Kinder-Uni der Stuttgarter Zeitung: Lernziel Wahrsagen

Ach, was wäre ich als Kind froh gewesen, hätte mir jemand frühzeitig eine Alternative zu Schule, Studium und ehrlicher Arbeit aufgezeigt.

Dann würde ich mir jetzt keine Texte und Bücher abringen – sondern leichtgläubige Zeitgenossen mit Wahrsagen abziehen.

Die Kids von heute haben es da viel besser.

Sie bekommen von der Stuttgarter Zeitung erklärt, wie man an das “Wissen der Geister” gelangt, “hellseherische Fähigkeiten” entwickelt und diese dann als “Kartenleserin” zu Geld macht.

Und zwar ganz ernsthaft in der Rubrik “Kinder-Uni” des Ressorts “Wissen & Computer”.

Dazu könnte man jetzt einen sehr launigen Kommentar schreiben, aber das hat dankenswerterweise schon der Blogger-Kollege von aargks – pro Logik besorgt, auf den ich hier verweisen möchte.

Ein Auszug:

Bevor ich den Artikel zerlege, kommt hier die Übersetzung:

Liebe Kinder, heute an Eurer Kinder-Uni: Wir lesen die Zukunft. Klingt komisch, is aber so.

Ganz ehrlich. Geht einfach. Ihr, liebe Kinder, könnt das natürlich nicht. Das kann nur die Tante Karin. Tante Karin ist nämlich etwas besonderes. Nicht so wie Ihr doofen Normalo-Kids.

Irgendwann sind der Tante Karin nämlich beim Mau-Mau ihre miesen Karten aufgefallen. Da hat sie gedacht: Au weia, bei dem Spiel machste keinen Stich. Und weil sie Mau-Mau spielen nicht kapiert hat, hat sie andere Karten gekauft. Da sind ganz viele unterschiedliche Bildchen drauf, so mit Engeln und Totenköpfen und so.

Das spielt die Tante Karin jetzt immer. Mag sie auch viel lieber als Mau-Mau, weil bei ihrem Spiel gewinnt die Tante Karin immer. Denn wer mit ihr spielen will, muss sein ganzes Taschengeld abdrücken. Das behält die Tante Karin dann für sich.

Dafür erzählt sie Euch, welche Zeugnis-Note Ihr nächstes Jahr in Mathe bekommt. Oder auch nicht.”

Das kommt mir auch in sofern ganz zupass, als dass ich bei dieser Gelegenheit noch auf zwei weitere interessante Beiträge bei aargks – pro Logik aufmerksam machen kann, nämlich:

Zum Weiterlesen:

  • Kinder-Uni-Verarsche der Stuttgarter Zeitung, aarks – pro Logik am 8. Juli 2013
  • “Mein Horoskop stimmt immer!” Ja und? GWUP-Blog am 4. Mai 2013
  • Sind Hellseher sympathisch? GWUP-Blog am 30. September 2012
  • Sind Hellseher seriös? GWUP-Blog am 1. Oktober 2012
  • Sind Hellseher anerkannt? GWUP-Blog am 2. Oktober 2012
  • Sind Hellseher Schwindler? GWUP-Blog am 2. Dezember 2012

17 Kommentare zu “Kinder-Uni der Stuttgarter Zeitung: Lernziel Wahrsagen”


  1. 1 Pierre Castell 9. Juli 2013 um 22:05

    Man kann nur den Kopf schütteln…

  2. 2 Ralf 10. Juli 2013 um 15:58

    Vielleicht können dann auch die Kinder ein “Phönixdancer”-Zertifikat erwerben, denn die “gute Frau” ist auch noch “Schamanin”.
    http://www.esoterikverzeichnis.de/anbieter/index.php?id=1352

    Beste Zitate aus dem Artikel:

    Die Karten irren nicht

    und

    die Karten sind die Wahrheit

    und

    Wenn doch etwas anderes als das Vorhergesagte eintreffe, dann habe sie die Karten nur falsch interpretiert

    Aha…

  3. 3 Michel 10. Juli 2013 um 22:31

    Es gibt wohl schon so viele Schamanen und schamaninnen, dass sie locker alle sommerlöcher stopfen können.

    Die Stuttgarter Z. Sollte sich schamanen äh schämen

  4. 4 Volker 11. Juli 2013 um 05:39

    So wie ich das verstehe, geht es um Wahlforscher. Also Tante Allensbach und nicht um Tarot.

  5. 5 Bernd Harder 11. Juli 2013 um 08:51

    @Volker: Dann hast Du das aber völlig falsch verstanden – es geht eben gerade NICHT um Wahlforschung o.ä., hast Du nur den ersten Satz gelesen?

  6. 6 Volker 11. Juli 2013 um 16:20

    Sch.. ich habe den falschen Artikel, nämlich den mit der Wahlforschung gelesen. :-(
    Den mit der Kartenlegering habe ich soeben erst gelesen, (sprich Deinen Link) hatte ich nicht befolgt, sondern selbst gegoogelt. Nun ist klar! Danke!

  7. 7 Ralf 11. Juli 2013 um 18:25

    …ich vermisse den “Shitstorm” auf der Seite des Artikels ;-)

  8. 8 JolietJake 11. Juli 2013 um 19:07

    @Ralf:
    Ja, schon seltsam. Man könnte fast meinen, die StZ veröffentliche nur sehr ungern kritische Kommentare.
    Meinen wollten sie jedenfalls nicht…

  9. 9 Bernd Harder 11. Juli 2013 um 19:19

    @”Jens Neumann”:

    Netter Versuch, aber solange ich noch bis drei zählen kann, veröffentlichen wir hier keine Werbung für Eso-Seiten.

  10. 10 Ralf 11. Juli 2013 um 19:19

    @JolietJake
    Ach, danke…so was hab’ ich mir fast gedacht…
    ich hoffe aber trotzdem, daß es bei den Verantwortlichen ankommt…vielleicht gibt es sogar eine Stellungnahme (träumen darf man ja ;-))

  11. 11 JolietJake 12. Juli 2013 um 23:01

    Es gibt sogar eine Stellungnahme im Kommentarteil:
    “Reaktion auf die Kritik

    Da der Professor der Kinder-Uni mit dem Bild des Blicks in die Kristallkugel spielt (siehe den Beitrag unter http://bit.ly/12lbxsA), haben wir uns entschieden, einen Einblick in den Arbeitsalltag einer „professionellen“ Wahrsagerin zu werfen. Es war nicht beabsichtigt, die esoterischen Prinzipien des Kartenlegens als wissenschaftlich darzustellen. Es tut uns leid, dass dieser Eindruck entstanden ist.”

    Naja…

  12. 12 Ralf 13. Juli 2013 um 23:16

    @JolietJake

    Ja, das hab’ ich auch gelesen, aber wollen die “uns” für dumm verkaufen…wer hat jemals behauptet, daß dort Kartenlegen als “wissenschaftlich” verkauft wird…nein, es ging vielmehr um die Werbung für die “Kartenlegerin” und die unkritische Berichterstattung (und das in einer “Kinder-Uni”)…
    manchmal werden Träume wahr – aber es bleiben halt doch nur Träume ;-)

  13. 13 JolietJake 14. Juli 2013 um 04:00

    Das hab ich versucht anzubringen, mal sehen, ob es durch kommt:

    “Ihre Reaktion in allen Ehren, aber mir persönlich ist das in diesem Fall zu wenig.
    “Es war nicht beabsichtigt, die esoterischen Prinzipien des Kartenlegens als wissenschaftlich darzustellen.”
    Obschon ich mich mit diversen esoterischen Praktiken auseinander gesetzt habe, frage ich mich: Was sind “esoterischen Prinzipien”?
    Welche sollen das sein?

    “Erlaubt ist, was gefällt?”

    Esoterik, mit all ihren Spielarten, ist wohl die beliebigste Weltanschauung die es gibt.

    Egal wo dieser Artikel veröffentlicht würde, ob in “Kinder-Uni” (da ist es aber wohl am Schlimmsten) oder pauschal bei “Wissen” oder Region usw., aber mit keinem Satz zu erwähnen, dass die Hellseherei der Frau Kristans völliger Humbug ist, ist beinahe unverzeihlich.
    So wie dieser Artikel da steht, ist er pure Werbung für eine Unternehmung, die an Betrug grenzt.
    (Und nur “grenzt”, weil Fr. Kristan wahrscheinlich selbst glaubt, sie könne irgendetwas “vorhersehen”.)”

  14. 14 Ralf 14. Juli 2013 um 22:40

    @JolietJake
    Jupp, kam durch…bis auf den letzten Abschnitt.
    Wie kann man auch nur eine Sekunde daran denken, es könnte Betrug sein? ;-)
    Es gibt Fälle, in denen Menschen tausende von Euros an solche “Lebensberater” verlieren; natürlich kann man sagen: selbst dran schuld…zur Freiheit gehört es auch “blöd” zu sein.
    Aber eine “seröse” Zeitung sollte eine solche “Branche” nicht noch mit kostenloser Werbung helfen.
    Die scheinheilige Stellungnahme hätte man sich sparen können !

  15. 15 Pierre Castell 15. Juli 2013 um 13:02

    @ Ralf
    “Aber eine “seröse” Zeitung sollte eine solche “Branche” nicht noch mit kostenloser Werbung helfen.”

    Ich kaufe mir wöchentlich seit über 45 Jahren die TV-Programmzeitschrift Gong, die ich auch als Seriös betrachten möchte.

    Da ich sie in der Programmaufteilung sowie den Informationen bezgl. auftretender Artisten in Fernsehsendungen besonders gut finde (andere Zeitschriften dieser Art nennen nur die Superstars wie z.B. bekannte Sänger, aber in der Regel nicht die Namen von Artisten wie z. B. Jongleuren,Zauberkünstler usw.), kaufe ich diese Fernsehzeitschrift noch heute.

    Was mir aber schon als Jugenlicher aufgefallen ist:
    In dieser Zeitschrift hatten schon früher Hellseher und Wunderheiler ganzseitige Anzeigen geschaltet. Woche für Woche. Dies ist zwar bezahlte Werbung, aber in so einer seriösen Zeitschrift? Sogar heute noch findet man gelegentlich ganzseitige unseriöse Anzeigen, die wohl von anderen Zeitschriften abgelehnt werden.

  16. 16 Ralf 15. Juli 2013 um 23:28

    @Pierre Castell
    Ja, stimmt so dunkel kann ich mich auch daran erinnern – meine Eltern hatten früher den “Gong” und da war auch noch Herr Markwort Chefredakteur, aber dann ist er aus meinem Focus entwichen ;-)

  1. 1 Blog-Rezension IV: GWUP, die Unvoreingenommenen | aargks Pingback am 11. Juli 2013 um 11:22

Kommentieren




NEU: Skeptiker 4/2013

SKEPTIKER 4/2013