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Verschwörungstheorien um den Amoklauf von München

Zuerst denken – dann klicken (ZDDK) hat mittlerweile zwei Beiträge über die zahllosen Verschwörungstheorien um den Amoklauf in München veröffentlicht, etwa zu dem Video, das den Täter beim Verlassen der McDonald’s-Filiale zeigt – und das angeblich von der NWO oder anderen supermächtigen Geheimorganisationen gefälscht worden sein soll, was aber natürlich jeder Youtube-Verschwörungsjäger sofort erkennen kann:

Wenn ein Video wirklich manipuliert wurde, warum melden sich da nicht die Menschen aus der Film- und Videozunft zu Wort? So gibt es weit verbreitete Videos mit der Behauptung, der Täter erscheine aus dem “Nichts”, bzw. sei in das Video gesetzt worden.

Es gibt so eine große Menge an Menschen, die sich beruflich mit Videoschnitt und Tricktechnik beschäftigen, es gibt Medienfakultäten an Universitäten, die über Schnitträume verfügen, in denen Studierende Videoeffekte und Bearbeitung erlernen, warum vermeldet aus diesen großen Kreisen niemand diese Zweifel?

kama

Man muss wissen: Es bedarf durchaus einer längeren Erklärung, warum bei komprimierten Videos auf Einzelbildern Farben ineinander verschmelzen oder sich bewegende Objekte unscharf, bzw. undeutlich werden.

Hierzu kann man auf dem Webserver der Uni Köln ein durchaus ausführliches Dokument finden, in dem beschrieben wird, was Videokomprimierung bedeutet und welche Irritationen durch Kompression entstehen.“

Zum Weiterlesen:

  • München: GSM Ausfall während des Attentates? Alles Lüge, alles Fake! ZDDK am 27. Juli 2016
  • München: Theorien, Verschwörungen und Schändung der Betroffenen, ZDDK am 26. Juli 2016
  • Verschwörungstheorie bizarr: Wie der Kopp-Verlag Richard Gutjahr in die Nähe des Mossad rückt, Meedia am 25. Juli 2016
  • Ufo-Gläubige und Schizophrene – Der Verschwörungswahn, heilpraxisnet

18 Kommentare

  1. Interessant ja, wie sich der Erkenntnisstand in diesem Fall fast täglich verändert:

    aktuell wurde ja bekannt, der Täter habe Kontakte zur rechtsextremen Szene gehabt, habe sich als Deutscher und Iraner gleich doppelt als „Arier“ empfunden und Türken und Araber als „minderwertig“ angesehen (was erklären könnte, warum alle seine Opfer einen Migrationshintergrund hatten) und es als Privileg empfunden, am selben Tag wie Adolf Hitler geboren zu sein (20. April).

    Und das Zusammenfallen dieses Amoklaufes mit dem 5. Jahrestag des Breivik-Amoklaufs in Norwegen ist wohl auch kein Zufall gewesen.

    Das dürfte jetzt einige der VTler schwer ins Grübeln bringen. Obwohl – ist ja sowieso alles gelogen und von IHNEN manipuliert… ;)

  2. @ noch’n Flo
    „…was erklären könnte, warum alle seine Opfer einen Migrationshintergrund hatten!“

    Wer Mc. Donalds von innen kennt, weiß, dass – insbesondere in sozialen Brennpunkten – außerhalb der Mittagszeit sehr viele Kunden einen Migrationshintergrund haben. Da das Unternehmen kostenloses W-Lan anbietet, verweilen dort – wie ich selbst unzählige Male beobachten konnte – regelmäßig Jugendliche, von denen 90 % einen Migrationshintergrund haben. Die betroffene Mc. Donalds Filiale befindet sich in einer Gegend, die in München nicht zu den „besten Adressen“ zählt und wo viele Migranten wohnen.

    Also kann es auch durchaus Zufall gewesen sein, dass alle Opfer einen Migrationshintergrund hatten.

  3. @ Alexander W.:

    Gutes Argument, aber dann kann man ebenso annehmen, dass sich der Täter genau deshalb diesen Ort für seinen Amoklauf ausgesucht hat.

    Ausserdem ist ja noch ein Facebook-Eintrag in einer vorwiegend von jungen Migranten FB-Gruppe aufgetaucht, in der der Täter mit einem Fake-Profil angekündigt hatte, am Tattag und zur Tatzeit in diesem McDonalds eine Runde Getränke ausgeben zu wollen.

  4. Mmmh. Riecht mir alles zu sehr nach falscher Fährte. Weiß eigentlich jemand, welche Medikamente der Täter eingenommen hatte?

    „Fünf Prozent der Deutschen nehmen regelmäßig Medikamente gegen Depressionen. Deutsche Ärzte verschreiben inzwischen doppelt so viele Antidepressiva wie noch vor zehn Jahren. 2010 waren es 1,1 Milliarden Tagesdosen. Weltweit gehören Antidepressiva mittlerweile zu den fünf am häufigsten verkauften Medikamentengruppen. Ein Riesenerfolg für die Pharmaindustrie – auch in Deutschland.
    Vielen Patienten ist jedoch nicht bewusst, dass es sich um Medikamente mit erheblichen Risiken und Nebenwirkungen handelt. Antidepressiva können Aggressionen auslösen oder verstärken und das Suizid-Risiko erhöhen.“

    http://gegen-pfizer.blogspot.de/2013/02/ard-dokumentation-gefahrliche.html

  5. @Verwundert:

    Ich nehme an, mit Ihrem Geraune wollen Sie andeuten, dass Psychopharmaka den Amoklauf (=“erweiterter Suizid“) ausgelöst haben, also letztendlich „Big Pharma“ und korrupte Ärzte daran Schuld waren?

    Das ist klassisches VT-Denken: für ein komplexes Geschehen eine möglichst einfache „Ursache“ finden, die alles erklärt.

    Für das, was Sie zitieren, brauchen Sie allerdings keinen Anti-Pharma-Blog zu bemühen – das steht in jeder Packungsbeilage und auch auf seriösen Seiten, z.B.:

    < < Obwohl sie Depressionen und Suizidgedanken reduzieren sollen, können einige Antidepressiva offenbar die Tendenz zur Selbsttötung verstärken – zumindest vorübergehend. Einer Studie zufolge hängt dies auch von der Wirkstoffklasse ab. << http://www.gesundheitsstadt-berlin.de/suizidrisiko-bei-antidepressiva-haengt-vom-wirkstoff-ab-5904/

    Dennoch ist das keine Erklärung für den Münchner Amoklauf.

    Antidepressiva beeinhalten viele verschiedene Wirkstoffgruppen, je nach Angriffspunkt. Manche machen nicht aggressiv, sondern müde und antriebslos, also genau das Gegenteil.

    Wir haben es also mit einem komplexen Krankheitsbild und noch komplexeren Medikamenten zu tun, mit denen man keine „einfachen“ Aussagen konstruieren kann. Die Wirkung oder Nicht-Wirkung kann z.B. auch von einem falschen Umgang damit abhängen, etwa plötzliches Absetzen gegen die ärztliche Verordnung und ohne Ausschleichen. Schon ein einfacher „Aussetzer“ kann negative Effekte haben.

    Der Effekt könnte natürlich auch genau umgekehrt sein:

    Täter dieser Kategorie nehmen Psychopharmaka, weil sie starke psychische Probleme haben, aber nicht das Medikament löst den Amoklauf aus, sondern die psychischen Probleme.

    In Deutschland leiden etwa fünf Prozent der Bevölkerung an einer depressiven Erkrankung – dem stehen wie viele Amokläufe jährlich gegenüber?

    In den OECD-Ländern nahmen 2013 bis zu 56 von 1000 Menschen Antidepressiva, die meisten davon in Island. Wie viele Amokläufe haben in Island stattgefunden?

    Und woher wissen Sie, was passiert wäre, wenn der Täter keine Medikamente genommen hätte? Wäre dann nichts passiert? Oder hätte er in den zwei noch ungeklärten Stunden zwischen dem Ende der Ballerei und seinem Suizid noch mehr angerichtet? Was wissen wir über möglichen Beikonsum?

    Niemand kann das wissen und jede Spekulation darüber ist Blödsinn.

  6. @Bernd Harder

    Na dann lesen Sie doch ruhig mal Peter C. Götzsche „Tödliche Medizin und Organisierte Kriminalität“. Die Kapitel über die modernen Antidepressiva. Götzsche ist übrigens kein VT, sondern Mitarbeiter des Cochrane Instituts in Dänemark. Darüberhinaus ist er FA für Innere Medizin und hält eine Professur zum klinischen Forschungsdesign und Analyse.

  7. @Verwundert:

    Ah, die klassische Beweislastumkehr, wieder VT-Denken.

    Sparen Sie sich Ihr typisches gönnerhaftes Oberlehrer-Getue, ich kenne das Buch, das wurde sogar hier im Blog vorgestellt.

    Zeigen Sie mir konkret die Stelle, wo dort ein Zusammenhang zwischen Amokläufen und Antidepressiva steht?

    Und was genau an den Ermittlungen zum Münchner Amoklauf „falsche Fährten“ sein sollen, haben Sie auch nicht erklärt.

  8. Ich unterstelle einmal, dass es diese Diskussion nicht gäbe, hätte sich der Täter bei gleicher medizinischer Vorgeschichte zum IS bekannt und während seines Geballers „Allahu Akbar!“ gerufen.

  9. @RainerO:

    Die Diskussion über einen möglichen Einfluss von Psychopharmaka (insb. SSRI-Antidepressiva) auf Amokläufer wird seit vielen Jahren geführt und bei jedem Ereignis wieder von vorne, mit Für- und Gegensprechern (aktuell z.B. http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/medikamente/beide-taeter-hatten-psychische-probleme-machen-antidepressiva-menschen-zu-taetern_id_5767532.html).

    Das kann man ja auch machen – aber satt Argumente zu liefern etwas von „falschen Fährten“ zu raunen und auf Nachfrage auf allgemeine Pharma-Kritik zu verweisen, ist ebenso lächerlich wie die Alibi-Debatten um „Killerspiele“ oder Heavy-Metal-Musik, mit denen versucht wird, ein hochkomplexes Geschehen auf eine einzige, möglichst bequeme Ursache zu reduzieren.

  10. @ Bernd Harder:

    Diese Diskussionen kenne ich. Vielleicht habe ich mich nicht verständlich genug ausgedrückt: Ich meinte die spezielle Diskussion hier, nicht die allgemeine.

    Der vermutliche Hintergrund des Täters passt halt nicht ins Schema der üblichen Schuldzuweisungen. Wäre er Islamist gewesen, wäre dann auch hier jemand aufgeschlagen, der ihn als Opfer der Pharmaindustrie dargestellt hätte?

  11. @RainerO:

    Guter Punkt, danke.

  12. Einfache Antworten verbieten sich bei diesem Thema!

    „Die Wahrheit ist jedoch viel komplizierter, offenbart sich erst, wenn man hinter die Fassade schaut.“

    http://www.dw.com/de/im-kopf-eines-amokl%C3%A4ufers/a-16737558

  13. Die besondere Gefahr bei einigen Antidepressiva besteht darin, dass bei manchen Patienten die antriebssteigernde Wirkung vor der stimmungsaufhellenden eintreten kann. Dann besteht für eine Dauer von ein paar Tagen ein erhöhtes Suizidrisiko – das war’s dann aber auch schon.

    Dass die Einnahme eines Antidepressivums einen Amoklauf triggern könnte, möchte ich hiermit ins Reich der Legenden verweisen. Zumal der Täter von München diesen ja nach aktuellem Ermittlungsstand schon sehr lange vorbereitet hat.

  14. @Bernd Harder

    Oje. Wenn Sie im Vorfeld einen Zusammenhang zwischen der Medikation und den unfassbaren Taten kategorisch abstreiten, dann stellen Sie sich damit nicht nur über den Vorsitzenden der Deutschen Arzneimittelkommission Prof. Müller-Örlinghausen http://www.bruno-mueller-oerlinghausen.de/

    sondern gleich noch über Prof. Peter Schönhöfer (Arzneimitteltelegramm) http://www.zeit.de/2003/25/P-Sch_9anh_9afer

    Beide warnten (und warnen noch immer) eindringlich vor den „modernen“ Antidepressiva.

  15. @ Verwundert

    „Weiß eigentlich jemand, welche Medikamente der Täter eingenommen hatte?“

    „Ein Riesenerfolg für die Pharmaindustrie – auch in Deutschland!“

    „Link „gegen Pfizer“

    WAS SOLL DAS?

    „2010 waren es 1,1 Milliarden Tagesdosen!“

    Dann sind mir wohl viele, viele, unzählige Nachrichten über Amokläufe entgangen.

    Seltsam, Ihre Theorie…

  16. @Verwundert.

    Ich streite überhaupt nichts „kategorisch ab“, sondern habe darauf hingewiesen, dass wir

    a) viel zu wenig über den Fall München wissen, um über einen entscheidenden Einfluss von Pychopharmaka spekulieren zu können

    b) es kompetente Für- und Gegenredner in Sachen Gewalttaten und Psychopharmaka gibt.

    Das hält Sie allerdings nicht davon ab, mit null eigenen Kenntnissen über den Fall („Weiß eigentlich jemand, welche Medikamente der Täter eingenommen hatte?“) Verschwörungsgeraue zu verbreiten („Mmmh. Riecht mir alles zu sehr nach falscher Fährte“) und statt konkreten Argumenten zum Fall München auf Nachfrage auch zum zweiten Mal lediglich mit allgemeiner Pharmakritik anzukommen („Beide warnten und warnen noch immer eindringlich vor den “modernen” Antidepressiva“), ohne Bezug oder Zusammenhang zu/mit München.

    Um bei Ihrer Nicht-Argumentation zu bleiben:

    Oje. Wenn Sie im Vorfeld [in welchem „Vorfeld“, von was?] einen Zusammenhang zwischen der Medikation und den unfassbaren Taten mit aller Gewalt konstruieren wollen, dann stellen Sie sich damit nicht nur über den Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, sondern auch über den Leiter des Bereichs Forensische Psychiatrie am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim und über die Leiterin der Klinik und Hochschulambulanz für Psychiatrie und Psychotherapie an der Berliner Charité:

    http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/article/916604/amoklauf-depressionen-erklaeren-solche-taten-nicht.html

    So – und jetzt zählen Sie nochmal zwei Befürworter Ihrer These auf und danach ich wieder drei Gegner.

    Der Täter von Ansbach war übrigens bei einem Heilpraktiker in Behandlung, hat also offenbar keine Psychopharmaka bekommen, sondern irgendwas „Natürliches“.

    http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2016/07/30/von-engagierten-buergern-heilpraktikern-und-amoklaeufern/

    Widerlegt das jetzt Ihre These?

    Was soll dieses faktenfreie Spekulieren bringen? Da Sie die Schwachpunkte Ihrer „Argumentation“ wohl nicht verstehen können oder wollen, empfehle ich Ihnen ein paar schöne VT-Seiten, dort wird das seitenweise debattiert und dort bekommen Sie auch ganz viel Beifall dafür.

    Hier ist jedenfalls Schluss damit.