Die Wunder der Homöopathie: eine Anekdote

Das kritische Zeit-Interview mit der Homöopathie-Cheflobbyistin Cornelia Bajic provozierte natürlich Leserbriefe, von denen einige in der gedruckten Zeit (Nr. 28/2017) veröffentlicht wurden.

Neben den üblichen “Wer heilt, hat recht”-Sprüchen und “empörten” Aufschreie über die “denunziatorische Art und Weise, wie dieses Verhör (ein Interview war es ja nicht) geführt wurde” gab es die Zuschrift eines Ulmer Arztes, der folgendes Erlebnis berichtete:

Als Allgemeinarzt stehe ich gelegentlich vor scheinbar unlösbaren Problemen.

Bei einer 95-jährigen Patientin mit seit Jahren bestehendem Juckreiz verordnete ich (nach Besprechung mit homöopathisch versierten Kollegen) eine entsprechende Aufbereitung (Bellis perennis D12 Globuli).

Wie durch ein Wunder verschwand der Juckreiz, die Patientin war (nach dem Scheitern aller vorherigen Versuche) endlich erlöst. Der Juckreiz kehrte auch nicht wieder.

Nach zwei Monaten fragte mich allerdings der Pfleger, ob die Frau denn das Mittel noch bekommen solle. Er habe das Rezept in einem Stapel Papiere erst jetzt entdeckt. Es war nie eingelöst worden.

Für mich ist Homöopathie Psychotherapie mit anderen Mitteln.”

Übrigens durfte Frau Bajic drei Wochen nach dem Zeit-Interview diesselben inhaltslosen Antworten fast wortgleich in der Augsburger Allgemeinen platzieren – allerdings unbehelligt von kritischen Rückfragen des Redakteurs.

Die kamen dann von Norbert Aust, in seinem Blog Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie.

Zum Weiterlesen:

  • „Zeit“-Interview: Homöopathie Bullshit-Bingo mit Frau Bajic, GWUP-Blog am 21. Juni 2017
  • Frau Bajic verteidigt die Homöopathie in der Augsburger Allgemeinen, Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie am 23. Juli 2017
  • Natalie Grams im „Psychcast“: Ist Homöopathie eine Art Psychotherapie? GWUP-Blog am 14. Februar 2017
  • Über Homöopathie lässt sich streiten, Apotheke adhoc am 1. August 2017

3 Kommentare zu “Die Wunder der Homöopathie: eine Anekdote”


  1. 1 jan willem schaap 2. August 2017 um 14:30

    die AZ führt ja auch rückfragebefreite interviews mit kornkreisexperten und ähnliches zeugsel. die hoffnung, dass die dazulernen, ist relativ gering.

  2. 2 kereng 3. August 2017 um 19:30

    Ähnlich wie der 95-Jährigen erging es mir mit 16. Ich hatte Migräne, bekam ein Mittel (nicht homöopathisch) verschrieben, und die Schmerzen waren weg. Nach einem Umzug kamen die Schmerzen wieder, bis ich die Medizin aus dem Elternhaus geholt hatte. Ich habe die Packung nie geöffnet.

  3. 3 nota.bene 4. August 2017 um 14:12

    @kereng
    Könnte man da nicht ein neues Heilsystem daraus entwickeln? Spukhafte Fernwirkung durch einen echten Wirkstoff? Exaktes 10-maliges Rotieren und positive Gedanken beim Abfüllen garantieren, dass nur die Wirkungen, nicht aber die Nebenwirkungen transferiert werden.

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