Löffelbiegen: “Mentaler” Kraftakt

Vor einigen Jahren wurde ich Zeuge, wie eine völlig integre ältere Dame offenkundig ohne Trick, ungeplant, ohne bewussten Schwindel oder Betrugsmöglichkeit einen Löffel massiv verbog.

Auf der Mailingliste der Skeptiker entspann sich um diesen Vorgang eine lebhafte, aber ratlose Diskussion.

Bis schließlich der Zauberkünstler Wolfgang Hund vom GWUP-Wissenschaftsrat erklärte, dass so etwas durchaus möglich sei – und sehr schlecht jemandem zu schildern, der das nicht selbst schon ausprobiert habe:

Die gesamte Aufmerksamkeit wird ,auf den Punkt’ gebracht, die volle Konzentration liegt auf dem Vorhaben des Biegens (,Ich will, dass es funktioniert!’) und auf dem dünnen Metallstil des Löffels. Wenn man das schafft, entwickelt man Kräfte und setzt diese ein, ohne dass man das Geringste dabei merkt.“

Es handelt sich also weder um einen Trick noch um ein übersinnliches Phänomen, sondern um ein konventionelles – physikalisches – Verbiegen, das aber die Person nicht merkt und deshalb hinterher voll (subjektiver) Überzeugung meint, sie habe „überhaupt keine Kraft“ angewendet.

So ähnlich war es auch gestern Abend beim “Paranormalen”-Test im Schweizer Fernsehen.

Die “mediale Trainerin” Anja Felder konnte mit ihrer Löffelbiegerei die Jury (darunter ein Berufszauberer) durchaus verblüffen – “übersinnlich” war das Ganze trotzdem nicht, denn …

… dem Kunststück ging ein Kraftakt voraus, und zwar durch muskuläre Anstrengungen”,

heißt es dazu heute auf der “Kassensturz”-Homepage.

Und hier geht’s zum Video.

 Zum Weiterlesen:

  • “Kassensturz” testet Paranormale: Die Löffelbiegerin, skeptikerblog Schweiz am 18. Oktober 2012

3 Kommentare zu “Löffelbiegen: “Mentaler” Kraftakt”


  1. 1 Dietmar 19. Oktober 2012 um 08:37

    Ich muss mich fast entschuldigen, aber das war schlicht lächerlich: Man hat gesehen (!), wie die Frau durch Körperkraft die Löffel verbogen hat! Die Knöchel traten weiß hervor, da war Kraftaufwand zu sehen! Da ist rein gar nichts Mysteriöses dran. Wenn das übersinnlich ist, dann ist es auch übersinnlich, wenn starke Frauen Gewichte stemmen, an denen ich mir einen Bruch höbe. Oder Mehrfachsalti in der Luft schlagen. Oder schnell schwimmen. Das war ein peinliche Auftritt der beiden Skeptiker, sich derart beeindruckt zu zeigen, nur weil sie selber nicht die Technik oder Körperkraft haben, ich muss jetzt wieder lachen, wenn ich an die Dreistigkeit der Löffelbiegerin und ihre Perfomane denke, solche Löffel zu verbiegen.

    Hier noch eine kleine Denkanregung für die Skeptiker: Es gibt Musiker, die spielen unglaublich virtuos. Lang Lang oder Garret. Das schaffen nur wenige. Zauberei?

  2. 2 Bernd Harder 19. Oktober 2012 um 11:06

    @Dietmar: Was die TV-Sendung angeht, haben Sie Recht: Da hat die gute Frau schon äußerst kräftig herumgebogen.

    Bei meinem geschilderten Erlebnis war das ganz anders – darauf bezogen sich primär meine Anmerkungen.

  3. 3 Dietmar 19. Oktober 2012 um 11:38

    @Bernd: Das soll hoffentlich kein anekdotischer Beweis sein. (Nur ein Scherz, keine Sorge.)

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