Was tun Impfgegner gegen Masernausbrüche? Sie lesen keine Zeitungen mehr

Man hat’s aber auch schwer so als Impfgegner-Mutti. Wie soll man bloß mit den ganzen Meldungen von Masern-Ausbrüchen umgehen, derzeit etwa in Duisburg, Leipzig, Frankfurt und Limburg?

Ganz einfach: Man liest keine Zeitung mehr.

Pimpf

Das ist kein Witz, sondern die Drei-Affen-Taktik von Impfverweigerern:

Von den Ausbrüchen bekomme ich nichts mit, da wir uns nicht mit Medien beschäftigen.“

Realitätsleugnung gelingt halt am besten mit fest zugedrückten Augen – und gegen die aufkeimende Furcht (“Natürlich habe ich Angst vor Infektionen und Folgeerkrankungen”) summt man tapfer die Anything-Goes-Melodie:

Jeder soll es so machen, wie das Mutterherz es einem sagt.“

Ach wirklich?

Die passende Antwort darauf gibt heute Erzählmirnix:

Himpf

Verständlich, dass zum Beispiel in Berlin gerade wieder über eine Impfpflicht debattiert wird. Auch derStandard kommentiert unmissverständlich:

Es ist arrogant zu behaupten, Krankheiten seien sinnvoll, um den Körper zu stärken. Das, liebe Impfgegner, nennt sich Sozialdarwinismus und bedeutet, dass nur die Stärksten überleben sollen.

mimpfs

Wer das Risiko sucht, kann das gerne in anderen Bereichen ausleben, doch die Gesellschaft wegen Ignoranz, Egoismus und fehlgeleiteter Ideologie in Mitleidenschaft zu ziehen, ist grob fahrlässig.

Medizinische Errungenschaften wie Immunisierungen sind Meilensteine für die Gesamtbevölkerung, Solidarität ist hier überlebenswichtig. Ob ein Appell an die Vernunft ausreicht, um die Impfmoral zu heben, ist fraglich. Viele Gegner scheinen sich vor allem gegen rationale Argumente immunisiert zu haben.

Eine Impfpflicht mag kompromisslos wirken, doch ist sie unumgänglich.”

Einen anderen Vorschlag lesen wir im Kommentarbereich von Dinge, die Impfgegner sagen:

Impfpflicht ist eigentlich gar nicht so das Thema. Es sollte dringend Biologieunterrichtspflicht geben. Mit jährlicher verpflichtender Auffrischungsprüfung, gekoppelt an alle Sozialleistungen.”

Irgendwie nachvollziehbar, angesichts solcher kognitiver Impfgegner-Meilensteine:

dingix

Apropos Erreger: Dass es zwischen Impfungen und Autismus keinerlei Zusammenhang gibt, ist belegt (eine schöne Info-Grafik zum Thema gibt es hier).

auti

Dafür könnte möglicherweise eine Herpes-Infektion in der frühen Schwangerschaft das Risiko für Autismus erhöhen.

Also ein Virus.

Ein Virus!? Wir sind jetzt schon auf die geistigen Verrenkungen und Leugnungsreflexe der Impfgegner gespannt.

Zum Weiterlesen:

  • Kann Herpes Autismus verursachen? spektrum am 24. Februar 2017
  • Mehr Autismus durch Herpes-Infektion? scinexx am 24. Februar 2017
  • Herpes virus may be a trigger for autism, Science am 22. Februar 2017
  • Studie: Kein Autismus durch Impfungen, aber in Italien lässt sich damit gut Geld verdienen, GWUP-Blog am 22. April 2015
  • Impfgegner geben Studie in Auftrag – und sind „nicht glücklich“ mit den Ergebnissen, GWUP-Blog am 11. Oktober 2015
  • An Masern erkranktes Baby in Klinikum, Berliner Morgenpost am 16. Februar 2017
  • Impfpflichtdebatte – nicht schon wieder, macht erst mal den ÖGD fit! Gesundheits-Check am 20. Dezember 2015
  • Die Diskussion um die Masernimpfpflicht: Ein politisches Placebo? Gesundheits-Check am 3. März 2015
  • Impfpflicht – pro und contra, Gesundheits-Check am 26. Februar 2015
  • Impfen macht krumme Finger, man wird blind und es schädigt das Rückenmark, GWUP-Blog am 21. Februar 2017
  • Impfung und Herdenschutz: Nachricht einer besorgten Mutter, Die Erde ist keine Scheibe am 21. Februar 2017
  • MMR vaccine and autism – more high quality evidence that they are unrelated, The Skeptical Raptor am 21. Februar 2017
  • Vaccines cause autism debate – it only exists in the minds of vaccine deniers, The Skeptical Raptor am 20. Februar 2017

14 Kommentare zu “Was tun Impfgegner gegen Masernausbrüche? Sie lesen keine Zeitungen mehr”


  1. 1 Positron 26. Februar 2017 um 15:18

    Und natürlich sind die Flüchtlinge wieder an allem schuld…… Ursachenbekämpfung ist derzeit offenbar nicht gefragt. Immer schön auf den Sündenbock draufhauen.

  2. 2 diabetiker 26. Februar 2017 um 17:01

    es sind in d für die entstehung von masern und anderen epedemiern flüchtlinge nicht nötig, da die wenn sich die gelegenheit ergibt sich impfen lassen, und die wissen weshalb.
    nein wir haben doch unsere schwurbelkünstler, waldorfschulen, und mütter die idioten mehr glauben als erfahrenen ärzten.

  3. 3 Michel 26. Februar 2017 um 20:02

    Impfungen verweigern sollte genauso verboten sein, wie seinen Kindern ein Einhorn auf die Stirn setzen.

  4. 4 Susanne Csar 27. Februar 2017 um 07:34

    Masern..Epidemien, Pandemien treten durch Fehl- und Mangelernährung,Übersäuerung..auf. Holunderblütentee wußten schon unsere kelt.Vorfahren,abends mal, gegen Rheuma, Scharlach, Masern.. Dr.Wolf D.Storl.

  5. 5 Bernd Harder 27. Februar 2017 um 08:52

    @Susanne Csar:

    Vielen Dank für diese eindrucksvolle Demonstration, dass Impfgegner und Virenleuger tatsächlich in einer Wahnwelt leben.

    https://www.psiram.com/ge/index.php/Wolf-Dieter_Storl

  6. 6 Brigitte Götz 27. Februar 2017 um 09:36

    @Susanne:

    “Masern..Epidemien, Pandemien treten durch Fehl- und Mangelernährung,Übersäuerung..auf.”

    Also herrscht deiner Meinung nach an deutschen Waldorfschulen und in Berlin-Prenzlauer Berg “Mangelernährung”?

    Und hast du mal mit Ethnologen über die Kelten gesprochen oder bloß die Bücher von deinem Waldschrat gelesen?

    Wir wissen fast nichts über die Kelten, das wenige stammt von römischen Geschichtsschreibern und Details über “keltische Kräuterkunde” etc. sind esoterische Spekulationen.

  7. 7 Martin 27. Februar 2017 um 10:13

    Zu Susanne:

    Vielleicht sollte man in den Zusammenhang auch erwähnen, dass die Kelten damals im Durchschnitt alle nur ca. 20-30 Jahre alt geworden sind.

    Und das hat wohl auch mit daran gelegen,dass sie sich nicht von ihren Druiden haben impfen lassen!!

    Wer also heute Kelte sein will,sollte bedenken, dass er mit 30 Jahren eigentlich schon in den keltischen Götterhimmel entsorgt wurden wäre… Da lobe ich mir lieber die “weißen Götter” von heute.

  8. 8 noch'n Flo 27. Februar 2017 um 10:15

    Ich hab den ollen Storls ja mal vor 9 Jahren bei einer “Kräuterwanderung” in Basel kennengelernt. Hat damals schon viel Unsinn erzählt.

    Aber der Holunderblütentee gegen Masern ist die Krönung, wenn es nicht so traurig wäre, könnte man glatt herzhaft drüber lachen.

    Und natürlich mal wieder das Buzzword “Übersäuerung”. Kommt selbstredend immer nur von Leuten, die vom Säure-Basen-Haushalt des menschlichen Körpers nicht die Bohne einer Ahnung haben und tatsächlich glauben, der mit Lackmuspapier im Urin gemessene pH-Wert würde in irgendeiner Weise mit dem Blut-pH korrelieren.

    Immerhin gut, dass die daran angelehnte sog. “Basen-Diät” nicht das kleinste Bisschen funktioniert. Hätte sie nämlich tatsächlich die versprochenen Auswirkungen, würde kein Mensch diese Diät auch nur 2 Stunden überleben.

  9. 9 noch'n Flo 27. Februar 2017 um 10:18

    @ Martin:

    “Vielleicht sollte man in den Zusammenhang auch erwähnen, dass die Kelten damals im Durchschnitt alle nur ca. 20-30 Jahre alt geworden sind.”

    Ach was, alles nur Desinformation der Mainstreammedien. In Wirklichkeit wurden die ollen Kelten allesamt mindestens 200 Jahre alt. Manche wurden so alt, dass sie sich irgendwann in Bäume verwandelt haben, die dann angebetet wurden. Und dann ist der olle Miraculix in ihnen herumgeklettert und hat die leckeren Misteln abgeschnitten und damit den Kelten ihren Krebs geheilt. Oder ihren Fusspilz. Oder ihre Angst, der Himmel könnte ihnen auf den Kopf fallen. Beim Teutates!

  10. 10 crazyfrog 27. Februar 2017 um 12:39

    Autismus entsteht anscheinend bereits im 6. Monat, also lange vor der MMR-Impfung:

    http://www.webmd.com/brain/autism/news/20120217/brain-changes-in-autism-may-appear-as-early-as-6-months#1

  11. 11 sumo 27. Februar 2017 um 15:36

    Es ist eine Unverschämtheit, die Flüchtlinge zu beschuldigen, daß diese hier Krankheiten einschleppen. Sie bringen die Krankheiten aus Regionen mit, die erstens medizinisch meist nicht so fortschrittlich sind wie die EB-Medizin hier, und zweitens kommen viele aus Gegenden, in denen Krieg herrscht, und da hat man möglicherweise andere Dinge im Kopf als den gegenwärtigen Impfstatus.

    Es besteht ein grundlegender Unterschied darin, ob man aus nicht selbst zu verantwortenden Gründen Krankheiten in sich trägt oder ob man schuld an deren Ausbreitung ist.

    Schlimmer ist es für mich, wenn solche kranken Menschen auf eine Bevölkerung trifft, die nicht ausreichend durchgeimpft ist und somit die Ausbreitung ermöglicht. Die dafür Verantwortlichen sind für mich die wahren Schuldigen.

  12. 12 Wolfgang 27. Februar 2017 um 16:15

    “Vielleicht sollte man in den Zusammenhang auch erwähnen, dass die Kelten damals im Durchschnitt alle nur ca. 20-30 Jahre alt geworden sind.”

    Ja und bei den Kelten gabs noch keine Masern. Woher sollte denn dann das Keltische Wissen um die Behandlung von Masernkommen?

    Masern sind wahrscheinlich ein Artensprung des Rinderpestvirus auf den Menschen durch Rinderhaltung. Passiert vor ca 1200 Jhr.

  13. 13 diabetiker 27. Februar 2017 um 16:53

    nur mal gefragt: weshalb werden sich gedanken gemacht über kelten masern und die behandlung dazu ?

    “alle” behauptungen was und wie die kelten krankheiten “behandelt” haben sind frei erfunden. auch ob und wie masern wann entstanden sind ist völlig wurscht!

    heute/gestern/vorgestern — waren und sind die masern da, und “heute” gibts die impfung , zum glück. daher gibts nur ein problem – die ewig gestrigen, die sind das problem nicht die impfung.

  14. 14 gnaddrig 27. Februar 2017 um 19:39

    @ Wolfgang: Das BEWEIST doch, dass es Zeitreisen gibt (schon damals gab!) und keltische Gelehrte in die Zukunft gereist sind und das Masernvirus versehentlich in ihre Zeit zurückeingeschleppt und natürlich sofort eine Behandlungsmethode entwickelt haben, die die Krankheit gleich wieder ausrotette. Durch Überlieferungsfehler ist die Anweisung an die Leuteim 12. Jh. verlorengegangen, die die Entstehung der Masern verhindert hätte…


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