Spontane Selbstentzündung: Wieder ein heißes Thema

Über das Phänomen der “Spontanen menschlichen Selbstentzündung” haben wir mehrfach berichtet – hier im Blog und im Skeptiker:

Auch beim skeptischen Podcast Hoaxilla gibt’s eine Folge dazu.

Nun ist die Diskussion darüber wieder entflammt, berichtet Der Spiegel in seiner aktuellen Print-Ausgabe (43/2012).

Der englische Biologe Brian Ford hat nämlich in dem Journal The Microscope eine neue Erklärung vorgestellt.

Demnach soll eine Stoffwechselstörung zur körpereigenen Produktion von Aceton führen:

Ford glaubt, dass bereits der winzige Zündfunke einer elektrostatischen Entladung – etwa während des Haarbürstens oder bei Kontakt mit aufgeladenen Synthetikfasern – ausreichen könne, um den in Aceton getränkten Körper in eine lebende Fackel zu verwandeln.”

Was den Forscher in seiner Arbeit zu dem durchaus humorigen Fazit bringt:

On the other hand, if you’re susceptible to ketosis, now might be the perfect time to give up smoking.”

Kritik an dieser Idee wird indes im gleichen Artikel von GWUP-Wissenschaftsratsmitglied Dr. Mark Benecke geäußert:

Das ist esoterischer Kram.”

Die Opfer hätten dazu in dem körpereigenen Spiritus regelrecht ertrinken müssen. Das aber sei schlicht unmöglich:

Da ist man Jahre tot, bevor man brennt.”

In der Tat erinnert Fords Vermutung an das 17./18. Jahrhundert, als man glaubte, durch übermäßiges Trinken brennbarer Spirituosen werde der menschliche Körper selbst brennbar. Oder an “außer Kontrolle geratene Mitochondrien“. Oder an imaginäre Elementarteilchen namens “Pyrotrone”.

Und so bleibt der Docht-Effekt wohl nach wie vor die beste Erklärung für die angebliche “Spontane Selbstentzündung”.


Direktlink zum Video auf Youtube

Zum Weiterlesen:

  • Spontane menschliche Selbstentzündung bei 1 Live (Video mit Dr. Mark Benecke)
  • Spontane menschliche Selbstentzündung bei Psiram/Esowatch
  • Menschliche Fackel, Die Zeit am 17. Oktober 1997

7 Kommentare zu “Spontane Selbstentzündung: Wieder ein heißes Thema”


  1. 1 ymn 23. Oktober 2012 um 20:41

    So abwegig ist das gar nicht, und die beiden Theorien schließen sich nicht einmal aus. Es geht ja nicht darum, dass der Körper selber brennbar ist, sondern um die Ansammlung von gasförmigem Aceton unter der Kleidung.

  2. 2 Martina Rheken 23. Oktober 2012 um 21:01

    @ymn:

    Na ja, wie soll sich massenhaft Aceton unbemerkt unter der Kleidung ansammeln? Das ist kein Gas, sondern eine Flüssigkeit, heißt: das ist unangenehm und riecht streng.

    Außerdem ist die verlinkte Arbeit von Herrn Ford ziemlich seltsam: Er behandelt SHC per se als ungelöstes Mysterium und lehnt die Docht-Theorie primär deswwegen ab, weil die Hitze angeblich nicht ausreiche, um auch die Knochen zu verbrennen.

    Erstens ist das fragwürdig und zweitens gar nicht notwendig, denn auch die inneren Organe bleiben ja oft erhalten, wegen eines Temperaturgradienten. Das “Rätsel” entsteht dann so, dass die Überreste schon abtranbsportiert worden sind, bevor die Fotos gemacht wurden, die überall kursieren.

  3. 3 Dietmar 24. Oktober 2012 um 08:38

    Wenn Aceton die Ursache wäre, müssten an Diabetes Erkrankte mit Ketoazidose am Häufigsten betroffen und für die Allgemeinheit sozusagen brandgefährlich sein.

  4. 4 s p brunner 24. Oktober 2012 um 09:55

    Kommen eigentlich alle historischen Tragödien als Komödie noch einmal auf die Bühne?

    Die Geschichte wurdeschon in einem der ersten öffentlichen Prozesse in Hessen-Darmstadt als Legende entlarvt – vor über 150 Jahren!:

    http://www.echo-online.de/freizeit/kunstkultur/literatur/-Flammentod-im-Grafenhaus-von-Aide-Rehbaum;art639,2373733

  5. 5 Holger 24. Oktober 2012 um 11:24

    Wenn das so einfach ginge mit dem Aceton, dann müssten in den Praktika-Labors der Chemie an den Unis dauernd irgendwelche menschlichen Fackeln durch die Gegend laufen – denn da kommt’s schon öfter mal vor, dass man sich Aceton irgendwo drüber schüttet (natürlich versehentlich – gerade im OC-Praktikum ist Aceton ein beliebtes Reinigungsmittel) – und das sind Mengen, von denen ein Bruchteil, wenn der Mensch sie erst in sich erzeugen würde, diesen, wie Dr. Benecke ganz richtig bemerkt, schon längst getötet hätten.

    Aceton hat aber schon einen recht ordentlichen Dampfdruck – das verdampft ziemlich zügig auf körperwarmen Stellen (kann man zum Ausprobieren in der Apotheke kaufen – manche Nagellackentferner sind auch ganz überwiegend Aceton).

  6. 6 diabetiker 24. Oktober 2012 um 16:59

    weshalb fragen solche Theoretiker nicht die Betroffenen(es gibt Diabetikerforen) , denn dann würde so ein Unsinn gar nicht erst veröffentlicht.

    1. Typ 2 Diabetiker (die übrigens nicht alle dick sind) bekommen überhaupt keine Ketoascidose denn diese tritt nur bei–>

    2. Typ 1 Diabetikern auf. die “noch” nicht Insulin spritzen.oder keins haben. diese sind allg extrem unterernährt, da das insulin fehlt.
    in der Reihenfolge, Ketose–> Ketoascidose(starker Brechreiz)–> kußmaulsche Athmung –> Koma….

    3. in der Zeit davor ist im Athem der fruchtige(Calvados) Geruch zu merken
    (daher werden die Betroffenen leider oft für betrunken gehalten)

    daher genau wie Herr Brennecke schrieb “bevor” nennenswerte Acetonmengen (als Brandsatz) entstehen, ist der/die Betroffene tot.

    und wenn tot wird auch kein Aceton mehr produziert, da der stoffwechsel aufhört.
    mfg. Diabetiker

  7. 7 A.P. 22. August 2013 um 09:47

    (@diabetiker: Das schreibt sich im übrigen “Atem” und “Atmung”, ohne “h”…)

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