Homöopathische Krisen-PR: Die Verbandschefin als „Seherin“

Der Twitter-Tweet der Techniker Krankenkasse (TK) zieht weiter Kreise:

Die Ruhrbarone erklären, warum sich die “Trottel Kasse” mit ihrer nachgeschobenen Erklärung immer weiter disqualifiziert:

Es kommt bei Behandlungen nicht darauf an, was Versicherte sich wünschen, sondern was ihnen hilft. Nach einem Beinbruch würde sich wohl jeder wünschen, die Sache in fünf Minuten mit Handauflegen in den Griff zu bekommen. Wirkt leider nicht.

Noch verheerender ist, dass die TK der Argumentation der Eso-Szene folgt und von Schulmedizin spricht. Die gibt es sowenig wie Schulphysik und Schulmathematik.”

Das Informationsnetzwerk Homöopathie hat einen offenen Brief an die TK geschrieben:

Auch wenn die Gesetzeslage es zulässt, wirkungslose Homöopathika aus Mitteln der Beitragszahler zu erstatten, dann ist es immer noch eine Frage, ob der Beitragszahler selbst damit einverstanden ist. Vielleicht könnte die TK sich hier einen Markt bei rational denkenden Menschen erschließen, die nicht wollen, dass ihre Beiträge für Pseudomedizin „verschleudert“ werden.”

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Außerdem gibt’s in der Rubrik “Widersprüche” einen neuen Beitrag mit Überlegungen zum Thema

Zahnersatz, Sehhilfen und “Skeptikertarife” statt Homöopathie?”

Ob den Krankenkassen verboten werden sollte, homöopathische Behandlungen zu finanzieren, darüber sprechen radioeins und detektor.fm mit INH-Gründer Dr. Norbert Aust.

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Das Portal Finanzen 100 spricht in diesem Zusammenhang schlicht von einem “Skandal”.

Der neue Blog Die Erde ist keine Scheibe haut dem DZVhÄ den unsinnigen Vergleich

Bei Psychopharmaka weiß auch keiner, wie sie genau funktionieren. Aber sie wirken.“

um die Ohren.

Und eine Mini-Umfrage zeitigt dasselbe Ergebnis, das die Siemens BKK vor einem halben Jahr bekam:

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Immerhin konnten die Homöopathen bei der Clickbait-Schleuder Focus-Online einen gefälligen Jubel-Artikel platzieren – der wie üblich vor Unwahrheiten strotzt:

Sie [die Kritiker aka GWUP] werden nicht müde zu betonen, dass sich die Methode jeder wissenschaftlichen Nachprüfbarkeit entzieht.”

Äh – nein. Wieder nix begriffen, Frau Bajic.

Die Homöopathie ist hinreichend wissenschaftlich überprüft – und widerlegt. Das ist der Punkt. Erfahrungsfundamentalismus à la “Aber wir sehen, dass die Homöopathie wirkt” ändert daran nicht das Geringste.

Beziehungsreich nennt der Science-Blog Gesundheits-Check Deutschlands Ober-Schüttlerin denn auch nur noch “eine Seherin”:

Zum Weiterlesen:

  • Warum wirkt Homöopathie nicht? Informationsnetzwerk Homöopathie
  • Erstattung: Homöopathie-Fans bei der Techniker Krankenkasse geraten ins Schwimmen, GWUP-Blog am 7. März 2017
  • „Studien-Daten“ und die Realitätsverweigerung der Homöopathen vom DZVhÄ, GWUP-Blog am 18. Oktober 2015
  • Offizielle Erklärung des INH zur Veröffentlichung der WissHom: „Der aktuelle Stand der Forschung zur Homöopathie”
  • Erfahrungsfundamentalismus in der Homöopathie, GWUP-Blog am 29. November 2012

7 Kommentare zu “Homöopathische Krisen-PR: Die Verbandschefin als „Seherin“”


  1. 1 user unknown 12. März 2017 um 09:03

    Anlässlich der Sozialwahlen hat Verdi (TK) eine Seite aufgesetzt, die einen ermunterte Fragen an deren Kandidaten zu stellen.

    Ich fragte 3 davon, wie sie zu Homöopathie stehen, ohne durchblicken zu lassen, wie ich dazu stehe. Alle antworteten, sie stünden dem aufgeschlossen gegenüber (war noch vor diesem Twitterunfall).

    Dann meldete sich die Leitung, dass es nicht so gedacht sei, dass man unterschiedlichen Kandidaten die gleiche Frage stellt. Die Homöopathiefrage müsste ich auch nicht stellen, weil es einen gemeinsamen Entschluss gäbe, dass man dafür sei – das sei die Verdiposition, die alle vertreten müssen.

    Damit ist Verdi für mich raus. Leider habe ich von anderen Kandidaten gar keine Diskussionsmöglichkeit über ihre Haltung gefunden – ich fürchte die sind alle genauso.

    Vielleicht sind die Sozialwahlen ein Hebel bei vielen Kandidaten auf den Busch zu klopfen und eine öffentliche Diskussion anzuschieben.

    Mehr dazu findet sich in meinem Blog.
    Meine zweite Frage zur Religiösität zielte auf die Diskriminierung von Beschäftigten in kirchlichen Krankenhäusern, ob Verdi hier für Freiheit und Selbstbestimmung einsteht und konfliktbereit ist, oder mehr eine Friede-Freude-Eierkuchen – Strategie wählt, womöglich um bei frommen Christen besser anzukommen.

  2. 2 crazyfrog 12. März 2017 um 13:56

    “Merke: Die Homöopathie hält wissenschaftlichen Kriterien in keiner Weise stand. Und: Wer die moderne wissenschaftliche Methodik ablehnt und heute noch einen eigenen Wissenschaftsbegriff zur Rettung seines Krempels reklamiert -und genau das tun die Homöopathen, explizit wie unausgesprochen- der muss auch für das gleichberechtigte Nebeneinander von Astronomie und Astrologie, von Chemie und Alchemie, von Psychologie und Voodoo und von Biologie und Vitalismus eintreten. Und dabei bitte unter sich bleiben. Viel Vergnügen.”

    https://keineahnungvongarnix.com/2017/03/09/homoeopathie-und-logik-ein-rosenkrieg/

  3. 3 Martina Rheken 12. März 2017 um 16:56
  4. 4 Jim Vier 13. März 2017 um 07:47

    Bzgl. einem Nebeneinander von Homöopathie, Astrologie usw.

    Auffällig war mir in meinem Bekanntenkreis, dass von gewissen Leuten dann meist nicht nur Homöopathie und Schüssler Salzen, sondern auch sehr oft noch Kartenlegen, Rückführungen und Familienaufstellungen gemacht werden und man sich so, die Erlösung von allerlei körperlichen und seelischen Leid oder Problemen erhofft.

    Interessant wird es dann, wenn da zwei H-ler darüber in Streit geraten, ob man das passende Mittel aus ihrer H-Bibel heraus suchen sollte oder dies doch einfach auspendeln könnte.

  5. 5 Wolfgang 13. März 2017 um 21:13

    Ich wär für auspendeln, wenn die Pendlerei an Wasseradern reproduzierbar validiert wurde.- Aber nur dann.

  6. 6 gnaddrig 14. März 2017 um 09:55

    Oder man macht es wie bei der Ermittlung von Bovis-Werten:

    Der Radiästhet bringt eine gedruckte Skala in die Nähe des zu messenden Gegenstandes und nennt intuitiv eine der aufgedruckten Zahlen. Fertig. Oder jemand anderes liest die aufgedruckten Werte vom größten beginnend laut vor, bis der Radiästhet einen Wert per Zuruf bestätigt. Doppelfertig. Oder man bastelt sich eigene, ahem, Messmethoden und Accessoires, „programmierte Karten“ zum Ziehen etwa, die sind alle gleich gültig, die ermittelten Werte stimmen dann auf jeden Fall! Endfertig.

  1. 1 Psiram » Psirama – Der Psiram-Wochenrückblick (KW10, 2017) Pingback am 12. März 2017 um 21:45

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