Masern-Prozess: Sieg in der Sache, Niederlage in der Form

Das Oberlandesgericht Stuttgart hat dem Virenleugner Stefan Lanka keine Gelegenheit gegeben, sich als von der Justiz verfolgter Märtyer darzustellen.

Die Kammer gab Lankas Berufung im sogenannten Masern-Prozess statt. Somit muss Lanka die 100 000 Euro, die er für einen Beweis der Existenz des Masernvirus ausgelobt hatte, nicht zahlen.

Das diesbezügliche Urteil des Landgerichts Ravensburg vom 12. März 2015 ist hinfällig – aus rein formaljuristischen Gründen, wie Richter Karl-Heinz Oleschkewitz betonte.

Bardens

Ganz wohl war dem OLG Stuttgart bei dieser Entscheidung anscheinend selbst nicht.

An die zahlreichen Medienvertreter im Gerichtssaal appellierte Oleschkewitz, “mit Ihren Überschriften” zu dem heutigen Prozess “sehr vorsichtig” zu sein. Denn keinesfalls sei es der Kammer angelegen, die Existenz des Masernvirus in Abrede zu stellen.

Was letztendlich den Ausschlag zugunsten Lankas gab, war ein paragraphenhaftes Detail:

Die Auslobung verlangte die Vorlage einer Publikation. Vorgelegt wurden aber insgesamt sechs Publikationen. Der Wortlaut der Auslobung ist aber eindeutig – nicht sechs, sondern eine Publikation hätte vorgelegt werden müssen”,

erklärte Oleschkewitz – und verwies zugleich darauf, dass Lanka “auch 600 Studien nicht akzeptiert hätte”.

Als Auslobender sei es jedoch Lankas Recht, die Kriterien für die Auslobung festzulegen, an die die Teilnehmer sich zu halten hätten. Bei einer Auslobung bestimme alleine der Auslobende die Regeln – und eben auch allein darüber, für welchen Beleg oder Nachweis er gegebenenfalls die Prämie bezahlt.

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Foto: Andreas Weimann

Im Gegensatz dazu war das Landgericht Ravensburg in dieser Frage der Argumentation des Gutachters Prof. Andreas Podbielski gefolgt.

Der Virologe von der Universität Rostock hatte in seiner Stellungnahme zu einem “78-seitigen Erwiderungsschreiben von Dr. Lanka auf mein Gutachten” dargelegt:

Die Isolierung des Masernvirus wurde in der Zusammenschau der sechs zur Diskussion stehenden wissenschaftlichen Fachartikel mit insgesamt hinreichenden Methoden und Ergebnissen beschrieben. Die Frage, in welchem der Fachartikel dies geschah, zielt auf die vom Beklagten in dieser Betonung neu aufgebrachten Forderung ab, dass die Existenz des Masernvirus in einer Publikation bewiesen sein soll.

Diese Forderung geht allerdings an den aktuellen wissenschaftlichen Gepflogenheiten vorbei. Naturwissenschaftliche Indizienketten oder gar Beweisführungen werden mindestens schon nicht mehr seit Jahrzehnten als Monographien, sondern als Abfolgen von mehreren bis zu sehr vielen Fachartikeln publiziert.”

Podbielski und die Ravensburger Richter waren mithin der Überzeugung, dass Lankas Forderung nach “einer” Publikation erst nachträglich explizit eingebracht wurde und zudem ohne Bedeutung für den Streitgegenstand ist.

Aus unerfindlichen Gründen meinte das OLG Stuttgart heute, diese Rechtsauffassung korrigieren zu müssen.

In der Ausschreibung hatte es geheißen:

Das Preisgeld wird ausgezahlt, wenn eine wissenschaftliche Publikation vorgelegt wird, in der die Existenz des Masern-Virus nicht nur behauptet, sondern auch bewiesen und darin u.a. dessen Durchmesser bestimmt ist.”

Sehr fraglich, ob hier wirklich genau *eine* Publikation gemeint ist oder “eine” nicht vielmehr für eine unbestimmte Allgemeinheit steht und die Betonung eher auf “wissenschaftliche Publikation” und “Nachweis” liegt – was ganz klar auch dem “Geist” der Auslobung entspricht.

Von diesem Detail abgesehen, ließ die Kammer indes kaum einen Zweifel daran aufkommen, dass Lanka in der Tat “selbst erdachte Hypothesen als Argumente anbringt” und “mit seiner Argumentation außerhalb jeglicher etablierter wissenschaftlicher Standards” agiert, wie Podbielski es vor einem Jahr formuliert hatte.

Mehrfach unterbrach Richter Karl-Heinz Oleschkewitz Lankas weitschweifige Predigten, korrigierte dessen Versuche, Podbielskis Gutachten anzufechten, und hielt dem Virenleugner Egozentrismus und wörtlich einen “einseitigen Blick” vor.

Auch die mehr als 300 Seiten umfassende Berufungsbegründung Lankas spielte in der Verhandlung keine Rolle, ebensowenig wie angebliche “Gutachten” von Harald Walach oder Johann Loibner, mit denen Lanka im Vorfeld gewedelt hatte.

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Foto: Andreas Weimann

Dass das Gericht Lanka dennoch Recht gab – wenn auch nicht in der Sache, sondern nur in der Form – nennt der Ruhrbarone-Blog einen “Justizskandal” und die Schwäbische Zeitung konstatiert eine “schädliche Signalwirkung”.

Unverständlich erscheint auch, warum Lanka seine Auslobung “100 000 Euro für einen Beweis des Masernvirus” zwischenzeitlich zurückgezogen hat.

Jetzt, da die Formalien dafür höchstrichterlich geklärt sind, könnte es doch eigentlich erst interessant werden – nämlich *die eine* aus den mehr als 10 000 Veröffentlichungen zum Masernvirus herauszusuchen und Lanka erneut damit zu konfrontieren.

Genau davor hat der Impfgegner offenkundig große Angst, die er hinter seinem üblichen großspurigen Gehabe versteckt:

Sie werden sehen, das ist der Beginn einer neuen Zeit in der Wissenschaft.”

Wohl kaum.

Viel eher dürfte das Stuttgarter Urteil dazu beitragen, den Gestalt gewordenen Dunning-Kruger-Effekt nebst seinen Anhängern und ihre kruden Thesen weiter zu disqualifizieren.

Denn dass der Arzt und Kläger Dr. David Bardens den Beweis für die Existenz des Masernvirus erbracht hat, war in beiden Verfahren vollkommen unstrittig.

Als Abwehrverhalten den Torpfosten zu verschieben, mag auf dem Bolzplatz unter Sechsjährigen opportun sein – als Möchtegern-“Wissenschaftler” hat Lanka sich damit endgültig selbst desavouiert.

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Foto: Andreas Weimann

Zu Recht empfindet Bardens daher den Prozessausgang keineswegs als Niederlage. Ihm sei in allererster Linie wichtig gewesen, auf das Thema Masern aufmerksam zu machen und öffentlich die Bedeutung von Impfungen herauszustellen.

Dafür war der skurrile “Masern-Prozess” eine unschätzbare Bühne und fraglos hat die Sache gesiegt.

Dr. David Bardens gebührt Dank und Anerkennung.

Zum Weiterlesen:

  • Lanka im Einhornschlösschen: Dr. Mark Benecke über den Masern-Prozess, GWUP-Blog am 20. Februar 2016
  • Nonkonformistisches zum Masern-Urteil, Kritisch gedacht am 17. Februar 2016
  • Masernviren gibt es nicht: Über Morddrohungen und radikale Realitätsverweigerer, GENau am 16. Februar 2016
  • Virusleugner muss sein Geld behalten, Kinderdoc am 17. Februar 2016
  • Impfgegner verliert 100.000-Euro-Wette – muss aber nicht zahlen, FAZ am 16. Februar 2016
  • Erfolg für Impfgegner bei Masern-Wette, DAZ-online am 16. Februar 2016
  • Justizskandal: OLG Stuttgart gibt Impftroll Recht, Ruhrbarone am 16. Februar 2016
  • Wende im Masern-Prozess: Impfgegner Stefan Lanka muss nicht zahlen, Südkurier am 14. Februar 2016
  • Das Masernvirus existiert, Schwäbische Zeitung am 16. Februar 2016
  • Impfgegner gewinnt 100.000-Euro-Streit um Masern, Welt-Online am 14. Februar 2016
  • Impfgegner siegt vor Gericht, Spiegel-Online am 16. Februar 2016
  • Masern-Prozess: Harald Walach springt Lanka bei, GWUP-Blog am 7. Dezember 2015
  • Lanka hat angeblich bezahlt, GWUP-Blog am 28. September 2015
  • Impfkritiker Stefan Lanka entgeht Beugehaft, Südkurier am 28. September 2015
  • Virenleugner Stefan Lanka will seine Wettschulden nicht zahlen: Gericht ordnet Beugehaft an, GWUP-Blog am 25. September 2015
  • Skepkon-Video: 100 000 Euro für den Beweis der Existenz des Masernvirus – im Ernst?!? GWUP-Blog am 23. Mai 2015
  • Masern-Prozess: Bardens gewinnt, Lanka muss zahlen, GWUP-Blog am 12. März 2015
  • Masern-Prozess: Das Urteil jetzt im Volltext online, GWUP-Blog am 11. Juni 2015
  • Rekalked-Video: Oliver Kalkofe zum Masern-Prozess, GWUP-Blog am 19. Juni 2015
  • „Das wirre Weltbild der Impfgegner“ und ihr Lobgejodel auf die Anti-Realität, GWUP-Blog am 20. März 2015
  • Das Goldene Brett 2015: And the Winner is… Stefan Lanka, GWUP-Blog am 22. Oktober 2015

81 Kommentare zu “Masern-Prozess: Sieg in der Sache, Niederlage in der Form”


  1. 1 Wolfgang 18. Februar 2016 um 08:53

    Lanka hätte doch eh nicht zahlen können. Ich hab da mal gefunden, dass er einen beschlagnahmten Uraltcomputer wieder haben wollte. Offenbar konnte er sich keinen neuen leisten. Und er ist in etlichen Beleidigungsprozessen verurteilt worden. Da mußte er sicher zahlen. Ich nahm mal an, der ist eh aufs Existenzminimum gepfändet.

    die wenigsten intellektuell verwirrten machen doch viel Kohle.

  2. 2 Bernd Harder 18. Februar 2016 um 08:57

    @noch’n Flo:

    << Wäre er ja aber, wenn die Fussnoten als Teil der Studie gewertet würden. << Klingt wiederum logisch - aber nein, auch dann nicht. In der mündlichen Urteilsbegründung bei der Berufung ging es - auch - darum, dass der Wortlaut der Auslobung eine "Puzzle-Beweisführung" (oder so ähnlich) verbiete. Das heißt (sinngemäß), es sei Lanka nicht zuzumuten, sich den geforderten Beweis aus mehreren Publikationen - oder auch Fußnoten - zusammenzusuchen, weil man keine Grenze ziehen könne, ab wann (also ab wie vielen Fußnoten, ab wie vielen anderen Veröffentlichungen etc.) genau der Beweis erbracht sei und wann nicht. Hier habe auch der Gutachter in der Erstinstanz wohl einen Fehler gemacht, weil er es versäumt habe, genau zu beschreiben, welche der sechs Studien konkret welchen Bereich der Beweisführung abdeckt und damit wie viel zur Gesamtschau beiträgt.

  3. 3 Bernd Harder 18. Februar 2016 um 09:00

    @Wolfgang:

    Das Geld war bereits beim Amtsgericht Ravensburg hinterlegt:

    http://blog.gwup.net/2015/09/28/lanka-hat-angeblich-bezahlt/

  4. 4 Bernd Harder 18. Februar 2016 um 09:26

    Spendenaufruf von David Bardens:

    “Ich bekomme derzeit viele Anfragen ob ich Spenden entgegennehme oder ob man eine Crowdfunding-Aktion bzgl. der mir entstandenen Kosten im Zusammenhang mit dem Masernprozess starten soll. Ich habe jedoch von Anfang an mit dem Risiko kalkuliert, den Prozess auch verlieren zu können. Ich möchte Euch daher inständig bitten, an Ärzte ohne Grenzen zu spenden. Die Kollegen arbeiten sehr seriös und man kann sich bei denen sicher sein, dass das gespendete Geld auch da ankommt, wo es gebraucht wird.

    https://www.aerzte-ohne-grenzen.de/spende

    Ärzte ohne Grenzen behandelte im Jahr 2014 nach eigenen Angaben insgesamt 33.700 Masern-Patienten und impfte 1.513.700 Menschen gegen die Infektion.

    Ich bedanke mich im Namen von allen, denen Ihr mit Eurer Spende helft!”

    Euer David

    https://www.facebook.com/david.bardens.14/posts/228101904198484?pnref=story

  5. 5 Randifan 18. Februar 2016 um 11:04

    Dieser Arzt war zu naiv anzunehmen, diese Wette gewinnen zu können, es war alles ein kaukulierter Schauzug von Herrn Lenka, um noch bekannter zu werden. Was Herr Lenka da abzog war Kindergartenkram und hat trotzdem sein Ziel erreichten. Solche Leute müssen in Zukunft ignoriert werden, da jede Auseinandersetzung eher an Kindergarten errinnert, als an ernsthafte Wissenschaft.

  6. 6 Michael Fischer 18. Februar 2016 um 13:00

    Es stellt sich zwar grundlegend die Frage nach der Verhältnismäßigkeit, aber da würde ich sagen, einem Wissenschaftler (und als solcher betrachtet sich ja Lanka) sind sechs Studien ohne weiteres zuzumuten!

    Der Richter hat für meinen Geschmack dann doch sehr viel und einseitig zugunsten von Herrn Lanka interpretiert.

    Nun gut – wären Richter wirklich auf Zack, würden Hunderttausende von Rechtsanwälten arbeitslos!

  7. 7 Bernd Harder 18. Februar 2016 um 13:02

    @Randifan:

    Wie gesagt, ich hatte Sie ja mal um eine Liste gebeten, wen wir *nicht* ignorieren sollen Ihrer Meinung nach.

  8. 8 Randifan 18. Februar 2016 um 13:09

    @Bernd Harder
    Hat die juritische Auseinandersetzung mit Herrn Lenka irgendetwas gebracht? Wäre es nicht besser gewesen, ihn einfach zu ignorieren?

  9. 9 Bernd Harder 18. Februar 2016 um 13:14

    @Randi:

    Ich denke, das müssen Sie einfach Herrn Bardens überlassen und ihm abnehmen, was er dazu sagt (steht im obigen Blogpost).

    Sie kennen sicher das berühmte Brecht-Zitat:

    http://www.zitate-online.de/literaturzitate/allgemein/1085/wer-kaempft-kann-verlieren-wer-nicht-kaempft.html

  10. 10 Bernd Harder 18. Februar 2016 um 13:18

    @Michael Fischer:

    << Nun gut – wären Richter wirklich auf Zack, würden Hunderttausende von Rechtsanwälten arbeitslos! << Und umgekehrt. Wenn das wirklich so sein sollte (wonach es aussieht), dass eine s.g. "Auslobung" nahezu unmöglich zu gewinnen ist, weil der Auslobende völlig willkürlich Regeln setzen und ändern kann - dann hätte ein Anwalt vielleicht auch schon im Vorfeld mal dezent darauf hinweisen können ...

  11. 11 RPGNo1 18. Februar 2016 um 15:14

    In Ergänzung zu meinem Post von gestern: Es geht schon los. Lanka, seine Claqueure und Jünger beginnen das Urteil in ihrem Sinne umzudeuten, a la “es ist bewiesen, es gibt keine Masernvieren.”

    Der eigentliche Grund für seinen “Sieg” wird geflissentlich ignoriert. Traurig, traurig.

  12. 12 noch'n Flo 18. Februar 2016 um 15:41

    @ RPGNo1:

    Dass Lanka und seine Anhänger das Urteil zu ihren Gunsten interpretieren werden, war ja vorauszusehen. Schlimm nur, dass mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Lankas Sieg in Bälde auch in Impf- und Elternforen argumentativ missbraucht werden und zur weiteren Verunsicherung vieler Eltern beitragen wird.

    Ich bezweifle, dass sich der Richter dieser Tragweite seiner Entscheidung bewusst war.

  13. 13 gnaddrig 18. Februar 2016 um 18:33

    @ noch’n Flo: Naja, geahnt wird ers haben, sonst hätte er die anwesenden Journalisten nicht ermahnt, mit ihren Schlagzeilen vorsichtig zu sein.

    Dass die Impfgegner das ganze verbiegen und zum Trommeln für ihren Wahn missbrauchen werden war zu erwarten. Umso wichtiger ist es, die richtige Information unter die Leute zu bringen.

  14. 14 Michael Fischer 18. Februar 2016 um 18:59

    @Bernd Harder: “…hätte ein Anwalt vielleicht auch schon im Vorfeld mal dezent darauf hinweisen können…”

    Da ist was dran, aber dann hätte der Anwalt von Bardens kein Geld verdient! Es ist ja grundsätzlich gar nicht im Interesse eines Anwaltes, den eigenen Mandanten von einem Prozess abzuhalten.

    Zum anderen stellt sich wohl die Frage, wie sehr dieses Urteil von der Person des Richters abhing. Es ist halt wie im Fußball – der eine pfeift Elfmeter, der andere nicht. Ich vermute, dieses Urteil hätte ohne weiteres bei einem anderen Richter zugunsten von Bardens ausfallen können – wie das Erstinstanzurteil ja auch bewiesen hat. In der Rechtssprechung spielt der Zufall eben durchaus eine nicht zu vernachlässigende Rolle.

    Eine Beschwerde nebst Gang vor das BGH könnte das Ganze sicher nochmal kippen. Es ist alles auch eine Frage des Durchhaltewillens – und vor allem des Geldes, das man zu investieren bereit bzw. in der Lage ist.

  15. 15 Bernd Harder 18. Februar 2016 um 22:05

    @Michael Fischer:

    << Ich vermute, dieses Urteil hätte ohne weiteres bei einem anderen Richter zugunsten von Bardens ausfallen können. << Hat der Richter auch genau so nach der Urteilsverkündung gesagt.

  16. 16 Ralf 18. Februar 2016 um 23:47

    Justitia ist nicht nur blind, sondern auch blond.
    Das Thema ist komplex; es ist schon richtig, daß sich die Justiz an das Gesetzt hält, aber wenn der “gesunde Menschenverstand” ausgeschaltet wird, dann wird es schon fraglich.
    Man unterschätzt, inwieweit Rechtsprechung ein subjektiver Akt ist…
    Aber von einem “Fehlurteil” kann man nicht sprechen, da alles (mMn) innerhalb der Rechtsprechung geschah.
    Wenn man sich andere Staaten ansieht, dann kann man eigentlich mit unserer Rechtsprechung zufrieden sein, wobei sie natürlich nicht perfekt ist.

  17. 17 Bernd Harder 19. Februar 2016 um 10:16

    “Dinge, die Impfgegner sagen” spenden 50 Euro an Ärzte ohne Grenzen – im Namen von Dr. Stefan Lanka:

    https://www.facebook.com/impfgegnerzitate/photos/a.724286280958339.1073741828.724220640964903/983367095050255/?type=3&theater

  18. 18 fehlurteil 19. Februar 2016 um 10:30
  19. 19 Liliana 19. Februar 2016 um 23:43

    Der Virologe von der Universität Rostock hatte in seiner Stellungnahme zu einem “78-seitigen Erwiderungsschreiben von Dr. Lanka auf mein Gutachten” dargelegt:

    “Die Isolierung des Masernvirus wurde in der Zusammenschau der sechs zur Diskussion stehenden wissenschaftlichen Fachartikel mit insgesamt hinreichenden Methoden und Ergebnissen beschrieben. Die Frage, in welchem der Fachartikel dies geschah, zielt auf die vom Beklagten in dieser Betonung neu aufgebrachten Forderung ab, dass die Existenz des Masernvirus in einer Publikation bewiesen sein soll.”

    Der Gutachter hat anscheinend die Auslobung nicht richtig gelesen, da stand von Anfang an, dass es EINE Publikation sein muss, es war keine “neu aufgebrachte Forderung” :-) Hat er wirklich geglaubt, Richter können nicht lesen? Oder hat er sich darauf verlassen, dass ihn alle Gerichte decken werden?

  20. 20 Bernd Harder 19. Februar 2016 um 23:55

    @Liliana:

    Vielleicht können Sie nicht lesen.

    Die Forderung Lankas ist aus wissenschaftlicher Sicht Unsinn und widerspricht allen wissenschaftlichen Gepflogenheiten.

    Darauf hatte der Gutachter ausdrücklich hingewiesen – schließlich hatte Lanka doch behauptet, er wolle eine “wissenschaftliche Debatte” über seine Thesen anstoßen mit seiner Auslobung.

    Dazu hatte der Gutachter ausgeführt:

    “Die Isolierung des Masernvirus wurde in der Zusammenschau der sechs zur Diskussion stehenden wissenschaftlichen Fachartikel mit insgesamt hinreichenden Methoden und Ergebnissen beschrieben.

    Die Frage, in welchem der Fachartikel dies geschah, zielt auf die vom Beklagten in dieser Betonung neu aufgebrachten Forderung ab, dass die Existenz des Masernvirus in einer Publikation bewiesen sein soll.

    Diese Forderung geht allerdings an den aktuellen wissenschaftlichen Gepflogenheiten vorbei. Naturwissenschaftliche Indizienketten oder gar Beweisführungen werden mindestens schon nicht mehr seit Jahrzehnten als Monographien, sondern als Abfolgen von mehreren bis zu sehr vielen Fachartikeln publiziert.

    Dem Beklagten ist mit dem Aufbringen einer arbiträr gewählten Vorgabe für Indizienketten entgegenzuhalten, dass Wissenschaft – und redliche zumal – so nicht funktioniert.

    Genauso wie er sich nunmehr persönlich eine Indizienkette zurechtlegt, die offenkundig durch die sechs Artikel nicht erfüllt wird, könnte sich jeder andere eine alternative Indizienkette zurechtlegen, die insbesondere durch die sechs oder auch nur durch einen der sechs Fachartikel erfüllt wird.”

    Heißt: Lanka möchte gerne “Wissenschaftler” sein, ist aber nicht willens oder in der Lage, nach den üblichen Regeln der Wissenschaft zu spielen.

    Stattdessen erfindet er eine Art Privat-“Wissenschaft” mit eigenen Regeln und “Bedingungen”, die ihn vor Widerlegung schützen sollen.

    Seltsam, dass Sie diesen Widerspruch nicht bemerken:

    – Wenn Lanka sich seiner Sache so sicher ist, wieso hält er dann seine Auslobung nicht weiterhin aufrecht?

    Weil er Angst hat, dass der nächste Herausforderer jetzt weiß, worauf es juristisch ankommt, und gezielt nach der *einen* Studie sucht und ihm vorlegt?

    – Und was soll überhaupt die Forderung nach *genau einer* Studie? Aus welchem Grund beharrt Lanka wie ein trotziges kleines Kind auf dem Wortlaut seiner Auslobung?

    Wenn er sich seiner Sache so sicher ist, kann es ihm doch völlig egal sein, ob jemand eine Studie vorlegt oder sechs oder zehn – wenn er wirklich davon überzeugt wäre, dass der Beweis ohnehin nicht erbracht werden kann.

    Das ist er aber nicht, weil er genau weiß, dass er nur mit Tricks und Wortklaubereien und mit einem guten Winkeladvokaten durchkommt.

    Und anscheinend können Sie auch die Kommentare hier nicht lesen.

    *Eine* bedeutet in der Naturwissenschaft *mindestens eine* und eben nicht *genau eine*.

    Wäre Lanka wirklich ein Wissenschaftler, würde er das wissen und akzeptieren.

    Ist er aber nicht.

  21. 21 Maggi 20. Februar 2016 um 10:33

    Genau so wie es Bernd Harder beschrieben hat ist es, Liliana!

    Wenn ich denke, was ich schon Wetten gewonnen habe, die nie eingelöst wurden. Sie selbst können sicher auch ein Lied davon singen.

    Das ist doch alles Kinderkram. “Haha reingelegt” – also sind wir nun erwachsene Menschen oder nicht? Herr Lanka bewegt sich geistig offensichtlich bis heute auf Kindergartenniveau.

    Herr Bardens Fehler war, sich auf einen Streit mit diesem geistigen Kleinkind einzulassen! Aber man streitet nicht mit Kindern!

  22. 22 Michel 20. Februar 2016 um 15:58

    Wenn solche Urteile analog bei Verbraucherschutz-Themen aufkommen, dann gute Nacht Deutschland:

    “Nicht in Einer Wurst konnten gesundheitsschädliche Keime nachgewiesen werden, sondern in allen. Die Klage von XY muss daher abgewiesen werden.”

  23. 23 kdm 20. Februar 2016 um 16:52

    Natürlich wäre es äußert unmenschlich und ich rufe keineswegs dazu auf, dem Herrn Lanka einen Masern-Virus anzuhängen. Aber da es den nicht gibt, wird das natürlich nicht klappen. Und wenn’s gegen alle Lanka’schen Theorien doch wirkt, kann Herr Lanka nicht mehr zahlen. Wäre das dann eine win-win oder eine lose-lose Situation?

  24. 24 pederm 20. Februar 2016 um 19:39

    Kreuzdonner, Michel und alle anderen vernebelt Aufgebrachten, kapiert das doch endlich: Solche Urteile werden nie “analog bei Verbraucherschutz-Themen aufkommen”, weil es hier und nur hier um einen Rechtsstreit um die wörtliche Verbindlichkeit einer Auslobung für die Zahlungsverpflichtung ging, und der Ausgang des Berufungsverfahrens auch ausweislich expliziter Bekräftigung in der Urteilsbegründung nichts mit der wissenschaftlichen Würdigung des zugrundeliegenden medizinischen Sachverhalts zu tun hat.

  25. 25 Esoterilallergiker 24. Februar 2016 um 13:47

    Ich hoffe, dieses Urteil wird auf irgendeine Weise kassiert, auch wenn Berufung nicht möglich sei.
    Ansonsten behaupte ich, dass es Lanka nicht gibt. Wer mir ein und sechs Achtel Beweise liefert, dass es Lanka gibt, spendiere ich einen Döner oder so.
    *haarerauf*

  26. 26 Gastbeitrag 31. März 2016 um 16:18

    Der Prozess hat lediglich gezeigt, daß ein Impfleugner niemals aufgrund rationaler Argumente anerkennen wird, daß er im Irrtum ist, da seine Überzeugung von vorneherein nicht auf rationalen Argumenten beruht. Ferner hat er sehr schön vorgeführt, daß Impfleugner lieber zu Tricks und semantischem Blendwerk („Auslobung“ statt „Ausschreibung“) greifen, um mit auf diese Weise erschlichenen Prozesserfolgen hernach unter falscher Flagge für ihre zutiefst dumme und gefährliche Sache (s. auch [1]) hausieren zu gehen.

    http://scienceblogs.de/bloodnacid/2016/03/31/impfen-eine-niederlage-und-ein-erfolg/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=impfen-eine-niederlage-und-ein-erfolg

  27. 27 Andi 19. Januar 2017 um 15:18

    Gibt es nun eine Beweis oder nicht ?
    Kann mir nun jemand eine Publikation nennen die das Masernvirus beweist ?

  28. 28 Bernd Harder 19. Januar 2017 um 15:22

    @Andi:

    Bardens hat sechs Publikationen vorgelegt, die jeweils für sich und in der Gesamtschau die Existenz des Masern-Virus zweifelsfrei belegen.

    Das haben beide Gerichte, Ravensburg und Stuttgart, ausdrücklich so erklärt.

    Lanka konnte als “Auslobender” die Regeln seiner “Wette” allerdings je nach Sachstand so drehen, dass die Arbeiten *seinen* (komplett unwissenschaftlichen) Forderungen nicht genügt haben und gar nicht genügen konnten.

    Das zeigt auch, dass er seine Auslobung mittlerweile zurückgezogen hat, da alle juristischen Winkelzüge jetzt erschöpft sind und der nächste Kandidat genau wüsste, worauf er bei der Beweisführung zu achten hat.

    That’s all.

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