192 Heilpraktiker und nicht mal 100 Allgemeinmediziner: Das ist die Hauptstadt der Impfgegner

Erschreckender Artikel in der Süddeutschen Zeitung:

Wer in Murnau durch den beschaulichen Ortskern geht und seinen Blick nicht von den Cafés, Kleidergeschäften, Töpferläden und Kunsthandlungen einfangen lässt, der stößt alle paar Schritte auf diese Türschilder. Eine Naturheilpraxis da, dort Homöopathie und Akupunktur, hier schon der vierte oder fünfte Osteopath, diesmal mit Zusatzqualifikation als Schamane […]

Im Landkreis sind 192 allgemeine Heilpraktiker registriert. Ihnen stehen keine 100 niedergelassenen Allgemeinmediziner und nur eine Handvoll Kinderarzt-Praxen gegenüber […] Zugleich sind nirgendwo sonst in Deutschland die Impfquoten so niedrig wie hier.

Zu Recht fordert der Gesundheitswissenschaftler Dr. Joseph Kuhn im Science-Blog Gesundheits-Check:

Zur Arbeit der Heilpraktiker gibt es keine Versorgungsforschung. Im Abseits des Wegschauens gedeiht dort dann eben so manches, was manchmal, siehe Brüggen, wie eine Eiterbeule aufbricht.

Es wäre an der Zeit, dass sich die Versorgungsforschung um die Welt der Heilpraktiker kümmert, damit wir wissen, was sie tun und was dann der Gesetzgeber zu tun hätte […]

Zum Weiterlesen:

  • Murnau – Hauptstadt der Impfgegner, Süddeutsche am 17. Juli 2017
  • Süden Bayerns ist von Impfgegnern geprägt, n-tv am 5. Juli 2017
  • Ungeimpfte Kinder sind gesünder? „Brisante Studie“ ist nur Impfgegner-Nonsens, GWUP-Blog am 29. Mai 2017
  • Deutschland – Paradies für Kurpfuscher? BR am 6. April 2017
  • Versorgungsforschung aufgewacht! Was machen Heilpraktiker in Deutschland? Gesundheits-Check am 15. Juli 2017

6 Kommentare zu “192 Heilpraktiker und nicht mal 100 Allgemeinmediziner: Das ist die Hauptstadt der Impfgegner”


  1. 1 Pierre Castell 18. Juli 2017 um 06:31

    Ich hätte diese skandalöse Meldung lieber am 1. April gelesen!

  2. 2 Martin 18. Juli 2017 um 11:01

    Zu Castell:

    Nicht die Meldung finde ich skandalös, sondern den Fakt, dass im weihrauch vernebelten Bayern ein solches Gedankengut offenbar noch immer mit abgestandener mittelalterlicher AlmMilch aufgesaugt wird.

    Da kann man bei diesem HomöopathenCluster(192) nur hoffen,dass sich diese nur untereinander behandeln und sich gegenseitig solange mit Globuli vollpumpen bis das der verblichene König Ludwig ihnen leibhaftig erscheint.

    Im übrigen bleibt mir rätselhaft wie diese religiös geprägten Menschen ihren christlichen Glauben mit solchen homöopathischen Praktiken vereinbaren können.Entweder sie glauben das Gott ihnen allein helfen kann oder der Teufel(Sakrileg)

  3. 3 Pierre Castell 18. Juli 2017 um 11:23

    @ Martin
    “Nicht die Meldung finde ich skandalös, sondern den Fakt…!”

    Sie haben selbstverständlich völlig recht!

    Danke für Ihre freundliche Korrektur.

    Ich hoffe, dass mein Kommentar trotz des Fehlers richtig verstanden wurde;-)

  4. 4 maxx2000 18. Juli 2017 um 18:09

    In (fast) allen(?) Ländern ist Heilen nur Ärzten vorbehalten. Die Ausübung durch Laien wird als „Kurpfuscherei“ geahndet.

    Weiß jemand in der Leserschaft wie es in anderen Ländern mit der Ausübung der Heilkunde durch Laien aussieht?

    Oder kurz anders gefragt: wieso sind ausgerechnet die Deutschen diesbezüglich so anfällig, ihre Gesundheit in die Hände von Scharlatanen und Quacksalbern zu legen? Kennt jemand die soziologischen oder historischen Hintergründe?

  5. 5 Joseph Kuhn 18. Juli 2017 um 18:44

    @ maxx2000:

    Ihre erste Frage, wie es in anderen Ländern aussieht, haben Sie vorher schon selbst beantwortet, wobei ich mich frage, auf welcher Basis. Ich glaube nicht, dass es so ist.

    Ihre letzte Frage legt die Antwort “42” nahe. Oder den Einfluss der Wolpertinger.

  6. 6 crazyfrog 25. Juli 2017 um 15:07

    Wenn die Impfbereitschaft nur um einige wenige Prozent sinkt, steigt das Risiko sich mit den Masern anzustecken überproportional an.

    http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/medizin-mehr-masern-1.3600874

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