2015
  • Die wirre Gedankenwelt der Impfgegner, Cicero am 26. Februar 2015
  • Impfen – ja oder nein? Deutschlandfunk am 7. März 2015
  • Erziehungstipps a la Hollywood: Essen vorkauen, Stillen bis ultimo, Plazentapillen, vip am 14. Mai 2012
  • Reizthema Impfen: Der Hang zu abstrusen Heilslehren, profil am 24. Februar 2015
  • Windpocken in Berlin: Neue Viren für die Impfgegner, taz am 4. März 2015
  • Jimmy Kimmel won’t back down about vaccines, salon am 3. März 2015

Esoterik: Selbstverliebtheit als Erfolgsgarant für jeden Unsinn

Das Online-Portal der Oberösterreichischen Nachrichten spricht mit Johannes Fischler über das

Erfolgsmodell Esoterik: Narzisst sucht Zuneigung”

Ein Auszug:

Warum rutschen ausgerechnet heute so viele Menschen in die Esoterik?

Wir leben in einer hochnarzisstischen Gesellschaft. Diese Selbstverliebtheit breitet sich via Internet epidemisch aus.

Politiker haben teilweise nur noch das eigene Facelifting im Kopf, während die Normalbevölkerung nur noch Selfies macht. Selbstdarstellung ohne Ende in Zeiten der Ich-AGs. Dieser Narzissmus ist der Humus, auf dem die Blüten der Esoterik gedeihen.

Wir als Gesellschaft sind der Ausgangspunkt für den ganzen Wahnsinn.”

Warum missbraucht die Eso-Szene bewusst Begriffe aus Wissenschaft und Technik zum Ködern?

Früher waren eher Frauen Zielgruppe esoterischer Unternehmer. Mit Quanten- und Matrixgeschichten, mit ein paar pseudotechnischen Begriffen will man nun den rationalisierungsbedürftigen Mann ansprechen.

Dem Wachhund Verstand wirft man einen Knochen hin, damit er Ruhe gibt, während die Zielperson narzisstisch abgefüllt wird. Derartige Pseudo-Therapien können zu argen psychischen Problemen führen.”

Bereits zu Wochenbeginn berichtete nachrichten.at über “Esoterik als Gefahr”:

Warum geraten so viele Menschen in die Fänge der Esoterik?

German Müller, Leiter der Bundesstelle für Sektenfragen, nennt zwei Gründe: “Für Menschen in schwierigen Lebenslagen kann es sein, dass die Esoterik scheinbar attraktive Lösungen bietet.”

Er sieht aber auch eine gesellschaftliche Ebene: “Viele Sicherheiten des täglichen Lebens werden heute in Frage gestellt. Dabei entsteht eine unübersichtliche Vielfalt an Erklärungsmodellen. Das fördert die Entstehung und Verbreitung esoterischer Angebote.”

Als Gefahr sieht Müller, dass Menschen in Abhängigkeiten geraten oder den Bezug zur Realität verlieren. So könne es etwa gefährlich werden, wenn Patienten dringend benötigte Medikamente zugunsten esoterischer Heilsversprechungen absetzen.

Vielen esoterischen Strömungen ist laut Müller gemeinsam, dass subjektive Erfahrungen und Intuition zentral seien: “Den Verstand muss man dabei oft ausschalten.”

Zum Weiterlesen:

  • Erfolgsmodell Esoterik: Narzist sucht Zuneigung, nachrichten.at am 7. März 2015
  • Experten sehen Esoterik als Gefahr: “Die Religion des 21. Jahrhunderts”, nachrichten.at am 3. März 2015
  • Johannes Fischler: New Cage: Esoterik 2.0. – Wie sie die Köpfe leert und die Kassen füllt. Molden-Verlag, Wien 2013
  • Buch: Wie Esoterik die Köpfe leert und die Kassen füllt, GWUP-Blog am 15. April 2013
  • Jetzt online: “Lügner, Spinner, Heiler und Propheten”, GWUP-Blog am 19. Juni 2014
  • Eso-Lifestyle: “Skrupellose und verachtenswerte Veranstaltung”, GWUP-Blog am 1. September 2013
  • “Die Esoterik will die Probleme der Welt mit Engelsspray lösen”, derStandard am 24. April 2012
  • “Erschreckend”: Drei Skeptiker auf der Esoterik-Messe, GWUP-Blog am 1. Dezember 2014
  • Buchneuerscheinung: “Vier Frauen und ein Scharlatan”, GWUP-Blog am 12. Oktober 2014
  • Faktenflucht als Zeitkrankheit, GWUP-Blog am 6. März 2015
  • Okkultisten in New York: Der urbane Esoterik-Kult, Cicero am 20. Februar 2014

Faktenflucht als Zeitkrankheit

Trend-Thema “Wissenschaftsfeindlichkeit”:

Nach dem National Geographic und Cicero bringt auch Scientific American eine ähnliche Story:

Why People Fly from Facts”

Dei beiden Autoren, ein Marketingexperte und ein Psychologe, fragen sich, warum beispielsweise Impfgegner trotz aller gegenläufiger Fakten an ihrer Überzeugung festhalten.

Troy Campbell und Justin Friesen erklären schließlich, dass eine zunehmende Zahl von Menschen nicht bloß die Gültigkeit von Fakten infrage stellt, sondern diese grundsätzlich als irrelevant betrachtet – wie Die Zeit schon vor vier Wochen schrieb:

Über die Delegitimierung von Wissenschaft wird versucht, ein allein auf moralischen Werten gründendes rechtskonservatives Weltbild durchzusetzen.

Diesem Weltbild ist es egal, ob Impfungen sinnvoll sind, ob der Mensch den Klimawandel verursacht hat und dass Menschen und Affen gemeinsame Vorfahren haben.

Es will sich generell nicht durch rational hinterfragbare Kriterien überprüfen lassen, sondern sich ausschließlich aus seinen Werten legitimieren.”

Campell/Friesen kommen zu dem Schluss, dass “that bias” (Kognitive Verzerrungen, also Irrungen, die in unserer Wahrnehmung, Kognition und in unserem Verhalten fest verankert sind) eine Krankheit unserer Zeit sei, deren Symptome mit Fakten lediglich gelindert werden könnten.

Als gesellschaftlich notwendige Antwort empfehlen die Scientific-American-Autoren eine Gegenkultur, die Menschen dazu ermutigt, Mehrdeutigkeiten auszuhalten, Skeptizismus in Form kritischen Denkens anzuwenden und Ideologien mit absolutem Wahrheitsanspruch zurückzuweisen:

We will never eradicate bias – not from others, not from ourselves, and not from society. But we can become a people more free of ideology and less free of facts.”

Nach der ausführlichen und deprimierenden Diagnose klingt die Therapieempfehlung allerdings recht gezwungen zweckoptimistisch.

Zum Weiterlesen:

  • Why People “Fly from Facts”, Scientific American am 3. März 2015
  • “Zeit der Zweifler”: National Geographic zum Thema Wissenschaftsfeindlichkeit, GWUP-Blog am 1. März 2015
  • Immun gegen die Wissenschaft, Cicero am 28. Februar 2015
  • Vince Ebert zu Kreationismus und Wissenschaftsfeindlichkeit, GWUP-Blog am 6. April 2014
  • Die Dummheit der Wissenschaftsignoranz, Der Nesselsetzer am 6. April 2014
  • Droht uns eine Rückkehr ins Mittelalter? Welt-Online am 1. Dezember 2011

„An Honest Liar“: James-Randi- Doku am 21. März in Zürich

Nicht vergessen:

Am 21. März (Samstag) zeigen die Schweizer Skeptiker im Kino Riffraff in Zürich die James-Randi-Doku “An Honest Liar”.

Beginn ist um 10 Uhr.


Direktlink zum Video auf Youtube

Gestern hat die New York Times den Film besprochen und Randi zum “Gandalf der Rationalität” geadelt.

Ein ausführliches Porträt des Bühnenmagiers und Skeptikers brachte die NYT bereits im Herbst letzten Jahres.

Zum Weiterlesen:

  • Review: „An Honest Liar“, a Documentary About the Debunker James Randi, New York Times am 5. März 2015
  • The Unbelievable Skepticism of the Amazing Randi, New York Times am 7. November 2014
  • James „The Amazing“ Randi Speaks at „An Honest Liar“ Screening, Variety am 4. März 2015
  • James Randi tritt in den abenteuerlichen Ruhestand, GWUP-Blog am 28. Januar 2015
  • Der Entzauberer, brand eins 10/2004
  • James Randi wird 85, GWUP-Blog am 6. August 2013
  • Behind the Magic: An Interview with James Randi, Skeptical Inquirer Volume 39.2, March/April 2015
  • „An Honest Liar“: Film und Apéro am 21. März 2015




NEU: Skeptiker 1/2015

SKEPTIKER 1/2015

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