Skeptiker-Interview mit Anousch Mueller – und Heilpraktiker- Geschädigte gesucht

Im aktuellen Skeptiker (2/2016) gibt es ein Interview mit Anousch Mueller zu ihrem Buch “Unheilpraktiker – Wie Heilpraktiker mit unserer Gesundheit spielen”.

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Als Blog-Bonus eine kurze Passage daraus, die im Skeptiker aus Platzgründen entfallen musste:

Skeptiker: Jeder kann bei der Berufswahl mal falsch abbiegen und schlechte Erfahrungen machen. Dann verabschiedet man sich davon, und gut ist. Warum machen Sie Ihren Fall öffentlich und schreiben ein Buch darüber?

 Mueller: Ich habe in den Jahren nach der Ausbildung, als ich mich schon weit von der Paramedizin distanziert hatte, gemerkt, dass mein Puls hochschnellt, wenn es um Heilpraktiker und ähnliche Themen ging.

Statt mich nur in den Kommentaren zu verlieren, dachte ich, mit einem Buch lässt sich die gewaltige Problematik mal auf den Punkt bringen.

Patienten, die ihre letzten Hoffnungen auf die sogenannte Alternativmedizin setzen, sind ja nicht blöd, sondern meistens einfach unwissend. Wer weiß schon, dass Heilpraktiker kein anerkannter Ausbildungsberuf ist und dass die meisten ihrer Therapien auf rein spekulativen Annahmen beruhen?

Mein Antrieb war und ist, für das Thema zu sensibilisieren und natürlich eine Debatte anzustoßen.”

Sie haben die Reaktionen der Homöopathen auf die „Aussteigerin“ Dr. Natalie Grams verfolgt. Sie können sicher sein, dass Ihnen das genauso ergehen wird. Wie gehen Sie damit um?

 Ja, es gibt schon einige grenzwertige Mails und Kommentare. Mich verblüfft jedes Mal aufs Neue, wie aggressiv, beleidigt und beleidigend einige Vertreter der Heilpraktiker-Zunft auf Kritik reagieren. Dabei liefere ich doch in erster Linie Fakten.

Kein Heilpraktiker kann abstreiten, dass es keine geregelte Ausbildung gibt und dass ihre Methoden aus dem Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert entstammen.

Diese Leute können offenbar auch nicht richtig lesen. Denn ich behaupte zum Beispiel nicht, dass heilpraktische Therapien keinerlei Effekte haben, sondern versuche zu erklären, worauf diese gründen, jenseits esoterischer Vorstellungen. Auf sachliche Kommentare reagiere ich gerne, aggressive lasse ich so stehen – sie sprechen ja für sich.”

In welcher Weise wollen Sie Ihre Aufklärungsarbeit fortsetzen?

Ich werde erst mal am Thema dran bleiben, vor allem publizistisch. Mal sehen, wie ich mich in der GWUP einbringen kann. Natalie Grams hat den Weg bereitet. Und ihre Unterstützung und die vieler weiterer Skeptiker ist großartig.

Das Spezielle bei Natalie Grams und mir ist sicher die Aussteigerstory. Und: Wir sind Frauen. Das ist nicht ganz unerheblich, schließlich sind Frauen und Mütter ja die Haupt-Zielgruppe paramedizinischer Versprechungen. Meine Hoffnung ist, dass uns Frauen eher zuhören.

Bei mir kommt noch dazu, dass ich weder Medizinerin noch Naturwissenschaftlerin bin, man mir also keine wissenschaftliche Überheblichkeit vorwerfen kann. Vielmehr will ich zeigen: Man kann auch ohne Medizin- oder Physikstudium Interesse an wissenschaftlichen Sachverhalten entwickeln und verstehen, warum etwa Homöopathie einfach nicht kausal wirken kann.”

Einen Auszug aus dem Buch gibt es bei der Huffington Post.

Das Interesse der Medien an dem Thema ist weiterhin groß. Dafür werden auch authentische Fälle von Patienten benötigt, die bereit sind, vor der Kamera über ihre negativen Erfahrungen mit Heilpraktikern zu sprechen. Geschädigte suchen in aller Regel keine Öffentlichkeit, aus ganz verschiedenen Gründen.

Dennoch ist es wichtig, der intransparenten Heilpraktiker-Branche den Schweigeschutz zu entziehen.

Kontaktieren Sie uns gerne mit einer gültigen E-Mail-Adresse über das Kommentarfeld (wird nicht veröffentlicht).

Zum Weiterlesen:

  • “Fragwürdig, irrwitzig, unglaubwürdig”: Interview mit Anousch Mueller, Skeptiker 2/2016
  • Tödliche Erfahrungen, Der Nesselsetzer am 20. April 2013
  • Nebenwirkungen – Wie ich die Homöopathie nur knapp überlebte, Der Spiegel Nr. 22/2013
  • Rezension: “Die Unheilpraktiker”, Chiemgau Gemseneier am 11. Juni 2016
  • Die Heilpraktiker-Formel: „Magie statt Technokratie“, GWUP-Blog am 9. Juni 2016
  • Wie Heilpraktiker mit unserer Gesundheit spielen, Huffington Post am 9. Juni 2016
  • Von der Gutgläubigkeit hin zu Faktendenken: Anousch Müller über ihr Buch „Unheilpraktiker“, GWUP-Blog am 15. Mai 2016
  • Anousch Müller: Unheilpraktiker – Wie Heilpraktiker mit unserer Gesundheit spielen. Riemann, München 2016

1 Kommentar zu “Skeptiker-Interview mit Anousch Mueller – und Heilpraktiker- Geschädigte gesucht”


  1. 1 Skeptikus 19. Juni 2016 um 09:08

    Der Skeptiker istvjetzt auch im Shop bestellbar

    https://shop.gwup.org/skeptiker-einzelhefte/72-skeptiker-22016.html


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