Dahlkes „Krankheit als Weg“: Ein übles Machwerk abseits aller Menschlichkeit

Über die absurden Analogieschlüsse des “Goldenen Brett”-Preisträgers Rüdiger Dahlke haben wir uns hier schon mal amüsiert:

Morbus Dahlke: Mein Schnupfen und ich”

Jetzt hat sich auch das Autorenkollektiv Psychologie aktuell Dahlkes Longseller “Krankheit als Weg” vorgenommen und weist auf die “kruden Kernbotschaften” dieses “Machwerks” hin:

Die Argumentationsweise der Autoren stützt sich vor allem auf gesteuerte Assoziationen, oft auch auf überstrapazierte Analogien.

Die Vorgehensweise ist dabei in fast allen Kapiteln gleich. Die Autoren verweisen zu Beginn des jeweiligen Kapitels auf Begriffe oder Redensarten, die auf irgendeine Art und Weise mit dem zu besprechenden Körperteil zu tun haben, so zum Beispiel auf „Gehorsam” oder „jemandem sein Ohr leihen” im Kapitel über Ohrenkrankheiten.

Von diesen Begriffen aus schließen sie dann auf die symbolische Bedeutung der jeweiligen Krankheit. Im Falle der Ohren kommen sie so zu dem Schluss, dass Ohrenkrankheiten etwas mit Gehorsamsverweigerung zu tun hätten.

Im Kapitel über Augenkrankheiten schließen sie aus der Redewendung des „Nicht sehen wollens”, dass Blinde deshalb nicht sehen könnten, weil sie ihr Inneres zu betrachten verweigert hätten.

Und von der Redensart des „Nicht-mehr-schlucken-könnens” kommen sie zu der Erklärung, Halsschmerzpatienten seien nicht mehr bereit, Wahrheiten oder Realitäten zu schlucken. Dies ist kein Scherz, das steht da wirklich!”

Ihr Fazit:

Dabei kann einem von Krankheit geplagten Menschen nichts Schlimmeres passieren, als dass sein soziales Umfeld (oder gar sein Therapeut) ihm auch noch nahelegt, ‘die Ursache in sich zu suchen’.

Das ist nicht nur unwissenschaftlich und eine intellektuelle Zumutung, es ist auch eiskalt, unbarmherzig und abseits aller Menschlichkeit.”

Zum Weiterlesen:

  • Krankheit als Weg: Widerlich, so etwas zu lesen, Huffington Post am 14. August 2015
  • Rüdiger Dahlke – Der sanfte Erlöser, diaphanoskopie am 7. Mai 2014
  • Das “Goldene Brett” 2013 für Rüdiger Dahlke und die Homöopathen ohne Grenzen, GWUP-Blog am 29. November 2013
  • Morbus Dahlke: Mein Schnupfen und ich, GWUP-Blog am 17. Januar 2011
  • Die verlorenen Likes des Dr. Rüdiger Dahlke: Wie der Veganmissionar seine Reputation der Sache opferte, Indub.io am 13. Oktober 2014
  • Ruediger Dahlke – Zeige mir Deine Füße und ich sage Dir, wer Du bist, Ratgeber-News-Blog am 2. Januar 2011

11 Kommentare zu “Dahlkes „Krankheit als Weg“: Ein übles Machwerk abseits aller Menschlichkeit”


  1. 1 Bettina Weise 16. August 2015 um 11:50

    Kann ich nur bestätigen. Dieses Buch steht in meiner Familie leider hoch im Kurs.

    Habe mir das Kapitel zu Schilddrüsenunterfunktion, unter der ich selbst leide, durchgelesen und genau das empfunden, was die Autorin beschreibt.

  2. 2 Michel 16. August 2015 um 12:24

    Und da sage noch einer, ein materialistisches Weltbild wäre unmenschlich.

  3. 3 Dalek Sander 17. August 2015 um 08:48

    Ja, in meiner Umgebung kennt leider gefühlt jede Zweite und jeder Vierte das Machwerk – und nimmt’s ernst.

    Als mir vor Jahren meine krumme Nasenscheidewand zunehmend Probleme bereitete, bekam ich auch mal zu hören, ich sollte bitte meine innere Einstellung (zu was auch immer) ändern, denn Behinderungen der Nasenatmung würden ja bedeuten, man möge “etwas nicht riechen”.

    Mein Einwand, dass es sich bei der Redewendung um ein rein deutsches Idiom handelt, mithin sich gesundheitliche Probleme mit der Nase und Umgebung auf den deutschen Sprachgebiet beschränken müssten, wurde entweder nicht verstanden oder absichtlich ignoriert.

    Letzteres tue ich inzwischen mit den entsprechend indoktrinierten Menschen. Konsequent.

  4. 4 Dalek Sander 17. August 2015 um 08:54

    P.S.: Hinzu kommt, dass die für die Heil!-Praktiker-Rhetorik so typische, willkürliche Entführung bestehender Begriffe in eigens definiertem (Un-)Sinn bestenfalls aus dem Fundus der naiven Volksetymologie schöpft. (Klassische Eso-Antwort darauf: “Ja! Genau!” – ja, die merken nicht einmal, dass es nicht gerade schmeichelhaft ist.)

    Da kommen so Absurda wie “‘Sucht’ kommt vom ‘suchen'”…

    Eigentlich wäre es ein dankbares Thema für eine Dr.-Arbeit…

  5. 5 DetleU 17. August 2015 um 12:20

    Wenn alles so einfach wäre, wie Dahlke behauptet, könnte jeder seine gesundheitlichen Probleme sofort lösen.

    Auch die Ansicht, dass Krankheit dafür da ist irgenwelches Karma abzutragen oder uns Hinweise darauf gibt wo wir falsch leben kann so nicht richtig sein. Vielmehr sollte man alles tun, falls man krank ist um wieder gesund zu werden.

    Die Medizin hat schon großartige Leistungen vollbracht und ich hoffe nur, dass es uns bald gelingt auch Krankheiten wie Krebs oder auch Herz-Kreislauferkrankungen vollständig zu besiegen. Natürlich ist es richtig, das man für seine Gesundheit selbst verantwortlich ist.

    Man kann sehr viel mit dem eigenen Lebensstil positiv beeinflussen. Jedoch das alleine bewahrt einen nicht vor Krankheit.

    Der menschliche Körper ist ein hochkomplexes System und daher auch dementsprechend fehleranfällig wie es jedes andere physikalisch, technisch komplexe System auch.

  6. 6 Ralf 18. August 2015 um 13:22

    Zitat DetleU

    Der menschliche Körper ist ein hochkomplexes System und daher auch dementsprechend fehleranfällig wie es jedes andere physikalisch, technisch komplexe System auch

    Super formuliert ;-)

    Man sollte aber hier noch hinzufügen, daß dieses ‘System’ im Feuer der Evolution geprüft wurde…

    Wir verstehen bisher noch nicht diese komplexem Maschinen, mit ihrer Fähigkeit zur Selbstreparatur – bisher konnte noch kein anderer “Apparat” diese Fähigkeit aufbringen…erworben haben wir diese Fähigkeit, innerhalb der Evolution, die auch viele Opfer forderte, bis es zu diesem Ergebnis kam.

    Ich weiß nicht wie viele – aber es dürften unzählige sein – Reparaturaufgaben unser Organismus tags und (besonders) nachts vollbringt…Selbstorganisation ist das Stichwort…

  7. 7 Nadine 30. Dezember 2015 um 13:13

    Ich habe auf Amazon.de eine der wenigen kritischen Rezensionen über Dahlkes vulgärpsychologisches Machwerk geschrieben und harsche Kommentare geerntet – u. a. wurde mir “Intoleranz” vorgeworfen. Aber Unsinn muß man eben Unsinn nennen.

  8. 8 Silvia 16. Juli 2017 um 11:57

    Die Wahrheit liegt immer in der Mitte. Natürlich ist es im Krankheitsfall wichtig, sich erst einmal auf die Genesung zu konzentrieren und alles zu tun, um wieder zu Kräften zu kommen. Da muss sich niemand damit quälen, die dahinter liegenden Ursachen aufzuarbeiten.

    Aber im Nachhinein oder bei chronischen Krankheiten lohnt der Blick über den Tellerrand, denn Körper, Geist und Seele sind nun einmal ein Gesamtsystem und wirken aufeinander ein. Dies zu ignorieren ist genauso fahrlässig wie eine übertrieben einseitige Sichtweise, das Krankheit nur geistig oder nur durch falsche Ernährung entsteht.

  9. 9 Bernd Harder 16. Juli 2017 um 12:47

    @Silvia:

    < < denn Körper, Geist und Seele sind nun einmal ein Gesamtsystem und wirken aufeinander ein. << Was kein "Schulmediziner" bestreitet. Niemand braucht für diese Erkenntnis "alternative" Quacksalber: http://blog.gwup.net/2013/04/20/homoopathie-ganzheitlichkeit-und-die-sprechende-medizin/

  10. 10 RPGNo1 16. Juli 2017 um 13:42

    “Blick über den Tellerrand”
    Ich bereite schon einmal eine neue Karte für das Bullshitbingo vor. Mal sehen, was noch kommt.

  11. 11 noch'n Flo 16. Juli 2017 um 14:21

    @ Silvia:

    “Aber im Nachhinein oder bei chronischen Krankheiten lohnt der Blick über den Tellerrand”

    Habe ich gemacht: da ist Tisch!

    “denn Körper, Geist und Seele sind nun einmal ein Gesamtsystem und wirken aufeinander ein.”

    Geist und Seele sind zwar im Endeffekt dasselbe, aber dennoch: was soll an dieser Erkenntnis bitte neu sein? Schon einmal etwas von Psychosomatik gehört? Das ist ein eigenes Fachgebiet in der Medizin, das sich genau mit diesen Zusammenhängen beschäftigt. Und diese Zusammenhänge wird auch kein Arzt leugnen.

    Es sind eher die Pseudomediziner, wie bspw. die Homöopathen, die sich lieber auf einzelne Symptome stürzen, anstatt den Körper in seiner Gesamtheit zu sehen.

    Aber Ganzheitlichkeit bedeutet eben nicht, dass man einem Patienten dreimal auf die Schulter klopft und damit seinen Fusspilz heilt. Oder seinen Tripper. Oder seine chronische Naivität (wobei: die will ja kein Heilpraktiker ernsthaft heilen).

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