Wir empfehlen: Xerophyllum LM 6

Bekanntlich gibt es ja kein Übel auf der Welt, wogegen unsere Huschi-Fuschi-Freunde nicht mit Homöopathika vorgehen würden – sei es nun eine Nuklearkatastrophe oder auch nur ein Koma nach einem schweren Unfall.

Deshalb spendieren wir den Betreibern der Seite heilpraxisnet heute mal ein paar wirklich gut gemeinte Empfehlungen:

Xerophyllum LM 6:

Wird vor allem dann gegeben, wenn sogar die einfachsten Wörter falsch geschrieben werden.”

Lycopodium LM 6:

Das Kind ist, trotz offensichtlich gemachtem Fehler, nicht belehrbar.”

Natrium Muriaticum LM 6:

Kommt immer dann in Frage wenn seelische Probleme das logische denken blockieren.”

Diese Mittelchen sollten den Autoren doch zumindest dazu verhelfen können, einen orthografisch weitgehend korrekten und inhaltlich sinnvollen Beitrag zu verfassen – im Gegensatz zu dem aktuellen Artikel “Anti-Homöopathie-Aktionen gestoppt”.

In der Unterzeile heißt es:

Anti-Homöopathie-Gegner planen keine Aktionen mehr.”

Diesen grammatikalisch-logischen Schenkelklopfer haben wir auf der Facebook-Seite der Skeptiker und via Twitter bereits gewürdigt, ebenso wie den Titel des  Aufsatzes

Verzehrte Wahrnehmung der Homöopathie-Gegner?

Nun ja, anscheinend verzehren sich unsere C- und D-Protagonisten geradezu vor Sehnsucht nach einem baldigen Ende der Skeptiker-Kritik an ihrem seltsamen Treiben.

Allerdings vergebens.

Für dieses Jahr hat die GWUP keine Aktion Überdosis mehr angekündigt”,

lesen wir da – und anscheinend hat der Verfasser dieser Zeile vorher eine riesige Portion Gelsemium eingenommen (das homöopathische “Zitter-Mittel”), um seiner inneren Erregung Herr zu werden.

Weiter:

Damit dürfte die plakative PR-Kampagne mit dem Ziel, negative Berichterstattung zur Homöopathie auszulösen, vorerst gescheitert sein.”

Tatsächlich?

Das ist uns a) neu und b) ist der Nebeneffekt, ”negative Berichterstattung zur Homöopathie auszulösen”, längst erreicht.

Außerdem ist das Jahr noch lang, und da wir nicht an den Weltuntergang 2012 glauben, läuft uns die Zeit für weitere 10:23-Aktionen auch nicht davon.

(Apropos Weltuntergang: Neuerdings hilft uns Homöopathie sogar, “das Phänomen der Erderwärmung neu zu verstehen”, wie wir hier erfahren. Demnach versucht unser Planet, “die Verhärtungstendenz mit einem dauerhaften Fieberzustand auszugleichen”. Ah ja. Welche Globuli helfen eigentlich gegen Wahnsinn? Und warum nehmen solche Leute nicht mal was davon ein??)

Wie auch immer: Gegen die Angst vor den bösen Skeptikern versagt offenkundig alles – von Aconitum napellus bis Phosphorus.

Wohl nur so ist es zu erklären, dass der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) sich gerade den Blogger “merdeister” von den Ausrufern vorzunehmen versucht.

Der hatte nämlich im Januar überaus launig eine “homöopathische Arzneimittelprüfung” im Selbstversuch geschildert - etwa vergleichbar mit der 10:23-Aktion der Skeptiker.

Passiert ist natürlich nix, was wiederum Curt Kösters vom DZVhÄ zu einer “Fehleranalyse” genötigt hat. Die Argumente der Homöopathen sind wie üblich so hoch verdünnt, dass sie kaum wahrnehmbar sind. Außerdem kennen wir alle Ausreden schon von 10:23.

Jedenfalls hat “merdeister” nun auch darauf wieder geantwortet.

Sein “Offener Brief an Curt Kösters vom DZVhÄ” findet sich hier.

Ein Auszug:

Sie schreiben, meine Beschreibung der Symptome sei nicht genau genug, ich hätte nur von „Kneifen im Bauch“ geschrieben, nichts jedoch z.B. von meiner Körperhaltung oder der Tageszeit.

Nun frage ich mich allerdings, ob es eigentlich ausgereicht hätte, zu sagen, ich sei nach vorne gebeugt gewesen oder ob ich nicht auch hätte erwähnen müssen, um wieviel Grad. Gab es Rotation in der Wirbelsäule, in welchem Winkel standen meine Extremitäten zum Rumpf und zueinander? Habe ich schneller geatmet als sonst oder langsamer? Wie war das Verhältnis von der Ein- zur Ausatmung?

Was für Kleidung hatte ich an? War sie zu eng, zu weit, zu warm oder zu kühl? Habe ich die Schuhe enger geschnürt als an einem anderen Tag? Habe ich öfter auf die Uhr gesehen? Wie hat mein Darm reagiert, war er träger oder aktiver als sonst? Gibt es einen Unterschied zwischen Duodenum, Jejunum, Ileum und Colon?

Hatte ich kalte Hände und/oder Füße, was ist mit meiner Nasenspitze?”

Zum Weiterlesen:

  • Offener Brief an Curt Kösters vom DZVhÄ, Die Ausrufer am 2. April 2012
  • Was hat die GWUP gegen Homöopathie? GWUP-Blog am 1. Februar 2011

 

 

10 Kommentare zu “Wir empfehlen: Xerophyllum LM 6”


  1. 1 trixi 3. April 2012 um 21:02

    Har, Har, Ihr Lieben von “heilpraxisnet”: der Gag mit der unerlaubten Arzneimittelprüfung durch die Skeptiker ist nun wirklich schon uralt:

    http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/2011/02/1023-ungenehmigte-arzneimittelprufung.php

    Und seit wann ist Zucker ein Arzneimittel???

  2. 2 Wilki 4. April 2012 um 12:47

    Die homöopathischen Empfehlungen (hinter dem Link oben) bei Lernschwierigkeiten sind einfach der Brüller. Besonders lustig der letzte Absatz. Sollte man Probleme in Physik haben, hilft folgendes:

    CARBO VEGETBILIS D200 bei blassen Schülern die leicht außer Atem sind oder GRAPHIT LM 6 bei Schülern mit fettiger, unreiner Haut oder PETROLEUM DM 200 bei depressiver Stimmungslage versucht werden

    Ok das heißt also, wenn du z.B. eine gut aussehende Blondine mit reiner Babyhaut, durchtrainiert und immer fröhlich bist, dann kann dir die Homöopathie bei Problemen in Physik leider nicht helfen. Warum auch immer. ;-)

    Andererseits weiß ich jetzt warum [Klischee] die verpickelten, vom Sportunterricht befreiten und sehr introvertierten Schüler so gut in Physik waren [/Klischee]. :-)

  3. 3 merdeister 4. April 2012 um 13:55

    In New York wurde gerade die Stubenfliege getestet, denn, es ist kaum zu fassen, bisher hatte sich noch kein Homöopath dieser angenommen.

    “They seem to have an insatiable thirst. This is because, as noted before, they are unable to eat food — they must drink it. Many provers had dreams of water. Water was a theme that kept repeating itself in many ways.”

    “There was a theme of corruption and decay. “Proverted” images appeared in life and in dreams. Many provers experienced disgust with their surroundings.”

    “And so, after much amusing fly gathering and attempted storage, we realized instead, that a pupa should be sent to Michael Quinn at Hahnemann Pharmacy so it would be easily classified. As a promoter of provings, Michael generously made 12 vials of 30c potency for us. (It should be noted that there was no way for Michael to know whether it was male or female, and we are not sure whether or not this is important.)”

    http://www.nyhomeopathy.com/flysum.htm

  4. 4 Micha 4. April 2012 um 16:12

    @merdeister
    Ist doch nicht neu, das gibt’s schon lange:
    http://www.remedia.at/homoeopathie/Musca-domestica/a1020.html

  5. 5 merdeister 4. April 2012 um 16:30

    @micha

    Für mich ist es neu und nur (meine) Erfahrung zählt, egal was das Datum sagt.

  6. 6 Ralf 5. April 2012 um 03:22

    …ich fahre relativ oft Fahrrad…wenn ich mich dabei anstrenge, verfalle ich in “Schnappatmung”, was zur Folge hat, daß ich dabei Mücken in hoher Potenz einsauge…jetzt mache ich mir Gedanken über eine eventuelle Wirkung.
    Kann man vielleicht, durch Froschschenkelessen das ganze neutralisieren?

  7. 7 Piepsi 6. April 2012 um 10:41

    @Ralf:
    Da der Grundsatz “similia similibus curentur” gilt, müssen Sie sich schleunigst mit diesem hochwirksamen Mittel therapieren, um schlimmeres zu verhindern!!!elf!

  8. 8 Ralf 6. April 2012 um 19:49

    @Piepsi
    …in welcher Potenz muß ich die einnehmen?
    und was bedeutet das “Simsalabim”?…;-)

  9. 9 excanwahn 6. April 2012 um 23:15

    Gottfried Eisenmann, Die Prüfung der Homöopathie, Erlangen 1836 (Auszug)

    Der Homöopath hält sich, wie schon gesagt wurde, einzig und allein an die Symptome, er kann über die Krankheit keine Auskunft geben, als der Kranke selbst, ja er muss sich auf die Aussagen des Kranken blind verlassen, und wenn dieser einen Grund dazu oder einen Spaß daran hat, dem homöopathischen Doctor recht abgeschmaktes Zeug aufzubinden, so hat der Homöopath in seiner Wissenschaft gar keinen Anhaltspunkt, um sich vor Täuschung zu schüzen; den seine Wissenschaft sagt ihm, alles das, was dir der Kranke sagt, zusammengenommen, ist die Krankheit.

    Macht den Versuch, lasst einen solchen Wundermann kommen, der weiser ist als die Jahrtausende, welche die rationelle Medizin geschaffen haben, erzählt ihm das tollste Zeug, was Euch nur einfällt, stellt ihm, statt des Menschen-Urin den Harn von Pferden, Kühen, Hunden, Kazen vor, und er wird bey seinem Propheten Hahnemann schwören, dass er Euch durch die Wunder der Homöopathie heilen werde, und wird Euch mit geweihter Miene aus seiner Taschenapotheke das heilsame Nichts reichen.

    Wenn Ihr nun etwa über solche Albernheit das Lachen nicht halten könnt und dem Herrn Doctor ins Gesicht lacht, so wird sich derselbe so wenig irre machen lassen, wie jener Magnetiseur, dem seine Magnetisierte zuweilen auch ins Gesicht lachte, und der doch bekanntlich ein sehr geistreicher Mann ist…

    Also der Homöopath wird Euer Lachen nur insofern berücksichtigen, als es ihn bestimmt in seiner Arzneimittellehre nachzusehen, welches Mittel neben den von Euch erwähnten Symptomen auch Lachen erregt…

    Die Symptome und vorzüglich die Gefühle, die der Kranke empfindet, sind demnach der einzige Anker des Homöopathen. Fragt Ihr ihn, was dem Kranken fehle, so sagt er: er hat Leibweh, oder Kopfweh, oder Seitenstechen, je nachdem der Kranke diese oder jenes angegeben habe; fragt Ihr ihn, welches innere Organ besonders ergriffen sey, so sagt er, das geht mich nichts an, fragt Ihr ihn, von welcher Natur den die Krankheit sey, so sagt er: das geht mich noch weniger an; fragt Ihr ihn, welchen Ausgang die Krankheit nehmen werde, so antwortet er entweder ganz unbedingt: ein guten, oder wenn er noch eine Spur von Ehrlichkeit besizt: ich weiß es nicht; denn die Homöopathie gibt kein Mittel an die Hand, durch welches wir den Ausgang der Krankheit vorhersagen können, die Homöopathie kennt keinen anderen Ausgang als den in Genesung.

    Fragt Ihr ihn, wenn aber der Kranke troz der alles heilenden Homöopathie doch sterben sollte, was man dann in der Leiche für Veränderungen antreffen werde, so antwortet er: darum kümmere ich mich nicht; dem Homöopathen sterben keine Kranken, und diejenigen, die uns sterben, die bilden sich blos ein, sie seyn gestorben, sie sind aber in der That durch die Homöopathie geheilt, so wie sich die durch die von den Aerzten der alten Schule geheilten blos einbilden, dass sie geheilt seyn, aber in der That noch ganz krank sind und bleiben, bis sie zur Homöopathie ihre Zuflucht nehmen.

    Die Zeit vergeht, wirklich Idiotie bleibt.

  10. 10 QuakQuak 16. Mai 2012 um 15:38

    @excanwahn:

    Toller Artikel und schon 176 Jahre alt.

    Dem ist auch heute nichts neues mehr hinzuzufügen.

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