Globale Erwärmung: Der Mythos von der 97-Prozent-Zustimmung der Klimaforscher

Stimmt es eigentlich, dass mehr als 90 Prozent der Klimaforscher vom anthropogenen Treibhauseffekt (also von einem maßgeblichen Einfluss des Menschen auf den Klimawandel) überzeugt sind?

Diese Frage wird seit Jahren leidenschaftlich kontrovers diskutiert.

Besonders hoch kochten die Emotionen nach diesem Obama-Tweet vom 16. Mai 2013:

oba

Natürlich nahmen Klimawandelleugner das zum Anlass für “eine Spurensuche nach dem Ursprung dieser Aussage”, wobei zum Beispiel ein Autor von Kopp-Online erklärtermaßen “erstaunliche Entdeckungen” machte.

Etwa dass “nur 3146 Wissenschaftler” von 10 257 Befragten auf die entsprechende Umfrage geantwortet hätten und außerdem “eine nachträgliche Änderung des Verfahrens vorgenommen [...] und nur die Antworten erfahrener Klimawissenschaftler gewertet worden” seien.

Die Tatsachen dazu kann man im Science-Blog KlimaLounge nachlesen:

1. Ein Rücklauf von mehr als 30 Prozent ist überdurchschnittlich gut.

2. Die Teilnehmer der Umfrage von Peter Doran und Maggie Kendall Zimmerman (University of Illinois, Chicago) wurden auch nach ihrem Fachgebiet und ihren Fachpublikationen der letzten fünf Jahre befragt.

Dabei zeigte sich, dass die Zustimmung zu den Fragen bezüglich “anthropogenic global warming” (AGW) umso höher war, je mehr die Befragten vom Klima verstehen:

Unter den Klimatologen, die überwiegend zu Klimaveränderungen forschen und publizieren, haben 97 Prozent Frage 2 mit “ja” beantwortet. Die geringste Zustimmung zur zweiten Frage fand sich unter Wirtschaftsgeologen (47 Prozent) und Meteorologen (64 Prozent).”

Auch die Experten von klimafakten.de schreiben zu der angeblich “manipulierten” Doran/Zimmermann-Umfrage:

Von den ausgewiesenen Klimatologen, die auch aktuell Forschungsergebnisse zur Erderwärmung veröffentlicht haben, antworteten auf die Frage “Meinen Sie, dass menschliche Aktivitäten einen entscheidenden Einfluss auf die Veränderung der durchschnittlichen globalen Temperaturen haben?“ mehr als 97 Prozent mit Ja.”

clima

Allerdings hatte Obama sich gar nicht auf die Doran/Zimmermann-Umfrage von 2009 bezogen, sondern auf eine weitere Untersuchung von John Cook von der University of Queensland aus dem Jahr 2013:

Quantifying the consensus on anthropogenic global warming in the scientific literature”

Auch Cook kam zu dem Ergebnis:

Von allen Fachveröffentlichungen zum Klimawandel, die zwischen 1991 und 2011 erschienen (ca. 12.000), stimmten mehr als 97 Prozent mit dem wissenschaftlichen Konsens überein.”

Und auch diese Arbeit wurde vehement kritisiert, sogar von Spiegel-Online – allerdings mit sehr speziellen Argumenten:

Zu den eigentlich entscheidenden Fragen macht die Cook-Studie keine Aussage: Wie groß ist der menschengemachte Anteil am Klimawandel? Und wie gefährlich ist der Klimawandel? Die bedeutendsten Fragen der Umweltforschung sind weitaus schwieriger zu beantworten – und hier gehen die Meinungen der Wissenschaftler weit auseinander.”

Das mag ja sein, war aber nicht die Fragestellung der Cook-Studie, die von Fachzeitschrift Environmental Research Letters zum besten Artikel 2013 gewählt wurde.

infografik_4708_abweichung_von_der_globalen_durchschnittstemperatur_n

Auch der US-Geologe James Lawrence Powell, Executive Director des National Physical Science Consortium und Fellow der Skeptiker-Organisation “Committee for Skeptical Inquiry” (CSI), wies auf methodische Schwächen von Cook et al. hin und schrieb im Skeptical Inquirer:

The 97% consensus is false.”

Die Wahrheit sei, dass in der Klimaforschung nahezu vollkommene Übereinkunft herrsche:

The percentage of publishing climate scientists who accept AGW is at least 99.9 percent.”

Powell wählte für seine Analyse die umgekehrte Vorgehensweise wie Doran/Zimmermann/Cook und andere und suchte nach Fachartikeln, die “anthropogenic global warming” (AGW) ausdrücklich ablehnen – und fand einen Anteil von 0,0058 Prozent:

This result would allow the claim that 99.99 percent of scientists publishing today accept AGW. To be conservative, I prefer to say above 99.9 percent.”

Powells Artikel erschien in der November-/Dezember-Ausgabe 2015 des Skeptical Inquirer.

Vor vier Wochen wurde die Studie des renommierten Geologen peer-reviewed in der Fachzeitschrift The Bulletin of Science, Technology and Society publiziert, mit dem Fazit:

The consensus on AGW among publishing scientists is above 99.99%, verging on unanimity.”

Auch auf seiner Homepage und bei Youtube erklärt Powell die Fakten:


Direktlink zum Video auf Youtube

Parallel dazu ist eine neue Metastudie erschienen, in der sieben Autoren auf AGW-Konsensraten zwischen 91 und 100 Prozent kommen:

Consensus on consensus: a synthesis of consensus estimates on human-caused global warming”

cilma

Auch dazu gibt es eine Youtube-Stellungnahme von Koautor John Cook:


Direktlink zum Video auf Youtube

Und was die von Spiegel-Online aufgeworfenen Fragen angeht, kann man eigentlich nur aus einem aktuellen Vortrag von Professor David Helfand von der Columbia University zitieren:

Helfand is equally clear, however, that uncertainties in climate modeling are no excuse for dawdling.”

Zum Weiterlesen:

  • It’s settled: 90–100% of climate experts agree on human-caused global warming, The Guardian am 13. April 2016
  • Klimawandel: “97-Prozent-Studie” bestätigt, klimaretter.info am 16. April 2016
  • David Helfand: On Evidence and Climate Science, CSI am 7. April 2016
  • Climate Scientists Virtually Unanimous: Anthropogenic Global Warming Is True, The Bulletin of Science, Technology and Society vom 28. März 2016
  • The Consensus on Anthropogenic Global Warming, Skeptical Inquirer Volume 39.6, November/December 2015
  • Klimaforscher-Konsens 97 Prozent, Klimalounge am 6. März 2009
  • The 97% consensus on global warming bei Skeptical Science
  • Weltuntergang als Tagesjob: Die Ballade von den traurigen Klimaforschern, GWUP-Blog am 23. November 2015
  • Klimawandel: Das Netzwerk der Leugner – und der aktuelle Stand der Forschung, GWUP-Blog am 4. Dezember 2015
  • Global Warming: Bill Nye ‘the Science Guy’ gets political, CNN am 22. April 2016
  • The similarities between Trump support and climate denial, The Guardian am 4. April 2016
  • Ein halbes Grad mehr oder weniger können richtig wehtun, FAZ am 30. April 2016

20 Kommentare zu “Globale Erwärmung: Der Mythos von der 97-Prozent-Zustimmung der Klimaforscher”


  1. 1 Christian Perzl 1. Mai 2016 um 15:14

    Ich muss ehrlich sagen: Dieser Artikel hätte mögliche Vorverurteilung beim mir nur noch bestätigt.

    Erst einmal, für mich ist die Theorie des hauptsächlich menschengemachten Treibhauseffekt mit äußerst großen Abstand die plausibelste. Mehr ist hierzu nicht zu schreiben.

    Aber für mich ist die Aussage “Nur wer darüber forscht und schreibt hat darüber Ahnung” nur ein ausgefeilteres “Infomiere dich doch!”.

    Etwas überzeichnet: An Homöopathie oder Astrologie müsste doch auch etwas dran sein. Der Löwenanteil derer die darüber “forschen” und schreiben werden wohl auch sagen dass das klappt.

    Genauso die Begründung, wieso bei andere Wissenschaftsdisziplinen bedeutend weniger Zustimmung für die Theorie des anthropogenen Klimawandel herrscht, beim ersten aufklärenden Links von Klimalounge (Ich gebs zu, für die, folgenden, englische Arbeiten ist gerade meine Aufmerksamkeitsspanne zu kurz.)
    Wer da zum Hammer “DIE haben doch wirtschaftliche Interessen zum Leugnen” ausholt ist dem Verschwörungsglauben wohl näher als ihn wahrscheinlich liebt ist.

    Man kann jetzt jammern das die Medien im allgemeinen, der Sache skeptisch eingestellte Menschen und Verschwörungsgläubige ein schiefes Bild zeichnen. Aber wenn das hier die besten Gegenargumente sind die man bereit ist zu liefern, dann kann ich diese Schieflage bedauerlicherweise verstehen.

  2. 2 Bernd Harder 1. Mai 2016 um 15:21

    @Christian Perzl:

    Sorry, ich kann Ihren Anmerkungen nicht ganz folgen.

    << mögliche Vorverurteilung <<

    Von wem oder was?

    << Der Löwenanteil derer die darüber “forschen” und schreiben <<

    Sie setzen selbst “forschen” hier in Anführungszeichen – also ist Ihnen klar, dass es einen Unterschied zwischen “forschen” und forschen gibt?

    << Aber wenn das hier die besten Gegenargumente <<

    Gegenargumente wofür genau?

    Es geht hier nicht um die Frage, ob es den anthropogenen Klimawandel gibt, sondern wie es um den Konsens der Wissenschaft darüber bestellt ist.

    << “Nur wer darüber forscht und schreibt hat darüber Ahnung” <<

    Genau dieses Argument hat Powell doch mit seiner Studie und seiner Vorgehensweise ausgehebelt.

    Er hat in der wissenschaftlichen Literatur ausdrücklich danach gesucht, wer unter den “forschenden und schreibenden” (also “Ahnung habenden”) Wissenschaftlern *gegen* den anthropogenen Klimawandel argumentiert, aber keinen (außer einer Arbeit) gefunden.

  3. 3 RainerO 1. Mai 2016 um 18:29

    @Christian Perzl:

    Meiner Meinung nach hinkt der Vergleich mit der Homöopathie gewaltig.

    Klimaforschung ist ein extrem komplexes Thema über ein chaotisches System, das in vielen Bereichen noch nicht ausreichend verstanden wird. Hier muss sich Otto Normalverbraucher wohl oder übel auf Experten verlassen (können). Daher verstehe ich die Selektion der Befragten auf Experten als absolut berechtigt.

    Homöopathie ist mit Schulwissen und ein wenig Logik zu zerlegen. Dafür brauche ich keine Experten, wenn ich Willens bin, zu hinterfragen.

  4. 4 Michael Fischer 1. Mai 2016 um 20:17

    Und Spiegel-Online ist schon eine besondere Marke.

    SPON-Autor A. Bojanowski hatte den Meteorologen Victor Venema zitiert – worauf dieser dem “local climate “skeptic” prompt “cherry picking” attestierte:

    “[Update, 23 Sept 2014. This post is now linked on Spiegel Online, where the local climate “skeptic” Axel Bojanowski needs no act as if I agree with him. I admit that the title suggests this, I was hoping to get a few “sceptics” to read it, but I was hoping that people reading the post itself would see that every single “reason” is countered. Thus Bojanowski was cherry picking, I hope it was not on purpose, but just by not reading carefully.

    Axel Bojanowski calls the topic of the Cook et al. study a “banality”. Because even the most hardened skeptics of the climate research do not doubt the physical basis that greenhouse gasses from cars, factories and power plants heat the atmosphere.

    (Selbst hartgesottene Kritiker der Klimaforschung zweifeln nicht an dem physikalischen Grundsatz, dass Treibhausgase aus Autos, Fabriken und Kraftwerken die Luft wärmen.) It would unfortunately be a great jump forward if Bojanowski was right.”

  5. 5 cero 2. Mai 2016 um 16:04

    Ich kann die Anmerkung von Christian Perzl verstehen. Ich musste mir auch irgendwann leider eingestehen, dass das Argument “Fast alle x-Forscher finden x richtig/wichtig” sehr schwach ist, um ein Ergebnis zu rechtfertigen.

    Das Problem dabei ist wirklich, dass man ja selber auswählt wer jetzt Experte ist und wer nicht. Was ist also die Rechtfertigung? Kontroversere Themen als Homöopathie: Wie viele Theologen werden ihr Studium als wissenschaftlich bezeichnen und an Gott glauben? Wie viele Genderforscher sind der Überzeugung, dass Mann und Frau biologisch im Schnitt gleiche Fähigkeiten haben? Bei welchen der Beispiele ist das Argument jetzt überzeugend und warum?

    Allerdings geht es hier im Artikel ja auch nicht darum einen Beweis für den Klimawandel zu bringen (das übernehmen andere Artikel), sondern darum die Kritik an den 97% zurückzuweisen.

  6. 6 Neo 3. Mai 2016 um 01:07

    @cero

    Man wählt nicht aus, wer Experte ist. In der Regel erkennt man Experten daran, dass sie über eine fundierte Ausbildung verfügen und sich mit ihrem Spezialgebiet in Theorie und Praxis intensiv auseinandersetzen. Und im Falle von Forschern auch zu Fragestellungen im entsprechenden Bereich forschen.

    In Bezug auf Homöopathie gibt es zahlreiche Studien, welche belegen, dass Homöpathie unwirksam ist. Und es gibt praktisch nichts wissenschaftlich ernstzunehmendes, was daran einen Zweifel aufkommen ließe.

    Theologie ist ein wissenschaftliches Studium und schließt mit dem Bachelor oder Master of Theology. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung findet in den diversen Teildisziplinen der Theologie statt, die erstaunlich wenig mit dem “Glauben” an sich zu tun haben, sondern mit Historie, Philologie, Kirchengeschichte, Philosophie, Psychologie, Sozialwissenschaften, usw.

    Zum Grundsatz von Forschung gehört es immer, ein Interesse am Forschungsgegenstand zu haben – und natürlich eine These, eine Annahme. Und sie entwickelt sich ja nicht im luftleeren Raum, sondern wie z.B. die Genderforschung aufgrund von Grundlagen und Erkenntnissen aus Sozialwissenschaften, Psychologie, Medizin die spezifische Fragen für den Wissenschaftler aufwerfen.

    Insofern sollten Sie Ihre Fragestellungen noch einmal überdenken.

  7. 7 Brigitte Götz 3. Mai 2016 um 11:20
  8. 8 cero 3. Mai 2016 um 14:03

    @Neo: “In der Regel erkennt man Experten daran, dass sie über eine fundierte Ausbildung verfügen und sich mit ihrem Spezialgebiet in Theorie und Praxis intensiv auseinandersetzen.”

    Aha, und wer entscheidet was eine fundierte Ausbildung ist? Was an der Universität gelehrt wird? Es gibt inzwischen sehr viele medizinische Fakultäten, die Homöopathie als WPF anbieten. Da beißt sich die Katze in den Schwanz.

    Und warum setzt sich ein praktizierender Homöopath nicht mit seinem Spezialgebiet “in Theorie und Praxis intensiv [auseinander]“?

    Über die Wissenschaftlichkeit von Theologie und Genderforschung zu diskutieren hebe ich mir dafür auf, wenn Sie mir objektiv definiert haben wann etwas wissenschaftlich ist. ;-)

  9. 9 Maggi 3. Mai 2016 um 14:41

    Die AfD ist eben eine echte Alternative für…Doofe!

    Das soll jetzt nicht heißen, daß man ausgesprochen doof sein muß, um der AfD beizutreten – aber es erleichtert die Sache vermutlich ungemein!

  10. 10 Bernd Harder 3. Mai 2016 um 15:43

    @cero:

    < < Und warum setzt sich ein praktizierender Homöopath nicht mit seinem Spezialgebiet “in Theorie und Praxis intensiv [auseinander]“? <<

    Natürlich tut er das - so wie ein Astrologe auch.

    Das Problem ist nur: Unsinn wird nicht dadurch sinnvoller, indem man sich intensiv damit beschäftigt.

    Wenn ein Fach keinerlei rationale/belegte Grundlagen hat, kann es per se nicht seriös sein bzw. den Anspruch erheben, zu fundierten, diskutablen Ergebnissen zu gelangen.

    Das dürfte bei der Klimaforschung anders sein.

    << Es gibt inzwischen sehr viele medizinische Fakultäten, die Homöopathie als WPF anbieten. <<

    Ja - aber doch nicht, weil Homöopathie wissenschaftliche Grundlagen hat, sondern aus demselben Grund, weshalb Apotheken Globuli verkaufen und Krankenkassen Homöopathie erstatten: Geschäftemacherei, Marketing und Opportunismus.

    << Über die Wissenschaftlichkeit von Theologie und Genderforschung zu diskutieren hebe ich mir dafür auf, wenn Sie mir objektiv definiert haben wann etwas wissenschaftlich ist. <<

    Was wollen Sie sich da groß aufheben?

    Die Theologen wissen doch selbst, dass sie keine Wissenschaft betreiben, da sie nicht einmal die Existenz ihres eigenen Forschungsgegenstandes belegen können (wie Homöopathen und Astrologen).

    Von Genderforschung verstehe ich zu wenig, muss ich mal den "Skepkon"-Vortrag dazu abwarten.

    Ein Artikel von gestern dazu:

    http://www.fr-online.de/wissenschaft/theologie-glaube-und-wissenschaft,1472788,34177330.html

    http://hpd.de/artikel/warum-theologie-keine-wissenschaft-13057

  11. 11 cero 4. Mai 2016 um 14:15

    @Bernd Hader:

    Dass Homöopathie, Astrologie etc. Unsinn ist, ist mir schon klar. Es ging mir nur darum, dass das Argument “97% x-Betreibende finden x toll” von sich aus erst mal keine Aussagekraft hat (und das bezog sich auf Kommentar #1).

    Theologie und Genderforschung waren dabei Analogien, unabhängig davon ob das jetzt wirklich wissenschaftlich ist (wobei ich bei beiden meine Zweifel habe) oder nicht.

    Quintessenz ist, nur weil 97% der Klimaforscher den Klimawandel für menschengemacht halten, muss das nicht der Fall sein. Das Argument ist viel mehr, dass sie zu dem Schluss gekommen sind indem sie wissenschaftliche Methoden basierend auf wissenschaftlichen Kriterien (Falsifizierbarkeit, Fehlerkontrolle, …) angewendet haben (und das muss dann eben entsprechend belegt werden).

    Allerdings, wie schon zuvor gesagt, darum ging es ja in diesem Artikel eigentlich gar nicht. :-)

  12. 12 Christian Perzl 5. Mai 2016 um 19:24

    @Bernd Harder

    Guten Abend Herr Harder.

    >>>Von wem oder was?

    Wie ich das gemeint hab? Wenn man mich das fragt, dann muss ich mir zu erst einmal den Schuh anziehen es nicht unverständlich geschrieben zu haben.
    Zum Zweiten, ich habe diesen Beitrag in Augen einer Person, die an der Theorie des menschengemachten Treibhauseffekt (MT) zweifelt, gelesen. Des weiteren vertrete in dieser Position das Argument “Die 97% Zustimmung ist durch nur gelten lassen der eigenen“Klima-Kaste“ entstanden“, so wie es auch von den Gegnern des MTs propagiert wird.

    Folgerichtig hätte dieser Beitrag hier bei mir die Ansicht “ Eine Kaste bestimmt selbst was richtig und falsch ist“ nur weiter verstärken.

    >>>Sie setzen selbst “forschen” hier in Anführungszeichen – also ist Ihnen klar, dass es einen Unterschied zwischen “forschen” und forschen gibt?

    Ja, mir ist völlig klar das Homöopathie und Klimawissenschaften völlig entgegengesetzte Ansichten zu der Methodik der Wissenschaft haben. Nochmals Ja, der Vergleich war überspitzt… nicht nur ein wenig sondern massiv.
    Aber es zeigt deutlich nochmals das Problem: Es geht in der 97% Kritik nicht um die Thematik “Mangelnde Beweise/Kontroverse Faktenlage“ sondern eben um “Eine Gruppe nennt sich Wissenschaft und beweist sich somit selbst ihre Esoterik“. Da nützen auch die weiteren Ausführungen nichts mehr, sie treffen den Punkt nicht.

    Außerdem, wenn ich anmerken darf: Oft läuft auch der Verweise der 97% Einigkeit im Fall der Medien meist total ins Leere.
    Ja manche Medien bieten auch totalen Leugner des MTs Raum für Publikationen. Meistens besteht die Kontroverse jedoch daraus WIE STARK der MT ist, und WAS DAGEGEN zu tun ist. Dagegen hilft kein Contra das auf “Der MTs ist Fakt“ basiert.

    Insgesamt dürfte wohl eines stark herauszulesen sein: Ich halte das reine 97% Argument für ein Eigentor.

    @cero

    Sicher darum ging es im Artikel wirklich nicht, aber man muss sich eben in die Sicht der Skeptiker einfühlen… und in der geht es um was ganz was anderes.

  13. 13 Christian Perzl 6. Mai 2016 um 19:37

    @Bernd Harder

    Hier die Kurzfassung, da die längeren Erwiderungen anscheinend nicht durch den Filter gekommen sind(Wahrscheinlich wegen Schusseligkeit meinerseits.)

    > Es wird das “97% aller Wissenschaftler” Argument gebracht

    > Skeptiker der Theorie des vom Mensch gemachten Treibhauseffekts (MTs) argumentieren mit “Die 97% sind nur dadurch entstanden das man nur eine “Klima-Kaste” als Quelle annimmt” dagegen

    > Hier wird mit “Nein, es sind sogar 99% derer die sich intensiv mit den Treibhauseffekt beschäftigen” gekontert.

    Finde den Fehler.

    Oder anderes ausgedrückt: Der Beitrag krankt massiv an der falsche verstandenen Behauptung der Gegenseite, und das führt zu einem zu nichts führenden Gegenargument. .
    So ähnlich wie wenn man mit Homöopathiebefürworten diskutiert. Die missverstehen auch sehr gerne den Vorwurf/ die Behauptung “Das ganze Gedankengebäude ist ” mit “Kontroverser Faktenlage”.

  14. 14 kevin king 6. Mai 2016 um 19:50

    Das Argument ist viel mehr, dass sie zu dem Schluss gekommen sind indem sie wissenschaftliche Methoden basierend auf wissenschaftlichen Kriterien (Falsifizierbarkeit, Fehlerkontrolle, …) angewendet haben (und das muss dann eben entsprechend belegt werden).

    This isn’t what the climatologists you are talking about have ever done, nor will they do so in the future. The science of climatology has been irreversibly corrupted by this dogma. There are many variables that go into the mix when determing what drives climate and we have very little idea of how such a complex system will react over 5 years let alone 100. There has never been an attempt to actual work on any other factors that may have significant effects. For example clouds are extremely important but no one has a real idea of how cloud formation works to the extent they can predict how much warming or cooling will occur in the next five years down to a change in this variable alone.Any argument based on … a majority of scientists believe such and such therefore it must be true is a sure sign the person making such statements and believing them to be true knows next to nothing about what science really is.

  15. 15 Amardeo Sarma 8. Mai 2016 um 20:53

    @kevin king: You are wrong on all points.

    Climate scientists publish in the best journals, such as Nature and Science. Relevant leading science organisations have endorsed their work.

    They have an excellent idea about various factors that influence climate change, such as volcanoes as one of many examples.

    And of course, climate scientists know the problems around clouds. I suggest you read the publications in peer-reviewed journals.

  16. 16 Bernd Harder 8. Mai 2016 um 23:54

    @Christian Perzl:

    << Die 97% Zustimmung ist durch nur gelten lassen der eigenen“Klima-Kaste“ entstanden“, <<

    Nein.

    Es geht um die Behauptung, dass die Klimaforscher angeblich selbst völlig uneins über den Klimawandel seien.

    Dagegen – und nur dagegen – richtet sich das “97-Prozent-oder-mehr”-Argument.

  17. 17 Mark Boslough 10. Mai 2016 um 03:09

    @Kevin king:

    This is a misunderstanding and/or misrepresentation of the science.

    One area of active research is uncertainty quantification and that includes rigorous analysis of the sensitivity of various unknowns (such as the dependences of cloud formation and radiation transfer properties of various types of clouds).

    When all these uncertainties are included, the risk of catastrophic global warming goes up significantly.

    We have held sessions on this subject for the last eight years at the American Geophysical Union Fall Meeting which attracts climate scientists, atmospheric physicists, and UQ experts from around the world.

    The “best case” (minimum warming) end-member scenarios of Linzen are not realistic, but would require global drying of the stratosphere. It is not clear that the global drying he hopes for would be preferable to the warmer but more humid world (on average) that most scientists expect.

    Predictions based on Lindzen’s past work have grossly underestimated the global warming to date.

  18. 18 crazyfrog 11. Mai 2016 um 12:38
  19. 19 BaerbelW 14. Mai 2016 um 15:31

    Vielleicht hilft ein Blick in die FAQs zur ursprünglichen Konsensstudie von John Cook et al. (2013)? Dort steht unter der Frage “Isn’t science decided by evidence?” folgendes:

    “Absolutely! There is a quote by John Reisman that aptly sums up this sentiment:

    “Science isn’t a democracy. It’s a dictatorship. Evidence does the dictating.”

    That humans are causing global warming has already been established by many lines of evidence. A number of independent measurements all find a human fingerprint in climate change. Our study establishes that the scientists agree that humans are causing global warming and that their agreement is expressed in the most robust venue for scientific debate – in the peer-reviewed literature.

    Consensus doesn’t prove human-caused global warming. Instead, the body of evidence supporting human-caused global warming has led to a scientific consensus.”
    http://skepticalscience.com/tcp.php?t=faq#evidence

    Ebenfalls interessant dürften die Videos aus dem Denial101x-MOOC sein, die sich mit dem Konsens beschäftigen:
    http://skepticalscience.com/denial101x-videos-and-references.html#week1

    Anmerkung: ich gehöre zu den Mitverfassern der beiden Konsensstudien von John Cook und helfe in meiner Freizeit bei Skeptical Science

  20. 20 Brigitte Götz 30. Juni 2016 um 08:56

    ” Die Nachricht schlug damals ein wie eine Bombe: Nicht die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas, nicht das üble CO2 ist hauptverantwortlich für den Klimawandel, sondern schlichter Wasserdampf und die Aktivitäten der Sonne. 1995 erschien eine Studie, die genau zu diesem Schluss kam.

    Die Autoren: namhafte Wissenschaftler der ebenso namhaften Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Kurze Zeit später veröffentlichte die BGR auf der Basis dieser Studie das Buch “Klimafakten” – bis heute eine Art “Heilige Schrift” all jener, die den Klimawandel oder zumindest den Anteil des Menschen daran bezweifeln.

    Was bislang nicht bekannt war: Die umstrittene BGR-Studie war seinerzeit von der Industrie bezahlt worden. Genauer gesagt von der “Hans-Joachim-Martini-Stiftung”, einer bis heute weitgehend unbekannten und im Verborgenen arbeitenden gemeinnützigen Stiftung.”

    http://www.tagesschau.de/inland/geo-wissenschaftler-bundesanstalt-101.html


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