Irene Schlingensiepen und die homöopathische Scheinwelt

Die “homöopathische Ärztin” Irene Schlingensiepen hat mal wieder die Berliner Urania heimgesucht und für ihr Machwerk “Homöopathie für Skeptiker” geworben.

Diesmal war indes Dr. Norbert Aust von Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie im Publikum.

Im Vorfeld der Veranstaltung hatte Aust sich vergebens um einen persönlichen Kontakt mit Schlingensiepen bemüht.

Warum die naive Homöopathie-Proponentin dem Kritiker wohlweislich aus dem Weg geht, wird aus Austs Bericht überdeutlich:

Kein einziges Argument der Vortragenden zur Studienlage und zu den Studienergebnissen hält einer Überprüfung stand.

In erstaunlich hohem Umfang erweisen sich die Angaben als unzutreffend, sei es die generelle Studienlage betreffend oder auch die Ergebnisse der ohnehin schon fragwürdigen Arbeiten von Frei und von v. Ammon.

Irgendwie ist es schwierig, sich vorzustellen, dass man sich mit der Veranstaltung an ‘die Skeptiker’ wendet, die ohnehin recht hohe Ansprüche an überzeugende Fakten stellen, um dann bewusst Fehlinformationen zur Argumentation zu verwenden.

Dann bleibt nur als Konsequenz, dass die Vortragenden in recht hohem Maße den Realitätsbezug verloren haben und in einer eigenen Scheinwelt leben.”

Offenkundig trifft auch auf Frau Schlingensiepen ein Bonmot aus dem Bullshit-Blog zu:

Meiner Meinung nach kann man nicht gleichzeitig Arzt, Wissenschaftler und Homöopath sein.

Entweder man ist Arzt und Wissenschaftler – dann kann man kein Homöopath sein. Oder man ist Arzt und Homöopath – dann kann man kein Wissenschaftler sein.

Wenn man aber Wissenschaftler und Homöopath ist, dann hat man die Bezeichnung Arzt nicht verdient, weil man genau weiß, dass Patienten getäuscht und ausgenommen werden.”

Zum Vormerken: Am 8. Januar ist Aust mit seinem eigenen Vortrag “Homöopathie ent-täuscht?” bei der GWUP-Regionalgruppe Würzburg zu Gast.

Zum Weiterlesen:

  • Homöopathie für Skeptiker und Neugierige, Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie am 20. Dezember 2014
  • Homöopathen machen Faxen, GWUP-Blog am 12. Mai 2014
  • Eine üble Mogelpackung: “Homöopathie für Skeptiker”, GWUP-Blog am 6. April 2014
  • An Introduction to Homeopathy, Skeptical Inquirer Volume 38.5, September/October 2014
  • Der Triumph der Homöopathie – Eine (weitere) Niederlage der Wissenschaften? Natur des Glaubens am 22. November 2014
  • Homöopathie in Österreich, Kritisch gedacht am 11. Dezember 2014
  • Wissenschaftlich denkende homöopathische Ärzte? GWUP-Blog am 15. Oktober 2012
  • Homöopathie-Forschung: Waste of time and money, Bullshit am 21. Juni 2014
  • Vorsicht! Keine Spenden für Homöopathen ohne Grenzen, Ratgeber-News-Blog am 20. Dezember 2014

10 Kommentare zu “Irene Schlingensiepen und die homöopathische Scheinwelt”


  1. 1 Rach 20. Dezember 2014 um 19:22

    Tagesschau vom 19.12.2014 – Bundesrat stimmt für die Lockerung des Kooperationsverbots. Hierbei geht es im Grunde darum, dass sich der Bund zukünftig finanziell mehr in die Hochschulförderung einbringen darf, Forschungsarbeiten dabei unterstützt werden. Dem aufmerksamen Zuschauer dürfte wärend des Beitrages nicht der Kugelschreiber mit dem Logo der Firma Heel entgangen sein – Lobbyarbeit? Ein Schelm wer arges dabei denkt. Immerhin ist Lobbyarbeit hier nichts unbekanntes, erinnert sei hier in kleiner Rückschau an Claus Fritzsche. Man ist sich in dieser Branche für nichts zu schade.
    Zum Beitrag in der Tagesschau geht es hier: http://www.tagesschau.de/inland/kooperationsverbot-wird-gelockert-101.html
    Besagter Kugelschreiber mit dem Aufdruck “Heel” dürfte wohl mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht an die aus der nordischen Mythologie bekannten Gottheit aus der Unterwelt werben.
    Die Liste der Krankenkassen, welche Präparate der Firma Heel bezahlen kann ein Hinweis auf erfolgreiche Lobbyarbeit sein – http://www.heel.de/Heel-de-Erstattung.html.
    Bleibt abzuwarten, welche Melange sich hier bildet.

  2. 2 ecanwahn 20. Dezember 2014 um 22:08

    Ich ärgere mich.

    Ich hatte (mit Göttergattin) 14 Euro an der Urania-Kasse bezahlt, um mich, rückblickend betrachtet, nicht nur von Schlingensiepen-Brysch & Brysch verarschen, sondern auch von Jauch-Wimmer, Brigitte, 2. Vorsitzende und Weiterbildungsbeauftrage des Berliner Vereins homöopathischer Ärzte (BVHÄ), nach der Veranstaltung dämlich anmachen zu lassen.

    Diese Dame nämlich ranzte meine Frau und mich auf dem Weg aus dem Saal noch an, „ob wir denn überhaupt wüssten, was wissenschaftliches Denken wäre?“.

    Sprach´s aus und drehte uns, in selten erlebter Unhöflichkeit, ohne eine Antwort abzuwarten, den Rücken zu, und entschwand in den sozial abgesicherten Kreis der Globulistinnen, die an einer anderen Tür der Kleist-Saal ihre Wagenburg bildeten.

    Es war eine groteske Veranstaltung im Kleist-Saal der Urania.

    Vor einer doch sehr spärlichen Zuschauerkulisse, die sich dem Gefühl nach etwa gleichwertig auf Skeptiker und Vasallen verteilte, verwursteten Schlingensiepen-Brysch & Brysch das Machwerk von Schlingensiepen-Brysch & Brysch zu 90 Minuten Publikums-Verblödung.

    Und Schlingensiepen-Brysch & Brysch, vor allem aber der Urania, muss gesagt werden: Es war grenzwertig.

    Nicht nur wegen der inhaltlichen Qualität des Vortrag (zu der Norbert Aust schon alles gesagt hat), vielmehr wegen der allzu offensichtlichen Ansicht Schlingensiepen-Brysch & Brysch, dass das Publikum dümmer ist, als die Polizei gemeinhin erlaubt.

    Das, was Schlingensiepen-Brysch & Brysch da abgeliefert haben – von der oberlehrerhaften Belehrung zum Skeptizismus über die allzu durchsichtigen rhetorischen Spielchen mit einer Dramaturgie, an der gemessen jede Laienspielgruppe aus Kleinkleckersdorf großes Theater abliefert, bis zum unverschämten und im gleichen Maße dilettantischen Umgang mit kritischen Fragen, ist ein eindrucksvoller Beweis für die These, dass Größenwahn und Unvermögen sich genauso gerne paaren, wie es Dummheit und Dreistigkeit tun.

    Dass dann die oben genannte Verbandshomöopathin noch ein bisschen Werbung für die vereinsmäßig organisierten „ächten Heilkünstler“ betreiben durfte, ist da nur noch eine Fußnote zum gesamten Elend, wie es auch die unausbleiblichen Heilanekdoten waren, von denen die Darmkrebsheilungen bei Hauskatze mittels Zuckerkügelchen mir deswegen noch im Gedächtnis blieb, weil diese Gequatsche meine Frau in so erhebliche Wallungen brachte, dass sie schon begann, nach ihrem Dienstausweis zu suchen.

    Der dafür zuständigen Entität sei Dank, war die Schmierenkomödie jedoch kurzfristig später überstanden, was anderseits aber deswegen schade war, weil erst die Anekdoten ein wenig Stimmung erzeugten – das nämlich war Schlingensiepen-Brysch & Brysch keineswegs gelungen.

    Wie gesagt, ich ärgere mich.

    Weniger über Schlingensiepen-Brysch & Brysch, die genau das abgeliefert haben, was man anhand der Vorgeschichte erwarten durfte, sondern vielmehr über die Urania, deren Selbstverständnis darin besteht „Wissenschaftliche Bildung für alle Bürger zu vermitteln…“ und die mit einer superben Liste von Vortragenden wuchert, anderseits aber solchen Sumpfblüten eine Bühne bietet, die nicht mehr abliefern als eine kostenpflichtige Kaffeefahrt mit Rheumadecken-Verhökerei.

    Hätten wir den alten Muttchen, die bibbernd am Wittenbergplatz unweit der Urania ihre selbstgehäkelten Topflappen feilbieten, um ihre wahrscheinlich spärliche Renten aufzubessern, unsere 14 Euro in die Hand gedrückt, wären wir wohl mit einem guten Gefühl nach Hause gefahren.

    So bleibt das miese Gefühl, zwei eitlen Selbstdarstellern Aufmerksamkeit gewidmet zu haben, die diese einfach nicht verdienen.

  3. 3 HDieter 21. Dezember 2014 um 00:57

    Bei meinem letzten Besuch in der Urania war Richard Gage/AE911 zu Gast. Soviel zu “Wissenschaftliche Bildung für alle Bürger zu vermitteln…” -_-

  4. 4 Skeptikus 21. Dezember 2014 um 09:03

    Gute Frage: Hat sich die Berliner Urania vom Anspruch der Wissenschaftlichkeit etwas verabschiedet und zieht mit solchen inkompetenten Vorträgen bewusst Wissenschaftsanalphabeten an? Die Analyse von Hr. Aust ist erschreckend. Ideologie schlägt Methode.

  5. 5 Michael 21. Dezember 2014 um 09:26

    Und nochwas zum Vormerken: Am 9.1. ist Aust dann mit dem gleichen Vortrag bei der Regionalgruppe Mittelfranken zu Gast. Siehe http://www.gwup.org/ueber-uns-uebersicht/regionalgruppen/mittelfranken

  6. 6 Ralf 29. Dezember 2014 um 22:28

    Die Frage, die ich mir stelle, ist die: Ist Homöopathie ein Atavismus oder nur ein Artefakt?

  7. 7 Torsten 31. Dezember 2014 um 15:01

    Von den Pastafarians lernen:

    Über Weihnachten hatte ich ein wenig Fieber. Gestern abend hat mir meine Freundin Fritten gemacht. Und was soll ich sagen, es hat mir geholfen: Ich habe kein Fieber mehr!

    Und das lasse ich mir auch von keinem dahergelaufenen Skeptiker ausreden: Frittöopathie hilft. Mir ist auch egal, dass das noch niemand wissenschaftlich nachgewiesen hat. Bei mir hat es ja geholfen! Das reicht doch als Beweis.

    Ich finde, darüber sollte man mal reden! Und nicht der Lügenpresse glauben, die die Wirksamkeit der Fritten bisher verschwiegen hat. Ich kenne viele Belgier, und die sind alle gesund. Ist doch klar, dass die Pharma-Mafia das unterdrücken will. Ich wohne neben einem großen Pharmaunternehmen, und dort in der Kantine gibt es nur einmal in der Woche Fritten. Ist ja wohl klar,warum.

    Deswegen werde ich meinen Freunden auch immer Frittöopathie empfehlen – gegen Fieber, Furunkel und Fußpilz!

  8. 8 Clemens Maier 1. Januar 2015 um 12:36

    Nun ja, das Programm der Urania scheint eine gemessen an manchen Volkshochschulen (noch) nicht sehr ausgeprägte Tendenz zu alternativmedizinischen Vorträgen zu haben: Hormonyoga für die Wechseljahre, Nahrungsergänzung bei angeblicher Übersäuerung, taoistische Lebenskunst, die Hausapotheke basierend ” auf den Erfahrungen des Zentrums für Traditionelle Chinesische und Integrative Medizin “.

    Alles im Januar.

    Da ist der Weg zu einem solchen Vortrag nicht mehr so weit.

  1. 1 Vorsicht! – keine Spenden für “Homöopathen ohne Grenzen” | Ratgeber-News-Blog Pingback am 21. Dezember 2014 um 02:37
  2. 2 Das Highlight der “wissenschaftlichen” Homöopathie – Irene Schlingensiepen-Brysch | Ratgeber-News-Blog Pingback am 21. Dezember 2014 um 19:41

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