Impfen: „Verantwortungsvolle Elternschaft bedeutet manchmal auch, gegen das eigene Bauchgefühl zu handeln“

Ein paar Szene-News:

Der Arzt und Autor Philipp S. Holstein arbeitet auf seiner Facebook-Seite die vergangenen sechs Monate seit seinem ersten Rant gegen Impfverweigerer auf:

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Ein Auszug:

In jeder „Impfdiskussion“ lese ich Beiträge, die jeder, der einen Internetanschluss und einen funktionierenden Kopf hat, sofort als das erkennen kann, was es ist: ziemlich großer Mumpitz. „Es gibt keine Studien, die die Wirkung von Impfungen belegen“?

Wohl. In unter 0,2s beantwortet Google Deine Fragen.

Wenn man zum Äußersten gehen will, kann man sogar dieses „Wissenschaft“ hinzuziehen und z.B. Pubmed konsultieren. Da findet man hunderte kostenlos einsehbare Abstracts zu renommierten Studien, die jede Frage beantworten. Aber das lest Ihr ja so ungern. „Weil das alles „Big-Pharma“ bezahlt.“

Bei den meisten Studien kann man übrigens nachlesen, wer sie bezahlt. Aber um das zu wissen, müsste man mal eine Studie gelesen haben. Versucht das doch mal.”

Die Bloggerin Butterblumenland – Familienleben mit Autismus wendet sich aus persönlicher Betroffenheit gegen die Mär vom Autismus durch Impfen:

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Jedes Mal, wenn ich einen eurer Beiträge sehe, der Panik vor Autismus schürt, möchte ich euch ins Gesicht sehen und euch von Angesicht zu Angesicht danach fragen. Aber ihr hättet nicht den Arsch in der Hose, mir persönlich Rede und Antwort zu stehen, darauf wette ich.

Ihr habt nur im Internet in euren Echokammern und in anonymen Kommentarspalten eine große Klappe. Menschen verunsichern, das könnt ihr. Wenn euch Autisten so sehr nahe gehen, dann engagiert euch doch ehrenamtlich in Vereinen.

Ach so, nee, dann könntet ihr ja in Kontakt mit Autisten kommen und müsstet feststellen, dass sie Menschen mit Gefühlen sind. Menschen, auf deren Gefühlen ihr rücksichtslos rumtrampelt, nur damit ihr eine Rechtfertigung habt, warum ihr eure Kinder einer tödlichen Gefahr aussetzt.”

In der New York Times berichtet die dreifache Mutter Kristen O’Meara von ihrer Wandlung zur Impfbefürworterin:

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Doubling up in pain, my 3-year-old twins, Áine and Lena, screamed out in unison as agonizing cramps raged through their tiny stomachs. My older daughter, Natasha, then 5, was equally stricken — dehydrated and desperately sick. All three of my kids had rotavirus, the potentially deadly form of diarrhea that could so easily have been prevented if I’d gotten them vaccinated.”

Auch Stern-Online schreibt darüber.

Einen ähnlichen Fall hat Dinge, die Impfgegner sagen dokumentiert:

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Die Journalistin Nora Imlau erklärt in ihrem Blog, warum Impfen und bindungsorientierte Erziehung durchaus zusammenpassen:

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In „Attachment Parenting“-Gruppen treffen die unterschiedlichsten Menschen und Philosophien aufeinander, deren kleinster gemeinsamer Nenner lautet: Wir wollen bedürfnisorientierte Eltern sein.

Bricht in einer solchen Gemeinschaft dann wieder einmal eine Impf-Diskussion aus, geht es in Wahrheit also nicht um die Schutzimpfungen an sich als um die Frage: Wer hat hier die Deutungshoheit über unseren Weg, Elternschaft zu leben? Bin ich hier in einem Clan, der Schulmedizin ablehnt, oder in einem, der sie als existenziell wichtig erachtet?

Definiert sich mein Clan darüber, sich auf die eigene Intuition zu verlassen, oder auf wissenschaftliche Studien? Oder kann in unserem Clan auch beides nebeneinander stehen?

Wir „Attachment Parenting“-Familien sind eine große, diverse Gruppe, zu der radikale Impfgegner ebenso dazu gehören wie glühende Impf-Befürworter. Was sie eint ist, dass sie das Beste für ihre Kinder wollen.

Was sie trennt ist die Frage, ob Schutzimpfungen zu diesem Besten dazugehören. Für mich persönlich ist klar: Nur weil ich mit meinen Kindern bedürfnisorientiert umgehe und bei uns in der Babyzeit die typischen „Attachment Parenting“-Insignien Tragetuch, Familienbett und nun sogar Stoffwindeln nie weit sind, heißt das noch lange nicht, dass ich auch Schutzimpfungen ablehne – im Gegenteil.

Ich bin überzeugt davon, dass verantwortungsvolle Elternschaft manchmal auch bedeutet, gegen das eigene Bauchgefühl zu handeln.”

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Und der kinderdoc musste mal wieder einer Impfgegnerin empfehlen, sich eine andere Praxis zu suchen.

Zum Weiterlesen:

  • Impfgegner, hört auf mein Kind zu missbrauchen! Butterblumenland am 20. September 2016
  • Health Ministry reports third child measles death in Romania, Agerpres am 22. September 2016
  • Der Arzt und die Impfgegner – eine Tragikomödie in (vorerst) vier Akten, GWUP-Blog am 26. Februar 2016
  • Es geht weiter: „Der Arzt und die Impfgegner“, Teil V, GWUP-Blog am 12. März 2016
  • „Der Arzt und die Impfgegner“ über Homöopathie und MMS, GWUP-Blog am 25. März 2016
  • Impfen und Autismus: Sogar ein Zwölfjähriger versteht mühelos den Zusammenhang, GWUP-Blog am 1. Juni 2016
  • I was an anti-vax crackpot — until this happened, New York Times am 20. September 2016
  • Warum Impfen und „Attachment Parenting“ für mich perfekt zusammen passen, Nora Imlau am 8. September 2016
  • Another benefit of vaccines: reducing antibiotic resistance, The Skeptical OB am 22. September 2016
  • Anti-Vaxxer Mom Changes Mind After Her Three Kids Fall Ill, abc news am 26. September 2016
  • Here’s Where Vaccine Skeptics Live Around the World, Mother Jones am 12. September 2016
  • Diese Mutter war Impfgegnerin – doch dann erkrankten ihre Kinder schwer, Stern-Online am 28. September 2016
  • Was tut Ihr Euren Kindern an? kinderdoc am 29. September 2016
  • Fakten, die ich schon immer zum Impfen hören wollte, kinderdoc am 22. September 2016
  • Autismus – ein Missverständnis, Der Goldene Aluhut am 3. September 2016

2 Kommentare zu “Impfen: „Verantwortungsvolle Elternschaft bedeutet manchmal auch, gegen das eigene Bauchgefühl zu handeln“”


  1. 1 2xhinschauen 1. Oktober 2016 um 12:35

    Zeit für die Gründung eines “Informationsnetzwerks Impfen”, oder nicht? Es scheint zahlreiche engagierte Publizisten, Blogger, Wissenschaftler und Laien zu geben, doch vielleicht ist das einzeln noch nicht wirkmächtig genug.

    Organisiert Euch. Verschafft Euch einen Resonanzboden für Eure Aktionen und Publikationen. Sorgt für Präsenz in den “sozialen” Medien und in den Notizbüchern der Redaktionen.

  2. 2 Catweazle 4. Oktober 2016 um 05:52

    Zwar nicht direkt Impfen aber geht halt um Kinder und ist so schöööön Alternativ:
    http://www.medicalnewstoday.com/releases/313242.php
    FDA warns against the use of homeopathic teething tablets and gels

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