Heilpraktiker sollen strenger überprüft werden. So ein bisschen jedenfalls, irgendwie

Politiker von Union und SPD haben offenbar Änderungsanträge zum dritten Pflegestärkungsgesetz eingebracht, die auf eine Verschärfung der Heilpraktikerüberprüfung zielen.

Das berichtet das Ärzteblatt.

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Allzu viel sollte man von der “Reform” indes wohl nicht erwarten:

Die Gesundheitsämter können die Erlaubnis versagen, „wenn sich aus einer Überprü­fung der Kenntnisse und Fähigkeiten des Antragstellers ergibt, dass die Ausübung der Heilkunde durch den Betreffenden eine Gefahr für die Volksgesundheit bedeuten wür­de“, heißt es in den Leitlinien.

Gemäß Änderungsanträgen von Union und SPD soll künf­tig eine Erlaubnis auch dann versagt werden können, wenn die Überprüfung ergibt, dass die Ausübung der Heilkunde durch den Betreffenden eine Gefahr für jeden einzelnen Pa­tienten bedeuten würde”.

Was auch immer das bedeuten mag.

Zum Weiterlesen:

  • Regierung plant erste Korrekturen im Heilpraktikerrecht, aerzteblatt am 1. November 2016
  • Politik will Therapiemethoden und Zulassung von Heilpraktikern „kritisch prüfen“, GWUP-Blog am 26. September 2016
  • Heilpraktiker-Ausbildung: Nur ein Reförmchen, DocCheck am 5. Oktober 2016

12 Kommentare zu “Heilpraktiker sollen strenger überprüft werden. So ein bisschen jedenfalls, irgendwie”


  1. 1 RainerO 2. November 2016 um 17:35

    Die Deutschen tun mir wirklich leid. Nicht dass ich den großen Rundumschlag erwartet hätte. Aber wenn dieser Antrag wirklich alles ist, dann ist das nicht einmal lächerlich, sondern eine pure Verarschung.

    “… Gefährdung für jeden einzelnen Patienten…”.

    Wortwörtlich ausgelegt und auf die Spitze getrieben kann der Heilpraktiker nach wie vor sein Patienten mit Eso-Zeug umbringen, solange ein einziger keinen Schaden nimmt, weil er ihm nur einen Kamillentee verschrieben hat.

    Der Gummiparagraph würde damit in völlig neue Dimensionen vorstoßen.

  2. 2 RPGNo1 2. November 2016 um 17:42

    Typischer Aktionismus. Unsere Regierung klopft sich wahrscheinlich auf die Schulter für den “großen” Wurf, und die Heilpraktikerverbände und deren Angehörige lachen sich ins Fäustchen.
    Schade.

  3. 3 Michail 4. November 2016 um 13:37

    Ich glaube juristisch gesehen ist die Änderung nicht ganz unerheblich.

    Vorher musste sozusagen das Volk in Gänze Gefahr laufen seine Gesundheit zu verlieren. Ob da zwischendurch jemand wegen Kurpfuscherei sein leben oder seine Gesundheit verlor, ist da unerheblich.

    Die Änderung scheint meiner Meinung nach darauf hinauszulaufen, dass auch schon einzelne Fälle von Schädigung der Gesundheut ausreichen würden die Zulassung zu entziehen.

    Aber das ist nur die Meinung eines juristischen Laien. Eventuell kann ein Fachmann ja noch genaueres dazu sagen.

  4. 4 Bernd Harder 23. November 2016 um 17:40

    Heute gab es eine Experten-Anhörung im NRW-Landtag. Dazu eine PM von Susanne Schneider:

    http://fdp.fraktion.nrw/content/23112016-schneider-anhorung-bestatigt-fdp-forderung-nach-reform-des-heilpraktikerwesens

  5. 5 Bernd Harder 23. November 2016 um 17:42
  6. 6 noch'n Flo 23. November 2016 um 20:04

    Der aktuelle Fall http://blog.gwup.net/2016/11/23/starke-unterbauchschmerzen-krebsverdacht-schusler-salze-eine-todliche-idee/ sollte ja eigentlich ein gutes weiteres Argument sein, dem Heilpraktikerunwesen ein Ende zu bereiten. Aber so wie ich die Situation einschätze, wird auch dieser unnötige Todesfall mal wieder keine Wirkung zeigen.

    Ich finde, wir sollten hier mal allmählich eine Fallsammlung der ganzen Unheilpraktiker-Verfehlungen anlegen – damit die GWUP irgendwann mal die Liste (möglichst öffentlichkeitswirksam) dem Bundesgesundheitsminister übergeben kann.

  7. 7 rambaldi 25. November 2016 um 08:46

    @noch’n Flo
    So eine Art deutsches whatstheharm.net ?

  8. 8 noch'n Flo 26. November 2016 um 11:27

    @ rambaldi:

    Ja, so ungefähr.

  9. 9 Oliver Schmidt 29. November 2016 um 07:32

    Was spricht dagegen, die Ausbildung auf einheitlichen, anerkannten Standard zu heben? Der Zulauf zu Heilpraktikern zeigt ja deutlich, dass die Schulmedizin an vielen Stellen schlichtweg versagt. Warum soll die alternative Medizin, die nicht nur schadet, sondern auch vielen Menschen hilft verboten werden,statt daran zu arbeiten,im Sinne des Patienten die Standards anzuheben und zu vereinheitlichen? Aus meiner Sicht spricht dagegen nur die Macht und die Gier der Gesundheitsindustrie und der Big Player in diesem System.

  10. 10 Bernd Harder 29. November 2016 um 07:56

    @Oliver Schmidt:

    “Die Macht und die Gier der Gesundheitsindustrie und der Big Player in diesem System” verhindert einen anerkannten Standard der Heilpraktiker-Ausbildung?

    Kurioser Gedanke.

    Soweit ich weiß, fordert kaum jemand ein Verbot der “alternativen Medizin”, was immer das sein soll.

    “Was spricht dagegen, die Ausbildung auf einheitlichen, anerkannten Standard zu heben?”

    Zum Beispiel die Lobbyverbände der “alternativen Medizin” und das Selbstverständnis vieler (der meisten?) Heilpraktiker.

    Wenn die Ausbildung auf einen “anerkannten Standard” angehoben würde – was genau würde dann von den “alternativen” Methoden der Heilpraktiker übrig bleiben, die ja zu schätzungsweise 90 Prozent eben nicht anerkannt sind, sondern auf im besten Fall unbelegten, überwiegend längst widerlegten Prinzipien beruhen?

    Heilpraktiker ohne Esoterik, Übersinnliches und Wissenschaftsferne – wie genau soll das gehen?

    Zitat aus einem Interview mit Anousch Mueller:

    “Sie wollen ja auch eine Deutungshoheit über die Ursachen von Erkrankungen, sie wollen eigenmächtig Diagnosen stellen und ungehindert Therapien einleiten.”

    Das genau ist ja der “Reiz” des Heilpraktiker-”Berufs” und die Abkehr von der “Schulmedizin” wird geradezu wie eine besondere Auszeichnung vor sich hergetragen.

    Wäre es anders, würde niemand mehr zum Heilpraktiker gehen, sondern zur Massage, zum Physiotherapeuten, zum Arzt für Naturheilverfahren o.ä.

    Haben Sie dafür eine Lösung?

  11. 11 noch'n Flo 29. November 2016 um 09:39

    @ Oliver Schmidt:

    “Der Zulauf zu Heilpraktikern zeigt ja deutlich, dass die Schulmedizin an vielen Stellen schlichtweg versagt.”

    Nee, es zeigt nur, dass viele Menschen reichlich gutgläubig sind und die Heilpraktikerverbände gute Lobbyarbeit betreiben.

    “Warum soll die alternative Medizin, die nicht nur schadet, sondern auch vielen Menschen hilft”

    Nenne bitte nur ein Beispiel, in dem die sog. “Alternativmedizin” Menschen je geholfen hat.

  12. 12 crazyfrog 29. November 2016 um 20:22

    @Oliver:

    Passender Kommentar dazu bei Bundesregierung-Impfwoche-Facebook:

    “Als Arzt haben Sie wenigstens die MÖGLICHKEIT, seriös zu arbeiten. Als Heilpraktiker bleibt Ihnen sowieso nur Quacksalberei, weil Sie gar keine wirksamen Therapien anbieten können. Wegen mangelnder Ausbildung nämlich.”

    https://www.facebook.com/Bundesregierung/photos/a.769938079764597.1073741828.768905426534529/822004064557998/?type=3&comment_id=822029721222099&reply_comment_id=822625337829204&comment_tracking=%7B%22tn%22%3A%22R9%22%7D


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