Erstattung: Homöopathie-Fans bei der Techniker Krankenkasse geraten ins Schwimmen

Unruhiger Vormittag für das Social-Media-Team der Techniker-Krankenkasse:

Nach einem etwas unglücklichen Twitter-Tweet

TK

machten sich zahlreiche User erbötig, der TK die Verschwendung von Versichertenbeiträgen für nachweislich wirkungslosen Zucker auseinanderzusetzen (mehr dazu bei Plazeboalarm).

Mittlerweile ist die Kasse heftig zurückgerudert

TK_2

und das INH unterbreitet den Verantwortlichen für den TK-Leistungskatalog ein Gesprächsangebot:

TK_3

Ja, das wäre wirklich toll.

Zumal auch die Siemens BKK bereits feststellen musste, dass ihre Kunden lieber “Brillen statt Globuli” erstattet haben möchten.

Zum Weiterlesen:

  • Die Techniker Krankenkasse wollte den Beleg, dass Homöopathie nicht wirkt. Twitter-User gaben ihr die Antwort, Plazeboalarm am 7. März 2017
  • Argument: Aber die Krankenkassen würden doch keine wirkungslosen Mittel bezahlen, Informationsnetzwerk Homöopathie
  • Siemens BKK-Umfrage: Kunden wollen Brillen, keine Globuli, GWUP-Blog am 8. September 2016
  • Sammelstudie zur Homöopathie: Globuli machen nicht gesund, n-tv am 1. März 2017
  • „Ergebniswäsche“: Detailanalyse des Forschungsreaders Homöopathie der WissHom, GWUP-Blog am 19. Juni 2016
  • Was kostet Homöopathie? Viel mehr, als behauptet wird, GWUP-Blog am 6. März 2017

18 Kommentare zu “Erstattung: Homöopathie-Fans bei der Techniker Krankenkasse geraten ins Schwimmen”


  1. 1 Martina Rheken 7. März 2017 um 13:58

    Sogar Spiegel-Online greift das auf:

    “Die Frage war aus vielerlei Hinsicht unbedacht: Eine Krankenversicherung, die eine Methode bezahlt, kann nicht einfach die Beweislast auf einen Fragesteller abwälzen. Zudem wäre es an der Homöopathie, ihre Wirksamkeit zu belegen – was sie in 200 Jahren nicht geschafft hat.”

    http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/homoeopathie-warum-zahlt-die-krankenkasse-a-1137637.html

  2. 2 Bernd Harder 7. März 2017 um 14:00

    @Martina Rheken:

    Eigentlich nicht zu fassen:

    Dorothee Meusch, Pressesprecherin der TK, sagt ganz klar: “Wir haben keinen Wirksamkeitsnachweis für die Homöopathie vorliegen.”

  3. 3 Bernd Harder 7. März 2017 um 14:13

    Jetzt gehts ja richtig ab:

    < < TK twittert sich bei Homöopathie um Kopf und Kragen <<

    https://www.welt.de/vermischtes/article162642436/TK-twittert-sich-bei-Homoeopathie-um-Kopf-und-Kragen.html

  4. 4 Joseph Kuhn 7. März 2017 um 15:24

    @ Bernd Harder:

    Auf der “Welt” kommentiert jemand, der offensichtlich Geschichten frei von der Leber weg erfindet und z.B. von 100%-Erfolgen der Homöopathie bei Schlaganfall redet.

    Dass es unseren Spitzenpolitiker/innen trotzdem nicht unheimlich wird mit ihren jährlichen Schirmherrschaften für Homöopathiekongresse zeugt von starken Nerven.

  5. 5 Bernd Harder 7. März 2017 um 17:52

    Jetzt hat die TK selbst geantwortet – völlig nichtssagendes Geschwurbel nach dem Motto “Ist uns doch piepegal, wenn die Leute den Scheiß wollen”.

    https://www.tk.de/tk/tk/homoeopathie/940106

  6. 6 Skeptikus 7. März 2017 um 18:01

    Ich hab die Homöopathie bei der TK abgewählt, ich bin aber aus allen Wolken gefallen, als ich gesehen hab, dass ich den Zauberzucker nicht alleine abwählen kann. Ich musste ein Bündel an Dingen abwählen, wobei einige davon sicherlich sinnvoll sind. Das ist echt ein starkes Stück. Warum traut sich die TK nicht zu sagen. Ey, wir erstatten das, weil es gewünscht wird, aber nicht, weil wir überzeugt sind, dass eine Wirkung belegt ist. Dann wandert der Geld-Topf ins Marketingbudget ;-)

  7. 7 Skeptikus 7. März 2017 um 19:51
  8. 8 RPGNo1 7. März 2017 um 20:11

    Bei der TK hat jemand schnell im Schwurbelhandbuch nachgesehen und dann die nichtssagende Antwort zur Homöopathie gepostet.

  9. 9 Joseph Kuhn 8. März 2017 um 11:19

    Wieder ein nächtlicher Tweet der TK: “Wir hatten etwas versprochen”, und meinen eine neue Infoseite: https://www.tk.de/tk/tk/homoeopathie/940106. Was daran jetzt gut sein soll, erschließt sich mir nicht, zumal wieder das dumme Argment wiederholt wird, wir machen das, weil die Versicherten es wollen. Die Versicherten wollen auch die Erstattung der Kosten für Brillen und Zahnersatz, warum genau funktioniert hier dieses Argument nicht?

    Und dann heißt es auch noch: “Wir nehmen diese Wünsche ernst und setzen sie auf einem qualitativ hochwertigen Niveau um.” Wie setzt man denn Hokuspokus auf “einem qualitativ hochwertigen Niveau” um?

    Si tacuisses …

    Immerhin haben Sie die vergleichsweise neutrale Informationsseite https://www.tk.de/tk/alternativ-heilen/alternative-therapien/wirksamkeit/19896 nicht auch noch gelöscht.

  10. 10 gnaddrig 9. März 2017 um 08:32

    Die Versicherten wollen auch die Erstattung der Kosten für Brillen und Zahnersatz, warum genau funktioniert hier dieses Argument nicht?

    Das ärgert mich auch immer.

    Es gibt so viel, was Patienten sich wünschen, und ganz viel davon ist sinnvoll (und wenn es nur der Bequemlichkeit dient, man etwa nicht bei jedem neuen Rabattvertrag Medikamente wechseln und u.U. neu einstellen oder sich an neue Verbrauchsmaterialien gewöhnen muss, was gerade bei Einlagen ziemlich nervig sein soll).

    Bevor man Geld für Hokuspokus aufwendet, sollte man lieber sehen, welche sinnvollen Wünsche der Versicherten man mit dem Geld erfüllen könnte.

  11. 11 gast 11. März 2017 um 07:24
  12. 12 Christian Becker 12. März 2017 um 09:35

    Ach ja, die Technikerkrankenkasse.
    Die Kasse, die bei Hilfsmittelbelieferungen immer wieder problematisch ist, weil sie einen eigenen, beitrittspflichtigen Liefervertrag mit den Apotheken einzeln abschließen will.

    Ihr Kind braucht eine Inhalationshilfe für das Asthmaspray? Dann fahren Sie doch bitte in eine der Apotheken, die unserem Vertrag beigetreten sind und Hilfsmittel quasi zum Selbstkostenpreis abgeben.
    Ach, die ist nicht bei Ihnen um die Ecke? Naja, aber dafür bekommen Sie doch Globuli von uns.

    Würden die Krankenkassen nicht an allen Ecken und Enden den Apothekern (und damit dann auch den Versicherten) das Leben schwer machen und immer wieder versuchen, dort einzusparen, wäre das Thema Globuli auf Kassenkosten zwar immer noch aus rein wissenschaftlicher Sicht ein Skandal, aber wenigstens wäre es im Vergleich zu den sonstigen Leistungen kein Aufreger mehr.

    Das Argument, dass die Kosten im Promillebereich liegen, finde ich auch toll. Bei Ausgaben im Milliardenbereich sind Promille auch schon Millionen. Diese Millionen würden die Leute sicher gern in die Versorgung mit echten Medikamenten (z.B. Erhöhung der Festbeträge und damit Senkung der Zuzahlungen, leichtere Erstattung von Hilfsmitteln bzw. bessere Hilfsmittel, keine hohen Zuzahlungen wenn der Arzt per Kreuzchen den Austausch des Arzneimittels ausschließt uvm.)

  13. 13 Catweazle 12. März 2017 um 11:53

    Die Verantwortlichen bei der TK können den Shitstorm doch ganz entspannt aussitzen. Mangels Alternativen wird ihnen kein Kunde abhanden kommen. Letzt endlich wird Gras über die Sache wachsen bis irgend wann irgend wo mal ein HP wieder über die Stränge schlägt und dabei die falschen Kunden umbringt.

  14. 14 Simon 14. März 2017 um 13:41

    “Ich hab die Homöopathie bei der TK abgewählt, ich bin aber aus allen Wolken gefallen, als ich gesehen hab, dass ich den Zauberzucker nicht alleine abwählen kann. Ich musste ein Bündel an Dingen abwählen, wobei einige davon sicherlich sinnvoll sind. Das ist echt ein starkes Stück. Warum traut sich die TK nicht zu sagen. Ey, wir erstatten das, weil es gewünscht wird, aber nicht, weil wir überzeugt sind, dass eine Wirkung belegt ist. Dann wandert der Geld-Topf ins Marketingbudget ;-)”

    So ging es mir auch, vor allem manche Leistungen in Zusammenhang mit Schwangerschaft werden gleich mit abgewählt. Allerdings ist das Risiko durch die Begrenzung der Zuzahlung im Leistungsfall sehr gering, entweder spart man also ein paar Euro (und setzt damit natürlich auch ein Zeichen) oder man zahlt ein paar wenige Euro drauf, falls man doch etwas aus dem ausgeschlossenen Bereich brauchen sollte…

  15. 15 crazyfrog 15. März 2017 um 09:29

    “Kein Geld für Fahrten mit dem Rollstuhl zum Arzt, aber ein Etat für wirkungslose Zuckerkügelchen. Absurd.”

    https://www.ruhrbarone.de/techniker-krankenkasse-wolfgang-wendland-und-sein-globulikonto/140285

  16. 16 Bernd Harder 15. März 2017 um 09:42

    @crazyfrog:

    Man kann nur noch den Kopf schütteln:

    < < Seit Mitte März ist Cannabis für Schwerkranke auf Rezept erhältlich. Doch die Krankenkassen verweigern die Kostenübernahme. Sie behaupten, die Wirksamkeit sei ungeklärt. <<

    http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2017-03/cannabis-krankenkassen-rezept-kosten-nachweis-wirkung

  17. 17 gnaddrig 15. März 2017 um 09:50

    @ Bernd Harder: Sauber argumentiert, der Spitzenverband. Bei Cannabis gibt es wohl noch einzelne unerforschte Aspekte. Bei den Globuli dagegen ist die Wirksamkeit umfassend geklärt.

  1. 1 Absoluter Lesebefehl: Die Schweriner Volkszeitung spricht mir (und hoffentlich vielen anderen) aus der „Seele“ | Wahrsagerchecks Blog Pingback am 12. März 2017 um 22:49

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