Hype, aber Hoax: Das angebliche Social-Media-Todesspiel „Blue Whale Challenge“

Bei Tipps for Kids spricht Lydia Benecke vom GWUP-Wissenschaftsrat über die “Blue Whale Challenge”.

Die Kriminalpsychologin fokussiert insbesondere auf den öffentlichen Hype um das angebliche Social-Media-Spiel und die Gefahren von Nachahmer-Effekten.

Mittlerweile scheint festzustehen, dass das vermeintliche “Selbstmord-Spiel” ein Hoax ist, der im Laufe der vergangenen Monate Züge einer Urban Legend angenommen hat.

Beim “Blue Whale Challenge” – so wurde von verschiedenen Medien, darunter Spiegel TV, behauptet – erhalten Jugendlichen über einen Zeitraum von 50 Tagen Anweisungen, die sie in die Verzweiflung treiben sollen. Diese reichen von Aufrufen zur Selbstverletzung über Anweisungen zum Anhören und Ansehen von bestimmten Songs und Filmen bis hin zur finalen Aufforderung, sich das Leben zu nehmen.

Daraufhin warnten Schulen und Boulevardmedien wie Bild sowie der Youtube-Star LeFloid reißerisch vor dem “Todes-Spiel”.

Neben Tipps for Kids und Mimikama stuft auch das amerikanische CSI die “Blue Whale Challenge” als “moral panic” mit drei klassischen Hauptmerkmalen ein:

  1. Modern technology and seemingly benign personal devices as posing hidden dangers to children and teens;
  2. In classic “Stranger Danger” fashion, the threat is some influential evil stranger who manipulates the innocent; and
  3. There is an element of conspiracy theory to these stories: it’s always a “hidden world” of anonymous evil people who apparently have nothing better to do than ask teens to do things for fifty days before (somehow) compelling them to commit suicide.”

Benecke spricht in ihrem Statement von einem “medialen Schneeballeffekt”, rät aber besorgten Eltern unabhängig von dem aktuellen Hype, mit ihren Kindern über potenzielle Gefahren im Internet zu sprechen:

Medienkompetenz ist ein wichtiges Thema in der heutigen Zeit. Sich damit anhand seriöser Quellen auseinanderzusetzen ist grundlegend hilfreich und wichtig für Eltern, nicht nur in Bezug auf plötzlich aufkommende Medien-Phänomene wie die Blue Whale Challenge.”

Zum Weiterlesen:

  • Verwirrung um die Blue Whale Challenge, Mimikama am 1. Juli 2017
  • Die “Blue-Whale” Challenge ist ein Fake! Mimikama am 30. Juni 2017
  • “Blue Whale Game“ – echt oder Fake? Mimikama am 26. Juni 2017
  • The Blue Whale game paradox, digital literacy and fake news, Parenting for a Digital Future am 25. Mai 2017
  • Moral Panic Du Jour: The ‘Blue Whale Game’, CSI am 15. Juni 2017
  • Sinister ‘Blue Whale’ Suicide Game Alarms Parents—But Is It Real? CFI am 15. Juni 2017
  • Blue Whale’ Game Responsible for Dozens of Suicides in Russia? snopes am 10. Mai 2017
  • Hoax? Medienhype mit Suizid im Netz, NDR am 4. Juli 2017
  • „Blue Whale Challenge“ – Echt, Fake oder Urban Legend? tippsforkids am 12. Juli 2017

10 Kommentare zu “Hype, aber Hoax: Das angebliche Social-Media-Todesspiel „Blue Whale Challenge“”


  1. 1 gnaddrig 16. Juli 2017 um 18:31

    Ist doch prima, dass jetzt endlich jemand die Kinder und Jugendlichen abräumt, die nicht im Kindergarten- und Grundschulalter von anonymen Übelwichten in inauffälligen weißen Lieferwagen auf Nimmerwiedersehen entführt werden.

  2. 2 nihil jie 17. Juli 2017 um 08:33

    @gnaddrig

    ich dachte der Lieferwagen sei schwarz. Meine Großeltern warnten mich vor einem schwarzen Wagen als ich klein war… ohne scheiß *gg

  3. 3 Susanne Mezgu 17. Juli 2017 um 09:55

    Ihr nennt euch Skeptiker, aber die von renommierten Wissenschaftlern wie Richard Dawkins als Pseudowissenschaft kritisierten Gender Studies findet ihr offensichtlich völlig unhinterfragenswert. Stattdessen gibts Beiträge über irgendwelche eigenartigen Apps. Bravo.

  4. 4 Nina 17. Juli 2017 um 11:04

    Die eine Hälfte der Kinder wird in die Sklavencamps auf den Mars entführt, die andere in den Suizid getrieben. Jetzt muss ich doch mal dringend hier im Kindergarten in der Nähe vorbeischauen ob da überhaupt noch jemand ist.

  5. 5 Bernd Harder 17. Juli 2017 um 13:51

    @Susanne Mezgu:

    Sie finden offenkundig den Begriff “Whataboutism” völlig unhinterfragenswert.

    Was genau schmälert jetzt die sinnvolle Kritik an einer “eigenartigen App” (die das Potenzial hat, Eltern und Schulen in Panik zu versetzen), nur weil Sie andere Themen von völlig anderer Dignität vermissen?

    Zudem waren “Gender-Studies” sowohl bei der GWUP-Konferenz 2016 in Hamburg als auch in unserer Zeitschrift “Skeptiker” bereits Thema.

    Haben Sie nicht mitbekommen? Bravo.

  6. 6 gnaddrig 17. Juli 2017 um 14:19

    @ nihil jie: Andere Länder, andere Sitten? Oder andere Zeiten. Früher waren in Deutschland ja auch die Taxis schwarz, dann jahrzehntelang cremeweiß und jetzt nach gusto.

  7. 7 Al Il 17. Juli 2017 um 16:01

    ich finde es immer schade, wenn so ein Blödsinn so richtig gehyped wird. Erstens wegen der unnötigen Panik und zweitens weil das Menschen auf Ideen bringt, so etwas wirklich zu tun (hoffentlich wird das kein “selbsterfüllender Hoax”

  8. 8 Bernd Harder 17. Juli 2017 um 16:10

    @Al Il:

    Das ist i.d.T. genau der Punkt bei dieser Geschichte. Es geht eben nicht bloß um eine “eigenartige App”.

  9. 9 Susanne Mezgu 18. Juli 2017 um 20:34

    @ Bernd Harder: Was mich daran stört?
    Ganz einfach, die Prioritätensetzung der GWUP hat ein ziemliches Gschmäckle.
    Daran ändert auch der Umstand nichts, dass das Gender-Gedöns alibimäßig unter ferner liefen Erwähnung findet, während sich diese empiriefeindliche Pseudowissenschaft gleichzeitig metastasenartig im Wissenschaftsbetrieb ausbreitet.
    Die GWUP kommt mir wie jemand vor, der versucht ein Lagerfeuer auf seinem Rasen zu löschen, während das Haus im Vollbrand steht.

  10. 10 Bernd Harder 18. Juli 2017 um 22:15

    @Susanne Mezgu:

    Da habe ich einen sensationellen Vorschlag für Sie: Mitglied werden und bei der MV Ihr Anliegen vorbringen.

    Außerdem ist dieser Blog nicht *die GWUP*.

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