Neu in der Homöopedia: Was ist „Homotoxikologie“?

Neu in der Homöopedia: Homotoxikologie

Selbst viele Kritiker der Homöopathie wissen nicht, dass die Produkte der Firma Heel nicht auf den Grundprinzipien der Homöopathie beruhen, sondern auf denen der Homotoxikologie.

In dieser von Hans-Heinrich Reckeweg erdachten Lehre werden zwar homöopathisch potenzierte Arzneien, Nosoden und Komplexmittel eingesetzt, aber nach den Vorgaben seiner eigenen “Entgiftungslehre”. In diesem Bild ist alles, was die Medizin als Krankheit kennt, eine Reaktion des Körpers auf ständig auf ihn einwirkende Giftstoffe.

Der Körper kämpft laut der Homotoxikologie gegen diese Gifte an und möchte sie ausscheiden. Akute Krankheiten werden als erfolgreiche Ausscheidungsphasen gedeutet, chronische Krankheiten sollen entstehen, wenn das Entgiften nach und nach nicht mehr vollständig gelingt. Reckeweg erstellte eine – medizinisch nicht haltbare – Krankheitsevolutionstabelle, die auflistet, wie schwerste Pathologien wie Krebs unweigerlich entstehen, wird der Körper beim Ausleiten der Giftstoffe behindert.

Die homotoxikologischen Produkte – zu denen auch recht bekannte wie Traumeel zählen – wurden und werden bei ernsten und sogar lebensbedrohlichen Erkrankungen empfohlen. Wegen dieser Anwendungsempfehlungen hat die amerikanische FDA seit den 1980ern mehrfach Verwarnungen ausgesprochen; zwar finden sich in den Packungsbeilagen heute keine entsprechenden Indikationen mehr, in der Literatur finden sich aber nach wie vor entsprechende Therapiepläne.

Es existieren keinerlei Wirksamkeitsnachweise, die diese Pläne begründen oder rechtfertigen würden.”

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1 Kommentar zu “Neu in der Homöopedia: Was ist „Homotoxikologie“?”


  1. 1 Udo Endruscheit 28. August 2017 um 11:45

    Zudem sollte nicht übersehen werden, dass auch diese feine Fachrichtung zu denen vielen pseudomedizinischen Heilslehren gehört, die eine monokausale Urache für Krankheitsgeschehen an sich propagieren. Nach den Gesetzen der Logik kann entweder nur eine dieser Lehren richtig sein oder keine – oder gar keine, was nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist.

    Interessanterweise wird von den Vertretern solcher monokausaler Ansätze nicht etwa die gleichgerichtete Gegnerschaft bekämpft, sondern die böse “Schulmedizin”. Und zwar wird deren multikausaler Ansatz als “Herumdoktern an Symptomen” diffamiert, dem man die eigene Heilslehre als “ganzheitlich” entgegensetzt.

    Das sollte man bei aller Detailkritik an pseudomedizinischen Verfahren immer grundsätzlich bedenken.

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