Gentechnik: NGOs verbreiten Angst statt Informationen

Es ist gerade ein halbes Jahr her, seit Matin Qaim und Wilhelm Kümper von der Georg-August-Universität Göttingen eine weithin beachtete Metaanalyse über die Auswirkungen gentechnisch veränderter Nutzpflanzen veröffentlichten.

Die Schlussfolgerung:

This meta-analysis confirms that – in spite of impact heterogeneity – the average agronomic and economic benefits of GM crops are large and significant. Impacts vary especially by modified crop trait and geographic region.

Yield gains and pesticide reductions are larger for IR crops than for HT crops. Yield and farmer profit gains are higher in developing countries than in developed countries.”

Doch offenbar lesen weder Vertreter der NGOs noch die Mehrzahl der Journalisten und die gesetzgebenden Politiker wissenschaftliche Publikationen.

Hieß es nicht, die Gentechnik treibe Menschen in Indien und andernorts in den Selbstmord? Nicht nur von den “usual suspects“, sondern auch im gebührenfinanzierten Fernsehen?

Ein Mythos, der sich bis heute hält, wie unter anderem im MIT-Programm für Wissenschaftsjournalismus berichtet wird.

In seinem Blog Neurologica schreibt der Mediziner, Wissenschaftsautor und Skeptiker Steve Novella dazu:

When the data is reviewed in a more objective and thorough way it seems clear that there is no correlation between the use of Bt cotton by Indian farmers and farmer suicide, and if anything there is a small decrease (although too small to conclude causation).”

Nun ist Bangladesch ins Visier der Anti-Gentechnik-NGOs geraten.  Das Land hat als erstes in Südasien den Anbau der genetisch veränderten Auberginensorte Bt Brinjal erlaubt.

Doch Medien vor Ort und Anti-GMO-Aktivisten verbreiten unter den Bauern Angst vor dem neuen Produkt. Und immer wieder wird behauptet, das Projekt sei gescheitert, die Pflanzen eingegangen.

Diesen Behauptungen ging Mark Lynas nach, dessen Bericht hier zu sehen ist:


Direktlink zum Video auf Youtube

Den Berichten der  Bauern zufolge haben ihnen Journalisten bei früheren Besuchen erklärt, dass Bt Brinjal  nicht nur ihre eigene Gesundheit, sondern auch die ihrer Kinder und Enkel schädigen werde.

Auch wird der Verdacht geäußert, dass neben NGOs auch Hersteller von Pflanzenschutzmitteln hinter der Desinformation stecken könnten. Denn im Gegensatz zu konventionellen Sorten benötige Bt Brinjal keine Pflanzenschutzmittel mehr.

Nebenbei: Wie der Bericht zeigt, waren die Berichte vom Scheitern falsch.

Auch Begum Matia Chowdhury, die Landwirtschaftsministerin von Bangladesch,  findet deutliche Worte für die Protestierer: sie seien entweder unaufrichtig oder ignorant.

Dort entschuldigt sich im Übrigen Mark Lynas öffetnlich dafür, dass er zwei Jahrzehnte lang zur Verteufelung von  Gentechnik beigetragen hat.

Bemerkenswert sind auch die klaren Worte des ehemaligen britischen Greenpeace-Chefs Stephen Tindale:

Es ist aus meiner Sicht unakzeptabel, moralisch unakzeptabel, sich gegen diese neuen Technologien zu erheben.”

Weiter ruft er Greenpeace & Co. dazu auf, Ideologien nicht über humanitäre Aktionen zu stellen.

Es ist zu hoffen, das wir bald auch im deutschen Fernsehen Berichte über Gentechnik sehen, die von Wissenschaftlichkeit statt Ideologie und Ignoranz geprägt sind.

Gleichwohl heißt es noch immer, die Risiken der grünen Gentächnik seien nicht abzuschätzen. Doch die Forschung der letzten 30 Jahre spricht eine klare Sprache, so berichten Nicolia et al. zum Beispiel von den letzten zehn Jahren Forschung.

Generelle Risiken der Gentechnik gibt es nicht. Vielmehr muss jedes einzelne Lebensmittel  – ob genetisch verändert, konventionell erzeugt oder aus Bio-Landwirtschaft – vor der Zulassung geprüft werden.

Für eine pauschale Diskrimierung  genetisch veränderter Pflanzen besteht kein objektiver Anlass.

Wie beim Klimawandel gibt es auch zur Grünen Gentechnik in der Wissenschaft einen klaren Konsens. Doch noch ist die europäische Politik ist weit von diesen Erkenntnissen entfernt.

Vielleicht wäre deutschen, österreichichen und europäischen Politikern eine Bildungsreise nach Bangladesch zu empfehlen.

Zum Weiterlesen:

23 Kommentare zu “Gentechnik: NGOs verbreiten Angst statt Informationen”


  1. 1 Werner 22. Juni 2015 um 12:59

    Die Scheinheiligkeit von Greenpeace und Co. erkennt man auch daran, dass sich niemand von denen über die gebräuchlichste Zuchtmethode, die Mutationszüchtung, aufregt. Hierbei wird Saatgut Röntgen- oder radioaktiver Strahlung ausgesetzt, welche das Erbgut unkontrolliert aufspaltet und verändert.

    In die Zucht gelangt dann das, was die gewünschten Eigenschaften besitzt. Im Gegensatz zur Gentechnik kann hier kaum kontrolliert werden, ob sich auch unangenehme Eigenschaften gebildet haben, die z.B. allergische Reaktionen hervorrufen können.

    Die Gentechnik kann genau definierte Eigenschaften einbringen, deren Risiken abwägbar und damit beherrschbar sind.

    Wie vieles bei den NGOs ist auch diese Haltung rein ideologisch bestimmt. Man hat was gegen Nahrungsmittel- und sonstige Konzerne und überträgt das dann auf die Wissenschaft, die dahintersteckt.

    In Falle Gentechnik sogar zum Nachteil der dritten Welt, Beispiel Golden Rice.

  2. 2 DetleU 22. Juni 2015 um 14:50

    So unkritisch sollte man die genveränderten Baumwollsamen auch nicht betrachten. Leider entwickelt der Baumwollkapselwurm auch gegen den Bollgard 2 Resistenzen. Somit muss man wieder starke Pestizide einsetzen um den Wurm loszuwerden, was dann wieder für die Bauern, besonders in dritte Welt Ländern, kostspielig wird. Siehe 2014 in Pakistan.

    Noch ein australisches Paper dazu.

    http://paperity.org/p/61464014/incipient-resistance-of-helicoverpa-punctigera-to-the-cry2ab-bt-toxin-in-bollgard-ii-r

    Das war bereits in 2009/2010.

  3. 3 fabian 22. Juni 2015 um 16:52

    Was gibt es für Langzeitstudien (finanziert aus öffentlicher Hand) zu Gentechnik veränderten Lebensmitteln?

  4. 4 Michel 22. Juni 2015 um 19:00

    Leider hat die Ablehnung der Gentechnik religiöse Züge angenommen. Aus der dogmatischen Scheinwelt, in der viele Gentechnik-Gegener leben, auszubrechen, ist schwer. Meine Bewunderung für die, die es schafften und wieder bei Verstand sind.

  5. 5 sinister 22. Juni 2015 um 19:43

    http://genera.biofortified.org/search_results.php?query=%5Bfundtype=government%5D
    So findet man zumindest staatlich finanzierte Studien. Wie man aus den über 250 Resultaten noch die Langzeitstudien herauszieht, hab ich spontan nicht sehen können.

  6. 6 npl 22. Juni 2015 um 20:08

    @fabian: Was gibt es denn für Langzeitstudien zu den Lebensmitteln, die sie sonst im Geschäft kaufen?

    Der Witz dabei ist, das Technologien wie “SMART Breeding” beworben werden, mit denen ein Teil der “gentechnisch” erzeugten Planzen ebenso gezeugt werden kann. Ist halt um einiges teurer, dafür spart man eine Menge Kontrollen und alle Kontroversen (eg. Greenpeace findet das einfach “sicher”) verglichen mit “Gentechnik”.

    Argumente warum dies “sicherer” sein soll, hab ich noch nie gelesen. Vom Verständis her, ist “SMART Breeding” eine Holzhammermethode bei der 1000te Gene verändert werden, anstatt nur die gewünschten.

    Die Begründung ist wiedermal das Dogma, das Natur ja nichts Schlimmes tut. Irgendwie sind trotzdem die ganzen verschiedenen (teils giftig oder ungesunden) Arten entstanden.

  7. 7 Andreas Weber 22. Juni 2015 um 22:11

    Es gibt „[d]ie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsprojekte[, die] bisher keine wissenschaftlichen Belege für ökologische Schäden durch die untersuchten gentechnisch veränderten Pflanzen [lieferten]“.

    „Das generelle Fazit aus „25 Jahren BMBF-Forschungsprogramme zur biologischen Sicherheitsforschung – Umweltwirkungen gentechnisch veränderter Pflanzen“ lautet: Es wurden keine wissenschaftlichen Belege gefunden, dass es Gentechnik-spezifische Gefahren für die Umwelt gibt. Gentechnisch veränderte Pflanzen zeigen – verglichen mit konventionell gezüchteten – kein höheres Risiko für die Umwelt, so die Forscher.“

    http://www.bmbf.de/de/1013.php
    http://www.bmbf.de/pub/Biologische_Sicherheitsforschung.pdf
    http://www.pflanzenforschung.de/index.php?cID=10190

  8. 8 Robert 23. Juni 2015 um 07:52

    Ich bin selbst GMO-skeptisch. Aber aus anderen Gründen. Also nicht, weil ich die Technologie für böse halte: Auswirkung auf die Ökologie sind zu studieren und im Einzelfall sind Korrekturen einzuleiten, aber Angst ist nicht angebracht.

    Mein Problem ist eher in der derzeitigen Vermarktungs-Struktur. Es wird über Patente ein weitgehender Customer Lock-In erreicht, die Bauern sind also von einem Produkt-Portfolio abhängig und es ist weitere Beschränkungen, was der Bauer mit den Samen tun darf und was nicht. Es gibt also wohl tatsächlich “Lizenzbedingungen”, und in mir sperrt sich alles, Landwirtschaft im Kontext von Patenten, EULAs und Raubkopien zu denken.

    Es gibt aber auch “Open Source”-GMOs, zum Beispiel den Golden Rice, soweit ich weiß. Und an solchen Entwicklungen kann ich absolut nichts schlechtes finden. Im Gegenteil zeigt es die ideologische Verbohrtheit von Greenpeace&Co. in der Tat sehr eindeutig, wenn sie sogar gegen solche GMOs sind.

  9. 9 fabian 23. Juni 2015 um 07:55

    Andere Frage:
    Was hat die |Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften| mit Gentechnik zu tun?
    Ist das neuerdings auch eine Parawissenschaft oder gibt es andere Interessen solch einen Artikel zu verfassen?

  10. 10 Robert 23. Juni 2015 um 08:43

    @fabian: Panikmache gegen Gentechnik hat letztlich ungefähr das Niveau “OMG da sind veränderte GENE drin!!!11elf”, behauptet aber gleichzeitig, wissenschaftlich untermauert zu sein.

    Damit machen sich diese Organisationen großteils der Verbreitung von Pseudo- oder (Achtung!) Parawissenschaft schuldig.

    Das Zeug ist also eher auf einer Ebene mit Impfgegnern und sonstigen Verschwörungstheoretikern anzusiedeln. Ich sehe nicht, warum das die GWUP als größtes deutsches Skeptiker-Organ nicht interessieren sollte.

  11. 11 Bernd Harder 23. Juni 2015 um 09:34

    @fabian:

    << oder gibt es andere Interessen solch einen Artikel zu verfassen? << Zum Beispiel? Außer, dass wir jetzt nicht bloß nur von Geheimdiensten, Pharma, Illuminaten, Kirchen, Freimaurern, Atomlobby etc. Schecks bekommen, sondern auch noch von Monsanto und Co.?

  12. 12 fabian 23. Juni 2015 um 10:24

    @Bernd, ich bin kein Gegner von euch :)

    Aber der Beitrag ist na ja relativ uninteressant bzgl. den Thema was man sich verschrieben hat (meiner Meinung nach).

    Ich bin ein Befürworter von Aufklärung, und trotzdem weiterhin Gegner von gentechnikveränderten Lebensmittel.

    Wie auch immer, jedem das seine.

  13. 13 Bernd Harder 23. Juni 2015 um 10:26

    @fabian:

    gewiss, kein Ding.

  14. 14 Werner 23. Juni 2015 um 14:30

    Unsere Medien blicken voll durch.
    Man will keine Gene mehr anbauen.
    Find ich gut;-)

    http://www.schwaebische.de/region/baden-wuerttemberg_artikel,-Suedwest-Parteien-einig-gegen-Gen-Anbau-_arid,10255627.html

  15. 15 schrauber2 23. Juni 2015 um 15:59

    Es wurde den Leuten ja zig Jahre eingeimpft, das Gentechnik schlimm ist. Nun bekomm’ das mal wieder raus.

    Den Gegnern ist nicht klar, dass das ganze Leben im Prinzip Gentechnik ist. Organismen sind nie absolut gleich (evt. nur die, welche echte Klone durch Zellteilung produzieren, aber die haben meist noch andere Mechanismen ihr Genom zu ändern).

    Wenn ich gegen veränderte Gene bin, müsste ich auch gegen das Leben allg. sein.

    Das beste Argument ist immer Gentechnik im Essen. Was stellen sich diese Leute denn vor? Die essen schon ihr ganzes Leben genverändertes Erbgut in Form von Zuchtpflanzen und Zuchttieren.

    Nur weil es heutzutage möglich ist, kontrolliert das Genom zu modifizieren, ist das plötzlich alles hochgefährlich? Was soll der Mumpitz?

    Dann wieder die versteckte Kapitalismuskritik. Gilt aber für jedes Produkt. Gentechnik ist nicht gleich Monsanto wie auch der Otto-Motor nicht gleich VW ist.

    Zu den Patenten auf Saatgut – jo, gibt’s schon ‘ne ganze Weile, auch ohne Gentechnik. Und man sollte Bauern nicht für blöd halten. Muss ja einen (monetären) Nutzen haben, sich Saatgut von spezialisierten Saatgutherstellern zu holen. Wer das nicht will, kauft halt anderes Saatgut, wird doch niemand gezwungen.

    Dann noch zu angeblichen Monsterpflanzen durch auskreuzen. Da frag ich mich immer, sind gentechnisch (oder allg. gezüchtete) Pflanzen jetzt außerhalb der Evolution? Ist nicht eher zu beobachten, das gezüchtete Pflanzen sich zurück entwickeln ohne menschlichen Eingriff (zurück in dem Sinne von zurück zur Wildform)?

  16. 16 Statistiker 23. Juni 2015 um 19:08

    Hmmm, bei die Genphobikern fällt mir immer spontan dieser so schlechte Film ein, der so schlecht ist, dass er schon wieder gut ist:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Angriff_der_Killertomaten

    Irgendwie hat mich die Paprika eben böse angeguckt, als ich ein Bier statt ihrer aus den Kühlschrank genommen hab…… ich glaub, ich sperr die Küche ab…..

  17. 17 gnaddrig 23. Juni 2015 um 21:59

    @ Statistiker: Das Gemüse musst Du essen, bevor es komisch wird. Oder gleich als Konserve kaufen, wie das Bier.

  18. 18 Ralf 23. Juni 2015 um 23:22

    “Angriff der Killertomaten” ist Trash und Trash ist “Kunst”…alles was von der “Zivilisation” bleibt ist der Müll, der sie hinterläßt…nur der Trash bleibt ;-)

  19. 19 Clemens Maier 20. September 2015 um 12:41

    http://www.scilogs.de/lifescience/von-pfeifen-luft-whistleblowerpreis-gentechnikkritiker/
    Mal nicht die NGOs, sondern noch bedenklicher……Da fällt einem nichts mehr ein.

  20. 20 Martina Rheken 21. Januar 2016 um 09:57
  21. 21 skeptikus 6. August 2016 um 12:22

    Den Artikel fand ich noch interessant

    http://www.spektrum.de/news/warum-diese-angst-vor-gentechnik-trotz-ihrer-unbedenklichkeit/1361504

    “PSYCHE UND WISSENSCHAFTSKRITIK
    :
    Warum diese Angst vor Gentechnik – trotz ihrer Unbedenklichkeit?

    Gegen Gentechnik-Konzerne könnten gute Argumente ins Feld geführt werden – aber man prügelt oft eher mit Emotion gegen die Technik an sich. Der Kognitionsforscher Stefaan Blancke nennt psychologische Gründe. Von Stefaan Blancke

  22. 22 Martina Rheken 28. Juni 2017 um 21:52

    Endlich:

    “Greenpeace muss sich verantworten … Greenpeace gibt sogar zu, gelegentlich die Unwahrheit zu sagen – macht aber nichts, denn „nicht jede Lüge, selbst wenn sie absichtlich vorgebracht wurde, ist Betrug“.

    http://www.salonkolumnisten.com/greenpeace-muss-sich-verantworten/

  23. 23 Pierre Castell 29. Juni 2017 um 10:36

    @
    Martina Rheken

    Tausend Dank für diesen Link.

    Endlich kann ich einige Greenpeace-Anhänger in meinem Bekanntenkreis wachrütteln!

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