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„Das waren wir“: Ufos und die U-2-Sichtungen in den 1950ern

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Zum Jahreswechsel hat der amerikanische Geheimdienst CIA noch einmal die

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getwittert – nämlich den 272-Seiten-Bericht „The CIA und the U-2 Program, 1954-1974“ aus dem Jahr 1998 (hier geht’s zum PDF).

Aus dem Dokument geht hervor, dass die Testphase des Spionageflugzeugs U-2 zu vielen „Ufo“-Sichtungen geführt habe.

Das ist nun alles andere als neu.

Schon in der ARTE-Doku „Ufos, Lügen und der kalte Krieg“ von 2004 kam der „ehemalige Chefhistoriker der CIA“ Gerald K. Haines (eigentlich Chefdokumentar des National Reconnaissance Office) mit eben dieser Aussage zu Wort (ab Minute 34:30):

2007 veröffentlichte Haines die Studie „CIA’s Role in the Study of Ufos, 1947-90“, die auch von deutschen Medien rezipiert wurde, unter anderem vom Spiegel:

Piloten von Verkehrsflugzeugen, die damals nur knapp ein Drittel so hoch flogen wie die U-2, berichteten nach der Landung von ,feurigen Blitzen‘.

Auch auf den Radarschirmen der Fluglotsen tauchten immer öfter Leuchtpunkte („blips“) auf, die sich keinem angemeldeten Flugzeug zuordnen ließen. Bei den unerklärbaren Blips und Blitzen konnte es sich, so die vorherrschende Meinung, nur um Unbekannte Fliegende Objekte (Ufos) handeln […]

Bereits 1956, so beweist eine jetzt bekanntgewordene Geheimstudie der CIA, wußten die Spezialisten der Air Force, dass 96 Prozent aller angeblichen Ufo-Sichtungen in Wahrheit Test- und Einsatzflüge ihrer eigenen Himmelspäher waren.“

Die „96 Prozent“ sind sicher maßlos übertrieben, mittlerweile ist die Rede davon, dass …

… mehr als jeder zweite Ufo-Entdecker im Amerika der 50er-Jahre laut CIA nur neue Spionageflugzeuge gesehen [hat].“

Natürlich lassen Ufo-Fans solche Enthüllungen nicht unwidersprochen.

Haines Konterpart in den USA ist der „Ufo-Historiker“ Richard Dolan, der die Auffassung vertritt:

Die U-2 flog auf einer Höhe von bis zu 20.000 Metern und sie flog immer schnurgerade Routen. Sie schwebte nicht, beschleunigte nicht urplötzlich, landete nicht vertikal und tat auch sonst keine jener Dinge, die Tausende von Zeugen damals den von ihnen gesichteten UFOs zuschrieben.“

Kommentare zum aktuellen CIA-Tweet gehen in die ähnliche Richtung, bis hin zu der Frage, „was denn mit der anderen Hälfte der Ufo-Sichtungen gewesen“ sei?

Dazu haben wir gestern schon geschrieben, dass sich natürlich keineswegs sämtliche Ufo-Sichtungen auf einen gemeinsamen Stimulus zurückführen lassen.

Auch der skeptische Ufo-Experte Werner Walter merkte im CENAP-Report Nr. 296 (PDF) kritisch an, dass der CIA-Historiker Haines als Ufo-Theoretiker „einiges an Stuss erzählte“ (ebenso wie Dolan) und seine Erklärung mit den U-2-Flügen „so ganz und gar nicht stimmt“.

Dennoch ziele die Ufologen-Argumentation ins Leere, eben aufgrund der besagten „Multikausalität“ des Ufo-Phänomens, für das es daher keine „einfache Antwort“ gebe.

Zum Weiterlesen:

  • „Das waren wir“: CIA räumt mit Ufo-Gerüchten auf, Focus-Online am 2. Januar 2015
  • Amerikaner enthüllen schnöde Wahrheit über Ufos, Westfalenpost am 2. Januar 2015
  • CIA admits to being responsible for at least half of UFO sightings in the 50s and 60s, UPI am 29. Dezember 2014
  • Feurige Blitze, Der Spiegel 33/1997
  • Medien-Selbstläufer-Mythos „US-Geheimwaffen“ als UFO-Hauptverantwortliche, Cenap-News am 11. Juni 2009
  • Interview mit Werner Walter zum Welt-Ufo-Tag 2013, GWUP-Blog am 6. Juli 2013
  • Valentich-Ufo-Fall gelöst? GWUP-Blog am 8. Februar 2014
  • Der Stern von Bethlehem und die Ufo-Theorie, ufo-information am 23. Dezember 2014
  • Das CENAP-Report-Archiv
  • „Ufo-Talk“: Die Podcasts von ufo-information.de
  • Schlechte Schlagzeilen (8): „Alienscheu der Astrophysik“, Astrodicticum simplex am 3. Januar 2015

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